Urwald Sababurg
| Urwald Sababurg | |
| Lage | |
| Kurzüberblick | |
| Beste Reisezeit | ganzjährig |
|---|---|
| Eintritt | kostenlos |
| Öffnungszeiten | frei zugänglich |
| Dauer | 1 bis 2 Stunden (Rundgang) |
| Rundwege | 1,2 km • 2,5 km • 4 km |
| Parken | kostenfrei am Eingang des Schutzgebiet |
| Öffentlicher Verkehr | Buslinie 190 ab Bf Hofgeismar |
| Highlights | alte Baumveteranen (Eichen und Buchen), Totholz |
Der Urwald Sababurg ist ein alter, weitgehend naturbelassener Hutewald im Naturpark Reinhardswald in Nordhessen. Er liegt nahe Hofgeismar und gehört zu den ältesten Schutz- und Naturwaldgebieten Deutschlands. Charakteristisch sind sehr alte Buchen- und Eichenbestände und große Mengen an Totholz, die dem Gebiet einen urwaldähnlichen Charakter verleihen. Auf kurzen, einfachen Rundwegen können die Höhepunkte des Naturschutzgebiets erwandert werden.
Wer überregional zum Urwald Sababurg anreist: Die Region Reinhardswald bietet viel für einen entspannten Wochenendtrip oder auch ein verlängertes Wochenende.
Hintergrund
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In Deutschlands aufgeräumter, weitgehend kultivierter Landschaft werden viele Naturinteressierte beim Schlagwort „Urwald“ sofort hellhörig. Der Urwald Sababurg kann die Erwartungen, die viele mit einem verwunschenen, urtümlichen Wald der gemäßigten Breiten verbinden, in vielen Fällen mehr als erfüllen. Wer als Naturfreund das über 100-jährige Schutzgebiet im Reinhardswald noch nicht kennt, hat bisher etwas verpasst. Dabei ist der Urwald Sababurg als ehemaliger Hutewald noch nicht einmal ein „richtiger“ Natururwald.
Ein Blick zurück
Schon Anfang der 1930er Jahre wurde das damals 25 Jahre alte Schutzgebiet touristisch mit großen Worten beworben. Im 1931 vom Verkehrsverband für Hessen und Waldeck herausgegebenen Führer durch Hessen, Waldeck und Oberwesergebiet heißt es:
„Südlich der Straße Sababurg- Beberbeck findet sich der Urwald, ein 70 Hektar großes Gebiet, das unter Naturdenkmalschutz gestellt ist. Der echte altgermanische Urwald ist hier unberührt geblieben. Vom Gestrüpp überwachsen liegen hier die Waldesriesen, wie sie sich nach langer Zeit zur Ruhe niedergestreckt haben. Zwischen den mächtigen uralten Stämmen Moosboden recken mächtige Farne ihre Häupter. Mit stiller Andacht betritt der einsame Wanderer dieses Zauberland.“
Aber die Naturschutzgeschichte des heutigen Schutzgebiets begann schon deutlich vor 1931. In seiner Jugendzeit unternahm der Maler Theodor Rocholl (1854 – 1933) zur Motivsuche lange Spaziergänge in den Reinhardswald. Hier zeichnete er mit Vorliebe u. a. auch die Baumriesen des heutigen Urwalds Sababurg. Rocholl erlebte mit der aufkommenden Industrialisierung das immer mehr der bis dahin sich selbst überlassenen Hutewaldflächen wieder forstlich genutzt wurden, um den Hunger der Industrie nach Holz zu bedienen. So setzten sich Theodor Rochell und einige seiner Malerkollegen für den Schutz des Gebiets ein.
Vom Malerreservat zum Naturschutzgebiet
1906 wurde in Preußen auf Druck der sich gerade neu gegründeten Heimat- und Naturschutzbewegung die „Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege“ mit Sitz in Danzig eingerichtet. Theodor Rocholl erreichte, das der zuständige Amtsmann Dr Hugo Conwentz anreiste und die zu schützenden Flächen besichtigte. Er hatte damit Erfolg: 1907 wurden 66 Hektar des „Malerreservats“ als Naturdenkmal eingestuft. Das Gebiet war damit eines der ersten deutschen Naturschutzgebiete. Im Jahr 1917 erweiterte man das Schutzgebiet auf 207 Hektar. Da das größere Gebiet wohl nicht komplett die Wertigkeit eines Naturschutzgebiets besaß, schnitt man 1925 den Urwald auf die noch heute bestehende Größe von 92 Hektar zu.
Waldweide
Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde der heutige Urwald als Hutewald genutzt. Im Rahmen dieser Waldbewirtschaftung wurde das Gebiet als Waldweide für das Vieh genutzt. So wurden z. B. Schweine, Ziegen, usw., die gerne die Eicheln, Bucheckern und junge Triebe fraßen, in die Waldungen des Reinhardswaldes getrieben. Man pflanzte in großer Zahl vor allem die „ertragreiche“ Eiche. Die Eiche spielte damals auch als Bauholz eine große Rolle. Sonst wurde die Buche als weiterer Mastbaum noch geduldet. Nadelbäume hatten für eine Waldweide natürlich wenig wert. So entstand über die laufe der Jahrhunderte ein weiter Hallenwald mit recht wenig Unterholz, aber einer großen Anzahl alter „mastreicher“ Eichenrecken.
An die Nutzung des heutigen Naturschutzgebiets als Hutewald erinnert auch noch der Name „Kuhberg“. Dieser Name bezeichnet den Höhenrücken, auf dem Urwald Sababurg zu finden ist. Die „Waldweide“ hatte 1748 nach dem „Hudereglements“ bezogen auf den gesamten Reinhardswald gewaltige Dimensionen: So war das Gebirge damals gleichzeitig von rund 3000 Pferden, 6000 Stück Rindvieh, 6000 Schweinen und zusätzlich von sage und schreibe 20.000 Schafen bevölkert. Bezogen auf einen Quadratkilometer des Reinhardswalds war das damals eine ganzjährige Belastung von 130 Stück Vieh.
Die Weiderechte hier am heutigen Urwald wurden 1865 aufgehoben. 1917 drohte dem Schutzgebiet erstmals Gefahr. Gut Beberbeck beanspruchte zusätzliche Weideflächen im Reservat. Als dies bekannt wurde erhob sich in Kassel und der Region schnell eine Protestbewegung „Pro Urwald“. Daraufhin war die Forderung schnell vom Tisch.
Am 16. März 1933 vernichtete ein Großbrand auf 25 Hektar wertvolle Teile des NSG. Das durch Fahrlässigkeit von Wanderern verursachte Feuer konnte erst nach 3 Tagen vollständig unter Kontrolle gebracht werden. Dem Feuer fielen 16 Baumveteranen zum Opfer. Das waren fast 10 festgestellte Baumrecken gewesen. Da man von den länger nachglühenden Alteichen noch eine große Brandgefahr ausgehen sah, wurden viele der verkohlten Eichen noch nachträglich gesprengt.
Bis 1967 gehörte das Schutzgebiet zum Wildschutzgatter Reinhardswald. Es gab im Schutzgebiet vorher Probleme mit Wildverbiß. Im Wildgatter gab und gibt es eine bedeutend höhere Wilddichte, als dies im uneingezäunten Teil des Reinhardswaldes der Fall ist. Daher war der Entschluss, den Urwald aus dem Gatter zu entlassen, eine wichtige Maßnahme für die weitere naturnahe Entwicklung des Gebiets.

Das Naturschutzgebiet heute
Nach über 100 Jahren Schutz verwandelt sich das Gebiet nun langsam in einen natürlichen Urwald. Würde man nicht pflegend eingreifen, hätte man hier irgendwann in großen Teilen des NSG einen reinen Buchennatururwald, denn die alten Eichen werden oft von vitalen Jungbuchen bedrängt. Dies führt mit zum vorzeitigen Absterben der alten Eichenveteranen. Da dies nicht unbedingt der Hauptzweck des Schutzgebiets ist, werden heute die alten Huteeichen zum Teil von jüngeren Buchen freigestellt. Unabhängig davon haben aktuell auch einfach viele Baumveteranen ihr natürliches Höchstalter erreicht und sterben langsam nach und nach ab. Vor allem jüngere Rotbuchen übernehmen dann dort die Herrschaft im Gebiet. Auf den Adlerfarnfluren wurden sogar einzelne Eichen als „neue Hutebäume“ nachgepflanzt, da der bis zu 2 m hohe Riesenfarm die natürliche Waldverjüngung zum Teil weitgehend unterdrückt.
Etwa zwischen 2016 und 2019 wurden die Wanderpfade im Schutzgebiet neu konzipiert. Das Wegenetz wurde zum Schutz der Natur etwas gestraft. Statt gelben Nummern markieren nun farbige Wegzeichen die drei Rundwanderwege. 2017 wurde der Naturpark Reinhardswald gegründet.
Heute besuchen jährlich rund 50.000 Naturfreunde aus Nah und Fern das Schutzgebiet.
Vorbereitung
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Ein Besuch des Urwald Sababurg ist im Prinzip zu jeder Jahreszeit lohnend. Jede Zeit des Jahres hat hier Ihren besonderen Reiz.
Bitte beachten:
- Im Gebiet gibt es keine Bänke und Rastplätze. Vereinzelt liegen am Wegesrand einige Stücke von Baumstämmen, die sich gut als Bankersatz eignen. Dieses Holz stammt von Pflegemaßnahmen aus Naturschutzgründen. Einen Picknickplatz (leider ohne Regenschutz) findet man aber auf dem Wanderparkplatz.
- Bitte die üblichen Regeln für das Betreten von Naturschutzgebieten beachten (keine Blumen, Pflanzen und Pilze pflücken, auf den Wegen bleiben, keinen Müll hinterlassen...), damit auch noch die nächsten Besucher eine schöne Natur vorfinden.
- Einige "Schaustellen der Natur" sind mit Holzbarrieren abgesperrt. Diese Holzzäune bitte respektieren. Die Zäune stehen so, dass man auch vom Zaun aus schöne Bilder knipsen kann. So finden sich z. B. an einigen Baumveteranen solche Zäune. Grund war evtl. der großflächig platt getrampelte und damit verdichtete Boden um die alten Baumrecken. Der feste Boden kann mit dazu beitragen, die Bäume nachhaltig zu schädigen.
- Sonst ist das Radfahren im Schutzgebiet nicht gestattet.
Anreise
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Auf der Straße
[Bearbeiten]Von Kassel über die Bundesstraße 83 Richtung Hofgeismar fahren.
Nach der Ortsumgehung von Hofheimar rechts in die u. a. mit „Sababurg“ ausgeschilderte Kreisstraße einbiegen.
Der kostenfreie 1 Wanderparkplatz „Urwald Sababurg“ findet sich direkt an der Straße.
Öffentlicher Verkehr
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Die Buslinie 190 bindet die Sababurg und den Urwald stündlich an die Bahnhöfe Hofgeismar und Hann Münden an (am Wochenende 2-Stunden-Takt). Die Haltestelle findet sich direkt am Urwaldeingang am Wanderparkplatz.
Haltestellenname in der NVV-Auskunft: „Hofgeismar Naturschutzgebiet Urwald“; Fahrzeit ab Kassel Hauptbahnhof (Regiotram) bzw. Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe (Regionalexpress) via Bahnhof Hofgeismar etwa eine Stunde.
In der DB-Auskunft heißt die Bushaltestelle „Naturschutzgebiet Urwald, Hofgeismar“.
Mit dem Fahrrad
[Bearbeiten]Einfach der 2025 komplett neu installierten Radwegweisung Reinhardswald folgen. Das Ziel „Sababurg“ ist in den grün-weißen Schildern umfangreich genannt.
Vom Bahnhof Hofgeismar findet sich oben am Aufzug an der Bahnbrücke direkt des Ziel „Sababurg“ in den Radschildern. Über Carlsdorf, Hombressen und Beberbeck radelt man etwa eine Stunde zum Schutzgebiet. Die Strecke mit 15 km ist bergig. Ein Pedelec ist daher sinnvoll.
Es wechseln sich Asphaltwege und Schotterstrecken ab. Besonders der Schotterweg von der Kreisstraße K53 nördlich Hombressen bis Beberbeck kann teilweise sehr holprig sein.
Wer Lust auf eine zusätzliche „Bergwertung“ hat, kann auch über den Aussichtspunkt 1 Friedenseiche fahren. Die steilere Schotterstrecke hinauf zu Friedenseiche ist außerorts in der Radwegweisung ausgeschildert. Hier oben ergibt sich ein schöner Südblick. Unter dem schattigen Baum findet sich eine Bank.
Das Radfahren im Schutzgebiet ist nicht gestattet. Fahrräder am Wanderparkplatz anschließen. Stand 2019 fehlte am Wanderparkplatz leider ein Fahrradständer.
Mobilität
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Der Urwald ist nur zu Fuß erkundbar.
- Markierung: Am Wanderparkplatz starten drei markierte Rundwege. Holzpflöcke mit den Streckenlogos zeigen die Strecken an:
- - Rundweg gelb (Borkenkäfer): 1,2 km, etwa 30 Minuuten
- - Rundweg orange (Eichenblatt): 2,5 km, etwa eine Stunde
- - Rundweg rot (Specht): 4 km, etwa 1 1/2 Stunden, verlässt das NSG Richtung Tierpark
- Höhenmeter: nur leicht welliges Gelände
- Wegbeschaffenheit & Schuhwerk: Wanderschuhe sind nicht unbedingt nötig. Schuhe mit flacher Sohle und am besten etwas Profil sind ausreichend. Die Wege im NSG besitzen meist eine naturbelassene Oberfläche. Unter anderem an feuchten Stellen wurden Stege errichtet. Prinzipiell sind die Waldpfade gelb und orange halbwegs kinderwagentauglich (für Wagen mit größeren Rädern). Ganz vereinzelt gibt es aber vor allem durch hervortretende Baumwurzeln ein paar holprige Stellen. Je nach Witterung kann der Pfad stellweise auch etwas matschig sein.
Für die unten beschriebene den große Runde (Kombination der Rundwege gelb und orange) sollte man etwa eine gute Stunde bis hin zu zwei Stunden einplanen (je nach Fotopausen usw.). Strecke etwa 2,5 km einfach.
Im Gebiet liegen keine Bänke und Rastplätze. Vereinzelt finden sich am Wegesrand evtl. einige Stücke von Baumstämmen. Diese Holzstücke eignen sich gut als Bankersatz. Das Holz stammt von Pflegemaßnahmen aus Naturschutzgründen.
Rundgang mit Sehenswürdigkeiten
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Nach Querung der Landstraße taucht man in die 1 Heilige Halle mit ihren stattlichen Rotbuchen ein. Hier schräg links den gelb markierten Rundweg „Borkenkäfer“ einschlagen.
Vorbei an einer liegenden Totholzbuche wird die „Heilige Halle“ verlassen. Dieser Baum fiel erst zwischen 2010 und 2012. Bald findet sich rechter Hand ein geschwärzter Totholzstumpf. Dieser 2 Feuerstumpf ist entweder das Werk eines lokalen „Baumfeuers“ durch Blitzschlag oder aber evtl. noch ein Überbleibsel des großen Waldbrandes im NSG von 1933. Der Pfad schlängelt sich weiter durch das Unterholz.
Bald gibt das Unterholz den Blick auf die 3 Kamineiche frei. Der mächtige Baumriese ist der bekannteste Baumveteran des Schutzgebietes. Er wird oft stellvertretend für die fotografische Darstellung des Urwalds Sababurg herangezogen. Und in der Tat ist der Baumsenior heute einer der herausragendsten Bäume des ehemaligen Hutewaldes.
Wie auch manche andere der alten Eichenrecken ist der Baum im wahrsten Sinne ein „Kamin“: Die Kamineiche ist nämlich hohl. Das äußere Holz zusammen mit der Borke (auch Splintholz genannt) erhält sie am Leben. Zusammen mit den alten Totholzästen ergibt sich eine knorrige Baumgestalt. Mit ihren ausladenden Ästen kann man in Ihr durchaus einen „Ent“ aus der Fantasysaga „Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien erkennen. Bei einem Stammumfang von etwa 7 m kann die Stieleiche auf ein stattliches Alter von rund 500 Jahren zurückblicken.
Ein kurzer Stichsteg führt ferner zur erwürdigen 4 Margarethe. Diese alte Eiche besitzt ebenfalls eine attraktive Veteranengestalt.
Am nächsten Verzweig links halten und dem Rundweg in orange „Eichenblatt“ folgen. Wer wenig Zeit hat, kommt rechts auf dem „gelben“ Rundweg „Borkenkäfer“ schnell wieder zurück zum Parkplatz.
Links des Weges liegt eine gefallene, mächtige Rotbuche. Der bereits teilweise morsche Baum konnte einem Sturm vor 2019 nichts mehr entgegen setzen.
Etwas rechts des Weges findet sich bald die beschilderte 5 Rappeiche. Die stattliche Eiche im Alter von 300 bis 350 Jahren besitzt einen Stammumfang von etwa 6 m. Herrmann Josef Rapp (*1944) hat als Naturschützer große Verdienste um den Naturschutz im Reinhardswald. Beruflich war er bis 2000 stellvertretender Leiter des Forstamtes Reinhardshagen. Aber bereits 1972 kam er als Forstmann in die Region. Ehrenamtlich leitete er rund 1000 Gästeführungen u. a. auch durch das Schutzgebiet und war als Fachautor aktiv. Aufgrund seiner durchdringenden Stimme erhielt er den Beinamen „Stimme des Reinhardswaldes“. Mit einer nach ihm benannten Eiche wurde Herrn Rapp im Urwald noch zu Lebzeiten eine außergewöhnliche Ehre zu Teil. Um den Naturgenuss nicht zu stören, sind Hinweisschilder nach der Naturschutzgebietsverordung übrigens nicht gestattet. Bei der Rapp-Eiche wurde da also eine sicher berechtigte Ausnahme gemacht. Sonst ist Herrmann Josef Rapp seit 2011 Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande.
Nun öffnet sich das Schutzgebiet in weiten Adlerfarnfluren. Der weltweit verbreitete Adlerfarm erreicht seine stattliche Endhöhe von 1,6 bis 2 Metern im Spätsommer. Unter günstigen Bedingungen sogar bis zur 4 m hoch werden. Er ist damit die größte heimische Farnart. Der gesamte Farn ist giftig. Unterirdisch besitzt der vitale Farn ein „Rhizom“. Dieses umgangsprachlich auch als Wurzelstock bezeichnete Triebwerk verbindet großflächig die nach oben führenden Einzeltriebe und die nach unten führenden Wurzeln mit einander. Durch diese Wuchstechnik kann der Farn sehr dominant auftreten und die natürliche Waldverjüngung weitgehend unterbinden. So wurden hier zum Teil auch junge Eichen als Einzelbäume nachgepflanzt. Der „Bodendecker“ Giersch besitzt übrigens einen ähnlichen Wurzelstock. Wer ihn einmal im heimischen Garten hat(te), weiß wie schwer es ist, ihn wieder los zu werden.
Rechts des Pfads findet sich sonst noch eine liegende Totholzeiche, die bereits von jungen Baumtrieben umgeben ist.
Hier am nächsten Verzweig folgt man der Markierung in rot bzw. orange weiter geradeaus.
Weiter geradeaus taucht bald der 6 Nadelhain auf. Die die Trockenheit und dem Borkenkäfer sind aber auch hier um 2018 einige der großen Nadelbäume abgestroben. Die imposante Fichte einst direkt am Wegesrand stehende Fichte Brachte es bis zu Ihrem Tod auf ein Alter von etwa 100 bis 120 Jahren. Nun liegt der Baum gefällt links des Weges als Todholz.
Hier findet sich sonst rechts, etwas abseits des Pfads eine stattliche, verwunschene 7 Buche mit einem „Schlangenast“ (2) auf. Dieser lange, sehr spezielle gewundene Ast sucht erst den Boden auf, um sich dann noch einmal zu einer zweiten „Nebenkrone“ aufzurichten.
Vom Schlangenast sind es nur wenige Schritte bis zur nächsten Attraktion, der imposanten 8 Drillingsbuche. Sie hat Ihren Namen wohl von ihrer dreigeteilten Krone. Obwohl sie sehr mächtig erscheint, hat die Drillingsbuche "erst" ein Alter von etwa 180 bis 250 Jahren. Älter als 300 bis maximal 400 Jahre werden Rotbuchen aber in der Regel nicht. Das zwischen 2012 bis 2014 errichtet Geländer zum Schutz der Drillingsbuche bitte respektieren. Auch oder gerade aufgrund des Geländers entstand das monumentale Bild der Drillingsbuche. Denn seitdem die Barriere steht, ist der Boden um den Baumriesen nicht mehr komplett platt getrampelt und es sprisst wieder etwas Grün.

An den knorrigen 9 Schneitelbuchen zweigt der rot markierte Rundweg (Specht) Richtung Tierpark Sababurg ab. Die Runde im Urwald geht aber rechts bzw. weiter geradeaus auf der orange markierten Strecke. Aber zu den Schneitelbuchen: Diese knorrigen, etwa 200-jährigen Hainbuchen wurden als Schneitelbuchen genutzt. In 3 m Stammhöhe wurden sie alle paar Jahre immer wieder zurückgeschnitten und die Triebe genutzt. Heute nach mehr als 100 Jahren ist die ehemalige Schnittstelle schon weitgehend verwachsen, aber trotzdem noch gut zu erkennen.
Nun folgt eine längere Stegpassage. Diese Stege wurden angelegt um sensible Bereiche des Gebiets besser schützen zu können.
Linkerhand des Weges findet sich nun eine verwunschene Totholzeiche. Dieser etwa 10 m hohe Totholzstamm ist das Überbleibsel der 10 Zyklopeneiche. Links unten kann man in Laufrichtung ein „Baumgesicht“ finden. Der Begriffe „Zyklop“ (altgriechisch „Kyklop“) stammt aus der griechischen Mythologie. Ein Kyklop ist in der Welt der griechischen Götter ein Gesicht mit entweder kreisrunden Augen oder oft auch ein einäugiges Gesicht. Je nach eigener Phantasie kann man natürlich in vielen Totholzformationen im Urwald Sababurg spezielle Gestalten und Motive entdecken.
Ein Wunder der Natur ist der bald folgende 11 Eichentrieb : Obwohl 90 Prozent des Stamms der alten Eiche nicht mehr vorhanden sind, lebt der Veteran noch! Aus dem äußerem Holz (auch Splintholz genannt) hat sich bereits vor Längerem ein im Prinzip neuer kleiner Baum gebildet.
Bald passiert der Holzsteg das 12 Totholz am Steg. Wer sich niederkniet, dem erwartet eine ungewöhnliche Perspektive: Er kann einmal durch den hohlen Stamm schauen.
Links des Weges kommt man an einem weiteren 13 Baumtrieb (Tortrieb) vorbei, der sich ebenfalls aus dem Splintholz gebildet hat. Dieser Trieb einer unbekannten Baumart wurde aufgrund seine Form „Tortrieb“ getauft.
Bald darauf öffnet sich die Landschaft wieder zu einer weiten Adlerfarnflur. Rechts des Pfades steht als Solitär eine schöne, alte Eiche, der 14 Musterveteran.
Der Pfad führt nun über ein kleines Bächlein. Bei / nach längerer, feuchter Witterung quert man hier das einzige Gewässer auf dem Rundweg.
In einem weitem Bogen geht es durch eine „Birkenallee“ bergwärts. Entlang des Pfads finden sich einige Birken.
Zurück am Verzweig geht es links Richtung Parkplatz. An der Rappeiche vorbei wird wieder der erste Verzweig erreicht. Hier geradeaus halten.
Bald findet sich die 15 Buche mit Schlangenast (1).
Auf dem weiteren Weg zurück kommt man noch an der imposanten 16 Wappeneiche vorbei. Obwohl auf dem ersten Blick ein kompletter Totholzbaum, lebt die Wappeneiche noch (Stand 2010). Die Stieleiche war Vorbild für das Wappen des ehemaligen Landkreises Hofgeismar. Wappenbeschreibung laut Wikipediaartikel „Liste der Wappen im Landkreis Kassel“: „In Rot ein silberner Eichenstumpf mit Zweigen und Blättern“. Eine grafische Abbildung dieses Wappens kennt die deutsche Wikipedia mit Stand Januar 2015 nicht. Das heutige Wappen des 1972 neu gebildeten Landkreises Kassel besitzt übrigens auch einen Eichenzweig.
Von der Wappeneiche ist es nicht mehr weit bis zur Heiligen Halle. Damit schließt sich endgültig der Kreis durch die märchenhafte Waldlandschaft.
Aktivitäten
[Bearbeiten]- Spaziergänge durch das Schutzgebiet. Das NSG ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.
- Fotografieren: Im Schutzgebiet gibt es vielfältige Motive für Naturinteressierte. Auch für Fotografen gilt: Absperrungen an den Baumriesen akzeptieren.
Küche
[Bearbeiten]- 1 Gasthaus „Zum Thiergarten“. Tel.: (0)5671-766 499 90 gelegen im Eingangsbereich des Tierparks Sababurg: Landgasthof mit Biergarten in rustikalem Holzgebäude; gutbürgerliche Küche. Geöffnet: Mo bis Mi Ruhetage, Do bis So: 10:00 - 18:00 Uhr, Warme Küche von 11:30 - 17:00 Uhr.
- Die Gastronomie auf der Sababurg ist bis auf weiteres geschlossen. Das Schloss wird grundlegend saniert.
Unterkunft
[Bearbeiten]Unterkünfte liegen in Hofgeismar. Hier finden sich neben Hotelbetten auch ein Campingplatz sowie ein Wohnmobilstellplatz.
Das Schlosshotel Sababurg ist Stand 2025 geschlossen. Die Sababurg wird grundlegend saniert.
Praktische Hinweise
[Bearbeiten]- Das Naturschutzgebiet ist kostenfrei zugänglich. Bitte die üblichen Regeln in Schutzgebieten beachten.
- Toiletten gibt es im Schutzgebiet bzw. am Wanderparkplatz keine. Die nächsten Toiletten finden sich im Tierpark Sababurg.
- Öffentliche Führungen durch den Urwald werden über den Naturpark angeboten (www.naturpark-reinhardswald.de/kalender). Für Gruppen können über den Naturpark Reinhardswald auch individuelle Führungen vereinbart werden.
- 1 Touristinformation Hofgeismar / Naturpark Reinhardswald e.V., Markt 5, 34369 Hofgeismar. Tel.: +49 5671 999222, E-Mail: mail@naturpark-reinhardswald.de
Ausflüge
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- Schloss Sababurg
- Tierpark Sababurg
- Fachwerkaltstadt von Hofgeismar
- Trendelburg
- Bad Karlshafen
Literatur
[Bearbeiten]- „Baumriesen und Adlerfarn“ von Hermann-Josef Rapp und Marcus Schmidt. Im reich bebilderten Buch kommen 20 Experten zu Themen rund um den Urwald zu Wort. ISBN 978-3-933617-21-7 (2. Auflage 2012); erschienen im euregio Verlag.
Weblinks
[Bearbeiten]- naturpark-reinhardswald.de - offizielle Seite des Naturparks Reinhardswald, enthält auch ein paar Infos zum Urwald Sababurg.
Einzelnachweise und Anmerkungen
[Bearbeiten]- Die Texte dieses Wikivoyageartikels basieren u. a. auf einem 2015 herausgegebenen Regionalwanderführer des Wikivoyageautors Dirk Schmidt. Da der Wanderführer lange vergriffen ist und keine Neuauflage / Erweiterung geplant ist, soll dieser Text von Tour 3 aus dem Wanderbuch hier digital der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden (Buch siehe ISBN 978-3941499997)
- Nach dem der Wanderführer von Autor Dirk Schmidt bereits 2015 erschien, haben wohl Verantwortliche (?, Details nicht bekannt) des 2017 neu gegründeten Naturparks Reinhardswald Stationen aus dem Buchartikel u. a. mit Begriffen wie Buche mit Schlangeast, Nadelhain, Heilige Halle, Totholz am Steg in die neue Wandertafel übernommen (Bild der Tafel auf Commons von 2024)
- Weitere Quellen: Für die Texterstellung im Wanderführer wurde 2015 weitere Lokal- und Regionalliteratur verwendet. Die Literatur liegt noch in Papierform vor. Auf eine detaillierte Abhandlung der Quellen auf Wikivoyage im "Wikipediastil" soll hier aber verzichtet werden. Denn schon 2015 wurde das im Einzelfall im Detail nicht im Regionalwanderführer vermerkt, da für ein Reisebuch nicht wichtig. Eine Hauptquelle von damals war aber das hier unter Literatur vermerkte Sammelwerk.

