Estland

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Estland
Lagekarte
Flagge
Kurzdaten
HauptstadtTallinn
Regierungsformparlamentarische Republik
WährungEuro (EUR)
Fläche45.335 km²
Einwohnerzahl1.366.491 (2024)
AmtsspracheEstnisch
Strom/Stecker230 V, 50 Hz;
Eurostecker/​Schuko
Telefonvorwahl+372
Domain.ee
ZeitzoneME(S)Z+1h (OE[S]Z)

Estland ist einer der drei baltischen Staaten in Mitteleuropa. Es besitzt Landgrenzen zu Lettland und Russland. Im Norden und Westen wird das Land vom Finnischen Meerbusen und der Ostsee begrenzt, denen gegenüber Finnland und Schweden liegen. Gut die halbe Landfläche ist bewaldet. Zum Staatsgebiet gehören 1521 Insel(chen).

Hintergrund[Bearbeiten]

Karte
Karte von Estland

Estland ist ein Glanzstück für Besucher, die hautnah eine ehemalige Sowjetrepublik und gleichzeitig ein Mitglied der Europäischen Union erleben wollen. Die Spuren der Sowjetära sind überall noch zu sehen - wüste Lager der ehemaligen Sowjetarmee, die früher für Esten tabu waren, sind heute leicht zu besichtigen. Die Altstadt von Tallinn wurde in einem lobenswerten Zustand wiederhergestellt und steht anderen europäischen Städten in nichts nach. Traumhafte Badestrände sind ebenfalls vorhanden, auch wenn die Badesaison recht kurz ist. Dies ist auch ein Grund, der viele potentielle Besucher abhält: kurze Sommer und strenge, aber gleichzeitig feuchte und schmuddelige Winter.

Nach Jahrhunderten der dänischen, schwedischen, deutschen und russischen Herrschaft wurde Estland 1918 unabhängig. Die rechts-nationale Regierung enteignete die meisten Gutsbeitzer, die seit Jahrhunderten als kulturtragende Klasse Deutsch-Balten waren. Aufgrund des Hitler-Stalin Pakts wurde Estland 1940 von der Sowjetunion besetzt, annektiert und in die Sowjetunion eingegliedert, 1941 wurde Estland dann knapp drei Jahre von den Nazis besetzt. 1944 kamen die Sowjets wieder zurück und unterjochten Estland erneut bis zum Ende der Sowjetunion 1991. Seit Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 gewann Estland seine Unabhängigkeit zurück. Mit der Wiedereinführung des Kapitalismus ging rapide De-Industrialisierung einher. Heute zählt das Land zu den wirtschaftlich am schnellsten wachsenden Ländern des ehemaligens Ostblocks. Es besitzt eine offene und liberale Volkswirtschaft und ein transparentes Regierungssystem. Allerdings sind aus Russland zugewanderte Bewohner, etwa ein Viertel, als „Nicht-Bürger“ von vielen Rechten ausgeschlossen, da diese illegal während der Sowjetzeit angesiedelt wurden (Russifizierung) und anstelle derer ca. 20 Prozent aller Esten ermordet und nach Sibiren deportiert wurden. Estland hat mit 1,3 Millionen etwas so viele Einwohner wie München, ist aber flächenmäßig fast so groß wie Niedersachen. Es gibt massiven Bevölkerungsrückgang, der sich in den ländlichen Regionen schon deutlich bemerkbar macht.

Regionen[Bearbeiten]

Estland wird in 15 „Provinzen“ (maakonnad) eingeteilt, die eher Landkreise sind: Harjumaa, Hiiumaa, Ida-Virumaa, Järvamaa, Jõgevamaa, Laanemaa, Lääne-Virumaa, Pärnumaa, Põlvamaa, Raplamaa, Saaremaa, Tartumaa, Valgamaa, Viljandimaa und Võrumaa. Die einzelnen Provinzen unterteilen sich in Gemeinden (vald). Stellenweise sind auch die historischen Kirchspiele (kihelkond) ausgeschildert.

Städte[Bearbeiten]

  • 1 Haapsalu
  • 2 Kohtla-Järve
  • 3 Kunda
  • 4 Muuga
  • 5 Narva
  • 6 Paide
  • 7 Pärnu
  • 8 Tallinn – die Hauptstadt, in der Provinz Harjumaa
  • 9 Tartu – zweitgrößte Stadt, in der Provinz Tartumaa
  • 10 Valga
  • 11 Viljandi


Weitere Ziele[Bearbeiten]

Estland
Mittelalterliche Stadtmauer von Tallinn
  • Die Inseln Hiiumaa, Saarema mit dem Kaali-Meteoritenkrater und Muhu kann man z. B. mit einem Leihauto oder Fahrrad in ein paar Tagen erkunden. Saaremaa bietet neben einer alten Burg auch mehrere Wellnesshotels.
  • Nationalpark Lahemaa
  • 1 Nationalpark Soomaa (Soomaa rahvuspark)
  • Der Wasserfall von Jägala (Jägala juga)
  • Dem im 19. Jhdt. geschriebenen Nationalepos gewidmet ist das 2 Kalevipoeg-Museum in Kääpa küla.
  • Die höchste Erhebung im Baltikum ist der Suur Munamägi mit 318 Metern. Durch einen 30 Meter honhen 3 Aussichtsturm (Suure Munamäe vaatetorn) hat man oben draufgesetzt. Den Gipfel selbst kann man leicht zu Fuß erreichen. Busse fahren aus Võru.

Anreise[Bearbeiten]

Einreisebestimmungen[Bearbeiten]

Estland ist Teil des Schengen-Raums. Bürger der Europäischen Union benötigen einen gültigen Personalausweis zur Einreise.

Flugzeug[Bearbeiten]

In der Hauptstadt Tallinn befindet sich Estlands internationaler 1 Flughafen Tallinn (Lennart Meri Tallinna Lennujaam, ​IATA: TLL) . Mehr zum Flughafen und zur Weiterreise hier im Artikel Tallinn. Die Flugzeit beträgt ab FRA etwa 2:25.

Die staatliche Airline Nordica verbindet Schweden und im Sommer einige Mittelmeerorte.

Wegen der begrenzten Anzahl an Direktflügen ist es eventuell sinnvoll, auf Umsteigeverbindungen via Skandinavien auszuweichen; zum Beispiel mit Finnair via Helsinki. Außerdem gibt es Verbindungen aus den anderen baltischen Hauptstädten Riga und Vilnius, zum Beispiel mit der lettischen Air Baltic.

Tägliche Inlandsflüge gibt es sommers von Tallinn nach Saaremaa.

Bahn[Bearbeiten]

Inlandszüge verbinden Tallinn mit Narva im Osten, Viljandi und Pärnu im Süden sowie Tartu, Võru und Valga im Südosten. Bis zum Jahr 2026 soll eine 870 km lange Schnellbahnstrecke von Warschau nach Tallinn fertig sein, so dass sich die Fahrzeit auf knapp 5 Stunden verringert.Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren

Bus[Bearbeiten]

Gute und preiswerte Anschlüsse gibt es aus Warschau und allen größeren baltischen und deutschen Städten. Details gibt es bei LuxExpress oder Ecolines.

Auto/Motorrad/Fahrrad[Bearbeiten]

Tipp
An den drei Grenzübergängen Narva, Koidula und Luhamaa nach Rußland gibt es das Reservierungssystem GoSwift, um die Wartezeiten erträglich zu halten. Für normale PKW (ohne zollpflichtige Waren) und Motorräder (Fahrzeuge der „Kategorie A und B“) ist eine Buchung nur in Narva sinnvoll, hier sind unreservierte Warteschlangen von 3-6 Stunden normal, LKW deutlich länger. Andernorts steht man selten länger als eine Stunde. Parkzonen kosten kategorieabhängig.

Gute Straßenverbindungen gibt es aus Richtung Süden (über die „Via Baltica“ von Warschau über Vilnius und Riga nach Tallinn) und von Osten (Sankt Petersburg). Das inländische Straßennetz ist dicht und erschließt alle Regionen.

Schiff[Bearbeiten]

U.a. die Fährlinie Tallink Silja Line verbindet Tallinn mit Schweden (Stockholm mit Stopp in Åland), Finnland (Helsinki, Mariehamn). Dabei sind Fahrt und Kabine separat zu buchen.

Die Linie Helsinki – Tallinn ist mit täglich zwanzig Fähr- (3,5 Std.) und fast dreißig Schnellbootüberfahrten (1h40) eine der frequentiertesten Schiffslinien Europas. Einzelfahrten auf dieser Strecke kosten im Sommer 2023 tageszeitabhängig zwischen € 14 und 38, wobei die frühen Abfahrten ab Tallinn und die späten ab Helsinki die günstigsten sind. Tagesrückfahrten sind für etwa € 32 zu haben. (Details siehe Tallinn: Mit dem Schiff.)

Von Rostock kommt man über Helsinki nach Tallinn. Details gibt es beim Fahrplan für Tallinn. Vier Mal wöchentlich bedient wird die Route zwischen Paldsiski - Kapelskär (Schweden) nur noch für Fracht.

Mobilität[Bearbeiten]

Busfahrkarten kauft man in Städten am R-Kiosk, hier 2021 noch mit Münzfernsprechern rechts.

Das Straßennetz ist ziemlich dicht, obwohl die Qualität des Straßenbelags variiert. Die Höchstgeschwindigkeit außerorts liegt bei 90 km/h und 50 km/h innerorts, wenn nicht anders angegeben. Von Mai bis Oktober sind auf einigen mit Geschwindigkeitsbegrenzungsschildern gekennzeichneten Streckenabschnitten 100 km/h, 110 km/h oder 120 km/h zulässig. Die höhere Geschwindigkeit gilt automatisch nicht bei Regen.

Mit dem Auto[Bearbeiten]

Es besteht Gurtpflicht. Das Licht muss immer eingeschaltet sein. In den zentralen Bereichen der größeren Städte wird eine Parkgebühr erhoben, Parkautomaten sind jedoch oftmals schwierig zu finden und Wildparken ist weit verbreitet.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Das Zugnetz Estlands deckt nicht alle Gegenden ab. Die Qualität dieses Verkehrsmittels hat beträchtlich unter der Privatisierung gelitten, so dass das öffentliche Hauptverkehrsmittel jetzt der Bus ist (Strecken- und Fahrplanübersicht innerestnischer Regionalbusse). Die Wertkarten Ühiskaart der großen Städte sind untereinander gültig. Beim Fahrer gekaufte Tickets kosten immer extra.

In Tallinn und 11 der Landkreise ist der öffentliche Nahverkehr kostenlos -- leider nur für Einwohner. Schwarzfahrten kostet landesweit € 40. Verkehrsmittel sind pünktlich.

Mit dem Fahrrad[Bearbeiten]

Estland bemüht sich sichtlich um eine Aufwertung des Fahrradverkehrs, indem häufiger Radwege eingerichtet werden. Neben den folgenden Hinweisen sollten Radreisende vor allem auf gute Reifen achten. Es wird an manchen Stellen scharfkantiger Split verwendet.

  • In Tallinn kann man sich - abgesehen von der historischen Innenstadt mit sehr grobem Pflaster - gut bis sehr gut mit Fahrrädern bewegen. Berücksichtigen muss man teilweise zu gering abgesenkte Bordsteinkanten (Querschwellen) und nicht sanierte Wege.
  • Überland sind die Straßen gut befahrbar, das Tempolimit wird überwiegend eingehalten, sodass knappe Überholmanöver von Fahrzeugen selten vorkommen und nicht bedrohlich wirken.
  • Der Ostseeküsten-Radweg bzw. die Routen EuroVelo 10 und EuroVelo 13 verlaufen durch Estland.

Fähren[Bearbeiten]

Die Staatsfirma Kihnu Veeteed verbindet das Festland mit den bewohnten Inseln.

Sprache[Bearbeiten]

Die offizielle Sprache ist Estnisch, jedoch verstehen viele (meist jüngere) Menschen in den größeren Städten auch Englisch. Das Finnische ist dem Estnischen sehr nahe und wird dank Tourismus und Fernsehübertragungen von der anderen Seite des Finnischen Meerbusens auch gut verstanden. Es gibt auch eine bedeutende russischsprachige (28 %) Minderheit vor allem in der Region Narva und diverse Minderheiten, die andere slawische Sprachen sprechen.

Den Buchstaben õ spricht man IPA: [/ˈɤː/].

In vielen Landesteilen, auch in Hotels und Gaststätten, wird Deutsch gesprochen.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Kiiking ist eine Art Sport auf hohen Schaukeln mit Überschlag, auch in Gruppen, zu schaukeln. Unfallsichere Geräte wurden 1996 erfunden und finden sich heute in vielen Ortschaften.

Einkaufen[Bearbeiten]

2011 hat Estland den Euro eingeführt, der die bis dahin gültige estnische Krone (EEK) ersetzt hat. Der Umtauschkurs lag bei 15,64664 Kronen zu 1 €. In fast allen Geschäften kann man zudem mit Kreditkarte bezahlen, auch bei Kleinbeträgen. Hier kommt das PIN-Verfahren zum Einsatz, so dass man seine Geheimzahl auch für die Kreditkarte benötigt.

Preislich liegt Estland seit Euroeinführung auf dem Niveau Österreichs, bei Eintritten und Unterkünften 2023 auch deutlich darüber. Mehrwertsteuer ist 22 %, es gibt keinen ermässigten Satz.

Küche[Bearbeiten]

Die estnische Küche ist stark von der skandinavischen und deutschen Küche beeinflusst. Die wichtigste nationale Speise ist verivorst (Blutwurst), serviert mit mulgikapsad (Sauerkraut). Aber auch die Schweinshaxe und Kartoffeln zählen zu den gängigen Gerichten. Brot gehört zu jeder Mahlzeit. Pelmeenid, Seljanka und Schaschlik zeigen den sowjetischen Einfluß.

Wie die Nachbarn in Finnland und Russland stellen die Esten ihre eigenen alkoholischen Getränke her, sog. puskar. Die beliebtesten alkoholischen Getränke sind das Bier Saku, der regionale Wodka (Viin) Viru Valge und das überraschend schmackhafte und rumartige Vana Tallinn.

Siehe auch: Estnische Küche bei Koch-Wiki

Glögg ist ein gewürzter Glühwein, den es auch fertig in Flaschen gibt.

Nachtleben[Bearbeiten]

Details in den einzelnen Ortsseiten.

Generell ist das Essen gehen in Estland 2023 noch erfreulich preiswert, man zahlt bis zu einem Drittel weniger. Getränkepreise haben sich aber der mitteleuropäischen Gastronomie angepaßt.

In einfachen Restaurants oder Bars muss man sein Essen oder Getränke an der Bar bestellen und bezahlen. Diese kann man entweder gleich mitnehmen oder werden dann an den Tisch gebracht.

Unterkunft[Bearbeiten]

Die Zahl der Hotels ist nach der wiederhergestellten Unabhängigkeit von wenigen über 10 auf eine dreistellige Zahl explodiert. Eine Liste der größeren Hotels sowie einiger Gaststätten und Nachtklubs können Sie bei der Estonian Hotel and Restaurant Association einsehen.

Als die sowjetischen Kolchosen aufgelöst wurden, eröffneten viele Bauern Landhöfe für Urlauber (turismitalu), die zu billigen und attraktiven Plätzen für Naturliebhaber geworden sind - meist mit Übernachtung im ehemaligen Bauernhaus. Die Seite des Estnischen Landtourismus-Vereins stellt Informationen zu solchen Höfen zur Verfügung.

Die Hotelpreise liegen in den Städten und Urlaubsregionen (bspw. Saaremaa) leider oft bereits auf europäischem Niveau. Diese lassen sich aber oft günstiger über spezialisierte Veranstalter in Deutschland buchen. Auch kennen diese die (nicht seltenen) „schwarzen Schafe“ und vermitteln nur was sie auch kennen.

Estland ist ein recht campingfreundliches Land. Es gibt genügend, teilweise sogar kostenfreie Campingplätze. Diese werden vom nationalen Forstamt RMK betrieben. Auch wird das „Wildcampen“ toleriert, das freie Campen wird locker gesehen. In Estland darf man mit dem Wohnwagen oder dem Wohnmobil außerhalb von Ortschaften auf Parkplätzen über Nacht stehen. Zelten in Naturschutzgebieten und Nationalparks sollte man jedoch nicht. Die meisten Bauern in den ländlichen Räumen haben auf Anfrage nichts dagegen, wenn man die Nacht über auf dem Privatgrundstück stehen bleibt.

Feiertage[Bearbeiten]

Termin Name Bedeutung
Mi, 1. Jan. 2025 Uusaasta Neujahr
Sa, 24. Feb. 2024 Iseseisvuspäev Unabhängigkeitstag (1918), Nationalfeiertag
Fr, 29. Mär. 2024 Suur Reede Karfreitag
So, 31. Mär. 2024 Ülestõusmispühade Ostersonntag
Mi, 1. Mai 2024 Kevadpüha Frühlingstag
So, 19. Mai 2024 Nelipühade Pfingstsonntag
So, 23. Jun. 2024 Võidupüha Tag des Sieges (1919)
Mo, 24. Jun. 2024 Jaanipäev Mittsommertag
Di, 20. Aug. 2024 Taasiseseisvumispäev Unabhängigkeitstag
Di, 24. Dez. 2024 Jõululaupäev Heiligabend
Mi, 25. Dez. 2024 Esimene Jõulupüha 1. Weihnachtstag
Do, 26. Dez. 2024 Teine Jõulupüha 2. Weihnachtstag

Beachte, daß die meisten Museen usw. an Feiertagen geschlossen bleiben. Die Werktage vor Neujahr, dem Unabhängigkeitstag, dem Siegestag und vor Heiligabend sind jeweils drei Stunden kürzer.

Sommerwochenende werden in der Natur verbracht, die Städte können sich Freitag Nachmittag leeren. Viele Familien haben eine Datsche (suvila).

Sicherheit[Bearbeiten]

Die Nummer der Polizei lautet 110. Der Notruf ist 112.

Estland ist eines der sichersten Reiseländer der Welt (Platz 15).

Die Zahl der Verbrechen ist mit dem steigenden Wohlstand stark zurückgegangen. Ein Problem bleiben in den 2020ern gelangweilte Jugendliche mit wenig Chancen in den Plattenbausiedlungen. Diese sollte man nächtens vermeiden. Die moderne Polizei ist korruptionsfrei und nicht wie ihre deutschen Kollegen dazu geneigt bei Pipifax die Keule zu schwingen. Die fünf estnischen Gefängnisse sind nicht skandinavisch, sondern in bester sowjetischer Tradition „ungemütlich.“

Gesundheit[Bearbeiten]

Die europäische Krankenversicherungskarte gilt bei Vertragsärzten der Kasse. Eine hausärztliche Beratungshotline ist Tel. 1220. Zuzahlungen sind moderat.

Bei Kassenzahnärzten sind nur Notfallbehandlungen für Erwachsenen, z. B. Abszesse, kostenlos. Ansonsten ist die Hälfte der Rechnung zuzuzahlen.

Gut die Hälfte der Esten vertraut auf (heidnische) „Heiler“ (ravitsejad).

Saunen ist eine nationale Obsession, Nacktheit dabei ebenso.

Klima und Reisezeit[Bearbeiten]

Klimadiagramme
Narva.

Es ist „drei Monate kalt, drei Monate gefroren und sechs Monate ist das Wetter zu schlecht, um Schi zu fahren.”

Das Klima ist im Inneren des Landes infolge der Sümpfe und Moräste unfreundlich und sehr veränderlich, im Sommer oft drückend heiß und im Winter kalt. Auf den Inseln und an der Küste mildert die See die schroffen Übergänge. Westwinde herrschen vor und sind oft sehr heftig. In Tallinn beträgt die mittlere Jahrestemperatur +4,1 °C, wovon sich auf den Winter -6,1 °C, auf den Frühling +1,4 °C, auf den Sommer +15,6 °C und auf den Herbst +5,6 °C verteilen. Die Zahl der Regen- und Schneetage beträgt jährlich 129-130, die Menge des Regens und der sonstigen atmosphärischen Niederschläge liegt bei 478 mm.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Regeln und Respekt[Bearbeiten]

Die Esten sind ein zurückhaltendes, aber freundliches Volk. Die Nutzung des Vornamens ist vor allem bei älteren Leuten ein Privileg, die jüngere Generation in den Städten verwendet die persönliche Anrede schneller - ebenfalls vergleichbar zu Deutschland. Man ist pünktlich, bevorzugt auf dem letzten Drücker.

„Komm nie mit leeren Händen“ (estnisch: Tühja käega ära tule!). Gäste bringen Blumen mit. Alternativ kann es auch etwas typisch Deutsches sein, aber ein Blümchen als Verzierung der Verpackung ist selbst hier zu empfehlen.

Esten sind sehr stolz auf ihr Land. Wegen der langjährigen Mitgliedschaft zur Sowjetunion und existiert ein nationalistisch-rechter Rand mit einer Antipathie gegen die 30%-ige Minderheit der Russen in Estland. Diese bilden politisch und gesellschaftlich eine Randgruppe. Russenwitze sind aber immer fehl am Platz und landen, z. B. in Tallin, mit 30 %-iger Wahrscheinlichkeit an einer falschen, einer russischen Adresse.

Deutsche werden überwiegend gern gesehen. Finnen und Briten haben wegen ihres teilweise exzessiven Alkoholkonsums einen schlechten Ruf. Durch sie erwarb Estland den Ruf eines Landes mit „billigem Alkohol.“ Tatsächlich trifft das nur für diese Reisenden zu. Verglichen mit Deutschland zahlt man für Weine und einfache Spirituosen soviel wie zu Hause. Ausländische Markenware, z. B. guter Scotch, sind in Estland maximal ein Viertel günstiger.

Homosexualität ist legal, seit 2023 gibt es die Schwulenehe was aber nicht unbedingt die volle Zustimmung konservativer findet. Außerhalb Tallinns findet man keine Szene. Das Mindestalter für jede Art Sex wurde 2022 auf 16 hochgesetzt. Prostitution ist legal und findet in „Saunas“ oder „Massagesalons“ statt.

Konzessioniertes Glücksspiel in Casinos ist legal.

Post und Telekommunikation[Bearbeiten]

Die privatisierte estnische Post firmiert als Omniva. Deren Webseite bietet auf englisch einen Postamtsfinder und Tarifinfo. Porti sind sehr hoch. So kostet ein normaler Brief im Inland 1,30 €, nach Mitteleuropa 2,30 €; ein 2 kg-Päckchen dorthin schlägt mit 23,50 € zu Buche. (Stand: Aug 2023)

Estland verfügt über ein flächendeckendes, stabiles und schnelles WLAN-Netz, welches an den meisten Orten wie Hotels oder Restaurants kostenlosen Internetzugang ermöglicht. Das Netz selbst ist in Tallinn nahezu flächendeckend, aber selbst am Strand oder in abgelegenen Orten mit 30 Einwohnern finden sich die @-Zeichen, die den öffentlichen Zugangspunkt kennzeichnen.

Dank EU-Roaming lohnt sich der Kauf einer lokalen SIM-Karte nur wenn man einen hohen Datenverbrauch hat.

Estland war bei Einführung moderner Kommunikationstechnologien führend, weshalb Marketingexperten den englischen Landesnamen zu „e-Stonia“ machten. Neben gutem Ausbau des mobilen Netzes schuf das Grundrecht auf Internetzugang. Estland verfügt über modernste Handynetze und -technologien. Zahlungen per Handy u. ä. gab es Jahre vor anderen Ländern. Auch die Vermittlung von Festnetztelefonen erfolgt im Hintergrund heute per Internet. Die gesamte Verwaltung wird online abgewickelt. Das hat dazu geführt, daß alle sensiblen Daten der Bürger 2007 und 2021 gehackt wurden und in falsche Hände gerieten.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch: Literatur zum Baltikum

  • Bird, Hillary; The Xenophobe’s Guide to the Estonians; 2011; ISBN 9781908120335
  • Bock, Sabine; Herrenhäuser in Estland: eine kurze Übersicht zur Entwicklung ihrer Formen und zu ihrer Geschichte; Schwerin 2020; ISBN 978-3-944033-29-7
  • Holtkamp, Stefanie; Estland: 40 Wander- und Entdeckertouren zwischen Moor, Meer, Wald und Seen; Kottgeisering ²2020 (Naturzeit Reiseverlag e.K.)
  • Liivik, Olev; Liibek, Tõnis; Wintschalek, Anu; Das letzte Kapitel: die Umsiedlung der Deutschbalten 1939-1941; Tallinn 2019 (Argo); ISBN 978-9949-688-14-2
  • Martínez, Francisco; Remains of the Soviet Past in Estonia: An Anthropology of Forgetting, Repair and Urban Traces; Leeds 2018; ISBN 9781787353534; Volltext (Stand 2016, viele der Objekte wurden während des anti-russischen Bildersturms 2022 abgebaut.)
  • Oskar Luts Roman Kevade ist bekannter in seiner Verfilmung von 1970 gefolgt von Suvi 1976 und Sügis 1990.
Historisch

Weblinks[Bearbeiten]

(Stand: Aug 2023)

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