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Diessenhofen

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Diessenhofen
Diessenhofen
Kanton Thurgau
Einwohner 3.200
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Höhe
397 m
Tourist-Info +41 (0) 52 657 10 77
http://www.diessenhofen.ch
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Gemeinde Diessenhofen

Diessenhofen ist eine Schweizer Stadtgemeinde im Kanton Thurgau. Sie beinhaltet die Gemeindeteile Diessenhofen, St. Katharinental und Willisdorf mit rund 3200 Einwohnern und war Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Heute gehört Diessenhofen zum Bezirk Frauenfeld.

Wissenwertes[Bearbeiten]

Wie bei vielen Schweizer Gemeinden hat auch der Name Diessenhofen seinen Ursprung von einem alemannischen Clanführer namens Die(o)zzo, der im 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. mit seiner Sippe hier siedelte.

Der heutige Bezirk gehört zum nordwestlichen Grenzgebiet des Kantons Thurgau und ist mit diesem durch einen lediglich einen Kilometer breiten Korridor verbunden. Obwohl eigentlich vollständig vom Zürcher Kantonsgebiet umgeben, gehen die intensiveren Beziehungen Diessenhofens eindeutig rheinabwärts zur Stadt Schaffhausen, die vielen Pendlern nebst Arbeitsplatz auch Einkaufs- und Kulturzentrum ist.

Der Bezirk Diessenhofen, dessen Hauptort das Städtchen ist, umfasst die politischen Gemeinden Basadingen-Schlattingen (ca. 1600 Einwohner), Diessenhofen (ca. 3200 Einwohner) und Schlatt (ca. 1500 Einwohner).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend um Diessenhofen gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten des Thurgaus. Funde beim 'Unterhof' belegen, dass bereits zur älteren Zeit der Schnurkeramik (ca. 2750 - 2400 v. Chr.) hier eine kleine Siedlung bestanden haben muss. Spärlichere Funde aus der jüngeren Zeit lassen dann allerdings eine permanente Besiedelung eher als unwahrscheinlich erscheinen. Als sicher gilt jedoch, dass auf dem Sporn des Unterhofes ein römischer Wachturm gestanden hat als Teil des Rhein/Iller/Donau-Limes, der um 300 n. Chr. unter Kaiser Diokletian gegen die immer häufigeren alemannischen Überfälle verstärkt wurde. Im spätmerowingischen Zeitalter erfolgte dann die Besiedelung durch die Alemannen, die den sich aus dem nördlichen Alpenraum zurückziehenden Römern auf dem Fuss folgten.

Eine erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 757, als ein Priester namens Lazarus seinen Weiler 'Deozincova' dem Kloster St. Gallen verschenkte. Um das Jahr 839 wurde der Ort als 'Theozinhovun' erwähnt, was frei übersetzt 'bei den Höfen des Die(o)zzo' bedeutet, und erst im 13. Jahrhundert hiess er erstmals 'Diessinhovin'.

Graf Hartmann III. von Kyburg gründete hier 1178 eine Stadt mit etwa 60 Hofstätten.

altes Wappen der Kyburger bis 1264

Er wählte dazu das damals üblicherweise verwendete Axial-Schema, das auf einem Gassenmarkt mit parallel verlaufenden Seitengassen und genau definierten Hofstättenmassen mit den Schmalseiten zur Längsachse beruht. Im Jahre 1262 bestätigte Rudolf I. von Habsburg das Stadtrecht, nachdem der Besitz der Kyburger nach deren Aussterben an Habsburg ging. Eine Erweiterung um weitere 20 Hofstätte beim Obertor erfolgte dann im 13. Jahrhundert. Da die Stadt der damaligen Zeit gemäss zum grössten Teil aus Holzhäusern bestand, fiel ein grosser Teil der Bauten einer verheerenden Feuersbrunst 1331 zum Opfer. Herzog Otto von Österreich, als Vertreter der Habsburger, griff helfend ein. Er überliess der Bevölkerung fünf Jahre lang je 42 Mark Silber aus den Rheinzöllen und verlangte keinerlei Dienstleistungen der Stadt an das Haus Österreich. Ein weiteres Feuer, das 1371 ausbrach, verursachte noch grössere Schäden, vor allem im Ostteil der Stadt. Gemäss dem zeitgenössischen Chronisten Stumpf verbrannte die ganze Stadt bis auf ein einziges Haus! Und wiederum kam Hilfe aus Österreich: die Herzöge Albrecht und Leopold traten der leidgeprüften Bevölkerung während acht Jahren die Zollerträge ab und als dies nicht reichte, überliessen sie ihnen weitere Einkünfte. Selbstverständlich waren diese Gesten nicht ganz selbstlos, denn Österreich konnte und wollte sich eine Abwanderung aus dem strategisch günstig gelegenen Diessenhofen nicht leisten.

Als Konsequenz dieser beiden Grossbrände wurden äusserst restriktive Brandschutzmassnahmen in Kraft gesetzt:

Wer Wohnhaus und Scheune unter einem Dach baut, in diese Scheune keine Garben einführen und dort auch nicht dreschen dürfe ... es sei denn, er lasse zwischen Wohnhaus und Scheune eine feste Muur bis oben hinauf erstellen. Wer bei seinem Haus einen Hof hat, mag wohl eine Scheune bauen, jedoch nur so, dass zwischen Wohnhaus und Scheune soviel Zwischenraum besteht, dass direkte Gefahr bei Brand für beide Häuser bekämpft werden kann.

Daraus ergaben sich – wie im Obertor sichtbar – Innenhöfe, die heute noch bestehen.

Der Einflussverlust der Habsburger und der Niedergang der Truchsessen, die auf der Burg 'Unterhof' sassen und zeitweilig Vogtei und Schultheissenamt in einer Hand vereinigten, führten 1415–42 zur Reichsfreiheit der Stadt. Im Jahre 1460 wurde Diessenhofen im Zuge der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen nach zehntägiger Belagerung eingenommen. Ähnlich wie Frauenfeld behielt es jedoch gewisse Privilegien in der gemeinen Herrschaft Thurgau, so die Hoch- und Niedergerichtsbarkeit und die kurz zuvor erworbenen Zoll-, Steuer- und Vogteirechte (mit Schloss), ab 1574 zudem die Herrschaft über die linksrheinischen Besitzungen des Klosters Paradies sowie vom 16. Jahrhundert an die meisten Niedergerichte im Gebiet des heutigen Bezirks. Gerichtsurteile wurden nicht an den Landvogt in Frauenfeld, sondern direkt an die eidgenössischen Instanzen der neun Orte (im Gegensatz zum übrigen Thurgau mit Bern und Schaffhausen) weitergezogen; die Stadt hatte lediglich alle zwei Jahre dem thurgauischen Landvogt zu huldigen, wenn dieser bei Amtsantritt die Lehen feierlich erneuerte.

Eine weitere Heimsuchung ereignete sich im Jahre 1629. Die Pest brach aus und raffte innert kürzester Zeit die Hälfte der Bevölkerung (424 Menschen) dahin. Auch die zweite bekannte Epidemie dieser Seuche im Jahr 1634 forderte nochmals 181 Opfer. Schnell waren die Schuldigen solcher Unglücksfälle gefunden, denn sie hatten angeblich die Brunnen vergiftet und damit die Seuchen ausgelöst: die Juden. Daher wurde schon früh (1349) die jüdische Gemeinde von Diessenhofen ausgelöscht, indem 330 Juden verbrannt wurden. Ein Ritualmordprozess gegen einen Juden im Jahr 1401 zog weitere Verfolgungen in Winterthur und Schaffhausen nach sich.

Als Grenzort und seiner strategischen Lage wegen war Diessenhofen, ähnlich wie Schaffhausen und Stein am Rhein, wiederholt Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen, insbesondere während des Zweiten Koalitionskrieges und des Zweiten Weltkrieges, wo jeweils die erstmals 1292 erwähnte Holzbrücke über den Rhein schwer beschädigt wurde.

Trotz des stetigen Wandels, dem die Bauten laufend ausgesetzt waren, konnte die mittelalterliche Struktur mindestens in ihren Grundzügen bis heute erhalten werden.

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Nächster Flughafen zur Anreise nach Diessenhofen ist wie in den meisten Fällen für Destinationen der Nord-/Nordostschweiz der Flughafen Zürich-Kloten. Ab hier hat man die Möglichkeit, über die Umsteigestation Winterthur innerhalb 1–1 ½ Stunden den Bahnhof Diessenhofen zu erreichen oder man benutzt den Schalter einer der internationalen Autovermietungen, die hier geschlossen vertreten sind.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Nebst der bereits oben beschriebenen Möglichkeit kann man Diessenhofen ab Zürich Hauptbahnhof mit einmaligem Umsteigen in Schaffhausen mittels der modernen Interregiobahn, dem Thurbo bequem innerhalb einer guten Stunde erreichen.

Auf der Strasse[Bearbeiten]

Diessenhofen liegt recht verkehrsgünstig ziemlich genau in der Mitte zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein an der Hauptverkehrsachse SchaffhausenRorschach/St. Margrethen. Es bietet sich die Möglichkeit der Autobahn A1 ab Zürich über Winterthur-Nord, um dort in die bis ins Jahr 2010 nur einspurig befahrbare A4 zu verzweigen. Dann über die Ausfahrt 6 (Flurlingen) die A4 verlassen und via Feuerthalen die hier noch Diessenhoferstrasse geheissene Hauptstrasse SchaffhausenKonstanz erreichen. Für diese Route muss man mit einer knappen Stunde Fahrzeit rechnen.

Eine weitere Route führt wiederum über die A 1 ab Zürich zum Autobahnkreuz 73 (Winterthur-Ost) und von dort über die A 7 bis Konstanz, um am Autobahnende (7, Kreuzlingen-Nord) die bereits erwähnte Transachse Richtung Schaffhausen zu befahren. Diese Variante benötigt eine Fahrzeit von etwa 1 ½ Stunden.

Die jedenfalls reizvollste Alternative bietet eine Überlandfahrt durchs Zürcher Weinland über Flaach und Andelfingen in Richtung Dachsen und Feuerthalen, um dort wiederum auf die Achse SchaffhausenKonstanz zu stossen. Hierfür ist jedoch ein(e) gute(r) KartenleserIn oder ein Navigationsgerät mit Ausschluss 'Autobahn' zu empfehlen. Dies ist der zeitlich aufwendigste, aber sowohl optisch wie kulinarisch interessanteste Weg, denn hier wachsen die bekanntesten Zürcher Weine und in der entsprechenden Saison kann man zum Beispiel taufrischen Spargel dazu geniessen.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Selbstverständlich kann Diessenhofen, wie es sich für eine Rheingemeinde gehört, während der Sommermonate mit der URh, der 'Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein', erreicht werden.

Mit dem Fahrrad[Bearbeiten]

Auf der anderen Rheinseite: Rhein-Route (Teil des internationalen Rhein-Radweg) und Rheintal-Weg

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siegelturm (1545), Diessenhofen
Uhrdetail Siegelturm mit Mondphasenanzeige

Das Wahrzeichen Diessenhofens liegt im Zentrum der Altstadt: der Siegelturm. An der Stelle dieses rund 30 m hohen und wohl proportionierten Turmes stand ursprünglich ein zur Stadtbefestigung gehörendes Tor. Als Folge der Grossbrände der Jahre 1331 und 1371 wurde die Stadt um die Vorstadt erweitert und der als 'Siegel-' oder 'Igeltor' bekannte Zugang verlor dadurch seine militärische Bedeutung. Inzwischen baufällig geworden, wurde um 1530 beschlossen, das Tor zu ersetzen. Unter der Leitung des Meisters Martin Heünseler aus Stein am Rhein wurde die Arbeiten in Angriff genommen und 1545 beendet.

Fortan bis ins Jahr 1972 diente der Siegelturm als Aufbewahrungsort für Urkunden und das Stadtsiegel. Bemerkenswert ist die mit astronomischen Symbolen und den den Wochentagen zugeordneten Gestirnen ausgestattete Turmuhr ebenso wie die mit diesem Laufwerk gekoppelte, über der eigentlichen Uhr liegende Monduhr. Sie wurde von einem Winterthurer Uhrmacher begonnen und vom Zürcher Hans Luther im Jahre 1546 fertig gestellt. Im Turminnern beeindrucken nebst eben diesem Uhrwerk auch die Räume des einstigen Archivs und der Glockenstuhl mit der originalen Glocke aus der Entstehungszeit.

Ein weiteres Wahrzeichen stellt die gedeckte Rheinbrücke dar. Urkundlich vermerkt ist eine Brücke erst im 13. Jahrhundert, jedoch bestand vermutlich bereits zur Zeit der Stadtgründung (1178) ein Rheinübergang.

Rheinbrücke in Diessenhofen

Die Vorgänger des heutigen Baudenkmals waren im 15. und 16. Jahrhundert in der Mitte mit einem sogenannten Winkhaus ausgestattet, von dem aus die Schiffe eingewiesen wurden. Die Brückenköpfe bestanden aus Giebeltorbauten und Zollschranken. Auf der Stadtseite war zusätzlich eine Fallbrücke mit Kettenaufzug installiert. 1668 wurde die komplette Konstruktion durch eine baugleiche Brücke ersetzt, die dann 1750 vollständig gedeckt wurde. 1799 war auch Diessenhofen Schauplatz der kriegerischen Auseinandersetzung während der napoleonischen Kriegszüge. So wurde diese Brücke am 8./9. Oktober 1799 von sich zurückziehenden russischen Truppen abgebrannt. Die zwei Jahre später gebaute, provisorische Brücke konnte keine Fuhrwerke tragen und stürzte 1814 teilweise ein. Dies war der Startschuss, 1815/16 den Bau einer fünfjochigen, gedeckten Holzbrücke in Angriff zu nehmen. Als im Jahre 1825 die Rheinschifffahrt auf Dampfbetrieb umrüstete, konnten die Schiffe die Brücke nur mit eingezogenem Kamin passieren, was 1854 zu einem leichten Anheben des Bauwerks führte. Dennoch muss das Städtchen noch heute der Rheinschifffahrtsgesellschaft eine Entschädigung zahlen, wenn die Brücke bei Hochwasser unpassierbar wird. Vom Fluss oder auch vom diesseitigen Ufer aus fallen sofort zwei weitere Bauwerke auf. Das eine ist der sogenannte Hänkiturm, der durch seinen auskragenden Holzaufbau ins Auge sticht. Er wurde zwischen dem 13. und dem 14. Jahrhundert erbaut als Folge der Stadtausdehnung nach Osten um die Vorstadt und im Norden hinunter gegen das Rheinufer und bildete die nordöstliche Ecke der Wehrmauer. Aus dem 16. Jahrhundert datierte Belege bezeichnen ihn als 'Armbrusterturm', indem sich von 1616 bis gegen 1800 das Gefängnis befand.

Hänkiturm

Dass er, im Gegensatz zu grossen Teilen der Stadtbefestigung, nicht geschleift wurde, ist dem Umstand zu verdanken, dass er 1828 von Heinrich Hanhart gekauft und in dessen Färbereibetrieb integriert wurde. Das inzwischen bedeutungslos gewordene Bauwerk wurde zu diesem Zweck zur 'Tröcknestube' umgebaut, indem man das alte Dach entfernte und durch diesen, noch heute sichtbaren prägnanten Holzaufbau ersetzte. In den kommenden fünfzig Jahren wurden die gefärbten und bedruckten Stoffbahnen daran aufgehängt, was ihm eben den Namen 'Hänkiturm' eintrug. Nachdem er seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts leer gestanden hatte, kam der Turm 1947 in den Besitz der Gemeinde, die ihn dann nach verschiedenen Interventionen, auch seitens des bekannten Diessenhofener Künstlers Carl Roesch, renovieren liess.

Das andere auffallenden Gebäude ist das Obere Amtshaus (auch Hinteres oder Petershausen Amtshaus). Im Westen des 'Hänkiturms' kaufte das Augustinerstift Kreuzlingen im Jahr 1556 Land, um darauf den Sitz eines Amtmannes zur Verwaltung der Naturalabgaben der Umgebung zu errichten. Kurz vor Vollendung des Baus stockten jedoch die Arbeiten, bis das Anwesen durch das Benediktinerkloster Petershausen bei Konstanz 1586 aufgekauft und der Bau umgehend fertiggestellt wurde. Nach der Auflösung des Klosters ging das Amtshaus 1798 vorübergehend in den Besitz des badischen Staates über, der es 1814 dem Industriellen Heinrich Hanhart verkaufte. Dieser richtete umgehend eine gutgehende Stofffärberei und -druckerei ein, die sich zu einem namhaften Industrieunternehmen des Städtchens entwickelte. Als Folge davon wurde 1835 dem Gebäude ein zusätzliches Stockwerk aufgesetzt. Dann ging der Fabrikationsbetrieb 1884/85 in Liquidation und der Maler Carl Roesch hatte in den Jahren 1902 bis 1906 hier sein erstes Atelier. 1947 erwarb die Gemeinde den nunmehr leerstehenden Bau und liess ihn renovieren. Seit 1961 befindet sich nun das Ortsmuseum darin. Es beherbergt permanente Sammlungen zum Thema Stofffärberei und -druckerei, zu Carl Roesch, zur Stadtgeschichte und einen Bereich für Wechselausstellungen.

Vorderes Amtshaus

Das Vordere oder Konstanzer Amtshaus wurde 1489 vom Konstanzer Domkapitel erworben. Es wurde zwischen 1518 und 1519 durch Lorenz Reder aus- und 1762 im Stil des Barock umgebaut.

Die reformierte Kirche St. Dionysius geht auf einen Vorgängerbau zurück, der 757 erstmals erwähnt wurde. Die heutige Kirche wurde im 12. Jahrhundert als romanische Basilika erbaut, aber im 14. und 15. Jahrhundert zur Hallenkirche umgestaltet. Zwischen 1838 und 1839 wurde sie durch Jean Ruch und Johann Nepomuk Keller umfassend renoviert und teilweise neu konzipiert. Hierbei erhielt sie die neugotische Spitztonnehalle.

Umstrittener Wiederaufbau des Turms der Stadtburg Unterhof

Eines der wichtigsten und ältesten Bauwerke Diessenhofens ist der Unterhof. Trotz der historischen Bedeutung dieser ehemaligen Stadtburg des 12. Jahrhunderts war deren Fortbestand noch bis vor 20 Jahren sehr umstritten. Im Jahre 1186 wurde als Folge des acht Jahre zuvor verliehenen Stadtrechts an der Westspitze der Stadt ein Megalithturm samt Ringmauern gebaut. Dieser diente fortan den von den Kyburgern eingesetzten Truchsessen als Stamm- und Verwaltungssitz und war auch Teil der Stadtbefestigung.

Burg Unterhof mit Teilen der Stadtbefestigung

Auch als Diessenhofen 1264 an Habsburg als Erbe des ausgestorbenen Kyburgergeschlechts überging, blieben die Truchsessen auf der Burg. Nach und nach bauten sie sie aus und erweiterten sie so bis 1399 um den zweiteiligen Ostflügel, den Palas und verstärkten sie schliesslich mit einer neuen Wehrmauer. Dieser Grundriss blieb während der folgenden 350 Jahre praktisch unverändert. Als die Eidgenossen das Städtchen schliesslich eroberten, endete das Mandat der Truchsessen und die Bedeutung des Unterhofs als regionales Machtzentrum. Daraufhin folgte der schleichende Verlust des Burgcharakters, indem man zuerst den Obergaden des Turms und später auch jenen des Palas entfernte. 1783 wurde das Anwesen vom damaligen Postsekretär Johann Brunner ersteigert und damit eine neue Ära, die über 200 Jahre dauern sollte, eingeleitet. Während dieser Zeit büsste der Unterhof seinen Turm endgültig ein. Ein Nachfahre Johann Brunners gründete hier die erste Augenklinik der Schweiz und verhinderte so während weiterer rund zwei Jahrhunderte wiederholte bauliche Eingriffe. In der Zwischenkriegszeit verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes zusehends und die Burg war in ihrem Bestand akut gefährdet. Sie wurde zum lokalen Politikum. Man suchte zusammen mit der Besitzerfamilie und weiteren Privaten während 20 Jahren nach Lösungen. 1988 erwarb dann die Winterthur Versicherung das Gebäude, um dort ihr Kaderausbildungszentrum einzurichten. Der Konzern finanzierte nach gründlichen archäologischen Untersuchungen den aufwendigen Wiederaufbau, während dessen der Turm in nicht unumstrittener Weise rekonstruiert wurde und der Palas wieder zu einem Obergaden kam. Mit einem grossen Volksfest wurde 1992 die Eröffnung gefeiert. 2001 übernahm die Credit Suisse die Winterthur Versicherungen und stellte so den Zugang der Öffentlichkeit zum heutigen Seminarhotel sicher.

Ausserhalb

Ausserhalb der Ortschaft bei Willisdorf befindet sich das ehemalige Dominikanerinnen-Kloster St. Katharinental. Es beherbergt heute eine Rehabilitations- und Langzeitpflege-Klinik. Eine Besonderheit stellt das sogenannte Schwesternbuch dar, das sich durch ununterbrochene Überlieferungen ab ca. Mitte des 14. Jh. bis ins 18. Jahrhundert hinein auszeichnet.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Ein laufend aktualisierter Link informiert über die in der Gemeinde organisierten Veranstaltungen.

Einkaufen[Bearbeiten]

Ein für die Grösse der Gemeinde recht umfangreiches Angebot lädt zum Shoppen ein. Nebst den beiden bekannten Grossverteilern freuen sich viele kleinere Detaillisten über einen Besuch.

Küche[Bearbeiten]

Diessenhofen verfügt über ein breit gefächertes Angebot an Restaurants verschiedenster Güte, das sich von der 'Haute Cuisine' über die gutbürgerliche Küche, das Spezialitäten-Restaurant bis zum Take-away erstreckt. Dieser Link bietet eine Übersicht.

Zu den Spitzenrestaurants gehören „Krone“ und „Schupfen“, die auch mit Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet wurden:

Nachtleben[Bearbeiten]

Der Grösse des Städtchens und seinem mittelalterlichen Charakter entsprechend gibt es ein Nachtleben nur in einem sehr bescheidenen Ausmass.

Livemusik gibt es beim Dancing RiverSide, Steinerstrasse 491, 8253 Diessenhofen. Tel.: +41 (0)52 657 45 77, E-Mail: ., in der Rheinperle jeweils donnerstags bis samstags.

Unterkunft[Bearbeiten]

Der nachfolgende Link bietet eine aktuelle Übersicht über die Unterkunftsmöglichkeiten in Diessenhofen vom Mehrsterne-Hotel bis zum Massenlager

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Wie praktisch überall in der Schweiz sind öffentliche Telefonzellen zu Gunsten eines hervorragenden Mobilnetzes auf dem Rückgang. Dennoch sind in den Postämtern, Restaurants und in Hotels solche Möglichkeiten vorhanden.

Der Brief- und Postkartenversand ins Ausland erfolgt in der Regel problemlos, natürlich in Abhängigkeit des ausländischen Dienstleisters. Europaweit kostet ein Standardbrief (Format A5) oder eine Postkarte im Economy-Service CHF 1.20, übrige Länder CHF 1.40. Der 'Priority'-Standardbrief kostet CHF 1.30 innerhalb Europas, übrige Länder CHF 1.80. Zu beachten ist hier, dass die schnellere Beförderung nur bis zur Schweizer Grenze gewährleistet ist, der ausländische Beförderer jedoch diesbezüglich keinerlei Verpflichtung eingeht.

Ausflüge[Bearbeiten]

Rheinaufwärts folgt eine weitere touristische Perle, das Städtchen Stein am Rhein, eine der am besten erhaltenen Kleinstädte der Schweiz. Die Anfahrt hier kann mit dem Auto erfolgen, allerdings ist zu bedenken, dass die Parkplatzsituation wie in allen mittelalterlich geprägten Orten unter Umständen äusserst prekär sein kann. Also lässt man sich mittels des schon erwähnten Thurbo bequem und schnell hin- und wieder zurückbringen oder aber man wählt die ebenfalls schon angesprochene Rhein-Schifffahrt.

Ein weiteres lohnendes Ausflugsziel ist die „Stadt der 171 Erker“, Schaffhausen. Lediglich rund 10 km entfernt, also in rund 20 Auto- oder 15 Bahnminuten kann man diese kulturell und historisch bedeutsame Stadt besuchen. Etwas weiter rheinabwärts erreicht man den imposanten Rheinfall.

Literatur[Bearbeiten]

Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau: Band V: Der Bezirk Diessenhofen (Gebundene Ausgabe – 1992) von Alfons Raimann (ISBN 3906131610, ISBN 978-3906131610)

Der Unterhof in Diessenhofen. Von der Adelsburg zum Ausbildungszentrum (Gebundene Ausgabe – 1995) von Hermann Bürgi, Jost Bürgi, Armand G Baeriswyl, und Marina Junkes von Departement f. Erziehung u. Kultur d. Kantons Thurgau (ISBN 3905405024, ISBN 978-3905405026)

Weblinks[Bearbeiten]

Internetseite von Diessenhofen


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