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Kaliningrad

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Kaliningrad 05-2017 img10 aerial view.jpg
Kaliningrad
Provinz Kaliningrad
Einwohner
467.289 (2017)
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Lage
Lagekarte von Russland
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Kaliningrad

Kaliningrad ist eine russische Stadt an der Ostsee. Als Teil der gleichnamigen Exklave hat sie keine direkte Landverbindung zum Mutterland.

Hintergrund[Bearbeiten]

Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs war Kaliningrad die deutsche Stadt Königsberg (Preußen). Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs gehörte das ehemalige Ostpreußen zur Sowjetunion und ist heute Teil der Russischen Föderation. Die Oblast Kaliningrad (Gebiet um Kaliningrad) ist als Exklave im Norden und Osten mit Litauen und im Süden mit Polen benachbart. Westlich wird das Gebiet von der Ostseeküste begrenzt. Durch Bombenangriffe im August 1944 wurde die Innenstadt Königsbergs fast vollständig zerstört, so dass sich Kaliningrad heute als Mischung aus deutschen, zum Teil noch nicht sanierten Bauten vor allem in den Randbezirken, aber auch sowjetischen Plattenbauten und modernen Zweckbauten der postsowjetischen Zeit in der Innenstadt darstellt.

Name[Bearbeiten]

Die Stadt Königsberg wurde nach der Übernahme der Sowjetunion im Jahr 1945 nach Michail Iwanowitsch Kalinin (1875–1946), einem sowjetischen Politiker und ehem. Staatsoberhaupt, benannt. Als Vertreter der stalinistischen Repressalien war Kalinin speziell ab 1990 in der Sowjetunion nicht mehr sehr beliebt. Initiativen der Bewohner, die Stadt nach dem gebürtigen Königsberger Immanuel Kant in Kantgrad umzubenennen, sind bisher nicht umgesetzt worden. Die lokale Bevölkerung bezeichnet Kaliningrad umgangssprachlich oft als Kenig in Anlehnung an die alte Bezeichnung vor 1945.

Anreise[Bearbeiten]

Für die Einreise nach Kaliningrad benötigt man ein Visum und einen Reisepass, der mindestens ein halbes Jahr über den Rückreisetermin Gültigkeit hat. Wer einen Ausflug in die Länder des Baltikums von Kaliningrad machen möchte, benötigt ein Doppelvisum. Das Visum erteilt die Russische Botschaft in Berlin oder die Generalkonsulate in mehreren deutschen Städten je nach Wohnort des Antragstellers. Nach der Anreise ist die Registrierung in einem Postamt der Stadt erforderlich, dies erledigen in der Regel die größeren Hotels für ihre Gäste.

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Der Flughafen Chrabrovo liegt außerhalb der Stadt. Seit Juni 2017 fliegt die polnische LOT aus Warschau täglich außer samstags nach Kaliningrad und zurück. Damit ist Kaliningrad wieder aus allen großen westeuropäischen Städten ohne den Umweg über Moskau und zudem vergleichsweise preiswert auf dem Luftweg erreichbar. Geheimtipp für Mutige und nach einer noch preiswerteren Alternative Suchende: Anreise mit einer Low-Cost-Airline (Wizzair, Ryanair) bis Danzig (Polen), und sich dort von einem russischen Taxi abholen lassen.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Der Hauptbahnhof im Süden der Stadt

Der Hauptbahnhof liegt im Süden der Stadt. Während der übrigen Zeit ist Kaliningrad per Bahn aus dem Ausland nur sehr umständlich über Kybartai (Litauen) zu erreichen. Die aktuellen Abfahrts- und Ankunftszeiten sind im Online-Fahrplan der Deutschen Bahn zu finden. Achtung: Ankunft und Abfahrt in Kaliningrad sind, wie bei russischen Zügen üblich, in Moskauer Zeit angegeben!

Mit dem Bus[Bearbeiten]

ÖPNV in Kaliningrad
  • Der Busbahnhof liegt unmittelbar neben dem Hauptbahnhof. Es gibt regelmäßige Fernbusverbindungen nach Deutschland, Polen (Danzig) und Litauen (unter anderem nach Vilnius, Kaunas oder Klaipėda). Im Fernverkehr kann man sich auch von russischen Kleinbussen befördern lassen. Den etwas höheren Kosten steht der Vorteil gegenüber, weder am Start- noch am Zielort einen Transfer zu benötigen. Nachteil ist allerdings: Wenn man der letzte im Bus ist, muss man erst die Runde mit 6 oder 7 Fahrgästen an deren Zielorte machen.
  • Eurolines bietet inzwischen Fernbusverbindungen aus vielen deutschen Städten an.
  • Linienbusse in Kaliningrad tragen im Normalfall eine Liniennummer, jedoch keine Zielangabe. Man steigt in den Bus ein und wird am Platz vom Schaffner bedient, der Fahrpreis kostet in der Regel innerorts 12 RUR (ca. 0,30 €) und berechtigt nicht zum Umsteigen. Die Linienbusse sind größtenteils nicht aus russischer Produktion, sondern ausgemusterte Fahrzeuge von Verkehrsbetrieben überwiegend aus Deutschland und Westeuropa. Wer Spaß daran hat, erlebt hier ein Stück Nahverkehrsgeschichte.
  • Trolleybusse (Oberleitungsbusse)
  • Kleinbusse sind Linienbusse, die ihr Ziel komfortabler und etwas schneller erreichen. Sie sind dafür etwas teurer als die anderen Linien-Verkehrsmittel.

Straßenbahn[Bearbeiten]

Es gab einst ein dichtes Straßenbahnnetz. Da der Unterbau schlecht ist, wurden mehrere Linien stillgelegt, und die verbliebenen Bahnen fahren unregelmäßig und langsam.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Aus Polen kommend erreicht man die Oblast Kaliningrad am einfachsten über den Grenzübergang Mamonowo II/Grzechotki (Heiligenbeil/Rehfeld). Dieser liegt auf dem Abschnitt Elbing–Königsberg der ehemaligen Reichsautobahn Berlin–Königsberg. Beim Befahren dieser Strecke erlebt man ein Stück deutscher Autobahngeschichte hautnah, besonders auf russischer Seite. Eine weitere Möglichkeit bietet der Grenzübergang Braunsberg/Heilgenbeil (Braniewo/Mamonovo). Dieser liegt an der früheren Reichsstraße 1. Ebenfalls möglich ist ein Übertritt am weiter östlich gelegenen Grenzübergang Preußisch-Eylau (Bagratiowsk). Für den Grenzübertritt sollte man eine längere Wartezeit einplanen, der Grenzübergang ist in den Nachtstunden geschlossen. Hochwertige Autos sollte man in Kaliningrad auf einem bewachten Parkplatz abstellen.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Es gibt eine Fährverbindung von Mukran (Rügen) nach Baltisk (ehemals Pillau), die vorwiegend Güter transportiert.

Mobilität[Bearbeiten]

Karte von Kaliningrad

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

Der restaurierte Dom
Die orthodoxe Kathedrale am Siegesplatz
  • Dom auf der Kneiphofinsel
  • orthodoxe Kathedrale am Siegesplatz
  • Kirche Juditten (heute orthodox)
  • Luisenkirche (heute als Puppentheater genutzt)
  • Zur Heiligen Familie (heute Philharmonie)
  • evangelische Kirche (Neubau)
  • Kreuzkirche (heute orthodox) auf der Lomse

Burgen, Schlösser und Paläste[Bearbeiten]

  • Grundmauern des im Krieg zerstörten Schlosses

Bauwerke[Bearbeiten]

Brandenburger Tor, das einzige der Tore, das noch als Stadttor benutzt wird
Friedrich von Schiller – sein Denkmal hat den Krieg überdauert
  • Sehenswert sind die Reste der alten Stadtbefestigung mit den zahlreichen, z. T. in sehr schlechtem Zustand befindlichen Stadttoren Brandenburger Tor, Sackheimer Tor, Friedländer Tor, Königstor, Roßgärter Tor usw.
  • Dohnaturm
  • Wrangelturm
  • ehemalige Bernsteinmanufaktor (Sattlergasse)
  • ehemals Preußisches Landgericht
  • Hauptbahnhof (Südbahnhof)
  • ehemaliger Nordbahnhof am Hansaplatz (jetzt Siegesplatz)
  • ehemalige Börse unweit des Domes

Denkmäler[Bearbeiten]

  • Immanuel-Kant-Denkmal von Christian Daniel Rauch (Kopie) vor der Universität
  • Schiller-Denkmal von Stanislaus Cauer (Nähe Stadttheater)
  • Denkmal von Albrecht von Brandenburg auf der Kneiphof-Insel direkt am Dom
  • Mütterchen Russland
  • Denkmal vor der ehemaligen Börse
  • diverse Kriegerdenk- und Ehrenmale aus sowjetischer Zeit

Museen[Bearbeiten]

  • Bernsteinmuseum (im Donaturm)
  • Immanuel-Kant-Museum (im Dom und in der Universität)
  • Museum zur Stadtgeschichte (in der ehemaligen Stadthalle am Schlossteich)
  • Museum mit Exponaten aus der Kriegszeit (im Friedländer Tor)

Straßen und Plätze[Bearbeiten]

  • Siegesplatz
  • Leninskiprospekt
  • Händelstraße (eine der wenigen nahezu vollständig erhaltenen Straßenzüge)
  • Königstraße (jetzt Frunse) mit viel alter Bausubstanz

Parks[Bearbeiten]

  • Kneiphofinsel
  • Zoo
  • Stadtpark um das Friedländer Tor
  • Parkanlagen um Schlossteich und Oberteich
  • Max-Aschmann-Park (Maraunenhof)
  • Botanischer Garten
  • Skulpturenpark (Kneiphof / Dominsel)

Verschiedenes[Bearbeiten]

Aktivitäten[Bearbeiten]

Einkaufen[Bearbeiten]

  • Es gibt in Kaliningrad inzwischen zahlreiche große Einkaufspassagen westlichen Zuschnitts in der Nähe des Hauptbahnhofs, gegenüber dem Hotel Kaliningrad und in der Nähe des Siegesplatzes.
  • Markt (in der Nähe der ehemaligen Ostmesse)
  • Nicht entgehen lassen sollte man sich das Einkaufen in den kleinen, oft auch nachts geöffneten „Tante-Emma-Läden“, in denen es alles zu kaufen gibt.

Küche[Bearbeiten]

Die Kaliningrader Küche ist rustikal und fettreich. Borschtsch (Rote-Rüben-Eintopf) oder Pelmeni (hausgemachte Nudel-Taschen mit Fleischfüllung) sollte man sich nicht entgehen lassen. Ebenfalls empfehlenswert sind Fischgerichte.

Günstig[Bearbeiten]

Mittel[Bearbeiten]

Gehoben[Bearbeiten]

  • Restaurant „Zum Sonnenstein“ im Roßgärter Tor. Spezialisiert auf Fischgerichte und gutbürgerlicher Küche. Tolles Ambiente.
  • Restaurant „Zöttler“ am Siegesplatz gegenüber Europacenter ist ein deutsches Restaurant und sehr zu empfehlen. Deutsche bekommen eine kleine Aufmerksamkeit.

Nachtleben[Bearbeiten]

Günstig[Bearbeiten]

Mittel[Bearbeiten]

Gehoben[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Das Leitungswasser in Kaliningrad ist stark gechlort und als Trinkwasser geschmacklich ungeeignet. Die elektrische Spannung liegt bei 230 V, die Steckdosen sind geeignet für Eurostecker. Die größeren Hotels entsprechen westeuropäischem Standard. Gewöhnungsbedürftig: Da Energie preiswert ist, sind die Hotelzimmer in der kalten Jahreszeit oft überheizt, vielfach können aus Sicherheitsgründen die Fenster nicht geöffnet werden. Andererseits wird in Russland auch im Winter die Fernheizung gelegentlich zu Wartungszwecken ausgeschaltet – man muss also auch in besseren Hotels mit mancher Überraschung rechnen. In der Regel befinden sich an den Hotels Taxistandplätze mit deutsch sprechenden Fahrern.

Günstig[Bearbeiten]

Mittel[Bearbeiten]

  • Golden Bay, hier verkehren vor allem Seeleute (Achtung! Keine Kreditkartenzahlung)

Gehoben[Bearbeiten]

  • Hotel Kaliningrad, in Staatsbesitz befindliches Großhotel, renoviertes Haus aus den Siebziger Jahren, Geldautomat, Restaurant, Bar, russisches/westeuropäisches Frühstück nicht im Preis eingeschlossen aber im Haus erhältlich, Kreditkartenzahlung, da das Haus an einer der Haupt-Straßenkreuzungen der Stadt liegt, sind die Zimmer zur Straße hin auch nachts sehr laut
  • Hotel Marton Palace, teuerstes Haus am Platz, Neubau, Restaurant, Bar, Geldautomat, LAN auf allen Zimmern, Kreditkartenzahlung, liegt in der Nähe des Hauptbahnhofs in einer ruhigen Seitenstraße

Lernen[Bearbeiten]

Biologieunterricht im Lyzeum Nr. 17, Beispiel einer modern ausgestatteten Schule (Primar- und Sekundarstufe)
  • öffentliche und private Schulen, die Schulen tragen Nummern statt Namen
  • Sprachschulen
  • Immanuel-Kant-Universität, westlichste Universität Russlands in der Tradition der ehemals deutschen Albertina, bietet Studenten aus Westeuropa Gastsemester in Kaliningrad
  • Technische Hochschule
  • Deutsch-Russisches-Haus (Begegnungsstätte der beiden Kulturen)
  • Segelschulschiff Krusenstern

Arbeiten[Bearbeiten]

Kaliningrad ist nach Moskau und St. Petersburg die Stadt mit dem höchsten Wirtschaftswachstum in Russland und Freihandelszone. In der Stadt Kaliningrad sind Arbeitskräfte knapp, so dass die Regierung zeitweise versuchte, in Deutschland lebende Spätaussiedler anzuwerben und zu veranlassen, sich in Kaliningrad niederzulassen. In den ländlichen Bezirken der Oblast Kaliningrad ist die Arbeitslosigkeit jedoch hoch.

Sicherheit[Bearbeiten]

Kaliningrad ist weder sicherer noch unsicherer als vergleichbare Hafenstädte in Westeuropa. Frauen sollten nachts nicht unbegleitet in Diskotheken oder vergleichbare Etablissements gehen. Der Ruf der Miliz ist nicht unbedingt gut, so dass man Kontakt zur Polizei nur in wirklichen Notsituationen aufnehmen sollte.

Gesundheit[Bearbeiten]

Es gibt in Kaliningrad diverse Zahnkliniken, die sich auf hochwertige Prothetik (Implantologie) nach westeuropäischem Standard zu sehr günstigen Preisen spezialisiert haben. Die Krankenhäuser sind noch lange nicht auf internationalem Stand, so dass man einen Krankenhausaufenthalt vermeiden sollte. Öffentliche Toiletten entsprechen oft bei weitem nicht unserem Standard. Toilettenpapier sollte man in der Tasche haben, ebenfalls ein paar desinfizierende Tücher. Die sanitären Einrichtungen in den besseren Hotels und in den neuen Einkaufszentren sind in Ordnung.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Mit Englischkenntnissen kann man in der Kaliningrader Bevölkerung nicht unbedingt rechnen, da Englisch erst seit etwa 1990 Pflicht-Fremdsprache an den Schulen ist. Die ältere Bevölkerung hat aber oft (geringe) Deutschkenntnisse. Es gibt zahlreiche Geldautomaten, an denen man mit Maestro-Karten und diversen Kreditkarten Rubel ziehen kann (Höchstgrenze pro Tag 10.000 RUR).

Post und Telekommunikation[Bearbeiten]

Telefonvorwahl für Russland +7, für Kaliningrad 4012

Ausflüge[Bearbeiten]

Für allein Reisende empfiehlt es sich, Stadtrundfahrt und Ausflüge mit dem Taxi zu machen, was einem vor den Hotels von zahlreichen deutsch sprechenden Taxifahrern angeboten wird. Achtung: Fahrpreis vorher fest absprechen, damit es hinterher keine böse Überraschung gibt. In der Regel zahlt man in Euro.

Ölquelle in der Nähe Kaliningrads
  • Für das Naturschutzgebiet Kurische Nehrung sollte man einen Tagesauflug einplanen. Sehenswert dort: Vogelwarte, Naturkundemuseum, Düne Epha – ein Überschreiten der Grenze nach Litauen ist sinnvoll, erfordert aber ein sog. Doppelvisum, falls man wieder einreisen möchte
  • Svetlogorsk (ehem. Rauschen), Seebadeort mit reichlich erhaltener historischer Bausubstanz, Thomas-Mann-Denkmal
  • Selenogradsk (ehem. Cranz), Seebadeort
  • Yantarni (ehem. Palmnicken), Bernsteinfertigung, Denkmal für die dort umgekommenen jüdischen Opfer des zweiten Weltkriegs
  • Baltijsk (ehem. Pillau), Hafenstadt (Der Hafen ist militärisches Sperrgebiet)
  • Majowka (ehem. Georgenburg), Trakehner-Gestüt
  • Tschernjakowsk (ehem. Insterburg, Kriegsgräberstätte)
  • Fort Nr. 5 – im 2. Weltkrieg stark umkämpfte Befestigungsanlage (Ruine), Waffenausstellung (Panzer, Kanonen, Raketenwerfer – sog. Stalinorgel)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


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