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Bernsteinstraße

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Die Bernsteinstraße verbindet seit Jahrtausenden die Adria mit der Ostsee

Die Bernsteinstraße (auf englisch Amber Road) ist ein alter Handelsweg zwischen Ostsee und Adria. Ausgangspunkt ist Aquileia bzw. Venedig, Endpunkt ist St. Petersburg. Die Bernsteinstraße führt durch mehrere europäische Länder: Italien, Slowenien, Ungarn, Österreich, Tschechien, Polen, Kaliningrad, Litauen, Lettland, Estland bis Russland. Als Themenstraße ist die Bernsteinstraße in ihren Anrainerstaaten auf unterschiedliche Weise ausgebaut und präsent.

Hintergrund[Bearbeiten]

Entstehung der Bernsteinstraße[Bearbeiten]

Bereits in der Urgeschichte beginnt der Handel mit Bernstein. Im Bereich seiner Fundstätten an der Ostsee wird schon in der Jungsteinzeit Bernstein künstlerisch bearbeitet, besonders berühmt ist der Schatz von Juodkrante, heute im Museum von Palanga in Litauen. Aus der Kupferzeit, vor ca. 5000 Jahren, stammen die ältesten Bernsteinfunde in Österreich: drei Perlen gefunden bei Schletz im Weinviertel, heute im Museum für Urgeschichte in Asparn an der Zaya. In der Bronzezeit taucht baltischer Bernstein in Oberitalien auf. Auf mehreren Routen wurde Bernstein von Nord nach Süd gehandelt, unter anderem entlang der Flüsse Rhein und Rhône nach Marseille. Doch zur Blüte des Bernsteinhandels während des Imperium Romanum setzte sich endgültig die Trasse über Carnuntum, der mährischen Pforte und Wroclaw als wichtigste Bernsteinstraße durch.

Die römische Bernsteinstraße[Bearbeiten]

In der römischen Antike war Bernstein ein begehrter Schmuckstein. Plinius berichtet von einer Expedition im Auftrag von Nero an die Bernsteinküste. Ein römischer Ritter führte eine Gruppe von Händlern von Carntunum aus bis ins Land der Aesten im heutigen Balitkum. Sie brachten große Mengen Bernstein zurück nach Rom, sogar die Netze der Arena wurden damit geschmückt. Eine große Zahl römischer Münzfunde entlang der gesamten Route bis hinauf nach Litauen lassen auf einen regen Handelsverkehr schließen.

Tiberius baute die alte Bernsteinstraße zu einer Militärstraße aus. Diese führte von Aquileia über Emona (dem heutigen Ljubljana) bis nach Carnuntum an der Donau. Die Straße war eine via publica, d.h. eine Reichs- und Poststraße erster Ordnung. Die Trassen verliefen auf geschotterten Dämmen mit Straßengräben, Holz- und Steinbrücken, Pflasterung gab es jedoch nur in den Städten. Spuren der römischen Bernsteinstraße finden sich heute im Mittelburgenland.

Nördlich der Donau gab es keine festen Straßen. Anhand von Funden lässt sich aber eine Route von Carnuntum entlang der March durch das Weinviertel und Südmähren nachweisen. Über Olmütz führte der Weg nach Breslau in Schlesien durch die Region Großpolen bis an die Ostseeküste bei Danzig bzw. nach Litauen.

Zentraleuropäischer Nord-Süd-Korridor[Bearbeiten]

Mit dem Untergang des Imperium Romanum endete auch der Bernsteinhandel weitgehend. Die Trasse der alten Bernsteinstraße blieb aber als wichtiger Handels- und Verkehrskorridor zwischen Nord und Süd erhalten. An Stelle von Carnuntum entwickelte sich Wien zum Warenumschlagsplatz an der Donau. Die Route nach Süden führte nicht mehr um den Alpen-Ostrand herum, sondern über die Pässe Semmering und Wechsel. Im Bereich von Ptuj traf die Route aber wieder auf die alte Trasse der Bernsteinstraße, Endpunkt war aber nicht mehr die aufgegebene Hafenstadt Aquileia, sondern deren Nachfolgerin Venedig.

Nach Norden führte von Wien ausgehend bereits ab dem Mittelalter die schlesische Straße. Kaiser Karl VI. baute diese Anfang des 18. Jahrhunderts zu einer von fünf Reichsstraßen aus, den wichtigsten Verkehrswegen des Habsburgerreiches. Auch diese Reichsstraße nach Brünn und weiter nach Polen bis St. Petersburg folgte im Verlauf der alten Bernsteinstraße.

Die Bernsteinstraße als europäische Reiseroute[Bearbeiten]

Entlang der Bernsteinstraße finden sich unzählige Schlösser, historische Städte, UNESCO Kultur- und Naturerbestätten, mehrere Anrainerstaaten haben Vernetzungs- und Tourismusprojekte entwickelt um diesen alten Handelsweg für Reisende aufzubereiten. Der Umsetzungsgrad ist dabei jedoch von Land zu Land verschieden.

Unterwegs an der Bernsteinstraße[Bearbeiten]

Karte von Bernsteinstraße

Die Bernsteinstraße in Italien[Bearbeiten]

Zur Zeit der Antike war Aquileia der wichtigste Hafen an der Adria und Endpunkt der Bernsteinstraße. Das Archäologische Museum beherbergt noch heute zahlreiche Bernsteinfunde und präsentiert anhand von 10.000 Objekten Reichtum und Wohlstand der Hafenstadt. Der archäologische Park mit dem Forum und die frühchristliche Basilika zeugen von der Bedeutung der Stadt. Im 4. Jahrhundert begann der Hafen zu versanden und der Einfall der Hunnen zwang die Bewohner der Stadt in die Lagune zu fliehen. Dort gründeten sie Grado und später Venedig. Die Serenissima trat das Erbe Aquileias an, sie wurde zum wichtigsten Hafen der mitteleuropäischen Länder, eine Rolle die zur Zeit der Antike Aquileia innehatte.

Von Aquileia nach Slowenien[Bearbeiten]

Von Aquileia führte die Bernsteinstraße schnurgerade Richtung Nordosten nach Ruda bis Gorizia. Die alte Stadt Görz ist seit dem Ersten Weltkrieg auf zwei Staaten aufgeteilt, das italienische Gorizia mit der Burg der Görzer Grafen und dem slowenischen Nova Gorica.

Die Bernsteinstraße in Slowenien[Bearbeiten]

Die römische Bernsteinstraße verlief von Nova Gorica unterhalb des Birnbaumer Sattels über Postojna nach Emona, der römischen Vorgängerin der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Entlang der Flüsse Save und Savinja führt die Route nach Celje. An das antike Celeia erinnert vor allem der archäologische Park Šempeter mit der römischen Nekropole. Über Ptuj, der ältesten Stadt Sloweniens, gelangt man über Ormoz und dem bekannten Weinort Jeruzalem zur Grenze nach Ungarn bei Lendava.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • 4 Šempeter (Šempeter v Savinjski dolini). Šempeter in der Enzyklopädie Wikipedia Šempeter im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsŠempeter (Q1858063) in der Datenbank Wikidata.

Mit dem Rad unterwegs[Bearbeiten]

Es gibt zwar keinen durchgängig als Bernsteinstraße ausgeschilderten Radweg durch Slowenien, ein Rundkurs entlang Drau und Mur ist als Bernsteinstraße ausgeschildert, doch verläuft dieser Weg nur zum Teil entlang der historischen Route. Doch gut ausgebaute Radwege ermöglichen es dem antiken Streckenverlauf zu folgen:

  • Nova Gorica über die Smaragdstraße bis Vipava oder über den Birnbaumer Sattel nach Kalce
  • Vipava bzw. Kalce über die Windstraße bis Ljubljana
  • Ljubljana über die Bernsteinstraße nach Ptuj
  • Ptuj entlang der Sonnenstraße fährt man bis zur Grenze nach Ungarn bei Lendava.
  • Da die Radwege in Ungarn noch nicht auf verkehrsarmen Nebenstraßen verlaufen empfiehlt sich die Variante ab Ptuj die Sonnenstraße nach Norden bis Gornja Radgona zu nehmen und dort auf den österreichischen Thermenradweg R12 zu wechseln.

Die entsprechenden Radkarten kann man sich bei Next Exit Slovenia bestellen.

Die Bernsteinstraße in Ungarn[Bearbeiten]

Über den Grenzübergang Dolga vas/Redics führt die Bernsteinstraße nach Norden ins römische Savaria, das heutige Szombathely. Dort kann in einem Ruinengarten neben Resten des antiken Savaria auch ein Originalstück der alten Bernsteinstraße besichtigt werden. Auf dem Weg nach Norden kreuzt die römische Bernsteinstraße bereits das österreichische Burgenland bevor sie nach Sopron, dem antiken Scarbantia gelangt. Nahe der Stadt liegt im ungarischen Teil des Nationalparks Neusiedler See das riesige Barockschloss Fertöd, einst Residenz der Fürsten Esterhazy.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • 6 Sopron Website dieser Einrichtung. Sopron in der Enzyklopädie Wikipedia Sopron im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsSopron (Q168648) in der Datenbank WikidataSopron auf Facebook.
  • 7 Schloss Esterhaza (Esterházy-kastély). Schloss Esterhaza in der Enzyklopädie Wikipedia Schloss Esterhaza im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsSchloss Esterhaza (Q925864) in der Datenbank Wikidata.

Mit dem Rad unterwegs[Bearbeiten]

Ein Radwegenetz beginnt wenige Kilometer nach dem slowenisch-ungarischen Grenzübergang Redics bei Lenti.

  • Der Radweg 15 führt bis Zalalövö, ab da folgt man dem Radweg 13 bis in die Gegend von Körmend. Radweg 22 führt über Jak nach Szombathely.
  • Über die Wege 4 und 1 gelangt man bei Köszeg über die Grenze nach Österreich und wechselt auf den B 45 Richtung Lutzmannsburg.

Übersichtskarte der Radwege in Westtransdanubien

Die Bernsteinstraße in Österreich[Bearbeiten]

Burgenland[Bearbeiten]

Im Mittelburgenland, dem Blaufränkischland, finden sich die besterhaltendsten Reste der römischen Bernsteinstraße. Von Lutzmannsburg führt die Strecke über Raiding und Horitschon nach Neckenmarkt um dann über das ungarische Sopron in das Gebiet zwischen Neusiedler See, Eisenstadt und dem Leithagebirge zu gelangen. Die römische Route führte etwas westlich von Rust über Donnerskirchen und Purbach am Neusiedler See nach Bruck an der Leitha in Niederösterreich.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Mit dem Rad unterwegs[Bearbeiten]
  • R 12 Thermenradweg Thermenradweg R12 von Bad Radkersburg/ Gornja Radgona bis St. Anna am Aigen, über die Landesgrenze ins Burgenland nach Kalch
  • R1 Jubiläumsradweg von Kalch bis Lockenhaus
  • B45 Lockenhaus bis Strebersdorf
  • B47 Römische Bernsteinstraße Strebersdorf bis Deutschkreuz, über die Grenze nach Ungarn
  • B10 Neusiedler-See-Radweg über Mörbisch, Rust und Purbach am See nach Neusiedl.
  • B21 nach Carnuntum.

Übersichtskarten der burgenländischen Radwege auf Bikeburgenland.at

Niederösterreich[Bearbeiten]

Die römische Metropole Carnuntum bedeckte eine Fläche von fast 10 km² in den heutigen Gemeinden Petronell-Carnuntum und Bad Deutsch Altenburg. Hier überquerte die Bernsteinstraße die Donau und kreuzte die Limesstraße. Zur Blütezeit im 3. Jahrhundert n. Chr lebten etwa 50.000 Einwohner in der Colonia Septimia Aurelia Antoniniana Carnuntum. Durch das Marchfeld führt die Route Bernsteinstraße ins Weinviertel. Bei Stillfried an der March, einer bedeutenden prähistorischen Siedlung, erreicht man das größte Weinbaugebiet Österreichs. Die Gegend rund um Poysdorf wird seit Jahrhunderten von der Familie Liechtenstein geprägt die noch heute ihre Hofkellerei in Wilfersdorf unterhält. Bei Poysdorf trifft die Trasse der Bernsteinstraße auf die Brünner Straße, einer wichtigen Transitroute.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Mit dem Rad unterwegs[Bearbeiten]
  • 6 Donauradweg von Carnuntum bis zur Donaubrücke bei Hainburg
  • 8 KTM (Kamp-Thaya-March-Radweg) bis Marchegg (noch nicht fertig gebaut)
  • 8 KTM (Kamp-Thaya-March-Radweg) von Marchegg bis Ringelsdorf
  • Muskateller von Ringelsdorf bis Prinzendorf
  • Liechtensteinroute von Prinzendorf über Poysdorf bis Schrattenberg

Die entsprechenden Radkarten kann man sich bei der Radregion Weinviertel bestellen. Informationen zum KTM-Radweg

Die Bernsteinstraße in Tschechien[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • 22 Schloss und Park Kroměříž (zámek s areálem). Schloss und Park Kroměříž in der Enzyklopädie Wikipedia Schloss und Park Kroměříž im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsSchloss und Park Kroměříž (Q200693) in der Datenbank Wikidata. Unesco-Welterbestätten in Europa
  • 24 Burg Bouzov (hrad Bouzov). Burg Bouzov in der Enzyklopädie Wikipedia Burg Bouzov im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsBurg Bouzov (Q940492) in der Datenbank Wikidata.

Die Bernsteinstraße in Polen[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • 26 Schloss Rogalin (Pałac w Rogalinie). Schloss Rogalin in der Enzyklopädie Wikipedia Schloss Rogalin im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsSchloss Rogalin (Q16587087) in der Datenbank Wikidata.
  • 28 Biskupin (Stanowisko archeologiczne w Biskupinie). Biskupin in der Enzyklopädie Wikipedia Biskupin im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsBiskupin (Q866393) in der Datenbank Wikidata.
  • 29 Thorn Website dieser Einrichtung (Toruń). Thorn in der Enzyklopädie Wikipedia Thorn im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsThorn (Q47554) in der Datenbank WikidataThorn auf Facebook.
  • 30 Danzig Website dieser Einrichtung (Gdańsk). Danzig in der Enzyklopädie Wikipedia Danzig im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsDanzig (Q1792) in der Datenbank WikidataDanzig auf Facebook.

Die Bernsteinstraße in Litauen und Lettland[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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