Gharbīya
| Gouvernement el-Gharbīya محافظة الغربية | |
| Hauptstadt | Tanta |
|---|---|
| Einwohnerzahl | 4.999.633 (2017) |
| Fläche | 1.942 km² |
| Postleitzahl | 31xxx |
| Vorwahl | +20 (0)40 |
| Webseite | gharbeia.gov.eg |
Das ägyptische Gouvernement el-Gharbiya, arabisch: محافظة الغربية, Muḥāfaẓat al-Gharbīya, „Gouvernement ‚das westliche‘“, liegt im Zentrum des Nildeltas. Es grenzt im Norden an das Gouvernement Kafr esch-Scheich, im Osten an das Gouvernement ed-Daqahlīya, im Süden an das Gouvernement el-Minūfīya und im Westen an das Gouvernement el-Buḥeira. Das Verwaltungszentrum ist Tanta.
Orte
[Bearbeiten]- 1 Ṭanṭā (طنطا) – Die Hauptstadt des Gouvernements el-Gharbīya mit etwa 430.000 Einwohnern (2006)[1] besitzt eine sehenswerte Altstadt mit schönen Beispielen islamischer Architektur aus osmanischer Zeit. Alljährlich wird in der Stadt das größte islamische Heiligenfest Ägyptens, nämlich für den Sufi-Heiligen Saiyid Aḥmad el-Badawī, begangen.
- 2 el-Maḥalla el-Kubrā (المحلة الكبرى) – Größte Stadt des Nildeltas mit 443.000 Einwohnern (2006)[1] und bedeutende Industriestadt. Die Stadt verfügt zwar über Hotels, aber keine Sehenswürdigkeiten.
- 3 Samannūd (سمنود) , das einstige Sebennytos – Die nordöstlich von Ṭanṭā und östlich von el-Maḥalla el-Kubrā gelegene Stadt mit 57.000 Einwohnern (2006)[1] war der Überlieferung nach eine der Stationen der heiligen Familie auf ihrer Flucht nach Ägypten. Neben der Kirche der hl. Jungfrau und des hl. Abā Nūb gibt es in der Stadt mehrere bedeutsame historische Bauten aus islamischer Zeit und einige Überreste aus pharaonischer Zeit.
- 4 Ziftā (زفتى) – Stadt am Westufer des Damietta-Nilarms mit etwa 93.000 Einwohnern (2006)[1]. Sehenswert sind das Stauwehr von Ziftā, einige historische Moscheen und die moderne Kirche des hl. Merkurius (Abū Seifein).
Weitere Ziele
[Bearbeiten]- 1 Abu Sir Bana (أبو صير بنا) , das einstige Busiris – Dorf mit den Überresten der archäologischen Stätte.
- 2 Birmā (برما) (30° 50′ 44″ N 30° 54′ 32″ O) – Dorf mit 21.386 Einwohnern (2006),[1] elf Kilometer nördlich von Ṭanṭā. Die hiesige Kirche des hl. Georg war die erste Kirche Ägyptens, die dem hl. Georg geweiht wurde. Die heutige Kirche wurde 1611 errichtet. Die Reliquien dieses Heiligen wurden im 14. Jahrhundert in das Samuel-Kloster in el-Qalamūn überführt. Am 3. Ba'una (10. Juni) findet hier alljährlich eine Pilgerprozession statt.[2]
- 3 Ibyār (إبيار) (30° 50′ 19″ N 30° 51′ 49″ O) – Dorf mit 28.779 Einwohnern (2006),[1] etwa fünf Kilometer nordöstlich von Kafr ez-Zayāt und 15 Kilometer von Ṭanṭā gelegen, mit der Kirche des Menasklosters und der Kirche der hl. Jungfrau, deren Ursprünge in das 13. Jahrhundert zurückreichen. Das Menaskloster befindet sich etwa 1,7 Kilometer nordwestlich des Dorfes. Aus ayyubidischer Zeit und dem 19. Jahrhundert stammen islamische Bauwerke wie die Moschee des Sīdī Aḥmad el-Bagm.
- 4 Maḥallat Marḥūm (محلة مرحوم) (30° 48′ 2″ N 30° 57′ 35″ O) – Kleinstadt mit 36.843 Einwohnern (2006),[1] sechs Kilometer nordöstlich von Ṭanṭā. Die heutige Kirche des hl. Georg aus dem Jahr 1860 wurde an der stelle eines Vorgängerbaus aus dem 15. Jahrhundert errichtet. Im Juli findet hier alljährlich eine Pilgerprozession für den hl. Georg statt.[2]
- 5 Ṣa el-Ḥagar (صا الحجر) , das einstige Sais – Dorf mit einer archäologischen Stätte, die aber heutzutage fast verloren gegangen ist.
- 6 Sibirbāi (سبرباي) (30° 49′ 12″ N 31° 0′ 38″ O) – Kleinstadt mit 31.733 Einwohnern (2006),[1] fünf Kilometer nordöstlich von Ṭanṭā. Am 12. Ba'una (6. Juni) findet alljährlich eine Pilgerprozession zur Kirche des Erzengels Michael statt.[2] In der Kleinstadt wurde das dritte SOS-Kinderdorf Ägyptens eingerichtet. Der Kindergarten bietet 90 Kindern Platz.[3]
- 7 Sunbāṭ (سنباط) – Im Westen des 12 km nördlich von Ziftā gelegenen Dorfes mit etwa 20.600 Einwohnern (2006)[1] befindet sich mit der Kirche der hl. Rebekka (Rifqa) eine bedeutende Pilgerstätte. Sie ist die einzige Kirche für diese Heilige in Ägypten.
Hintergrund
[Bearbeiten]Lage
[Bearbeiten]Das Gouvernement el-Gharbīya liegt im Nildelta, und zwar zwischen dem westlichen Rosetta- und dem östlichen Damietta-Nilarm. Die Südspitze des Nildeltas wird vom Gouvernement el-Minūfīya ausgefüllt. Nördlich des Gouvernements liegen die Gouvernements Kafr esch-Scheich und ed-Daqahlīya, die beide bis zum Mittelmeer reichen. Die Lage des Gouvernements westlich des Damietta-Nilarms erklärt seinen Namen aus früher islamischer Zeit: el-Gharbīya. das westliche (Gouvernement).
Geschichte
[Bearbeiten]In fatimidischer Zeit (969–1171) wurde Unterägypten in vier Provinzen unterteilt, wozu el-Gharbīya und el-Minūfīya gehörten. El-Gharbīya umfasste fast das gesamte Nildelta zwischen Rosetta- und Damietta-Nilarm und reichte in dieser Zeit bis zum Mittelmeer. Die erste Hauptstadt war el-Maḥalla el-Kubrā. Unter dem Fatimiden-Kalifen el-Mustanṣir bi-llāh (Kalifat 1036–1094) und in ayyubidischer Zeit (1171–1250) kam es zu Neuzuschnitten der Verwaltungsregion, zum Teil unter neuen Namen.
In mamlukischer Zeit (1250–1517) wurden weitere Gebiete abgetrennt. Die umfangreichste Gebietsneuaufteilung fand unter dem Sultan en-Nāṣir Muḥammad ibn Qalāwūn (Sultan von 1285–1341) ab 1315 im Rahmen des Landvermessungsprojekts er-Rūk en-Nāsirī statt.
1527, in früher osmanischer Zeit (1517–1798/1805), wurde die Provinz wieder als el-Gharbīya bezeichnet. Die Osmanenherrschaft endete 1798 mit dem französischen Ägypten-Feldzug (1798–1801). Unter der französischen Besatzung erfolgte ein weiterer Neuzuschnitt der Provinz. Teile des Gebiets gelangten nach el-Minūfīya, Rosetta und Damietta wurden abgetrennt und die Hauptstadt zeitweilig nach Samannūd verlegt. Drei Tage später wurde die alte Hauptstadt, el-Maḥalla el-Kubrā, von den Franzosen bombardiert.
1833 erfolgte unter dem Wālī/Gouverneur der osmanischen Provinz Ägypten Muḥammad ʿAlī Pascha (Regentschaft 1805–1848) eine Neuorganisation der Landesverwaltung. 1836 wurde die Hauptstadt von el-Maḥalla el-Kubrā nach Ṭanṭā aufgrund der besseren geografischen Lage dieser Stadt verlegt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden el-Minūfīya und el-Gharbīya zeitweilig zusammengelegt.
Zwischen 1919 und 1935 fanden Demonstrationen und Aufstände in el-Maḥalla el-Kubrā, Samannūd, Ṭanṭā und Ziftā gegen die britische Besatzung statt. Eine Besonderheit erlangte 1919 die Republik von Ziftā, die sich von der ägyptischen Krone unabhängig erklärte.
Aufgrund der Größe von el-Gharbīya wurden in Verwaltungsreformen zwischen 1941 und 1955 wurden Gebiete abgetrennt und nach el-Minūfīya und ed-Daqahlīya verlagert sowie das neue Gouvernement Kafr esch-Scheich 1949 gebildet.
Bei der Volkszählung von 1986 wurden etwa 98 % Sunni-Muslime, knapp 2 % Christen und drei Juden erfasst. Jüdische Communities mit Synagogen gab es in Ṭanṭā, el-Maḥalla el-Kubrā, Ziftā und Kafr ez-Zaiyāt sowie eine jüdische Schule in Ṭanṭā.
Das Wappen des Gouvernements zeigt die Kuppel und ein Minarett der Saiyid-Aḥmad-el-Badawī-Moschee in Ṭanṭā, und der Zahnkranz bezieht sich auf Industrieunternehmen vorrangig in el-Maḥalla el-Kubrā.
Wirtschaft
[Bearbeiten]Hauptwirtschaftszweig ist die Landwirtschaft. Angebaut werden vorwiegend Weizen, Mais, Reis, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch, Gemüse, Weintrauben, Zuckerrüben, Gewürze wie Kreuzkümmel, Obstbäume, Dattelpalmen, Jasmin sowie Flax. Das Gouvernement fällt leicht von Osten nach Westen ab, so dass es über Kanäle aus dem Damietta-Nilarm bewässert werden kann. Der Abfluss des Wassers wird über das 1903 errichtete Ziftā-Stauwehr reguliert. Kritisch für die Qualität der angebauten Erzeugnisse ist die zunehmende Belastung der Böden mit Schwermetallen insbesondere im Bereich von Industriebetrieben. Weiterhin wird Viehzucht (Rinder, Geflügel) und Fischfang betrieben.
Zu den wichtigen Industrieunternehmen zählen Spinnereien und Webereien in el-Maḥalla el-Kubrā und Samannūd, Textilfabriken in Ṭanṭā, Samannūd und Ziftā sowie Färbereien. Weitere Erzeugnisse sind Dünge- und Pflanzenschutzmittel, Lebensmittel, Öle, Seifen und Parfüme sowie Möbel.
Tourismus dient hauptsächlich der Erholung und für religiöse Zwecke, jedoch kaum für Kultur-, Bildungs- oder Städtetourismus. Zwar gibt es pharaonische Hinterlassenschaften in Ṣā el-Ḥagar (das antike Sais), Bahbīt el-Ḥigāra (Iseum), Samannūd (Sebennytos) und Abū Ṣīr Banā (Busiris). Diese archäologischen Stätten sind aber nur schwer zugänglich. In Ṭanṭā befindet sich das einzige Museum des Gouvernements, in dem auch Kleinfunde aus anderen Regionen des Gouvernements ausgestellt sind.
Anreise
[Bearbeiten]Mit dem Flugzeug
[Bearbeiten]Das Gouvernement besitzt keinen Flughafen. Diese gibt es im Osten von Kairo, in der Nähe der 6th of October City und bei Alexandria.
Mit dem Zug
[Bearbeiten]Die Städte Ṭanṭā, Maḥalla el-Kubrā und Samannūd sind leicht mit dem Zug erreichbar. Ṭanṭā liegt an der Bahnstrecke Kairo–Alexandria, Maḥalla el-Kubrā und Samannūd an der Strecke Kairo–Dumyāṭ.
Auf der Straße
[Bearbeiten]Das Gouvernement wird von zahlreichen Straßen durchzogen. Wichtige Straßen sind die Tanta–El-Santa–Zefta-Fernverkehrsstraße und die Landwirtschaftsstraße Kairo–Alexandria.
Zudem verkehren Fernbusse von Kairo und Alexandria nach Ṭanṭā. Von den Städten sind auch die Dörfer im Umland mit Minibussen erreichbar.
Mobilität
[Bearbeiten]Von Ṭanṭā, el-Maḥalla el-Kubrā, Samannūd und Ziftā verkehren Mikrobusse und Service-Taxis zu verschiedenen Zielen im Gouvernement.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten]Zu den bedeutenden Sehenswürdigkeiten zählen die islamische Altstadt von Ṭanṭā mit der Saiyid-Aḥmad-el-Badawī-Moschee, die Altstadt von Samannūd mit mehreren islamischen Bauwerken, Überresten aus dem alten Ägypten und der Kirche der hl. Jungfrau und des Abā Nūb, einer Station auf der Fluchtroute der hl. Familie, Sunbāṭ mit der Kirche der hl. Rebekka und das Stauwehr bei Ziftā.
- El-Aḥmadī-Sabīl in Ṭanṭā
- Kirche der hl. Jungfrau und des Abā Nūb in Samannūd
- Überreste des einstigen Tempels von Sebennytos in Samannūd
- Kirche der hl. Rebekka in Sunbāṭ
Aktivitäten
[Bearbeiten]Im Gouvernement finden verschiedene Heiligenfeste statt. Alljährlich wird in Ṭanṭā Anfang Oktober das größte islamische Heiligenfest Ägyptens, nämlich für den Sufi-Heiligen Saiyid Aḥmad el-Badawī, begangen.
Zudem gibt es mehrere koptische Pilgerprozessionen wie die für den hl. Georg in Birmā (3. Ba'una/Paoni, 10. Juni) und Maḥallat Marḥūm (im Juli), für den hl. Menas im Menaskloster von Ibyār (15. Ba'una, 22. Juni), für den Erzengel Michael in Sibirbāi (12. Ba'una, 19. Juni), für die hl. Rebekka in Sunbāṭ (7. Tut, 17. September) und in Samannūd zur Kirche der hl. Jungfrau und des Abā Nūb (23. Ba'una, 30. Juni; 24. Abib/Ebib, 31. Juli).
Sicherheit
[Bearbeiten]Das Gouvernement zählt zu den sicheren Gebieten Ägyptens.
Klima
[Bearbeiten]Im Nildelta herrscht das ganze Jahr über mildes Klima.
| Tanta | Jan | Feb | Mrz | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mittlere höchste Lufttemperatur in °C | 19 | 19 | 22 | 27 | 31 | 34 | 33 | 33 | 32 | 29 | 24 | 20 | Ø | 26.9 |
| Mittlere Lufttemperatur in °C | 12 | 13 | 14 | 18 | 22 | 25 | 26 | 26 | 24 | 22 | 18 | 14 | Ø | 19.5 |
| Mittlere tiefste Lufttemperatur in °C | 6 | 7 | 8 | 11 | 14 | 17 | 20 | 20 | 18 | 15 | 12 | 8 | Ø | 13 |
| Niederschläge in mm | 13 | 8 | 7 | 3 | 2 | 0 | 0 | 0 | 0 | 2 | 4 | 12 | Σ | 51 |
Tanta, Egypt: Climate, Global Warming, and Daylight Charts and Data, eingesehen am 19. Juli 2021. | ||||||||||||||
Feiertag
[Bearbeiten]Am 7. Oktober wird der Gouvernements-Nationalfeiertag begangen. An diesem Tag wird der Standhaftigkeit der Einwohner und Pilger von Ṭanṭā am 7. Oktober 1798, zur Zeit der alljährlichen islamischen Heiligenfests, im Kampf gegen das zahlenmäßig unterlegenen französische Kolonialheer gedacht. Vorausgegangen war die Weigerung der Stadt, auferlegte Steuern und Strafen zu zahlen. Der Befehlshaber des eingetroffenen Bataillons, General Le Fèvre (Louis Charles Antoine Desaix), wies den Gouverneur Salīm esch-Schūrbagī an, vier angesehene Persönlichkeiten der Stadt als Geiseln zu stellen und eine Verpflichtungserklärung zur Wahrung des Friedens abzugeben. Trotz besserer Bewaffnung konnte das kleine Bataillon militärisch nichts ausrichten, und man entließ die Geiseln, vier Imame der Saiyid-el-Badawī-Moschee.
Ausflüge
[Bearbeiten]Ausflüge sind nach Kairo, el-Gīza, ez-Zaqāzīq und el-Manṣūra möglich.
Weblinks
[Bearbeiten]- Artikel zu el-Gharbīya auf der englischen und arabischen Wikipedia.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Einwohnerzahlen in el-Gharbīya nach dem ägyptischen Zensus von 2006, Central Agency for Public Mobilization and Statistics, eingesehen am 1. Februar 2015.
- 1 2 3 : Coptic saints and pilgrimages. Cairo: American University in Cairo Press, 2002, ISBN 978-977-424-692-0, S. 73.
- ↑ SOS-Kinderdorf Tanta, aufgerufen am 3. Februar 2015.

