Stilfser Joch
| Stilfser Joch | |
| Streckenlänge: 49 km |
| Stilfser Joch | |
| Region | Lombardei |
|---|---|
| Einwohnerzahl | |
| Höhe | 2.758 m |
Stilfser Joch | |
Das Stilfser Joch (auch Stilfserjoch; italienisch: Passo dello Stelvio) ist eine italienische Panoramastraße in den Alpen als Teil der Strada Statale
von Spondinig bis Bormio über 49 km.
Hintergrund
[Bearbeiten]Das Stilfser Joch ist der dritthöchste Alpenpass, aber für Fahrer der abenteuerlichste. Besonders Radsportler und Motorradfahrer suchen die Herausforderung am Joch. Aber auch viele Panoramafahrer im Pkw machen sich zum Pass auf, um die spektakuläre Straße zu entdecken. Überwiegend Touristen befahren diese Straße, denn der Fernverkehr wird über die Autobahn Meran – Bozen (33 km) geleitet. Das Joch ist im Sommer und Herbst bei gutem Wetter stark frequentiert.
Geschichte
[Bearbeiten]Bereits im 14. Jahrhundert gab es einen „Wormser Weg“, weil er nach Worms (italienisch: Bormio) führte. Bis 1612 wurde in Stilfs Bergbau betrieben, der den Wormser Weg als Transportstrecke benutzte. Später wurde das „Wormser Joch“ – der heutige 1 Umbrailpass (2503 m) – bevorzugt. Über diesen gelangt man ins Münstertal in der Schweiz. Nachdem das Kaisertum Österreich den am 9. April 1809 begonnenen Fünften Koalitionskrieg gegen Frankreich verloren hatte, musste es im Friedensschluss zwischen Napoleon Bonaparte und Franz I. von Österreich am 14. Oktober 1809 auf Schloss Schönbrunn die Region Südtirol – mit dem Stilfser Joch – an Italien abtreten. Doch bereits im Wiener Kongress von 1815 erhielt Österreich die verlorenen Gebiete zurück.

Ab 1820 begannen 3000 Arbeiter mit dem Straßenbau der Alpenpass-Straße zum Stilfser Joch, der 1825 abgeschlossen werden konnte.[1] Am 26. Juni 1820 begannen die Bauarbeiten auf der lombardischen Seite, am 27. Mai 1823 auf der Südtiroler Seite. Am 6. Juli 1825 wurde die Straße zunächst dem Militärverkehr übergeben. Sie stand unter lombardischer Verwaltung, bis im Kriegsjahr 1859 die Lobardei Italien zufiel.[2] Dadurch wurde eine Wintersperre für den Alpenpass verhängt, der zuvor noch ganzjährig befahren werden durfte. Ab 1860 kam es zu Bauarbeiten für ein Fort in Gomagoi, um das mögliche Eindringen von italienischem Militär zu verhindern. Der zunehmende Tourismus veranlasste die österreichische Regierung zu Restaurierungsarbeiten an der Straße, die im September 1870 beendet wurden. Dadurch wurde die ursprüngliche Straßenbreite von 5 Metern auf 6 Meter vergrößert. 1871 eröffnete das Hotel Ortler (später: Hotel Post), 1892 erhielt Sulden eine Straßenanbindung (20 km von Spondinig). Im Jahre 1922 überquerten 358 Fuhrwerke, 2694 Automobile, 15 Lastwagen und 213 Motorräder den Pass.
Der Radklassiker Giro d’Italia hat seit 1953 den Pass 12 Mal überquert. Kein anderer als der Extrembergsteiger Reinhold Messner richtete 1993 im „Flohhäuschen“ – einer ehemaligen Berghütte – im nahen Sulden neben dem Hotel Post das 1 Messner Mountain Museum Ortles ein. Es zeigt Kuriositäten der alpinen Geschichte.
Nach 2013 verstärkten sich die Diskussionen um die Einführung einer Maut, doch plant die Landesregierung zunächst die Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes, das bisher noch nicht vorgelegt wurde.
Klima, Flora und Fauna
[Bearbeiten]Beste Reisezeit für den Alpenpass ist zwischen Mai und September, wenn die Straße auch in höheren Lagen vom Schnee frei ist. Wegen der großen winterlichen Schneemassen und Lawinengefahr gibt es eine Straßensperre zwischen November und Mai.
Zu sehen sind an Säugetieren Hirsche, Rehe, Gemsen und ausgesetzte Steinböcke. Unter den Vogelarten sind Steinadler, Uhu, Auerhuhn und Kolkrabe zu beobachten. Baumarten sind Fichten, Lärchen, Kiefern und Tannen, die Baumgrenze liegt bei 2000 m.[3]
Regionen
[Bearbeiten]Der nördliche Teil der Strecke bis zum Alpenpass des Stilfser Jochs liegt in Südtirol im Vinschgau, der südliche Teil ab dem Stilfser Joch in der Lombardei, zum Veltlin gehörend.
Anreise
[Bearbeiten]Viele Reisende haben nur das Ziel, die abenteuerliche Bergstrecke zu befahren. Dann lohnt sich eine Anreise von Meran (47 km) oder von Bozen (76 km) nach Spondinig.
Streckenverlauf
[Bearbeiten]Die 2 Strada Statale 38 hat 82 Steilkehren (48 hinauf und 34 hinab), was in den Alpen unübertroffen ist. Alle zwei Kilometer wartet auf den Reisenden mithin eine Serpentine. Die Ost-Auffahrt in Südtirol ist 27,5 km lang und überwindet 1870 Höhenmeter, die West-Auffahrt aus der Lombardei ist 21,7 km lang und überwindet 1530 Höhenmeter.
Übersicht
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Unterstellt wird eine Fahrt von Spondinig über die Nordost-Rampe nach Bormio, aber auch umgekehrt kann die Strecke befahren werden.
| geografischer Ort | Entfernung in km |
|---|---|
| Spondinig | 0 |
| Gomagoi | 9 |
| Trafoi | 4 |
| Stilfser Joch | 14 |
| Bormio | 22 |
| Gesamtstrecke | 49 |
Einzelheiten
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- 1 Spondinig (Spondigna) liegt im Etschtal und ist ein Teil der Gemeinde Schluderns, die 1900 Einwohner hat, 1083 m hoch gelegen.
- 2 Prad am Stilfserjoch (Prato allo Stelvio) 3800 Einwohner, 915 m hoch. Etwas außerhalb liegt die aus 1281 stammende Kirche Sankt Johann.
- 3 Stilfs (Stelvio) ist der namensgebende Ort des Alpenpasses mit 1200 Einwohnern, 1311 m hoch gelegen.
- 4 Gomagoi ein Dorf mit etwa 100 Einwohnern, 1250 m hoch. An der Straße liegt ein zwischen 1860 und 1862 im Rahmen des österreichischen Abwehrringes gegen Italien gebautes Fort.
- 5 Trafoi ein Dorf mit 80 Einwohnern und Höhenluftkurort, 1542 m hoch. Sehenswert sind die Loreto-Kapelle aus 1645 und die aus 1702 stammende Kirche Unsere liebe Frau zu den drei Brunnen, die dem Ort seinen Namen gab (lateinisch: tres fontes). Der Ort ist Ausgangspunkt für Sommerski. Im Hintergrund befinden sich.
- 6 Neuwies letzte Ortschaft vor dem Alpenpass mit 16 Einwohnern, 1559 m hoch gelegen. Südlich vom Ort beginnen die engen Serpentinen. Die Höhe wird durch eine Steigung von durchschnittlich 9 % erreicht, an den steilsten Stellen bis zu 11 %.
- 4 Untere Tartscher Alm Ausgansort für Wanderwege mit hohem Schwierigkeitsgrad.
- 1 Franzenshöhe beim Berghotel beginnt auf 2189 Metern der finale Anstieg von 7 km auf das.
- 5 Stilfser Joch (passo dello Stelvio) mit 2757 m der dritt höchste Straßenpass in den Alpen. Auf der Passhöhe gibt es – ungewöhnlich – umfassende touristische Infrastruktur. Der Bergpass liegt nahe an der Grenze zur Schweiz. Auf dem Pass gibt es den.
- 2 Stilfserjoch Panorama-Aussichtspunkt atemberaubender Blick auf die engkurvigen Serpentinen und die grandiose Berglandschaft. Bereits auf dem Pass beginnt die Lombardei. Abwärts von der Westflanke des Berges geht es über 34 Serpentinen und 6 Tunnel ins Tal. Erste Ortschaft in der Lombardei ist.
- 7 Le Tre Baracche (italienisch: „Die drei Kasernen“) ist ein Wanderweg entlang der Schützengräben, Posten und Militärstraßen des Ersten Weltkriegs. Auf dem absteigenden Bergpass muss vor einem 205 Meter langen einspurigen Tunnel ein Knopf bedient werden, damit die Ampel auf „grün“ schaltet.
- 3 Ausblick auf Wasserfälle zu sehen sind die auf einer Höhe von 2260 Metern befindlichen Cascata del Braulio, die 260 Meter tief fallen.
- 1 Bagni di Bormio (Thermalbad Bormio) die Thermen im Vorort von Bormio mit einem Hotel.
- 8 San Gallo ist ein Ortsteil von Vildedentro.
- 9 Bormio hat 4000 Einwohner und liegt 1225 m hoch. Skiparadies im Sommer und Winter. Es ist Endpunkt der Bergstraße.
Auf dem Bergpass befinden sich Souvenirläden, Imbissbuden und Hotels, weshalb vom „höchsten Rummelplatz Europas“ gesprochen wird.
Nationalpark Stilfser Joch
[Bearbeiten]Siehe auch: Nationalpark Stilfser Joch
Am 24. April 1935 wurde das Stilfser Joch in den heute 1346,2 km² großen Nationalpark eingebaut. Hierin gibt es 103 Gletscher, hier „Ferner“ genannt.
Unterkunft
[Bearbeiten]Die Webseite Booking.com listet für die gesamte Region 604 Hotels/Lodges/Motels aller Kategorien auf. Davon gibt es in Spondining/Schluderns 18, in Prad 15, in Stilfs 8 und in Trafoi 5. Berühmt ist das aus 1825 stammende Gebäude des 1 Berghotel Franzenshöhe mit 22 Zimmern auf 2188 Metern Höhe. Auf dem Bergpass befinden sich fünf Hotels, das 2 Hotel Stilfser Joch (36 Zimmer), 3 Hotel Perego (50 Zimmer), 4 Hotel Genziana (27 Zimmer), 5 Sport Hotel Cristallo (70 Zimmer) und 6 Alpengasthof Tibet Hütte speziell für Motorradfahrer. Weitere Hotels sind 7 Hotel Baita Ortler, gelegen auf 3030 m im Sommerskigebiet oberhalb der Passhöhe (mit der Seilbahn erreichbar), 8 Hotel Burgaunerhof oder 9 Tannenheim nature and style Hotel direkt in Trafoi.
Nach der Südflanke werden für Bormio 271 Unterkünfte angezeigt.
Sprache
[Bearbeiten]Durch die 1918 einsetzende Italianisierung der alten österreichisch-ungarischen Monarchie sind die Sprachregionen verwischt. Während in Prad und dem Stilfser Joch italienisch gesprochen wird, sind der Vinschgau, das Trafoier Tal und Sulden deutschsprachig.[4]
Aktivitäten
[Bearbeiten]Außer Wanderungen und Besichtigungen sind möglich:
- Sommerskigebiet. Das Skigebiet ist zwischen Pfingsten und November geöffnet und nur über die Passstraße erreichbar (Seite des Gebiets).
- Stilfserjoch-Radtag. findet im August statt. Die Straße ist an diesem Tag für den motorisierten Verkehr gesperrt. Anmeldung ist nicht erforderlich.
Sicherheit
[Bearbeiten]Die kurvenreiche, aber gut ausgebaute Straße besitzt außerhalb der Ortschaften eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. An den Abhängen sind stabile Seitenbegrenzungen angebracht, ab der Franzenshöhe schützen Mauern vor dem steilen Abgrund. Geröll- und Lawinenschutz sowie Tunnels erhöhen die Sicherheit. Die enge Straße muss man sich mit Fahrradfahrern, Motorradfahrern, Wohnmobilen, Sportwagen und Lkw teilen. Ein Fahrverbot besteht lediglich für Fahrzeuge mit einer Länge von mehr als 10,5 Metern ab oder bis Trafoi. Zu Staus in den Haarnadelkurven kommt es im Juli/August und dann insbesondere zur Mittagszeit. Deshalb sollte man im Juni oder September morgens nach Sonnenaufgang losfahren. Die engen Kurven müssen weitgehend eingehalten werden, Kurven „schneiden“ ist nur bei vorher einsehbarem Gegenverkehr möglich.
Literatur
[Bearbeiten]- Reinhard Kuntzke/Christiane Hauch, Reise-Taschenbuch Reiseführer Südtirol, DuMont, 2009, S. 274 ff.; ISBN 978-3770174522.
Weblinks
[Bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Werner A. Widmann/Thomas P. Widmann, Südtirol, ADAC-Verlag, 2003, S. 133
- ↑ Julius Meurer, Illustrierter Führer durch die Ortler-Gruppe mit Stilfserjochstraße, Verlag A. Hartleben, 1896, S. 5
- ↑ Peter Holl, Ortleralpen, Bergverlag Rother, 2003, S. 31 f.
- ↑ Peter Holl, Ortleralpen, Bergverlag Rother, 2003, S. 30

