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Unesco-Welterbestätten in Afrika
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Karnak/Tempelbezirk des Amun-Re

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Tempelbezirk des Amun-Re, 1914
Tempelbezirk des Amun-Re
معبد الكرنك
GouvernementLuxor
Höhe
78 m
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Lage
Lagekarte von Ägypten
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Karnak/Tempelbezirk des Amun-Re

Der Tempelbezirk des Amun-Re, kurz Tempel des Amun-Re, arabisch: ‏معبد الكرنك‎, Maʿbad al-Karnak, ist mit einer Fläche von etwa 30 Hektar die größte Tempelanlage Ägyptens und damit auch der größte Tempelbezirk in Karnak. Neben dem Heiligtum für Amun-Re beherbergt der Bezirk noch weitere sechs Tempel und mehrere Kapellen. Architektonischer Höhepunkt ist die unter den Königen Haremhab, Sethos I. und Ramses II. errichtete große Säulenhalle mit 134 Säulen. Die Geschichte dieser Anlage setzt in der 11. altägyptischen Dynastie ein. Die letzten Inschriften und Darstellungen wurden in ptolemäischer Zeit angebracht. Doch auch in römischer Zeit wurde der Tempel weiter genutzt. Zusammen mit dem Luxor-Tempel und den Grabstätten auf dem thebanischen Westufer gehört dieser Tempelbezirk zum Unesco-Weltkulturerbe.

Hintergrund[Bearbeiten]

Aufbau des Tempelbezirks[Bearbeiten]

Der Tempelbezirk des Amun-Re umschließt neben dem Tempel für den Gott Amun-Re den Tempel des Gotts Chons und den Tempel der Göttin Ipet im Südwesten des Bezirks, den Tempel des Königs Amenophis II. zwischen dem 9. und 10. Pylon, den Tempel Ramses’ III. an der Südseite des Vorhofs, den Tempel Ramses’ II. im äußersten Osten sowie den Tempel des Ptah an der nördlichen Umfassungsmauer.

Der Tempelbezirk ist über Prozessionsstraßen, die von Sphingen flankiert werden, mit dem Nilufer, dem Tempelbezirk der Mut und dem Luxor-Tempel verbunden. Über diese Straßen konnte die Götterstatue des Amun-Re während des Opet-Fests zum Luxor-Tempel und während des Schönen Fests vom Wüstental zu den Millionenjahrhäusern der verstorbenen ägyptischen Könige auf dem thebanischen Westufer transportiert werden.

Der Tempelbezirk wird von einer Lehmziegelmauer in Form eines Trapezes umgeben. Die längste Seite im Westen, zu der auch der erste Pylon gehört, misst 630 Meter, die gegenüber liegende Seite 515 Meter. Die Nord- und Südseiten sind 530 Meter lang. Der Haupteingang, durch den man den Tempelkomplex betritt, befindet sich an der Westseite. Nachdem man 6 Pylone und die große Säulenhalle entlang der West-Ost-Achse des Tempels des Amun-Re durchquert hat, gelangt man zum Allerheiligsten des Tempels, dem zentralen Hof und zur Festhalle des Königs Thutmosis III.

Neben dem Tor im ersten Pylon an der Westseite des Bezirks gibt es in der Nähe der Ecken je ein weiteres Tor. Das südlichere führt zum Tempel der Ipet. In der Mitte der Nordmauer führte ein Tor zum Tempel des Ptah. An der Ostmauer gibt es zwei Tore. Das nördliche liegt in der Tempelachse und führte zum Tempel Ramses’ II. In der Südmauer gibt es zwei Tore. Etwa in der Mitte befindet sich der zehnte Pylon, der den Zugang zur unter Thutmosis III. angelegten Nord-Süd-Achse des Tempels freigibt. Über eine Sphingenallee, die im Luxor-Tempel begann, erreichte man hier den Tempel des Amun-Re. Es folgen der neunte bis siebente Pylon, und man erreicht den Tempel zwischen dem dritten und vierten Pylon. Es weiteres Tor in der Südmauer westlich des zehnten Pylons, das sog. Tor des Euergetes, bildet den Zugang zum Tempel des Chons.

Im Südosten des Bezirks wurde der heilige See angelegt. Er diente dem Reinigungsritual der Priester und der Ausfahrt von Kultbarken.

Große Flächen im Nordwesten und Südwesten waren unbebaut und werden heute zur Lagerung von Steinfragmenten eingesetzt. Aus dem Lager im Nordwesten entwickelte sich das Freilichtmuseum.

Zweckbestimmung des Tempelbezirks[Bearbeiten]

Der Haupttempel des Bezirks war dem Gott Amun-Re, dem Herrn von Karnak, geweiht. Amun-Re ist ein Sonnen-, Wind und Fruchtbarkeitsgott in der altägyptischen Religion, der in sich die Eigenschaften der Götter Amun, Re und Min vereint. Er wurde anfänglich, zu Beginn des frühen Mittleren Reichs, als Lokalgott Thebens verehrt und mit der Verlagerung der Hauptstadt Altägyptens auch dessen Reichsgott.

Mit der Göttin Mut und ihrem Sohn, dem Gott Chons, bildete Amun-Re eine Götterfamilie, eine Göttertriade. Im Tempelbezirk werden zahlreiche weitere Götter verehrt.

Geschichte[Bearbeiten]

Säule Antefs II., heute im Luxor-Museum

Es ist denkbar, dass es eine Amun-Kultstätte in Karnak bereits zur Zeit des Alten Reichs gab. Hierfür fehlen aber Zeugnisse. Der bisher älteste Fund aus dem Tempelbezirk ist die achtseitige Säule des Königs Antef II. für einen Tempel des Amun-Re, die heute im Luxor-Museum ausgestellt wird.[1] Antef II. war der zweite König der 11. Dynastie und lebte um 2100 v. Chr.

Der Tempel wurde nicht nach einem einheitlichen Plan errichtet. Über etwa 2000 Jahre wurde er immer wieder erweitert und verändert.

Heute noch sichtbare Bauten stammen vom König Sesostris I. aus der 12. Dynastie (Regierungszeit etwa 1975–1930 v. Chr.). Das älteste Bauwerk ist eine Stationskapelle, die sog. Weiße Kapelle, die im Freilichtmuseum wiedererrichtet wurde. Diese Stationskapelle befand sich vor der Tempelanlage Sesostris’. Sie befand sich an der Stelle des heutigen offenen Hofes und bestand aus einer Lehmziegelumfassungsmauer, die drei Höfe und ein fast quadratisches, etwa 40 Meter breites Tempelgebäude aus Kalkstein umschloss. Von dieser Tempelanlage sind im Wesentlichen nur noch die Torschwellen aus Rosengranit vorhanden.

Der systematische Ausbau des Tempels zu einem Heiligtum nationalen Ranges erfolgte erst seit Amenophis I. Er ließ mehrere Kapellen und Schreine errichten und die Tempelumfassungsmauer erneuern. Thutmosis I., der Theben zur Reichshauptstadt erhob, ließ die heutigen IV. und V. Pylone, den dazwischen liegenden Säulensaal und zwei Obelisken vor dem IV. Pylon errichten. Thutmosis II. fügte einen weiteren Pylon hinzu. Der neu entstandene Hof schloss die Obelisken seines Vorgängers sowie die Weiße Kapelle Sesostris’ I. und ein baugleiches Pendant Amenophis’ I. ein. Ein pylonartiges Tor in der Südmauer des Hofs bildete den Anfang für die Nord-Süd-Achse des Tempels.

Die Königin Hatschepsut ließ die Säulenhalle Thutmosis’ I. umgestalten und hier zwei Oblisken aufstellen. Sie fügte u.a. weitere Obelisken, den VIII. Pylon und die sog. Rote Kapelle aus rotem Quarzit und schwarzem Granit hinzu. Weit umfangreichere Erweiterungen stammen von Thutmosis III. Er ließ u.a. die Festhalle, das Achmenu, im Osten des Tempels, den heiligen See, den VII. Pylon nördlich des VIII., eine Sandsteinumfassungsmauer für den Tempelbezirk, den VI. Pylon östlich des V., mehrere Obeliskenpaare und nördlich außerhalb der Umfassungsmauer den Tempel des Ptah errichten. Von historischer Bedeutung sind seine Annaleninschriften. Mit der Ummauerung der Obelisken und dem Abriss der Roten Kapelle seiner Vorgängerin versuchte er die Erinnerung an diese Regentin auszulöschen.

Wichtige Bauherren[2]
Herrscher Dynastie Regierungszeit
Sesostris I. 12. 1975–1930
Amenophis I. 18. 1525–1504
Thutmosis I. 18. 1504–1492
Thutmosis II. 18. 1492–1479
Hatschepsut 18. 1479–1458
Thutmosis III. 18. 1479–1425
Amenophis III. 18. 1388–1351
Haremhab 18. 1319–1292
Sethos I. 19. 1290–1279
Ramses II. 19. 1279–1213
Sethos II. 19. 1200–1198
Ramses III. 20. 1188–1156
Scheschonq I. 22. 946–924
Taharqa 25. 692–664
Hakor 29. 391–379
Nektanebos I. 30. 379–360
Philipp III. Arrhidaios griech. 323–317

Von Amenophis II. und Thutmosis IV. stammen kleinere Erweiterungen am Tempel. Amenophis III. ließ den Tempel nach Westen und Süden erweitern. Er ließ den Pylon Thutmosis’ II. und die beiden Kapellen abreißen und den III. und X. Pylon anlegen. Im III. Pylon verbaute er die abgerissenen Kapellen. In der Amarna-Zeit, zur Zeit Echnatons und Tutanchamun gab es nur kleine Erweiterungen. Echnatons eigener Tempel, das Gem-pa-Aten wurde außerhalb des Tempelbezirks. Erst unter Haremhab wurde die Bautätigkeit wieder fortgesetzt. Er errichtete den IX. Pylon unter Verwendung des vom ihm abgerissenen Gem-pa-Aten, vollendete den X. Pylon, begann mit der Errichtung der großen Säulenhalle und fügte den II. Pylon hinzu.

Die große Säulenhalle wurde von Sethos I. und Ramses II. erweitert und vollendet. Von Ramses II. stammt auch ein Tempel am östlichen Tempeleingang. Westlich vor dem Tempel ließen Sethos II. eine Barkenkapelle für Amun, Mut und Chons und Ramses III. seine eigene Barkenkapelle, den Tempel Ramses’ III., und den Tempel des Chons errichten. Von Ramses IX. stammt ein Tor im Süden des Hofs zwischen dem III. und IV. Pylon.

In der Dritten Zwischenzeit wurde der Tempel nochmals dach Westen erweitert. Der Hohepriester Pinudjem I. ließ vor dem II. Pylon eine Sphingenallee anlegen. Er usurpierte auch eine Kolossalstatue Ramses’ II. mit dessen Tochter vor dem II. Pylon. Unter Scheschonq I., dem ersten König der 22. Dynastie, wird der Vorhof vor dem II. Pylon geschlossen, der den Barkenschrein Sethos’ II. einschloss und den Zugang zum Tempel Ramses’ III. ermöglichte. In der Südostecke dieses Hofes ließ er das sog. Bubastidentor anlegen. Taharqa, der 5. König der 25. Dynastie, ergänzte der Tempel Ramses’ II. und den Tempel des Chons um ein massives Eingangstor, errichtete den Säulenkiosk im Vorhof und ließ hierfür einen Teil der Sphingen entfernen.

In der ägyptischen Spätzeit wird der Tempelbezirk im Wesentlichen vollendet. Hakor (Achoris), der dritte König der 29. Dynastie, lässt eine Kapelle außerhalb des I. Pylons in der Nähe des Hafenkais der Prozessionsbarken errichten. Unter dem Begründer der 30. Dynastie, Nektanebos I. erhält der Tempelbezirk seine Umfassungsmauer und den monumentalen I. Pylon. Nektanebos I. ließ zudem den Tempel der Ipet westlich des Tempels des Chons errichten. Er lässt den Prozessionsweg zwischen Karnak und Luxor mit etwa 700 menschenköpfigen Sphingen ausstatten.

Auch in griechisch-römischer Zeit werden Änderungen und Ergänzungen am Tempelbezirk vorgenommen. In griechischer Zeit wurden keine Neubauten errichtte, sondern vielmehr unvollendete Bauten vollendet. Die bedeutendste Änderung ließ der makedonische König Philipp III. Arrhidaios, Nachfolger Alexanders des Großen, ausführen. Er ersetzte den Barkenschrein Thutmosis’ III. durch einen eigenen Bau in derselben Größe.

Der Tempel wurde bis in die späte Kaiserzeit genutzt. Erst in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. begann man, eine der Obelisken abzutransportieren.

Die Forschungsarbeiten am Tempelbezirk des Amun-Re liegen zum Großteil in den Händen französischer Wissenschaftler, auch wenn der Tempelkomplex durchaus Gegenstand internationaler Forschung ist. Einer der ersten Forscher war der Ägyptologe Auguste Mariette (1821–1881). Seit 1895 werden die Ausgrabungs- und Restaurationsarbeiten am Tempel durch die ägyptische Altertümerverwaltung koordiniert. Seit 1967 kümmert sich ein Team des Centre Franco-Égyptien d’Étude des Temples de Karnak (CFEETK) um die Erforschung und Restauration des Tempels. Wichtige Beiträge stammen auch von Wissenschaftlern des Oriental Institute of Chicago.

Anreise[Bearbeiten]

Der Tempelbezirk befindet sich im Osten des Dorfes Karnak. Die Anreise ist dort beschrieben worden. Man gelangt zum Tempelbezirk mit Kreuzfahrtschiffen, Taxis, Minibussen und auch zu Fuß.

Mobilität[Bearbeiten]

Der Tempelbezirk kann nur zu Fuß ergründet werden. Er ist großflächig mit Steinplatten ausgelegt, so dass die Besichtigung auch mit einem Rollstuhl möglich ist.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im Folgenden wird ein Überblick über den Tempelbezirk gegeben. Die ausführliche Beschreibung der kleineren Tempel und einiger herausragender Details erfolgt in eigenständigen Artikeln.

I. Pylon[Bearbeiten]

Unmittelbar vor dem Südturm des I. Pylons befinden sich ein Graben und die Kaianlage, an der die Schiffe mit der Götterstatue des Amun nach Luxor oder an das Westufer ablegen konnten. Etwas weiter südlich, also rechterhand, befindet sich die für Touristen nicht zugängliche Barkenstation des Psammuthis und des Hakor (Achoris). Psammuthis regierte wohl etwa zwei Jahre neben Hakor (Achoris) in der 29. Dynastie. Die Barkenstation besitzt Darstellungen des opfernden Königs vor Amun, Mut, Chons, Month, Min und Atum. Neueren Datums sind weiter südlich zwei Kuppelgräber bedeutender Scheichs.

Vor dem Nordturm des I. Pylons wird seit 2006 eine griechisch-römische Siedlung unter Leitung von Mansour Boraik ausgegraben. Wichtigstes Gebäude ist ein aus Stein errichtetes öffentliches Bad. In diesem Bad wurden etwa 300 Bronzemünzen aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. gefunden.[3]

An der Kultterrasse, über die die meisten Besucher einfach hinweglaufen, weil sich hier eine Holzbrücke über den Graben befindet, sind Wasserstandsmarken aus der Dritten Zwischenzeit erhalten. Vor der Allee mit etwa zwanzig Widdersphingen zu beiden Seiten ließ Sethos II. zwei kleine Obelisken aufstellen. Nur der südliche ist noch in voller Höhe erhalten und enthält die Namen dieses Königs. Im hinteren Teil der nördlichen Sphingenreihe ließ Sethos II. zudem eine Sandsteinstele aufstellen, die ihn, jeweils außen, in einer Doppelszene links Weihrauch bzw. rechts zwei Gefäße an Amun opfernd zeigt.

Am Ende der Sphingenallee gelangt man zum 113 Meter breiten, 43,5 Meter hohen und etwa 15 Meter dicken I. Pylon. Es ist der größte Pylon einer altägyptischen Tempelanlage. Der Pylon wurde aus Sandsteinquadern zur Zeit des Königs Nektanebos I. in der 30. Dynastie errichtet. Zur selben Zeit wurde auch die große Tempelumfassungsmauer aus Lehmziegeln errichtet, deren Bestandteil der I. Pylon ist.

Der I. Pylon ist dekorationslos. Die Vertiefungen an seiner Vorderseite dienten der Aufnahme von Flaggenmasten. Unmittelbar vor dem Südturm befinden sich die Überreste einer kleinen Kapelle, die aus Lehmziegeln errichtet wurde. Der Türrahmen bestand aus Kalksteinblöcken. Kurze griechische Inschriften auf Architekturfragmenten lassen darauf schließen, dass er erst in griechischer Zeit, also nach Errichtung des Pylons angelegt wurde.

In den Durchgängen haben sich italienische und französische Gelehrten verewigt. Der nördliche Turm trägt eine Inschrift einer italienischen Gelehrtengesellschaft vom 9. Februar 1841, die hier über ihre Messung der Abweichung der Magnetnadel um 10′56″ NO berichtet. Vor dieser Mission ritzte sich hier auch der Italiener Carlo Vidua 1820 ein. Auf der gegenüber liegenden Seite des Durchgangs findet sich eine Inschrift französischer Gelehrter aus dem 1799, die während des Napoleanfeldzuges nach Ägypten kamen, in der die Längen- und Breitenangaben wichtiger ägyptischen Tempel verzeichnet sind.

An der Innenseite des Südturm befinden sich noch die Überreste des einstigen, aus Lehmziegeln errichteten Gerüsts. Zugegeben, es sieht aus wie ein großer Erdwall.

Jeweils von den Seiten führen Treppenaufgänge in den Pylontürmen zur Spitze der Türme. Diese Treppen sind heutigen Touristen verschlossen, so dass man früheren Reisenden einfach glauben muss, dass von hier aus die Aussicht prachtvoll ist.

Großer Vorhof[Bearbeiten]

Auf den I. Pylon folgt der 84 Meter tiefe und 103 Meter breite große Vorhof, der erst in der 22. Dynastie unter Scheschonq I. angelegt wurde. Dieser Hof umschließt nun die früher frei stehenden Barkenschreine Sethos’ II. und Ramses’ III. An der Nord- und Südseite des Hofes wurden unmittelbar vor der Mauer Säulengänge angelegt und davor Widderspingen aufgestellt.

Der große Vorhof ist der einzige Platz im Tempel, an dem auch die Bevölkerung an den Götterprozessionen teilnehmen konnte. Zu den folgenden Tempelbereichen hatten nur der König und die Priester Zutritt.

Unmittelbar östlich des nördlichen Pylonturmes befindet sich der Dreifach-Barkenschrein für Mut auf der linken Seite, Amun in der Mitte und Chons auf der rechten Seite aus der Zeit Sethos’ II. (19. Dynastie) aus grauem Sandstein. Hier wurden die Götterbarken vor ihrer Weiterreise zum Opet-Fest oder zum Schönen Fest vom Wüstental aufgestellt. Die Türrahmen wurden aus roten Quarzitblöcken errichtet. Vor dem mittleren Schrein wurden zwei Sphingen aufgestellt. Die Außenseiten und Schreine wurden mit versenktem Relief dekoriert. In den Darstellungen erkennt man den opfernden König, seine Königsnamen und Barkendarstellungen. In der Kapelle des Chons gibt es eine Treppe auf das einstige Dach.

Verlässt man diesen Hof durch das Nordtor, so gelangt man zum Freilichtmuseum. An der Ostwand des Hofes, also vor der Nordseite des II. Pylons, wurden mehrere Baufragmente aus Rosengranit ausgestellt. Dies ist ein Sturz, auf dem der König Ramses II. in einer Doppelszene von dem thronenden Amun dargestellt wurde. Der König ist sowohl mit seinem Thronnamen User-maat-Re-setep-en-Re, „Stark/Mächtig ist die Maat des Re, Erwählter des Re“, als auch mit dem Eigennamen ausgewiesen. Rechts daneben befindet sich ein Baufragment des Königs Merenptah mit seinem Thronnamen Ba-en-Re-meri-Amun, „Ba-Seele des Re, Geliebter des Amun“. Das südlichste Fragment ist eine Spitze eines Obelisken Thutmosis’ III. Der Thonname Men-cheper-Re-setep-en-Re, „Der von dauernder Gestalt ist der Re, Erwählter des Re“, und der Eigenname Djehutimes-nefer-cheper sind erst nach seinem 21. Regierungsjahr belegt. Auf der Spitze und im Feld darunter erhält er Leben von Amun-Re.

Genau in der Tempelachse in der Mitte des Hofes ließ der König Taharqa (25. Dynastie) seinen Säulenkiosk errichten. Der Kiosk bestand einst aus zwei Reihen mit je fünf 21 Meter hohen Säulen, die untereinander mit niedrigen Schrankenwänden verbunden waren. Der Kiosk war an allen vier Seiten offen. Von den zehn Säulen steht aber nur noch die südöstlichste in voller Höhe an. Sie wurde 1927 wieder aufgerichtet. Ihr Schaft besteht aus 25 Steinlagen, das offene Kapitell aus fünf. Auf der Säule liegt ein Abakus. Der Kiosk besaß wohl kein Gebälk, auf den man hätte Deckensteine auflegen können. Die vollständige Säule enthält Darstellungen Taharqas vor der thebanischen Triade. Diese Darstellungen wurden später von Psammetich II. überschrieben, also usurpiert. Die Schrankenwände auf der nördlichen Seite wurden von Ptolemaios IV. Philopator I. dekoriert. Er führt eine Prozession von oberägyptischen Gaugöttern an.

An der Südseite des großen Vorhofs befindet sich der 52 Meter lange Tempel Ramses’ III. (20. Dynastie). Er war ebenfalls dem Amun geweiht und diente als Barkenstation. Der Tempel besteht aus dem Eingangspylon, einem Hof, einem Portikus mit vier, einer anschließenden Säulenhalle mit acht Säulen, drei Allerheiligsten für Mut auf den linken Seite, Amun und Chons auf der rechten Seite. Vor dem Pylon stehen zwei Statuen des Königs mit oberägyptischer Krone. An den Pylonen ist der König mit einer Keule bei der Feindniederschlagung zu sehen. Der vor ihm stehende Gott Amun reicht ihm ein Schwert. Im folgenden Hof gibt es zu beiden Seiten überdachte, dekorierte Gänge, vor denen jeweils acht sog. Osirispfeiler mit dem Bildnis Ramses’ III. stehen. Eine Rampe führt zum folgenden Portikus, an dessen Front sich wieder vier Osirispfeiler befinden, die teilweise mit Schrankenwänden verbunden sind. An der Rückwand des Portikus befinden sich die Überreste von zwei Göttinnenstatuen aus Granit. Die linke stellt die Göttin Sachmet-Menhyt, der rechte Mut-Sachmet dar.

Von der Chonskapelle zweigt ein Nebenraum ab. Am Ende der Amunkapelle befinden sich zu beiden Seiten Türen zu Nebengemächern. Neben der Mutkapelle befindet sich das Treppenhaus auf das Tempeldach. In den Kapellen findet man in den Darstellungen an den Seitenwänden den König Ramses III., wie er der Barke der jeweiligen Gottheit opfert.

In der Südostecke dieses Hofes befindet sich das sog. Bubastidentor, auch Bubastidenhalle genannt. Es wurde zeitgleich mit der Hofmauer unter Scheschonq I., dem biblischen Schischak, der durch seinen Feldzug gegen Jerusalem bekannt ist (1 Kön 14,25 EU), errichtet. Das Portal besteht aus dem Mauertor und einer kleinen Vorhalle mit zwei Pilastern und zwei Säulen an der Nordfassade. Hier finden sich Darstellungen verschiedener Könige der 22. Dynastie. So reicht z. B. der Gott Amun ein Sichelschwert und Palmenstäbe als Symbol vieler Lebensjahre an Osorkon I. In anderen Szenen wird Osorkon I. von Hathor gesäugt und er erhält Leben vom Gott Chnum, der ihm das Anch-Zeichen an die Nase hält. Auf der Westwand ist der König Takelot II. über einer langen Inschrift dargestellt.

Durchquert man das Bubastidentor und wendet sich unmittelbar nach links, so stößt man auf die Darstellung des Königs Scheschonq I. mit seiner Ka-Seele an der südlichen Seitenfläche des II. Pylons, der vor den Göttern Amun und Waset Asiaten niederschlägt und so an seinen Sieg über diese Völker erinnert. Beide Götter halten die Namensringe von 156 verschiedenen palästinensischen Stadtstaaten.

An der Ostseite schließt sich der II. Pylon an. Vor diesem Pylon befindet sich ein Vorbau, den drei Kolossalstauen Ramses’ II. flankieren. Die rechte ist vollständig erhalten und zeigt den schreitenden König mit der Doppelkrone. Vor ihr befindet sich zudem ein Fragment einer Granitstele des Königs Necho II., die sein Krönungsjubiläum beschreibt. Gegenüber befindet sich ein Statuenfragment. Davor wurde eine Granitstele Psammetichs II. aufgestellt, auf der von seinem Nubienfeldzug berichtet wird.

1954 wurden die Bruchstücke einer 13 Meter hohen Kolossalstatue Ramses’ II. aus Rosengranit gefunden, die vollständig zusammengefügt werden konnte. Sie wurde auf der linken Seite aufgestellt und zeigt wohl Ramses II. mit seiner Tochtergemahlin Bintanat zwischen seinen Beinen. Diese Statue wurde später vom König Pinudjem I. usurpiert.

II. Pylon[Bearbeiten]

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Einkaufen[Bearbeiten]

Vor dem Tempel befinden sich mehrere Souvenirgeschäfte.

Küche[Bearbeiten]

Zu beiden Seiten des Vorplatzes des Tempelbezirks des Amun-Re gibt es kleine Restaurants und Kioske. Das Café im Bereich des Kolossalskarabäus Amenophis’ III. existierte 2013 nicht mehr.

Unterkunft[Bearbeiten]

Hotels gibt es in Karnak und in Luxor.

Ausflüge[Bearbeiten]

Lohnenswert ist der Besuch des Freilichtmuseums und des Tempelbezirks der Mut. Die Tempelbezirke des Amun-Re und der Mut sind über eine Widderallee miteinander verbunden.

Literatur[Bearbeiten]

Von der Bibliographie von Porter und Moss abgesehen, gibt es noch keine vollständige Beschreibung des Tempelbezirks. Einige Teile liegen bisher z. B. nur als fotografische Dokumentation des Oriental Institute of Chicago vor. Im Folgenden findet sich eine Auswahl wichtiger Monografien:

  • Porter, Bertha ; Moss, Rosalind L. B.: Topographical bibliography of ancient Egyptian hieroglyphic texts, statues, reliefs, and paintings ; Bd. 2: Theban temples. Oxford : Griffith Inst., Ashmolean Museum, 1972, ISBN 978-0-900416-18-7, S. 21–252, Karten VI–XXII.
  • Mariette-Bey, Auguste: Karnak : étude topographique et archéologique avec un appendice comprenant les principaux textes hiéroglyphiques découvertes ou recueillies pendant les fouilles éxécutées à Karnak. Leipzig : Hinrichs, 1875. Texte, Planches.
  • Borchardt, Ludwig: Zur Baugeschichte des Amonstempels von Karnak. Leipzig : Hinrichs, 1905, (Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Ägyptens ; 5,1).
  • Legrain, Georges: Les Temples de Karnak. Bruxelles : Vromant, 1929.
  • Barguet, Paul: Le temple d’Amon-Rê à Karnak : essai d’exégèse. Le Caire : Institut français d’archéologie orientale du Caire, 1962, (Recherches d’archéologie, de philologie et d’histoire ; 21).
  • Schwaller de Lubicz, R. A. ; Miré, Georges de ; Miré, Valentine de: Les temples de Karnak : contribution à l'étude de la pensée pharaonique. Paris : Dervy-Livres, 1982. 2 Bände.
  • Murnane, William J.: The great hypostyle hall at Karnak. Chicaco, Ill. : The Oriental Inst. of the Univ. of Chicago, 1981, (The University of Chicago Oriental Institute publications ; 106).
  • Epigraphic Survey: The battle reliefs of King Sety I. Chicaco, Ill. : The Oriental Inst. of the Univ. of Chicago, 1986, (The University of Chicago Oriental Institute publications ; 107).
  • Carlotti, Jean-François: L’Akh-menou de Thoutmosis III à Karnak : étude architecturale. Paris : Éditions Recherche sur les Civilisations, 2001.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise

  1. Ullmann, Martina: Zur Lesung der Inschrift auf der Säule Antefs II. aus Karnak. In: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde (ZÄS), ISSN 0044-216X, Bd. 132,2 (2005), S. 166–172.
  2. Die Regierungszeiten dienen als Anhaltspunkt. Die Angaben sind meist noch nicht gesichert und Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen.
  3. Boraik, Mansour u.a.: Ptolemaic Baths in front of Karnak Temples : Recent Discoveries (Season 2009-2010). In: Cahiers de Karnak, Bd. 14 (2013), S. 47–77. Boraik, Mansour ; Faucher, Thomas: Le trésor des bains de Karnak. In: Cahiers de Karnak, Bd. 13 (2010), S. 79–100.
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