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Lago di Bolsena

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Blick von Bolsena auf den Lago di Bolsena

Der Lago di Bolsena oder Bolsena-See ist ein See in der Region Latium im mittleren Italien, 90 km nördlich von Rom gelegen. Der annähernd kreisrunde See mit seinem sauberen Wasser ist ein beliebtes Ferienziel.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der fast kreisrunde Lago di Bolsena, er misst 13 x 11 km in seiner Ausdehnung, die Fläche entspricht 114 km², ist durch Einsturz eines gewaltigen Vulkankraters resp. einer unterirdischen Magmakammer vor ca. 300'000 Jahren entstanden, durch die letzte vulkanische Aktivität entstanden vor gut 100'000 Jahren die beiden Inseln Isola Bisentina und Isola Martana.

Dank restriktiver Überbauungspläne und gezielter Förderung eines sanften Tourismus ist um den Lago di Bolsena eine weithin natürliche Urlaubsregion in geringer Distanz der italienischen Hauptstadt entstanden, die Umgebung ist von Landwirtschaft und die an den See angrenzenden Ortschaften von Fischerei geprägt.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Altsteinzeit bis zur Bronzezeit war das Seeufer bereits besiedelt, damals lag der Seespiegel um 294 m und die Isola Martana war als Halbinsel trockenen Fußes zu erreichen. Später in der Kupfer- und Bronzezeit zwischen 2'000 und 1'000 v. Chr. wurden die Seeufer intensiv besiedelt (u.a. im Bereich von Gran Carro und Montefiascone).
In der Zeit der toskanischen Villanova-Kultur wurden eisenzeitliche Siedlungen bei Vesentum (Bisenzio, am Westufer) und Velzna (Volsini) gegründet; als der Seespiegel langsam anstieg und die Pfahlbausiedlungen bei Gran Carro in der Nähe von Bolsena überschwemmte, mussten die Pfahlbauer ihre Siedlungen im 9. Jhdt. v.Chr. aufgeben.

Als der Seespiegel in der Zeit der Etrusker, die im umgebenden Hügelland zahlreiche Siedlungen gegründet hatten, auf 306 m anstieg, wurde der einzige Ablauf durch das Flüsschen Marta im Süden erweitert und der Spiegel so reguliert. Siedlungen wurden u.a. in Civita Grotte di Castro nördlich des heutigen Bolsena, in Bolsena und Montefiascone und auf der Insel Bisentina gegründet. Zwischen 281 und 264 v.Chr. mussten sich die Etrusker den römischen Eroberern beugen und etliche ihrer Siedlungen wurden dem Erdboden gleich gemacht.

Landschaft[Bearbeiten]

Der See ist vor allem im Nordosten von relativ steil abfallenden Abhängen und Klippen gesäumt, er liegt ins Hügelland der Tuscia eingebettet. Gespiesen wird der See von Grund- und Regenwasser, er besitzt nun kleine Zuflüsse; drainiert wird der See durch das Flüsschen Marta. Da es über die Jahrhunderte zu einem Anstieg des Seespiegels kam, wurde bereits in der Etruskerzeit beim Ort Marta der Fels um das Flüsschen Marta künstlich abgesenkt. Der Seespiegel wird seit jener Zeit künstlich reguliert, heute durch das System der Traversa sul Marta mit einem Wehrsystem, so dass der Seespiegel bei 304 m stabil bleibt.

Die 1 Insel Bisentina Typ ist Farbbezeichnung mit 17 ha Oberfläche verfügt über eine schöne Vegetation mit uralten Steineichen, hier wurden verschiedene Kirchen und Kapellen gebaut, am besten sind die Chiesa del Monte Calvario (Kalvarienberg) und die Chiesa della Crocefissione (Kreuzigungskirche) mit Fresken aus dem 15. Jhdt. erhalten; die ehemalige Chiesa dei Santi Giacomo e Cristoforo del Vignola und die achteckige Chiesa Rocchina. Verschiedene Päpste suchten die Insel als Sommerresidenz auf, seit dem 18. Jhdt. war die Insel stets in Privatbesitz.

Auf der felsigen 2 Isola Martana Typ ist Farbbezeichnung wurde nach der Legende in römischer Zeit die zum Christentum übergetretene Tochter Cristina des römischen Präfekten von Bolsena gefangengehalten, nach ihrem Tod als Märtyrerin wurden die Reliquien der Heiligen Cristina von der Insel Martana nach Bolsena gebracht, wo die Basilica di S. Cristina errichtet wurde. Später wurde auf der Insel die Königien Amalasuntha des Ostgotenreichs von ihrem Vetter Theodahad ebenfalls gefangen gehalten und später umgebracht. Hier finden sich noch Reste einer antiken Festung und der Chiesa di S. Stefano.

Beide Inseln sind in Privatbesitz und nicht zu besichtigen.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Im sauberen Wasser des Lago di Bolsena, aufgrund der schwarzsandigen Strände im ehemaligen Vulkangebiet kann das Wasser dunkel-trübe erscheinen, werden Süßwasserfische gefangen: am bedeutendsten ist der Coregone (Renke oder Maräne), in jüngerer Zeit wurden eine Baschart (Persico trota) und der Wels eingesetzt. Der Latterino, eine bis 13 cm lang werdende Weißfischart wird frittiert am Fischerfest Sagra del latterino geschätzt; sehr bekannt ist Anguillo, der Aal, der nach dem Bericht von dante Alighieri bei den Schwelgereien von Papst Martin IV aufgetragen wurde. Die Tinca, eine Schleihe, mit zahllosen kleine Gräten, gilt als wichtiger Bestandteil der Fuschsuppe Sbroscia.

Die Schilf-bestandenen Ufer sind Brutgebiete der Zwergrohrdommel, der Drosselrohrsängers und Teichrohrsängers; zahlreich kommen Silbermöven vor. An den Ufern nisten Blässhühner, Haubentaucher, Reiherenten; in den Wäldern der Umgebung die braune Gabwelweihe und der Kormoran.

Neben Fröschen und Kröten, die lautstark auf sich aufmerksam machen, leben am Gestade Ringelnattern und seit einiger Zeit wieder Biberratten (Nutria).

Zahlreiche Uferanteile sind schilfbestanden, am Seeufer wachsen Erlen, Pappeln und Weiden; im Wasser Wassernelken, Pfeilkraut und Wasserhanf.

Klima[Bearbeiten]

Am Lago di Bolsena herrscht Mittelmeerklima, die Winter sind milde, Schnee fällt nur selten. Angenehme Reisetemperaturen herrschen von Mai - September.

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Der nächste internationale Flughafen ist derjenige Flughafen Rom-Fiumicino, der von Charterflügen und Billig-Airlines angeflogene Flughafen Rom-Ciampino liegt südlich von Rom am Autobahnring.

Mit der Bahn / mit dem Bus[Bearbeiten]

Mit den Zügen der Ferrovia dello Stato / Trenitalia kann man von Mailand oder Rom herkommend über Orvieto anreisen, von dort nimmt man den Bus E652 der Busgesellschaft FS BusItalia.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Von der Autobahn A1 Mailand - Florenz - Rom herkommend nimmt man die Ausfahrt Symbol: AS Orvieto, von dort wird die Stadt Orvieto im Süden umfahren auf der SP42, dann nimmt man die SR 71, mit dem PW kann man auf der SP13 direkt auf einer kurvigen Straße nach Bolsena hinabfahren, schwerere Gefährte machen den kleinen Umweg über die SP53.

Auf der SR2 - SP114 und SP8 kann man den ganzen See mit den verschiedenen Ortschaften umrunden, ohne sich allzu weit vom See zu entfernen.

Mobilität[Bearbeiten]

Die Gegend um den Lago di Bolsena ist ein beliebtes Gebiet für Wanderungen und vor allem für Fahrradtouren, der See kann gut an einem Tag mit dem Rad umrundet werden, lediglich im Nordosten zwischen Montefiascone und Bolsena steigt die Route aufgrund steil abfallender Klippen weit über den Seespiegel auf.

Der Pilgerpfad der Via Francigena vom Ärmelkanal bis nach Rom führt über Bolsena und Montefiascone weiter nach Viterbo in Richtung Rom.

Auf dem See sind Motorboote bis zu einer Länge von 7,5 m und Segelboote bis 10 m zugelassen, Häfen finden sich in Bolsena, Capodimonte, Marta und am Seeufer unterhalb von Montefiascone. Von Bolsena aus werden von der Navigazione Alöto Lazio Rundfahrten auf dem See angeboten.

Wenn man die einzelnen Ortschaften nicht mit dem Fahrrad anfahren will, ist man zur Besichtigung weitgehend auf das Privatfahrzeug angewiesen, auf den schmalen Straßen rund um den See muss man immer mit entgegenkommenden breiten Wohnmobilen rechnen.

Sehenswürdigkeiten / bedeutendste Ortschaften[Bearbeiten]

  • 1 Bolsena : Das Städtchen mit der Pilgerkirche Basilica S. Cristina an der Nordostseite des Sees ist das Zentrum der Region, hier finden sich Einkaufsgelegenheiten, Restaurants, Hotels und zahlreiche Campingplätze.
  • 2 Capodimonte: Hafenort um eine Festung auf einem Felssporn am Südufer des Lago di Bolsena.
  • 3 Marta: Fischerort am Südende des Sees, wo das Flüsschen Marta den See verlässt.
  • 4 Montefiascone: am einem Bergrücken gelegenes Städtchen mit einer Pilgerkirche, Zentrum der Weinkellereien EST!EST!!EST!!!

Aktivitäten[Bearbeiten]

  • Wandern und Fahrradfahren um den See
  • Baden und Schwimmen im See, andere mögen lieber fischen

Einkaufen[Bearbeiten]

Selbstversorger finden Einkaufsgeschäfte in Bolsena, auch in Capodimonte und Montefiascone.

Küche[Bearbeiten]

Lokale Spezialitäten sind vor allem Fischgerichte, wie die Fischsuppe Sbroscia und Coregone mit einer Sauce aus Kapern und Essiggemüse.

Unterkunft[Bearbeiten]

Hotels und Bed & Breakfast-Angebote finden sich in Bolsena, auch in Capodimonte und Montefiascone; zahlreiche Campingplätze erstrecken sich ab Bolsena zu beiden Seiten am Seeufer.

Sicherheit[Bearbeiten]

Die Sicherheitslage ist insgesamt unbedenklich.

Ausflüge[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Der Bolsena See - eine Entdeckungsreise, Andrea Viaggiante, Annuli Editori, I-01025 Grotte di Castro, deutschsprachiger Führer
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