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Ramesseum

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Ramesseum ·معبد الرامسيوم
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Das Ramesseum (arabisch: ‏معبد الرامسيوم‎, Maʿbad ar-Rāmisiyūm) ist eine archäologische Stätte auf der Nilwestseite von Luxor am Fruchtlandrand. Hier befindet sich das sog. Millionenjahrhaus Ramses’ II. Diese Tempelanlage diente sowohl dem Totenkult des verstorbenen Königs als auch der Verehrung des Gottes Amun.

Hintergrund[Bearbeiten]

Bestimmung des Tempels[Bearbeiten]

Der ägyptische König Ramses II. (1303 – 1213 v. Chr.) ließ an mehreren Orten Ägyptens wie in Abydos, Theben, Abu Simbel, Memphis und Heliopolis Totentempel errichten, um nach dem Tode seine Fortexistenz im Jenseits abzusichern. Das hiesige Ramesseum ist wohl sein bedeutendster Totentempel und befindet sich in der Nähe zu seinem Grab im Tal der Könige. Die Absicht zur Jenseitsabsicherung kommt auch im altägyptischen Namen des Tempels Ḥwt nt ḥḥ m rnpwt ẖnmt W3st, „Das Haus der Millionen Jahre, vereint in Theben“, zum Ausdruck. Er wurde so angelegt, dass die Tempelachse auf den Luxor-Tempel ausgerichtet ist.

Zur Tempelanlage gehören neben dem Tempelhaus ein Doppeltempel Sethos’ I. im Norden des Tempelhauses, der Palast Ramses’ II. für den fiktiven Besuch durch den König sowie zahlreiche Magazingebäude. Der Eingangspylon und die beiden Vorhöfe sind nicht mehr separat, sondern bilden eine Einheit mit dem Tempelhaus.

Der Kult um den hier verehrten König Ramses II. und den Reichsgott Amun wurde noch bis zum Ende der 20. Dynastie von den hier wohnenden Priestern durchgeführt. Später diente das Ramesseum wie auch andere Totentempel als Wohnstadt. Einige Priester ließen hier auch ihre Grabstätten einrichten.

Geschichte seit griechisch-römischer Zeit[Bearbeiten]

Das Wissen um den Zweck als Totentempel ist in griechisch-römischer Zeit vollständig verloren gegangen. Man hielt den Tempel mittlerweile für das Grab Ramses’ II. und nannte ihn „Grab des Osymandias“. Diese griechische Bezeichnung (Οσυμανδυας, auch Ozymandias, Osymandyas) ist die gräzisierte, „eingegriechischte“, Version des Thronnamens Ramses’ II., User-maat-Re.

Die Tempelanlage ist aufgrund ihrer Größe, ihrer günstige Lage und dem Umstand, dass sie schon von Weitem zu sehen ist, von allen Reisenden besucht worden, die sich auf das Westufer Thebens begeben haben. So berichtete auch der griechische Geschichtsschreiber Diodor ausführlich über diesen Tempel. Der nachfolgende Auszug beschreibt der ersten Hof direkt hinter dem Pylon:[1]

47. „Von den ersten Gräbern (so erzählt man nämlich), in welchen die Kebsweiber [Nebenfrauen] des Zeus beigesetzt seyn sollen, ist 10 Stadien entfernt das Grabmal eines Königs, mit Namen Osymandyas. Am Eingang desselben ist ein Thurm-Säulenthor [Pylon] von bunten Steinen gebaut, 200 Fuß lang und 45 Ellen hoch. Von da an kommt man in eine steinerne viereckige Säulenhalle, deren jede Seite 400 Fuß lang ist. Statt der Säulen wird sie von Gestalten lebender Wesen getragen, welche 16 Ellen hoch, aus Einem Stein gehauen und nach alterthümlicher Weise gebildert sind. Die ganze Decke besteht auf eine Breite von 12 Fuß aus Einem Steine, und ist mit Sternen auf blauem Grunde besäet. Auf diese Halle folgt wieder ein anderer Eingang, und ein Vorhof, der im Uebrigen dem vorherigen gleich ist, aber durch mancherlei eingegrabenen Bilder sich auszeichnet. Neben dem Eingang stehen drei Bildsäulen, von Steinen aus Syene [Assuan], ganz aus Einem Stück gehauen. Die eine derselben, die in sitzender Stellung, ist die größte unter allen Bildsäulen in Aegypten; das Fußgestell allein mißt über 7 Ellen. Die beiden andern, kleiner als die vorige, knieen, die eine zur Rechten, die andere zur Linken, die Tochter und die Mutter. Dieses Werk ist nicht nur wegen seiner Größe merkwürdig, sondern auch mit bewundernswerther Kunst gearbeitet und von einer ausgezeichneten Steinart; denn bei der ungeheuren Größe bemerkt man doch daran durchaus keinen Riß und keine Flecken. Es steht darauf die Inschrift: „Ich bin Osymandyas, der König der Könige. Will aber Jemand wissen, wie groß ich bin, und wo ich liege, der siege über eines meiner Werke.“ …“

Zu den ersten europäischen Reisenden, die diesen Tempel besichtigten und beschrieben, gehörten der englische Reisende Richard Pococke (1704–1765)[2] und der dänische Marineoffizier und Forschungsreisende Frederic Louis Norden (1708–1742)[3]. Pococke legte auch bereits eine Zeichnung der Kolossalstatue Ramses’ II. vor, die sich heute im britischen Museum in London befindet.

Belzonis Transport der Kolossalstatue Ramses’ II. nach London und die literarische Rezeption[Bearbeiten]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts reiste der italienische Abenteurer Giovanni Battista Belzoni dreimal durch Ägypten, um Altertümer für europäische Museen „zu besorgen“. Seine erste Reise begann am 30. Juni 1816. Am 22. Juli 1816 traf er in Luxor ein. Seine Intention beschrieb er sehr deutlich:

„Mein erster Gedanke galt der Kolossalbüste, die wegzuschaffen ich mir vorgenommen hatte. Sowohl Rumpf als auch der Thron lagen dicht neben dem Kopf; das Antlitz war himmelwärts gerichtet und schien mich anzulächeln, wie in Vorfreude darauf, nach England gebracht zu werden. Nicht die gewaltigen Ausmaße, sondern die Schönheit des Kopfes übertraf alle meine Erwartungen. Mir fiel ein, daß es sich in Nordens Beschreibung um dieselbe Statue gehandelt haben mußte – sie hatte zu dieser Zeit mit dem Gesicht im Sand gelegen und befindet sich daher wohl in so gutem Zustand. … Sie [die Büste] lag nahezu parallel zum Haupteingang des Tempels, und da sich ein weiterer gigantischer Kopf in der Nähe befindet, nehme ich an, daß sie an den Seiten des Eingangs gestanden haben, ähnlich wie man es in Luxor oder Karnak sehen kann.“[4]
Büste Ramses’ II. im British Museum
Giovanni Battista Belzoni
Abtransport der Büste Ramses’ II.

Am 24. Juli 1816 bat er den Kaschif (Gouverneur) von Armant um 80 Arbeitskräfte zum Abtransport der Büste Ramses’ II., mit denen er zwischen dem 27. Juli und 12. August die Büste vom Ramesseum zum Nilufer schaffte. Mit 130 Arbeitskräften wurden die gesammelten Artefakte ab dem 15. November so kunstvoll verladen, dass die Schiffe nicht kenterten. Die Schiffe erreichten Kairo am 15. Dezember. Vom 3. bis zum 14. Januar 1817 erfolgte der Weitertransport von Kairo nach Alexandria über Rosetta. Noch im selben Jahr gelangten die Artefakte nach London und gingen in den Besitz des British Museum über. Noch heute zählt die Granitbüste des jugendlichen Ramses’ II., die hier The Younger Memnon (BM Nr. 576/EA 19) heißt, zu den Prunkstücken des Museums.

Die Fundumstände und die Bedeutung der Büste Ramses’ II. veranlassten den britischen Schriftsteller Percy Bysshe Shelley (1792–1822), im Rahmen eines Schreibwettbewerbs im Dezember 1817 das Sonett (Klinggedicht) „Ozymandias“ zu schreiben, das am 11. Januar 1818 in der Londoner Wochenzeitung The Examiner erstmals veröffentlicht. Das Sonett zählt zwar nicht zu den Glanzstücken Shelleys, was aber seiner Popularität kaum schadet.

„Ein Wandrer kam aus einem alten Land,
Und sprach: „Ein riesig Trümmerbild von Stein
Steht in der Wüste, rumpflos Bein an Bein,
Das Haupt daneben, halb verdeckt vom Sand.
Der Züge Trotz belehrt uns: wohl verstand
Der Bildner, jenes eitlen Hohnes Schein
Zu lesen, der in todten Stoff hinein
Geprägt den Stempel seiner ehrnen Hand.
Und auf dem Sockel steht die Schrift: ‚Mein Name
Ist Osymandias, aller Kön’ge König: –
Seht meine Werke, Mächt’ge, und erbebt!‘
Nichts weiter blieb. Ein Bild von düstrem Grame,
Dehnt um die Trümmer endlos, kahl, eintönig
Die Wüste sich, die den Koloß begräbt.“ (deutsche Übersetzung nach Adolf Strodtmann)

So verdeutlicht das Gedicht die Vergänglichkeit irdischer Werke.

Neuere Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

1896–1898 fanden erste wissenschaftliche Untersuchungen durch James Edward Quibell (1867–1935) statt, der hier den Tempel, Gründungsgruben und die Lehmziegelmagazine untersuchte und zahlreiche Kleinfunde zutage förderte. Hierzu gehörten auch die Ramesseums-Papyri mit medizinischen und literarischen Texten, unter ihnen die Erzählung des Sinuhe, die man in einem Grabschaft aus dem Mittleren Reich fand.

Die Dokumentation der Tempelanlage erfolgte erst in den 1970er-Jahren durch das Centre de Documentation et d’Études sur l'Ancienne Égypte.

Anreise[Bearbeiten]

Etwa 5 Kilometer von der Anlegestelle der Fähre auf dem Westufer, ca. 500 m westlich der Memnonkolosse, gibt es ein Tickethäuschen, an dem man auch die Tickets für das Ramesseum erwerben muss. Nach dem Kauf des Tickets fährt man von der 1 Kreuzung (25° 43′ 23″ N 32° 36′ 18″ O) südlich von Qurnat Murrai weiter auf der Asphaltstraße in nordöstlicher Richtung und erreicht nach etwa 1100 Metern das Ramesseum, das sich auf der südlichen Straßenseite befindet. Für die Anreise bietet sich ein Taxi ab Gazīrat el-Baʿīrāt oder Gazīrat er-Ramla an. Von hier aus verkehren auch Mikrobusse, die man im Bereich des Tickethäuschens verlassen kann.

Eine nicht uninteressante Anreise ergibt sich für Fußgänger von Deir el-Madīna aus. Man umrundet den Hügel, der Deir el-Madīna und Qurnat Murrai trennt, in Uhrzeigerrichtung. Vom Hathor-Tempel in Deir el-Madīna sind es knapp 900 Meter bis zum Ramesseum.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ramesseum[Bearbeiten]

Die archäologische Stätte ist von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt LE 80 und für Studenten LE 40 (Stand 11/2018).

Weitere Totentempel[Bearbeiten]

In unmittelbarer Nähe zum Ramesseum befinden sich die Totentempel weiterer ägyptischer Könige, die aber bei weitem nicht so gut erhalten sind wie das Ramesseum.

Östlich des Ramesseums, etwa auf halben Wege zum Restaurant, befindet sich der 1 Totentempel Amenhoteps II. (25° 43′ 44″ N 32° 36′ 41″ O) und nordwestlich davon die sog. 2 Kapelle der Weißen Königin (25° 43′ 45″ N 32° 36′ 39″ O). Etwa 200 Meter nordöstlich liegt auf der anderen Straßenseite der 3 Totentempel Thutmosis’ III. (25° 43′ 49″ N 32° 36′ 47″ O).

Etwa 50 Meter westlich vom Ramesseum befindet sich der 4 Totentempel Thutmosis’ IV. (25° 43′ 38″ N 32° 36′ 31″ O). Zwischen beiden Tempeln befindet sich der 5 Tempel des Wadjmes (25° 43′ 38″ N 32° 36′ 34″ O), auch Wadjmosi, Sohn Thutmosis’ I. Zwischen dem Totentempel Thutmosis’ IV. und dem Totentempel des Merenptah befindet sich noch der 6 Totentempel der Tausret (25° 43′ 34″ N 32° 36′ 27″ O).

Küche[Bearbeiten]

Ein kleines Restaurant gibt es im Bereich von Scheich ʿAbd el-Qurna ca. 100 Meter östlich des Ramesseums, weitere in Gazīrat el-Baʿīrāt und Gazīrat er-Ramla sowie in Luxor.

Unterkunft[Bearbeiten]

Die nächstgelegenen Hotels findet man im Bereich von Scheich ʿAbd el-Qurna. Unterkünfte gibt es zudem in Gazīrat el-Baʿīrāt und Gazīrat er-Ramla‎, Ṭōd el-Baʿīrāt, Luxor sowie Karnak.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch von Madīnat Hābū lässt sich mit dem Besuch weiterer Totentempel und dem der Beamtengräber z.B. in Scheich ʿAbd el-Qurna verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Allgemein
    • Stadelmann, Rainer: Totentempel und Millionenjahrhaus in Theben. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo (MDAIK), ISSN 0342-1279, Bd. 35 (1979), S. 301–321.
    • Ullmann, Martina: König für die Ewigkeit - die Häuser der Millionen von Jahren : eine Untersuchung zu Königskult und Tempeltypologie in Ägypten. Wiesbaden : Harrassowitz, 2002, (Ägypten und Altes Testament ; 51), ISBN 978-3-447-04521-6.
    • Schröder, Stefanie: Millionenjahrhaus : zur Konzeption des Raumes der Ewigkeit im konstellativen Königtum in Sprache, Architektur und Theologie. Wiesbaden : Harrassowitz, 2010, ISBN 978-3-447-06187-2.
  • Ramesseum
    • Quibell, J[ames] E[dward]: The Ramesseum. London : Quaritch, 1898, (Egyptian Research Account. 1896 ; [1]).
    • Helck, Wolfgang: Die Ritualdarstellungen des Ramesseums. Wiesbaden : Harrassowitz, 1972, (Ägyptologische Abhandlungen ; 25), ISBN 978-3-447-01439-7.
    • Goyon, Jean-Claude ; Ashiri, Hasan el- (Hg.): Le Ramesseum, Bd. Le Caire. Centre de Documentation et d’Études sur l'Ancienne Égypte, 1973-1979, (Collection scientifique). 12 Bände.
    • Stadelmann, Rainer: Ramesseum. In: Helck, Wolfgang ; Westendorf, Wolfhart (Hg.): Lexikon der Ägyptologie ; Bd. 5: Pyramidenbau - Steingefäße. Wiesbaden : Harrassowitz, 1984, ISBN 978-3-447-02489-1, Sp. 91–98.
  • Ozymandias, Sonett des Percy Bysshe Shelley (1792–1822)
    • Shelley, Percy Bysshe: Rosalind and Helen, a modern eclogue, with other poems. London : C. and J. Ollier, 1819. Das Sonett wurde am 11. Januar 1818 in der Londoner Wochenzeitung The Examiner erstmals veröffentlicht. Siehe den Text in der englischen Wikisource.
    • Shelley, Percy Bysshe ; Strodtmann, Adolf (Übers.): Percy Bysshe Shelley's ausgewählte Dichtungen ; Theil 2. Hildburghausen : Verl. des Bibliograph. Inst., 1866, S. 143. Siehe Text der Übersetzung auf Wikisource.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diodorus 〈Siculus〉 : Diodor’s von Sicilien historische Bibliothek übersetzt von Julius Friedrich Wurm, Band 1, Stuttgart: Metzler, 1838, S. 79–82 (1. Buch, §§ 47–49).
  2. Pococke, Richard: A Description of the east and some other countries ; Volume the First: Observations on Egypt. London : W. Bowyer, 1743, S. 106–109, Tafeln XL–XLIII gegenüber den Seiten 107–109.
  3. Norden, Frederik Ludvig ; Steffens, Johann Friedrich Esaias (Übers.): Friederichs Ludewigs Norden Königlichen Dänischen Schiffcapitains … Beschreibung seiner Reise durch Egypten und Nubien. Breslau ; Leipzig : Meyer, 1779, S. 195, 307–311 (Diodor-Zitat), 321–328, Tafel 5. Tempel wird als Palast des Memnon bezeichnet.
  4. Belzoni, Giovanni ; Nowel, Ingrid (Hg.): Entdeckungsreisen in Ägypten 1815 - 1819 : in den Pyramiden, Tempeln und Gräbern am Nil. Köln : DuMont, 1982, (DuMont-Dokumente : Reiseberichte), ISBN 978-3-7701-1326-2, S. 50.
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