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Mons Smaragdus

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Antike Smaragdminen in der Nähe der Siedlung Sikait
Mons Smaragdus ·مونس سماراجدوس
GouvernementRotes Meer
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Lage
Lagekarte von Ägypten
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Mons Smaragdus

Mons Smaragdus bezeichnet eine Gruppe antiker Smaragdminen im Rotmeergebirge im Südosten Ägyptens nördlich des Tals Wādī el-Gimāl im gleichnamigen Nationalpark, die sich auf einer Fläche von etwa 200 Quadratkilometern erstreckt. Sowohl die einstigen Bergarbeitersiedlungen als auch die Bergwerke selbst lassen sich noch heute besichtigen.

Bis zur „Entdeckung“ des Muzo-Bergwerks in Kolumbien 1573 waren die hiesigen Minen, die zu den ältesten Smaragdminen der Welt zählen, Hauptlieferant für echte Smaragde, also Berylle mit Chrom als farbgebenden Element, für Europa. Um die Edelsteine zu fördern, wurde ein beträchtlicher Aufwand betrieben. Leider finden sich heute nur noch wenige Stücke in europäischen Sammlungen.

Orte[Bearbeiten]

Von Ost nach West:

Hintergrund[Bearbeiten]

Mons Smaragdus

Charakterisierung der Smaragde vom Mons Smaragdus[Bearbeiten]

Smaragd ist wie alle Berylle ein Aluminium-Beryllium-Silikat, Al2Be3[Si6O18].[2] Berylle kristallisieren in sechseckigen Säulen und besitzen die Mohshärte 7,5–8. Die Kristalloberfläche glänzt wie Glas oder Fett. In reiner Form sind die Kristalle farblos transparant (sog. Goshenit) oder milchlich-weiß. Durch Substitution der Aluminium- oder Beryllium-Ionen entstehen unterschiedliche Varietäten. Echte Smaragde entstehen durch den Einbau von Chrom-Ionen in das Kristallgitter.[3] Mit zunehmenden Chrom-Gehalt werden die Kristalle immer dunkelgrüner. Weitere bekannte Varietäten sind der hellblaue Aquamarin, der gelbe Goldberyll (Heliodor) und der rosa-farbene Morganit.

In Ägypten gibt es trübweiße, blasgrüne chromarme sowie dunkelgrüne chrom- und magnesium-reiche echte Smaragde. Nur die dunkelgrünen Smaragde eignen sich für die Schmuckverarbeitung.

Smaragde sind vor etwa 500 bis 1000 Millionen Jahren im Zusammenhang mit der Ausbildung des kristallinen Grundgebirges entstanden.

Nutzungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge des Smaragdbergbaus in Ägypten liegen im Dunkeln. Noch heutigem Erkenntnisstand erfolgte die Smaragd-Förderung erst seit griechischer Zeit und wurde bis etwa in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts durchgeführt. Vereinzelte Versuche einer erneuten Förderung gab es noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Berylle gehörten zur Zeitenwende zu den härtesten eingesetzten Schmucksteinen, die man damals z. B. mit Schleifen und Bohren bearbeiten konnte. Andere Materialien wie Türkis (Mohshärte 5–6), Feldspat (Mohshärte 6–6,5), Jade, libysches Wüstenglas (Mohshärte jeweils 6–7) und Karneol (Mohshärte 7) sind weicher.

In pharaonischer Zeit vor der Eroberung Ägyptens durch Alexander d. Gr. gab es offensichtlich keine bewusste Nutzung oder Förderung von Smaragden: es gibt weder Textzeugnisse zum Bergbau noch archäologische Smaragd-Funde. John Gardner Wilkinson (1797–1875), ein angesehener britischer Ägyptologe, behauptete zwar in seinem Buch „Manners and customs of the ancient Egyptians“, dass Smaragde mindestens seit der Regentschaft Amenophis’ III. um 1425 v. Chr. verwendet worden seien, fügte jedoch nicht einen Beleg für diese Behauptung an.[4] Diese Aussage führte dazu, dass in vielen Nachschlagewerken einschließlich der Wikipedia immer noch behauptet wird, dass Smaragde seit dieser Zeit in Ägypten abgebaut wurden. Als Problem erwies sich auch die häufig fehlerhafte Materialbestimmung von Stücken wie Amuletten, Skarabäen, Perlen u. a., die anstelle von Smaragd aus grünem Feldspat, Olivin, Nephrit oder Jade bestanden.[5]

Es gibt nur einen altägyptischen Begriff, der dem Smaragd zugeordnet werden könnte, nämlich w3ḏ n b3ẖ (wadj n bach[u]), was in etwa „Grüner des östlichen Berglandes“ bedeutet. Er entstammt einer Tributliste aus einer Seitenkammer des ptolemäerzeitlichen Tempels von Dendera und bezeichnet genaugenomen nur ein grünes Mineral, worunter auch Türkis fallen würde.[6] Der britische Ägyptologe Walter Bryan Emery (1903–1971) fand Anfang der 1930er-Jahre in den Königsgräbern von Ballana auf der westlichen Niluferseite in der Nähe zur ägyptisch-sudanesischen Grenze Smaragde als Grabbeigaben.[7] Dies stellt wohl den frühesten Smaragdfund in Ägypten dar. Diese Gräber werden aber den christlichen Königen von Nobatia zugeschrieben, die ab dem 4. nachchristlichen Jahrhundert in Nubien belegt sind.

Erste belastbare Quellen für einen Smaragdabbau gibt es erst von den griechischen Historikern Strabo (etwa 63 v. Chr. bis 23 n. Chr.)[8] und Plinius d. Ä. (23–79 n. Chr.)[9], d. h. erst für die griechische Zeit nach Alexander d. Gr.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Reisevorbereitung[Bearbeiten]

Aufgrund des Aufwandes für Fahrzeuge, Navigationsgeräte, Satellitentelefone wird man kaum in der Lage sein, eine derartige Reise eigenständig durchzuführen. Hierfür gibt es erfahrene Reiseunternehmer. Um zu einem vertretbaren Preis-Leistungs-Verhältnis zu gelangen, sollten sich mindesten vier Personen an einer derartigen Unternehmung beteiligen.

Von Tagestouren abgesehen, ist die Nachfrage relativ gering.

  • Dabuka, 2 Osman Buildings, Corniche el-Nile, Maadi, Cairo. Tel.: +20 (0)2 2525 7687, E-Mail: . Der Firmeninhaber, Tarik el-Mahdi, spricht Deutsch, Englisch und Arabisch. Tel. des Deutschlandbüros: (0)89 6385 6347, werktags 13–17 Uhr. Durchführung auf Anfrage.

Anreise[Bearbeiten]

Für die Anreise benötigt man mehrere allradgetriebene geländegängige Fahrzeuge. Es müssen ausreichend Ersatzteile und Ersatzreifen mitgeführt werden. Eine Reparatur der Fahrzeuge sollte ohne Zuhilfenahme von Spezialwerkzeugen und elektronischen Prüfgeräten möglich sein.

Die Anreise erfolgt von Marsā ʿAlam auf der Fernverkehrsstraße 24, bis man nach 52 Kilometern den 1 Zugang zum Wādī el-Gimāl (24° 39′ 44″ N 35° 5′ 28″ O) erreicht. Kurz vorher passiert man das Gebäude der 1 Nationalparkverwaltung (24° 41′ 12″ N 35° 5′ 1″ O).

Nun folgt man dem Wadi nach Westen und erreicht nach 33,5 Kilometern den Zugang zum nördlich gelegenen Seitental 2 Wādī Umm Kābū (24° 34′ 6″ N 34° 52′ 54″ O). Nach 300 Metern erreicht man die antiken Verwaltungsgebäude von Umm Kābū, etwa 100 Meter südlich davon befindet sich ein 3 Informationsstand (24° 34′ 14″ N 34° 52′ 48″ O) mit einer Informationstafel. Weitere deratige Tafeln gib es dann nicht mehr. Nach etwa 1,2 Kilometern entlang des Seitentals erreicht man das Gebiet der 7 Smaragdminen (24° 34′ 47″ N 34° 52′ 36″ O). Nach dem Besuch kehrt man in das Haupttal Wādī el-Gimāl zurück.

Nach 6,5 Kilometern erreicht man eine 4 Gabelung (24° 34′ 35″ N 34° 49′ 37″ O), und man fährt nach rechts in nordnordwestlicher Richtung 2,3 Kilometer weiter bis zu einer weiteren 5 Gabelung (24° 35′ 17″ N 34° 48′ 50″ O). Nach Norden (nach rechts) gelangt man in das Wādī Sikait und erreicht nach 6 bzw. 8 Kilometern die Bergarbeitersiedlung Sikait und später die Smaragdmine. Fährt man an der letzten Gabelung weiter nach Westen in das Wādī Nugruṣ, so erreicht man nach weiteren 6 Kilometern ein weiteres 6 Seitental (24° 37′ 3″ N 34° 46′ 33″ O) nach Nordwesten und gelangt dann nach 400 Metern zur Bergarbeitersiedlung Wādī Nugruṣ.

Mobilität[Bearbeiten]

Abseits der Pisten kommt man nur zur Fuß weiter. In den Felstälern ist der Untergrund sandig oder steinig. In den Felsmassiven gibt es zudem Geröll. Es sollte geeignetes festes Schuhwerk getragen werden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten vor Ort[Bearbeiten]

Sammlungen mit Smaragden vom Mons Smaragdus[Bearbeiten]

Natürlich besitzen alle Mineraliensammlungen Smaragde als Anschauungsmaterial, in der Regel auch von verschiedenen Fundorten. Der Mons Smaragdus fehlt aber häufig.

Auch zu Schmuckstücken verarbeitete Smaragde sind selten in Museen zu sehen. Sie stammen natürlich aus römischen Siedlungen, die vorwiegend in Italien, aber durchaus auch in Österreich oder Deutschland angelegt wurden. Gelegendtlich bilden große Smaragde, häufig in Kombination mit Gold, fast das ganze Schmuckstück wie Ohrstecker. Häufig werden Smaragde als Perlen z. B. in Ketten mit Perlen aus anderen Materialien oder als Perlen in Ohrgehängen verwendet.

Deutschland[Bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten]

  • Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien. In der Mineraliensammlung gibt es vier ägyptische Stücke, davon eins vom Gebel Zabāra und zwei aus Umm Kābū, jedoch nicht in der Ausstellung.[10]
  • Stadtmuseum in Mannersdorf am Leithagebirge. Vitrine mit Smaragd-Ohrstecker mit Goldanhänger aus dem Körpergrab 17 vom römerzeitlichen Gräberfeld von Mannersdorf, Flur Hausfelder am Arbach, in Niederösterreich, der sicher aus Ägypten stammt.[11]

Küche[Bearbeiten]

Alle Nahrungsmittel und Getränke, aber auch Geschirr und Kocher, müssen während der gesamten Expedition mitgeführt werden. Da in und auf den Fahrzeugen nicht beliebig viel Platz ist, muss man sich auf das Nötigste beschränken. In jedem Fall muss ausreichend Wasser dabei sein. Man braucht es zum Trinken (Mineralwasser), zur beschränkten Körperpflege, zum Kochen und zum Abwaschen.

Unterkunft[Bearbeiten]

Ausflüge zum Mons Smaragdus stellen meist Tagesausflüge dar, so dass sich die Frage einer Übernachtung vor Ort nicht stellt. In geringer Entfernung zum Eingang in das Wādī el-Gimāl gibt es Übernachtungsmöglichkeiten.

Für eine Übernachtung im Nationalpark selbst benötigt man eine Genehmigung vom Militär und von der Nationalparkverwaltung. Es gibt keine Campingplätze im Nationalpark. Zelte müssen mitgebracht werden, und man benötigt etwas Outdoor-Erfahrung, um geeignete windgeschützte und ebene Aufbauplätze zu finden. Meist genügen übliche Outdoor-Zelte, die sandundurchlässig sind. Der Untergrund ist meist sandig, wofür man geeignete Heringe benötigt. Zusätzlich können Zelte z. B. mit Wasserkanistern beschwert werden. An Schlafsäcke werden keine besonderen Anfordeungen gestellt, da auch im Winter die Temperaturen kaum unter 0 °C fallen.

Sicherheit[Bearbeiten]

Für eine Reise in den Wādī-el-Gimāl-Ḥamāṭa-Nationalpark und das südlicher gelegene ʿElba-Schutzgebiet benötigt man eine Genehmigung des ägyptischen Militärs. Während der Reise wird man üblicherweise von einem Militäroffizier und einem Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung begleitet. Erfahrene Reiseunternehmen können diese Genehmigungen z. B. für einen Tagesausflug nach Sikait auch zeitnah besorgen.

Die einstigen Minen sind nicht gesichert. Es ist daher äußerste Vorsicht bei deren Besichtigung geboten!

Klima[Bearbeiten]

Im Wādī-el-Gimāl-Ḥamāṭa-Nationalpark herrscht das gesamte Jahr über mildes bis warmes Klima. Im Winter gibt es starke Winde. Regenfälle wie der im Oktober 2015 sind äußerst selten.

El-Quseir Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez    
Mittlere höchste Lufttemperatur in °C 22 23 24 27 30 32 33 33 32 29 25 23 Ø 27.8
Mittlere Lufttemperatur in °C 18 18 20 24 26 29 30 30 28 26 22 19 Ø 24.2
Mittlere tiefste Lufttemperatur in °C 14 14 16 20 23 25 26 26 25 22 18 16 Ø 20.4
Niederschläge in mm 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 1 Σ 3

Literatur[Bearbeiten]

  • Schneider, Oskar ; Arzruni, A.: Der aegyptische Smaragd nebst einer vergleichenden mineralogischen Untersuchung der Smaragde von Alexandrien, vom Gebel Sabara und vom Ural. In: Zeitschrift für Ethnologie, ISSN 0044-2666, Bd. 24 (1892), S. 41–100.
  • Lucas, Alfred ; Harris, John Richard: Ancient Egyptian materials and industries. London : Arnold, 1962 (4. Auflage), S. 389 f.
  • Shaw, Ian ; Bunbury, Judith ; Jameson, Robert: Emerald mining in Roman and Byzantine Egypt. In: Journal of Roman archaeology (JRA), ISSN 1047-7594, Bd. 12 (1999), S. 203–215, doi:10.1017/S1047759400017980.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Bezeichnung nach: Shaw, Ian ; Bunbury, Judith ; Jameson, Robert: Emerald mining in Roman and Byzantine Egypt. In: Journal of Roman archaeology (JRA), ISSN 1047-7594, Bd. 12 (1999), S. 203–215, insbesondere S. 210 f, doi:10.1017/S1047759400017980.
  2. Strunz, Hugo ; Nickel, Ernest H.: Strunz Mineralogical Tables. Stuttgart : Schweizerbart, 2001 (9. Auflage), ISBN 978-3-510-65188-7, S. 605.
  3. Der Einbau von Vanadium-Ionen führt auch zu grünen Beryllen. Viele Händler und Käufer erkennen sie aber nicht als echt an. Fachleute können derartige Berylle erkennen.
  4. Wilkinson, John Gardner ; Birch, S[amuel]: Manners and customs of the ancient Egyptians, Bd. 1. London : J. Murray, 1878, S. 154.
  5. Lucas, Materials, a.a.O.
  6. Harris, J. R.: Lexicographical studies in ancient Egyptian minerals. Berlin : Akad.-Verl., 1961, (Veröffentlichung / Deutsche Akademie der Wissenschaften, Institut für Orientforschung ; 54), S. 103.
  7. Emery, Walter Bryan: The royal tombs of Ballana and Qustul. Kairo, 1938, (Mission archéologique de Nubie 1929-1934 ; 2), S. 110, 182 f., 185, 187, 189, 191, 197 f., 258.
  8. Strabo 17, 1, 45
  9. Plinius, Nat. hist. 37, 16–18
  10. Hammer, Vera. Persönliche Information vom 7. August 2018.
  11. Ployer, René: Das römerzeitlicher Gräberfeld von Mannersdorf am Leithagebirge, Niederösterreich. Wien. Geplante Dissertation an der Universität Wien. Siehe auch Grundmann (1993), S. 39.
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