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São Tomé und Príncipe

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São Tomé und Príncipe liegt vor der Westküste Afrikas.

Lage
Bild von Zentralafrika mit eingezeichneter Lage von São Tomé und Príncipe
Flagge
Flagge von São Tomé und Príncipe
Kurzdaten
HauptstadtSão Tomé
StaatsformPräsidiale Republik
Währung1 Dobra (STN)
= 100 Céntimos
Fläche964 km²
Bevölkerung182.000
SprachenPortugiesisch (offiziell), Crioulo
ReligionenChristen 80 % (meist Katholiken)
Telefonvorwahl+239
Internet TLD.st
ZeitzoneMEZ ±0

Regionen[Bearbeiten]

Karte von São Tomé und Príncipe.

Die Inseln:

Hintergrund[Bearbeiten]

Kirche von São Tomé.

São Tomé und Príncipe – die namensgebenden Hauptinseln liegen 140 km voneinander entfernt – ist eine ehemalige portugiesische Kolonie, die 1975 in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Eine relativ instabile Regierung - es gab mehrere Umstürze und Putsche, zusammen mit zahlreichen Korruptionsskandalen - hat dafür gesorgt, dass sich bisher keine nennenswerte Wirtschaft in dem Land niederlassen konnte. Auch der Tourismus ist unterentwickelt. Es gibt weder Kino, noch Tageszeitung oder Busverkehr. Zwar wird in der Werbunng viel von „paradiesischen Stränden“ gesprochen, tatsächlich halten die kleinen, oft kiesigen oder felsigen in kleinen Buchten abgelgenen Sandstreifen einem Vergleich mit Inseln im indischen Ozean nicht stand. In Stadtnähe kommt noch das Problem der Verschmutzung hinzu. Üblich ist es in den Flüssen Kleidung und Autos zu waschen, mangels Kanalisation dienen sie auch als öffentliche Toiletten.

Bis heute gilt das Land als bitterarm - die praktisch einzige Einnahmequelle des Landes ist der Export von Kakao, was naturgemäß stark von den Weltmarktpreisen abhängig ist. Alle anderen Dinge - Nahrungsmittel, Maschinen und so weiter müssen aus dem Ausland importiert werden, weshalb das Land hochverschuldet und am Rande des Staatsbankrotts ist. 2017 standen 9 Mio. Dollar Einnahmen aus Kakao-, Pfeffer- und Vanilleexport 100 Millionen Dollar Importen gegenüber. Die einzige weitere Einnahmequelle des Landes, abgesehen vom Tourismus, ist die mit Nigeria zusammen versuchte Ölförderung im Meer, seit 2012. Die Begeisterung hierüber ist inzwischen abgeklungen auch weil man erkannte, daß sich die Regierung bei den Verträgen für Konzessionen von amerikanischen Konzernen über den Tisch hat ziehen lassen. 2016 kamen etwa 13000 ausländische Besucher.

Anreise[Bearbeiten]

Einreisebestimmungen[Bearbeiten]

Staatsbürger der EU, Schweizer und Liechtensteiner benötigen für einen Aufenthalt bis zu 15 Tagen kein Visum für die Einreise. Diese Erleichterung gilt auch für alle Drittstaatler, die über eine gültige Daueraufenthaltserlaubnis für den Schengen-Raum oder die USA verfügen. Der Nachweis einer Gelbfieberimpfung ist vorgeschrieben.

Zoll[Bearbeiten]

Tabakwaren und Parfüm in „angemessener Menge“ zum persönlichen Bedarf. Importverbote bestehen für Alkohol und Lotterielose.

Das Ein- und Ausfuhverbot der Landeswährung wurde aufgehoben. Größere Devisenbeträge sind zu deklarieren, Wiederausfuhr bis zur angegebenen Summe.

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Der 1 Flughafen São Tomé ist der einzige internationale Flughafen des Landes. Einzelheiten im Artikel zur Stadt.

Mobilität[Bearbeiten]

Mietwagen sind vor Ort erhältlich. Bei Wochenpreisen von € 400 für einen Suzuki (2018) könnte man Fahrzeuge erwarten, die in einwandfreiem Zustand sind. Leider ist das selten der Fall.

Sprache[Bearbeiten]

Die Amtssprache des Landes ist Portugiesisch, im Land werden zusätzlich verschiedene Kreolsprachen gesprochen, die auf dem Portugiesischen basieren.

Englisch wird selten, Deutsch gar nicht verstanden. Ohne wenigstens rudimentäre Kenntnisse des Portugiesischen wird man es sehr schwer haben, sich zu verständigen.

Kaufen[Bearbeiten]

Wechselkurs (seit 2010 fix): € 1 = 24500 Dobra (STD) = 24,5 neue Dobra (STN oder nDb).

Ein- und Ausfuhr von Dobra-Banknoten ist nicht mehr verboten. Der Euro wird in manchen Geschäften als Zahlungsmittel akzeptiert, allgemein sollte man aber im Land sein Geld wechseln. Der Fixkurs führt in Verbindung mit der im Lande höheren Inflation dazu, daß eine Überbewertung entsteht, bei der Qualiät und Preis nicht mehr in angemessenem Verhältnis stehen.

Die Scheine der neuen Serie 2018 mit den Nennwerten 5, 10, 20, 50, 100 und 200 Dobra thematisieren die einheimische Tierwelt. Die alten Scheine zeigten das Porträt von Rei Amador, sie bleiben bis 31. Dez. 2018 gültig und können ein weiteres Jahr bei der Zentralbank gewechselt werden.
Es wurden auch wieder Münzen hergestellt: zu 10, 20, 50 cêntimos sowie 1 und 2 nDb.

Küche[Bearbeiten]

Die bis zu 30 cm großen Schnecken sind eßbar.

Ein Großteil der Lebensmittel muß importiert werden. Vor Ort hält man allenfalls Hühner, auch gibt es viel Fisch. Sättigungsbeilagen sind vor allem Bohnen, Mais, Reis und Kochbananen. Letztere zwei zusammen als pap. Kaffee wird auch als Gewürz oder in Saucen eingesetzt. Viele Snacks basieren auf getrockneten oder frittierten Bananen. Tropenfrüchte zieht man für den Eigenbearf. Ein sehr einfacher Snack sind im Feuer geröstete Brotfrüchte, deren Samen dann mit Kokos bestreut gegessen werden.

Sofern man nicht die Reste vom Vortag frühstückt, gibt es Arroz doce: Reis mit Mais und Kokos. Cachupa ist ein von den Kapverden übernommener Bohneneintopf mit mehr oder weniger (Fleisch-)Beilage. Schweineeintopf wird mit verschiedenen Gemüsen gekocht. Estufa de morcego, Fledermauseintopf ist eher ein Gericht für besondere Anlässe. Boca de Inferno, „Höllenmund,“ ist nicht nur ein “blowhole” an der Ostküste, sondern auch die Bezeichnung einer würzigen Sauce, die ihr Name adäquat beschreibt.

Zum Nachtisch gibt es, neben Schokoladenvariationen z.B. Açucarinhas, eine frittierte Kokos-Zuckermischung. Canjica ist ein in Milch/Kokosmilch süß verkochter Maisbrei, ähnlich dem in Brasilien verbreiteten mugunzá.

Getrunken wird Kokoswasser, ggf. vergoren zu Palmwein. Das einheimische Bier ist Nacional, gebraut in Neves. Ansonsten bekommt man portugiesische Importe, was auch für Weine gilt. Zuckerrohrschnaps ist Aquardente, mit Honig zum Cocktail vermischt heißt er Ponche.

Nachtleben[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Für Aufenthalte von weniger als 15 Tagen wird eine Touristensteuer von € 3 pro Nacht erhoben. Hotels „vergessen“ gerne bei Buchung dies zu erwähnen.

Einfache Unterkünfte gibt es nicht, da derartige Dienstleistungen von den Eingeborenen alleine schon wegen der Kleinheit der Inseln nicht nachgefragt werden.

Feiertage[Bearbeiten]

1. Jan. Neujahr; 4. Jan. Gedenktag für König Amador; 3. Feb. Dia dos Mártires, Gedenktag des Massakers von Batepá 1953; 1. Mai, Tag der Arbeit; 12. Juli, Unabhängigkeitstag; 6. Sept. Tag der Streitkräfte; 30. Sept. Dia da Reforma Agrária, Gedenktag der Verstaatlichung der Roças (Plantagen); 25. Dez. Weihnachten.

Mitte August ist das Fest Auto das Floripes. Wichtiger Bestandteil ist traditionelles Theater (Tchiloli). Dargestellt wird die Legende wie Karl der Große den Mauren christliche Relikte wieder entriß, eine Geschichte die auf einem Roman des auf Madeira im 16. Jahrhundert lebenden Baltasar Dias basiert. Die Aufführungen mit farbenfrohen Kostümen dauern bis zu sechs Stunden.

Sicherheit[Bearbeiten]

Verglichen mit anderen Ländern Afrikas ist São Tomé und Príncipe ein absolut sicheres Land, man kann sich ohne größere Probleme frei bewegen. Speziell auf Touristen und deren vermeintlich diecke Brieftaschen zielende Gauner und Betrüger gibt es allerdings. Wertsachen sollte man im Mietwagen auch bei noch so kurzen Pausen immer außer Sicht legen.

Das Mindestalter für Sex ist 16. Schwulitäten sind seit 2012 nicht mehr strafbewehrt.

Gesundheit[Bearbeiten]

Die medizinische Versorgung im Land ist völlig unzureichend. Man sollte unbedingt eine Auslandsreisekrankenversicherung abschließen, die im Fall der Fälle einen Rücktransport zurück nach Deutschland (oder wenigstens in ein Land mit ausreichender medizinischer Infrastruktur) leistet.

Es gab mehrfach Versuche durch Entwicklungshelfer, die Tropenkrankheiten im Land auszurotten, was aufgrund der Insellage aussichtsreicher erscheint als auf dem afrikanischen Festland. Diese Versuche zeigten zunächst auch Erfolg, der währte aber nicht lange. Deshalb sollte man, wie sonst in Afrika auch, eine Malariaprophylaxe mitführen und die Sicherheitsvorkehrungen wie Moskitonetze einhalten.

Leistungswasser ist nicht trinkbar, man sollte daher abgefülltes Wasser aus dem Supermarkt verwenden.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima ist tropisch ohne jahreszeitliche Schwankungen. Es gibt ausgeprägte Regen- und Trockenzeiten.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Notruf: ☎ 112
Seit 2010 sind alle Telphonnummern 7stellig. Festnetzanschlüsse haben als erste Ziffer eine 2, Mobilnummern eine 9.

Entlang der Küste finden sich zahlreiche ungewöhnliche Muschelarten. Wer nicht in der Lage ist sie zu bestimmen, sollte solche Souvenirs, da die Einfuhr in die EU vielfach dem Artenschutz unterliegt, besser unterlassen.

Freundliche Schnorrerei ist weit verbreitet, was auf Dauer lästig werden kann besonders wenn bei Kinder dies in durchaus agressive Bettelei umschlägt.

Príncipe und Nebeninseln[Bearbeiten]

Príncipe
Palacio do Governo Regional am Praca Marcelo da Veiga in Santo António.

Wirtschaftlich und kulturell ist die Insel noch unterentwickelter als São Tomé. Die Einwohner sind Nachfahren von Arbeitskräften die aus Angola oder den Kapverden kamen. Kinder betteln jeden Europäer um Süßigkeiten und Geld an, da sie früh gelernt haben daß „weiße Haut“ mit Reichtum gleichzusetzen ist. Die gesamte Insel und das umliegende Meer sind seit 2012 UNESCO-Biosphären-Reservat. Dabei sind drei Stufen des Schutzes festgelegt. Bewohnt ist nur der Übergangsbereich vor allem im Norden der Insel. Strenger geschützt ist die Pufferzone, auf die eine Kernzone folgt. 85 km² werden dabei als Teil des Parque Natural Ôbo mit dem Gebiet auf São Tomé betrachtet. Die Inseln Bela Vista, Bombom, Futuro, Neves Ferreira, Paciência, Ponta Fonte, Ribeira Ize, Santo António de Ureca und Vila Rosa sind unbewohnt.
Buchten mit Sandstränden sind vor allem im Norden der Insel.

Strom gibt es außerhalb der Resorts abends bis Mitternacht und kurz am Morgen. Das führt auch dazu, daß Nahrungsmittel in der Regel frisch zubereitet sind, da sie mangels Kühlung schlichtweg nicht halten.

Im Norden der Insel ist der 2 Flughafen Príncipe (IATA: PCP).
Die Anreise erfolgt in der Regel über den Flughafen São Tomé. Täglich ein Flug – der Preis für die 40-50minütige Veranstaltung liegt deutlich über € 200 retour – mit STP Airways.

Um auf der Insel Herumzukommen muß man, sehr teuer, ein Auto ggf. mit Fahrer, mieten. Geführte 3stündige Quadausflüge gibt es 2016 für € 40, ebensolange Bootsausflüge (max. 6 Teilnehmer) in der Baía das Agulhas kosten ab € 150. Um Porto Real ist der einzige ausgewiesene Wanderweg der Insel, sechs Kilometer lang.

Von der 1 Fortaleza de Santo António da Ponta da Mina sind nur noch Ruinen erhalten.

Santo António[Bearbeiten]

1 Santo António ist mit 1200 Einwohnern die einzige größere Ansiedlung auf dem 136 km² großen Príncipe. Direkt neben dem Markt ist die Afriland First Bank. Über den Ort verteilt gibt es genug Essensmöglichkeiten sowie einige Tante-Emma-Läden. Preise sind hier noch sehr viel höher als in São Tomé, da Frachtkosten auf der Fähre, die 8-12 Stunden unterwegs ist, fällig werden. Souvenirs gibt es keine, man kann schlichtwegs nichts kaufen.

1 Postamt, Marcelo da Veiga Sq. (das einzige).

3 Capitania (Hafenbüro) (Direkt am Bootsanleger). Keine hundert Meter weiter ist das Krankenhaus.

Unterkunft[Bearbeiten]

1 Residencial Palhota. Tel.: +239 2251060. Auffällig hellblau gestrichen.

2 Pensão Arca de Noé. Tel.: +239 991 0813.

3 Residencial Apresentacao, 14 rua Oua 23. Tel.: +239 996 4860.

Mira Rio ist ein Restaurant und angeschlossener Pension mit vier Zimmern (Rua Martires da Liberdade).

Die Mission Santa Casa da Misericórdia nimmt auch zahlende Gäste für wenig Geld auf. Strom oder fließend Wasser braucht man aber nicht regelmäßig erwarten.

Luxusresorts

Mark Shuttleworth, dem Betreiber des Omali Resort in São Tomé gehören auch die Resorts hier, wobei die „nachhaltige Entwicklung“ von der sehr werbewirksam gesprochen wird, sicher nicht reine Wohltätigkeit ist, vor allem wenn man sich die Preise ansieht:

  • 4 Sundy Beach Resort. Preis: € 400+ p.P.
  • 5 Roça Sundy Hotel. Mit der Discoteca Catacumba. Preis: € 200+ p.P.
  • 6 Bom Bom Island Resort. 19 Bungalows an einem einsamen Strand, der über eine Holzbrücke mit einer kleinen Insel verbunden ist. Preis: € 400+ p.P.

Literatur[Bearbeiten]

  • Albertino da Boa Morte Francisco; Exorcising Devils from the Throne: Sao Tome and Principe; 2011 (Alogra); ISBN 9780875868462 Volltext
  • Batista de Sousa, Izequiel; São Tomé et Principe de 1485 à 1755, une société coloniale: du blanc au noir; Paris 2008 (Harmattan); ISBN 3771303052
  • Kalewska, Anna; O tchiloli santomense - o "chamado de deuses" luso-africano - nas pinceladas teatrais e literárias; Itinerarios: revista de estudios lingüisticos, literarios, históricos y antropológicos, 2007, Nr. 5, S. 35-54, Volltext
  • Schümer, Martin; São Tomé und Principe: Ausbruch aus d. Isolation; Bonn 1987 (Forschungsinst. d. Dt. Ges. für Auswärtige Politik); ISBN 9782296060227
  • Seibert, Gerhard; Comrades, clients and cousins: colonialism, socialism and democratization in São Tomé and Príncipe; Leiden ²2006 (Brill); ISBN 9789004147362

Weblinks[Bearbeiten]

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