Zum Inhalt springen

Stilfser Joch

Reiseroute
Vollständiger Artikel
Aus Wikivoyage
Stilfser Joch

Streckenlänge: 49 km
Stilfser Joch
RegionLombardei
Einwohnerzahl
Höhe2.758 m
Lagekarte von Norditalien
Lagekarte von Norditalien
Stilfser Joch

Das Stilfser Joch (auch Stilfserjoch; italienisch: Passo dello Stelvio) ist eine italienische Panoramastraße in den Alpen als Teil der Strada Statale SS38 von Spondinig bis Bormio über 49km.

Hintergrund

[Bearbeiten]

Das Stilfser Joch ist der dritthöchste Alpenpass, aber für Fahrer der abenteuerlichste. Besonders Radsportler und Motorradfahrer suchen die Herausforderung am Joch. Aber auch viele Panoramafahrer im Pkw machen sich zum Pass auf, um die spektakuläre Straße zu entdecken. Überwiegend Touristen befahren diese Straße, denn der Fernverkehr wird über die Autobahn Meran – Bozen (33km) geleitet. Das Joch ist im Sommer und Herbst bei gutem Wetter stark frequentiert.

Geschichte

[Bearbeiten]

Bereits im 14. Jahrhundert gab es einen „Wormser Weg“, weil er nach Worms (italienisch: Bormio) führte. Bis 1612 wurde in Stilfs Bergbau betrieben, der den Wormser Weg als Transportstrecke benutzte. Später wurde das „Wormser Joch“ – der heutige 1 Umbrailpass (2503m) – bevorzugt. Über diesen gelangt man ins Münstertal in der Schweiz. Nachdem das Kaisertum Österreich den am 9. April 1809 begonnenen Fünften Koalitionskrieg gegen Frankreich verloren hatte, musste es im Friedensschluss zwischen Napoleon Bonaparte und Franz I. von Österreich am 14. Oktober 1809 auf Schloss Schönbrunn die Region Südtirol – mit dem Stilfser Joch – an Italien abtreten. Doch bereits im Wiener Kongress von 1815 erhielt Österreich die verlorenen Gebiete zurück.

Hotel Post in Spondinig

Ab 1820 begannen 3000 Arbeiter mit dem Straßenbau der Alpenpass-Straße zum Stilfser Joch, der 1825 abgeschlossen werden konnte.[1] Am 26. Juni 1820 begannen die Bauarbeiten auf der lombardischen Seite, am 27. Mai 1823 auf der Südtiroler Seite. Am 6. Juli 1825 wurde die Straße zunächst dem Militärverkehr übergeben. Sie stand unter lombardischer Verwaltung, bis im Kriegsjahr 1859 die Lobardei Italien zufiel.[2] Dadurch wurde eine Wintersperre für den Alpenpass verhängt, der zuvor noch ganzjährig befahren werden durfte. Ab 1860 kam es zu Bauarbeiten für ein Fort in Gomagoi, um das mögliche Eindringen von italienischem Militär zu verhindern. Der zunehmende Tourismus veranlasste die österreichische Regierung zu Restaurierungsarbeiten an der Straße, die im September 1870 beendet wurden. Dadurch wurde die ursprüngliche Straßenbreite von 5 Metern auf 6 Meter vergrößert. 1871 eröffnete das Hotel Ortler (später: Hotel Post), 1892 erhielt Sulden eine Straßenanbindung (20km von Spondinig). Im Jahre 1922 überquerten 358 Fuhrwerke, 2694 Automobile, 15 Lastwagen und 213 Motorräder den Pass.

Der Radklassiker Giro d’Italia hat seit 1953 den Pass 12 Mal überquert. Kein anderer als der Extrembergsteiger Reinhold Messner richtete 1993 im „Flohhäuschen“ – einer ehemaligen Berghütte – im nahen Sulden neben dem Hotel Post das 1 Messner Mountain Museum Ortles ein. Es zeigt Kuriositäten der alpinen Geschichte.

Nach 2013 verstärkten sich die Diskussionen um die Einführung einer Maut, doch plant die Landesregierung zunächst die Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes, das bisher noch nicht vorgelegt wurde.

Klima, Flora und Fauna

[Bearbeiten]

Beste Reisezeit für den Alpenpass ist zwischen Mai und September, wenn die Straße auch in höheren Lagen vom Schnee frei ist. Wegen der großen winterlichen Schneemassen und Lawinengefahr gibt es eine Straßensperre zwischen November und Mai.

Zu sehen sind an Säugetieren Hirsche, Rehe, Gemsen und ausgesetzte Steinböcke. Unter den Vogelarten sind Steinadler, Uhu, Auerhuhn und Kolkrabe zu beobachten. Baumarten sind Fichten, Lärchen, Kiefern und Tannen, die Baumgrenze liegt bei 2000 m.[3]

Regionen

[Bearbeiten]

Der nördliche Teil der Strecke bis zum Alpenpass des Stilfser Jochs liegt in Südtirol im Vinschgau, der südliche Teil ab dem Stilfser Joch in der Lombardei, zum Veltlin gehörend.

Anreise

[Bearbeiten]

Viele Reisende haben nur das Ziel, die abenteuerliche Bergstrecke zu befahren. Dann lohnt sich eine Anreise von Meran (47km) oder von Bozen (76km) nach Spondinig.

Streckenverlauf

[Bearbeiten]

Die 2 Strada Statale 38 hat 82 Steilkehren (48 hinauf und 34 hinab), was in den Alpen unübertroffen ist. Alle zwei Kilometer wartet auf den Reisenden mithin eine Serpentine. Die Ost-Auffahrt in Südtirol ist 27,5km lang und überwindet 1870 Höhenmeter, die West-Auffahrt aus der Lombardei ist 21,7km lang und überwindet 1530 Höhenmeter.

Übersicht

[Bearbeiten]
Die Ostflanke des Stilfser Jochs von der Payerhütte (3029 m) aus

Unterstellt wird eine Fahrt von Spondinig über die Nordost-Rampe nach Bormio, aber auch umgekehrt kann die Strecke befahren werden.

geografischer Ort Entfernung
in km
Spondinig0
Gomagoi9
Trafoi4
Stilfser Joch14
Bormio22
Gesamtstrecke49

Einzelheiten

[Bearbeiten]
Karte
Karte von Stilfser Joch
Blick auf Prad
Blick von Gomagoi auf Stilfs
Überreste des Forts in Gomagoi
Alpenpanorama: Kirche Maria Heimsuchung in Trafoi
Blick auf die Serpentinen am Stilfser Joch, die einen Höhenunterschied von 1870 Höhenmetern überwinden.
Hinweisschild auf der Passhöhe mit Souvenirläden
  • 1 Spondinig (Spondigna) . liegt im Etschtal und ist ein Teil der Gemeinde Schluderns, die 1900 Einwohner hat, 1083m hoch gelegen.
  • 2 Prad am Stilfserjoch (Prato allo Stelvio) . 3800 Einwohner, 915m hoch. Etwas außerhalb liegt die aus 1281 stammende Kirche Sankt Johann.
  • 3 Stilfs (Stelvio) . ist der namensgebende Ort des Alpenpasses mit 1200 Einwohnern, 1311m hoch gelegen.
  • 4 Gomagoi . ein Dorf mit etwa 100 Einwohnern, 1250m hoch. An der Straße liegt ein zwischen 1860 und 1862 im Rahmen des österreichischen Abwehrringes gegen Italien gebautes Fort.
  • 5 Trafoi . ein Dorf mit 80 Einwohnern und Höhenluftkurort, 1542m hoch. Sehenswert sind die Loreto-Kapelle aus 1645 und die aus 1702 stammende Kirche Unsere liebe Frau zu den drei Brunnen, die dem Ort seinen Namen gab (lateinisch: tres fontes). Der Ort ist Ausgangspunkt für Sommerski. Im Hintergrund befinden sich.
    • 2 Ortler (Ortles) . 3905m hoher Berg und die.
    • 3 Trafoier Eiswand (Cima di Trafoi) . 3563m hoher Berg mit dem Zirkusferner.
  • 6 Neuwies . letzte Ortschaft vor dem Alpenpass mit 16 Einwohnern, 1559m hoch gelegen. Südlich vom Ort beginnen die engen Serpentinen. Die Höhe wird durch eine Steigung von durchschnittlich 9% erreicht, an den steilsten Stellen bis zu 11 %.
  • 4 Untere Tartscher Alm . Ausgansort für Wanderwege mit hohem Schwierigkeitsgrad.
  • 1 Franzenshöhe . beim Berghotel beginnt auf 2189 Metern der finale Anstieg von 7km auf das.
  • 5 Stilfser Joch (passo dello Stelvio) . mit 2757m der dritt höchste Straßenpass in den Alpen. Auf der Passhöhe gibt es – ungewöhnlich – umfassende touristische Infrastruktur. Der Bergpass liegt nahe an der Grenze zur Schweiz. Auf dem Pass gibt es den.
  • 2 Stilfserjoch Panorama-Aussichtspunkt . atemberaubender Blick auf die engkurvigen Serpentinen und die grandiose Berglandschaft. Bereits auf dem Pass beginnt die Lombardei. Abwärts von der Westflanke des Berges geht es über 34 Serpentinen und 6 Tunnel ins Tal. Erste Ortschaft in der Lombardei ist.
  • 7 Le Tre Baracche . (italienisch: „Die drei Kasernen“) ist ein Wanderweg entlang der Schützengräben, Posten und Militärstraßen des Ersten Weltkriegs. Auf dem absteigenden Bergpass muss vor einem 205 Meter langen einspurigen Tunnel ein Knopf bedient werden, damit die Ampel auf „grün“ schaltet.
  • 3 Ausblick auf Wasserfälle . zu sehen sind die auf einer Höhe von 2260 Metern befindlichen Cascata del Braulio, die 260 Meter tief fallen.
  • 1 Bagni di Bormio (Thermalbad Bormio) . die Thermen im Vorort von Bormio mit einem Hotel.
  • 8 San Gallo . ist ein Ortsteil von Vildedentro.
  • 9 Bormio . hat 4000 Einwohner und liegt 1225m hoch. Skiparadies im Sommer und Winter. Es ist Endpunkt der Bergstraße.

Auf dem Bergpass befinden sich Souvenirläden, Imbissbuden und Hotels, weshalb vom „höchsten Rummelplatz Europas“ gesprochen wird.

Nationalpark Stilfser Joch

[Bearbeiten]

Siehe auch: Nationalpark Stilfser Joch
Am 24. April 1935 wurde das Stilfser Joch in den heute 1346,2km² großen Nationalpark eingebaut. Hierin gibt es 103 Gletscher, hier „Ferner“ genannt.

Unterkunft

[Bearbeiten]

Die Webseite Booking.com listet für die gesamte Region 604 Hotels/Lodges/Motels aller Kategorien auf. Davon gibt es in Spondining/Schluderns 18, in Prad 15, in Stilfs 8 und in Trafoi 5. Berühmt ist das aus 1825 stammende Gebäude des 1 Berghotel Franzenshöhe mit 22 Zimmern auf 2188 Metern Höhe. Auf dem Bergpass befinden sich fünf Hotels, das 2 Hotel Stilfser Joch (36 Zimmer), 3 Hotel Perego (50 Zimmer), 4 Hotel Genziana (27 Zimmer), 5 Sport Hotel Cristallo (70 Zimmer) und 6 Alpengasthof Tibet Hütte speziell für Motorradfahrer. Weitere Hotels sind 7 Hotel Baita Ortler , gelegen auf 3030m im Sommerskigebiet oberhalb der Passhöhe (mit der Seilbahn erreichbar), 8 Hotel Burgaunerhof oder 9 Tannenheim nature and style Hotel direkt in Trafoi.

Nach der Südflanke werden für Bormio 271 Unterkünfte angezeigt.

Sprache

[Bearbeiten]

Durch die 1918 einsetzende Italianisierung der alten österreichisch-ungarischen Monarchie sind die Sprachregionen verwischt. Während in Prad und dem Stilfser Joch italienisch gesprochen wird, sind der Vinschgau, das Trafoier Tal und Sulden deutschsprachig.[4]

Aktivitäten

[Bearbeiten]

Außer Wanderungen und Besichtigungen sind möglich:

  • Sommerskigebiet. Das Skigebiet ist zwischen Pfingsten und November geöffnet und nur über die Passstraße erreichbar (Seite des Gebiets).
  • Stilfserjoch-Radtag. findet im August statt. Die Straße ist an diesem Tag für den motorisierten Verkehr gesperrt. Anmeldung ist nicht erforderlich.

Sicherheit

[Bearbeiten]

Die kurvenreiche, aber gut ausgebaute Straße besitzt außerhalb der Ortschaften eine Höchstgeschwindigkeit von 90km/h. An den Abhängen sind stabile Seitenbegrenzungen angebracht, ab der Franzenshöhe schützen Mauern vor dem steilen Abgrund. Geröll- und Lawinenschutz sowie Tunnels erhöhen die Sicherheit. Die enge Straße muss man sich mit Fahrradfahrern, Motorradfahrern, Wohnmobilen, Sportwagen und Lkw teilen. Ein Fahrverbot besteht lediglich für Fahrzeuge mit einer Länge von mehr als 10,5 Metern ab oder bis Trafoi. Zu Staus in den Haarnadelkurven kommt es im Juli/August und dann insbesondere zur Mittagszeit. Deshalb sollte man im Juni oder September morgens nach Sonnenaufgang losfahren. Die engen Kurven müssen weitgehend eingehalten werden, Kurven „schneiden“ ist nur bei vorher einsehbarem Gegenverkehr möglich.

Literatur

[Bearbeiten]
  • Reinhard Kuntzke/Christiane Hauch, Reise-Taschenbuch Reiseführer Südtirol, DuMont, 2009, S. 274 ff.; ISBN 978-3770174522.
[Bearbeiten]

Einzelnachweise

[Bearbeiten]
Vollständiger Artikel
Dies ist ein vollständiger Wikivoyage-Artikel, wie ihn sich die Community vorstellt. Doch es gibt immer etwas zu verbessern und vor allem zu aktualisieren. Wenn du neue Informationen hast, sei mutig und ergänze und aktualisiere sie.