Nildelta
| Nildelta · دلتا النيل | |
| Fläche | etwa 24.000 km² |
|---|---|
| Länge | 160 km |
| Küstenlinie | 240 km |
Das Nildelta (arabisch: دلتا النيل, Diltā an-Nīl), das etwa 24.000 Quadratkilometer große Mündungsdelta des Nils, befindet sich im Norden Ägyptens und bildet den Hauptteil Unterägyptens. Es beginnt nördlich von Kairo und wird von der Mittelmeerküste im Norden begrenzt.
Orte
[Bearbeiten]- 1 Alexandria (الإسكندرية) − Die mediterrane Metropole und zweitgrößte Stadt Ägyptens liegt an der Mittelmeerküste. Sie wurde 331 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet und war ein wichtiges Zentrum des antiken Wissens und der Kultur. Bekannt ist sie wegen ihrer berühmte Bibliothek, die eine der größten Bibliotheken der antiken Welt war. Heute ist Alexandria ein bedeutendes Wirtschafts- und Kulturzentrum.
- 2 Banhā (بنها) – Im Norden des Gouvernements el-Qalyūbīya und am Damietta-Nilarm im Osten des Nildeltas gelegene Hauptstadt des Gouvernements. Neben dem Bahnhofsgebäude sind einige religiöse Stätten wie die Nasser/Nāṣir-Moschee und die Kirche der hl. Jungfrau Maria von Interesse. Im Nordosten der Stadt befindet sich die archäologische Stätte von Tell Atrīb/Athribis.
- 3 Bilbeis (بلبيس) – Stadt an der Stelle des antiken Phelbs.
- 4 Damanhūr (دمنهور) – Hauptstadt des Gouvernements el-Buḥeira.
- 5 Disūq (دسوق) (auch Dasuq oder Dusuq) – Kleinstadt am Ostufer des Rosetta-Nilarms, 23 Kilometer nordöstlich von Damanhūr und 29 Kilometer westlich von Kafr esch-Scheich. Hier wurde Ibrāhīm ed-Disūqī geboren. Der Imam und Sufi-Heilige begründete den sufischen Disūqī-Orden. In der Stadt befindet sich eine nach ihm benannte große Moschee. Im Oktober wird ihm zu Ehren ein Mulid begangen, an dem etwa eine Million Besucher teilnehmen.
- 6 Dumyāṭ (دمياط) , Damietta – Hauptstadt des Gouvernements Dumyāṭ mit mehreren islamischen und christlichen Monumenten, darunter die ʿAmr-ibn-el-ʿĀṣ-Moschee – die zweitälteste Moschee Ägyptens –, die el-Maʿeinī-Moschee und die Kirche der hl. Jungfrau mit der Körperreliquie des hl. Sīdhum Bischāi.
- 7 Fuwwah (فوه) – Stadt am nördlichen, rechten Ufer des Rosetta-Nilarms mit 64.290 Einwohnern (2006). In der Stadt befinden sich mehrere historische Moscheen. Alljährlich, Ende Oktober/Anfang November, wird das Heiligenfest des Abū el-Mukārim im Bereich seiner Grabmoschee begangen.
- 8 Kafr esch-Scheich (كفر الشيخ) – Hauptstadt des Gouvernements Kafr esch-Scheich. Wichtige Sehenswürdigkeiten der Stadt sind das archäologische Kafr-esch-Scheich-Museum und die Ṭalḥa-et-Talmasānī-Moschee.
- 9 el-Maḥalla el-Kubrā (المحلة الكبرى) – Größte Stadt des Nildeltas mit 443.000 Einwohnern (2006)[1] und bedeutende Industriestadt. Die Stadt verfügt zwar über Hotels, aber keine Sehenswürdigkeiten.
- 10 el-Manṣūra (المنصورة) – Hauptstadt des Gouvernements ed-Daqahlīya. Auf dem gegenüber liegenden Nilufer befindet sich die Schwesterstadt 11 Ṭalchā (طلخا) .
- 12 Raschīd (رشيد) (Rosetta) und 13 Burg Raschīd (برج رشيد) – Historisches Stadtzentrum und Festung.
- 14 Ṭanṭā (طنطا) – Die Hauptstadt des Gouvernements el-Gharbīya mit etwa 430.000 Einwohnern (2006)[1] besitzt eine sehenswerte Altstadt mit schönen Beispielen islamischer Architektur aus osmanischer Zeit. Alljährlich wird in der Stadt das größte islamische Heiligenfest Ägyptens, nämlich für den Sufi-Heiligen Saiyid Aḥmad el-Badawī, begangen.
- 15 Samannūd (سمنود) , das einstige Sebennytos – Die nordöstlich von Ṭanṭā und östlich von el-Maḥalla el-Kubrā gelegene Stadt mit 57.000 Einwohnern (2006)[1] war der Überlieferung nach eine der Stationen der heiligen Familie auf ihrer Flucht nach Ägypten. Neben der Kirche der hl. Jungfrau und des hl. Abā Nūb gibt es in der Stadt mehrere bedeutsame historische Bauten aus islamischer Zeit und einige Überreste aus pharaonischer Zeit.
- 16 Schibīn el-Kaum (شبين الكوم) – Hauptstadt des Gouvernements el-Minūfīya mit etwa 268.000 Einwohnern (2021).
- 17 Schubrā el-Cheima (شبرا الخيمة) – Die größte Stadt des Gouvernements el-Qalyūbīya und viertgrößte Stadt Ägyptens mit über einer Million Einwohnern befindet sich im Norden von Kairo und lässt sich mit der Kairoer Metro leicht erreichen. Hier befindet sich mit dem 1 Sommerpalast des Wālī/Gouverneurs Muḥammad ʿAlī (Regierungszeit 1805 bis 1848) aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die mit Abstand bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt.
- 18 ez-Zaqāzīq (الزقازيق) (Zagazig) − Hauptstadt des Gouvernements esch-Scharqīya. Im Südosten der Stadt befindet sich die antike Stätte Tell Basta (Bubastis).
- 19 Ziftā (زفتى) – Stadt am Westufer des Damietta-Nilarms mit etwa 93.000 Einwohnern (2006)[1]. Sehenswert sind das Stauwehr von Ziftā, einige historische Moscheen und die moderne Kirche des hl. Merkurius (Abū Seifein).
Weitere Ziele
[Bearbeiten]Küstennahe Seen
[Bearbeiten]An der Küste befinden sich im Bereich des Nildeltas drei große flache Seen:
- 1 Manzala-See (بحيرة المنزلة) – flacher Salzsee nördlich von Ṣān el-Ḥagar el-Qiblīya und westlich von Port Said, der zur Vogelbeobachtung geeignet ist.
- 2 Burullus-See (بحيرة البرلس) – In Küstennähe östlich von Raschīd gelegener 54 km langer Brackwassersee, für Vogelbeobachtungen geeignet.
- 3 Idkū-See (بحيرة إدكو) (31° 15′ 6″ N 30° 12′ 13″ O) – Brackwassersee zwischen Abū Qīr und Raschīd.
Westdelta
[Bearbeiten]
- 20 Abū Qīr (أبو قير) – Stadt an der Stelle des antiken Kanopus.
- 2 Sachā (سخا, das antike Xois) – Dorf mit der Kirche der hl. Jungfrau Maria.
- 3 Tell el-Farāʿīn (تل الفراعين, Buto) – archäologische Stätte. Für die nicht öffentliche Stätte benötigt man eine Genehmigung des Antikendiensts.
- 4 Mündung des Rosetta-Nilarms in das Mittelmeer.
Zentrales Delta
[Bearbeiten]- 4 Abu Sir Bana (أبو صير بنا) , das einstige Busiris – Dorf mit den Überresten der archäologischen Stätte.
- 5 Bahbit el-Higara (بهبيت الحجارة) – Dorf und archäologische Stätte.
- 6 Barrage du Nil (قناطر دلتا) oder Delta Barrage – Stauwehre westlich der Stadt 7 el-Qanāṭir el-Cheirīya (القناطر الخيرية) aus viktorianischer Zeit (Mitte des 19. Jahrhunderts). Insbesondere der Bereich beider Stauwehrabschnitte an der Spitze des Nildeltas verfügt über ausgiebige Parkanlagen und sehenswerter Gebäude. Insbesondere die Parkanlagen sind ein beliebtes Ausflugsziel der Einwohner von Kairo.
- 8 Sunbāṭ (سنباط) – Im Westen des 12 km nördlich von Ziftā gelegenen Dorfes mit etwa 20.600 Einwohnern (2006)[1] befindet sich mit der Kirche der hl. Rebekka (Rifqa) eine bedeutende Pilgerstätte. Sie ist die einzige Kirche für diese Heilige in Ägypten.
Ostdelta
[Bearbeiten]- 9 Daqādūs (دقادوس) – Dorf und Kirche der hl. Jungfrau Maria.
- 10 Deir el-Qiddīsa Damyāna (دير القديسة دميانة) – Kloster der hl. Damiana und der 40 Jungfrauen.
- 11 Mīt Damsīs (ميت دمسيس) – Dorf und Kloster des hl. Georg.
- 12 Qantīr (قنتير) – archäologische Stätte des antiken Pi-Ramesse.
- 13 Raʾs el-Barr (رأس البر) – bedeutendes Mittelmeer-Ferienresort im Norden von Dumyāṭ an der Westseite des Damiette-Nilarms.
- 14 Ṣān el-Ḥagar el-Qiblīya (صان الحجر القبلية) – Dorf mit der antiken Stätte von Tanis.
- 15 Tell Basta (تل بسطة, Bubastis) – Grabungsareal der altägyptischen Stadt Bubastis im Südosten der Stadt ez-Zaqāzīq. Neben Tanis ist sie die bedeutendste archäologische Stätte der 22. altägyptischen Dynastie, der sog. Bubastiden-Dynastie.
- 16 Tell eḍ-Ḍabʿa (تل الضبعة) – archäologische Stätte des antiken Avaris.
- 17 Tell er-Rubʿ (تل الربع) , das einstige Mendes – archäologische Stätte.
- 5 Mündung des Damietta-Nilarms in das Mittelmeer.
Zusätzliche Ziele sind in den Artikeln zu den einzelnen Gouvernements (Alexandria, el-Buḥeira, ed-Daqahlīya, Dumyāṭ, el-Gharbīya, Kafr esch-Scheich, el-Minūfīya, el-Qalyūbīya und esch-Scharqīya) gelistet.
Routen
[Bearbeiten]- Die Route agricole im Westdelta verbindet Kairo mit Alexandria, verläuft aber durch das Nildelta und nicht durch die Wüste.
- Teile der Fluchtroute der heiligen Familie nach Ägypten befinden sich im Nildelta.
Hintergrund
[Bearbeiten]Landschaft des Nildeltas
[Bearbeiten]Das Nildelta ist das Mündungsgebiet des Nils an der ägyptischen Küste des Mittelmeers. Das Delta ist fächerförmig, etwa in Gestalt eines kopfstehenden Deltas ∇ und gehört mit einer Fläche von 24.000 Quadratkilometern zu den größten Flussdeltas weltweit. Das Delta beginnt etwa 16 Kilometer nördlich von Kairo bei Qanatir el-Cheirat und besitzt nur ein geringes Gefälle von zwanzig Metern bis zum Mittelmeer. Heute gibt es in diesem Delta nur noch zwei Mündungsarme, den Damiette- und Rosetta-Arm. Das Delta wird aber noch von zahlreichen künstlich angelegten Kanälen durchzogen. Das Land ist flach, und die wenigen Hügel, die Tell oder Kōm genannt werden, sind die Überreste früherer, altägyptischer und griechisch-römischer Siedlungen.
Der Name Delta für dieses Gebiet, aber eben nur für das Nildelta, existierte bereits unter den Ioniern, auf die der Historiker Herodot (490/480 bis 424 v. Chr.) in seinen Historien Bezug nimmt.[2] Entlehnt wurde der Begriff vom Buchstaben Delt (Daleth) 𐤃 in der phönizischen Schrift, wo er die Bedeutung Tür besitzt, und er gelangte etwa in der Mitte des neunten vorchristlichen Jahrhunderts ins griechische Alphabet. Als technischer Begriff für alle derartigen Mündungsgebiete wird er erst vom Historiker Arrian (85–90 bis nach 145/146 n. Chr.) benutzt, indem er in seiner Indica und in der Alexandergeschichte die Flüsse Nil, Hindus und Donau verglich.[3] Ein Delta entsteht durch eine geringe Fließgeschwindigkeit im Fluss, so dass sich Sedimente ablagern können. Irgendwann geschieht es, dass der Fluss seine eigenen Ablagerungen umfließen muss und sich verlagert oder aufgabelt. Die Ablagerungen führten auch dazu, dass sich das Nildelta immer weiter in das Mittelmeer vorschob.
In römischer Zeit wurden noch sieben Mündungsarme gezählt, im Mittelalter noch fünf. In islamischer Zeit sind drei weitere Arme, der Sebennytische, der Bukolische und der Phatnische Arm, verlandet. In der Vergangenheit befanden sich im Delta zudem auch zahlreiche Seen und Sümpfe.
Das Aufstauen des Nils seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts führte und führt nun aber zu drastischen Veränderungen, weil kaum noch Sedimente zugeführt werden. Dadurch vergrößert sich das Delta nicht nur nicht mehr, sondern wird sogar durch die Meeresbrandung abgetragen. Als Folge der globalen Erwärmung steigt auch der Meeresspiegel, wodurch die küstennahen Bereiche überflutet werden und immer stärker versalzen.
Trotzdem gehört das Delta auch heute noch zu den fruchtbarsten Gebieten Ägyptens, und seine Fläche ist doppelt so groß wie die Fruchtlandstreifen im Niltal. Es ist Refugium für zahlreiche Arten an Fischen, Reptilien, Vögeln und Säugetieren. Hierzu gehören Schildkröten, Enten, Ibisse, Kormorane, Möwen, Regenpfeifer, Reiher, Schwalben und Mangusten. Krokodile und Flusspferde sind bereits ausgestorben. Das letzte Flusspferd wurde 1815 erlegt.
Geschichte des Nildeltas
[Bearbeiten]Deshalb verwundert es nicht, dass das Nildelta wegen seiner Fruchtbarkeit nachweislich seit prädynastischer Zeit kontinuierlich genutzt wird. Die ältesten Zeugnisse wurden in Buto, dem heutigen Tell el-Farāʿīn, von deutschen Archäologen freigelegt. Belege gibt es hier seit der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts, seit etwa 3.200 v. Chr., bis zum Ende des Alten Reichs, etwa 2200 v. Chr.[4] Größere Bedeutung erlangte das Nildelta in der Zweiten Zwischenzeit, etwa 1650–1550 v. Chr., als die sog. Hyksos-Fürsten von Avaris aus über Unterägypten regierten. Unter den Ramessiden-Königen in der 19. und frühen 20. Dynastie nahm die Präsenz sogar noch zu. Zeugnisse wie die Gräber und Tempel von Tanis stammen aus der Dritten Zwischenzeit, die etwa 1070–664 v. Chr. andauerte. Tempel wurden aber noch bis in die griechisch-römische Zeit errichtet und genutzt.
Auch im Mittelalter war das Nildelta bedeutsam: das Delta und seine Flussarme dienten immer wieder als Einfallstore nach Ägypten, so z. B. zur Zeit der Kreuzfahrer.
Trotz der langen Geschichte sind heute nur wenige Zeugnisse überliefert, die sich meist nur dem Liebhaber, Ägyptologen oder Archäologen erschließen. Bauten aus weniger dauerhaften Materialien wie Lehm und Holz wurden von Überflutungen und Regenfälle ausgewaschen und zerstört, und Bauern nutzen den nährstoffreichen Lehm der alten Siedlungen, den Sibāch, zur Düngung ihrer Felder. Statuen und Baufragmente wurden häufig verschleppt und an anderer Stelle wiederverwendet. Aufgrund der schlechteren Erhaltung, aber auch der schwierigeren Grabungsbedingungen gibt es im Nildelta im Vergleich zum Niltal nur wenige Grabungen und Restaurationen.
Heutige Nutzung
[Bearbeiten]Das Nildelta wird auch heute noch vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. Wie gesagt, ist seine Fläche doppelt so groß wie die landwirtschaftlich nutzbare Fläche des Niltals, oder mit anderen Worten, befinden sich hier zwei Drittel der Landwirtschaftsfläche Ägyptens. So lebt hier ein Großteil der ägyptischen Bevölkerung, in den acht Gouvernements, ohne Alexandria und Port Said, 2006 etwa 42 Prozent der Ägypter.[5] Auf dem Land leben etwa 70 Prozent der Bevölkerung, und immerhin ein Drittel ist auch in der Landwirtschaft tätig. Das starke Bevölkerungswachstum sowohl in den Städten und Dörfern, etwa zwei Prozent im Jahr, führt aber dazu, dass sich die Anbaufläche stetig verringert. Deswegen wurde seit der Mitte des 20. Jahrhunderts versucht, durch Trockenlegung der Küstenlagunen und Neulandgewinnung in den Wüsten im Osten und Westen des Deltas dem Bevölkerungswachstum entgegenzuwirken. Der Landgewinn beträgt aber nur etwa 15 Prozent, und die Flächen sind nur von geringer Güte. So gibt es in den Neulandgebieten kein ausreichendes Bewässerungswasser, und die Küstengebiete versalzen und vernässen. Das führt natürlich zu geringerer Qualität von Obst und Gemüse.
Zu den wichtigsten Produkten zählt nach wie vor die Baumwolle: hier wird in guter Qualität Westindische Baumwolle (Gossypium barbadense) angebaut. Dieser landwirtschaftliche Schwerpunkt hat seinen Ursprung in der britischen Besatzungszeit. Großbritannien benötigte infolge des Sezessionskrieges in den Südstaaten der USA, 1861–1865, alternative Bezugsquellen für Baumwolle, deren Anbau nun in Ägypten und Britisch-Indien erfolgte. Die durch Entkernung gewonnenen Baumwollsamen dienen auch der Herstellung von Pflanzenöl, das hauptsächlich in der Seifenindustrie eingesetzt wird.
An die Baumwollproduktion ist die Leinweberei, der größte Wirtschaftszweig im Nildelta, gekoppelt. An den etwa 30.000 Webstühlen werden jährlich etwa drei Millionen Tuche hergestellt und teilweise exportiert. Aber die Konkurrenz aus Südostasien macht mit ihren Textil-Billigimporten mittlerweile auch den Ägyptern zu schaffen.
Fischzucht und -fang wird vorwiegend in Farmen in den Lagunen, dem Burullus- und dem Manzala-See, betrieben, während der Meeresfischfang nur eine untergeordnete Rolle spielt. Erzeugt werden im Nildelta etwa 15 Prozent des gesamten ägyptischen Fischfangs. Aber auch hier gibt es Probleme: aufgrund der Gewässerverschmutzung durch Industrie- und Siedlungsabwässer besitzen die Fische nur eine geringere Qualität.
Der im 19. Jahrhundert von Raschīd nach Alexandria verlagerte Hafenbetrieb kehrt nur langsam ins Delta zurück. So wurde in Dumyāṭ ein Hafen für Containerschiffe angelegt, um den Hafen von Alexandria zu entlasten. In der gleichen Stadt setzte man mit der Ansiedlung der Möbelproduktion auf das Handwerk.
Der Tourismus, fast ausschließlich Binnentourismus, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Es gibt zwar Erholungstourismus z. B. in Raʾs el-Barr und Balṭīm mit etwa 400.000 ägyptischen Touristen jährlich und in stärkerem Maße koptisch-christlichen und islamischen Pilgertourismus z. B. nach Mīt Damsīs, Deir el-Qiddīsa Damyāna und Ṭanṭā. Die touristische Infrastruktur für Transport, Unterbringung, Verpflegung und Unterhaltung befindet sich aber nur auf geringem Niveau.
Anreise
[Bearbeiten]Mit der Bahn
[Bearbeiten]Das Eisenbahnnetz ist im Delta gut ausgebaut. Die Hauptstrecken führen von Kairo über Ṭanṭā nach Alexandria sowie von Kairo über Ṭanṭā, ez-Zaqāzīq und el-Manṣūra nach Dumyāṭ. Es gibt noch weitere Nebenstrecken, die häufig in Ṭanṭā und Banhā beginnen. Auf den Hauptstrecken verkehren auch Schnellzüge, die natürlich nur in den Großstädten halten.
Auf der Straße
[Bearbeiten]Natürlich lassen sich die Ziele auch mit dem Auto oder Taxi erreichen. Die Fahrt mit einem Taxi ist gar nicht so abwegig, weil die Fahrer den Weg und die überdimensionalen Straßenschwellen zur Verkehrsberuhigung, aber auch die Gefahren des Dorflebens mit Kindern und Tieren auf den Straßen kennen. Und können sie bei Problemen helfen.
Mit dem Bus
[Bearbeiten]Fernbusse verkehren zwischen Kairo und den Gouvernementshauptstädten und letzteren Städten untereinander. Zudem verkehren in kürzeren Zeitabständen auch Mikrobusse und Servicetaxis.
Wichtige Busbahnhöfe in Kairo sind ʿAbūd im Stadtteil Schubra und in der Nähe der Metroendhaltestelle Schubra el-Cheima.
Mit dem Flugzeug
[Bearbeiten]Flughäfen gibt es nur in 1 Borg El Arab (IATA: HBE) und 2 El Alamein (IATA: DBB) westlich von Alexandria sowie in 3 Kairo (IATA: CAI) .
Mobilität
[Bearbeiten]Mikrobusse und Servicetaxi bilden das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in die umliegenden Dörfer.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten]Im Nildelta gibt es Reihe bedeutsamer Städte mit ihren religiösen Bauten wie Moscheen und Kirchen sowie Märkten, die sich als echte ägyptische Städte fernab des Tourismus präsentieren. Aus der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen eine Reihe kolonialzeitlicher Bauten wie Paläste, Wohn- und Geschäftshäuser.
Wenn auch in geringem Maße, gibt es einfach zugängliche archäologische Stätten wie Tell Basṭa, das einstige Bubastis, und Ṣān el-Ḥagar el-Qiblīya, das einstige Tanis.
Landschaftlich unterscheidet sich das Nildelta deutlich vom Niltal. Man kann es mit einem Taxi oder mit 3.-Klasse-Zügen gut ergründen. Die Züge fahren langsam, Fenster fehlen häufig oder Türen stehen offen, was sich besonders für Fotografen anbietet. Von besonderem Reiz sind sicher die Küstenregionen mit den großen Lagunen und die Mündungen der beiden Nilarme in das Mittelmeer.
Aktivitäten
[Bearbeiten]Die flachen Lagunen sind ein Eldorado für Ornithologen, die in den Wintermonaten Vögel beim Durchzug und bei der Überwinterung beobachten können.
Im ganzen Land sind die im Nildelta durchgeführten Heiligenfeste, die Mūlids, bekannt. Im wortwörtlichen Sinne handelt es sich um Geburtstagsfeste, aber hier werden hauptsächlich Heilige der großen Religionen verehrt. Das bedeutendste islamische Mūlid ist das für den Sufi-Mystiker Saiyid Aḥmad el-Badawī in Ṭanṭā mit weit über einer Million Besuchern. Hier wird gehandelt und Musik gespielt, und Sufis führen ihre intensiven Gebetsrituale, die Dhikrs, durch. In Disūq wird das Heiligenfest zu Ehren des Sufi-Heiligen Ibrāhīm ed-Disūqī (etwa ab 10. Oktober) durchgeführt, in Fuwwa das des Abū el-Mukārim (Ende Oktober, Anfang November) und in Damanhūr das des Scheichs Abū Rīsch (Ende Oktober).
Christen brechen zu Pilgerfahrten z. B. in die Kirche des hl. Georg in Mīt Damsīs oder ins Kloster der hl. Damyāna auf. Bei Damanhūr wird zudem der marokkanische Rabbiner Abu Hatzeira verehrt. Eine Genehmigung zum Fest des Abu Hatzeira wurde aber in den letzten Jahren immer wieder staatlicherseits verweigert.
Sicherheit
[Bearbeiten]In den Städten und Dörfern gibt es kaum Allgemeinkriminalität.
In den Industriezentren kommt es auch zu Demonstrationen und Ausschreitungen, die man meiden sollte. Mit Anschlägen gegen Polizeidienststellen muss gerechnet werden.
Baden in den Flussarmen und Kanälen sollte unterlassen werden, da die Gefahr der Bilharziose (Schistosomiasis) besteht.
Klima
[Bearbeiten]Im Nildelta herrscht das ganze Jahr über mildes Klima. Von Oktober bis März, hauptsächlich im Januar, ist mit Regen und Stürmen an der Mittelmeerküste zu rechnen.
| Tanta | Jan | Feb | Mrz | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mittlere höchste Lufttemperatur in °C | 19 | 19 | 22 | 27 | 31 | 34 | 33 | 33 | 32 | 29 | 24 | 20 | Ø | 26.9 |
| Mittlere Lufttemperatur in °C | 12 | 13 | 14 | 18 | 22 | 25 | 26 | 26 | 24 | 22 | 18 | 14 | Ø | 19.5 |
| Mittlere tiefste Lufttemperatur in °C | 6 | 7 | 8 | 11 | 14 | 17 | 20 | 20 | 18 | 15 | 12 | 8 | Ø | 13 |
| Niederschläge in mm | 13 | 8 | 7 | 3 | 2 | 0 | 0 | 0 | 0 | 2 | 4 | 12 | Σ | 51 |
Tanta, Egypt: Climate, Global Warming, and Daylight Charts and Data, eingesehen am 19. Juli 2021. | ||||||||||||||
| Port Said, El Gamil | Jan | Feb | Mrz | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mittlere höchste Lufttemperatur in °C | 17 | 18 | 19 | 22 | 25 | 28 | 30 | 30 | 29 | 27 | 23 | 19 | Ø | 23.9 |
| Mittlere Lufttemperatur in °C | 14 | 15 | 17 | 20 | 22 | 25 | 27 | 27 | 26 | 24 | 20 | 16 | Ø | 21.1 |
| Mittlere tiefste Lufttemperatur in °C | 11 | 12 | 13 | 16 | 19 | 22 | 24 | 24 | 23 | 21 | 18 | 13 | Ø | 18 |
| Niederschläge in mm | 18 | 12 | 10 | 5 | 4 | 0 | 0 | 0 | 3 | 8 | 7 | 16 | Σ | 83 |
Port Said, El Gamil, Egypt: Climate, Global Warming, and Daylight Charts and Data, eingesehen am 19. Juli 2021. | ||||||||||||||
Respekt
[Bearbeiten]Das Nildelta zählt keineswegs zu den Touristengebieten, und die Bevölkerung ist eher konservativ. Angemessene Kleidung ist angesagt. Dies gilt auch für die wenigen Erholungsorte am Mittelmeer. Das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit wird alles andere als gern gesehen.
Ausflüge
[Bearbeiten]Das Wādī en-Naṭrūn, am Rande des Westdeltas und der Westlichen Wüste ist Stätte mehrerer bedeutender koptischer Klöster.
Literatur
[Bearbeiten]- : Ägypten : Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2006, Wissenschaftliche Länderkunden, ISBN 978-3-534-17420-1, S. 19, 56 f., 63, 115 f., 120, 123, 126, 130, 153, 175.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Einwohnerzahlen in el-Gharbīya nach dem ägyptischen Zensus von 2006, Central Agency for Public Mobilization and Statistics, eingesehen am 1. Februar 2015.
- ↑ Herodot, Historien, Buch II, § 15. Herodot erwähnt das Delta mehrere Male. Siehe z. B.: : Herodot’s von Halikarnaß Geschichte; Bd. 2. Stuttgart: Metzler, 1828, S. 194.
- ↑ : Delta as a Geographical Concept in Greek Literature. In: Isis <Chicago, Ill.>, ISSN 0021-1753, Bd. 57,3 (1966), S. 385–388, doi:10.1086/350146. — Indica, 1. Abt., Kapitel 2, § 3, z. B. : Arrians Indische Merkwürdigkeiten und Hannons Seereise. Braunschweig ; Wolfenbüttel: Meißner, 1764, S. 3. — Alexandergeschichte, 2. Band, 5. Buch, 3. Kapitel, z. B. : Arrians Feldzüge Alexanders; Bd. 2. Frankfurt am Main: Hermannsche Buchhandlung, 1792, Sammlung der neuesten Uebersetzungen der griechischen prosaischen Schriftsteller ; 7,2.
- ↑ Buto / Tell el Fara'in. Deutsches Archäologisches Institut.
- ↑ Egypt: Governorates, Major Cities & Towns. In: Citypopulation.de.

