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Paestum

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Paestum / Poseidonia (Torre/Licinella)
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Paestum ist eine historische Stadt und Ausgrabungsstätte umgeben von verschiedenen kleinen Ortschaften am Golf von Salerno in der italienischen Provinz Kampanien.

Verwaltungszentrum ist das im Hinterland gelegene Städtchen Capaccio, der Ausgrabungsstätte am nächsten liegt der Ortsteil Torre/Licinella.

Hintergrund[Bearbeiten]

Jules Coignet: Tempel von Paestum im Abendlicht, um 1860

Im 16. Jhdt. war am Königshof von Neapel bereits bekannt, dass sich im Bereich der Chiesa dell'Annunziata unweit der Mündung des Flüsschens Sele Ruinen antiker Gebäude und eines Amphitheaters fanden. Beim Bau der Strada dello Stato SS18 um 1762 wurde die Ruine des Anphitheaters quer durchschnitten und die antike Stadt wiederentdeckt. Im Zuge der Entdeckung der nahen Stätten von Pompeji und Herculaneum wurden die Antikenliebhaber auch in Paestum fündig, in mehreren zeitgenössischen Gemälden sind die Tempelruinen dargestellt und Johann W. von Goethe besuchte die Ruinen im Rahmen seiner Italienischen Reise 1787; Paestum wurde später eine der Etappen der Grand Tour.
Systematische Ausgrabungen wurden 1907/14 im Bereich der Basilica und 1925/38 im Bereich des Forum vorgenommen. Nachdem die Gegend um das wenig nödlich gelegene Laura 1943 Schauplatz der Alliierten Ladung Operation Avalanche war, wurden nach dem Krieg die Ausgrabungen weitergeführt und der "Neptuntempel", der "Cerestempel" und 1954 das unterirdische Heiligtum ausgegraben. Die systematische Erforschung der Nekropole war Ziel der Ausgrabungen in den Sechziger- und Siebzigerjahren.

Die fruchtbare Cilento-Küste mit ihrem Schwemmland ist heute Schwerpunkt des Gemüseanbaus in Kampanien, zum andern kommt mit der Büffelzucht der beste Mozarella aus der Region. Zahlreiche Hotels und Campingplätze säumen die Bucht von Salerno bis Agropoli und ein Radweg (eine Besonderheit in Italien) führt der ganzen Küstenlinie entlang.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ältesten Siedlungsspuren im flachen Hinterland der Küste des Cilento finden sich aus der Altsteinzeit, aus der Jungsteinzeit / frühen Kupferzeit wurden unweit bei Gauso zahlreiche Fornogräber gefunden. Nach Schriften antiker Geschichtsschreiber sei die Region vor Gründung der Stadt Paestum von den Oinotern bewohnt.

Im 8. Jhdt. vor Christus begann die griechische Kolonisation von Süditalien und Sizilien mit den Gründungen von Syrakus und Naxos auf der Insel und Sybaris und Kroton durch die Achäer und Tarent durch die Spartaner. Als Gründung der Sybariten wurde die Stadt Poseidonia wohl zu Beginn des 6. Jhdt. v.Chr. in der fruchtbaren Ebene nahe der Sele-Mündung gegründet. Die Lage der Stadt im fruchtbaren Hinterland spricht für die Bedeutung der Landwirtschaft und - mit der Distanz von der Küste mit dem Hafen - weniger für die Bedeutung als Handelsstützpunkt.

Bald nach der Gründung um 600 v.Chr. wurde das erste Heiligtum zu Ehren der Hera, die auch in Sybaris den ersten Platz unter den Gottheiten innehatte, begründet. Nach der Zerstörung von Sybaris durch Kroton kam es wohl zur Ansiedlung von Flüchtlingen aus der ehemaligen Mutterstadt in Poseidonia und wohl dadurch im 5. Jhdt. v.Chr. zu einer ausserordentlichen Blütezeit.

In der zweiten Hälfte des 5. Jhdt. besetzten italische Stämme, die Samniten und vor allem die Lukaner, die Stadt Poseidonia. Nach 335 v.Chr. zwingt sie der König von Epiros unter seine Autorität, im Rahmen der Ausdehnung der Einflusssphäre Roms auf den Südteil der heutigen italienischen Halbinsel wurde die Stadt zu einer Kolonie lateinischen Rechts und nahm den Namen Paestum an.

Die Bauwerke der Stadt mit den griechischen Tempeln wurden latinisiert, vor allem wurde nach römischem Muster das Forum erweitert. Bis zum 1. Jhdt. v.Chr. setzte in der Region ein wirtschaftlicher Niedergang ein, unter Kaiser Vespasian wurde um 70. n.Chr. die Colonia Flavia eingesetzt. Bis zum 5./6. Jhdt. verkleinerte sich das Siedlungsgebiet zusehends, es reduzierte sich auf den am höchsten gelegenen Nordteil, der in grösster Distanz zum Sumpfland mit seinen Krankheitserregern gelegen war. Ein Wohngebiet existierte um die im ehemaligen "Cerestempel" (Tempel der Athene) errichtete Kirche, im Mittelalter galt die Stadt Paestum als Bischofssitz, aus dieser Zeit sind kaum noch Zeugen erhalten.

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Der nächste internationale Flughafen ist derjenige von 1 Neapel. Vom 1 Aeroporto Salerno - Costa d'Amalfi verkehren einige inneritalienische Verbindungen.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Ab Napoli Centrale kann die 2 Bahnstation von Paestum mit dem Ragionalzug der Trenitalia innert 1h20 - 1h40 ohne Umsteigen erreicht werden. Von dort führt ein Fussweg in etwa zehn Minuten zum archäologischen Gelände.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Die Linie 34 der CSTP - Azienda della Mobilità Salerno von Salerno führt über Paestum weiter nach Agropoli, Castellabate und zum touristischen Hafenstädtchen Acciaroli weiter südlich.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Von der Autobahn A3 Salerno - Cosenza - Reggio di Calabria benutzt man ab der Symbol: AS Battipaglia die südwärts führende SS18. Die gut ausgebaute Hauptstrasse führt östlich am Ausgrabungsgelände vorbei und weiter nach Agropoli.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Der nächste internationale Fährhafen ist derjenige von Neapel, in Salerno legen vor allem Fracht- und Containerschiffe an, zunehmend aber auch Fährschiffe. Mit der privaten Jacht kann man in der Marina im nahen Agropoli anlegen...

Mit dem Fahrrad (optional)[Bearbeiten]

Ein für italienische Verhältnisse gut ausgebauter Radweg führt der ganzen Küste des Cilento entlang, von hier aus ist die Ausgrabungsstätte im ebenen Gelände sehr bequem zu erreichen.

Mobilität[Bearbeiten]

Karte von Paestum

Im Archäologischen Gelände bewegt man sich zu Fuß, die Wege im flachen Gelände sind mit dem Rollstuhl großenteils zu bewältigen. Der Fußweg von der 3 Bahnstation und auch vom nahen Ort Torre/Licinella mit den Hotels und Campingplätzen sind zu Fuss gut zu bewältigen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Area Archeologica Paestum[Bearbeiten]

Die ganze archäologische Stätte umfasst das von der antiken Stadtmauer umgebene Gebiet (Area archeologica), das vor Ort befindliche Archäologische Museum; in einiger Entfernung an der Selemündung finden sich die Ruinen des Heraion.

Athenetempel
Athenetempel ("Cerestempel")
  • der 2 Haupteingang liegt an der ehemaligen Durchgangsstrasse Via magna Graecia, ein weiterer 3 Eingang etwas südlich.
  • der 4 Tempel der Athene (Cerestempel), im Norden gelegen: der von den frühen Antikenforschern als Cerestempel bezeichnete Bau ist aufgrund von Votivfigürchen aus Terracotta der Athene zuzuschreiben. Der auf einer leichten Anhöhe gelegene Bau stammt aus ca. 500 v.Chr., die äussere Ringmauer besteht aus sechs dorischen Säulen an den Fronten und 13 Säulen an den Längsseiten. Der Frontgiebel ist teilweise erhalten, oberhalb des Architravs verlief eine Traufleiste mit Löwenköpfen als Wasserspeiern, Teile davon sind im Museum zu sehen. Im Innern des Tempels befand sich vor der Cella ein Pronaos mit acht Säulen mit ionischen Kapitellen - dieser Architekturmix ist am Athenetempel einzigartig. Die zwei erhaltenen ionischen Kapitelle sind ebenfalls im Museum zu sehen.
  • vor dem Tempel steht eine einzelne Säule, die als "Votivsäule" bezeichnet wird, und die Stufen des grossen 5 Altars.
  • etwas südöstlich finden sich Spuren des rechteckigen Grundrisses eines kleinen 6 Tempels, das um 580 v.Chr. erbaute Gebäude ist das früheste datierbare sakrale Gebäude von Paestum.


Agora
unterirdisches Sacellum (Heroon)
  • 7 unterirdisches Sacellum (Heroon): der um 520/10 v.Chr. entstandene Bau ist in den Felsen des Untergrunds eingelassen und mit einem Steinplattendach versehen. Ursprünglich war nur die nach Osten gerichtete Fassade frei und der Rest von einem Erdhügel ("Tumulus") bedeckt. In römischer Zeit um 273 v.Chr. wurde das Heiligtum zugeschüttet, der Bezirk - um es von Entheiligung zu schützen - von einer Einfassungsmauer umgeben.
Der Bau diente wohl als Heroon zu Verehrung verdienter Personen, beispielsweise der legendären Stadtgründer. Er war als Kenotaph ausgeführt, was bedeutet, dass es selbst wohl nicht als echte Grabstätte gedient hatte. Die im Innern gefundenen Gegenstände (acht Bronzevasen ("Hydria") mit Honig, eine schwarzfigurige attische Vase und fünf eiserne Bratspiesse) sind im Museum zu sehen.
  • das 8 Ekklesiasterion (Bouleuterion) ist ein aus der griechischen Epoche stammender Rundbau mit flachen Sitzreihen. Hier versammelte sich die "Ekklesia"; an den Versammlungen des Rats der Stadt konnten alle erwachsenenen Männer mit Recht zur Teilnahme am politischen Leben (es hatte etwa 1500 Plätze) teilnehmen.
Zu griechischer Zeit sassen die Männer an den Ratsversammlungen, die Stufen waren direkt aus dem Felsen geschlagen und mit Steinabdeckungen versehen. Aufgrund des abfallenden Geländes ist die Anzahl Stufenreihen am der Südseite grösser, im Norden war ein Erdwall mit einem Holzaufbau errichtet worden, um dem Gebäude eine runde Form zu geben.
Nach der lukanischen Eroberung wurde eine Stele mit einer oskischen Widmung an Jupiter im Bereich des kleinen Altars errichtet, zu römischer Zeit nach 273 v.Chr. wurden die steinernen Sitze abgetragen und der Innenraum mit Erde, Steinen und Knochen von Opfertieren gefüllt.
  • 9 römisches Heiligtum im Bereich der Agora: unter römischer Herrschaft verlagerte sich das Zentrum des öffentlichen Lebens ins weiter südlich gelegene Forum. Im Bereich des ehemaligen Bouleuterion wurde ein Heiligtum errichtet, die Reste der Opferhandlungen in der Cavea des ehem. Ratsgebäudes entsorgt.
  • etwas südlich finden sich Reste eines 10 Portikus, einer Säulenhalle, die im 4. Jhdt. den südlichen Abschluss der Agora gebildet hatte.


Amphitheater
Eingang zum Amphitheater
Forum
Blick über das Forum

Nach einer Geländemulde gelangt man zum Bereich des Forum, hierhin hatte sich das Zentrum des Stadtlebens in der römischen Zeit verlagert. An der Südwestecke des Forums kreuzen sich zudem die beiden Hauptachsen der Stadt, die Via Sacra und der Decumanus maximus.

  • das 11 Amphitheater: das beim Bau der modernen Landstrasse 1828 entdeckte Amphitheater wurde dadurch in zwei Teile geschnitten. Der Westteil wurde ausgegraben, der Ostteil liegt noch unter der Erdoberfläche, das Gelände ist in Privatbesitz.
Das Aphitheater wurde wohl im ersten Jhdt. v.Chr. in der Zeit zwischen Sulla und Caesar erbaut, aus dieser Epoche stammen die Mauern mit den grossen Kalksteinblöcken. Etwa im 1. Jhdt. n.Chr. wurde das Therater vergrössert. Aus Ziegeln gemauerte Pfeiler stützen einen zweiten Rang mit Sitzreihen, zu dem Aufgänge führen.
Vom Theater ist das Westtor mit dem rekonstruierten Gewölbe und die unteren Ränge, die Sitzreihen selber waren wohl aus Holz gefertigt, hiervon zeugen Brandspuren und das Fehlen steinerner Sitze.
  • das grosse 12 Lustralbecken gehörte wohl zu einem Heiligtum eines Fruchtbarkeitskultes. Der gesamte Heilige Bezirk war von einer Mauer umgeben, im mit Wasser gefüllten Becken fand sich ein 47 x 20 m messender labyrinthartiger Unterbau, der wohl ein hölzernes Podest trug, auf dem Kulthandlungen und Prozessionen durchgeführt wurden.
Der im 3. Jhdt. v.Chr. errichtete Bau wurde in der Kaiserzeit zuegschüttet und umgenutzt. Es wurde ein dreischiffiger Bau errichtet, umgeben von einem Portikus, die Marmorbasen der Säulenhalle sind noch am Nordrand des Beckens zu sehen. Zur Zeit der Nutzung dieses Gebäudes war das Becken längst zugeschüttet worden.
Dem Komplex wurde auch einmal die Nutzung als Gymnasion zugeschrieben, das Becken wurde aber sicher nie für Schwimmwettkämpfe genutzt.
  • das 13 Forum: als Mittelpunkt des politischen und wirtschaftlichen Lebens der Stadt in der römischen Epoche diente das von einer Säulenhalle umgebene Forum. Der rechteckige zentrale Platz ist 60 x 150 m lang, er erstreckte sich allerdings - wie Grabungen hinter dem Restaurant ergeben haben - im Bereich der modernen Strasse weiter auf eine Länge von 200 m. Die umgebenden Säulen und Kapitelle stammen von früheren Bauwerken her und wurden im 3. Jhdt. weiterverwendet.
Im Norden findet sich ein aus dem 3. Jhdt. stammender Bau mit drei Nischen, wohl dem 14 Lararium entsprechend, hier wurden die Statuen der Stadtheiligen aufgestellt.
Um das Forum ziehen sich an der Westseite etliche 15 Ladengeschäfte oder Handwerksbetriebe, in einem ist eine Ölpresse erhalten. Gemäss antiker Beschreibungen wurden in Paestum Rosenessenzen und -öle hergestellt, für die die Stadt bekannt war.
  • 16 Ekklesiasterion (Comitium): der Rundbau des Comitiums als Ort von Ratsversammlungen (welche in römischer Zeit im Stehen abgehalten wurden) wurde nach 273 v.Chr. errichtet. Der Haupteingang mit einem Gewölbe lag nach Süden zum Forum hin gerichtet, ein zweiter an der Ostseite. Räume der Kurie waren von aussen durch eine Treppe an der Nordseite erreichbar. Der italische Tempel wurde später teils über Strukturen des Comitiums errichtet.
  • das 17 Capitolium (Friedenstempel): der "Italische Tempel" mit seinem hohen Podium und vier Säulen an der Front und acht Säulen an den Längsseiten, wurde in römischer Zeit später als das Comitium erbaut, an der Rückseite wurde auf Säulen verzichtet.
  • an der Südseite des Forums finden sich Ladenlokale und in der Mitte der Bau der 18 Kurie. Der rechteckige Bau aus dem 3. Jhdt. mit einer steinernen halbrunden Exedra (podestartig erhöhte Nische), der auf drei Seiten von einer Säulenhalle umgeben war, diente wohl als Basilika der Rechtssprechung und dem Besiegeln von Geschäftsabschlüssen.
  • 19 Macellum: daneben liegt ein Gebäude mit einem von Marmorsäulen umgebenen Hof. Kleinere Räume, welche sich zum Hof hin öffnen, gaben dazu Anlass, dass das Gebäude als Macellum, als gedeckter Markt mit Ladenlokalen, bezeichnet wird. Unter den Marmorplatten des Hofs befinden sich ältere Steinblöcke, wahrscheinlich der Front eines griechischen Tempels aus dem 6. Jhdt. v. Chr.
  • 20 Quadriporticus: ein grosses 50 m langes quadratisches Gebäude, an dessen Westseite ein mit Kalksteinplatten belegtes Podium erhalten ist und dessen Vorderfront nach Osten gelegen haben dürfte, ist teils von der modernen Strasse bedeckt. Möglicherweise handelte es sich hierbei um ein Asklepeion, im Bereich des Podiums könnte der Raum für den Heilschlaf gelegen haben.
  • 21 Thermen: Reste der Forumsthermen liegen an der Südwestecke des Forums.


Heratempel I ("Basilica")
Heratempel I & II (von SW)
Heratempel II ("Poseidontempel")
Heratempel I & II

Im heiligen Bezirk der Stadtheiligen Hera stehen der

  • 22 Heratempel (Heraion I), sog. "Basilica": die älteste der grossen Tempelbauten geht auf die Mitte des 6. Jhdt. v.Chr. zurück, der archaische Bauplan mit der ungeraden Anzahl von neun Säulen an der Front und 18 Säulen an den Längsseiten zeugt davon. Im Innern finden sich die Cella (Naos) mit dem Heiligtum und die Vorhalle Pronaos. Ein zusätzlicher Raum hinten an der Cella, das Adyton, war vom Heiligtum her zugänglich und diente wohl zur Aufnahme des Tempelschatzes. Der Architrav zeigt Löcher zur Aufnahme von Holzbalken, diese und das ziegelgedeckte Dach sind natürlich nicht mehr erhalten.

Die ersten Antikenforscher waren der irrigen Meinung, dass es sich um einen Profanbau handle, weshalb das Gebäude lange als Basilika bezeichnet wurde.
Im Osten des Tempels sind noch Reste des vor der Front errichteten Altars erhalten.

  • 23 Heratempel (Heraion II), sog. "Poseidontempel" (oder "Neptuntempel"): der jüngste der drei Tempel der Stadt Poseidonia war nicht - wie von den frühen Antikenforschern angenommen - dem Meeresgott Poseidon, sondern ebenfalls der Stadtgöttin Hera geweiht. Der 24,3 x 59,9 m messende Tempel ist eines der perfektesten Beispiele dorischer Tempel in Magna Graecia. Der Tempel verfügt über sechs dorische sich nach oben etwas verjüngende Säulen an der Front und jeweils 14 an den Längsseiten. Das Gebälk ist sehr hoch ausgeführt und unterstreicht den monumentalen Eindruck, zur Unterstützung des optischen Eindrucks wurde eine leichte Kurvatur eingeführt. Die Waagerechten laufen im Verlauf leicht nach oben aus und verhindern so den optischen Eindrucks des Auseinanderstrebens der Säulen nach oben. Im Innenraum finden sich zwei Säulenreihen im Bereich der Cella, welche vorne und hinten über eine symmetrische Vorhalle ("Pronaos") mit einer Säulenfront verfügt. Wahrscheinlich hatte der gewaltige Tempel ein steinernes von den beiden Säulenreihen getragenes Dach.
Beide Tempel waren mit weissem Stuck verputzt, um beim Betrachter den Eindruck von weissem Marmor hervorzurufen. Die Steinbrüche des zum Bau verwendeten lokalen Kalksteins befinden sich bei Linora.
Vor dem Tempel, in dem nur die Kultstatue aufgestellt war und der von den Gläubigen nicht betreten werden durfte, findet sich der 24 Altar, an dem Opferhandlungen vorgenommen wurden.
Im ganzen Tempelbezirk fanden sich noch weitere kleinere Heiligtümer, in denen grössere Mengen von kleinen Votivstatuetten gefunden wurden.
Der gesamte Tempelbezirk ist von einer Umfassungsmauer aus behauenen Steinen parallel zur Strasse umgeben, dem Peribolos.


Strassen und Wohnquartiere
Strassenkreuzung zum Decumanus maximus

Westlich des Tempelbezirks verläuft die

  • 25 "Via Sacra" resp. der "Cardo maximus" in süd-nördlicher Richtung
  • sie beginnt im Süden an der 26 Porta Giustizia, gleich davor fanden sich Reste einer Brücke über die Sele
  • an der Hauptkreuzung Compitum geht von der Südwestecke des Forums die Hauptstrasse 27 Decumanus maximus nach Westen ab. An der Hauptkreuzung befindet sich ein Altar aus Ziegelsteinen, wahrscheinlich der Altar der Lares compitalicii, ähnlich eines heutigen Wegkreuzes. Hier wurde die Bronzestatue des Marsyas gefunden, die im Museum zu sehen ist.
  • im Westen schliessen sich Wohngebiete an. Vom Decumanus, der Hauptstrasse mit einem mittleren Teil für den Wagenverkehr und teils Säulenhallen zu den Seiten, gehen im Abstand von 35 Metern Parallelstrassen ab. Die Häuserblocks von 35 m Breite und 268 m Länge waren in der Regel in der Tiefe in zwei Häuserreihen abgegrenzt, die Eingänge führten in die beiden Parallelstrassen.
  • erwähnenswert ist ein grosses 28 hellenistisches Haus mit einem gewaltigen Impluvium und einer Säulenhalle (Peristyl) von dem die Wohnräume abgehen, und das 29 Haus mit dem Marmorimpluvium.
  • Im Bereich der Wohnviertel westlich der Via Sacra finden sich noch zahlreiche Hausgrundrisse, immer wieder sind Fussböden mit bunten Mosaikornamenten erhalten.

Ein grösserer Teil der Wohnviertel ist noch nicht ausgegraben, teils sind nur noch Fundamente erkennbar. Die tiefergelegenen und der Versumpfung eher preisgegebenen Wohngebiete wurden mit dem Niedergang der Stadt früher aufegegeben, zuletzt war nur noch der Bereich um den Athenetempel bevölkert und dort eine Kirche eingerichtet.

Stadtbefestigungen
Stadtmauer

die um die Stadt führende Befestigungsmauer aus römischer und lukanischer Zeit ist fast vollständig erhalten:

  • die 30 Porta Giustizia, flankiert von einem Rund- und einem Viereckturm, führt nach Süden. Davor finden sich Reste einer kleinen Brücke über die Trabe.
  • die 31 Porta Marina liegt im Westen am Decumanus maximus, das Tor wurde von zwei Rundtürmen flankiert, von denen einer im 3. Jhdt. v.Chr. durch einen viereckigen Turm ersetzt wurde.
  • die 32 Porta Aurea im Norden in der Verlängerung der Via sacra
  • und die 33 Porta Sirena im Osten am Ende des Decumanus maximus, der römische Torbogen wird heute noch vom Strässchen Via Sirena unterquert.


Archäologisches Museum
Fresko aus dem "Tauchergrab"

Im 34 Archäologischen Museum sind zahlreiche der lokalen Funde aus der Ausgrabungsstätte ausgestellt. Das ein erstes Antiquarium vor Ort erst um 1900 im Palazzo de Maria neben der Kirche eingerichtet wurde, sind die zuvor im 19. Jhdt. geborgenen Funde im Nationalmuseum in Neapel untergebracht, weitere Fundstücke befinden sich in Madrid.

Im Museum wurde vor allem Platz für die Funde der Ausgrabungen des Heraions an der Sele-Mündung geschaffen. Im ersten Saal sind Metopen (Reliefbilder vom Tempelfries) aus einem ersten Tempel um 560 v.Chr. ausgestellt, im zweiten Metopen aus der Zeit um 500 v. Chr. Des weiteren finden sich die Gegenstände aus dem unterirdischen Sacellum und vor allem die Fresken aus dem Tauchergrab, die auf Kalkplatten an den Wänden des Kistengrabs in der Nekropole gemalt waren. Namensgebend ist das Bild eines nackten Jünglings, der ins Wasser springt. Etwas jüngeren Datums sind die Tafeln der Lukanischen Grabmalerei aus dem 4. Jhdt. Eine Sammlung von Münzen aus der Prägung von Paestum ist ebenfalls ausgestellt.

Sehenswürdigkeiten in Paestum - Torre/Licinella[Bearbeiten]

Chiesa dell'Annunziata (Paestum)
Torre di Paestum
  • die 35 Chiesa dell'Annunziata wurde im 5. Jahrhundert innerhalb des ummauerten Bereichs der antiken Stadt errichtet und im 12. Jhdt. und erneut im 16./17. Jhdt. umgebaut.
  • der 36 Torre di Paestum oder Torre Saracena stammt wohl aus dem 12. Jhdt.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Paestum: Ausgrabungsstätte
  • Häufigster Grund, die Region zu besuchen, ist der Besuch der Archäologischen Stätte von Paestum mit ihren Tempeln.
  • an der Küste des Cilento kann von Mai bis September gebadet werden, vor allem im Hochsommer ist die Region sehr stark besucht.
  • ein aufgrund der minimalen Steigungen bequem zu befahrender Radweg führt der ganzen Küste entlang, meist hinter der Piñeta. Stichsträsschen resp. -wege durch die unter Naturschutz stehende Pineta erlauben den Zugang zum flachen Sandstrand.

Einkaufen[Bearbeiten]

Büffel, aus deren Milch Mozzarella produziert wird

Ein kulinarischer Grund, das Sele - Delta zu besuchen, ist die Produktion des Mozzarella di Bufala. Im Bereich des Deltas sind immer wieder die Büffelherden zu sehen, aus deren Milch der echte Mozzarella di Bufala Campana DOP gewonnen wird. In mehreren Käsereibetrieben entlang der SS18 lässt sich der Käse vom Erzeuger erwerben, im Bereich des Ausgrabungsgeländes sind die Produzenten teils mit Verkaufsständen vor Ort.

Ansonsten sind im Bereich der Archäologischen Stätte die üblichen Andenken und Führer durch die Ausgrabungen zu erwerben, im Sommer in den Läden an den Stränden alls, was für das Strandleben notwendig ist.

Küche[Bearbeiten]

Im Bereich der archäologischen Stätte existiert ein Restaurant und verschiedene Snackbars.

Weitere Restaurants in verschiedenen Preisklassen gibt es in den touristisch gut erschlossenen Ortschaften entlang der Küste, beispielsweise (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit):

Nachtleben[Bearbeiten]

Nachts ist das Gebiet um die Ausgrabungsstätte ruhig, das Nachtleben spielt sich im Sommer in den Strandbars und Diskotheken der Ortschaften entlang des Strands ab, mehr Betrieb ist in Agropoli und Salerno.

Unterkunft[Bearbeiten]

Entlang der ganzen Küste um Paestum gibt es zahlreiche Campingplätze, Pensionen und Hotels unterschiedlichster Preisklassen.

Günstig[Bearbeiten]

Mittel / Gehoben[Bearbeiten]

Die meisten Hotels liegen nicht beim archäologischen Gelände, sondern an der Provinzstrasse, welche hinter der unter Schutz stehenden Pineta in Strandnähe verläuft. Zum archäologischen Gelände muss mit 10 - 20 Min. Gehdistanz gerechnet werden.

Gesundheit[Bearbeiten]

Das nächste Spital mit Notfallversorgung ist das 2 Ospedale Santa Maria della Speranza in Battipaglia (in der Nähe des Autobahnzubringers).

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Ausflüge[Bearbeiten]

Heraion Foce Sele
Museum beim Heraion Foce Sele

Literatur[Bearbeiten]

  • Führer mit Transparentfolien mit Rekonstruktionen: Paestum Einst und Jetzt, deutsch, Vision SrL, Rom, ISBN 978-88-8162-028-9

Weblinks[Bearbeiten]

  • offizielle Website des archäologischen Museums resp. Area Archeologica von Paestum, ital., mit Plan als PDF
  • Website der Soprintendenza per i beni archeologici der Umgebung (Salerno, Avellino, Benevent und Caserta), ital., mit einem Eintrag zu Paestum
  • Website zum Besuch der archäolog. Stätten, mit Plan, ital., automatis. Übersetzung unter anderem nach deutsch
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