Nardò

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Nardò, lat. Neretum, griech. Nerìton
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Nardò ist eine Stadt mit ca. 32'000 Einwohnern auf der südlichen Salento-Halbinsel; sie liegt in der Provinz Lecce, die Teil der süditalienischen Region Apulien ist.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Gemeinde Nardò erstreckt sich flächenmäßig mit 190 km² relativ weit über eine Ebene im Hinterland der Küste des ionischen Meers auf der südlichen Salento-Halbinsel, an insgesamt 22 km Küstenlinie liegen die Badeorte Santa Maria al Bagno und Santa Caterina und auch der regionale Naturpark Parco regionale Porto Selvaggio.

Geschichte[Bearbeiten]

Über die Gründung von Nardò ranken sich verschiedene Legenden um altgriechische und minoische Helden, jedenfalls fanden sich bei Uluzzo in Höhlen Malereien und aus der Altsteinzeit stammende Siedlungsspuren, so dass diese Kultur als Uluzzien eine Bezeichnung mit Lokalbezug erhielt.

Im Bereich der heutigen Stand existierte im 7. Jhdt. v.Chr. eine Siedlung der Messapier, es ist verbrieft, dass sich die Stadt im Jahre 460 v.Chr. mit Athen gegen deren Widersacher Syrakus aus Sizilien verbündet hatte. Im Dreieck der ehemals griechischen Gründungen Gallipoli - Otranto - Nardò zeugen mit dem Griechischen verwandte Dialekte noch Jahrhunderte später von der von den griechischen Kolonisatoren mitgebrachten Kultur. Später kam das Gebiet unter römische Herrschaft, wurde gemeinsam mit dem restlichen Salento von den Karthagern erobert und danach von Truppen aus Rom in Schutt und Asche gelegt, bis die Stadt unter Augustus wieder aufgebaut wurde und durch Bau der Römerstraße "Trajana Salentina" über Tarent an Bedeutung gewann. Nach dem Niedergang des römischen Reichs wurde die Region zum oströmischen Reich geschlagen, unter der Herrschaft der Byzantiner wurde die griechische Kultur weiter gepflegt; Einfälle der Langobarden und muslimischer Sarazenen im frühen (901/24) unterbrachen die byzantinische Herrschaft. Im Jahren 1058 bemächtigte sich der Normannenfürst Goffredo di Conversano der Stadt und baute sie 1088/92 mit einer Normannenfestung aus; die Normannen und danach die Stauffer regierten fortan den Süden von Apulien als Teil des Königreichs Neapel. Im 15. Jhdt. versuchten die muslimischen Sarazenen auf der Halbinsel Fuß zu fassen, und wurden nach der Belagerung von Nardò wieder vertrieben, mit einer Reihe von Küstentürmen wurde in der Folge die ganze Küstenlinie gegen Sarazeneneinfälle gesichert.

Die Herrschaft übernahm nun das Haus Aragon mit dem Königreich beider Sizilien, Süditalien mit Apulien galt als "Regno di Sicilia ulteriore" respektive als Königreich Neapel. Die Feudalherrschaft über Nardò übte von 1497 bis zur Abschaffung des Feudalwesens im Jahre 1806 die Familie Acquaviva aus, 1743 wurde die Stadt von einem Erdbeben heimgesucht. Das verarmte süditalienische Königreich Neapel existierte zuletzt als parlamentarische Monarchie bis 1860, bis es von den Freischärlern Garibaldis erobert und 1861 mit dem Norden zum Königreich Italien vereinigt wurden.

1943/45 wurde in Santa Maria al Bagno ein Lager für ehemalige jüdische KZ-Häftlinge eingerichtet, die Flüchtlinge wurden von der Bevölkerung mit viel Wohlwollen aufgenommen und freundschaftliche Beziehungen mit einer Partnergemeinde in Israel bestehen bis heute.

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Der nächste internationale Flughafen ist derjenige von Brindisi-Casale, von dem aus die ganze Halbinsel von Salent versorgt wird. Hier landen neben Alitalia auch verschiedene Billigfluggesellschaften, so Ryanair und EasyJet.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Die Fernverkehrszüge der Trenitalia / Ferrovie dello Stato enden aus dem Norden kommend in Lecce. Auf der Salento-Halbinsel in Apulien verkehren Eisenbahnzüge der Privatbahn Ferrovie del Sud Est. Der 1 Bahnhof Nardò Centrale (im Süden außerhalb der Stadt gelegen) wird von der Linie 5 Lecce - Nardò C. - Gallipoli versorgt, hier kreuzt auch die Linie 3 Novoli - 2 Nardò Città - Nardo Centrale - Casarano - Gagliano / Leuca, die auch den Stadtbahnhof im Osten der Altstadt bedient.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Aus den deutschsprachigen Ländern fährt man am besten auf der A14 entlang der Adriaküste über Bari nach Apulien. Von Bari folgt die SS16 resp. die besser ausgebaute SS379 bis Brindisi der Küste entlang, dann geht es weiter auf der älteren SS16 oder der moderner ausgebauten SS613 bis zur Provinzhauptstadt Lecce. Von dort aus Symbol: AS 13B führt die SS101 bis Nardò und weiter nach Gallipoli, die SP359 durchquert die Stadt und führt parallel zur Küstenlinie nach Tarant im Nordwesten.

Mobilität[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Piazza Salandra
Cattedrale di Nardò
  • die 1 Piazza Salandra ist das Zentrum der Stadt.
  • an der zentralen Piazza liegt der 2 Palazzo della Università : der Barockpalazzo wurde 1588/1612 errichtet und musste nach dem Erdbeben von 1743 erneuert werden. Hier tagte die Università, die Versammlung des Rats in der Zeit der Feudalherrschaft des Königreichs Neapel, später war er einige Zeit Sitz der Stadtverwaltung.
  • ebenfalls auf der Piazza Salandra steht die 3 Guglia dell'Immacolata : nach dem Erdbeben von 1743 wurde die pyramidenförmige Struktur, die auf der Spitze eine Skulptur der Madonna Immacolata trägt, bis 1769 errichtet. Sie ist 19 m hoch.
  • die 4 Basilica Cattedrale di Santa Maria Assunta Basilica Cattedrale di Santa Maria Assunta in der Enzyklopädie Wikipedia Basilica Cattedrale di Santa Maria Assunta im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsBasilica Cattedrale di Santa Maria Assunta (Q2645223) in der Datenbank Wikidata wurde an der Stelle eines byzantinischen Gotteshauses um 1088 n.Chr. unter normannischer Herrschaft errichtet und in der Folge, u.a. nach dem Erdbeben von 1456 stark verändert, die Barockfassade stammt aus dem Jahre 1725 (Ferdinando Sanfelice). Fresken von Christus Pantokrator (12. Jhdt) und Hl. Nikolaos und Hl. Augustinus stammen aus dem 14. Jhdt., ein Holzkruzifix aus dem 13. Jhdt., die Altare im Barockstil aus der Mitte des 17. Jhdt. Angeschlossen ist ein Konvent von Benediktinermönchen.
  • 5 Chiesa di San Domenico wurde 1580/94 benachbart zur Piazza Salandra errichtet und musste nach dem Erdbeben 1743 praktisch vollständig neu aufgebaut werden, aus dieser Zeit stammt die spätbarocke Fassade.
  • das Kirchlein 6 Chiesa di San Trifone wurde zu Beginn des 18. Jhdt. zu Ehren des Hl. Tryphon errichtet, der einschiffige Barockbau liegt an der zentralen Piazza Salandra.
  • die 7 Chiesa di Santa Teresa mit dem anschließenden Konvent wurde im frühen 18. Jhdt. im Barock- resp. frühen Rokokostil erbaut, die Fassade stammt aus dem Jahre 1750, erst 1769 konnte das Gotteshaus geweiht werden.
  • die 8 Chiesa dell'Immacolata wurde 1580 auf älteren Fundamenten ebenfalls im Barockstil errichtet, das anschließende Konvent der Franziskaner - Minoriten wurde mit Aufhebung der Klöster zu Wohnzwecken umgenutzt.
  • die 9 Chiesa Beata Vergine Maria del Carmelo wurde ebenfalls im 15. Jhdt. erbaut und musste nach dem Erdbeben von 1743 erneuert werden, das Innere ist mit reichhaltigen Barock - Stuckaturen geschmückt. Das Gotteshaus gehört zu einem Karmeliterkonvent.
  • die 10 Chiesa di Sant'Antonio da Padova wurde 1497 nach der Vertreibung der Juden an der Stelle der ehemaligen Synagoge auf Veranlassung von Belisarioa Acquaviva errichtet, die Statue des Hl. Antonius von Padua stammt aus dem Jahre 1514. Ein Kenotaph wurde 1545 im Gedenken an Belisario und Giovanni Acquaviva errichtet. Vom daneben errichteten Franziskaner-Minoritenkonvent überdauerte nur der Kreuzgang.
  • 11 Tempietto di Osanna (Osanna-Tempel) ist ein aus acht überdachten Säulen bestehendes Barock - Gebäude, welches 1603 unmittelbar benachbart der Kirche 12 S. Maria della Carità außerhalb der Stadtmauern errichtet wurde.
  • die 13 Chiesa Santa Maria della Purità wurde 1710/24 von Ferdinando Sanfelipe im Baustil von Borromini erbaut.
  • die 14 Chiesa di Santa Chiara mit dem anschließenden Clarissenkonvent wurde im 13. Jhdt. im Bereich eines älteren Festungsbauwerks erbaut, auch diese Kirche musste nach dem Erdbeben von 1743 stark renoviert werden.
  • Chiesa San Cosimo (1618).
  • im 15 Castello di Nardò ist heute die Stadtverwaltung untergebracht. Es wurde als Burg des Geschlechts der Acquaviva, welche über Jahrhunderte als Feudalherren die Geschicke der Stadt prägten, im 15. Jahrhundert errichtet und über die Jahrhunderte architektonisch immer wieder verändert.
  • in der Stadt stehen zahlreiche weitere Palazzi.
  • ebenfalls sehenswert sind etliche Villen, in der Umgebung finden sich etliche Masserien, befestigte Gutshöhe und entlang der Küstenlinie zahlreiche Sarazenentürme.
  • 1 Pista di Nardò Pista di Nardò in der Enzyklopädie Wikipedia Pista di Nardò im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsPista di Nardò (Q1256520) in der Datenbank Wikidata , Teststrecke für Kraftfahrzeuge, ein Rundkurs mit erhöhten Seitenwänden für höchste Geschwindigkeiten geeignet (ursprünglich war die kreisrunde Strecke für einen Teilchenbeschleuniger vorgesehen); den Betrieb der Strecke wurde von Porsche übernommen.

Santa Maria al Bagno (Ortsteil)[Bearbeiten]

Torre del Fiume di Galatena
  • der Ortsteil 16 Santa Maria al Bagno ist die zu Nardò gehörige Küstensiedlung mit einem kleinen Badestrand
Sehenswert ist hier der Komplex der 17 Torre del Fiume di Galatena Torre del Fiume di Galatena (Q52829428) in der Datenbank Wikidata oder der Quattro Colonne/Quattro Torri: hier wurde im 16. Jhdt. zur Abwehr von sarazenischen Invasoren ein Komplex einer Festung mit vier Ecktürmen zum Schutz einer küstennahen Süßwasserquelle errichtet. Das zentrale Gebäude stürzte ein, so dass nur die Ruinen der vier Türme stehen blieben.
Nach dem Zusammenbruch des faschistischen Regimes wurde in den Jahren 1943/47 in Santa Maria al Bagno in der Masseria "Mondonuovo" ein Lager für jüdische Holocaustüberlebende errichtet. In diesem "Kibbutz Elia" bereiteten sich zahlreiche Juden zur Auswanderung in den in Gründung befindlichen Staat Israel vor, unter anderem sollen David Ben Gurion, Moshe Dayan, Dov Shilansky und Golda Meir durch dieses Lager gegangen sein. Das 18 Museo della Memoria e dell'Accoglienza und einige Wand-Graffiti erinnern an die Geschehnisse.

Santa Caterina (Nardò) (Ortsteil)[Bearbeiten]

  • an der Küstenlinie etwas nordwestlich liegt der Ortsteil Santa Caterina
Hier ist ein 19 Jachthafen erwähnenswert, an kleinen Sandstränden am Hafen kann auch gebadet werden.
Im Ort liegt auf einer Anhöhe der Sarazenenturm 20 Torre Santa Caterina Torre Santa Caterina in der Enzyklopädie WikipediaTorre Santa Caterina (Q1114632) in der Datenbank Wikidata und am nördlichen Ortsende der 21 Torre dell'Alto Torre dell'Alto in der Enzyklopädie Wikipedia Torre dell'Alto im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsTorre dell'Alto (Q3995461) in der Datenbank Wikidata, der auf einem kurzen Fußweg zu erreichen ist.

hier beginnt der

Parco Naturale Regionale di Porto Selvaggio[Bearbeiten]

Torre dell'Alto
Torre Uluzzo
Palude del Capitano
Der 22 Parco Naturale Regionale di Porto Selvaggio erstreckt sich nordwestlich von Santa Caterina. Er umfasst einen naturbelassenen Strandabschnitt mit einer Pineta um die 23 Bucht von Porto Selvaggio , dazu gehört auch das Sumpfgebiet des 24 Paludo del Capitano .
Im Südosten steht der Torre dell' Alto, am anderen Parkende im Nordwesten der 25 Torre Uluzzo Torre Uluzzo in der Enzyklopädie Wikipedia Torre Uluzzo im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsTorre Uluzzo (Q3995305) in der Datenbank Wikidata und in dessen Nähe die 26 Grotta del Cavallo Grotta del Cavallo in der Enzyklopädie Wikipedia Grotta del Cavallo im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsGrotta del Cavallo (Q1431132) in der Datenbank Wikidata mit den prähistorischen Besiedlungsspuren (Zugang durch ein Gitter verschlossen).

Aktivitäten[Bearbeiten]

  • Besichtigung der verschiedenen Sehenswürdigkeiten in der Altstadt
  • Baden in den Küstenorten
  • Wandern im Parco Naturale di Porto Selvaggio, evtl. mit Badevergnügen kombiniert

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Nachtleben[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Ausflüge[Bearbeiten]

  • Lecce. Provinzhauptstadt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

www.comune.nardo.le.it – Offizielle Webseite von Nardò

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