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Banteay Chhmar

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Banteay Chhmar (Khmer: បន្ទាយឆ្មារ) ist eine der grössten Tempelanlagen Kambodschas. Das Heiligtum liegt im Nordwesten des Landes, nördlich der Stadt Sisophon und unweit der thailändischen Grenze. Aufgrund der abgeschiedenen Lage wird diese archäologische Stätte nur selten besucht. Bis 2009 war das Tempelgelände fast vollständig von Urwald überwuchert. Seither wurden große Anstrengungen unternommen, das Areal vom Pflanzenwuchs zu befreien, Trümmerhaufen zu beseitigen und Teile des Tempelkomplexes zu restaurieren. Heute ist die Anlage problemlos begehbar und minenfrei. Dank der seit kurzem gut ausgebauten Strasse kann Banteay Chhmar auf einem Tagesausflug von Siem Reap aus oder auf einem Halbtagesausflug von Sisophon aus besucht werden. In der Regenzeit ist zwischen Sisophon und Bantaey Chhmar ein Durchkommen jedoch oft nur mit einem Allradfahrzeug möglich.

Banteay Chhmar
Lage
Lagekarte von Kambodscha
Banteay Chhmar
Banteay Chhmar

Zustand der Ruinen: Die einzelnen Gebäude und große Mauerstücke von Bantaey Chhmar sind weitgehend zerfallen. Zudem wurden ganze Mauerpartien gestohlen. Keiner der ursprünglich rund fünfzig Türme, von welchen ein Teil mit den typischen Bayon-Gesichtern versehen war, blieb vollständig erhalten. Der Grund für das Ausmass des Zerfalls liegt nicht nur im Pflanzenbewuchs. Die Auswahl des Baumaterials und die Bauarbeiten erfolgten nicht durchgehend mit größter Sorgfalt, worauf die zum Teil wahllose Verwendung der Steinfarben (rosa, grau, grünlich), die oft mindere Qualität der Steine und die an manchen Stellen wenig präzise Bearbeitung hinweisen.

Vergleich mit anderen Tempel-Anlagen: Die gesamte Tempelanlage von Bamtaey Chhmar ist, was den Erdwall mit dem äußeren Wassergraben, die Dämme mit Götter- und Dämonen-Balustraden sowie die Eingangstore mit Gesichter-Türmen betrifft, vergleichbar mit Angkor Thom (Die Fläche von Angkor Thom ist jedoch mehr als doppelt so groß als jene von Banteay Chhmar). Der Stil der Reliefs und zahlreiche der dargestellten Szenen entsprechen dem Bayon-Tempel; einmalig und unbedingt sehenswert sind die vielarmigen Darstellungen von Lokeshvara (Avalokiteshvara). Die Architektur des zentralen Tempelkomplexes weist auffallende Ähnlichkeiten mit der Tempelanlage von Preah Khan auf. Bantaey Chhmar ist unter den großen Tempelstädten des Khmer-Reiches wohl jene, die das grösste Ausmass des Zerfalls zeigt. Der Pflanzenbewuchs ist jedoch weit weniger üppig als in Beng Mealea (Banteay Chhmar liegt in einer semi-ariden Zone) und Urwaldriesen mit gewaltigen Wurzeln wie in den Tempelanlagen von Ta Prohm oder Preah Khan findet man hier nicht. Der Boden ist an vielen Stellen übersät mit mehr oder minder großen Steinblöcken und ganzen Steinhaufen; ein Durchkommen ist jedoch weit einfacher als in Beng Mealea.

Banteay Chhmar steht auf der Kandidaten-Liste des Unesco-Weltkulturerbes.

Hintergrund[Bearbeiten]

Für mehr Hintergrundwissen und Begriffsklärungen bitte auch die Artikel Angkor verstehen und Angkors Geschichte beachten.

Die Tempelanlage (der Name bedeutet "Zitadelle der Katzen") wurde im Auftrag von Jayavarman VII., der von 1181-1220 an der Macht war, um 1200 n. Chr. im Bayon-Stil auf dem Platz eines älteren Tempels aus dem 9. Jahrhundert errichtet. Da entsprechende Hinweise auf den vier vorgefundenen Stelen fehlen, kann die genaue Bauzeit nicht eruiert werden. Banteay Chhmar gehört zu den großen buddhistischen Klosteranlagen, wie die vom gleichen Herrscher in Auftrag gegebenen Flachtempel Ta Prohm, Banteay Kdei, Preah Khan und wahrscheinlich auch Preah Khan of Kampong Svay (Prasat Bakan). Georges Groslier schätzte, dass rund 20.000 Arbeiter, Kunsthandwerker und Künstler gegen 30 Jahre lang mit dem Bau der Tempelanlage von Bantaey Chhmar beschäftigt waren.

Der buddhistische Tempelkomplex, zu dem auch drei hinduistische Schreine gehören, wurde zu Ehren des gefallenen Kronprinzen Indravarman und der vier Offiziere errichtet, die in einer Schlacht gegen die Cham unter Einsatz ihres Lebens vergeblich versucht hatten, den Thronfolger zu schützen.

Anreise[Bearbeiten]

Öffentliche Verkehrsmittel, die nach Banteay Chhmar fahren, gibt es nicht.

Karte von Banteay Chhmar

Für die Anreise aus dem 54 Kilometer entfernten Sisophon benötigt man mit dem Auto oder Mopedtaxi (Kosten ca. $ 15) rund eine Stunde. In der Trockenzeit ist die unbefestigte Strasse problemlos befahrbar. Während der Regenzeit ist diese Strecke oftmals nur mit einem Auto mit Allradantrieb oder mit einem Motorrad passierbar, wobei längere Fahrtzeiten einzuplanen sind.

Die Fahrt von Siem Reap via Sisophon nach Banteay Chhmar dauert rund zweieinhalb Stunden. Die Strasse zwischen Siem Reap und Sisophon ist asphaltiert und in ausgezeichnetem Zustand. Ein Tagesausflug von Siem Reap nach Banteay Chhmar kostet zwischen 100 $ und 160 $, wobei die teurere Variante für ein Auto mit Allrad-Antrieb samt Fahrer und Führer gilt.

Der Eingang liegt im Dorf Banteay Chhmar, auf der Ostseite der Tempelanlage; die Strasse folgt präzis dem südlichen und östlichen (inneren) Wassergraben. Der Ticketschalter (der Eintritt beträgt 5 $) befindet sich linkerhand innerhalb des Wassergrabens. Eine dreidimensionale Darstellung der Tempelanlage ist am Tickethäuschen angebracht.

Von Banteay Chhmar aus führt eine direkte Route nach Anlong Veng und weiter nach Preah Vihear. Aus diesem Grund werden die drei Destinationen von verschiedenen Reiseagenturen als (recht teures) Gesamtpaket angeboten.

Die Tempelanlage[Bearbeiten]

Lokeshvara mit 32 Armen

80 % der Mauern und Gebäude von Bantay Chhmar sind eingestürzt oder zerstört.

Erdwall und äußerer Wassergraben: Die buddhistische Klosteranlage von Banteay Chhmar wurde ursprünglich durch einen rund 3 m hohen, 2,2 km langen und 1,7 km breiten Erdwall geschützt, der zudem von einem Wassergraben umgeben war. Auf der Ostseite stieß der Wall an die Südwest- und an die Nordwest-Ecke des Baray.

Innerer Wassergraben und 4. Mauer: Das Haupttempel-Gelände ist von einem 63 m breiten Wassergraben und einer 4. Mauer umgeben. Der Wassergraben dient auch heute noch der Bevölkerung als Wasser-Reservoir. Mit einer Fläche von 770 m x 690 m ist das Haupttempel-Gelände ca. 20 % grösser als die Gesamtfläche von Preah Khan (Angkor). Auf jeder Seite führte ein Damm mit Naga-Balustraden mit Göttern und Dämonen über den Wassergraben. Überreste der Naga-Balustraden wurden auf der Südseite ausgegraben.

3. Mauer: Eine nur teilweise erhaltene 3. Mauer von 250 m Länge und 200 m Breite, die auf der Außenseite durchgehend reliefiert ist, umgibt den zentralen Tempelkomplex. In der Mitte jeder Mauerseite stand ein Tor mit drei Durchgängen. Auf jedem Tor erhoben sich drei Türme mit den Gesichtern von Lokeshvara. Die Reliefs sind wohl das großartigste an der Tempelanlage von Banteay Chhmar (auf gewissen Mauerpartien sind die oberen Register nicht fertiggestellt). Mehrere Szenen findet man in fast identischer Ausführung am Bayon-Tempel. Einmalig sind die beeindruckenden Darstellungen des vielarmigen Lokeshvara (Avalokiteshvara), von welchen nur noch zwei erhalten sind (ursprünglich waren es acht). Heute ist nur noch ein Viertel der Reliefs erhalten; ganze Mauerpartien fielen Antikenräubern zum Opfer.

2. Mauer und 1. Mauer: Innerhalb der 2. Umfassungsmauer, die 130 m lang und 120 m breit ist, liegen drei aneinander gebaute Heiligtümer. Das mittlere der drei Gebäude, das Zentrale Heiligtum, besitzt eine eigene (1.) Umfassungsmauer. Wie in der Tempelanlage von Preah Khan gab es drei Schreine, die Shiva, Vishnu und Brahma geweiht wurden. In Bantaey Chhmar durchdringen der nördliche und der südliche Schrein die 2. Mauer, in Preah Khan liegen alle drei Schreine zwischen der 2. und der 3. Mauer. An der Ostseite der 2. Mauer liegt die sogenannte Halle der Tänzerinnen, wie in den Tempelanlagen von Preah Khan und Ta Prohm. Zwischen der 3. und 2. Umfassungsmauer wurden vier Wasserbecken und innerhalb der 2. Mauer zwei Wasserbassins ausgehoben. Auf der Ostseite des Tempelkomplexes erhebt sich das sogenannte Dharmasala, das sich in gutem Zustand präsentiert. Ob es sich um ein Pilgerhaus oder um ein Feuer-Heiligtum handelt, ist nicht geklärt.

Baray: Im Osten der Klosteranlage von Banteay Chhmar befindet sich der 1,8 km x 0,7 km große Baray, der heute noch (je nach Jahreszeit) Wasser enthält und zudem dicht mit schilfähnlichen Pflanzen bewachsen ist. Auf der künstlichen Insel, die nur schwer zugänglich ist, finden sich die Ruinen eines Inseltempels (Mebon).

Satelliten-Tempel: Insgesamt acht kleine und weitgehend zerfallene Satelliten-Tempel liegen (von einer Ausnahme abgesehen) auf den Hauptachsen des Tempelareals inmitten der Reisfelder - zwei davon außerhalb des größtenteils verschwundenen, äußeren Wassergrabens. Als einziger recht gut erhalten und problemlos zugänglich ist der südlich gelegene Tempel Ta Prohm, der aus einem Gesichterturm besteht und heute noch von einem Wassergraben umgeben ist.

Einkaufen[Bearbeiten]

Das Dorf Banteay Chhmar liegt direkt am Wassergraben, v. a. an der Ost- und an der Südseite der Tempelanlage. Da die Grenze zu Thailand kaum 20 km entfernt ist, findet sich hier ein lebhafter Markt, auf dem eine Fülle von Lebensmitteln, Haushaltgegenständen und technischen Geräten erhältlich sind. Der grösste Teil des Marktgeschehens spielt sich unter freiem Himmel ab. Es gibt jedoch auch einen mit mehr oder weniger zerfetzten Stoffbahnen überdachten Markt. Das Dorf Bantaey Chhmar und die gesamte Region sind sehr arm. Viele Bauern pflanzen neben Reis Kartoffeln an. Diese werden samt der Schale in Chips geschnitten, auf der Strasse getrocknet und dann nach Thailand verkauft, wo sie zu Kartoffelmehl verarbeitet werden.

Im Dorf wurde vor wenigen Jahren eine Schule für Seidenweberei gegründet, die frei besichtigt werden kann. Hier wird Frauen eine mehrjährige, bezahlte Ausbildung geboten. Seidenstoffe und -schals, Blüten aus Seide, etc. können hier direkt, jedoch nicht günstiger als in Siem Reap, erworben werden. Mit einem Kauf unterstützt man eine wichtige Ausbildungsstätte in dieser von Armut geprägten Gegend. Frauen haben in diesem Dorf sonst kaum eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Viele sind gezwungen, illegal die Grenze nach Thailand zu passieren. was u. U. lebensgefährlich ist und dort einer (oft zweifelhaften) Arbeit nachzugehen.

Küche[Bearbeiten]

Prasat Banteay Torp (15 km südlich von Banteay Chhmar)

Im Dorf, direkt dem Haupteingang der Tempelanlage gegenüber, gibt es ein großes Restaurant, das einfache Gerichte sowie Getränke offeriert. Da dieses, vom Markt abgesehen, die einzige Verpflegungsmöglichkeit bietet, sollte man sich erkundigen, ob auch ein Nachtessen, resp. ein Frühstück erhältlich ist, was u. U. nur nach Voranmeldung der Fall ist.

Unterkunft[Bearbeiten]

Im Dorf selber gibt es kein Hotel; in der Nähe der Tempelanlage bieten mehrere Familien Übernachtungsmöglichkeiten, sogenannte Homestays, aber meist keine Mahlzeiten an. Geschlafen wird in Betten oder Hängematten. Moskitonetze sind in der Regel vorhanden. Auf einen Ventilator oder gar A. C. muss man jedoch verzichten (Home Stays).

Sicherheit[Bearbeiten]

Die Tempelanlage ist minenfrei.

Prasat Banteay Torp[Bearbeiten]

Der Prasat Banteay Torp, der rund 15 km von Banteay Chhmar entfernt liegt (wenn man Richtung Sisphon fährt, biegt man nach rund 10 km nach links ab), ist je nach Sichtweise ein Steinhaufen oder ein kleines Juwel. Die Ruine liegt auf einem kleinen Hügel und ist von zwei niedrigen Mauern und einem Wassergraben umgeben. Vier Türme waren ursprünglich um einen grösseren Zentralturm angeordnet und mit diesem und untereinander verbunden. Heute ragen nur noch die Ruinen von drei Türmen in die Höhe. Ganze Seitenwände fehlen; in großer Höhe wachsen Bäume aus den Überresten. Der Tempel wurde um 1200 n. Chr. errichtet. Holzbalken aus dieser Zeit mit kreisförmigen, eingekerbten Mustern sind noch erhalten.

Galerie[Bearbeiten]

Die Tempelanlage
Satellitentempel "Ta Prohm"
Baray
Szenen wie am Bayon
Südliche Naga-Balustrade

Literatur[Bearbeiten]

  • Dawn F. Rooney: Angkor, Cambodia's Wondrous Khmer Temples (englisch). Odyssee Books & Guides (5. Auflage), ISBN 978-962-217-802-1. Ein informativer Artikel zu Banteay Chhmar (5 Seiten, 2 Pläne)
  • Eine eindrückliche, mit Fotografien und Plänen versehene Schilderung über den Zustand von Banteay Chhmar im Jahr 1937, stammt von George Groslier: Banteay Chhmar 1937 – Ancient Khmer City (Englisch) www.devata.org

Weblinks[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Zeitperiode: Ende 12. Jh., anfangs 13. Jh. Anreise:
Tagesausflug von Siem Reap aus. Am bequemsten ist die Fahrt mit einem Taxi; die Anreise von Sisophon kann auch per Motorrad-Taxi erfolgen
Nur für ganz Interessierte
Nur für ganz Interessierte
Nur für ganz Interessierte
Besuchsdauer:
zwei bis drei Stunden
Baustil: Bayon
Regentschaft: Jayavarman VII. Besuchszeit:
ganztägig
Religion: Buddhistisch (mit hinduistischen Elementen)
Andere Anlagen dieser Periode:
  Angkor Thom · Bayon · Ta Prohm · Banteay Kdei · Preah Khan
  Preah Khan of Kampong Svay
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