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Wādī-el-Gimāl-Ḥamāṭa-Nationalpark

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Wādī el-Gimāl
Wādī-el-Gimāl-Ḥamāṭa-Nationalpark
محمية وادي الجمال - حماطة
GouvernementRotes Meer
Tourist-Info Tel+20 (0)65 344 5981
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Lage
Lagekarte von Ägypten
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Wādī-el-Gimāl-Ḥamāṭa-Nationalpark

Der Wādī-el-Gimāl-Ḥamāṭa-Nationalpark, auch Wadi-el-Gemal-Nationalpark, arabisch: ‏محمية وادي الجمال - حماطة‎, Maḥmīyat Wādī al-Ǧimāl - Ḥamāṭa, ist ein 7450 km² großes, ägyptisches Meeres- und Wüsten-Landschaftsschutzgebiet zwischen den der Rotmeerküste vorgelagerten Korallenriffen und den Ausläufern des Rotmeergebirges, etwa 50 Kilometer südlich von Marsā ʿAlam.

Neben einer reichhalten Pflanzen- und Tierwelt gibt es im Nationalpark zahlreiche Hinterlassenschaften bereits seit pharaonischer Zeit, aber hauptsächlich aus griechisch-römischer und islamischer Zeit. Durch den Nationalpark führten bedeutende Handelsrouten zwischen dem Roten Meer und dem Niltal, insbesondere nach Edfu, das antike Apollinopolis Magna, und Qifṭ, das antike Koptos. Der wichtigste Hafen befand sich in Berenike, in dem Waren aus Ostafrika, Arabien und Indien eintrafen. Der Weitertransport, auch nach Europa, musste dann über Land erfolgen. Auf dem Gebiet des Nationalparks wurden auch intensiv Gold seit dem altägyptischen Neuen Reich und Smaragde seit der griechisch-römischen Zeit abgebaut. Für über 1000 Jahre befand sich hier der Haubtabbauplatz für Smaragde für den Export nach Europa.

Der Nationalpark ist auch Teil des Lebensraums der ʿAbabda-Beduinen, die ihr Auskommen als Hirten, Kamelzüchter und – nicht ganz unwichtig – als Führer für Reisende finden. Ihr Lebensstil ist auch heute noch teilweise nomadisch.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lage und Geschichte[Bearbeiten]

Lageplan Wādī-el-Gimāl-Ḥamāṭa-Nationalpark

Der im Januar 2003 eingerichtete Nationalpark ist mit einer Fläche von 7.450 km² der kleinste der Nationalparks in der Arabischen Wüste, auch Ostwüste genannt. Das unmittelbar im Süden angrenzende ʿElba-Schutzgebiet erstreckt sich über 35.600 km² und das Wādī al-ʿAllāqī im Osten des Nassersees über 30.000 km².

Der größere Teil des Wādī-el-Gimāl-Ḥamāṭa-Nationalpark befindet sich auf dem Land und hat die Form eines unregelmäßigen Rechtecks. Der Nordrand befindet sich etwa 50 Kilometer südlich von Marsā ʿAlam und der Fernverkehrsstraße 212 nach Edfu bei etwa 24° 50′ Nord. Die westliche Begrenzung befindet sich ungefähr im Bereich der Fernverkehrsstraße vom Dorf Sīdī Sālim (5° 2′ 51″ N 34° 31′ 49″ O) zum Dorf Scheich Schādhilī (24° 12′ 2″ N 34° 38′ 10″ O) bei 34° 28′ Ost, etwa 50 Kilometer landeinärts. Die südliche Begrenzung liegt nördlich der Fernverkehrsstraße von Scheich Schādhilī nach Berenike bei etwa 24° 12′ Nord.

Die Rotmeerküste bildet sowohl die östliche Begrenzung des Landgebiets und ist gleichzeitig die westliche Begrenzung eines 15 Kilometer breiten Streifens im Roten Meer, der im Norden südlich des Samadi-Riffs beginnt und bis zur Bucht Kuraʿ/Qurat el-Hartiwai im Süden reicht.

Landschaft[Bearbeiten]

Auf dem Landgebiet des Nationalparks herrscht Sand- und Steinwüste vor. Die Landschaft wird vom Rotmeergebirge dominiert, das aus zerklüfteten Basalt- und Granitformationen sowie Sandsteinfelsen besteht. Zu den wichtigen Erhebungen im Nationalpark gehören der Gebel Ḥangalīya im Norden (1240 Meter), der Gebel Ḥafāfīt, der Gebel Zabāra, der Gebel Nugruṣ, der Gebel Sikait, der Gebel Sarṭūṭ und der Gebel Ḥamāṭa im Süden.

An der Küste gibt es an mehreren Stellen Mangrovengebiete.

Die Rotmeerküste besteht aus Sand- und Steinstränden, die flach ins Meer führen. Korallenriffe befinden sich nicht am Ufer, sondern inselförmig erst in einiger Entfernung im Meer.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Obwohl es nur aller paar Jahre regnet, gehört der Nationalpark zu den Gebieten in der Ostwüste mit der reichhaltigsten Pflanzenwelt.

Öffnungszeiten[Bearbeiten]

Der Nationalpark kann zwischen Sonnenaufgang und -untergang besucht werden. Zum Campen, Übernachten und für Nachtbesuche benötigt man eine Erlaubnis der Nationalparkverwaltung.

Anreise[Bearbeiten]

Die Anreise erfolgt meist von Marsā ʿAlam. Die Entfernung bis zum Haupteingang des Nationalparks beträgt etwa 80 Kilometer, ab Hurghada 400 Kilometer.

Eine Reise in den Nationalpark stellt eine aufwändige Wüstenexpedition dar. Sie wird üblicherweise mit erfahrenen einheimischen Fahrern und Führern der Nationalparkverwaltung durchgeführt. Man benötigt hierfür mehrere allradgetriebene geländegängige Fahrzeuge, ausreichend Kraftstoff, Wasser und Proviant und ein Satellitentelefon.

Es müssen ausreichend Ersatzteile und Ersatzreifen mitgeführt werden. Eine Reparatur der Fahrzeuge sollte ohne Zuhilfenahme von Spezialwerkzeugen und elektronischen Prüfgeräten möglich sein.

Zugänge:

  • Parkeingang bei der Nationalparkverwaltung und dem Besucherzentrum im Nordosten des Nationalparks am Ostende des Wādī el-Gimāl. Die Nationalparkverwaltung ist unter Tel. +20 (0)65 344 5981 oder (0)65 372 0227 erreichbar.
  • Parkeingang Umm el-ʿAbbas an der Rotmeerküste südlich von Raʾs Ḥunkurāb.
  • Parkeingang W Kashir bei Ḥamāṭa im Südosten des Parks.
  • Parkeingang Hafafit im Nordwesten des Nationalparks.

Mobilität[Bearbeiten]

Die Nutzung von Motorrädern und Quads ist im Nationalpark nicht erlaubt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Täler und Quellen[Bearbeiten]

Gebirge im Wādī el-Gimāl
Akazie im Wādī el-Gimāl
Grab im Wādī el-Gimāl

Antike Siedlungen und Brunnenstationen[Bearbeiten]

Antike ptolemäische und römische Siedlungen entlang der antiken Berenike-Straße Berenikes Hodos (Βερενίκης Ὁδός/Βερνικησία Ὁδός) zwischen Berenike und Koptos, dem heutigen Qifṭ,[1] oder Apollonopolis Magna, dem heutigen Edfu.

Bergwerke[Bearbeiten]

Küste des Roten Meeres[Bearbeiten]

  • 21 Gazāʾir Qulʿān (جزائر قلعان). Die 93 Kilometer südöstlich von Marsā ʿAlam gelegene Inselgruppe nördlich von Ḥamāṭa besteht u. a. aus den Inseln Ǧazīrat Schawārīṭ, Ǧazīrat Suyūl und Ǧazīrat Maḥābīs besteht und ist nach dem Wādī Qulʿān benannt. (24° 21′ 8″ N 35° 23′ 24″ O)

Weitere Ziele[Bearbeiten]

Tourenvorschlag[Bearbeiten]

Aktivitäten[Bearbeiten]

  • Vogel- und Tierbeobachtung
  • Wassersport

Küche[Bearbeiten]

Alle Nahrungsmittel und Getränke, aber auch Geschirr und Kocher, müssen während der gesamten Expedition mitgeführt werden. Da in und auf den Fahrzeugen nicht beliebig viel Platz ist, muss man sich auf das Nötigste beschränken. In jedem Fall muss ausreichend Wasser dabei sein. Man braucht es zum Trinken (Mineralwasser), zur beschränkten Körperpflege, zum Kochen und zum Abwaschen.

Alle Lebensmittel müssen während der Expeditionszeit auch ohne Kühlschrank haltbar sein. Das sind z.B. Brot, Käse, Marmelade, Nudeln, Dosen mit Wurst und Fleisch, aber auch Obst wie Äpfel und Bananen und Gemüse wie Gurken und Tomaten. Ägyptisches Fladenbrot ist zwar haltbar, wird aber schon nach wenigen Tagen hart. Man darf sich glücklich schätzen, wenn es jemanden gibt, der Brot backen kann.

Organische Abfälle kann man vergraben. Alle anderen Abfälle müssen zurückgenommen werden.

Unterkunft[Bearbeiten]

Herbergen[Bearbeiten]

Im Bereich der Küste gibt es wenige Unterkünfte, die man am Beginn oder Ende der Reise wählen kann.

Camping[Bearbeiten]

Es gibt keine Campingplätze. Die Nachtruhe kann man in einem Zelt oder auf einer Matte unter freiem Himmel zubringen.

In der Wüste ist es immer windig. Deshalb ist der Aufbau eines Zeltes auch nicht so trivial. Natürlich muss der Zelteingang zur windabgewandten Seite zeigen. Die Windlast kann aber teilweise so groß sein, dass das Zelt davongetragen wird. Die verwendeten Heringe müssen für den Einsatz im sandigen Untergrund geeignet sein. Sinnvoll ist auch das Beschweren des Zeltes mit Gepäckstücken, Wassersäcken o. ä. Die Zelte sollten sandundurchlässig und die Reißverschlüsse sandtauglich sein. Bei der Wahl der Zelte kann man auf übliche Outdoor-Zelte zurückgreifen.

Die Fahrzeuge werden mit etwa drei Metern Abstand nebeneinander gestellt. Mindestens an einer Seite wird dann zwischen den Fahrzeugen ein Windschutz gespannt.

Verhaltensregeln[Bearbeiten]

  • Wichtigster Grundsatz ist, alle Plätze so zu verlassen, wie man sie selbst vorgefunden hat. Spätere Reisende möchten dasselbe Erlebnis genießen.
  • Fahren Sie möglichst nur auf den vorhandenen Pisten.
  • Nehmen Sie allen Unrat mit und lassen Sie ihn nicht in der Wüste liegen.
  • Verboten ist das Zerstören oder Sammeln von Felsgestein, Mineralien und anderer geologischer Strukturen. Das betriftt auch archäologische Hinterlassenschaften, und seinen sie noch so klein.
  • Greifen Sie so wenig wie möglich in die Tier- und Pflanzenwelt ein. Sammeln oder zerstören Sie keine Pflanzen. Auch Tiere dürfen nicht gesammelt, getötet oder gejagt werden. Dies trifft auf die Unterwasserwelt gleichsam zu. Schildkrötenplätze wie bei Raʾs Ḥunkūrāb dürfen nicht gestört werden.
  • Bringen Sie keine Graffiti o. dgl. an den Felswänden an.
  • Erhalten die die Wasserquellen. Die sind gerade in den Wüstenregionen die Lebensgrundlage aller Lebewesen.

Sicherheit[Bearbeiten]

Für den Besuch des Schutzgebiets benötigt man eine Genehmigung des ägyptischen Militärs und der Nationalparkverwaltung. Während der Reise wird man von einem Militäroffizier und einem Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung begleitet.

Kommunikation ist überlebensnotwendig. Bei derartigen Expeditionen müssen Satellitentelefone mitgeführt werden.

Klima[Bearbeiten]

Im Nationalpark herrscht das gesamte Jahr über mildes bis warmes Klima.

An der Rotmeerküste betragen die Temperaturen wie folgt:

Werte Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez    
Mittlere höchste Lufttemperatur in °C 22 23 24 26 31 33 34 34 33 29 26 23 Ø 28.2
Mittlere tiefste Lufttemperatur in °C 10 14 14 17 22 25 27 27 25 21 16 14 Ø 19.3

Nach Westen wird das Klima trockener und wärmer. Regen ist selten und tritt unregelmäßig nach einigen Jahren auf wie z. B. im Oktober 2015.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Ausflüge[Bearbeiten]

Die Expedition kann mit dem Besuch des südlich benachbarten Top-Sehenswürdigkeit ʿElba-Schutzgebiets verbunden werden. Zu Beginn und am Ende der Reise kann man seinen Urlaub in einem der Ressorts am Roten Meer fortsetzen.

Literatur[Bearbeiten]

Kartenblatt NG-36-16 (G. Hamata) der U.S. Army
  • Populärwissenschaftliche Darstellungen
    • Sidebotham, Steven E. ; Hense, Martin ; Nouwens, Hendrikje M.: The Red Land : the illustrated archaeology of Egypt’s Eastern desert. Kairo : American University in Cairo Press, 2008, ISBN 978-977-416-094-3.
    • Mahmoud, Tamer: Desert plants of Egypt's Wadi El Gemal National Park. Kairo : The American Univ. in Cairo Press, 2010, ISBN 978-977-416-350-0.
  • Karten
    • Es gibt wenig gute Karten, auf die man möglicherweise in wissenschaftlichen Bibliotheken zugreifen kann.
    • U.S. Army Map, Maßstab 1:250.000, Karte NG-36-16 (G. Hamata), 1959.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise

  1. Die Route wurde vom griechischen Historiker Plinius dem Älteren (23/24–79 n. Chr.) beschrieben, siehe: Plinius Secundus, Gaius ; Wittstein, G[eorg] C[hristoph] (Übers.): Die Naturgeschichte des Cajus Plinius Secundus, Bd. 1: I - VI. Buch. Leipzig : Gressner & Schramm, 1881, S. 453 (6. Buch, Kapitel 26). Mit dem in Abū Qureiya gefundenen, griechisch beschrifteten Ostrakon O.Dios Inv.-Nr. 457 (219p) aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert liegt auch ein Vor-Ort-Beleg vor, siehe: Cuvigny, Hélène: Hommes et dieux en réseau : bilan papyrologique du programme « Praesidia du désert Oriental égyptien ». In: Comptes rendus des séances / Académie des Inscriptions et Belles-Lettres (CRAIBL), ISSN 0065-0536, Bd. 2013,1 (2013), S. 405–442, insbesondere S. 409, Fußnote 7.
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