Navajo Nation
| Navajo Nation | |
| Fläche: 70999 km² |
Die Navajo Nation ist die Bezeichnung für das im Südwesten der USA lebende Volk der indigenen Navajos, deren Bevölkerung sich in den gesamten USA auf 332.000 Stammes-Angehörige beläuft. Im 70.999 km² großen Reservat der 1 Navajo Nation Reservation – dem größten Reservat in den USA – lebt mit 170.000 Einwohnern etwa die Hälfte aller Stammesangehörigen. Informelle Hauptstadt und Verwaltungssitz ist Window Rock mit rund 2500 indigenen Einwohnern auf 2082 Metern Höhe.
Hintergrund
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Im Südwesten der USA lebten bis 1275/1286 die Anasazi, als sie durch eine große Dürre vertrieben wurden. Die Navajo kamen wahrscheinlich zwischen 1380 und 1525 aus Westkanada[1], denn ihre Sprache gehört der athabaskischen Sprachfamilie an.
Die Navajo nennen sich selbst Diné (oder Tinneh, „Volk“).[2] Das Wort „Navajo“ stammt aus der Tewa-Sprache, wo „navahu'u“ so viel bedeutet wie „Farmland im Tal“.
Der größte Teil des Reservats liegt im nordöstlichen Arizona, es erstreckt sich auch auf das nordwestliche New Mexico und das südöstliche Utah.
Geschichte
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Die ersten Kontakte zu Indigenen hatte der spanische Kapitän Pánfilo de Narváez nach seiner Landung am 12. April 1528 an Floridas Westküste.[3] Bei heftigen Kämpfen mit den Indianern kamen viele Spanier durch Pfeile ums Leben, einige Spanier wurden gefangen genommen, darunter auch Álvar Núñez Cabeza de Vaca. Nach seiner Freilassung am 1. April 1536 startete er mit weiteren Spaniern eine Überland-Expedition über den Rio Grande del Norte und Sinaloa bis nach Mexiko. Im Mai 1539 erreichte der Voraustrupp des Jesuitenpaters Marcos de Niza die sagenumwobene Goldstadt Cibola, die sich jedoch als einfaches Navajo-Dorf erwies.
Die Navajo mussten sich häufig gegen Eindringlinge wehren, was in der historischen Fachliteratur als „Navajo-Kriege“ zusammengefasst wird. Sie waren geprägt um Konflikte über Land, Ressourcen und kulturelle Gebietshoheit. Die erste Kriegsperiode gab es gegen die Spanier (1583 bis 1821), die zweite gegen die mexikanische Regierung (1821 bis 1848) und die dritte gegen die US-Regierung (1848 bis 1866).
Mit Weißen kamen die Navajo erstmals am 17. Februar 1583 in Kontakt, als sie in der Höhe des heutigen Albuquerque (damals Puaray) von Antonio de Espejo für den Tod von zwei Padres verantwortlich gemacht wurden.[4] Ab 1675 wurden die Indigenen und auch Navajo in Kriege mit weißen Siedlern – aber auch in Kriege der Indigenen untereinander – verwickelt.
Oberst Alexander W. Doniphan verhandelte am 21. November 1846 bei 1 Bear Spring mit dem Navajo-Häuptling Zarcillos Largos. Er informierte den Navajo darüber, dass New Mexico nunmehr zu den USA gehöre (erst am 9. September 1850 vollzogen), so dass amerikanisches Recht gelte, das auch die Navajos zu befolgen hätten. Nach breiter Zustimmung kam es am 22. November 1846 zu dem Friedensabkommen von 2 Ojo del Oso.[5] Am 29. August 1758 entstand das erste Indianer-Reservat der Brotherton Indian Reservation im Süden von New Jersey, das heutige Indian Mills. Sie war Vorbild für weitere Reservate, so auch das am 1. Juni 1868 gegründete Reservat für die Navajos.
Nach der Fertigstellung des Militärpostens Fort Defiance im September 1851 wurden die Navajos aufgefordert, ihr Vieh aus der Nähe des Forts zu entfernen. Im September 1858 überfielen die Soldaten zahlreiche Navajo-Dörfer einschließlich des Canyon de Chelly. Die Navajos reagierten hierauf am 30. April 1860 und attackierten Fort Defiance, das daraufhin im April 1861 aufgegeben wurde.[6] Zwischen 1789 und 1898 wurden insgesamt 1240 Schlachten und Gefechte zwischen der US-Armee und Indigenen gezählt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden ab Mai 1942 etwa 420 Navajos als Funker (englisch: code talker) ausgebildet. Sie entwickelten mit Hilfe ihrer Navajo-Sprache einen Code, den die Japaner nicht entschlüsseln konnten und retteten daher das Leben vieler Soldaten.
Die Navajo Nation wurde am 27. Juli 1923 gegründet, am 21. Mai 1968 wurden Wappen und Siegel der Navajo Nation festgelegt.
Die Navajos waren im Gegensatz zu den Apachen sesshaft und bauten aus Stein, Lehm und Strohgeflechten kuppeldachähnliche Rundhütten (Hogans) für etwa 10 Personen.
Klima, Flora und Fauna
[Bearbeiten]Im Südwesten der USA beginnt der Sommer im Mai und bleibt bis September. Es gibt im Jahr mindestens 54 Tage mit Temperaturen über 32 °C, Spitzenwerte überschreiten häufig auch 38 °C. Die Sommernächte sind − je nach Höhenlage − angenehm kühl, die Temperaturen fallen nach dem Sonnenuntergang schnell. Im Winter ist es kühl, wobei die Tagestemperaturen meist über dem Gefrierpunkt liegen. Wintertemperaturen unterhalb von −18 °C sind ungewöhnlich, aber möglich. Der Niederschlag im Jahr liegt unter 250 mm, so dass die Bedingungen einer Wüste erfüllt sind.
Unter den 51 Säugetierarten in der Region gibt es Berglöwen, Kojoten und verschiedene Hasenarten, darunter auch Weiß-Schwanz-Hasen. Auch Wüstenkaninchen, Stinktiere und Maultierhirsche sind anzutreffen. Sie müssen den widrigen klimatischen Bedingungen ebenso trotzen wie die wenigen Pflanzenarten in dieser vegetationsarmen Gegend wie Kaninchenbürste, Klippenrose, Lila Salbei oder Mojave-Yucca. Nur wenige Bäume wachsen hier: Pinyon-Kiefern und Wachholder.
Anreise
[Bearbeiten]Die nächstgelegenen großen Flughäfen sind der Phoenix Sky Harbor International Airport (IATA: PHX) in Phoenix und der Albuquerque International Sunport (IATA: ABQ) in Albuquerque. Um von dort weiterzukommen, sollte man einen eigenen PKW (Mietwagen) zur Verfügung haben.
Gliederung
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Als Enklave innerhalb des Navajo Nation Reservation gibt es seit dem 19. Dezember 1936 die 3 Hopi-Reservation; in der Karte der weiße Fleck.
Regionen
[Bearbeiten]Die Navajo Nation wird in folgende Counties eingeteilt:
- Utah
- Arizona
- New Mexico
Formal gehören auch der Nordteil des Petrified Forest-Nationalparks und die benachbarte Painted Desert hinzu.
Ortschaften
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Wichtige Orte sind:
- Utah
- Arizona

- 8 Cameron
- 9 Chinle
- 10 Dilkon
- 11 Fort Defiance
- 12 Ganado
- 13 Greasewood
- 14 Kayenta
- 15 Leupp
- 16 LeChee
- 17 Page
- 18 Red Mesa
- 19 Sawmill
- 20 Shonto
- 21 Teec Nos Pos
- 22 Tolani Lake
- 23 Tsaile
- 24 Tuba City
- 25 Window Rock
- New Mexico
- 26 Beclabito
- 27 Crystal
- 28 Farmington*
- 29 Little Water
- 30 Navajo
- 31 Newcomb
- 32 Rattlesnake
- 33 Sanostee
- 34 Sheep Springs
- 35 Standing Rock
- 36 Tohatchi
Mit Stern (*) gekennzeichnete Ortschaften liegen außerhalb der Reservation, aber in deren unmittelbarer Nachbarschaft.
Organisation
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Die Navajo Nation Reservation hat einen Präsidenten und das Parlament Navajo Nation Council Chambers. Hierin sitzen 88 Delegierte, die 110 Navajo-Gemeinden vertreten.[7]
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten]An der indigenen Geschichte und Kultur Interessierte können zwischen folgenden Sehenswürdigkeiten auswählen:
| Name | Foto | Übernachtungsorte | Was es hier zu sehen gibt |
|---|---|---|---|
| 4 Agathla Peak (El Capitano) | Mexican Hat, Kayenta | Markanter, 370 Meter hoher Felsen, Ruine eines ehemaligen Vulkans, auf halben Wege zwischen Kayenta und Monument Valley. | |
| 5 Antelope Canyon | Page | Einer der berühmtesten Slot Canyons der Welt, Traum-Motiv wohl aller Fotografen. Leider nur im Rahmen geführter Touren zugänglich. Wer sich im Gedränge dieser sehr stark nachgefragten Schlucht nicht wohlfühlt, findet rund um Page zahlreiche weitere, weniger stark besuchte Slot Canyons. | |
| 6 Bisti/De-Na-Zin Wilderness | Bloomfield, Farmington | Einige der bizarrsten Erosionsformen, die weltweit zu finden sind. | |
| 7 Canyon de Chelly National Monument | Gallup | Dramatischer Canyon mit zahlreichen interessanten geologischen und archäologischen Merkmalen, darunter auch die in einer Felswand gelegenen White House Ruins, die vor rund 1000 Jahren von Pueblo-Indianern erbaut worden sind. Verwaltet wird der Park von den Vereinigten Staaten, das Land gehört jedoch den Navajos. | |
| 1 Four Corners Monument | Bluff, Cortez | Die einzige Stelle in den USA, an der vier Bundesstaaten sich berühren. | |
| 1 Hubbell Trading Post National Historic Site | Holbrook | Ein 1876 eröffneter Handelsposten am Rande der Ortschaft Ganado, der bis heute in Betrieb ist. | |
| 8 Monument Valley | Mexican Hat | Keine andere Gegend repräsentiert den „wilden Westen” so wie das Monument Valley, Drehort vieler Western-Filme. Wenn man vor oder nach einem Besuch im Monument Valley schon einmal in der Nähe von Mexican Hat ist, lohnt es sich, auch den Goosenecks State Park und das Valley of the Gods zu besuchen. Mehr dazu im Artikel Canyon Country. | |
| 1 Navajo Moenave Dinosaur Tracks | Page, Flagstaff | Archäologische Stätte in Tuba City, in der viele Fußabdrücke prähistorischer Tiere zu sehen sind. | |
| 2 Navajo Nation Museum | Gallup | Das größte Museum der USA zur Kultur und Geschichte der Navajos in Window Rock. | |
| 9 Navajo Nation Zoological and Botanical Park | Gallup | In Window Rock liegt dieser kleine Zoo, in dem man auch die regionale Fauna studieren kann. | |
| 3 Navajo National Monument | Mexican Hat | Drei relativ gut erhaltene Pueblokomplexe aus dem 13. Jahrhundert. | |
| 4 Rainbow Bridge National Monument | Page | Die größte natürliche Steinbrücke der Welt. Nur mit organisierten Bootstouren auf dem Lake Powell zugänglich. | |
| 10 Shiprock Pinnacle | Farmington | Markanter 483 Meter hoher Felsen 16 km südwestlich des Ortes Shiprock. Von Route 64 und Route 491 aus schon weithin zu sehen. | |
| 11 Window Rock | Gallup | Direkt bei den Navajo Nation Council Chambers in Window Rock, dem Verwaltungssitz der Navajo Nation, liegt dieses natürliche Felsentor. |
Sehenswert sind auch der 12 Mexican Hat Rock und der 13 Lake Powell Navajo Tribal Park , ein Museum mit Artefakten über die Kulturgeschichte der Navajos.
Sprache
[Bearbeiten]Die Sprache der Navajos heißt ebenfalls Navajo, die für nicht Eingeweihte schwer zu sprechen ist. Die meisten Navajos sprechen auch amerikanisches Englisch. Die Navajo Nation heißt in der Navajo-Sprache „Naabeehó Bináhásdzo“.
Einkaufen
[Bearbeiten]Die Einkaufsmöglichkeiten beschränken sich in und rund um die Reservation meist auf kleine Convenience Stores. Wer sich im Supermarkt versorgen möchte, ist gut beraten, dies vorab zu planen. Die einzigen Orte rund um die Reservation, die einen großen Supermarkt haben, sind: Cortez, Farmington, Gallup, Holbrook, Flagstaff und Page. Innerhalb der Reservation findet man Supermärkte – meist der regionalen Bashas-Kette - in Kayenta, Pinon, Tuba City, Dilkon und Chinle. Der Verkauf und Besitz von Alkohol ist in der Reservation verboten. Souvenirs der Navajos (Türkis-Schmuck, Amulette, Federschmuck, Mokassins usw.) werden überall angeboten. Man sollte sich vergewissern, dass diese Souvenirs nicht industriell hergestellt wurden.
Aktivitäten
[Bearbeiten]Wandern auf zahlreichen Wanderwegen, Kanufahrten und Angeln auf Seen.
Sicherheit
[Bearbeiten]Innerhalb der Grenzen der Navajo Nation Reservation ist die Sicherheit vor Kriminalität sehr hoch. Es besteht ein striktes Alkoholverbot, das den Verkauf, Besitz oder Konsum von Alkohol in jeder Form untersagt. Das übereifrige Navajo Police Department überwacht das Verbot auch hinsichtlich von Drogen jeder Art. Auch Tabak in Form von Zigaretten oder Zigarren ist – außer bei indigenen Zeremonien und in geschlossenen Räumen – verboten. Navajos dürfen nicht ohne deren Einverständnis fotografiert werden.
Das aride Klima führt schnell zur Dehydrierung, so dass für ausreichenden Getränkevorrat gesorgt werden muss.
Literatur
[Bearbeiten]- Bernard L. Fontana, A Guide to Contemporary Southwest Indians, Southwest Parks and Monuments Association, 1999, S. 45 ff; ISBN 978-1877856778
- Betty Reid/Joel Grimes, Navajo – Portrait of a Nation, Westcliffe Publishers Inc., 1992, ISBN 1-565790057.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Hal Rothman, Navajo National Monument, Indiana University/Southwest Regional Office, Division of History, 1991, S. 5
- ↑ Wolfgang Lindig (Hrsg.), Lexikon der Völker, Stichwort: Navajo, Verlag C. H. Beck, 1986, S. 259; ISBN 3-406312969
- ↑ Sophus Ruge, Die Entwickelung der Kartographie von Amerika bis 1570, Perthes-Verlag, 1892, S. 26
- ↑ Michael Golay/John S. Bowman, North American Exploration, Turner Publishing, 2003, S. 149
- ↑ Joseph G. Dawson, Doniphan's Epic March, University Press of Kansas, 1999, S. 98 ff.
- ↑ Bud Hannings, Forts of the United States, McFarland, 2020, S. 20 f.
- ↑ Marita Bromberg/Dirk Kruse-Etzbach, USA-Südwesten, Iwanowski's Reisebuchverlag, 11. Auflage, 2017, S. 319
