Zum Inhalt springen

Pommern (Woiwodschaft)

Brauchbarer Artikel
Aus Wikivoyage
Welt > Eurasien > Europa > Mitteleuropa > Polen > Pommern (Woiwodschaft)
Pommern (Woiwodschaft)
HauptstadtDanzig
Einwohnerzahl2.300.000(2019)
Fläche18.293 km²
Postleitzahl
Vorwahl
Webseitewww.pomorskie.eu
WestpommernPommernErmland-MasurenPodlachienLublinKarpatenvorlandLebusNiederschlesienOppelnSchlesienKleinpolenGroßpolenKujawien-PommernŁódźHeiligkreuzMasowien
Karte
Karte von Pommern (Woiwodschaft)

Die Woiwodschaft Pommern (polnisch: Województwo pomorskie) ist eine Region im Norden Polens. Sie grenzt im Osten an die Woiwodschaft Ermland-Masuren, im Süden an die Kujawien-Pommern und im Westen an Westpommern. Ihr wirtschaftliches, kulturelles und Bevölkerungszentrum ist die sogenannte Dreistadt: Danzig, Sopot und Gdingen.

In dieser Region findet man endlose Sandstrände an der Ostseeküste mit dem wüstenartigen Sandmeer von Dünen im Slowinzischen Nationalpark; Danzig als manieristisches Tor Polens; zahlreiche Deutschordensburgen, mit der Marienburg an der Nogat als größter Burg der Welt; die Seenplatte in der Kaschubischen Schweiz. Im Westen der Woiwodschaft bildet die historische Stadt Słupsk (Stolp) ein bedeutendes kulturelles Zentrum. Als ehemalige Residenz der pommerschen Herzöge verbindet sie die reiche Geschichte der Greifen mit moderner Kunst, insbesondere durch die weltweit größte Sammlung von Werken des Avantgardisten Witkacy.Traumhafte Wassersportmöglichkeiten (Surfen, Wracktauchen, Segeln) gibt es an der Danziger Bucht, insbesondere auf der Halbinsel Hel.

Regionen

[Bearbeiten]
Ostseestrand bei Lubiatowo

Namensgebend ist die Region Pommern bzw. Pommerellen, an der die Woiwodschaft zum großen Teil Anteil hat. Weitere historische Regionen, an denen die Woiwodschaft Anteil hat, sind Pomesanien östlich der Weichsel, das Weichseldelta sowie die Kaschubei mit der Kaschubischen Schweiz, die Krajna, die Tucheler Heide und die Lande Lauenburg und Bütow westlich des Flusses.

Puck
Sopot
Malbork
Kwidzyn
Gniew
Pelplin
Starogard Gdański
Slowinzische Küste
  • 1 Ustka
  • 2 Rowy
  • 3 Łeba
  • 4 Żarnowiec
  • 5 Dębki
  • 6 Władysławowo
Halbinsel Hel
Kaschubische Küste
Frische Nehrung
Pomesanien
Weichseldelta
Pommerellen
Kaschubei
Tucheler Heide
Krajna
Lande Lauenburg und Bütow
Hinterpommern

Weitere Ziele

[Bearbeiten]

Kajak- bzw. Hausbootwanderwege

[Bearbeiten]
Nogat
Piasnitz-Mündung
Radaune-See

Weitere Ziele

[Bearbeiten]
Slowinzer Nationalpark

Hintergrund

[Bearbeiten]

Die historisch-geographische Bezeichnung Pomorze, von der sich der Name der Woiwodschaft ableitet, ist im Polnisch wesentlich weiter gefasst als die im Deutschen üblicherweise als ‚Pommern‘ bezeichnete Region. So wurde das Gebiet der heutigen Woiwodschaft auf Deutsch traditionell als Pommerellen oder Weichselpommern (da es um die Mündung der Weichsel liegt) bezeichnet, aber nicht zu Pommern im engeren Sinne gezählt. Die polnischen Behörden entschieden sich, die Bezeichnung der 1999 gebildeten Woiwodschaft in offiziellen Veröffentlichungen in deutscher Sprache als ‚Pommern‘ zu übersetzen, obwohl sie sich nur teilweise mit dem herkömmlichen deutschen Verständnis von Pommern deckt.

Das von slawischen Stämmen, darunter den Pomoranen, gebildete historische Herzogtum Pommern (polnisch: Pomorze, von altslawisch po more, „am Meer“) wurde ca. 990 von Polen unterworfen. Es umfasste einen Großteil der heutigen polnischen Ostseeküste, weit mehr als die heutige Woiwodschaft gleichen Namens. 997 kam der Heilige Adalbert zur Christianisierung der bis dato heidnischen Slawen nach Pommern. Im Zuge der territorialen Zersplitterung geriet der westliche Teil Pommerns rund um Stettin nach 1181 unter Einfluss Dänemarks und des Heiligen Römischen Reichs, während der östliche Teil rund um Danzig (der ungefähr der heutigen Woiwodschaft entspricht und auf Deutsch Pommerellen genannt wurde) unter polnischer Herrschaft blieb. Dieser Teil wurde 1138 ein Fürstentum innerhalb des polnischen Seniorates. Allerdings siedelten sich schon Ende des 12. Jahrhunderts auch deutsche Bauern und Kaufleute an. Im Jahr 1224 erhielt Danzig das Stadtrecht, die sich schnell zu einem bedeutenden Seehandelszentrum entwickelte und 1361 Vollmitglied der Hanse wurde. Von einem Angriff Brandenburgs bedroht, riefen die pommerellischen Herrscher die Ritter des Deutschen Ordens zu Hilfe; diese eroberten, nachdem die Brandenburger abgewehrt waren, aber 1309 selbst Pommerellen, wobei sie in Danzig ein Blutbad anrichteten. Anschließend kamen weitere deutsche Siedler ins Land. 1454 kam Pommerellen nach dem Dreizehnjährigen Krieg wieder zurück an Polen-Litauen, was im Frieden von Thorn 1466 bestätigt wurde. Nach der Ersten Polnischen Teilung 1772 wurde es preußisch und seither als „Westpreußen“ bezeichnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Region Pommerellen bis auf Danzig an Polen und bildete wieder den „Polnischen Korridor“ zur Ostsee, der das damalige Ostpreußen vom übrigen Deutschen Reich trennte. Teile der Woiwodschaft verblieben aber auch beim Deutschen Reich (Teile von Westpreußen und Hinterpommern). Danzig und Sopot bildeten die Freie Stadt Danzig unter Schutz des Völkerbunds. Im Zweiten Weltkrieg wurde es vom Deutschen Reich besetzt; in Stutthof wurde ein Vernichtungslager errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das gesamte Gebiet Polen zugeordnet. Seit 1999 gibt es die heutige Woiwodschaft Pommern.

In dieser Woiwodschaft liegt das traditionelle Siedlungsgebiet der Kaschuben, eines slawischen Volks, dessen Sprache und Kultur zwar mit der polnischen verwandt ist, sich aber auch von dieser unterscheidet. Dieses Gebiet wird auch als Kaschubei bezeichnet. Bei der Volkszählung 2011 identifizierten 233.000 Bürger ihre Volkszugehörigkeit als (auch) kaschubisch (Mehrfachnennung war möglich: die meisten gaben an, sowohl Polen als auch Kaschuben zu sein). In allen Gemeinden in der Mitte und im Westen der Woiwodschaft gibt es einen erhöhten kaschubischen Bevölkerungsanteil, in manchen Gemeinden stellen sie sogar über 90% der Bevölkerung. Ein typisches Erkennungszeichen der kaschubischen Kultur ist die besondere Festtagstracht.

Der in Danzig geborene und aufgewachsene Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat dem Zusammenleben von Deutschen, Kaschuben und Polen in dieser Region und deren gegenseitiger kultureller Beeinflussung in seiner „Danziger Trilogie“ aus den Romanen Die Blechtrommel (1959), Katz und Maus (1961) und Hundejahre (1963) ein Denkmal gesetzt.

Sprache

[Bearbeiten]
Mädchen in kaschubischer Festtagstracht

Polnisch ist Amts- und allgemeine Verkehrssprache. Kaschubisch, eine westslawische Sprache, die mit dem Polnischen verwandt ist, aber auch aus dem Deutschen und dem Altpreußischen (also Baltischen) stammende Wörter enthält, wird von über 100.000 Menschen im Alltag gesprochen. Vielerorts gibt es zweisprachige Ortstafeln.

Die meisten Polen sprechen gut oder sehr gut Englisch. Einige auch eine zweite Fremdsprache wie Deutsch, Russisch, Spanisch, Französisch oder Itslienisch, die vor allem in den großen und touristisch relevanten Städten gesprochen und verstanden werden.

Anreise

[Bearbeiten]

Flughäfen

[Bearbeiten]

Der internationale Flughafen (IATA: GDN) befindet sich in Danzig, mit Direktverbindungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Andere internationale Flughäfen in der Nähe sind der Flughafen Olsztyn-Mazury (IATA: SZY) bei Szczytno und der Flughafen Bydgoszcz-Szwederowo „Ignacy Jan Paderewski“ (IATA: BZG) nahe Bromberg.

Landweg

[Bearbeiten]

Die Anreise empfiehlt sich mit dem PKW, Bus oder der Bahn. Die Straßenverhältnisse und das Schienennetz sind gut. Die Anreise empfiehlt sich aus Stettin oder Posen.

Schifffahrt

[Bearbeiten]

Mit dem Schiff kann man über die Ostsee oder über die Weichsel anreisen.

Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten]

Neben der bekannten Dreistadt und den Kreuzritterburgen bietet die Woiwodschaft weitere bedeutende Highlights:

  • Słupsk (Stolp): Die Stadt beeindruckt durch das prachtvolle Herzogsschloss der Greifen-Dynastie und die weltweit größte Sammlung von Werken des Künstlers Witkacy im Weißen Speicher. Einzigartig ist auch das neogotische Hauptpostamt und die historische Schlossmühle, das älteste Industrieobjekt Polens.
  • Das „Karierte Land“ (Kraina w Kratę): Rund um Słupsk, insbesondere im Dorf Swołowo, findet man die am besten erhaltene Fachwerkarchitektur der Region, die das Leben der ehemaligen pommerschen Bauern anschaulich macht.
  • Slowinzischer Nationalpark: Berühmt für seine riesigen Wanderdünen bei Łeba, die oft als „polnische Sahara“ bezeichnet werden.
  • Kreuzritterburgen: Neben der monumentalen Marienburg (Malbork) sind auch die Ordensburgen in Kwidzyn und Gniew sehenswert.

Aktivitäten

[Bearbeiten]

Die Region bietet vielfältige Möglichkeiten für Aktivurlauber:

  • Wassersport: Neben Segeln und Windsurfen an der Danziger Bucht und der Halbinsel Hel ist die Region ein Paradies für Kajakfahrer. Die Flüsse Słupia (Stolpe) und Lupow (Łupawa) bieten malerische und abwechslungsreiche Routen durch unberührte Naturparks.
  • Radwandern: Ein ständig wachsendes Netz an Radwegen verbindet die Küste mit dem Hinterland. Besonders attraktiv ist die Strecke von Słupsk nach Ustka sowie der internationale Küstenradweg R10 (EuroVelo 10).
  • Kultur- und Ökotourismus: Das „Karierte Land“ rund um Słupsk lädt dazu ein, die traditionelle pommersche Architektur und regionale Köstlichkeiten bei Rad- oder Wandertouren zu entdecken.
  • Naturerlebnis: Die Wanderdünen im Slowinzischen Nationalpark und die Wanderwege in der Kaschubischen Schweiz sind ideal für ausgiebige Trekkingtouren.
  • Dolina Charlotty (Charlottental): Nur wenige Kilometer von Słupsk entfernt befindet sich eines der bekanntesten Veranstaltungszentren Nordpolens. Das dortige Amphitheater in der Dolina Charlotty ist Schauplatz des legendären „Festivals der Rocklegenden“, das bereits Weltstars wie Carlos Santana oder Deep Purple beherbergte. Neben Rockmusik ist die Region auch für ihre großen Disco-Polo-Konzerte und Open-Air-Festivals bekannt, die besonders im Sommer tausende Besucher anlocken und für eine ausgelassene, tanzbare Atmosphäre sorgen. Diese Mischung aus Weltklasse-Rock und populärer polnischer Tanzmusik macht die Umgebung von Słupsk zu einem Magneten für Musikfans jeder Art.

Küche

[Bearbeiten]

Die regionale Küche Pommerns ist eine faszinierende Mischung aus Traditionen der Küste und des Hinterlandes:

  • Fischspezialitäten: Fangfrischer Salz- und Süßwasserfisch (Dorsch, Hering, Lachs) steht an der gesamten Küste im Mittelpunkt.
  • Regionale Besonderheiten: Ein kulinarisches Highlight im westlichen Teil der Region, insbesondere in Słupsk, ist die einzigartige Walnusssuppe (Zupa z orzechów włoskich), ein Geheimtipp für Feinschmecker.
  • Gans und Wild: In der Kaschubei und dem „Karierten Land“ rund um Słupsk spielen Gerichte mit Gänsefleisch (traditionell zum Martinsfest im November) sowie Wildgerichte aus den heimischen Wäldern eine große Rolle.
  • Süßwaren: Die Region ist bekannt für ihre traditionellen Bernsteinstadt-Spezialitäten und Honig aus den pommerschen Wäldern.
  • Getränke: Während historische Marken wie Hevellius oder Danziger Goldwasser heute oft an anderen Orten produziert werden, blüht die Szene der lokalen handwerklichen Brauereien (Microbreweries) in Städten wie Danzig und Słupsk auf und bietet authentische Geschmackserlebnisse.
  • Pionier der Pizza: Ein kurioser und zugleich stolzer Fakt für die Region ist, dass in Słupsk im Jahr 1975 die erste Pizzeria Polens eröffnet wurde. Die dort servierte Pizza nach traditionellem Rezept unterscheidet sich von der italienischen Variante und ist ein Stück lebendige kulinarische Geschichte, das man im Stadtzentrum probieren kann.
  • Podole Wielkie (Brennerei-Tradition): Ein absoluter Star der regionalen Renaissance ist die handwerkliche Brennerei in Podole Wielkie. Hier wird die Philosophie „Vom Acker in die Flasche“ (Farm-to-Bottle) gelebt. Die Brennerei ist berühmt für ihre hochwertigen, jahrgangsbezogenen Wodkas und Destillate aus eigenen Kartoffeln. Für Liebhaber edler Spirituosen ist ein Besuch des historischen Gutshofs ein besonderes Erlebnis, da hier traditionelles Handwerk auf modernstes Design und höchste Qualität trifft. Diese Produkte gewinnen derzeit internationale Anerkennung und sind ein exzellentes Souvenir aus der Region Stolp.

Zur polnischen Küche siehe den entsprechenden Abschnitt im Artikel zu Polen.

Nachtleben

[Bearbeiten]

Das Nachtleben der Woiwodschaft bietet weit mehr als nur die bekannten Clubs der Dreistadt. In Städten wie Słupsk oder Ustka findet man eine authentische und entspannte Atmosphäre. Entlang der Słupia und im historischen Zentrum gibt es zahlreiche klimatische Pubs und handwerkliche Brauereien, die lokales Bier und kreative Cocktails servieren. Besonders im Sommer locken die Cafés und Terrassen rund um den Marktplatz und in der Nähe des Herzogsschlosses. Für Kulturbegeisterte bieten Słupsk und Ustka zudem regelmäßige Abendveranstaltungen, Konzerte und Open-Air-Events, die besonders während der Sommersaison ein abwechslungsreiches Programm garantieren.

Sicherheit

[Bearbeiten]

Es ist eigentlich recht sicher, man sollte jedoch in großen Menschenmengen, z.B. auf großen Märkten oder Bahnhöfen - wie überall auf der Welt - die notwendige Sorgfalt nicht außer Acht lassen.

Klima

[Bearbeiten]

Das Klima ist ein Übergangsklima von gemäßigt zu kontinental. Die Sommer sind allgemein warm bis heiß mit Mitteltemperaturen zwischen 16°C und 21°C und die Winter kalt, mit Mitteltemperaturen um -5°C. Niederschlag fällt vor allem im Frühjahr und Herbst, wobei die Niederschlagsmengen geringer sind als in Südpolen.

Ausflüge

[Bearbeiten]

Die Woiwodschaft Pommern ist ein idealer Ausgangspunkt, um die angrenzenden Regionen zu erkunden:

  • Nach Westen: Von Słupsk aus ist die Grenze zur Woiwodschaft Westpommern nur einen Katzensprung entfernt. Tagesausflüge in das historische Darłowo (Rügenwalde) mit seinem Herzogsschloss oder zu den Wellness-Resorts in Kołobrzeg sind von hier aus problemlos möglich.
  • Nach Osten: Die Woiwodschaft grenzt an Ermland-Masuren. Der „Wilde Osten“ Masurens mit seinen unzähligen Seen ist für Reisende erreichbar, die ihre Tour durch Nordpolen fortsetzen möchten.
  • Nach Süden: Die Kulturdenkmäler an der unteren Weichsel in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern, wie die Kopernikus-Stadt Toruń oder die beeindruckenden Speicher von Grudziądz, liegen ebenfalls in Reichweite für längere Exkursionen.

Literatur

[Bearbeiten]

Siehe Artikel zu Polen.

[Bearbeiten]
PolenFlagge Polen
Polen – Woiwodschaften und Landschaften
Woiwodschaften: Ermland-Masuren  Großpolen  Heiligkreuz  Karpatenvorland  Kleinpolen  Kujawien-Pommern  Lebus  Łódź  Lublin  Masowien  Niederschlesien  Oppeln  Podlachien  Pommern  Schlesien  Westpommern
Große Landschaften: Beskiden 
Karpaten  Ostseeküste  Seenplatten  Sudeten  Tatra
Brauchbarer Artikel
Dies ist ein brauchbarer Wikivoyage-Artikel. Es gibt noch einige Stellen, an denen Informationen fehlen. Wenn du etwas zu ergänzen hast, sei mutig und ergänze sie.