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Aidone

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Aidone (Aidungh / Aidò / Aidoni)
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Aidone ist eine Stadt in der Provinz Enna auf Sizilien.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Städtchen Aidone liegt im hügeligen Hinterland ziemlich zentral in Sizilien, im Süden der Provinzhauptstadt Enna, auf einem Hügelrücken auf 800 m.ü.M. Die Stadt ist noch stark landwirtschaftlich ausgerichtet, auf dem Gemeindegebiet liegt der Archäologische Park von Morgantina und in der Nähe weitere antike Stätten wie die Villa Romana di Casale in der Nähe von Piazza Armerina und die arabisch - normannische Burg von Pietratagliatia.

Geschichte[Bearbeiten]

Aidone wurde wahrscheinlich am Ende des 11. Jhdt. im Bereich einer früheren arabischen Ansiedlung gegründet, rasch gewannen das Kastell und die Chiesa Madre an Bedeutung. Wahrscheinlich gehörte Aidone später zu den direkten Besitzungen von Friedrich II, über die Jahrhunderte wechselten sich die Herren von Anjou und Aragon als Regenten ab. An der Beendigung der Burbonenherrschaft durch den Marsch der Tausend unter Garibaldi beteiligte sich Aidone mit einem Kontingent.

Das nahegelegene Morgantina war bereits in der Bronzezeit besiedelt, die Sikuler errichteten wohl eine erste Ansiedlung im 14./10. Jhdt. v.Chr. Im Rahmen der griechischen Kolonisierung von Trinacria ließen sich Siedler von Chalkis in der Region nieder. Nach Auseinandersetzungen zwischen Sikulern und Griechen kam die Stadt unter die Herrschaft von Syrakus, die Stadt erlebte ihre Blütezeit mit ca. 10'000 Einwohnern im 3. Jhdt. v. Chr. Im zweiten Punischen Krieg schlug sich Morgantina auf die Seite der Karthager, fiel dann kurz nach dem Fall von Syrakus 211 v.Chr. an die Römer und konnte sich von den Zerstörungen erholen. Die Mauern wurden geschleift, Morgantina blieb ein Handelsknotenpunkt und bedeutend in der Herstellung von Keramik und der Lebensmittelproduktion (Korn, Oliven, Wein). Die Stadt verlor an Bedeutung und wurde wohl um 30 v.Chr. verlassen.

Torre Adelasia / Chiesa S. Maria Lo plano
Chiesa Madre S. Lorenzo

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Die nächsten Flughäfen sind diejenigen von Palermo und Catania, mit beiden Orten ist Aidone über die Provinzhauptstadt Enna mit Buslinien verbunden.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Die nächsten Bahnstation ist diejenige der Provinzhauptstadt, Enna-Stazione kann über die Linien Catania - Bicocca - Enna - Caltanissetta (Centrale) - Licata und aus Richtung Palermo über Roccapalumba - San Cataldo - Caltanissetta (Xirbi) mit den Zügen der Trenitalia erreicht werden.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Zweimal täglich verkehren Autobusse der Sais Autolinee zwischen Aidone und Enna und Busse von Etnatrasporti von Catania.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Aidona liegt im bergigen Süden der Provinz Enna und ist am einfachsten mit dem Privatfahrzeug erreichbar, vor allem, wenn man den Archäologischen Park von Morgantina besuchen will.
Von der Autobahn A19 A19 Palermo - Catania, kann die Ausfahrt von Enna benutzt werden, die SS561 Pergusina verbindet Enna mit der Richtung Piazza Armerina führenden SS117bis, kurz vor Piazza Armerina führt die SS288 nach Aidone.
Eine Alternative ist bei Anfahrt auf der A19 aus Richtung Catania die Benutzung der Symbol: AS Agira, über die P21, dann auf der SP20iii SP20iii südwärts bis nach Raddusa in der Nähe des Lago di Ogliastro ebenfalls die SS288 erreicht wird.
Von Süden her wir am besten die SS117bis SS117bis ab Gela benutzt, nach Piazza Armerina dann weiter ostwärts auf der SS288.
Die Zufahrt nach Morgantina erfolgt auf der SS288 ab dem Stadtzentrum nach Osten, bei km 41 1 geht nach links die SP97 zum Archäologischen Park ab.


Mobilität[Bearbeiten]

Karte von Aidone

Innerhalb von Aidone kann man sich gut zu Fuß bewegen, der Fußweg zum Ausgrabungsgelände von Morgantina ist mit 4,5 km eher lang, um dann noch genügend Energie zur Besichtigung zu haben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Chiesa di Sant'Antonio Abate
Chiesa Maria SS. delle Grazie
Chiesa di San Domenico

Straßen und Plätze[Bearbeiten]

Die wichtigste Strasse ist die Via Giuseppe Garibaldi, welche von der Durchgangsstraße SS288 abgeht. Nachdem die Via Abate Scovazzo nach Westen zur Piazza Filippo Cordova abzweigt, verläuft die Via Giuseppe Garibaldi dem Bergrücken entlang und setzt sich als Via Roma bis zur Chiesa Madre fort.

Kirchen und sakrale Bauten[Bearbeiten]

  • der Torre Adelasia normannischen Ursprungs, einst Bestandteil der Stadtbefestigung, wurde umgenutzt als Campanile der 1 Chiesa Santa Maria Lo plano oder Santuario S. Filippo, welche an prominenter Stelle auf der Piazza Filippo Cordova steht. Die Ursprünge der im normannischen Stil errichteten Kirche liegen im Jahre 1134.
  • die 2 Chiesa Madre di San Lorenzo ist die älteste Kirche von Aidone und stammt aus dem 11. Jhdt. Nach schweren Schäden durch das Erdbeben von 1693 blieben nur die Fassade im normannischen Baustil erhalten, der Rest der Kirche musste neu aufgerichtet werden, ein Campanile wurde hinzugefügt.
  • die 3 Chiesa Maria SS. dell' Annunziata liegt unweit der Chiesa Madre.
  • die 4 Basilica di San Leone an der Piazza Umberto I geht auf das Jahr 1090 zurück, nach schwerer Beschädigung durch das Erdbeben von 1693 wurde die Fassade im Barockstil erneuert.
  • die 5 Chiesa Sant'Antonio Abbate geht nach der Legende auf eine christianisierte Moschee zurück, der Grundriss könnte allerdings auch spätrömisch oder byzantinisch sein, auf jeden Fall wurde das Gebäude in normannischer Zeit in die jetzige Form gebracht.
  • die 6 Chiesa Maria SS. delle Grazie stammt aus dem frühen siebzehnten Jahrhundert, im Innern sind der Barockaltar und ein Gemälde aus 1642 erwähnenswert.
  • von der 7 Chiesa di San Michele Archangelo, wo ein Vorgängergebäude auf das 11. Jhdt. zurückging, die Kirche inkl. einem angrenzenden Kloster aber im 15. Jhdt. errichtet wurden, existieren nur noch Ruinen des Glockenturms und des Eingangsportals.
  • die 8 Chiesa di San Giovanni Batista wurde als Gotteshaus des Templerordens um 1229 erbaut, erlebte danach aber zahlreiche Umbauten, so dass vom ursprünglichen Bau kaum mehr etwas erhalten ist.
  • der Bau der ehemalige Kirche und Kloster 9 San Domenico wurde im Jahre 1419 begonnen, die Fassade ist in "Punta di diamante" ausgeführt, was für ein Kirchengebäude eine Seltenheit darstellt (vgl. Palazzo Steripinto in Sciacca und Palazzo dei Diamanti in Ferrara). Nach dem Erdbeben von 1693 musste das Gotteshaus renoviert werden.
  • die 10 Chiesa di Sant'Anna mit angrenzendem Kreuzgang (und ehem. Kloster) stammt aus dem 17. Jhdt. wenn auch hier die Legende von einem Vorgängerbau aus arabischer Zeit zu berichten weiss. In der Kirche findet sich u.a. ein hölzernes Kruzifix von Umile Pintorno da Petralia aus dem Jahre 1635.
  • die Chiesa San Marco lag etwas außerhalb des Stadtgebiets bei Scalazzo
  • die 11 Chiesa e Convento dei Cappucini stammt aus dem frühen 17. Jhdt., erwähnenswert ist eine Holzbüste Ecce Homo, welche Umile Pintorno da Petralia zugeschrieben wird. Heute beherbergt der Bau das Archäologische Museum von Aidone.

Burgen, Schlösser und Paläste[Bearbeiten]

  • das 1 Castellacio: am höchstgelegenen Punkt von Aidone wurde eine erste Festung in der Normannenzeit im 11.Jhdt. erbaut und von Conte Enrico Rosso ab 1351 ausgebaut. Nach dem schweren Erdbeben von 1693 stürzte das Kastell ein und wurde in der Folge verlassen, es finden sich noch einige Ruinen.

Museen[Bearbeiten]

  • Museo Archeologico di Aidone, P.zza Torres Truppia, 1. Tel.: 093587307. Hier wird neben anderen Funden aus der antiken Stadt Morgantina auch die 2.24 m große Statue "Dea di Morgantina" oder Venus von Morgantina ausgestellt. Diese Skulptur wurde wohl im Rahmen von Raubgrabungen in den achtziger Jahren vom Ausgrabungsgelände entwendet und wurde ans Paul Getty Museum in Malibu verkauft. Nach langwierigen Abklärungen stellte sich heraus, dass das verwendete Gestein unweit von Morgantina aus den Ibleischen Bergen stammte, im Jahre 2011 gelangte das Stück zurück nach Sizilien und ist seit dem 17.5.2011 in Aidone ausgestellt.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Prozession am Palmsonntag
Prozession des S.Filippo
  • die Giunta Pasquale di Aidone: in einer an die spanische angelehnte Tradition wird die Osterwoche mit farbenprächtigen Prozessionen begangen. Am Palmsonntag werden bunte überlebensgroße Bilder der 12 Apostel von Männern der verschiedenen Bruderschaften zur Chiesa Madre getragen, in den folgenden Tagen folgen weitere Feierlichkeiten im Beisein fast der ganzen Bevölkerung von Aidone.
  • Am 1. Mai wird jeweils die kürzlich restaurierte Statue des San Filippo in einer farbenprächtigen Prozession durch die Gassen von Aidone getragen, zwischenzeitlich hat die Statue ihren Standort in der Chiesa S. Maria lo Plano.
  • die Prozession zu Ehren des San Lorenzo wird jeweils am 10. Aug. abgehalten.

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Nachtleben[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Sicherheit[Bearbeiten]

Gesundheit[Bearbeiten]

  • Guardia Medica, Via Martiri d'Ungheria, 1. Tel.: 093588018.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

  • das 1 Postamt befindet sich an der Via Santoro

Ausflüge[Bearbeiten]

Castello di Pietratagliata
  • das Castello di Gresti oder Castello di Pietratagliata 1 : Anfahrt über die SS288 von Aidone Richtung Catania, vor dem Lago di Ogliastro in nordwestlicher Richtung weiter auf der SP67 Richtung Valguarnara (Strasse nördlich des Flüsschens nehmen, nicht die SP35a)
  • der Lago di Ogliastro: ein zwischen 1963/72 durch Aufstau des Flüsschens Gornalunga entstandener Stausee, der zu Bewässerungszwecken dient.

Morgantina (Archäologisches Gelände)[Bearbeiten]

Morgantina: Theater
Morgantina: Aussicht vom Westhügel

Unweit von Aidone wurde um 1955 mit Ausgrabungen an einer antiken Stadt begonnen, welche als 1 Morgantina (Area Archeologica). Tel.: 0935 87955. Preis: 6.00 / 10.00€ (inkl. Museo archeologico Aidone). identifiziert werden konnte. Neben einem rechtwinklig angelegten Straßensystem sind vor allem ein griechisches Theater und die Agora erwähnenswert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Region um Morgantina um die höchste Erhebung der Monti Erei war bereits bronzezeitlich besiedelt, Funde wurden auf die Castelluccio - Kultur datiert. Wahrscheinlich waren im 14.-11. Jhdt. v. Chr. Siculer eingewandert; zwischen ihnen und den im Rahmen der griechischen Kolonisierung eingewanderten Griechen aus Chalkis gab sich wohl zunächst eine Koexistenz, der Kult um die siculische Muttergöttin verschmolz mit dem griechischen Kult um Demeter und Persephone. Die Stadt gelangte Ende des 5. Jhdt. v.Chr. in die Hände des Tyrannen von Syrakus und wurde 459 v.Chr. vom Siculischen Herrscher Ducezio zurückerobert. Um 396 v.Chr. fiel die Stadt dann definitiv an Syrakus und erlebte ihre Blütezeit im 3. Jhdt. v. Chr. mit etwa 10'000 Einwohnern, die monumentalen Bauwerke auf der Agora und das Theater wurden in diesem Zeitraum errichtet.
Im zweiten Punischen Krieg schlug sich Morgantina auf die Seite der Karthager, fiel dann kurz nach dem Fall von Syrakus 211 v.Chr. an die Römer und konnte sich von den Zerstörungen erholen. Die Mauern wurden geschleift, Morgantina blieb ein Handelsknotenpunkt und bedeutend in der Herstellung von Keramik und der Lebensmittelproduktion (Korn, Oliven, Wein). Die Stadt verlor an Bedeutung und wurde wohl um 30 v.Chr. verlassen.

Anfahrt[Bearbeiten]

Mit dem Privatwagen kann das 4,5 km von Aidone entfernt gelegene Archäologische Gelände über die SS288 in Richtung Raddusa erreicht werden, die gepflasterte Zufahrt SP97 geht bei km 41 nach Norden ab.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • im 2 Südwesten liegen die Ruinen des Wohnquartiers vorwiegend aus römischer Zeit. Der Zugang erfolgt über eine in Südwestrichtung verlaufende gepflasterte Strasse. Im Quartier sind die Wohnblocks zwischen den rechtwinklig angelegten Strassen erkennbar, in einigen Häusern sind Mosaikfussböden erhalten, dazwischen gibt es Mosaikböden, welche unter Witterungseinflüssen der Zerstörung entgegengehen.
  • rechterhand beim Aufgang zu den Wohnquartieren liegt das 3 Bouleuterion, wo die Ratsversammlungen abgehalten wurden.
  • die Agora ist rechtwinklig - trapezoid; sie war im Osten und Westen von Säulenhallen umgeben, im Nordwesten lag das Gymnaseion, wo für Sportwettkämpfe trainiert wurde.
  • von der nordwestlichen Ecke der Agora geht man entlang der West - Stoa zum 4 Theater. Dieses war Dionysos geweiht und liegt mit ca. 15 Sitzreihen in einer Geländemulde, die Aussicht über die Reste des Bühnengebäudes nach Osten ist beeindruckend.
  • gleich nach Norden ans Theater schließt sich der 5 Heilige Bezirk Area Sacra mit einem Heiligtum der Demeter und Kore (Persephone) an. Diese beiden Gottheiten wurden mehrerenorts in der Region verehrt.
  • um den davorliegenden freien Platz wurden gewaltige Sitzreihen in trapezförmiger Anordnung errichtet, auf diesen Stufen des 6 Ekklesiasterions wurden Volksversammlungen abgehalten.
  • in der Mitte des freien Platzes liegt das 7 Macellum, eine Art gedeckter Marktplatz
  • auf der Nordseite finden sich im Osten die Ruinen eines großen 8 Brennofens für Terracotta - Geschirr.
  • gegen Westen schließt sich der enorme kommunale Kornspeicher (granaio) und dann nochmals ein kleinerer Ofen an.
  • an der Nordflanke hinauf erstrecken sich die Ruinen des 9 Prytaneions, des Sitzes der Stadtherren, wo auch das Heilige Feuer bewahrt wurde.
  • an der Nordostseite der Agora findet sich nochmals eine große langgestreckte Säulenhalle, die Oststoa. An ihrem Ende ein 10 monumentaler Brunnen.
  • auf der Anhöhe im Norden finden sich Wohnquartiere mit mehreren repräsentativen Wohnhäusern mit Mosaikböden, das 11 Haus des dorischen Kapitells (Casa del Saluto) und weiter östlich das 12 Haus des Ganymed, mit einer Darstellung des Mundschenks des Zeus in Mosaiktechnik.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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