Totentempel Amenophis’ III.

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Totentempel Amenophis’ III.
Kōm el-Ḥīṭān ·كوم الحيطان
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Der Totentempel Amenophis’ III, auch Memnoneion oder Amenophium genannt (arabisch: ‏كوم الحيطان‎, Kōm/Kaum al-Ḥīṭān, „Hügel der Mauern“), ist eine archäologische Stätte auf der Nilwestseite von Luxor am Fruchtlandrand. Hier befindet sich das sog. Millionenjahrhaus Amenophis’ III. Diese Tempelanlage diente sowohl dem Totenkult des verstorbenen Königs als auch der Verehrung des Gottes Amun. Vom Tempel ist heute nur wenig erhalten. Die kolossalen Sitzfiguren des Königs, die Memnon-Kolosse, bilden die Wahrzeichen des thebanischen Westtals und sind das beliebteste Fotomotiv.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Historiker Strabon (64/63 v. Chr. – nach 23 n. Chr.) überlieferte die Kunde, dass von einem der beiden Kolosse ein klagender Ton ausginge, obwohl er an der Herkunft des Tons aus dem Koloss so recht nicht glauben wollte: „Jetzt ist sie {die Thebais} [nur] streckenweise bewohnt; ein Theil, welcher die eigentliche Stadt umfaßt, liegt in Arabien, ein anderer aber am jenseitigen Ufer, wo das Memnonium ist. Von zwei hier nahe bei einander stehenden kolossalen Standbildern aus Einem Steinblock ist das eine erhalten, von dem andern aber sind in Folge eines Erdbebens, wie es heißt, die oberen Theile vom Sitze aufwärts herabgefallen. Man glaubt, daß einmal an jedem Tage von dem auf den Thronsessel und dem Piedestal {Sockel} verbliebenen Theile ein Ton, wie von einem nicht starken Anschlage, ausgehe. Auch ich, der mit Aelius Gallus {dem römischen Präfekten von Ägypten} und einer Menge ihn begleitender Freunde und Soldaten an dem Orte zugegen war, hörte um die erste Stunde {nach Tagesanbruch} den Ton, ob er aber aus dem Piedestal, oder aus dem Koloß [selbst] kam, oder ob einer der im Kreise um das Piedestal Herumstehenden absichtlich den Ton hervorbrachte, kann ich nicht entscheiden; denn bei der Ungewßheit der Ursache will ich Alles lieber glauben, als daß der Ton von den so geordneten Steinen ausgesendet werde.“[1]

Anreise[Bearbeiten]

Etwa 5 Kilometer von der Anlegestelle der Fähre auf dem Westufer entfernt befinden sich die Überreste der Tempelanlage auf der rechten (nördlichen) Straßenseite. Des Tickethäuschen befindet sich 500 Meter weiter westlich. Für die besichtigung der memnon-Kolosse benötigt man kein Ticket.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Standstatuen Amenophis’ III. im Peristylhof
  • Memnonkolosse, die vor dem einstigen ersten Pylon standen.
  • Torso Amenophis’ III. Ähnlich den bekannten Kolossen befand sich vor dem zweiten Pylon ebenfalls ein Paar Kolossalstatuen Amenophis’ III. Der nördliche Koloss wurde vom 6. bis zum 13. Februar 2012 aufgerichtet.[2] Von der einstigen Sitzstatue aus Quarzit sind noch die Beine und der Unterkörper erhalten. Der Torso selbst ist noch 8 Meter hoch und wiegt 320 Tonnen. Neben dem rechten Bein des Königs befindet sich die Königsgemahlin Teje. Auf der östlichen Thronseite ist wieder des Symbol der Vereinigung von Ober- und Unterägypten zu sehen. Auf dem Sockel befindet sich eine List der unterworfenen Südvölker.
  • Peristylhof. Der vierte Hof des Tempels war von Säulenkolonnaden eingefasst. Zwischen den Papyrusbündelsäulen an der Ost- und an der Westseite standen etwa 8 Meter hohe Bildnisse des Königs Amenophis III.
  • Stelen im Peristylhof des Tempels. Die südliche Stele wurde bereits 1950 unter Leitung des ägyptischen Ägyptologen Labib Habachi wiedererrichtet und ist der thebanischen Triade geweiht. Im oberen Bildfeld erkennt man den König Amenophis III. in Begleitung seiner Gemahlin Teje, wie er anlässlich des Schönen Fests vom Wüstentale, einem Fest zu Ehren der Verstorbenen, Amun-Re anbetet. Die weniger gut erhaltene Nordstele ist 8,66 Meter hoch und wiegt über 120 Tonnen. Sie wurde erst 2012 wiedererichtet. Die Stele ist den Göttern Amun und Ptah-Sokar-Osiris geweiht und enthält ein Gebet an die Totengötter.

Küche[Bearbeiten]

Ein kleines Restaurant gibt es im Bereich von Scheich ʿAbd el-Qurna in der Nähe des Ramesseums, weitere in Gazīrat el-Baʿīrāt und Gazīrat er-Ramla sowie in Luxor.

Unterkunft[Bearbeiten]

Die nächstgelegenen Hotels findet man im Bereich von Scheich ʿAbd el-Qurna. Unterkünfte gibt es zudem in Gazīrat el-Baʿīrāt und Gazīrat er-Ramla‎, Ṭōd el-Baʿīrāt, Luxor sowie Karnak.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch des Totentempels Amenophis’ III. lässt sich mit dem Besuch weiterer Totentempel und dem der Beamtengräber z. B. in Scheich ʿAbd el-Qurna verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Allgemein
    • Stadelmann, Rainer: Totentempel und Millionenjahrhaus in Theben. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo (MDAIK), ISSN 0342-1279, Bd. 35 (1979), S. 301–321.
    • Ullmann, Martina: König für die Ewigkeit - die Häuser der Millionen von Jahren : eine Untersuchung zu Königskult und Tempeltypologie in Ägypten. Wiesbaden: Harrassowitz, 2002, Ägypten und Altes Testament ; 51, ISBN 978-3-447-04521-6.
    • Schröder, Stefanie: Millionenjahrhaus : zur Konzeption des Raumes der Ewigkeit im konstellativen Königtum in Sprache, Architektur und Theologie. Wiesbaden: Harrassowitz, 2010, ISBN 978-3-447-06187-2.
  • Totentempel Amenophis’ III.
    • Bernand, André ; Bernand, Étienne: Les Inscriptions grecques et latines du colosse de Memnon. [Paris]: [Adrien-Maisonneuve] ; Institut français d’archéologie orientale, 1957, Bibliothèque d’étude ; 31.
    • Haeny, Gerhard (Hrsg.): Untersuchungen im Totentempel Amenophis’ III.. Wiesbaden: Steiner, 1981, Beiträge zur ägyptischen Bauforschung und Altertumskunde ; 11.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Strabon, Erdgeschichte, 17. Buch, erstes Kapitel, § 46. Zitat aus: Strabo ; Forbiger, [Albert] (Übers.): Strabo’s Erdbeschreibung ; 4 = Bändchen 7: Buch 16 und 17. Berlin, Stuttgart: Langenscheidt, Krais & Hoffmann, 1860, Langenscheidtsche Bibliothek sämtlicher griechischen und römischen Klassiker ; 55, S. 128.
  2. Sourouzian, Hourig ; Stadelmann, Rainer: Ein Koloss aus Quarzit steht wieder. In: Antike Welt : Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte, ISSN 0003-570X, Bd. 44,1 (2013), S. 59–64.
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