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Bilbeis

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Nordseite der Kirche des hl. Georg
Nordseite der Kirche des hl. Georg
Bilbeis ·بلبيس
Gouvernement Scharqīya
Einwohner
141.285 (2006)
Höhe
17 m
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Lage
Lagekarte des Nildeltas in Ägypten
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Bilbeis

Die ägyptische Stadt Bilbeis (auch Bilbēs, Belbeis, Belbees, Bilbais, Bilbays, arabisch: ‏بلبيس‎, Bilbais) befindet sich im östlichen Nildelta am Westende des Wādī eṭ-Ṭumīlāt etwa 25 Kilometer südlich der Stadt ez-Zaqāzīq bzw. etwa 50 Kilometer nordöstlich von Kairo im ägyptischen Gouvernement esch-Scharqīya. Die Stadt, in der 2006 etwa 141.000 Einwohner[1] lebten, war eine Station auf der Flucht der heiligen Familie nach Ägypten.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Stadt war in pharaonischer Zeit Festungsstadt und gehörte zum 19. unterägyptischen Gau mit der Hauptstadt Bubastis. Ihren Namen in dieser Zeit kennt man nicht genau: vielleicht war er BA-st oder Per-bA-ir-st. Die Festungsanlagen gab es mindestens seit den Ramessiden (18./19. Dynastie), sie reichten evtl. in die Hyksoszeit, am Ende der 17. Dynastie, oder gar ins Mittlere Reich zurück. Während die Funde aus der Zeit des Nektanebos II. (30. Dynastie) aus hiesiger Bautätigkeit stammen, sind die Artefakte Ramses’ II. bzw. Merenptahs wohl hierher verschleppt worden.

Für die Christen, sie nennen diese Stadt Ⲫⲉⲗⲃⲉⲥ, Phelb[e]s, spielt diese Stadt eine große Rolle. Sie ist Teil der Landschaft Goschen, in der Jakob und seine Söhne mit ihren Ehefrauen und Kindeskindern lebten. Auch die heilige Familie gelangte von Bubastis kommend nach Bilbeis. Im Neuen Testament wird berichtet, dass die heilige Familie hier an einem Begräbnis des Sohnes einer Witwe teilnahm. Jesus fasste die Bahre des Verstorbenen an und befahl ihm, aufzustehen, und der Verstorbene begann nun wieder zu leben (Lk 7,11–17 EU).

Vom vierten bis ins elfte Jahrhundert war Bilbeis Bischofssitz. Aber von ihren zahlreichen Kirchen ist keine mehr erhalten.

In den 1160er-Jahren war die Stadt Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen den ägyptischen Fatimidenherrschern und den Königen von Jerusalem (u.a. Amalrich I.). Die anschließende Belagerung der Stadt durch die Kreuzfahrer brachte keine Besserung. Sowohl Muslime als auch Christen waren die Leidtragenden. Die Auseinandersetzungen endeten mit der Eroberung und Machtergreifung durch Saladin (Ṣalāḥ ad-Dīn Yūsuf bin Ayyūb) 1169 bzw. 1171. Saladin begründete in Ägypten die Dynastie der Ayyubiden.

Während der Zeit der napoleonischen Eroberung 1798 war die Stadt wieder Festungsstadt.

Anreise[Bearbeiten]

Auf der Straße[Bearbeiten]

Bilbeis erreicht man mit dem PKW von Kairo aus über die Ismailiya Road (Fernverkehsstraße 04), von der man nahe der Ramadan City auf die Bilbeis Road abbiegt. Die Mautgebühr für die Ismailiya Road beträgt LE 2.

Die Stadt lässt sich auch von ez-Zaqāzīq aus mit einem PKW oder Mikrobus erreichen. Ez-Zaqāzīq kann mit dem Zug von Kairo aus erreicht werden.

Mobilität[Bearbeiten]

Im Ort ist man auf ein PKW angewiesen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Moscheen[Bearbeiten]

  • 1 Moschee des Emirs (Prinzen) el-Geisch (مسجد أمير الجيش‎, Masǧid Amīr al-Ǧaisch), Schari' Sa'ad Zaghlul. Die Moschee wurde bereits 640 errichtet. Ihr heutiges Aussehen erhält sie nach einer Restauration im Jahre 1593. (30° 25′ 0″ N 31° 34′ 2″ O)
  • Große Moschee des vergessenen Scheichs (المسجد الكبير – مسجد الشيخ المنسي‎, al-Masǧid al-kabīr (Masǧid asch-Schaich al-Mansī)).

Kirchen[Bearbeiten]

Kirchenschiff der neuen, oberen Kirche
Kirche des hl. Georg3 Kirche des hl. Georg (كنيسة مارجرجس‎, Kanīsat Mār Ǧirǧis). Der Vorgängerbau der heutigen Kirche wurde vom späteren Vater Michail Ibrahim 1932 errichtet. Man berichtet, einem muslimischen Wächter sei von einem Reiter auf einem weißen Pferd, in dem man den hl. Georg zu erkennen glaubte, aufgetragen worden zu berichten, dass der von ihm gezeigte Platz für den Bau dieser Kirche genutzt werden sollte. Beim Ausheben des Erdreichs für das Fundament der alten Kirche soll man ein metallenes Kruzifix gefunden haben, das dann in das neue Fundament eingelassen wurde. (30° 25′ 17″ N 31° 33′ 58″ O)

1987 wurde die Kirche umgebaut. Die neue Kirche wurde über der alten errichtet, sie besteht nun aus zwei Etagen. Die untere Kirche enthält die Ikonostase und die Ikonen der alten Kirche. Die obere Kirche ist eine moderne Hallenkirche mit drei Allerheiligsten (Heikalen) für den hl. Thomas (links), den hl. Georg und für Amba Antonius. Linkerhand des Allerheiligsten des hl. Thomas wird eine Reliquie dieses Heiligen aufbewahrt. In der Nordostecke der Kirche befindet sich ein Holzmodell der Vorgängerkirche.

Vater Mina Ghobrial kann Sie durch die Kirche führen. Er spricht aber nur Arabisch.

Verschiedenes[Bearbeiten]

Der Sekem-Konzern betreibt hier seit 30 Jahren ökologische Landwirtschaft. Zum Konzern gehören ein Kindergarten, eine Schule, Lehrstätten, Textil- und Lebensmittelfabriken als auch eine Privatuniversität.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Im Monat Schawwāl, dem zehnten Monat des islamischen Kalenders, finden hier die Mulids (Geburtstagsfeierlichkeiten) für Abu Isa und Abu Alwan statt.

Einmal jährlich findet in Umkreis der Stadt ein Festival arabischer Pferde statt.

Einkaufen[Bearbeiten]

Bilbeis ist ein interessantes Städtchen, in dem man einiges kaufen kann. Unter anderem ist Goldschmuck sehr schön gearbeitet, nicht zu teuer und wirklich einmalige Stücke.

Küche[Bearbeiten]

  • El Sayed Abdel Ghany Restaurant, Port Said St. Mobil: +20 (0)100 135 2132.

Unterkunft[Bearbeiten]

Die Stadt Bilbeis verfügt über keine (klassifizierten) Hotels. Unterkünfte wird der Reisende im relativ nahe gelegenen Kairo wählen.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch der Stadt lässt sich mit weiteren Stätten entlang der Fluchtroute der heiligen Familie verbinden, so mit ez-Zaqāzīq, Daqādūs, Samannūd und Sachā.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wiet, G[aston]: Bilbays. In: Gibb, Hamilton Alexander Rosskeen (Hg.): The Encyclopaedia of Islam : Second Edition ; Bd. 1: A - B. Leiden : Brill, 1960, ISBN 978-90-04-08114-7, S. 1218.
  • Timm, Stefan: Bilbēs. In: Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit ; Bd. 1: A - C. Wiesbaden : Reichert, 1984, (Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients : Reihe B, Geisteswissenschaften ; 41,1), ISBN 978-3-88226-208-7, S. 401–406.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen nach dem ägyptischen Zensus von 2006, Central Agency for Public Mobilization and Statistics, eingesehen am 16. Dezember 2014.
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