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Esna

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Fassade des Chnum-Tempels
Esna · Isnā ·إسنا
Iunit · Ta-senet · Latopolis
GouvernementLuxor
Einwohner
68.656 (2006)
Höhe
86 m
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Lage
Lagekarte von Ägypten
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Esna

Die oberägyptische Stadt Esna bzw. Isna (arabisch: ‏إسنا‎, Isnā) befindet sich südlich von Luxor und nördlich von Edfu auf dem Westufer des Nils im Süden des Gouvernement Luxor. Die Stadt, in der heute etwa 69.000 Einwohner (2006) leben, besitzt eine lange Geschichte, die bis in die Altsteinzeit zurückreicht. Berühmtheit hat sie jedoch durch den hier in griechischer Zeit errichteten Tempel für den Gott Chnum erreicht.

Meist verweilen Touristen in Esna nur kurz. Dabei lohnt sich der Besuch von Esna nicht nur wegen einer Reihe eher ungewöhnlicher und religionsgeschichtlich bedeutsamer Darstellungen im Chnum-Tempel, sondern auch wegen mehrerer bedeutender koptischer, muslimischer und kolonialzeitlicher Denkmäler.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lage und Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Stadt Esna befindet sich auf dem westlichen Nilufer, etwa 60 km südlich von Luxor und 50 bzw. 155 km nördlich von Edfu bzw. Assuan. Esna und der zugehörige Kreis bilden heute den südlichsten Teil des Gouvernements Luxor.

Esna befindet sich am Anfangs- bzw. Endpunkt einer bedeutenden Karawanenroute über ed-Derr in den Sudan. Weitere Routen führten in die Senke el-Chārga, und zwar sowohl zur Stadt Chārga als auch nach Dūsch. Von hier aus bestanden weitere Routen in die Westliche Wüste bzw. in den Sudan über die Karawanenroute Darb el-Arbaʿīn.

Heute leben in Esna ungefähr 69.000 Einwohner.[1] 1885 wurden 9.422 Einwohner gezählt.[2] El-Maqrīzī (1364–1442) gab für seine Zeit an, dass es in Esna ungefähr 10.000 Häuser gab.[3]

Namensgebung[Bearbeiten]

Die Stadt wurde in pharaonischer Zeit Iunit (Iwnjt) oder Ta-senet (T3-snj, Tesnet, „heilige Stadt“) genannt. Vom Namen Senet leitete sich die spätere koptische Bezeichnung Sne/Esne (ⲤⲚⲎ, ⲤⲚⲈ, ⲈⲤⲚⲎ) ab, die in der arabischen Bezeichnung Isnā (‏إسنا‎, meist Esna geschrieben (die manchmal anzutreffende Schreibweise Esneh ist falsch)), fortbesteht.

Die griechische Bezeichnung Latopolis (Λατόπολις) leitete sich vom hier in der pharaonischen Spätzeit verehrten Nilbarsch (lat. Lates niloticis) ab, der als Erscheinungsform der Göttin Neith von Sais galt und als heiliger Fisch verehrt – und natürlich nicht gegessen – wurde.[4] Die Siedlung auf dem gegenüberliegenden Flussufer beim heutigen Dorf el-Ḥilla nannte man Contra-Latopolis.

Pharaonische und Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die frühesten Funde in der Nähe von Esna datieren ins Jungpaläolithikum (die jüngste Altsteinzeit, um 10.000 v. Chr.). Esna war Zentrum der Steinindustrie für die Herstellung von Mahlsteinen, Sichelklingen, Schabern und Sticheln.[5]

Die pharaonischen Zeugnisse sind gering und reichen nicht in die Zeit vor der 18. Dynastie (Neues Reich). Texte erwähnen zwar die Königsnamen wie Thutmosis III., Amenophis II. und Psammetich I. So findet sich im thebanischen Grab TT 100 des Rechmire aus der Zeit Thutmosis’ III. bis Amenophis’ II. eine Liste mit Steuern, die von ägyptischen Städten zu entrichten sind. Der Bürgermeister und ein Schreiber müssen jährlich Gold, Silber, zwei Ochsen, Korn und Leinen als Steuer entrichten.[6] Auch das Grab des Paheri in el-Kāb stammt in etwa aus der Zeit Thutmosis’ III. Paheri wird hier als Bürgermeister von el-Kāb und Esna und als Kornschreiber ausgewiesen.[7]

Die archäologischen Zeugnisse beschränken sich jedoch hauptsächlich auf den ptolemäischen Chnum-Tempel und die Nilbarsch-Nekropole im Westen der Stadt, wo man zahlreiche Nilbarsch-Mumien gefunden hat. Man geht aber davon aus, dass es an der Stelle des heutigen Tempels einen Vorgängerbau aus der Zeit Thutmosis’ III. gegeben hat. Einige wenige Kleinfunde, die aber nicht unbedingt aus Esna stammen müssen, datieren zumeist in die 18. bis 20. Dynastie.[8]

Ursache für den Bedeutungszuwachs des pharanonischen Esna ist sicher die Karawanenroute in den Sudan, die mindestens seit der 26. Dynastie genutzt wurde. In griechisch-römischer Zeit wird Esna auch Hauptstadt des 3. oberägyptischen Gaus, die an die Stelle der ehemaligen Hauptstadt Necheb (el-Kāb) trat.

Ursprünglich hat es drei Tempel im Großraum Esna gegeben, die Tempel im Norden von Esna und der Isis-Tempel in Contra-Letopolis wurden erst im 19. Jahrhundert zur Zeit Muḥammed 'Alis für den Bau von Fabriken abgebrochen. Die Tempel selbst waren erst relativ jung. Der Bau des heute noch bestehenden Chnum-Tempels wurde unter Ptolemaios VI. Philometor (180–145 v. Chr.) begonnen und erst unter dem römischen Kaiser Decius (249–251 n. Chr.) abgeschlossen.

Verehrte Götter in pharaonischer Zeit[Bearbeiten]

König opfert Federn an Chnum und Nebet-uu
Kaiser Domitian erschlägt Feinde vor Chnum und Menhit

Der hiesige Tempel ist den Schöpfergöttern der Welt, Chnum und Neith, geweiht. Neben ihnen treten einige weitere Götter, die nur hier in Esna belegt sind, auf.

Der Schöpfergott Chnum (griechisch Chnubis, Kneph) wurde hier in Esna in Zusammenhang mit zwei verschiedenen Götterdreiheiten (Göttertriaden) verehrt, die teilweise verschmelzen. Die eine Triade besteht aus Chnum, seiner Gemahlin Nebet-uu und ihrem Sohn Heka (Hike), die andere aus Chnum, Menhit und Heka. Chnum wird meist widderköpfig, seltener als Krokodil dargestellt.

Die hier in Esna verehrte Kriegs- und Schöpfergöttin Neith ist die aus dem unterägyptischen Sais im Nildelta. In einem hier in Esna niedergeschriebenen Mythos[9] durchschwamm die Göttin bei der Erschaffung der Welt das Urgewässer Nun als Nilbarsch. Der Nilbarsch war somit sowohl in Sais als auch in Esna eine geschützte Tierart. Die Göttin, die in Esna die Krone Oberägyptens trägt, wird zusammen mit ihrem löwengestaltigen Gemahl Tithoes und dem krokodilgestaltigen Sohn Schemanefer dargestellt.

Die löwengestaltige Göttin Menhit (auch Menhejet) ist eine lokale Form der Löwengöttin Sachmet. Ihr Name bedeutet „die Schlächterin“, sie ist Göttin des Kampfes. Gelegentlich verschmilzt sie mit Neith oder Nebet-uu.

Die Göttin Nebet-uu (auch Nebetou) ist „Herrin des Fruchtlandes“. Sie ist ebenfalls eine lokale Göttin in Esna. Sie wird mit Geierhaube und einem die Sonnenscheibe tragenden Gehörn dargestellt und übernimmt hier die Rolle der Göttin Hathor-Tefnut als Sonnenauge, das sich vom Sonnengott trennt, aber wieder zurückkehrt. Wie gesagt, verschmilzt sie gelegentlich mit Menhit.

Der menschengestaltige Heka, Sohn des Chnum, ist ein Gott mit Schöpferkraft. Der jugendliche Heka personifiziert ähnlich wie der Erdgott Geb eine geheime Kraft, die Übernatürliches hervorbringt. Er vereint in sich Zauber- und Schöpferkraft.

Christliche und muslimische Zeit[Bearbeiten]

Noch während der römischen Herrschaft entwickelte sich Esna zu einem bedeutenden Zentrum des Christentums. Die Anfänge jedoch liegen im Verborgenen. Esna wurde bald Bischofssitz, und wir kennen mit Ammonius (seit Beginn des 4. Jahrhunderts) und mit seinem Nachfolger Masis (ab 347) zwei Bischöfe namentlich.[10] Vorgenannter Kaiser Decius und sein Nachfolger Diokletian ließen aber per Erlass die Christen von ihrem Glauben abschwören bzw. verfolgen. Der genannte Bischof Ammonius schuf mit dem Kloster Deir esch-Schuhadāʾ im Südwesten von Esna ein Denkmal für 3.600 christliche Märtyrer. Die Kirche des Klosters zählt auch heute noch zu den schönsten in Oberägypten. Mit dem Kloster Deir el-Fachūrī, der Kirche in der Wüste[11] und zahlreichen Märtyrergräbern[12] gibt es hier weitere christliche Zeugnisse. Zu den bedeutendsten Mönchen aus Esna gehören der hl. Pachomius (um 292/298–346) und sein Nachfolger, der hl. Theodoros (um 314–368).

Der Historiker el-Idrīsī (1100–1165) beschreibt in der Überlieferung von Abū el-Feda, dass Esna eine der ältesten Städte der Kopten, der Ägypter, sei. Sie hat viele Palmen, kultivierte Flächen, schöne Gärten und antike Monumente der Ägypter sowie zahlreiche Überreste.[13]

Einen neuen Aufschwung erlebte Esna in der Fatimidenzeit (969–1171), insbesondere unter dem achten Kalifen el-Mustanṣir billāh (1029–1094, 420–487 AH). Der Historiker el-Maqrīzī (1364–1442) beschreibt eine große Hungersnot zu jener Zeit in Ägypten. In Esna gab es aber Gärten und eine prosperierende Landwirtschaft. Zu dieser Zeit wurde Esna auch der Treffpunkt vieler hervorragender Poeten Ägyptens. Während des Feldzuges unter Führung von Badr ed-Dīn el-Gamālī ließ der Feldherr hier in Esna die el-ʿAmrī-Moschee mit zugehörigem Minarett um 1081/2 (474 AH) errichten.

Im Mittelalter war Esna eine florierende Stadt und erlangte Bedeutung als Karawanenstadt und Umschlagsort für landwirtschaftliche Erzeugnisse. In osmanischer Zeit wurde die Karawanserei Wikālat el-Gedāwī unmittelbar im Norden des Chnum-Tempels errichtet. Für den Verkauf der lokalen Produkte dienen die angeschlossen Märkte wie der Qeiṣariya-Basar.

Auch wenn bereits Berichte früher Reisender vorliegen, so gaben doch erst die Wissenschaftler der Napoléon-Expedition 1789/1799 ein detailierteres Bild von der Stadt ab.[14] Die Stadt befand sich zuoberst auf einen acht bis zehn Meter hohen Ruinenhügel, umgeben von flachem Land mit einträglicher Landwirtschaft im Süden und bewässerten Gärten im Norden. Es werden die Tempel in Esna und Umgebung beschrieben, von denen heute nur noch der Chnum-Tempel erhalten ist. Das Zusammenleben von Christen und Muslimen wird als friedlich geschildert. Esna wurde immer wieder Zufluchtsort von aus Kairo vertriebenen oppositionellen Paschas und Künstlern.

Qeiṣariya-Basar
Basar im Süden des Chnum-Tempels

In der Zeit Muḥammad ʿAlīs (1769–1849) wurde Esna die Hauptstadt eines eigenständigen Gouvernements, das von Girgā im Norden bis nach Assuan im Süden reichte. 1842 besuchte Muḥammad ʿAlī die Stadt und veranlasste, dass der Chnum-Tempel freigelegt werden sollte. Die anderen Tempel wurden aber abgerissen. 1889 wird die Hauptstadt des Gouvernements nach Assuan verlegt.

Zwar wurde der Säulensaal des Chnum-Tempels aufgrund des Geheißes Muḥammad ʿAlīs unter Auguste Mariette (1821–1881) um 1860 freigelegt. Die hinteren Teile des Tempels liegen aber bis heute unter den modernen Häusern. 1905–06 erfolgten erste Ausgrabungen in Esna durch John Garstang (1876–1956).[15] Die systematische Untersuchung des Chnum-Tempels wurde aber erst in den Kampagnen in den 1950er- und 1960er-Jahren unter Serge Sauneron (1927–1976) vorgenommen und in bisher sieben Bänden dokumentiert.

Handwerk und Wirtschaft[Bearbeiten]

Karawanenhandel wurde seit pharaonischer Zeit bis 1890 betrieben.

Neben dem Handel war Esna auch ein Zentrum der Landwirtschaft. Zu den angebauten Produkten zählten u.a. Baumwolle und Linsen. Der Historiker el-Maqrīzī (1364–1442) nennt zudem Erntemengen von 40.000 irdabb (etwa 8.000 Kubikmeter) Datteln und 10.000 irdabb (etwa 2.000 Kubikmeter) Weintrauben.[3]

In den hiesigen Fabriken wurde Rohbaumwolle weiterverarbeitet und zu Tüchern gewebt. Im 19. Jahrhundert gab es hier auch eine berühmte Fabrik für die roten Fes-Filzkappen.

In etwa zwanzig Ölmühlen wurden verschiedenste Samen und Gemüse wie z.B. Sesam zu Öl gepresst. Überlebt hat von ihnen bis heute nur noch eine Ölmühle.

In mehreren Fabriken wurden Lehmziegel hergestellt.

Mit dem Bau des Staudamms im Jahre 1909 änderten sich die Verhältnisse für die Landwirtschaft. Der Aṣfūn-Kanal vor dem Staudamm zweigt Wasser für die Bewässerung der Felder im Norden von Esna ab. Heutzutage wird zumeist Zuckerrohr angebaut. In den 1990er-Jahren wurde ein weiterer Damm zur Elektroenergiegewinnung angelegt.

Anreise[Bearbeiten]

Entfernungen
Luxor54 km
Edfu52 km
Kom Ombo111 km
Assuan155 km

Wer mehr als nur einen Kurzaufenthalt im Chnum-Tempel vorhat, sollte individuell anreisen. Für die Stadt benötigt man etwa einen Tag. Einen zweiten Tag sollte man vorsehen, wenn man noch die Klöster außerhalb von Esna besuchen möchte.

Esna liegt auf der westlichen Niluferseite und ist nicht direkt an des Fernstraßennetz bzw. Bahnnetz angebunden. Straße und Bahnlinien verlaufen auf dem Ostufer.

Mit dem Auto[Bearbeiten]

Sie können mit Auto oder Taxi nach Esna anreisen. Die An- und Abreise nach Assuan und Luxor kann in der Zeit von 06:00 bis 18:00 Uhr ohne Konvoi erfolgen. In der Nacht ist man auf einen kostenpflichtigen Konvoi angewiesen. Ein Taxi von Luxor kostet etwa LE 200. Der Preis hängt aber von der Aufenthaltsdauer in Esna ab.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Kolonialzeitliches Gebäude an der Corniche
Weiteres Gebäude an der Corniche

Sie können mit einem Überlandbus von Luxor nach Esna fahren. Dieser hält ebenfalls auf dem Ostufer. Sie können nun mit einem Minibus oder Taxi oder zu Fuß Esna über die Straße über den Nilstaudamm erreichen. Busse sind aber uninteressant geworden, da sich der neue Busbahnhof in Luxor außerhalb der Stadt in der Nähe des Flughafens befindet.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Sie können mit dem Zug von Luxor nach Esna fahren. Der 1 Bahnhof Esna (25° 18′ 37″ N 32° 34′ 15″ O) befindet sich aber auf dem Ostufer. Sie können nun mit einem Minibus oder Taxi oder zu Fuß Esna über die Straße über den Nilstaudamm erreichen.

Der Preis für ein Bahnticket von Luxor nach Esna kostet LE 20 in der ersten bzw. LE 14 in der zweiten Klasse. Wen man das Ticket erst im Zug erwirbt, so muss man LE 6 Strafzuschlag zusätzlich entrichten.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Sehr beliebt sind Nilkreuzfahrten. Die Schiffe halten in unmittelbarer Nähe zum Tempel am Nilufer.

Umbauten an den Schleusenanlagen erleichtern die Durchquerung des Staudamms. Kreuzfahrtschiffe müssen heute nicht mehr warten. Allerdings fällt damit auch die Möglichkeit zum Souvenirverkauf am Schiff weg.

Zweimal im Jahr wird der Wasserstand des Nils abgesenkt, damit die vom Nil gespeisten Kanäle gereinigt werden können. In dieser Zeit kann die Schleuse von Esna nicht passiert werden. Dies geschieht in der ersten Dezemberhälfte und zwei Wochen im Juni.

Auch wenn die Nutzung eines Kreuzfahrtschiffes die übliche Form der Anreise ist: Esna lässt sich auch mit einer Felūka, einem Segelboot, von Assuan aus erreichen. Allerdings endet die Fahrt nicht direkt in Esna, sondern etwa 30 Kilometer vorher. Die restliche Wegstrecke kann man z.B. mit einem Minibus zurücklegen.

Mobilität[Bearbeiten]

Den Nil kann man in Esna im Norden der Stadt über den alten Staudamm überqueren. Die Straße nach Osten führt direkt zum Bahnhof.

Taxis gibt es im Ort kaum. Geeignete Transportmittel sind Pferdekutschen (Kaleschen) und Minibusse. Die Nutzung einer Kalesche kostet etwa LE 10. Wenn sich kein Texi auftreiben lässt, so lässt sich auch ein Minibus für die individuelle Nutzung anmieten.

Man kann die Stadt auch zu Fuß ergründen. Für den Weg vom Bahnhof in die Stadt benötigt man etwa 20 Minuten. Am einfachsten ist es, wenn man einfach die Niluferstraße (Corniche) entlang läuft. Es hat aber durchaus seinen Reiz, südlich hinter der Brücke über die Kanalwehr nicht nach Osten entlang der Corniche zu laufen, sondern geradeaus, um etwas von der Stadt mitzubekommen.

Um von der Corniche zum Tempel zu gelangen, muss man den Touristen-Basar in westlicher Richtung durchqueren.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Altägyptische Denkmäler[Bearbeiten]

Thot und Harsiese reinigen Kaiser Claudius
Kaiser Tiberius wird von Buto und Nechbet zu Chnum geführt
Säulen im Chnum-Tempel
König opfert Weingefäße an Amun-Min und Menhit
Astronomische Darstellungen an der Decke
Horus, Kaiser Commodus und Chnum ziehen ein Netz mit Sumpfvögeln und Fischen zu
Detail mit der Darstellung der Sumpfvögel
Südliche und Rückwand der Vorhalle
Steinfragmente im Südwesten des Chnum-Tempels

Das wichtigste pharaonische Monument ist der hiesige 1 Chnum-Tempel (25° 17′ 36″ N 32° 33′ 22″ O). Er wurde im 19. Jahrhundert freigelegt. Das betrifft allerdings nur die Säulenhalle. Die rückwärtigen Teile liegen immer noch unter der heutigen Bebauung begraben.

Für den Besuch des Tempels benötigt man ein Ticket. Es kostet LE 50, für Studenten LE 25 (Stand 10/2017). Das Tickethäuschen befindet sich allerdings nicht unmittelbar am Tempel, sondern etwa 200 m östlich an der Niluferstraße. Im Sommer ist der Tempel von 7–17 Uhr, im Winter von 7–16 Uhr geöffnet.

Den Tempel betritt man im Nordosten. Zwei Treppen führen zum Tempelareal, das sich neun Meter unterhalb des heutigen Straßenniveaus befindet.

Der Tempel ist neben dem widderköpfigen Schöpfergott Chnum auch der Göttin Neith (letztere wurde von der Griechen auch mit Pallas-Athene gleichgesetzt) geweiht. Weitere hier verehrte Göttinnen sind Menhit und Nebet-uu.

Der Tempel von Esna ist der jüngste Tempel Ägyptens. Seine Bauzeit lag zwischen 180 v. Chr. bis 250 n. Chr. Namensnennungen an der Vorhalle, dem Pronaos, nennen den Erbauer Ptolemaios VI. Es ist wahrscheinlich, dass die Arbeiten am heute nicht zugänglichen Tempelhaupthaus bereits unter seinem Vorgänger Ptolemaios V. begonnen wurden. Nach Ptolemaios VI. ruhten die Arbeiten und wurden wohl erst wieder unter dem römischen Kaiser Tiberius aufgenommen und unter Kaiser Decius abgeschlossen. Erst in römischer Zeit erhält der Tempel die heute noch erhaltene Vorhalle. Die Kaiser zwischen Tiberius und Decius tragen alle zu seiner Dekoration bei. Die Namensnennung von Thutmosis III. deutet darauf hin, dass es hier schon einen Vorgängerbau aus der 18. Dynastie gegeben hat.

Die Tempelachse verläuft von Ost nach West, der Tempeleingang befindet sich im Osten. Der Tempel war wohl ursprünglich über eine Prozessionsstraße mit dem Nil verbunden. Überreste der Kaianlage mit den Resten einer Kartusche des Mark Aurel konnten archäologisch nachgewiesen werden.

Der Tempel wurde aus Sandsteinblöcken errichtet. Die Fassade der Vorhalle (des Pronaos) ist 37 Meter breit und 15 Meter hoch. Sie wird durch sechs Säulen und je drei dazwischen liegenden Schrankenwänden gebildet. Den oberen Abschluss bilden ein Architrav und eine Hohlkehle. Auf der Hohlkehle erkennt man in der Mitte die Flügelsonne. Die Inschriften seitlich davon nennen die Namen der römischen Kaiser Claudius und Vespasian. Auf dem Architrav findet man auch die Weihinschriften der genannten Kaiser.

Der Tempelvorhalle und die Säulen sind vollständig mit Darstellungen versehen. Sie wurden außen im versenkten und innen im erhabenen Relief ausgeführt, auf den Säulen kommt ebenfalls erhabenes Relief zum Einsatz.

Auf dem linken, südlichen äußeren Eckpfosten erkennt man den Kaiser Claudius in vier Registern vor verschiedenen Gottheiten. Im oberen Register ist die Reinigung des Naos durch den Kaiser dargestellt und darunter, wie der Kaiser vor Chnum und Nebet-uu opfert bzw. wie der Kaiser eine Palmrispe als Zeichen weiterer Krönungsjubiläen von Chnum in Begleitung von Heka erhält. Das unterste Register zeigt den Kaiser beim Auszug aus dem Königspalast mit dem sog. Horusgeleit. Daneben führt eine Seitentür durch eine Schrankenwand zum Tempelinneren. An den Türlaibungen findet man die Kartusche Trajans. Auf den folgenden Schrankenwänden sieht man Kaiser Claudius bei einer Reinigungszeremonie zwischen den Götten Harsiese und Thot im Beisein von Menhit bzw. Tiberius, wie er von den Kronengöttinnen Buto und Nechbet zu Chnum geführt wird. Die letztere Darstellung ist die einzige aus der Zeit des Tiberius.

Auf dem rechten, nördlichen äußeren Eckpfosten sieht man Kaiser Domitian in vier Registern vor verschiedenen Gottheiten. Im obersten Register opfert der Kaiser vor den Göttinnen Neith und Isis, darunter vor Menhit und Heka bzw. vor Chnum und Nebet-uu. Das unterste Register zeigt in Analogie zum südlichen Pfosten den Auszug Domitians aus dem Königspalast. Links daneben führt wiederum eine Seitentür in den Tempel; die Laibungen zeigen ebenfalls die Kartuschen Trajans. Die Darstellungen der folgenden Schrankenwände sind nicht mehr so gut erhalten. Man erkennt den Kaiser Nero, wie er von Harsiese und Thot gekrönt wird, und daneben, wie er von den Göttern Atum und Month zur Göttin Neith geführt wird.

Hinter der Fassade befindet sich die 32,8 Meter breite und 16,4 Meter tiefe siebenschiffige Vorhalle. Die Säulen der Fassade eingeschlossen werden die Schiffe durch je sechs Säulen in vier Reihen unterteilt. Die Säulen sind 11,3 Meter hoch und besitzen einen Umfang von 5,4 Meter. Den oberen Abschluss der Säulen bilden Pflanzenkompositkapitelle. Die Wände sind mit ungefähr 230 Darstellungen von Kulthandlungen der Kaiser in Pharaonentracht vor verschiedenen Gottheiten in vier Registern (Bildstreifen) geschmückt.

Auch die Decken sind dekoriert. In den jeweils drei äußeren Seitenschiffen findet man astronomische Darstellungen, gelegentlich auch als Zodiak (Tierkreis) bezeichnet. Unmittelbar neben dem Zentralschiff erkennt man die Darstellung der Tages- und Nachtfahrt der Sonne. In den jeweils vorletzten Schiffen wurden die Dekansterne, die der Zeiteinteilung in der Nacht dienen, dargestellt. Im südlichen Feld wurden auch Sternenbilder wie das des Skorpions untergebracht. Auf dem nördlichsten Streifen wurden der Mond und sein Gefolge, auf den südlichsten zweimal die Himmelsgöttin Nut sowie verschiedene Geschöpfe wie zweiköpfige Schlangen, Flügelhunde, die Nilpferdgöttin Thoeris dargestellt.

Betrachten wir nun die Wände in Gegenuhrzeigerrichtung. Auf der Rückseite der ersten Schrankenwand nördlich des Eingangs erkennen wir Kaiser Hadrian, wie er von je drei falkenköpfigen Seelen von Buto (Pe) und schakalköpfigen Seelen von Hierakonpolis (Nechen) in einer Thronsänfte getragen wird. Die mittlere Schrankenwand zeigt Hadrian mit Atefkrone bei einer Tempelgründungszeremonie, dem Vermessen des Tempels: Hadrian, die Schreibergöttin Seschat und Neith spannen einen Strick für den zu gründenden Tempel.

An der Nordwand und den sich anschließenden Teilen der Westwand hat sich Kaiser Commodus mit seinen Kulthandlungen verewigt. Hier findet sich eine der interessantesten Szenen, die man so kaum in einem Tempel, eher in Gräbern, findet: Im unteren Teil sieht man, wie der Gott Horus, Kaiser Commodus, und der Gott Chnum ein Netz mit Sumpfvögeln und Fischen, die als Götterfeinde galten, zuziehen. Zur Linken erkennt man den ibisköpfigen Gott Thot, zur Rechten die Schreibergöttin Seschat.

Das zentrale Portal auf der Westseite führte ehemals zum Tempelhaupthaus und zum Sanktuar, dem Allerheiligsten. Der südliche und nördliche Türdurchgang führten zum Säulenumgang des Haupthauses.

An der Rückwand befinden sich Darstellungen verschiedener römischer Kaiser. Links neben dem Mittelportal befinden sich Szenen mit Ptolemaios’ VI. Philometer vor verschiedenen Gottheiten in jedem Register (jeweils zweite Szene) und seine Kartusche. Unten rechts neben dem südlichen Türdurchgang befindet sich die letzte Darstellung des Tempels: Kaiser Decius mit unterägyptischer Krone opfert eine Töpferscheibe an Chnum, zwischen ihnen befindet sich der widdergestaltige Gott Chnum auf einem heute verlorenen Vereinigungssymbol.

Zu den an der Südwand dargestellten Kaisern gehören Antonius Pius, Septimus Severus und Caracalla. Die sicher wichtigste Darstellung ist die ganz links im unteren Register. Gott Chnum reicht eine Palmrispe, die die Regierungsjahre des Pharaos repräsentiert, an Septimus Severus, der in der rechten Hand die Krönungsinsignien Krummstab und Geißel trägt. Rechts stehen hinter Chnum seine Gemahlin Nebet-uu und Heka. Hinter Septimus Severus stehen seine Gemahlin Iulia Domna und seine Söhne Caracalla und der ausgelöschte Geta. Nach der Ermordung seines Bruders Geta hat Caracalla im Tempel ganze Arbeit geleistet: er ließ den Namen Getas vollständig tilgen.

An der südlichen Eingangswand in unmittelbarer Türnähe befindet sich eine kleine Kapelle, die vielleicht unter Domitian angelegt wurde. In den Ecken der rückwärtigen Fassade mit den Seitenwänden gibt es eine weitere Besonderheit: die hier angebrachten Texte sind kryptographisch, also eine Art Geheimtexte.

An den Säulen befinden sich Texte zu den hier abgehaltenen sog. Kalenderfesten und zugehörigen Liturgien, die sich natürlich hauptsächlich auf Chnum und Neith beziehen.[16] Interessant sind nicht nur die Inhalte, sondern dass Texte überhaupt auf Säulen zu finden sind. Gemäß den Inschriften wird am 1. Phamenoth (3. Monat im Frühjahr, prt-Jahreszeit) der Erschaffung der Welt durch Chnum gedacht, am 13. Epiphi (3. Monat der Erntezeit, šmw-Jahreszeit) bzw. am 19./20. Epiphi der Erschaffung der Neith bzw. des Siegs von Chnum über die Feinde einer Rebellion gegen den Sonnengott.

An der südlichen Außenwand der Vorhalle erkennt man den römischen Kaiser Domitian, wie er vor Chnum und Menhit Feinde niederschlägt.

An der nördlichen hinteren Außenwand befindet sie die Widmungsinschrift des Mark Aurel. Er ist vor Chnum und Nebet-uu dargestellt.

An der nördlichen Außenwand findet man eine vergleichbare Darstellung wie auf der südlichen: der Gott Chnum in Begleitung der Göttin Nebet-uu überreicht an Trajan ein Sichelschwert, während letzterer Feinde niederschlägt.

Im Südwesten des Areals sind verschiedene, bei den Ausgrabungen vorgefundene Steinfragmente ausgestellt.

Beim Verlassen des Areals vergesse man nicht, der Basilika südöstlich der Fassade Aufmerksamkeit zu schenken. An der Südseite der Kirche ist eine Statue der Menhit/Sachmet aufgestellt.

Christliche Denkmäler[Bearbeiten]

Basilika im Bereich des Vorhofes zum Chnum-Tempel

Unmittelbar südöstlich der Fassade des Chnum-Tempels, und zwar auf derselben Höhe wie der Tempel selbst, befindet sich eine kleine, 7 × 11 m große 2 Basilika (25° 17′ 37″ N 32° 33′ 23″ O). Im Kirchenraum befinden sich je fünf Säulen in zwei Reihen. Hinter dem Altar befand sich eine Apsis. Diese Basilika muss noch in (spät)römischer Zeit angelegt worden sein, denn sie befindet sich auf demselben Niveau wie der Chnum-Tempel selbst. Das fatimidische Minarett aus dem 11. Jahrhundert ist bereits etwa 8 Meter über diesem Niveau errichtet worden.

Die bedeutendste Kirche in Esna ist die 3 Kirche der hl. Jungfrau (25° 17′ 30″ N 32° 33′ 22″ O), arabisch: ‏كنيسة السيدة العذراء‎, Kanīsat as-Saiyida al-ʿAḏrāʾ, im Süden des Chnum-Tempels. Es handelt sich hier um eine dreischiffige Kirche mit einer Empore für die Frauen. An seiner Stirnseite befinden sich drei Heikale (Allerheiligste) für den hl. Georg (links), die hl. Jungfrau und den Erzengel Michael. Über dem mittleren Heikal befindet sich ein Kreuz über der Abendmahldarstellung.

Am Heikal für den hl. Georg befinden sich die Ikonen für die hl. Markus und Georg, am Heikal für die hl. Jungfrau die des hl. Ammonius, Bischof von Esna (301–310), der hl. Jungfrau, des Jesus und Johannes. Am Heikal für Michael befinden sich Ikonen für Paulus und Michael.

Kirche der hl. Jungfrau
Im Inneren der Kirche

In der Kuppel befindet sich die Darstellung Jesu Christi.

Nördlich des Qeiṣariya-Basars befinden sich einige koptische Wohngebäude, die im Abschnitt Wohngebäude beschrieben werden.

Außerhalb von Esna befinden sich weitere koptische Denkmäler:

  • Das Nonnen-Kloster der Märtyrer (Deir esch-Schuhadāʾ), auch Kloster des hl. Ammonius (Deir Manawus) genannt, liegt etwa 6 km südlich der Stadt Esna. Seinen Namen bezieht das Kloster von Ammonius und dem Martyrium von 3600 Märtyrern, die auf Geheiß des Decius ermordet wurden. Das Kloster besitzt zwei Kirchen, die Kirche der hl. Jungfrau Maria (errichtet 1931) und die Kirche der heiligen Märtyrer (8. Jahrhundert). Letztere Kirche zählt zu den schönsten Kirchen Ägyptens. Heute wird das Kloster von etwa 20 Nonnen bewohnt.
  • Das Kloster des hl. Matthias des Töpfers (auch Matthias der Arme; Deir el-Fachūrī) befindet sich nordwestlich von Esna am Wüstenrand, etwa 7 km vom Dorf Asfun al-Matana gelegen. Seine Ursprünge reichen in das achte Jahrhundert zurück. Schöne Wandmalereien stammen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert. Seit 1975 wird das Kloster wieder von Mönchen bewohnt.
  • Auf dem Gebiet zwischen dem Kloster des hl. Matthias und dem Kloster der Märtyrer wurden zahlreiche unterirdische Einsiedeleien und eine Kirche aus dem 5. und 6. Jahrhundert gefunden.

Islamische Denkmäler[Bearbeiten]

Die meisten Touristen laufen wohl recht achtlos vorbei. Dabei kann man auf dem Weg zum Chnum-Tempel durch den Touristen-Basar das el-ʿAmrī-Minarett auf der Südseite problemlos erkennen.

El-ʿAmrī-Minarett aus fatimidischer Zeit
Sonnenuhr auf der Westseite des Minaretts
Säulenkapitelle im Hof des Minaretts

Nordwestlich der osmanischen el-ʿAmrī- oder el-ʿAtīq-Moschee (auch Große Moschee genannt) befindet sich das 4 el-ʿAmrī-Minarett (25° 17′ 38″ N 32° 33′ 26″ O) aus fatimidischer Zeit. In der Zeit des Feldzuges das Badr ed-Dīn el-Gamālī – er selbst war armenischer Herkunft und fatimidischer Regent († 1094) – wurde das Minarett 1081/2 (474 AH) unter Aufsicht des Beamten Fachr el-Mulk Saʿd ed-Dawla Sār Takīn (auch Abū Manṣūr Sārtakīn, † 1101 (494 AH)) errichtet, wie aus einem Marmorstein in der Rückwand der el-ʿAmrī-Moschee hervorgeht. Wie Creswell ausführt, gehört das Minarett zu einer Gruppe von (mindestens) fünf Minaretten, die in der Zeit des Feldzuges errichtet wurden. Hierzu gehören weiterhin noch Minarette in Luxor, Assuan und Schellāl. Das hiesige Minarett ist das jüngste. Zu den Aufgaben des Feldherrn gehörte nicht nur die militärische Niederschlagung der Nubier-Einfälle nahe der Grenzfestung von Assuan, sondern auch die Umsetzung ziviler und religiöser Aufgaben wie der Bau von Moscheen.

Das Minarett besteht aus mehreren Segmenten. Der Unterteil ist quadratisch, 10,8 m hoch, aus gebrannten, sichtbaren und bemalten Ziegeln gemauert und verjüngt sich noch oben von etwa 4,75 auf 4,5 m. Aller acht bis neun Ziegellagen wurde ein Holzbalken zur Verstärkung eingesetzt. Die Pforte zum Inneren befindet sich auf der Südseite. Auf diesem Unterteil folgt ein sich ebenfalls nach oben verjüngender runder Turmteil, der 8,0 m hoch ist und oben einen Durchmesser von 4,0 m besitzt. Wie alle folgenden Segmente ist dieser Teil verputzt. In knapp 16 m Höhe befindet sich eine umlaufende Holzgalerie mit Geländer. Nun folgt eine achteckige, 1,5 m hohe Etage mit acht Fenstern. Jede dieser acht Flächen ist an ihren Enden nach außen gebogen, so dass diese Flächen spitz zulaufen. Bekrönt wird das Ganze mit einem sechsseitigen, 3.4 m hohen Pavillon mit Kuppel. Damit ergibt sich eine Gesamthöhe von 23,8 m. An allen Seiten wurden mehrere Fenster eingebracht, die oben mit zwei spitz zulaufenden Bögen begrenzt werden. Eine Wendeltreppe führt zum Pavillon.

Das Minarett ist von einem Eisengitter umgeben. Wenn man Glück hat, ist die Tür offen, und man kann auf den ungefähr einen Dreiviertel Meter unterhalb des Straßenniveaus liegenden Hof gelangen, der sich südlich und östlich des Minaretts befindet. Auf einer kleinen Mauer am Rand des Hofes befinden sich griechischen Säulenkapitelle und Säulenfragmente. An der Westwand des Minaretts befindet sich eine Sonnenuhr.

Im Prinzip kann man das Minarett auch besteigen, wenn man den Schlüsselgewaltigen auftreiben kann. Evtl. kann man das hiesige Inspektorat für koptische und islamische Altertümer um Hilfe bitten. Vom Pavillon hat man eine gute Aussicht, den Chnum-Tempel erkennt man recht einfach. Die Fenster sind heutzutage mit einem engmaschigen Drahtgitter verschlossen.

Die zugehörige Mosche befindet sich im Süden und stammt aus osmanischer Zeit.

Unmittelbar im Norden des Chnum-Tempels befindet sich die in osmanischer Zeit errichtete Karawanserei 5 Wikālat el-Gidāwī (25° 17′ 38″ N 32° 33′ 22″ O), arabisch: ‏وكالة الجداوي‎, Wikālat al-Ǧidāwī), die ihren Namen von einem der bedeutendsten Händler Schahbandar el-Toggar el-Saiyed Hasan el-Gedāwī erhielt. Hier wurden die Waren gehandelt, die als Importe aus dem Sudan, Somalia, Kenia und Zentralafrika stammten wie z.B. Korbwaren, Straußenfedern und Elefantenstoßzähne.

Fassade der Wikālat el-Gidāwī
Detail des Türsturzes der Wikālat el-Gidāwī
Im Inneren der Wikālat el-Gidāwī

Die Fassade besitzt einen spitz zulaufenden Torbogen. Die mit Eisen beschlagene Holztür wird oben durch einen dekorierten Türsturz abgeschlossen. Die Karawanserei besteht aus zwei Etagen. Die erste Etage verfügt über die Speicherräume. Die Räume dienten der Aufbewahrung der Handelsgüter, während die Räume im Obergeschoss für die Übernachtung genutzt wurden. In der Mitte der Karawanserei befindet sich der Hof, auf dem die Lasttiere gehalten und Handel getrieben wurde.

Die Karawanserei ist üblicherweise nicht zugänglich, so dass sich nur sein Eingangsportal besichtigen lässt. Es ist aber nicht ganz unmöglich, auch hier wie im Falle des el-ʿAmrī-Minaretts den Schlüsselgewaltigen zu finden.

Für den Handel der lokalen Waren dienten die mit Holzdecken überdachten Märkte, die sich im Umfeld des Chnum-Tempels befinden. Dies ist zum einen der eher touristisch ausgelegte Basar zwischen Nilufer und Tempel, zum anderen der nach Norden führende Qeiṣariya-Basar (arabisch: ‏سوق قيصرية‎, Sūq Qaiṣarīya).

Werkstätten[Bearbeiten]

Von den einstmals zwanzig Ölmühlen hat bis auf den heutigen Tag nur eine überlebt: die 6 Bakur-Öhlmühle (25° 17′ 31″ N 32° 33′ 23″ O), arabisch: ‏معصرة بكور‎, Miʿṣara Bakūr.

Gebäude mit der Bakūr-Ölmühle
Vorderer Raum der Ölmühle
Waage in der Ölmühle
Presse im hinteren Raum der Ölmühle

Ihr jetziger Besitzer ʿAbd el-Ḥamid ʿAbd er-Radi Ahmed Bakūr zeigt und erklärt sie Besuchern gern – und verkauft natürlich auch sein Öl. Die Ölmühle ist seit zahlreichen Generationen im Besitz der Familie und etwa 200 Jahre alt – fast schon „pharaonisch“. Im vorderen Raum wird mit einem Art Mühlwerk gepresst, im hinteren Raum stehen zwei weitere Pressen, aber nur noch die vordere funktioniert. Die Pressen stehen auf einer Granitplatte. Gepresst werden u.a. Sesam, Zwiebeln, Lattich, Brunnenkresse und Kümmel. Natürlich macht dem Eigentümer heute die fabrikmäßige Herstellung von Öl schon zu schaffen.

Wohnbauten[Bearbeiten]

Am Nordende des Qeiṣariya-Basars zweigt eine Straße (ʿAbd es-Sīd) nach rechts (nach Osten, 2 25° 17′ 51″ N 32° 33′ 18″ O) ab. In dieser Straße befinden sich zwei 7 koptische Häuser mit dekorierten Türstürzen. Dies ist zum einen das Haus des ʿAbd el-Malak wa-Nachla (arabisch: ‏عبد الملك ونخلة‎) an der Nordseite der Straße und etwas weiter auf der Südseite derselben Straße das des Sifain Gibrān (‏سفين جبران‎). Letzteres Haus besitzt ein in Koptisch und Arabisch beschrifteten Sturz und ist so sicher in das Mittelalter zu datieren.

Haus des ʿAbd el-Malak wa-Nachla
Türsturz am Haus des Sifain Gibrān
Altes Gebäude nördlich des Qeiṣariya-Basars
Haus des Sifain Gibrān

Die 8 Villa Ḥuzeiyīn (25° 17′ 31″ N 32° 33′ 17″ O), arabisch: ‏قصر حزيين‎, Qaṣr Ḥuzaiyīn) befindet sich westlich des Chnum-Tempels. Die Villa wurde 1947 errichtet.

Villa Ḥuzeiyīn
Fassadendetail der Villa Ḥuzeiyīn
Treppe zur Villa Ḥuzeiyīn

An der Corniche befinden sich mehrere Bauten aus der britischen Kolonialzeit.

Wasserbauten[Bearbeiten]

Altes Stauwehr von Esna
Neues Stauwehr von Esna
Kanalwehr am Aṣfūn-Kanal
Kanone südlich des Staudamms

Bereits seit 1843 lagen Pläne vor, ein Staudammsystem zur Regulierung des Nils zu errichten. Begonnen wurde mit Staudämmen im Norden von Kairo im Nildelta. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das System um verschiedene Staudämme in Mittel- und Oberägypten erweitert. Dies sind 1902 die Staudämme von Asyut und Assuan, 1909 der Staudamm von Esna und 1930 der Staudamm von Nag Hammadi.

Der 9 alte Staudamm von Esna (25° 18′ 27″ N 32° 33′ 30″ O) (Esna Barrage, arabisch: ‏قناطر إسنا‎, Qanāṭir Isnā) wurde 1906 bis 1909 durch die Firma John Aird & Co. aus Sandsteinblöcken errichtet, ist 874 Meter lang und verfügt über 120 Schleusentore. Er besitzt eine Breite von sechs Metern und ragt etwa neun Meter über den niedrigsten Wasserstand empor.

Seit den 1990er-Jahren wird ein 10 zweiter Staudamm etwa einen reichlichen Kilometer weiter nördlich auch zur Energiegewinnung aus Wasserkraft eingesetzt. Beide Dämme besitzen eine Schleuse an ihrer Westseite, aber es wird heutzutage nur noch die des neuen Damms benutzt.

Sehenswert ist ebenso das 11 Kanalwehr des Aṣfūn-Kanals (25° 18′ 6″ N 32° 33′ 13″ O), arabisch: ‏ترعة أصفون‎, Tirʿat Aṣfūn).

Vielleicht zum (ehemaligen) Schutz befindet sich südlich des Staudamms und nördlich des Aṣfūn-Kanals in der Nähe zum Zentralkrankenhaus (arabisch: ‏مستشفى إسنا المركزي‎, Mustaschfā Isnā al-Markazī) am Nil-Westufer eine 12 Kanone (25° 18′ 11″ N 32° 33′ 17″ O).

Aktivitäten[Bearbeiten]

Samstags morgens findet in Esna ein Tiermarkt statt.

Einkaufen[Bearbeiten]

Der Weg zum Chnum-Tempel, aber auch die Basare südlich und nördlich des Chnum-Tempels sind überdacht. Ersterer ist natürlich ein reiner Touristenbasar. Die beiden anderen sind für Einheimische bestimmt. Der nördliche heißt Qeiṣariya-Basar (arabisch: ‏سوق قيصرية‎, Sūq Qaiṣarīya).

Küche[Bearbeiten]

Das ägyptische Fastfood wird natürlich in den Basaren angeboten.

Unterkunft[Bearbeiten]

Hotels gibt es in Esna (wohl) keine mehr.

Die meisten Touristen reisen aus Assuan oder Luxor an.

Gesundheit[Bearbeiten]

Das 1 Zentralkrankenhaus (25° 18′ 9″ N 32° 33′ 14″ O), arabisch: ‏مستشفى إسنا المركزي‎, Mustaschfā Isnā al-Markazī, befindet sich im Norden der Stadt am Nil-Westufer.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Die Touristenpolizei befindet sich an der Corniche unmittelbar neben dem Tickethäuschen für den Chnum-Tempel.

Bank und Postamt befinden sich auch an der Corniche, und zwar nördlich vom Tickethäuschen. Die Bank ist täglich außer freitags von 08:30 bis 14:00 Uhr geöffnet, das Postamt täglich außer freitags von 07:00 bis 14:00 Uhr. Während des Fastenmonats Ramadan sind die Öffnungszeiten verkürzt.

Die 2 Antikenbehörde (25° 18′ 0″ N 32° 33′ 18″ O) befindet sich nördlich vom Chnum-Tempel und westlich der Polizeistation in einer nach Westen führenden Seitenstraße und ist leicht zu finden, wenn man nach dem Funkturm Ausschau hält. Der Manager des Inspektorats ist Abd el-Hādī Maḥmūd Muḥammad (‏عبد الهادي محمود محمد‎) und ist telefonisch unter (0)95 251 0315 bzw. (0)100 295 3141 erreichbar. Maḥmūd Masʿūd, (‏محمود مسعود‎), Tel.: (0)100 656 3649, ist einer der Inspektoren.

Ausflüge[Bearbeiten]

Ein Besuch der etwa zeitgleichen Tempelanlagen von Edfu und Kom Ombo lohnt. Man sollte nicht versäumen, die 10 km nördlich von Edfu gelegene archäologische Stätte El-Kab zu besichtigen.

Eigentlich böte sich auch ein Abstecher zum nur knapp 20 Kilometer entfernten pharaonischen Friedhof von el-Maʿalla aus der Ersten Zwischenzeit an. Die Eintrittskarten hierfür gibt es aber an der Kasse zum Luxor-Tempel in Luxor!

Außerhalb der Stadt auf dem Westufer befinden sich die Klöster Deir esch-Schuhadāʾ und Deir el-Fachūrī.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sauneron, Serge: Le Temple d’Esna. Le Caire : Impr. Inst. français d'archéologie orientale, 1959–. Bisher sind sieben Bände erschienen, geplant sind zehn Bände. Der erste Band berichtet über die ersten vier Grabungskampagnen. Die Folgebände beschreiben die Szenen im Einzelnen. Im Band 5 („Les fêtes religieuses d’Esna aux derniers siècles du paganisme“) werden die im Tempel beschrieben religiösen Feste behandelt.
  • Sauneron, Serge: Esna. In: Helck, Wolfgang ; Westendorf, Wolfhart (Hg.): Lexikon der Ägyptologie ; Bd. 2: Erntefest - Hordjedef. Wiesbaden : Harrassowitz, 1977, ISBN 978-3-447-01876-0, Sp. 30–33.
  • Hölbl, Günther: Altägypten im Römischen Reich : der römische Pharao und seine Tempel ; Band 1. Mainz : Zabern, 2000, ISBN 978-3-8053-2392-5, S. 100–114.
  • Lieven, Alexandra von: Der Himmel über Esna : eine Fallstudie zur religiösen Astronomie in Ägypten am Beispiel der kosmologischen Decken- und Architravinschriften im Tempel von Esna. Wiesbaden : Harrassowitz, 2000, (Ägyptologische Abhandlungen ; 64), ISBN 978-3-447-04324-3.
  • Creswell, Keppel Archibald Cameron: The Muslim Architecture of Egypt. Oxford : Clarendon, 1952, S. 146 f., 155, Abb. 72, Tafel 123.b (Englisch). Als Nachdruck 1978 bei Hacker Art Books, New York erschienen.
  • Bloom, Jonathan M.: Five Fatimid Minarets in Upper Egypt. In: Journal of the Society of Architectural Historians (JSAH) <Chicago, Ill.>, ISSN 0037-9808, Bd. 43 (1984), S. 162–167 (Englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

  • Montalbetti, Giovanna: Esna revisited (archivierte Version vom 2. Februar 2009 im Internet Archive archive.org), Artikel der Al-Ahram Weekly vom 29. Januar 2009 (in Englisch).

Einzelnachweise

  1. Egypt: Governorates & Major Cities, citypopulation.de, eingesehen am 2. November 2013.
  2. [Abū al-Makārim] ; Evetts, B[asil] T[homas] A[lfred] (Hg., Übers.) ; Butler, Alfred J[oshua]: The churches and monasteries of Egypt and some neighbouring countries attributed to Abû Sâliḥ, the Armenian. Oxford : Clarendon Press, 1895, S. 278 f. Verschiedene Nachdrucke, z. B. Piscataway : Gorgias Press, 2001, ISBN 978-0-9715986-7-6.
  3. 3,0 3,1 Ritter, H.: Isna. In: Donzel, Emeri Johannes van (Hg.): The Encyclopaedia of Islam : Second Edition ; Bd. 4: Iran - Kha. Leiden : Brill, 1978, ISBN 978-90-04-05745-6, S. 206 f.
  4. Siehe auch Strabo, Geographika, Band XVII, 1.2–5; Diodorus, Bibliotheca historica, Band I, 67.1–7.
  5. Wendorf, Fred ; Schild, R. (Hg.): Prehistory of the Nile Valley. New York : Acad. Pr., 1976, ISBN 978-0-12-743950-1, S. 289 ff. DeBono, Fernand: Recherches préhistoriques dans la région d’Esna (4 mars - 2 avril 1968). In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale (BIFAO), ISSN 0255-0962, Bd. 69 (1971), S. 245–251.
  6. Davies, Norman de Garis: The tomb of Rekh-mi-Rēʿ at Thebes. New York : Metropolitan Museum of Art, 1943, S. 104, Tafeln XXX, XXXII. Breasted, James Henry: Ancient Records of Egypt. Chicago : Univ. of Chicago Pr., 1906–1907, Band 2, § 723. Die Steuerliste befindet sich in der vorderen Querhalle, auf der von außen gesehen linken Eingangswand.
  7. Tylor, Joseph John ; Griffith, F. Ll.: The tomb of Paheri at El Kab. London : Egypt Exploration Fund, 1894, S. 6. Aufsatz ist in Naville, Édouard: Ahnas el Medineh (Heracleopolis magna) enthalten.Lichtheim, Miriam: Ancient Egyptian Literature ; vol. II: The New Kingdom. Berkeley [u.a.] : University of California Press, 1976, ISBN 978-0-520-02965-1, S. 15–21.
  8. Porter, Bertha ; Moss, Rosalind L. B.: Topographical bibliography of ancient Egyptian hieroglyphic texts, statues, reliefs, and paintings ; Bd. 5: Upper egypt : sites. Oxford : Griffith Inst., Ashmolean Museum, 1937, ISBN 978-0-900416-83-5, S. 165 f.
  9. Sauneron, Esna, Bd. 5, a.a.O., S. 254 (206.1)
  10. Stewart, Randall: Isnā. In: Atiya, Aziz Suryal (Hg.): The Coptic Encyclopedia ; Bd. 4: Ethi - John. New York : Macmillan, 1991, ISBN 978-0-02-897027-1, S. 1312.
  11. Sauneron, Serge: Les neuvième et dixième campagnes archéologiques à Esna (mars-avril 1967 et mars-avril 1968). In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale (BIFAO), ISSN 0255-0962, Bd. 67 (1969), S. 87-116, insbesondere S. 112.
  12. Sauneron, Serge: Les ermitages chrétiens du désert d’Esna. Le Caire : Inst. Français d'Archéologie Orientale du Caire, 1972. Vier Bände.
  13. Wilkinson, John Gardner: Modern Egypt and Thebes : being a description of Egypt ; including the information required for travellers in that country, Bd. 2. London : Murray, 1843, S. 267–269.
  14. Description de l’Égypte, Antiquités Texte, Band I, S. 366–397, Antiquités Planches, Band I, Tf. 72–90.
  15. Garstang, John: Excavations at Hierakonpolis, at Esna, and in Nubia. In: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte (ASAE), ISSN 1687-1510, Bd. 8 (1907), S. 132–148, insbesondere S. 145–148, Tafeln XIII–XV. Downes, Dorothy: The excavations at Esna 1905–6. Warminster : Aris & Phillips, 1974, ISBN 978-0-85668-006-9.
  16. Siehe Sauneron, Serge: Le Temple d’Esna, a.a.O., Band 5, 1962.
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