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Belgien

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Brüssel
Lage
noframe
Flagge
Flagge von Belgien
Kurzdaten
Hauptstadt Brüssel
Staatsform Parlamentarische Demokratie mit konstitutioneller Monarchie
Währung Euro
Fläche 30.500 km²
Bevölkerung 10,8 Mio
Sprachen Niederländisch rd. 60 %, Französisch rd. 39 %, Deutsch rd. 1 %
Religionen Römisch-katholisch 75 %, Andere 25 %
Stecksystem 230 V/50 Hz (Europäischer Stecker)
Telefonvorwahl +32
Internet TLD .be
Zeitzone UTC +1

Belgien (niederländisch: België, französisch: Belgique) liegt in Westeuropa und gehört zu den Benelux-Ländern. Es liegt an der Nordsee und grenzt an die Niederlande, Deutschland, Luxemburg und Frankreich. Belgien hat rund 11 Millionen Einwohner und ist eine parlamentarische Monarchie. Das Land wird geprägt durch den kulturellen Unterschied des niederländisch-sprachigen Nordens und des französisch-sprachigen Südens. Das Spannungsfeld aus niederländischen und französischen (und teils deutschen) Einflüssen hat Belgien jedoch auch einen Reichtum an kulturhistorischen Schätzen vom Mittelalter bis heute gegeben. Das Land bietet malerische Landschaften und idyllische Dörfer bis hin zu modernen Großstädten. Die Hauptstadt Brüssel ist der faktische Sitz der Europäischen Union (EU). Der Norden oder Nordwesten sind Flachland wie die Niederlande, die übrigen Gegenden sind eher gebirgig (Ardennen).

Flämische Gemeinschaft Flämische Gemeinschaft Französischsprachige Gemeinschaft Französischsprachige Gemeinschaft Deutschsprachige Gemeinschaft Deutschsprachige Gemeinschaft Zweisprachige Brüsseler Region
Gemeinschaften Belgiens

Regionen[Bearbeiten]

Belgien ist ein föderaler Staat. Seine drei Gliedstaaten (Regionen) sind:

Daneben gibt es als drei weitere Gliedstaaten die Sprachgemeinschaften; sie stimmen größenteils mit den Regionen überein. Man hat sie eingerichtet, um die Probleme mit der zweisprachigen Hauptstadt Brüssel und dem deutschsprachigen Ostrand Belgiens zu lösen. Im wesentlichen besteht Belgien aus dem niederländisch-sprachigen Norden namens Flandern und dem französisch-sprachigen Süden, Wallonien.

  • Französisch-sprachige Gemeinschaft (rot)
  • Niederländisch-sprachige Gemeinschaft (gelb)
  • Deutsch-sprachige Gemeinschaft (blau)

Unterhalb der Ebene der Regionen befinden sich die Provinzen.

Provinzen[Bearbeiten]

Flandern[Bearbeiten]

Wallonien[Bearbeiten]

Landschaften[Bearbeiten]

Die meisten Landschaften sind grenzüberschreitend zu den Nachbarstaaten:

  • Die Nordseeküste schließt überwiegend Teile der westlichen Provinzen Flanderns ein.
  • Das Zentralplateau bildet den überwiegenden Teil Belgiens, es ist Teil des Mitteleuropäischen Tieflandes.
  • Die Mittelgebirge Ardennen und Hohes Venn befinden sich im südlichen Teil Belgiens.
  • La Gaume, der belgische Anteil am lothringischen Schichtstufenland, befindet sich im Süden von Belgien (in der Provinz Luxemburg)
  • Sonderlandschaften bilden die Flusstäler von Maas und Schelde; auch sie setzen sich in den Nachbarstaaten fort.

Städte[Bearbeiten]

Städte von Belgien

Weitere Ziele[Bearbeiten]

  • Baarle - das belgisch-niederländische Grenzpuzzle
  • Ronquières - ein Schiffshebewerk, bei dem die Schiffe über eine schiefe Ebene befördert werden
  • Strépy-Thieu - das senkrechte Hebewerk

Hintergrund[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Eines der berühmtesten Gemälde des Mittelalters nördlich der Alpen: der Genter Altar von Jan van Eyck

Im Jahre 1830 kam es in den südwestlichen, katholischen Provinzen des Königreichs der Vereinigten Niederlanden zum Aufstand gegen die Beherrschung durch die protestantischen Holländer. Aus diesen südlichen Provinzen und aus dem Westteil des Großherzogtums Luxemburg wurde das heutige Belgien. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die niederländisch-sprachigen Bewohner von Nordbelgien (Flamen genannt) sprachlich und kulturell selbstbewusster und forderten mehr Rechte vom Gesamtstaat.

Bis in die 1960er Jahre war der südliche Landesteil, die Wallonie, die wirtschaftlich dominante Region gegenüber dem landwirtschaftlich geprägten, ärmeren Flandern. In der Wallonie waren die Montan- und verarbeitende Industrie beheimatet; vor allem die Stahlerzeugung war ein Pfeiler der belgischen Wirtschaft. Ähnlich wie im Ruhrgebiet oder in Nordfrankreich setzte dann allerdings mit dem Niedergang der Schwerindustrie ein tiefgreifender Strukturwandel ein, der zu Fabrikschließungen und steigender Arbeitslosigkeit führte. Zur selben Zeit entwickelte sich Flandern zu einem prosperierenden Zentrum von Handel und Dienstleistung und fing an, die Wallonie wirtschaftlich abzuhängen. Das Verhältnis zwischen den Landesteilen hat sich daher umgekehrt: Flandern ist heute das wohlhabende Herz der belgischen Wirtschaft und muss umfangreiche Transferleistungen an den Süden zahlen. Die ungleiche Lastenverteilung führte wiederum zu einer zunehmenden Ablehnung des belgischen Zentralstaates in Flandern und Forderungen nach wirtschafts- und finanzpolitischer Autonomie. Forderungen nach flämischer Autonomie oder sogar einer Abspaltung vom Königreich waren zunächst noch Erscheinungen am rechten Rand, wanderten jedoch zunehmend in die politische Mitte und sind heutzutage salonfähige Forderungen sogar liberaler und sozialdemokratischer flämischer Politiker.

So kam seit den 1970er Jahren kam eine Entwicklung in Gang, die 1993 zu einer fundamentalen Staatsreform führte und aus Belgien einen föderalen Staat machte. Die Reform regelte die Kompetenzaufteilung von Grund auf neu und gab den Regionen einen hohen Grad an Selbstverwaltung. Umgekehrt wurde so der Zentralstaat erheblich geschwächt und der Sprachen- und Kulturstreit zementiert. Viele Belgier empfinden heutzutage, dass sie de facto in zwei unterschiedlichen Ländern wohnen, mit wenig Interesse für die Vorgänge in der jeweils anderen Region. Nur noch wenige Politiker bezeichnen sich als ausdrücklich „unitarisch“, also auf ein einiges, zentralistisches Belgien ausgerichtet. Manche sagen, der König sei der letzte richtige Belgier (die Flamen wissen aber, dass seine Familie fast nur Französisch spricht).

Anreise[Bearbeiten]

Belgien ist Mitglied der EU und des Schengen-Raumes. EU-Bürger und Schweizer benötigen daher für die Einreise kein Visum und dürfen sich für bis zu 90 Tage ohne Aufenthaltsgenehmigung oder jedwede anderweitige Formalitäten im Land aufhalten. Es finden keine systematischen Grenzkontrollen statt. Als Ausweisdokument reicht der Reisepass oder Personalausweis aus.

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

  • Der mit Abstand wichtigste und größte Flughafen Belgiens ist der Brüsseler Hauptstadtflughafen, Brüssel-Zaventem. Viele der günstigen Fluggesellschaften jedoch fliegen Charleroi im Südwesten von Belgien an, oft wird dieser Flughafen auch trügerisch Brüssel-Süd oder Brüssel-Charleroi genannt, obwohl er ca. 70km von Brüssel entfernt liegt. Weitere Flughäfen befinden sich in Antwerpen, Lüttich und Oostende-Brügge. Diese Flughäfen bieten allerdings deutlich weniger Flüge an, in erster Linie für Billig- und Charterfluggesellschaften, und das auch nur regional.
  • Weitere grenznahe Flughäfen eignen sich zur Anreise nach Belgien: Lille, Luxemburg Stadt, Maastricht, Eindhoven. Es ist auch möglich, nach Amsterdam, Paris-Charles de Gaulle oder Köln/Bonn zu fliegen und von dort die Hochgeschwindigkeitszüge nach Belgien zu nehmen.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Belgien wird über eine Reihe von Verbindungen im europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr bedient.

Von Frankfurt am Main fahren täglich über Köln vier ICE nach Lüttich-Guillemins und Bruxelles-Midi.

Außerdem fahren täglich von Dortmund via Düsseldorf und Köln die Thalys nach Brüssel und weiter nach Paris.

Ein Anschluss nach London besteht über den Eurostar, der durch den Eurotunnel fährt.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Auf der Straße[Bearbeiten]

Belgien besitzt eines der dichtesten Autobahnnetze Europas und ist dementsprechend leicht mit dem PKW erreichbar. Eine Pkw-Maut wird nicht erhoben.

  • Die Anreise aus Norddeutschland und dem nördlichen Ruhrgebiet erfolgt am besten über die A40 bis ins niederländische Venlo. Von dort geht es weiter über die A67 E34 Richtung Eindhoven. Anschließend weiter Richtung Antwerpen (nach der Grenze weiterhin E34).
  • Kommt man über Köln nach Belgien, nimmt man am besten die A4 E40 bis Aachen und fährt von dort aus weiter über die A44 E40 Richtung Lüttich, um die südliche Hälfte des Landes zu erreichen, oder über die A4 E314/A76 E314/A2 E314 an Maastricht und Hasselt vorbei, um in den Norden des Landes zu gelangen.
  • Wenn man aus Südwestdeutschland, Ostfrankreich oder der Schweiz anreist, fährt man am besten über die A4 E411 über Luxemburg und Namur.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

  • Es bestehen Fährverbindungen aus England nach Zeebrugge und Ostende. Es ist auch die seeseitige Anreise mit Sportbooten möglich.
  • Die Flüsse Schelde und Maas sowie Binnenkanäle ermöglichen die landseitige Anreise mit Sport- und Freizeitbooten.

Mit dem Fahrrad[Bearbeiten]

  • In Belgien gibt es mehrere dichte und ausgeschilderte Radwegenetze, wobei die unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Philosophien haben. Flandern lehnt sich an die Niederlande an, während Wallonien völlig eigene Wege geht (siehe dort).

Mobilität[Bearbeiten]

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Der Bahnhof von Antwerpen strahlt den Luxus um 1900 aus.
Zug der Belgische Spoorwegen, Bahnhof von Vilvoorde
Go Pass 10 Fahrschein

Belgien hat das dichteste Eisenbahnnetz der Welt. Dies in Verbindung mit der geringen Größe des Landes macht es möglich, sich das ganze Land bequem per Bahn zu erschließen. Von Brüssel aus sind beispielsweise alle größeren Städte des Landes ohne Umsteigen erreichbar. Die belgische Staatsbahn ist die SNCB (frz.)/NMBS (ndl.). Sie betreibt verschiedene Zugkategorien. Der Intercity (IC) ist die höchste Kategorie, mit modernen und klimatisierten Zügen, die weite Strecken zurücklegen, dafür aber nicht an jedem Bahnhof halten. L-Züge sind die Basiskategorie und dienen als Regional- oder Lokalbahnen, die an allen Orten halten. P-Züge sind Verstärkerzüge zur Hauptverkehrszeit. Eine preisliche Unterscheidung zwischen Fern- und Nahverkehr wie etwa in Deutschland oder Österreich gibt es nicht, so dass man mit demselben Ticket alle Zugklassen nutzen kann.

Seit Dezember 2015 existiert für Brüssel auch eine S-Bahn (S-Züge) mit 12 Linien. Die S-Züge fahren in erster Linie werktags für Berufspendler, doch manche Linien verkehren auch am Wochenende und ermöglichen es so, die Städte im Brüsseler Umland zu besuchen. Die S-Bahn wird bis 2025 schrittweise ausgebaut.

Für günstiges Reisen bei mehreren Fahrten empfiehlt sich der RailPass. Dieser kostet 76 € in der 2. Klasse und 117 € in der 1. Klasse und gilt für 10 Einzelfahrten zwischen jeweils zwei beliebigen belgischen Bahnhöfen, Grenzübergänge ausgenommen. Der RailPass ist ab dem Kaufdatum ein Jahr lang gültig und ist nicht personengebunden. Für Jugendliche unter 26 Jahren gibt es den Go Pass, welcher dem RailPass der 2. Klasse entspricht, aber nur 51 € kostet.

Wenn man über die Sprachgrenze fährt, sollte man beachten, dass Namen belgischer Orte immer in der Sprache der Region angezeigt werden, in der man sich gerade befindet. Zum Beispiel wird in Lüttich für einen Zug nach Antwerpen-Centraal als Ziel also Anvers-Central angekündigt, in Antwerpen für den Zug zurück nach Liège-Guillemins entsprechend Luik-Guillemins. In der zweisprachigen Region Brüssel werden beide Namen angezeigt.

Für die Fahrradmitnahme, die meist möglich ist, ist ein kostenpflichtiges Zusatzticket erforderlich.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Autobahnen in Belgien werden meist mit ihren Europastraßen-Nummern ausgeschildert. Die nationale Nummerierung wird nur auf den 5 % Autobahnen, die keine Europastraßen sind, und dem Ring um Brüssel angewendet.

Analog zu den Ortsankündigungen im Bahnverkehr ist auch die Ausschilderung auf Autobahnen nicht zweisprachig, sondern orientiert sich an der Sprache der Region, in der man sich befindet. Besucher sollten daher wissen, dass beim Überqueren der Regionen- und somit Sprachgrenze der gleiche Ort völlig anders ausgeschildert sein kann. So wird Lüttich in Flandern als Luik angezeigt, in Wallonien als Liège.

Sprache[Bearbeiten]

Zweisprachiges Brüssel. Bildschirm, der die Abfahrt der Züge angibt: DEPART / VERTREK

Belgien ist offiziell dreisprachig. Das bedeutet aber nicht, dass alle Sprachen auch überall gleichberechtigt nebeneinander existieren. Der flämische Norden spricht ausschließlich Niederländisch (regionale flämische Dialekte), welches dort alleinige Amtssprache ist. Der wallonische Süden spricht Französisch - ebenfalls als alleinige Amtssprache. Daneben gibt es im Osten von Wallonien noch ein kleines deutschsprachiges Gebiet, das die Siegermächte des Ersten Weltkrieges von Deutschland abgetrennt hatten (etwa 76.300 Einwohner).

Allein die Hauptstadt Brüssel ist offiziell zweisprachig mit Französisch und Niederländisch. Faktisch spricht die überwiegende Mehrheit (ca. 80%!) dort allerdings Französisch. Flämisch ist in Brüssel nur noch selten zu hören.

Man sollte sich stets bewusst sein, dass Sprache ein Thema mit hoher politischer und kultureller Sprengkraft in Belgien ist. Einige Einwohner von Flandern und Wallonien reden die andere Regionalsprache nur zögerlich. Sobald es für die Einheimischen allerdings ersichtlich wird, dass man Ausländer und Nicht-Muttersprachler ist, wird sich ein Belgier nach Kräften bemühen, auch in der anderen Sprache behilflich zu sein. Dabei haben die Flamen insgesamt gute bis konversationssichere Französischkenntnisse, während Niederländischkenntnisse bei den Wallonen praktisch nicht existent sind.

Bei Unsicherheit kann man daher ohne Weiteres mit Englisch nach der gemeinsamen Sprachbasis tasten. Mit Englisch kann man sich in ganz Belgien recht gut verständigen. Deutsch zählt zwar zu den drei offiziellen Landessprachen, ist aber außerhalb des deutschsprachigen Gebietes relativ wenig verbreitet.

Kaufen[Bearbeiten]

Belgien nutzt den Euro (€), so dass Deutsche und Österreicher nicht umrechnen müssen und keine Wechselkursgebühren anfallen.

Es gibt drei große Supermarktketten: Delhaize und Carrefour aus Frankreich bieten flächendeckend Supermärkte jeder Größe an, wobei die kleineren Varianten (z.B. Delhaize Proxy, Carrefour Express) ein geringeres Sortiment zu deutlich höheren Preisen anbieten. Colruyt aus Belgien ist ungefähr mit den deutschen "Metro"-Märkten zu vergleichen, bietet also Großeinkaufsmengen zum erschwinglichen Preis. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Ketten, darunter auch Aldi Nord und Lidl. Die Zahlung per Kreditkarte oder Debitkarte (nach dem belgischen System Bancontact genannt) ist in Supermärkten in aller Regel möglich. Zumindest in Wallonien fällt auf, dass es kaum Bäckereien oder Fleischereien gibt. Diese Produkte müssen im Supermarkt gekauft werden.

Schokolade/Pralinen ganz edel von Galler, Godiva, Neuhaus oder etwas günstiger von Leonidas.

Ganz allgemein ist Belgien trotz niedriger Verbrauchssteuern recht teuer. Selbst der steuerfreie Kaffee lohnt sich derzeit kaum, wobei Deutschen in der Grenzregion Angebote gemacht werden.

Küche[Bearbeiten]

Fritten mit Muscheln
Bier-Shop in Brügge

Nachtleben[Bearbeiten]

An vielen Ecken Belgiens befinden sich noch alte Kneipen und für die Jüngeren unter uns haben in den letzten Jahren viele Musik-Cafés (welche auch eher zur Gattung der Kneipen zu zählen sind) das Licht der Welt entdeckt. Preislich ist das Niveau dem in Deutschland sehr ähnlich, von 3 Euro für eine Tüte Pommes bis zu nicht ganz so günstigem Filetsteak, eingebettet im 8-Gänge-Menü.

Weniger charmant sind die Großraumdiscotheken, wie man sie in den großen Städten wie Antwerpen oder Brüssel antrifft. Die klassische Kleindisco auf dem Lande, wo viele Belgier ihre ersten Flirterfahrungen zu Hause wissen, sind außerhalb Brüssels so gut wie ausgestorben. Dennoch hat das Nachtleben in Belgien so seinen eigenen Charme. Fassbier ist, im Vergleich zu Deutschland, schwer zu bekommen.

Unterkunft[Bearbeiten]

Hotels der großen Ketten (wie z.B. Accor) sind seltener als in den Nachbarländern. Ansonsten verfügt Belgien über ein dichtes Angebot an Hotels und B&B-Unterkünften. Auf den Übernachtungspreis wird ggf. die Taxe de Séjour (Aufenthaltsabgabe) aufgeschlagen, die je nach Unterkunft und Ort in der Höhe schwankt. Die MwSt. beträgt nur 6 %. Für einfache Unterkünfte zahlt man mehr als in den Nachbarländern, Alleinreisende zahlen oft den Preis für zwei, Pärchen profitieren dagegen von günstigen Konditionen. Ein bescheidenes Frühstück im Hotel kann teuer sein.

An der Rezeption wird der Pass oder Ausweis verlangt und üblicherweise kopiert, ggf. muss ein Meldeschein ausgefüllt werden.

Lernen[Bearbeiten]

In der Internationalen Deutschen Schule Brüssel.

Arbeiten[Bearbeiten]

In Brüssel befinden sich die meisten EU-Institutionen, die Nato sowie die angegliederten Botschaften und Vertretungsbüros Dutzender Staaten. In deren Kielwasser haben sich wiederum unzählige Firmenvertretungen, Verbände, Lobbying- und Politikberatungsagenturen, Kanzleien und NGOs angesiedelt. Die sog. "Eurobubble" hat sich so zu einem kosmopolitischen Anziehungspunkt für gut ausgebildete, sprachgewandte Menschen aus der ganzen Welt entwickelt, in dem es eine Fülle von Praktika und Stellenangeboten gibt.

Eine Arbeitserlaubnis wird für EU-Bürger und Schweizer nicht benötigt, sondern sie genießen uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Um sich länger als drei Monate im Land aufhalten zu dürfen, ist bei der Gemeindeverwaltung lediglich ein Arbeitsvertrag (oder für Studenten eine Immatrikulationsbescheinigung an einer belgischen Hochschule) vorzulegen, woraufhin die Ausländerbehörde eine Aufenthaltsgenehmigung ausstellt.

Belgien hat ein progressives Einkommenssteuersystem (die Steuerlast steigt also mit dem Verdienst), jedoch ist speziell für Verdiener geringer und mittlerer Einkommen die Steuerlast proportional deutlich höher als in anderen europäischen Ländern. Die Lohnsteuer zählt zu den höchsten der Welt, sodass Belgien fast schon berüchtigt dafür ist, dass es schwer ist, durch sein Arbeitseinkommen zu Wohlstand zu kommen. Arbeitnehmer, die für die Repräsentanz einer ausländischen Firma in Belgien arbeiten, unterliegen jedoch spürbaren Steuervergünstigungen. Auch die Bediensteten der EU-Institutionen unterliegen einem steuerlichen Sonderstatut: Sie zahlen keine Steuern an den belgischen Staat, sondern ihre Steuerabgaben gehen direkt in den EU-Haushalt.

Wer in Belgien arbeitet, unterliegt dem dortigen Krankenversicherungssystem, das sich teilweise am französischen Modell orientiert. Für jeden Arbeitnehmer werden automatisch geringe monatliche Pflichtbeiträge von wenigen Euro vom Bruttolohn an das Landesamt für Soziale Sicherheit (Rijksdienst voor Sociale Ziekerheid/Office National de Sécurité Sociale) abgeführt, wodurch die minimale Grundversorgung gegeben ist. Diese Grundabdeckung reicht jedoch bei Weitem nicht aus, um die tatsächlichen Kosten einer ärztlichen Behandlung zu decken. Wie in Frankreich schreiben sich Arbeitnehmer daher bei noch zusätzlich bei einer Krankenkasse (Mutualiteit/Mutuelle) ein. Deren Beiträge sind sehr niedrig und betragen im Jahr nur einen Bruchteil dessen, was man in Deutschland oder Österreich schon im Monat zahlt, je nach Krankenkasse sogar unter 100 Euro. Dennoch sollte man sich nicht täuschen lassen: Trotz dieser geringen Mitgliedsbeiträge ist man dann rundum krankenversichert. Bestimmte Zusatzpakete, v.a. für stationäre Krankenhausbehandlung oder eine Zahnzusatzversicherung, können hinzu-"gebucht" werden, um für diese besonders teuren Behandlungen den gesetzlich erstattungsfähigen Kostenanteil zu erhöhen.

In Flandern existiert daneben noch eine Pflegeversicherung, die es in der Wallonie nicht gibt.

Feiertage[Bearbeiten]

Nächster Termin Name (nl) Name (fr) Bedeutung
Montag, 1. Januar 2018 Nieuwjaarsdag Nouvel An Neujahrstag
Montag, 2. April 2018 Paasmaandag /
2de paasdag
Lundi de Pâques Ostermontag
Montag, 1. Mai 2017 Feest van de arbeid Fête du Travail Tag der Arbeit
Donnerstag, 25. Mai 2017 Hemelvaart Ascension Christi Himmelfahrt
Montag, 5. Juni 2017 Pinkstermaandag /
2de pinksterdag
Lundi de Pentecôte Pfingstmontag
Dienstag, 11. Juli 2017 Dag van de Vlaamse Gemeenschap Jour de la Communauté Flamande Flämischer Feiertag
Freitag, 21. Juli 2017 Nationale Feestdag Fête Nationale Nationalfeiertag
Dienstag, 15. August 2017 O.L. Vrouw Hemelvaart Assomption Mariä Himmelfahrt
Mittwoch, 27. September 2017 Dag van de Franse Gemeenschap Jour de la Communauté Française Wallonischer Feiertag
Mittwoch, 1. November 2017 Allerheiligen Toussaint Allerheiligen
Samstag, 11. November 2017 Wapenstilstand Armistice Waffenstillstand (1918)
Mittwoch, 15. November 2017 Dag van de Duitstalige Gemeenschap Jour de la Communauté Germanophone Tag der Deutschsprachigen Gemeinschaft
Montag, 25. Dezember 2017 Kerstdag Noël Weihnachtstag

Sicherheit[Bearbeiten]

Im allgemeinen ist Belgien recht sicher. In Brüssel kommen Kleinkriminalität sowie Autodiebstähle und -einbrüche jedoch recht häufig vor und gewisse Gegenden um den Gare du Midi/Zuidstation und Gare du Nord/Brussel-Noord sollten nachts lieber gemieden werden.

Gesundheit[Bearbeiten]

Das belgische Gesundheitssystem genießt einen sehr guten Ruf.

Nach europäischem Recht haben Besucher aus EU-Staaten sowie der Schweiz im medizinischen Notfall den gleichen Anspruch auf Gesundheitsleistungen wie in Belgien Versicherte. Bei Krankheit oder Unfall genießen sie dann die gleichen Leistungen gemäß dem gesetzlichen Leistungskatalog der belgischen Krankenkassen. Doch Vorsicht: Anders als z.B. in Deutschland gilt in Belgien allerdings das Kostenerstattungsprinzip, d.h. man muss ärztliche Leistungen oder Medikamente in der Apotheke vollständig selbst vorab bezahlen. Die Rechnungen können dann entweder direkt bei einer belgischen Krankenkasse oder bei der eigenen Krankenkasse im Heimatland eingereicht werden, woraufhin der nach belgischem Recht erstattungsfähige Kostenanteil zurückgezahlt wird. Um die Abrechnung zu vereinfachen und den Behandlungsanspruch beweisen zu können, sollte man die Europäische Krankenversicherungskarte (European Health Insurance Card, EHIC) mit sich führen.

In Belgien gibt es Kassen- und Privatärzte (conventionné bzw. non-conventionné). Kassenärzte unterwerfen sich in der Berechnung ihrer Leistungen dem gesetzlichen Leistungskatalog. Privatärzte können unter Umständen weitergehende Leistungen anbieten, sind aber in der Berechnung der Tarife frei. Im Zweifelsfall lohnt sich die direkte Nachfrage. Auch die belgischen Krankenkassen bieten auf ihren Websites häufig eine Suchfunktion nach Kassen- und Privatärzten.

Viele Ärzte, vor allem in den Großstädten, haben keine eigene Praxis, sondern arbeiten unter der Woche verteilt in unterschiedlichen Praxen und Gemeinschaftskliniken. Daher kommt es vor, dass ein Arzt am einen Tag seine Sprechstunde in der einen Praxis und am nächsten Tag in einer anderen Praxis oder einem Krankenhaus anbietet, manchmal sogar in einer völlig anderen Stadt! Wer also auf "seinen" Arzt angewiesen ist, sollte sich diese begrenzte Verfügbarkeit klarmachen (oder entsprechend mobil sein).

Für Belgien wird der herkömmliche Impfschutz empfohlen; besondere, landesspezifische Impfungen gibt es nicht.

Klima[Bearbeiten]

Naturpark Furfooz

Das Klima hat an der Küste einen maritimen Charakter. Hier ist es feucht und öfter nebelig. Im Süden und Osten ist es wegen der Ardennen etwas abwechslungsreicher mit häufigen Schneefällen im Winter.

Respekt[Bearbeiten]

Schilder bei Voeren / Fourons. Jemand hat die niederländischsprachigen Städtenamen durchgestrichen.

Belgien ist ein sehr kompliziertes Land, wie die Einwohner auch gern zugeben. Als Tourist sollte man mit Bemerkungen zu dem Sprachen- und Kulturstreit vorsichtig sein. Die meisten Französischsprachigen lehnen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Flamen scharf ab, die Flamen sind in ihrer Meinung geteilt. Wirtschaftliche Aspekte spielen dabei eine Rolle (der Norden ist reicher und muss Transferleistungen zahlen), wichtiger aber dürfte die Geschichte sein.

Im Sprachenstreit haben die Französischsprachigen nach dem Zweiten Weltkrieg gern die Tatsache instrumentalisiert, dass einige Flamen (um mehr Eigenständigkeit zu erreichen) mit den deutschen Besatzern zusammengearbeitet haben. Allerdings hat es collaboration auch unter Französischsprachigen gegeben. Eine der flämischen rechtsradikalen Bewegungen hat den grootdietse gedachte hochgehalten, also die Auffassung, Flandern solle sich an die Niederlande anschließen. Auch wegen der früheren Wahlerfolge des Vlaams Blok (seit 2004: Vlaams Belang), einer fremdenfeindlichen und separatistischen Partei, ist eine Diskussion über diese Themen ein regelrechtes Minenfeld.

Man bedenke, dass aus historischen Gründen in Flandern der Ausdruck nationalistisch oder nationaal weniger negativ angesehen wird als etwa in Deutschland. Die meisten "Flämisch-Nationalen", der harte Kern der Unabhängigkeitsbefürworter, würden es sich sehr verbitten, mit Rechtsradikalismus in Verbindung gebracht zu werden. Dies gilt besonders für die seit einigen Jahren sehr starke Nieuw-Vlaamse Alliantie, die aus einer sozialliberalen Partei entstanden ist.

Auch Anspielungen auf die Vorgänge um den Kindermörder Marc Dutroux werden in Belgien nicht gerade als witzig empfunden. Diese Vorgänge haben ganz Belgien schockiert und dem Ansehen des Landes großen Schaden zugefügt.

Im niederländischen Sprachraum gelten die Niederländer als eher laut und fordernd, die belgen (Belgier, gemeint sind meist die Flamen) als zurückhaltend und freundlich. Gemeinhin sollen sie auch traditioneller eingestellt sein.

Sinterklaas & Zwarte Piet[Bearbeiten]

Das Nikolausfest hat eine alte Tradition. Wie in den Niederlanden wird seine Ankunft groß gefeiert und im "Ketnet" (Kinderfernsehen) übertragen. Auch der Schwarze Peter gehört natürlich dazu.

Post und Telekommunikation[Bearbeiten]

Das staatliche belgische Postunternehmen ist die bpost ], die Lieferungen weltweit anbietet. Die Versandtarife sind höher als z.B. bei der Deutschen Post oder Österreichischen Post. Postkästen finden sich im ganzen Land und sind an ihrer hellroten Farbe zu erkennen.

Belgien hat ein modernes Mobilfunknetz, das bis auf wenige ländliche Gegenden im Süden (Ardennen) mittlerweile das gesamte Land im 4G-Standard abdeckt. Es gibt drei große Mobilfunkanbieter: Proximus (früher "Belgacom", die ehemals staatliche Telekomgesellschaft), Mobistar und Base. Daneben gibt es eine Reihe von Mobilfunkdiscountern, die Prepaidkarten anbieten (z.B. Lycamobile, Viking Mobile). Diese sind in allen Supermärkten an der Kasse erhältlich.

In Belgien fallen die üblichen Roaminggebühren gemäß ihrer Deckelung durch die EU an.

Auslandsvertretungen[Bearbeiten]

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

  • Deutsche Botschaft Brüssel (Duitse Ambassade Brussel; Ambassade d'Allemagne Bruxelles), Brüssel 8-14, rue Jacques de Lalaingstraat, B-1040 Brüssel. Tel.: +32 2787 1800, Fax: +32 2787 2800, Email: .
  • Ferner Honorarkonsulate in Antwerpen, Eynatten, Hasselt, Lüttich, Sint-Stevens-Woluwe (Zaventem) und Zeebrügge.

Republik Österreich[Bearbeiten]

Schweizerische Eidgenossenschaft[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


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