Giara di Gesturi

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Die Giara di Gesturi ist ein Naturpark im Süden von Sardiniens. Auf einem durch erloschene Vulkane entstandenen Plateau liegt eine Hochebene mit einem Grund aus basaltartigem Gestein und steilen Abhängen. Das Gebiet, welches unter Schutz gestellt wurde, ist unter anderem bekannt für seinen Bestand an Wildpferden Cavallini della Giara, die für Italien einzigartig sein dürften.

Giara di Gesturi

Hintergrund[Bearbeiten]

Die aus Basaltgestein bestehende auf der Höhe weitgehend flache Hochebene dehnt sich über ca. 12 x 5 km aus. Die Fläche von 4400 ha teilen sich die Gemeinden Gesturi (2000 ha), Genoni (1600 ha), Tulli (450 ha) und Setzu (250 ha).

Geschichte[Bearbeiten]

Entstanden ist die Giara di Gesturi (Giara kommt wohl vom lateinischen Wort Glarea für Kies her) durch Ablagerung von Sedimentsgestein im Miozän. Vor 2.7 Mio. Jahren kam es durch vulkanische Aktivität zur Bildung der Vulkankrater 1 Zepparedda (609 m) und 2 Zeppara Manna (580 m). Die Sa Roja Falte ist bis 30 m tief und quert die Hochebene. An den Enden bildeten sich durch Erdrutsche steile Abhänge. Furchen darin wurden zu den einzigen natürlichen Zugängen auf das Hochplateau, die sogenannten Scalas.

Landschaft[Bearbeiten]

Die Giara di Gesturi zechnet sich durch den Untergrund aus Basaltgestein aus. Darüber hat sich nur eine dünne Humusschicht bilden können, welche ein außergewöhnliches Habitat für spezielle Pflanzen bildet. In den Wintermonaten bleiben die Regenwassermengen gern auf dem Plateau liegen und es bilden sich flache versumpfte Teiche, die sogenannten Paulis, die im Sommer fast austrocken, aber in allen Jahreszeiten die Wildpferde anziehen. In diesen Sumpfseen haben sich mit dem Lepidurus apus und dem Flusskrebs Triops cancriformis Krebstiere erhalten, die wohl ihr genetisches Erbgut über Millionen Jahre bewahren konnten.

In der Zeit der Nuraghenkultur wurde das Massiv als natürliche Festung genutzt und mit 27 Nuraghen gesichert, es finden sich auch Nekropolen. In der punischen Zeit errichteten die Phönizier wohl eine Festung im Bereich des Monte Sant'Antine bei Genoni. Hier wurde später auch eine byzantinische Kirche errichtet.

Auf der Hochebene finden sich einfache Rundbauten, Pinettas. Diese runden Hirtenhütten haben ein Dach aus Baumstämmen und Zweigen von Zistrosen und Mastixstrauch.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Der lichte Wald auf der Giara di Gesturi besteht vorwiegend aus Korkeichen, Steineichen und Erdbeerbäumen. In den Macchia-Flächen wachsen Montpellier - Zistrosen (Cistus monspeliensis), der wilde Pistazien- oder Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), die gemeine Myrte (Myrtus communis) (aus der der Myrtenlikör Mirto gewonnen werden kann), die Wildbirnenart Pyrus amygdaliformis, der Schwarz- oder Schlehdorn (Prunus spinosa) und die würzigriechende italienische Strohblume (Helichrysum italicum), ein Korbblütler mit gelben Blüten.

Weitere häufige Pflanzen sind die Polei-Minze oder Flohkraut (Mentha pulegium), die Wolfsmilcharten Euphorbia cespugliosa und cupanii und der Asphodelus microcarpus, der kleinfrüchtige oder ästige Affodill. Im Bereich der Feuchtflächen der Paulis finden sich im Frühjahr auch Orchideen. Im Frühling blühen wilde Cyclamen, von Januar - April die kleine gelbblühende Morisia Monantha.

Die Giara - Wildpferde (Cavallino della Giara, Equus caballus Jarae) sind wohl keine autochthone Rasse, sondern die Pferderasse wurde wohl in der Eisenzeit von den Phöniziern auf die Insel eingeführt. Durch die Isolation auf den Höhen der Giara entwickelte sich die heutige kleine Wildpferdrasse, die mit 120 cm Schulterhöhe etwa Ponygröße erreicht und die es in rotbrauner und dunkelbrauner Färbung gibt. Nachdem die Pferde ab den Sechzigerjahren nicht mehr landwirtschaftlich eingesetzt wurden, wurden viele geschlachtet. Dank Schutzmaßnahmen und Finanzierung konnte sich der Bestand von 120 auf 600 Tiere der seltenen Rasse erholen.

Des weiteren trifft man auf Wild- und verwilderte Hausschweine, den sardischen Fuchs (Vulpes vulpes ichnusae), Wildkatzen (Felix libica) und Marder, die seltene Zwerg-Kieleidechse (Algyroides fitzingeri), den Laufrosch und die Wechselkröte.

An Insekten kommen der Schwammspinner (Lymantria dispar) und der grün schillernde Großen Puppenräuber (Calosoma sycophanta) vor, an Vögeln der Eichelhäher (Garrulus glandarius), der Zugvogel Bienenfresser (Merops apiaster) und der Buntspecht. Gelegentlich sind Störche, Stelzenläufer (Himantopus himantopus), Habichte, Bussarde und Wanderfalken zu beobachten.

Klima[Bearbeiten]

Im mediterranen Klima des südlichen Sardinien sind die Winter milde, die Frühlinge sehr fruchtbar und blumenreich. In den Sommermonaten mit geringer Regenmenge trocknet das Land aus. In den flachen Tümpeln der Paulis kann das Wasser aufgrund des Basalt-Untergrunds nicht versickern. Bis in die Sommermonate bleibt etwas Wasser resp. Feuchtigkeit zurück.

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Der nächste internationale Flughafen ist der Aeroporto di Cagliari-Elmas Aeroporto di Cagliari-Elmas im Reiseführer Wikivoyage in einer anderen Sprache Aeroporto di Cagliari-Elmas in der Enzyklopädie Wikipedia Aeroporto di Cagliari-Elmas im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsAeroporto di Cagliari-Elmas (Q139983) in der Datenbank Wikidata (IATA: CAG) an der nordwestlichen Ausfallstraße der Inselhauptstadt Cagliari.

Mit der Bahn / Mit dem Bus[Bearbeiten]

Die Bahnlinie von Cagliari in den Norden führt östlich von Sanluri vorbei. Zur Anreise mit dem öffentlichen Verkehr ist der Zug kaum geeignet.

Eine Buslinie verkehrt zwischen Cagliari und Sanluri. Von dort fährt ein die ARST-Buslinie über Barumini nach Gesturi und weiter nach Isili.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Von der nationalen Schnellstraße SS131 zwischen Cagliari und Oristano zweigt man bei der Ausfahrt Symbol: AS Giba Samassi ab und nimmt die SS197 in Richtung Laconi. Sie führt über Barumini nach Gesturi.

Von hier führt die 1 Via Giara als Auffahrtsstraße nach der Giari hinauf.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Etliche Fährverbindungen verkehren zwischen Cagliari und Civitavecchia und Neapel. Reisende aus den deutschsprachigen Ländern benutzen in der Regel die Fährverbindungen, die im Norden der Insel in Olbia anlanden.

Gebühren/Permits[Bearbeiten]

3 Parco della Giara. Tel.: +39 070 9364277 - 3482924983. Vor Ort oder auf elektronischem Weg können Exkursionen im Begleitung von Rangern gebucht werden. Details auf der Website. Startzeitpunkt i.d.R. 10:00 h und nachmittags, je nach Jahreszeit 14:30 - 17:00h. Geöffnet: 08:00 - 20:00 h. Preis: Freier Zugang.

Freier Zugang; die Orientierung in der Hochebene mit nur wenigen Pfaden ist schwierig und die Mitführung eines Wandernavigationsgeräts oder einer entsprechenden Karte wird dringend empfohlen.

Neben der Auffahrt über die Via Giara über Gesturi kann man die Hochebene auch über eine Auffahrt 4 über Tuili oder die steile Auffahrt 5 über Setzu erreichen.

Mobilität[Bearbeiten]

Die ganze Hochebene der Giara ist für Motorverkehr gesperrt. Man bewegt sich zu Fuß.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Cavallini di Gesturi
Cavallini di Gesturi
Blüte des Wasser-Hahnenfusses im Frühling auf den Paulis
Cabrili Becciu
Nuraghe Tutturuddu

Vom Parkplatz bei der Auffahrt von Gesturi aus

  • Der 6 Protonuraghe Bruncu Madugui ist über einen nach Süden führenden Fahrweg zu erreichen. Es handelt sich um Rundbauten. Im Inneren befinden sich Gänge und Kammern, die aber (noch) nicht dem typischen Nuraghenbauplan mit einem zentralen Tholosgwölbe und links nach oben führender Treppe folgen. Reste des 7 Nuraghen Bruncu Madugui stehen über der Klippe am Südostabhang.

Am Ende der Auffahrt über Tuili liegen ein Parkplatz und eine Cafébar:

  • Zur 8 Chiesetta Santa Luisa , einem Kirchlein, von wo aus sich ein toller Panoramablick über die Marmilla ergibt, führt eine kurze Schotterpiste.
  • Ein Fußweg führt in Richtung des Teichs 9 Pauli Majori . Auf dem Weg dorthin gelangt man vorbei an einem 1 botanischen Garten , in dem im Frühjahr die Pflanzen der Giara blühen. Auf einem kurzen Abstecher gelangt man zum 10 Nuraghe Tutturuddu .
  • Von dort führt der Weg in nördlicher Richtung vorbei an Felsengräbern und der Hirten-Rundhütte 11 Cabrili Becciu , und wendet sich dann in nordwestlicher Richtung dem Sumpf-Teich von Pauli Majori zu.

Über die steile Auffahrt über Setzu gelangt man auf einen Schotterweg, der sich nach Norden und später gegen Osten wendet und den Zugang zu Nordwestlichen Giara erlaubt.

  • An der Auffahrtsstraße ist mit dem Felsengrab 12 Casa dell’Orco oder sardisch Sa domu‘e s’Orku noch ein Felskammergrab aus der Vor-Nuraghenzeit zu sehen.
  • Am 13 Pauli Salamengianu bestehen gute Chancen, die Giara-Wildpferde beobachten zu können.

Aktivitäten[Bearbeiten]

  • Wandern und Tierbeobachtungen im Naturschutzgebiet, individuell oder auf durch Ranger geführten Exkursionen.

Einkaufen / Küche[Bearbeiten]

  • Auf der Giara gibt es keine Einkaufs- und abgesehen von Cafè-Bars an den Informationsstellen der Parkverwaltung auch keine Einkehrmöglichkeiten. Picknickplätze gibt es zahlreiche. Alle Getränke und Verpflegung müssen mitgebracht und der Platz säuberlich geräumt verlassen werden (Abfälle mitnehmen!)

Unterkunft[Bearbeiten]

  • Auf der Giara selbst gibt es keine Unterkunftsmöglichkeiten. In den umliegenden Ortschaften gibt es unterschiedlichste Angebote.

Sicherheit[Bearbeiten]

  • Es besteht erhebliche Gefahr, aich auf dem spärlich ausgeschilderten Wegnetz zu verlaufen. Eine Wanderkarte und ein Wander-GPS sind Voraussetzung.
  • Im Sommer müssen ausreichende Trinkwassermengen für den Tagesbedarf in der heißen Witterung mitgenommen werden.

Ausflüge[Bearbeiten]

  • Nach 1 Genoni an der Nordflanke der Giara, von wo aus es ebenfalls eine 14 Auffahrt auf die Giara gibt.
  • 15 Museo del Cavallino della Giara, Via Chiesa 7, 09054 Genoni. Tel.: +39 339 1676 863, E-Mail: . Kleines Museum zum Thema der Giari - Pferde, in einem historischen Landwirtschaftsgebäude untergebracht. Geöffnet: Sommer: Mi-So 16:00-20:00 h, dazu Fr, Sa, So 10.00-13:00 h; Winter: Mi-So 15.30-19.00 h dazu Fr, Sa, So 10:00-13:00h.
  • Hier ist auch die archäologische Stätte auf dem 16 Monte Santu Antine einen Besuch wert.
  • Wer ihn noch nicht besucht hat: Der zum UNESCO-Welterbe zählende Nuraghenkomplex von Su Nuraxi bei Barumini ist von den Höhen der Giara eindrücklich zu erkennen und lohnt einen Besuch.

Literatur[Bearbeiten]

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