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Rallarvegen

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Der Rallarvegen ist eine Rad- und Wanderroute auf einem alten Bahnarbeiterweg quer durch die Hardangervidda in Norwegen. Er führt in seiner Kernstrecke von Haugastøl über Myrdal nach Voss, eine Stichstrecke führt hinunter nach Flåm am Aurlandsfjord.

Rallarvegen

Region: Buskerud, Hordaland, Sogn og Fjordane

Länge:

Rallarvegen Haugastol.jpg

Haugastøl - Myrdal: 63 km

Myrdal - Voss: 41 km

Myrdal - Flåm: 19 km

Erbaut: ab 1900

Tourist-Information: visitrallarvegen.no

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Rallarvegen ist ein Weg entlang der Bahnlinie Oslo - Bergen, der Bergenbahn, auf ihrem Abschnitt über die Hochebene Hardangervidda. Der Schotterweg ist ein Relikt der Bauarbeiten für die Bergenbahn, die um 1900 quer über das bis dahin weglose Hochplateau gebaut wurde, und diente der Anlieferung von Baumaterial und der Versorgung der Bauarbeiter. Der Abschnitt des Rallarvegen von Myrdal hinunter nach Flåm wurde erst um 1920 angelegt, als mit dem Bau der schließlich 1941 fertiggestellten Flåmsbahn begonnen wurde. Heute wird die Strecke, die noch immer an den früheren Streckenwärterhäusern entlangführt, unter anderem als Radweg genutzt. Dieser Radweg ist Teil der Nationalen Fahrradroute 4 von Oslo nach Bergen und führt von Haugastøl über Finse und Myrdal nach Voss.

Der höchste Punkt des Rallarvegen liegt oberhalb des Fagervatn auf 1343 m.

Der Rallarvegen ist über Norwegen hinaus bekannt als eine der besonderen Radrouten im Land, und wird auch von den Tourismusorganisationen des Landes stark beworben. An Wochenenden der kurzen Sommerperiode ist deswegen zeitweise ein sehr starker Andrang an Radlern zu verzeichnen, während man in der Nachsaison oder unter der Woche auch den einsamen Charakter des Rallarvegen erleben kann. Die Strecke ist bei Radlern einerseits wegen ihrer leichten Erreichbarkeit und andererseits wegen der Streckenführung durch eine hochalpine Region beliebt. Bei Fagernut etwa 10 km nordwestlich von Finse erreicht der Weg seinen höchsten Punkt bei 1343 m.ü.NN. Diese im Vergleich zu den Alpen vielleicht nicht besonders hoch erscheinende Lage führt jedoch in Kombination mit dem nördlichen Breitengrad zu stellenweise subpolaren Klimabedingungen, was eine weitere Besonderheit der Strecke ist.

Auch Wanderer nutzen diese Strecke, die auf ihrer Kernstrecke etwa 80 km lang ist, gern und häufig, so dass die Radler nicht unbedingt unter sich bleiben. Bei Haugastøl müssen sich Radler und Wanderer zudem den Weg mit den Bewohnern der Ferienhäuser teilen, für deren Autos die Strecke für einige Kilometer freigegeben ist.

Die oftmals unmittelbare Nähe zur Bergenbahn ist ein weiteres Charakteristikum des Weges, der einerseits durch einsame Regionen führt, anderseits im regelmäßigen Abständen sowohl Personen- als auch Güterzüge an den Radlern vorbeirauschen lässt. Die Nähe zur Bahn hat jedoch auch einige unschöne Folgen, da die Bahnstrecke zunehmend von Galerien aus Aluminium und Holz verkleidet wird, von denen nach jedem Winter einiges an zerstörtem Material an der Strecke liegen bleibt. So zieren nicht selten kilometerlang zersplitterte Holzlatten die Hänge und den Wegesrand, und die Galerien an sich stechen auch wenig dekorativ aus der Landschaft heraus. Diese wie auch die zahlreichen Schneewehen- und Lawinenschutzwände sind jedoch notwendig, um den Betrieb der Bahn auch in den langen Schneemonaten - gut dreiviertel des Jahres liegt hier oben Schnee - aufrechterhalten zu können.

Vorbereitung[Bearbeiten]

Mit dem Fahrrad[Bearbeiten]

Gelegentlich wird der Belag sehr grob - dann sind breitere Reifen von Vorteil: Abfahrt von Fagernut nach Hallingskeid

Wer mit Gepäck reist, sollte ein stabiles Rad mit guten Gepäckträgern fahren, zudem sind Fahrradtaschen, die fest am Gepäckträger eingehängt werden, aufgrund der zeitweise groben Piste anzuraten. Ein spezielles Reiserad ist nicht unbedingt notwendig, ein Mountainbike oder Trekkingrad ist ebenso geeignet. Wichtig sind gute Bremsen für die langen und/ oder steilen Abfahrten - Bremsbeläge sollten vorher kontrolliert bzw. erneuert werden. Eine Reifenbreite ab 32, besser 37 mm ist sinnvoll, noch breitere Reifen sind bei den groben Schotterstellen meist vorteilhaft. Der Rallarvegen ist nur bedingt bis gar nicht kinderanhängergeeignet, insbesondere von der Verwendung ungefederter Zweispuranhänger ist abzuraten. Wer dennoch mit Kindern im Anhänger reisen will, sollte ausreichend Zeit für Schiebepassagen einplanen.

Wanderausrüstung[Bearbeiten]

Ausreichend sind gutsitzende Trekkingschuhe oder leichte Wanderstiefel, dazu sollte man schnelltrocknende Kleidung, guten Wetter- und ausreichend Wind- und Kälteschutz dabeihaben. Für das Durchqueren von Schneefeldern können Gamaschen sinnvoll sein, ebenfalls Trekkingstöcke. Der Rallarvegen stellt ansonsten erfahrene Wanderer vor wenige Herausforderungen jenseits der normalen konditionellen Anforderungen. Wer die Strecke aber mit einer Gletscherbesteigung (möglich z.B. ab Finse) verbinden will, sollte dies ggf. hinsichtlich der Ausrüstung einplanen. Bei geführten Gletschertouren wird die Ausrüstung vom Veranstalter gestellt.

Bekleidung[Bearbeiten]

Wasserdicht, winddicht und warm sind die entscheidenden Ansprüche an Bekleidung sowohl für Radler als auch für Wanderer. Tagsüber wird es auch im Sommer selten über 15 Grad warm - und das auch nur bei Sonnenschein - nachts können die Temparaturen auch auf 0 Grad hinuntergehen. Das Wetter wechselt schnell, Kälteeinbrüche sind nichts ungewöhnliches - auf all dies sollte man sich einrichten. Handschuhe sind insbesondere für Radler anzuraten.

Etappenplanung[Bearbeiten]

Mit ausreichend Kondition, guten Wetterbedingungen und Eile kann man die 80 km lange Kernstrecke mit dem Rad in einem Tag bewältigen. Genussvoller und sicherer hinsichtlich schwieriger Wetter- und Streckenbedingungen ist es jedoch, mindestens zwei Etappen einzuplanen. Wegen des Steigungsverlaufes wird empfohlen, von Haugastøl Richtung Myrdal, also von Ost nach West zu fahren, da hier die Steigung sanfter verläuft als in umgekehrter Richtung. Wanderer sollten die längeren Distanzen zwischen festen Unterkünften bedenken. Die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten die Strecke abzubrechen, besteht in Finse und in Hallingskeid (nur wenige Zughalte pro Tag).

Familieneignung[Bearbeiten]

Die berühmt-berüchtigten Serpentinen bei Myrdal - die größte Herausforderung kommt zum Schluss.

Abgesehen von der bedingten Eignung der Strecke für Kinderanhänger ist der Weg grundsätzlich familiengeeignet. Radelnde Kinder sollten ihr Rad gut beherrschen können, ansonsten gilt wie schon mehrfach erwähnt auch hier: im Zweifelsfall schieben. Es gibt ein paar (für unerfahrene Radler) wirklich schwierige Abschnitte auf den Abfahrten von Fagernut Richtung Myrdal. Hier sollte man gut aufeinander eingespielt sein und die Kinder sollten in der Lage sein, sich an Anweisungen zu halten. Für sie ist das Risiko insbesondere der steil abfallenden Wegränder und des schwierigen Bodenbelages unter Umständen nicht einzuschätzen.

Ein weiterer zu beachtender Faktor ist die Qualität der Bremsen und die Handkraft der Kinder: Spätestens ab Fagernut muss man sehr viel bremsen, was sehr anstrengend werden kann. Auch sind die Bremsen an Kinderrädern leider oftmals von minderer Qualität, daher sollte man unbedingt die Bremsleistung überprüfen, ggf. auch unterwegs. Möglicherweise reichen Ausdauer und Kraft der Kinder in den Händen für das lange Bremsen (noch) nicht aus, daher sind regelmäßige Pausen angebracht. Sicherheitshalber sollte man Kindern vorher erklären, dass sie bei schwächer werdenden Händen sofort zum Stillstand bremsen müssen, auf keinen Fall darauf warten, dass eine bessere Stelle zum Anhalten kommt. Regelmäßiges Nachfragen, ob die Hände nicht müde werden, hat sich als elterliche "Kontrolle" hilfreich erwiesen...

Familien müssen sich darauf einstellen, häufiger zu schieben. Schieben aber verlängert die Zeit, die man für einzelne Etappen benötigt, beträchtlich, daher muss man in diesem Kontext auch überlegen, welche Übernachtungsform man wählt. Familien mit Zeltausrüstung sind in dieser Hinsicht im Vorteil, da Wildzelten an vielen Stellen problemlos möglich ist, auch nahe am Wegesrand.

Die Norweger sind bezüglich Mitnahme von Kindern auf Rad- und Wandertouren in der Regel sehr entspannt: Familien mit und ohne großes Gepäck, mit großen und mit kleinen Kindern, mit Fahrrad oder zu Fuß sind auf dieser Strecke wie in der gesamten Hardangervidda unterwegs.

Relevant für eine Beradlung oder Begehung des Rallarvegen mit KIndern sollte die Erfahrung der Eltern mit der gewählten Art der Fortbewegung, die Belastbarkeit aller Familienmitgliedern in herausfordernden Situationen, der Zeitpuffer und die grundlegende Kondition bzw. Radbeherrschung der Kinder sein. Wichtig: Unbedingt auf sehr guten Wetter- und Kälteschutz insbesondere für die Kinder achten - Handschuhe nicht vergessen!

Unterkunft und Verpflegung[Bearbeiten]

Haugastøl Turistsenter

Wer den Rallarvegen nicht in einem Stück durchfahren will, muss sich über eine Übernachtungsmöglichkeit Gedanken machen und für ausreichend Proviant sorgen, da es unterwegs zwar wenige gastronomische Angebote (Finse, Fagernut, Myrdal), jedoch kaum Einkaufsmöglichkeiten gibt, sieht man von den beschränkten Möglichkeiten in Finse einmal ab. Wer der zumeist üblichen Richtung von Ost nach West folgt, sollte also in Geilo die ausreichend vorhandenen Versorgungsmöglichkeiten für Proviant, aber auch für eventuell auszubessernde Ausrüstung nutzen. Das letzte Lebenmittelgeschäft vor dem eigentlichen Rallarvegen befindet sich in Ustaoset.

Finsehytta

Feste Unterkünfte, zumeist in beschränkter Anzahl, gibt es an folgenden Orten:

  • Radler mit Ziel Flåm finden dort eine größere Auswahl an Unterkünften.

Wer mit Zeltausrüstung reist, ist unter Beachtung der Regeln des Jedermannsrecht (norwegisch: Allemannsretten) frei, sein Zelt an einem beliebigen Punkt der Strecke aufzustellen. Allerdings hat die zunehmende touristische Nutzung zu einigen Einschränkungen geführt, noch etliche Kilometer nach Haugastøl und rund um Vatnahalsen und Myrdal verbieten zahlreiche Schilder das freie Zelten, ebenso gibt es in Finse ein Campingverbot (außerhalb des Ortes aber möglich). Oftmals hat man die Wahl zwischen Fels oder Sumpf als Untergrund - freistehende Zelte sind also von Vorteil. Die nächsten regulären Campingplätze gibt es östlich des Rallarvegens in Geilo, westlich in Voss und nordwestlich in Flåm.

Kartenmaterial[Bearbeiten]

Eine Karte (siehe Literatur und Karten) oder GPS ist nicht unbedingt notwendig, die Strecke ist an den wenigen Abzweigungen meist eindeutig ausgeschildert. Wer die Strecke mit GPS fahren möchte, findet einen Track für den Rallarvegen als Abschnitt der Strecke Oslo - Bergen im Radreise-Wiki. Karten für den Rallarvegen erhält man u.a. in der Tourist-Info in Geilo.

Reisezeit und Klima[Bearbeiten]

Meist ganzjährig im Schnee: Alte aufgegebene Bahntrasse zwischen Finse und Fagernut

In der Hardangervidda herrscht ein subpolares Klima - nicht ohne Grund haben zahlreiche Arktis- und Antarktisexpeditionen (wie z.B. die von Roald Amundsen) ihre Ausrüstung im Winter hier getestet. Der Rallarvegen ist daher auch nur für eine kurze Zeit im Jahr befahrbar, offiziell freigegeben ist er meist erst ab Mitte Juli. Abhängig von der Schneehöhe des vergangenen Winters und der Sonnenintensität im Frühjahr/ Sommer kann es jedoch zu partiellen Streckensperrungen über die gesamte Sommersaison hinweg kommen.

Spätestens ab Ende Oktober fällt schon wieder so viel Neuschnee zwischen Finse und Hallingskeid, dass der Weg nicht mehr befahren werden kann. Dies kann aber auch schon früher der Fall sein. Die Tourist-Info in Geilo kann zumeist Auskunft über die Befahrbarkeit geben, verlässliche Quellen sind auch die Mitarbeiter der Fahrradverleihe in Haugastøl und Finse, deren Einkommen von der Freigabe der Strecke abhängt.

Auch wenn die Strecke freigegeben ist, muss selbst im August mit Schneefeldern auf dem Weg gerechnet werden, insbesondere zwischen Finse und Hallingskeid, dem höchstgelegenen Abschnitt des Weges. Über die Schneefelder kann im einfachen Fall geschoben werden (unbeladene Mountainbiker fahren diese Strecken auch), teilweise können die Schneefelder aber auch in Hanglage recht schwierig zu überqueren sein, so dass eventuelles Gepäck ggf. abgeladen und einzeln hinübergetragen werden muss. Somit kann die eigentliche Strecke wesentlich zeitintensiver in der Bewältigung sein, als die Kilometerzahl erwarten lässt, was bei der Etappenplanung berücksichtigt werden sollte.

Wanderer können den Weg je nach Ausrüstung länger nutzen, sollten aber aus Sicherheitsgründen ihre Ausrüstung sorgfältig auf die Klimabedingungen abstimmen.

Anreise[Bearbeiten]

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Blick aus der Bergenbahn auf den Rallarvegen bei Hallingskeid

Wer nur den Rallarvegen befahren oder erwandern möchte, hat verschiedene Einstiegsorte an der Bergenbahn in die Strecke, sowohl aus Richtung Oslo als auch aus Richtung Bergen bzw. Voss. Radler können ihr Fahrrad im Zug mitnehmen, in der Sommersaison (Ende Mai bis Mitte/ Ende September) fährt auch ein spezieller Fahrradzug von Geilo auf die Hardangervidda (Abfahrt Geilo 10.13 Uhr, Haugastøl 10.42 Uhr, Ankunft Finse 11.08 Uhr, Zeiten in 2012).

Wer für die Rückfahrt auf einen bestimmten Reisetag oder einen Anschlusszug angewiesen ist, sollte frühzeitig vorbuchen, die Fahrradplätze insbesondere in den Fernzügen von Oslo nach Bergen und retour sind begrenzt und daher schnell ausgebucht. Fahrradmitnahme Bergenbahn: 179 NOK pro Rad (Stand 2012).

Aus östlicher Richtung (Oslo) kommend bieten sich die Bahnstationen in Ustaoset und Haugastøl für einen Einstieg an, aus westlicher Richtung (Bergen) kann man sich entweder von Voss aus auf den Weg machen (muss dann allerdings in Upsete für eine Station bis Myrdal den Zug nehmen wegen eines unumgehbaren Tunnels) oder von Flåm am Aurlandsfjord mit der Flåmsbahn hinauf nach Myrdal fahren.

Mit dem Fahrrad[Bearbeiten]

Natürlich kann man auch mit dem Rad komplett anreisen, auf der Nationalen Radroute 4 (Oslo - Bergen) fährt man von Oslo bis zum Startpunkt Haugastøl ca. 270 km (und hat bereits etwa 3500 Hm hinter sich gebracht), von Larvik kommend fährt man auf der Nationalen Radroute 5 (Numedalsruta) bis Geilo und dann weiter auf der 4 nach Haugastøl etwa 290 km (und hat bereits etwa 2900 Hm bewältigt). Von Geilo bis Haugastøl fährt man zu Beginn deutlich, dann mäßig weiter ansteigend auf dem Rv7, und gelangt in immer einsamere Regionen, wenn man von den vielen Hytten, den norwegischen Ferienhäusern absieht, die zahlreich am Wegesrand verstreut liegen. In Ustaoset besteht noch einmal Einkaufsmöglichkeit.

  • Geilo: Touristisches Zentrum und letzter größerer Ort vor dem eigentlichen Rallarvegen - hier kann man sich noch mit allem Notwendigen eindecken, wenn man die Strecke geruhsam fahren und vielleicht eine kleine Wanderung mit einschließen will. Versorgungsmöglichkeiten unterwegs gibt es nur sehr eingeschränkt.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Bei der Anreise mit dem Auto kann man das Auto am Beginn des Weges stehen lassen, derweil man den Rallarvegen radelt (und mit Rad auf der gleichen Strecke retour oder mit der Bahn an den Ausgangsort zurückkehrt). Aufgrund der Lage der Bahnanschlüsse ist der beste Einstiegsort aus dem Osten Haugastøl direkt am Beginn des Rallarvegens oder bereits Geilo, aus dem Westen Voss oder auch Flåm. Detaillierte Anreisehinweise zu den Orten siehe in den jeweiligen Ortsartikeln.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Haugastøl - Finse (27 km)[Bearbeiten]

Der Rallarvegen noch ganz eben und gemäßigt kurz nach Haugastøl.
  • Haugastøl: Bahnstation, Hotel und Fahrradverleih. In Haugastøl gerät man zumindest an Wochenenden unversehens in ein ausgeprägt touristisches Treiben, da hier der eigentliche Startpunkt des Rallarvegen ist und zahlreiche Norweger das Angebot der Fahrradverleiher für eine Teilstreckenberadlung als Tagesausflug nutzen. Etwas Vorsicht ist hier geboten, da in den Massen der ausgestellten Leihräder der fließende Verkehr auf dem R7 fast übersehen werden kann. Hier beginnt der Rallarvegen durch die ansonsten weitgehend wegelose Hardangervidda entlang der Bergenbahn.
Östlich von Finse

Die Zufahrt zum Rallarvegen ist unübersehbar ausgeschildert. Ab hier gibt es keine Anbindung ans Straßennetz bis hinab ins Flåmsdal nach Flåm bzw. bis zum Mjølfjell Vandrerhjem nahe der Ørneberget‎ stasjon westlich von Myrdal.

Der direkt folgende Abschnitt nach Haugastøl führen auf gutem Schotterweg meist in direkter Nähe der Bahnstrecke entlang. Die ersten 15 km sind für den Autoverkehr freigegeben, hier fahren die Anwohner der zahlreichen Ferienhäuser in der Region. Ab der Sperrung für den Autoverkehr wird die Strecke auch immer mehr zur Piste, es finden sich kleinere Felsbrocken in der Oberfläche des Weges, Schlaglöcher und grobes Geröll bestimmen die Bodenverhältnisse zunehmend. Einige kleine Steigungen, insgesamt sind es ca. 390 Hm bergauf und ca. 160 Hm bergab bis Finse.[1]

Finse - Hallingskeid (21 km)[Bearbeiten]

  • Finse: Die kleine Siedlung rund um den höchstgelegenen Bahnhof Nordeuropas auf 1222 m Höhe ist der Mittelpunkt des Tourismus in der Region und das einzige Versorgungszentrum, wenn auch mit sehr eingeschränktem Angebot. Die Bahnstation Finse ist als einzige Institution im Ort das ganze Jahr über geöffnet.
Rallarcafe Fagernut
  • Fagernut: Die ehemalige Bahnwärterhütte liegt etwa 10 km westlich von Finse auf 1310 m Höhe. In der höchstgelegenen Bahnwärterwohnung des Landes gibt es eine kleine Ausstellung über das Leben an der Bahnstrecke zu früheren Zeiten, und das Rallar Café. Tel.: +47 90 50 09 40. Geöffnet: Geöffnet von Mitte Juli bis Mitte Aug. täglich 10 - 16.30 Uhr, bis Ende Sept. nur Fr - So.

Nach Finse steigt der Weg kontinuierlich weiter an, bis er unterhalb des Fagernuten (1455 m) und oberhalb des meist ganzjährig zumindest teilweise zugefrorenen Fagervatnet seinen höchsten Punkt auf 1343 m erreicht. Der Weg verläuft parallel zu erhaltenen alten Bahntrasse, während die Züge inzwischen durch den etwa 10 km langen Finsetunnel fahren. Spätestens kurz nach Finse muss man den ganzen Sommer über mit Schneefeldern rechnen, die den Weg vollkommen versperren können. Schieben und/ oder Tragen ist angesagt. Sollten die Schneefelder noch zu groß sein, wird die Strecke zwischen Finse und Hallingskeid gesperrt und Radler müssen den Zug nehmen.

Die Wegequalität wechselt, meist ist der Weg bis zum Rallarcafe Fagernut gut fahrbar, auch wenn die zahlreichen kleinen Felsbrocken in der Wegoberfläche natürlich einiges an Aufmerksamkeit erfordern. Nach Fagernut beginnt die Abfahrt, die neben den Schneefeldern die größte Herausforderung auf dem Rallarvegen darstellt. Vom höchsten Punkt bis nach Flam sind es immerhin 1341 m, die es abzufahren gilt.

Die Piste ist direkt nach Fagernut, insbesondere bei Lågheller sehr grob mit großen Steinen in der Wegoberfläche, stark ausgewaschen und am Wegesrand geht es oftmals sofort steil und tief bergab. Insgesamt geht es 249 Hm bergauf und 402 Hm bergab bis Hallingskeid.

Hallingskeid - Myrdal (17 km)[Bearbeiten]

Grober Schotter auf der kurzen Abfahrt bei Vatnahalsen (2012)
  • Hallingskeid ist ein ehemaliger Standort eines Bahnwärterhauses, heute Bahnstation der Bergenbahn. Etwa 20 km westlich von Finse, einige Häuser und nahegelegen eine Selbstversorgerhytte des DNT.
  • Vatnahalsen ist ein Haltepunkt der Bergenbahn und Standort des Vatnahalsen Hotels.

Nach Hallingskeid radelt man für einige Kilometer auf relativ gut fahrbaren Pisten abwärts entlang am Nedra Grøndalsvatnet und dem Klevavatnet entlang. Später sind wieder schwierigere Abschnitte mit stärkerem Gefälle auf schlechter Piste, unter anderem entlang der Schlucht des Klevagjelet, zu bewältigen. Je näher man Myrdal kommt, um so gemäßigter wird das Gefälle, allerdings wird der Weg immer wieder mit sehr grobem Geröll aufgeschüttet, um Schlaglöcher zu füllen, das teilweise schwieriger (sehr "weich") zu fahren ist. Eine schöne Strecke führt zuletzt relativ eben am Ufer des Reinungavatnet entlang.

Nach dem Vatnahalsen Hotel führt die Strecke kurzzeitig steil abwärts (grober Schotter) und dann noch einmal beträchtlich aufwärts bis Myrdal. Wer als Fahrtziel Flåm ansteuert, muss nicht bis Myrdal fahren, sondern folgt nach der ersten Abfahrt von Vatnahalsen der rechts abwärts folgenden Serpentinenstrecke (wie folgend beschrieben). Wer nach Myrdal will, hat jetzt auf den letzten Metern noch einmal einen Anstieg zu bewältigen, insgesamt sind es von Hallingskeid bis Myrdal 299 Hm bergauf und 450 Hm bergab.

Fahrtziel Voss: Myrdal - Voss (43 km)[Bearbeiten]

Diese Strecke entspricht dem Verlauf der Nationalen Radroute 4 und führt später weiter nach Bergen. Radler wie Wanderer müssen hier für eine kurze Strecke in die Bergenbahn bis zur nächsten Station Upsete einsteigen - für den direkt nach Myrdal Richtung Voss folgende 5311 m lange Gravhals-Tunnel der Bergenbahn gibt es keine Alternative zur Umgehung für Radfahrer. Die etwa 5 minütige Fahrt kostet 35 NOK pro Person und 17 NOK pro Rad (Stand 2012). Beim Haltepunkt Upsete befindet sich auch die Upsete Fjellstove (siehe oben unter Unterkunft) mit Gastronomie und Unterkunft.

Reimegrend stasjon

Die Strecke ab Upsete führt immer parallel zur Bergenbahn und hat zwar noch einige Steigungen, führt aber vor allem bergab, insgesamt geht es bis Voss etwa 450 Hm bergauf, 1250 Hm bergab. Die Fahrt führt durch das Raundalen mit dem Raundalselva, der auch ein beliebtes Raftingrevier ist. Bei Mjølfjell gibt es im Mjølfjell Vandrerhjem eine weitere Unterkunftsmöglichkeit.

Weitere Haltestellen der Bergenbahn an der weiteren Strecke bis Voss sind Ørneberget, Ljosanbotn, Mjølfjell, Eggjareid, Volli, Reimegrend, Skiple, Øyeflaten, Urdland, Kløve, Ygre und Gjerdåker. An ihnen hält - je nach Saison - bis zu viermal täglich der Lokalzug (lokaltog) auf der Strecke Bergen-Voss-Myrdal und retour. Da im Lokalzug die Fahrradmitnahme problemlos möglich ist, hat man hier ein dichtes Netz an Möglichkeiten, die Strecke bei Bedarf abzukürzen oder abzubrechen.

Fahrtziel Flåm: Myrdal - Flåm (20 km)[Bearbeiten]

Serpentinen-Abfahrt von Myrdal nach Flåm

Von Myrdal auf 800 m Höhe geht es auf einer anfangs recht steilen und schwierigen Strecke hinunter ins Flåmsdal, parallel zur Bahnstrecke der Flåmsbahn. Dabei führt der Weg die ersten Kilometer in mehreren sehr engen Kehren über teilweise mit sehr groben Geröll übersäten Abschnitte recht steil hinunter. Ungeübtere Fahrer müssen hier möglicherweise schieben. Wer aus Richtung Vatnahalsen kommt, spart sich den mit sehr grobem Geröll bedeckten Abschnitt von Myrdal hinunter zur Abzweigung Myrdal-Vatnahalsen-Flåm und hat nur bis zur ersten Kehre mit grobem Kies auf dem Weg zu rechnen. Im Moment (August 2014) wird auf diesem etwa 300m kurzen Stück der Weg instandgesetzt. Ab der ersten Kehre ist der wassergebundene Weg in einem recht guten Zustand.

Kurz nach den Serpentinen, noch vor der Brücke über den Fluss, liegt neben dem Weg die Ziegenalm Rallarrosa stølsysteri. Tel.: +47 94 82 46 27, E-Mail: . Typ ist Gruppenbezeichnung, wo man Ziegenkäse kaufen oder für einen kleinen Imbiss einkehren kann.

Danach kann man sein Rad 16 km fast ausschließlich rollen lassen, lediglich zwei kleine Anstiege sind noch zu bewältigen, bis man am Aurlandsfjord ankommt. Desweiteren ist auf Wanderer, geringen PKW-Verkehr (der aufgrund der kurvigen Strecke und des eigenen schnellen Tempos möglicherweise erst spät gesehen werden kann) und die Durchfahrt durch einen unbeleuchteten Tunnel zu achten, sonst steht einem rasanten und genussvollen Abschluss des Rallarvegens nichts mehr im Wege. Insgesamt geht es noch 192 Hm bergauf und 1099 Hm bergab. Den GPS-Track für diesen Abschnitt findet man gesondert im Radreise-Wiki.

Sicherheit[Bearbeiten]

Eines von vielen Schneefeldern zwischen Finse und Hallingskeid Mitte August 2012

Auch wenn in den Werbebroschüren der norwegischen Tourist-Informationen oftmals ein anderer Eindruck vermittelt wird, so ist der Rallarvegen keine ganz einfach zu befahrene Route. Die ersten 15 km ab Haugastøl sind nicht besonders schwierig, und auch der weitere Abschnitt bis Finse, der etwas anstrengender und rauher ist, lässt sich mit ausreichend Zeit auch von wenig trainierten Fahrern sicher bewältigen.

Nach Finse jedoch kann der Rallarvegen durch die teilweise ganzjährig vorhandenen Schneefelder auf der Strecke und die steilen Abfahrten auf streckenweise grobem Geröll (ab Fagernut) zu einer Herausforderung werden. Relativ gesunde, körperlich normal leistungsfähige Radler mit einem ausreichenden Zeitpuffer können diese jedoch gut bewältigen, sofern sie ihre Räder sicher beherrschen, schwindelfrei sind und notfalls schieben (auch abwärts!). Wer jedoch keine Erfahrung mit Abfahrten, groben Wegverhältnissen und zudem wenig Kondition mitbringt, sollte von einer Beradelung zumindest des Abschnitts Finse - Myrdal eher Abstand nehmen.

Auf der gesamten Strecke muss an den Stellen, an denen Bäche und Rinnsale den Weg unterqueren, mit Löchern im Weg durch Unterspülung gerechnet werden (August 2014), die mit der erforderlichen Aufmerksamkeit frühzeitig gesehen und umfahren werden können.

Die Schneefelder können insofern riskant werden, dass sie oftmals an steilen Hängen liegen. Auch wenn vorhergehende Radler meist schon eine Schiebespur gebahnt haben, geht es auf der einen Seite dieses schmalen Bandes oftmals steil abwärts, während man sich auf der anderen Seite fast an den Schnee anlehnen kann. Einigermaßen schwindelfrei sollte man hier schon sein.

Die Abfahrten sind in der Regel nicht seitlich gesichert - ein Ausrutschen auf dem groben Geröll kann also fatale Folgen haben, da es direkt neben der Piste oftmals steil und tief abwärts geht.

Eine Fahrradpatroulie (sykkelpatrulien) von Statens Vegvesen, dem Straßenbauamt Norwegens, ist in der Sommersaison auf dem Rallarvegen unterwegs, sammelt verlorene Gegenstände ein und kann im Notfall telefonisch verständigt werden: +47 482 88 982.

Ausflüge[Bearbeiten]

Von Voss aus...[Bearbeiten]

...nach Westen[Bearbeiten]

Die Nationale Fahrradroute 4 führt von Voss in etwa 150 km weiter nach Bergen. Dabei führt die offizielle Strecke allerdings auf einigen Umwegen an die Westküste, um die dicht befahrene E16 weitmöglichst zu meiden (GPS-Track im Radreise-Wiki). Auf den letzten Kilometern vor Bergen muss man zudem in die Bahn umsteigen, da nach Einstellung einer Fjordfähre die eigentliche Route nicht mehr befahrbar ist. Die Tunnel vor Bergen an der E16, die man alternativ nutzen müsste, haben teilweise Fahrradverbote.

Die Nationale Fahrradroute 6 führt in ca. 190 km an die Westküste nach Leirvik, das etwa auf der Hälfte zwischen Bergen und Haugesund liegt. Auch für diese Strecke findet man einen GPS-Track im Radreise-Wiki.

Von beiden Endpunkten aus hat man wiederum Anschluss an den Nordseeküsten-Radweg.

...nach Süden[Bearbeiten]

In ca. 440 km fährt man auf der Nationalen Fahrradroute 3 über Odda, Haukeli und Hovden durch das Setesdal an die Südküste nach Kristiansand.

...nach Norden[Bearbeiten]

Auf der Nationalen Radroute 6 gelangt man in etwa 510 km in die Kupfererzstadt Røros, die seit 1980 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist.

Folgt man der Nationalen Fahrradroute 3 von Voss aus nach Norden, gelangt man in etwa 390 km nach Solavågseidet bei Ålesund.

Von Flåm aus...[Bearbeiten]

...mit dem Schiff über den Aurlandsfjord[Bearbeiten]

Auf dem Aurlandsfjord

Einmal täglich gibt es eine Schnellbootverbindung von Flåm nach Bergen. Die Fahrtzeit dauert 5:10 Stunden, die Tickets können online gebucht werden. Alternativ kann man auch mit kleinen Personenfähren nach Aurland und durch den Nærøyfjord weiter nach Gudvangen fahren, von dort geht es weiter per Bus (oder mit dem Rad über die Stalheimskleiva) nach Voss. Von Gudvangen ist weiterhin die Weiterfahrt mit den regulären Autofähren Richtung Lærdal möglich.

...weiter mit dem Rad[Bearbeiten]

Wer von Flåm aus weiter radeln möchte, hat nur die Möglichkeit über Aurland zu fahren, da in Fahrtrichtung Westen - nach Gudvangen - ein 5 km und ein 11 km langer Tunnel Radler am Weiterkommen hindern. Von Aurland aus kann man über den Snøvegen (Fv243) nach Lærdal radeln - der 24 km lange Lærdalstunnel ist für Radler gesperrt. Die Straße führt jedoch von Meereshöhe innerhalb weniger Kilometer auf eine Höhe von 1300 m hinauf und ist nur wenige Monate im Jahr freigegeben. Alternativ kann man auf dem Rv50 am nördlichen Rand es Hallingskarvet Nationalpark nach Gol fahren.

Literatur und Karten[Bearbeiten]

  • Turkart 744: Rallarvegen 1:50.000. Verlag Ugland IT 2010 (in Zusammenarbeit mit dem DNT) - detaillierte Karte der Strecke, in der auch angrenzende Wanderrouten und Lopien aufgeführt sind, zudem touristische Hinweise (keine Telefonnummern). Erläuterungen auf Norwegisch. Der gesamte Rallarvegen einschließlich des Abstechers nach Flåm ist verzeichnet, im Westen endet die Karte allerdings bei Mjølfjell.
  • Süd-Norwegen. Regionalkarte No. 1, 1:335.000. Verlag Kümmerley+Frey 2012 (Cappelen Kart). Straßenkarte für Südnorwegen, die auch den gesamten Rallarvegen (mit Ausnahme von Flåm) abdeckt. Zur sehr groben Orientierung.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alle in diesem Artikel angegebenen Kilometer- und Höhenmeterangaben beruhen auf den Berechnungen im Radreise-Wiki. Die Höhenmeterangaben sind nur als ungefähre Werte anzusehen.


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