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Wien/Alte Schanzen

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Die Alten Schanzen um Wien wurden im Zuge des Preußisch-Österreichischen Krieges 1866 angelegt. Sie sollten im Falle eines Angriffes aus dem Nordosten die Stadt Wien sichern. Insgesamt wurden 31 Festungsanlagen bzw. Werke angelegt, die sich halbkreisförmig von Langenzersdorf bis in die Lobau spannten.

Alte Schanzen 10-13; Stammersdorf

Hintergrund[Bearbeiten]

Im Jahr 1866 wurden als äußerer Befestigungsring insgesamt 31 Schanzen oder Werke im Nordosten Wiens angelegt, die teils aus Erdwällen und teils aus gemauerten Bastionen bestanden. Als weitere Absicherung entstanden zwei innere Befestigungsringe rund um die Ortschaften Floridsdorf und Stadlau, um den Donauübergang - damals gab es nur zwei Brückensysteme über die noch unregulierte Donau - zu sichern.

Im Preußisch-Österreichischen Krieg war Österreich militärisch unterlegen. Falls das vorrückende Preußische Heer aus dem Nordosten Wien erreichen würde, sollte es hier aufgehalten und die Eroberung der Residenzstadt verhindert werden. Doch nach der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 wurde zwischen Österreich und Preußen ein Friedensabkommen geschlossen, die Schanzen sahen keinen militärischen Einsatz mehr.

Im Ersten Weltkrieg wurden einige Schanzen des äußeren Ringes - speziell jene im Bereich des Bisamberges - notdürftig instandgesetzt. Sie sollten zur Verteidigung Wiens gegen vorrückende Truppen des zaristischen Russland dienen, sie kamen aber ebenfalls nicht in Verwendung. Bereits ab dem späten 19. Jahrhunderts wurden die Befestigungsanlagen durch die stark wachsende Stadt verbaut und teilweise durch wilde Siedlungen (Schrebergärten usw.) in Beschlag genommen. Erhalten blieben nur die Anlagen am Bisamberg, da sich dieses Gelände weder für Landwirtschaft noch für Bebauung sonderlich eignete.

Im Zweiten Weltkrieg wurden einige Schanzen am Bisamberg von der Wehrmacht als Übungsgelände oder Fabriken für kriegswichtiges Material verwendet. Auf zahlreichen Schanzen des Bisamberges waren FLAK-Geschütze stationiert. Erstmals sahen die Schanzen also ein Gefecht, das jedoch in den letzten Kriegstagen nicht mehr aussichtsreich für die Verteidiger war.

In der Zeit des Kalten Krieges waren die Schanzen militärisch längst obsolet. Dennoch war auch hier die militärische Taktik der Republik Österreich ähnlich wie in den Konflikten zuvor. Im Falle einer militärischen Invasion aus der Tschechoslowakei sollte der Feind nahezu ungehindert durchs Weinviertel und Marchfeld vorrücken können und erst kurz vor Wien attakiert werden. Ob auch in diesen Planungen für einen niemals eingetretenen Fall die Schanzen eine Rolle spielten, kann nicht geklärt werden.

Zahlreiche Schanzen sind heute immer noch rudimentär vorhanden. Am besterhaltenen sind jene am Bisamberg. Sie sind Brachen oder Biotopräume und durch Vegetation überwachsen. Andere Schanzen sind noch als Toponyme vorhanden oder als Parks oder Kleingartenanlage nachgenutzt. Oftmals erkennbar sind sie auch im Straßenraster des flachen Marchfeldes, wo das geometrische Straßenraster durch die heute verbauten Schanzen deutliche Unregelmäßigkeiten erfährt.

Die Schanzen des äußeren Ringes sind teilweise noch gut im Stadtbild erkennbar oder ganz erhalten. Die beiden inneren Ringe sind durch die Bebauung der Folgejahrzehnte nahezu verschwunden.

Lokalisierung[Bearbeiten]

Karte von Alte Schanzen

Als Quellen dienten: Stadtpläne Wien 1904 & 1912; Orthofotos 1938 und 2015; Aufnahmeblätter der francisco-iosephinischen Landesaufnahme 1872-1875.

Äußerer Befestigungsring[Bearbeiten]

Die Schanzen wurden im Uhrzeigersinn von Nord nach Süd durchnummeriert. Als alternative Bezeichnung zu Schanze wurde früher auch Werk verwendet.

Die Schanzen befinden sich auf den Gemeindegebieten von:

Langenzersdorf[Bearbeiten]

  • 1 Schanze 1: Langenzersdorf, nahe Bahnhof Bisamberg, wo die Tuttenhofstraße den Donaugraben überquert. Heute Einfamilienhäuser, an das Verteidigungswerk erinnert der Straßenname An den Schanzen.

Bisamberg[Bearbeiten]

  • 2 Schanze 2: Auf der Elisabethhöhe (358 m) sind noch rudimentäre Erdschüttungen der Wälle erkennbar. Die Schanze befindet sich auf einer Lichtung. Der Aussichtspunkt war bereits damals von Bedeutung, um das Donautal zu kontrollieren und ist eute ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel.
  • 3 Schanze 3: Standort nicht exakt lokalisiert. Möglicherweise 200 m südöstlich der Schanze 2 im Bereich der Gamshöhe; ca. 150 m nordwestlich des Bergheurigen Langer.
  • 4 Schanze 4: Im Wald, etwa 100 m südöstlich des Scheitelpunktes der scharfen Kurve der Bergstraße, die von der Ortschaft Bisamberg auf den gleichnamigen Berg führt.
  • 5 Schanze 5: Im Wald, etwa 300 m westlich des Gipfels des Bisamberges
  • 6 Schanze 6: Im Wald im Bereich Hasenmais, wo der Kaspar-Schrammel-Wanderweg eine charakteristische Kurve macht. Dort befindet sich auch ein Picknicktisch.
  • 7 Schanze 7 befindet sich im Bereich Bleier Wald / Hasenmais. Heute verwaldet.
  • 8 Schanze 8: Broschäcker, westlich Stammersdorfer Kellergasse. An die geometrische Sternform der Wälle erinnert heute nichts mehr. Die Schanze wurde durch Felder ersetzt, jedoch befindet sich am Standort der ehem. Schanze ein kleines Wäldchen mitten im Acker.
  • 9 Schanze 9: Nördlich des Naturschutzgebietes Herrenholz, östlich Stammersdorfer Kellergasse. Die Schanze wurde durch Felder ersetzt, jedoch befindet sich am Standort der ehem. Schanze ein kleines Wäldchen mitten im Acker. Eine Geländekante, die als Wall ausgebaut wurde, ist noch vorhanden.

Naturdenkmäler Schanzen 10-13[Bearbeiten]

Flugzeugmotorenwerkstatt aus dem 2. Weltkrieg auf der Schanze 10
  • 10 Schanze 10: In Mittleren Brüchen. Im 2. Weltkrieg Standort einer Reperaturwerkstätte für Flugzeugmotoren. Die Ruinen dieser Fabrik sind heute immer noch vorhanden. S. auch http://www.geheimprojekte.at/firma_wiener-flugmotoren_wien.html
  • 11 Schanze 11: Ebenfalls In Mittleren Brüchen. Wallschüttungen noch erkennbar.
  • 12 Schanze 12: nördlich vom Wolfersgrünweg
  • 13 Schanze 13: nördlich vom Wolfersgrünweg und etwa 300 m westlich der alten Bahntrasse (heute Radweg) Stammersdorf-Obersdorf

Literatur:

Gerasdorf[Bearbeiten]

  • 14 Schanze 14: Stammersdorf, nördlich Ackerweg und östlich Brünner Straße. War später Schottergrube; heute überwachsen mit Buschwerk, im Luftbild keine Strukturen mehr erkennbar.
  • Schanze 15: Standort unbekannt. Auf dem Luftbild 1938 nicht zu erkennen, ebenso auf den Aufnahmeblättern der Landesaufnahme 1872 nicht eingezeichnet.
  • 15 Schanze 16: Am Gemeindegebiet von Gerasdorf; östlich zweier Schottergruben. Ackerland, keine Strukturen mehr vorhanden.
  • 16 Schanze 17: komplett überbaut durch die Siedlung Gerasdorf Oberlisse, nördlich Stammersdorfer Straße bei der Stadtgrenze. Im Namensgut erinnert der Schanzenweg.

Leopoldau[Bearbeiten]

  • 17 Schanze 18: Nordrandsiedlung (Gerasdorfer Straße / Dahliengasse / Achengasse); heute Josef-Grössing-Park sowie Wohnhausanlage Schanze Gerasdorfer Straße.
  • 18 Schanze 19: Im Bereich Bahnhof / U-Bahn-Station Leopoldau, durch die Nordbahn zerschnitten. Nördlicher am Möllplatz (Nordrandsiedlung), teilweise Kleingartenanlage am Möllplatz, teilweise Brache oder Park. Der Teil südlich der Bahnstrecke ist nicht mehr erhalten und wurde durch Großfeldsiedlung und U1 verbaut.
Am Standort der ehem. Brachmühle am Gebiet der Schanze 20 befindet sich heute das CityGate Shopping und Living
  • 19 Schanze 20: Nicht mehr erhalten. Ehemals Brachmühle, heute Wohnhausanlage und Einkaufszentrum CityGate.

Kagran und Hirschstetten[Bearbeiten]

  • 20 Schanze 21: Teilweise durch den Kagraner Friedhof überbaut, teilweise durch die Kleingartenanlage Straßenbahn Kagran.
  • 21 Schanze 22: Kagran, Porgeltzstraße. Heute Kleingartenanlage Schanze 22
  • 22 Schanze 23: Bereich Kartouschstraße östlich des alten Ortskernes Hirschstetten. Nicht erhalten; überbaut durch die Wohnhausanlage Rudolf-Huber-Hof.

Aspern[Bearbeiten]

  • 23 Schanze 24: Am Oberen Hausfeld im Bereich der Kreuzung An den Alten Schanzen und Hausfeldstraße. Heute befindet sich am Bereich der Schanze ein Erholungsgebiet, die Kleingartenanlage An den alten Schanzen sowie ein Spar-Supermarkt.
  • 24 Schanze 25: Überbaut durch den Flughafen Aspern, heute Seestadt Aspern, Baufeld D12 (Maria-Tusch-Straße 6)
  • 25 Schanze 26: Am Nordostende des alten Ortskernes von Aspern (Strunzgasse, Pilotengasse). Heute großteils Stadtbrache mit einigen Einfamilienhäusern bebaut.
  • 26 Schanze 27: Östlich von Aspern an der Saltenstraße / Helen-Keller-Gasse. Heute Kleingartenanlage Schanze 27
  • 27 Schanze 28: Südlich von Aspern am Ostende der Plattensteinergasse. Heute Kleingartenanlage Schanze 28.
  • 28 Schanze 29: Am Herrenhäufel südlich des Mühlwassers; Ecke Lobaugasse / Schilfweg. Heute Kleingartenanlage Schanze 29.
  • 29 Schanze 30: Am Unteren Biberhaufen Ecke Körbergasse / Markethäufelgasse. Heute Kleingartenanlage Schanze 30.
  • 30 Schanze 31: Sie befindet sich im Bereich Biberhaufenweg / Pachtweg und ist heute durch eine Wohnhausanlage bebaut. Der Ort der Befestigungsanlage ist durch eine Unregelmäßigkeit im Straßenraster im Stadtplan erkennbar.

Innere Befestigungsringe[Bearbeiten]

Aus derselben Zeit wie die Alten Schanzen stammen auch die Befestigungen der Ortschaften Floridsdorf und Stadlau. Sie schützten die beiden Donauquerungen. Sollte der äußere Ring durchbrochen worden sein, würden sie das Invasionsheer daran hindern, die Brücken zu übersetzen.

Aufgrund der stadtnahen Lage sind diese Befestigungsanlagen heute weitgehend verschwunden.

Floridsdorf[Bearbeiten]

Dieser innere Verteidigungsring umfasste die Ortschaften Jedlesee, Groß-Jedlersdorf und Floridsdorf mit insgesamt acht Haupt- und acht Zwischenwerken, die durch einen Wall verbunden waren.

  • 1 Werk 1 in Jedlessee zwischen Audorfgasse und Überfuhrstraße, heute bebaut mit einer großen Wohnhausanlage.
  • 2 Werk 2 in Jedlessee zwischen Rudolf-Virchow-Straße und Johann-Treixler-Gasse. Mit Einfamilienhäusern bebaut.
  • 3 Werk B: Einfamilienhäuser zwischen Winkeläckerstraße und Josef-Zapf-Gasse.
  • 4 Werk 3 an der Nordwestbahn beim Bahnhof Wien Jedlersdorf, am Ende der Karl-Gramm-Gasse. Mit Einfamilienhäusern bebaut, tlw. Brache
  • 5 Batterie 4: Brünner Straße 73; bebaut durch Gewerbe und Büros sowie der Verbindungsschleife der Bahn.
  • 6 Werk 5: Ruthnergasse 1, heute Gewerbegebiet.
  • 7 Flesche C: Steinheilgasse 5-7, heute Logistik- und Gewerbegebiet.
  • 8 Werk 6 im Bereich Leopoldauer Straße 107, heute Kleingartenanlage Floridsdorf Werk VI [1]
  • 9 Flesche D: Angyalföldstraße; heute Kleingartenanlage An der Töllerschanze.
  • 10 Werk 7: Zwischen Donaufelder Straße und Nordmanngasse: Einfamilienhaus entlang des Straßenzuges Alfred-Nobel-Straße - Mihatschgasse - Alois-Negrelli-Gasse
  • 11 Flesche E: Straßenzug An der Schanze, genau dort wo die Straße das markante Eck macht, war die Bastion. Heute landwirtschaftlich genutzt.
  • Entlang des ehem. Walls zwischen Flesche E und Werk 8 befindet sich heute die Kleingartenanlage Donaufelder Kleingärten
  • 12 Werk 8: Im Einfamilienhausgebiet um die Kreuzung Donizettiweg / Bellinigasse

Stadlau[Bearbeiten]

Dieser innere Verteidigungsring rund um die alte Ortschaft Stadlau hatte 13 Bastionen, die durch einen Wall verbunden waren. Es können heute nicht mehr alle Werke lokalisiert werden. Als gesicherte Nummern sind in den historischen Stadtplänen von 1904 und 1912 nur die Nummern 12 und 13 überliefert.

  • 1 Werk 1: Heute Kleingartenanlagen Mexiko und Alte Donau.
  • 2 Werk 2: Heute große Wohnhausanlage, Lange Allee 13
  • 3 Werk 3: Heute Wohnhausanlage zwischen Vemholzgasse und Stadlauer Straße
  • 4 Werk 4: Wohnhausanlage Langobardenstraße / Konstanziagasse
  • 5 Werk 5: Wohnhausanlage am Hausgrund (Aribogasse 28 / Wohlgemutgasse 1-17)
  • Werk 6-11 - unbekannter Standort
  • 6 Werk 12: Am Mühlwasser - Lagerwiese Mühlwasser und Strandbad Stadlau
  • 7 Werk 13: Am Schillwasser, heute Neubausiedlung (Otterweg und Wieselweg).

Quellen und Weblinks[Bearbeiten]

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