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Mährische Slowakei

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Volksarchitektur in der Mährischen Slowakei – Eingang in einen Weinkeller in Kyjov

Die Mährische Slowakei (tschechisch und slowakisch Slovácko oder Moravské Slovácko) ist eine Region im Südosten Mährens. Sie grenzt im Südosten an die Záhorie (Slowakei) und im Süden an das Weinviertel (Niederösterreich). Im Osten wird das Gebiet von den Weißen Karparten bzw. der Staatsgrenze zur Slowakei begrenzt. Im Nordwesten und Norden ist die Abgrenzung zu den Nachbargebieten fließend und nicht genau definiert. Im Nordwesten endet die Region am Marsgebirge, im Norden verläuft der Übergang zur Mährischen Walachei fließend in etwa bei Zlín-Otrokovice. Die Zugehörigkeit zu dieser Region definiert sich nicht nur geografisch, sondern vor Allem auch über die Traditionen, die Musik, die Trachten, den Dialekt und den Weinbau.

Die Mährische Slowakei bietet sich aufgrund der Lage sehr gut für Tagesausflüge ab Wien, Brünn oder Bratislava an und hat neben dem Unesco-Welterbe Kulturlandschaft Lednice-Valtice auch zahlreiche andere Attraktionen zu bieten.

Regionen[Bearbeiten]

Orte[Bearbeiten]

  • Uherské Hradiště (Ungarisch Hradisch) bildet gemeinsam mit den beiden Nachbarstädten Staré Město u Uherského Hradiště (Altstadt bei Ungarisch Hradisch) und Kunovice (Kunowitz) einen kleinstädtischen Agglomerationsraum von ca. 40.000 Einwohnern.
  • Břeclav (Lundenburg) - wichtiger Bahnknoten am Dreiländereck Tschechien-Österreich-Slowakei, 25.000 Einwohner
  • Uherský Brod (Ungarisch Brod),
  • Hodonín (Göding)
  • Strážnice (Straßnitz)
  • Kyjov (Gaya)

Am Rande der Mährischen Slowakei befinden sich die beiden größeren Städte Zlín und Mikulov (Nikolsburg), die jedoch i.d.R. nicht mehr der Region zugerechet werden.

Weitere Ziele[Bearbeiten]

  • Kulturlandschaft Lednice-Valtice - Landschaftsplanerisch durchgestaltete Anlage aus dem 19. Jahrhundert, die über 200 km² und zahlreiche Ortschaften umfasst; Unesco-Welterbe.
  • Chřiby (Marsgebirge)
  • Pálava (Pollauer Berge)
  • Weiße Karpaten

Hintergrund[Bearbeiten]

Natur und Landschaft[Bearbeiten]

Schloss Lednice mit Park und Palmenhaus

Die jahrhundertelange Bewirtschaftung durch Ackerbau, Weinbau sowie Obst- und Gemüsebau auf z.T. recht ertragreichen Böden und in höheren Lagen durch die Weidewirtschaft hat die Landschaft, wie sie heute besteht, hervorgebracht und geprägt.

In der Mährischen Slowakei befinden sich mit den Weißen Karpaten (Bílé Karpaty) und den Pollauer Bergen (Pálava) zwei UNESCO-Biosphärenreservate und mit der Kulturlandschaft Lednice-Valtice eine UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte. Die Weißen Karpaten, deren höchste Erhebung mit 970 m die Velká Javořina ist, an der Grenze zur Slowakei gelegen, nehmen eine Fläche von 715 Quadratkilometern ein. Das Gebiet mit den weitläufigen Hängen, artenreichen Wiesen und Gruppen einzelnstehender Bäume wurde 1996 in den Rang eines UNESCO-Biosphärenreservates erhoben. Die Pollauer Berge, mit einer Fläche von 83 Quadratkilometern ein kleineres Gebiet, wurden bereits 1986 als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt.

In der weiten Ebene von March und Thaya entstanden im 19. Jahrhundert zahlreiche Industriebetriebe entlang der ab 1837 eröffneten KuK Nordbahn (Wien-Krakau). Es war eines der industriellen Kernländer der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und es werden bis heute Produkte von Weltrang hier produziert (z.B. Schuhe von Baťa in Zlín oder Turboprop-Flugzeuge in Kunovice

Trachten[Bearbeiten]

Die Trachten sind sehr farbenfroh und unterscheiden sich von Ort zu Ort. Einheitlich sind lediglich weite, weiße und bestickte Hemden für die Männer, von hellbeige über blau bis schwarz gefärbte Hosen und Westen, sowie Jacken und Mäntel im gleichen Farbton, und dazu ein, meist kleinerer, Hut mit in der Regel nur wenig ausgeprägten Krempe. Die Frauen tragen bunte Röcke, weite, weiße und zumeist bestickte Blusen und in der Regel ein Kopftuch.[1]

Die Tracht wird auch heute noch meist zu Feierlichkeiten des (dörflichen) Lebens getragen, von älteren Frauen manchmal in sehr ländlichen Gegenden auch noch an gewöhnlichen Sonntagen. Seit der samtenen Revolution und dem Epochenwandel von 1989 in der Tschechoslowakei – nach einer Phase der staatlichen Unterstützung und Protegierung in den späten 1940er und 1950er Jahren und dem darauffolgenden Niedergang der Volkskunst – setzte eine Wiederbelebung der Traditionen von unten in den 1990er Jahren ein, die bis heute anhält und auch von der nachwachsenden Generation gepflegt wird.

Sprache[Bearbeiten]

Im Slovácko ist die Amtssprache tschechisch. Umgangssprache ist das mährische Dialekt, das sich geringfügig vom Tschechischen des böhmischen Landesteils unterscheidet. Die mährisch-slowakischen Mundarten, die hier gesprochen werden, bilden einen Übergang zur slowakischen Sprache und stellen damit ein wichtiges Bindeglied im nordslawischen Dialektkontinuum dar, das von den Sorben bis nach Russland reicht. Im Dialekt haben sich mehr deutsche Lehnworte erhalten als im Hochtschechischen, außerdem haben einige slowakische Lehenwörter Einzug gefunden. Die Aussprache ähnelt teilweise dem Slowakischen.

Fremdsprachenkenntnisse sind in der Region weit verbreitet, wobei die meisten Leute deutsch oder englisch - viele davon sogar beide Sprachen - zumindest rudimentär beherrschen. Die jüngere Generation kann meist sehr gut englisch, während ältere Leute noch eher deutsch sprechen.

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

  • Im Gebiet befindet sich der Flughafen Kunovice, der jedoch keinen Linienbetrieb aufweist; dafür aber viel Bedarfs- und Ausflugsfliegerei
  • Nächste Flughäfen mit Linienbetrieb befinden sich in Brünn, Bratislava und Wien.

Mit dem Zug[Bearbeiten]

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Auf der Straße[Bearbeiten]

Mit dem Fahrrad[Bearbeiten]

Gut ausgebaute Fernradwege entlang der March und der Thaya.

Mobilität[Bearbeiten]

  • Die unter dem Kapitel Anreise genannten Zugstrecken werden auch von Regionalzügen befahren
  • Straßen sind gut ausgebaute Überlandstraßen mit großteils nur wenig Verkehr.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Kulturlandschaft Lednice-Valtice gilt als die größte komponierte Landschaftseinheit Europas und vielleicht sogar der ganzen Welt. Auf einer Fläche von fast 200 Quadratkilometern entstand auf Veranlassung der Fürsten von Liechtenstein zwischen dem frühen 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein großflächiger Landschaftspark mit den Schlössern Lednice (Eisgrub) und Valtice (Feldsberg) sowie einigen weiter entfernten Bauwerken. 1996 wurde das Gebiet in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
  • Freilichtmuseum für Südmähren in Strážnice.
  • Archäologisches Museum von Dolní Věstonice: Am Fundort der Venus von Dolní Věstonice wird das Leben zur Zeit der Eiszeit gezeigt.
  • Nationale Gedenkstätte Mikulčice-Valy: Funde aus dem 7. bis zum 9. Jahrhundert erinnern an das Großmährische Reich
  • Die großmährische Gedenkstätte „Na Valách“ entstand über den Fundamenten einer Kirche aus dem 9. Jahrhundert - Staré Město u Uherského Hradiště
  • Volkskundliches Museum in Uherské Hradiště

Aktivitäten[Bearbeiten]

Bräuche und Veranstaltungen[Bearbeiten]

Ritt der Könige in Vlčnov, 2007 – der König
Paar in Volkstracht
  • Hody In den meisten Ortschaften aber auch Stadtteilen größerer Städte werden zu unterschiedlichen Zeiten, meistens im Spätsommer oder Herbst, ein geschmückter Baum ähnlich dem Maibaum - májka aufgestellt und dann nach festgelegten, überlieferten Regeln verschiedene Tanzchoreografien und dazugehörige Rituale abgehalten.
  • Ritt der Könige (jízda králů). Im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch weit verbreitet, existiert dieses Brauchtum nur noch in fünf Dörfern Südmährens. Der Erzählung nach geht die Tradition auf die Flucht des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach einer verlorenen Schlacht zurück, der in Frauenkleidern unerkannt seinen Feinden entkommen sein soll.
  • Horňácke Slavností: Jedes Jahr Mitte Juli treffen sich in Velká nad Veličkou Musiker und Tänzer der regionalen, traditionellen Volksmusik und deren Zuhörer. Angekündigt wird es (meistens sehr kurzfristig erst 2-3 Monate vorher) auf der Webseite der Gemeinde Velká nad Veličkou http://obecvelka.cz/ unter "Kulturní a společenské události" (dtsch.:"Kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen").

Sport[Bearbeiten]

Beliebt bei Einheimischen wie Touristen sind Wanderungen in den Mittelgebirgen sowie Radtouren entlang von March und Thaya. Da die kleinen Teiche und Seen im Winter verlässlich zufrieren, wird auch gerne Eishockey gespielt.

Musik und Tanz[Bearbeiten]

Die Musik spielt eine wesentliche Rolle der Traditionspflege und zu einer typischen Kapelle aus der Mährischen Slowakei gehören Kontrabass, Geige und Cymbal (Hackbrett), gelegentlich auch eine Klarinette, zudem singen kleinere oder größere Chöre, sowohl instrumental begleitet als auch a cappella. Folkloregruppen treten auf Veranstaltungen auch mit traditionellen Volkstänzen auf. Der Rekrutentanz Verbuňk, der dem 18. Jahrhundert entstammt, zählt seit 2005 zum immateriellen Erbe der Menschheit der UNESCO.

Küche[Bearbeiten]

Alois Kalvoda: Slovácko – Pohled k sv. Antonínku (Blick zur St. Antonius-Kapelle). Öl auf Leinwand, 1906
  • Wein: Die Slovácká vinařská podoblast ist eine der vier mährischen Weinanbau-Subregionen, bei beinahe jedem Dorf finden sich ausgedehnte Weinberge und Weinkeller. Es wird sowohl Rot- als auch Weißwein produziert, beide in zum Teil hoher Qualität, wobei der Weißwein dominiert. Die bedeutendsten Weißweinsorten sind Müller Thurgau, Grüner Veltliner (Zelený Veltlín), Pinot Blanc und Riesling (Rízling), Rotweinsorten St. Laurent und Blaufränkisch. Der Anbau erfolgt oft noch in kleineren Mengen für den Eigenverbrauch, aber seit einigen Jahren vermehrt auch für den Verkauf und den Export. Typisch für die Region ist ein kleines, stielloses Weinglas in Becherform von etwa 5 cl Fassungsvermögen. Im Herbst finden in vielen Orten Weinfeste und -verkostungen statt. Zur Weinlesezeit (August bis Oktober) ist auch Burčak (halbvergorener Traubensaft; Sturm, Federweißer) sehr beliebt und wird oft am Straßenrand verkauft.
  • Brände: Zwetschgenbrand bzw. Slivovitz (Slivovice) und Marillenbrand (Meruňkovice) sind typische Obstbrände der Region mit ca. 40 % bis 60 % Alkoholanteil. Es gibt etwa 200 lizenzierte Kleinbrennereien für Obstzüchter (Pěstitelské pálenice).
  • Trdelník: Der Baumkuchen wurde im späten 18. Jahrhundert erstmals in Skalica, eine slowakische Stadt direkt hinter der Grenze, hergestellt und hat sich seither in gesamt Tschechien und der Slowakei verbreitet. Aufgrund der Nähe zu Skalica ist die Herstellung des Trdelník auch in der Mährischen Slowakei verbreitet, insbesondere auf Festivals auf Holzkohlenfeuer.

Nachtleben[Bearbeiten]

  • Wichtige Teile des Nachtlebens umfassen die Weinkeller und Weinstuben der kleinen Ortschaften sowie Volksfeste und Kirtage. In den wenigen städtischen Siedlungen gibt es ein kleines, überschaubares Angebot an Nachtlokalen.

Sicherheit[Bearbeiten]

Die Sicherheitslage weicht nicht von der in den übrigen ländlichen Regionen Tschechiens, der Slowakei oder Österreich ab.

Gesundheit[Bearbeiten]

Krankenhäuser gibt es u.A. in Břeclav, Hodonín und Uherské Hradiště. Die medizinische Versorgung entspricht dem Standard im übrigen Tschechien.

Klima[Bearbeiten]

In der Mährischen Slowakei ist das pannonische Klima vorherrschend und entspricht in etwa dem von Ostösterreich. Die Winter sind eher trocken und von Dezember bis Februar gibt es meist durchgehend leichten Frost. Die Sommer sind heiß und es gibt öfters Wärmegewitter.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • slovacko.cz – Führer durch die Region (in tschechisch, deutsch und weiteren Sprachen)
  • malovanykraj.cz – Volkskundliche Zeitschrift über die mährische Slowakei (tschechisch)
  • slovackemuzeum.cz – Homepage des volkskundlichen Museums in Uherské Hradiště
Brauchbarer ArtikelDies ist ein brauchbarer Artikel. Es gibt noch einige Stellen, an denen Informationen fehlen. Wenn du etwas zu ergänzen hast, sei mutig und ergänze sie.
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  1. hradiste.cz – Abbildungen der Trachten in den einzelnen Gemeinden