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Raschīd

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Der Norden von Raschīd
Raschīd · Rosette ·رشيد
GouvernementBuḥeira
Einwohner
68.947 (2006)
Höhe
15 m
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Lage
Lagekarte des Nildeltas in Ägypten
Reddot.svg
Raschīd

Die ägyptische Hafenstadt Raschid (arabisch: ‏رشيد‎, Raschīd, englisch Rashid oder Rasheed), auch Rosette oder Rosetta (französisch: „kleine Rose“), befindet sich im Westen des Nildeltas im Gouvernement el-Buheira. Die Stadt liegt etwa 65 Kilometer östlich des Stadtzentrums von Alexandria, 50 Kilometer nördlich von Damanhūr, der Hauptstadt des Gouvernements el-Buheira, und elf Kilometer oberhalb der Mündung des westlichen Nilarms in das Mittelmeer. In der Stadt wohnen etwa 70.000 Einwohner.[1] Sehenswert sind in der Altstadt die Bürgerhäuser aus dem 16. bis 19. Jahrhundert mit ihrem charakteristischen Ziegelmauerwerk aus roten und schwarzen Ziegeln.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Stadt wurde 870 gegründet und auf dem Westufer des westlichen Nilarms errichtet. Damit hat sie eine vergleichbare exponierte Lage wie die Stadt Dumyāṭ (Damietta) am zweiten, dem östlichen Nilarm. Das Gebiet ist bereits seit prähistorischer Zeit besiedelt. Die Pharaonen nannten ihre Ansiedlung Rehyt. Die ersten hier siedelnden Einwohner koptischen Glaubens nannten diese Stadt Rikhit, woraus sich die spätere arabische Bezeichnung Raschīd ableitete.

Ihren ersten Aufschwung erlebte die Stadt in koptischer (9. Jahrhundert) und fatimidischer Zeit (10.–12. Jahrhundert). Grund für diesen und die folgenden Aufschwünge ist die exponierte und militärstrategische Lage der Stadt.

Ähnlich wie in Alexandria ließ Qait Bey (1416–1496), Sultan der letzten Mamluken-Dynastie, 7 Kilometer nördlich der Stadt im Bereich des heutigen Burg Raschīd an strategisch wichtiger Stelle 1479 eine Festung errichten, um sich gegen die aufstrebende Osmanenmacht in Kleinasien erwehren zu können. Unter dem Osmanenherrscher Selim I. wurden die Mamluken 1516/1517 dennoch besiegt, auch wenn das mamlukische Herrschaftssystem auch in der Folgezeit weiter bestand. Die Stadt Raschīd blieb weiterhin wichtige Hafenstadt, weil sie die kürzeste Anbindung an Istanbul bot. Sie wurde in der Folge die bedeutendste Mittelmeer-Hafenstadt Ägyptens, bis ihr im 19. Jahrhundert Alexandria den Rang ablief.

Auch wenn hier Araber seit dem 10. Jahrhundert siedelten, so nahm doch erst in osmanischer Zeit ihr Anteil an der Bevölkerung beträchtlich zu. Im 17. Jahrhundert wurde Raschīd die zweitgrößte Stadt nach Kairo. In ihr lebten etwa 19.000 Einwohner zu dieser Zeit. In der Stadt siedelten auch immer mehr europäische, vorwiegend griechische, und türkische als auch einheimische Händler.

Die Festung im Norden der Stadt erlangte 1799 erneute Bedeutung, als hier Napoléon Bonaparte auf den Ruinen der alten Festung eine neue Festung, das Fort St. Julien bzw. Fort Rosetta, errichten ließ. Der Neubau dieser Festung ließ die Stadt weltberühmt werden, nicht wegen der napoléonischen Militärexpedition – diese war ein Desaster –, sondern wegen des Fundes des Steins von Rosetta durch den französischen Leutnant Bouchard im Jahre 1799. Dieser Stein enthält eine dreisprachige Inschrift (Hieroglyphen, Demotisch (Hieroglyphen-Schreibschrift) und Griechisch) mit einer Lobpreisung Ptolemaios’ V. und befindet sich heute im British Museum in London. Mit ihm gelang 1822 Jean-François Champollion (1790–1832) der Durchbruch bei der Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen.

Die Anlage des Maḥmūdīya-Kanals vom westlichen Nilarm nach Alexandria 1819 unter Muḥammad ʿAlī bedeutete jedoch einen tiefen Einschnitt. Mit dem Bedeutungsaufschwung Alexandrias nahm die von Raschīd ab, deren Einwohnerzahl von 35.000 zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf 15.000 im Jahr 1848 sank. Ganz bedeutungslos wurde die Stadt aber nicht: am Ende des 19. Jahrhunderts zählte man noch 2300 Häuser, 600 Geschäfte, 25 Moscheen, 52 Gewürz-, 13 Öl- und 10 Reismühlen sowie 30 Hotels.

Von Reichtum der Stadt künden noch heute zahlreiche zumeist drei-, seltener vierstöckige Bürgerhäuser aus dem 16. bis 19. Jahrhundert mit ihrem charakteristischen Ziegelmauerwerk aus roten und schwarzen Ziegeln. Die Fenster täuschen über die Größe der Häuser hinweg, nicht selten befinden sich zwei Fensterreihen auf einer Etage. Der Grundriss der Häuser und ihr Aufbau sind ähnlich: Das Erdgeschoss wurde für den Handel, für Brunnen, Ställe und Speicher benutzt. Das zweite Geschoss war den Männern vorbehalten, hier gab des den Empfangsraum und die Küche, während die dritte Etage den Frau vorbehalten war, hier befand sich auch das Bad, das Ḥammām. Falls eine vierte Etage vorhanden war, so befanden sie in ihr die Schlafräume. Die Fenster wurden häufig mit Maschrabīyen, hölzernen Fensterziergittern, und im 19. Jahrhundert auch mit Eisengittern versehen. Heutzutage sind diese Häuser verlassen, weil sie nicht mehr zeitgemäß oder komfortabel erscheinen, und verfielen.

Das Stadtzentrum besaß viele Geschäfte und Gewerke, die hier heute noch ansässig sind. Heute ist die Stadt Zentrum der Nahrungsmittel-, Tabakwaren- und Textilindustrie. Die „Stadt der Millionen Palmen“ ist Lieferant von Datteln. Die Reismühlen am Ortseingang verarbeiten den Reis aus weiten Teilen des Nildeltas. Die ehemals hier ansässige Fischindustrie ist mit den Bau des Assuan-Staudamms merklich zurück gegangen. Die Fangmengen sanken von etwa 300 Tonnen täglich auf heutzutage 20 Tonnen.

Anreise[Bearbeiten]

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Raschīd verfügt zwar über einen 1 Bahnhof Raschīd in der Schariʿ Geisch. Allerdings verkehrt nur ein Zugpaar pro Tag zwischen Alexandria und Raschīd. Um 15:30 Uhr fährt der Zug nach Alexandria. Der Zug benötigt für die Strecke zwei Stunden.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Raschīd erreicht man mit Minibussen u. a. von Alexandria, el-Ma'mūra bei Abu Qir (el-Ma'mūra ist selbst von Alexandria aus erreichbar), Kairo, Port Said und Damanhūr aus. Der 2 Bahnhof für die Minibusse und Service-Taxis (31° 24′ 5″ N 30° 25′ 6″ O) liegt am Westende der Schariʿ ʿAzzūz Sama westlich des Kūhīya-Hauses, arabisch: ‏منزل كوهية‎, Manzil Kūhīya. Vom Minibusbahnhof in Raschīd läuft man in südöstlicher Richtung bis zur Corniche (Uferstraße) und von dort nach Norden, bis man das Stadtzentrum mit dem Museum erreicht hat.

In Alexandria fahren die Minibusse vom neuen Busbahnhof (arabisch: ‏الموقف الجديد‎, al-Mauqif al-ǧadīd) im Süden der Stadt ab. Für die einstündige Fahrt nach Raschīd bezahlt man LE 3 (Stand 9/2010), für die Taxifahrt aus der Innenstadt von Alexandria zum neuen Busbahnhof etwa LE 10 (Stand 9/2010). Die Reiseziele sind im Busbahnhof auf Arabisch beschrifteten Schildern lesbar. Die Haltestelle nach Raschīd befindet sich fast am nördlichen Ende der zentralen Straße.

Wer mehr Zeit hat, kann auch mit dem Service-Taxi (Minibus) nach el-Ma'mūra bei Abu Qir fahren. Sie starten in Alexandria in der Schariʿ Ahmad Muharram (im Stadtzentrum) östlich des Midan Orabi in der Nähe der Straßenbahnlinie nach Abu Qir. Der Umstieg zu den Service-Taxis nach Raschīd muss wohl kurz vor Abu Qir in el-Ma'mūra erfolgen.

Mobilität[Bearbeiten]

Die meisten Sehenswürdigkeiten lassen sich zu Fuß erreichen. Ansonsten gibt es zahlreiche gelb-grüne Taxis.

Aufgrund der Enge der Straßen in der Altstadt scheint es sinnvoll, zu Fuß zu laufen. Die Straßen verlaufen parallel oder senkrecht zum etwa von Süd nach Nord verlaufenden Nil.

Es ist recht wahrscheinlich, dass Sie während des Stadtrundgangs von Touristenpolizisten begleitet werden. Aber sie kennen ja die Wege…

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Midan el-Hurriya im Stadtzentrum

Die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt ist ihr etwa 1 Quadratkilometer großer Altstadtkern. Es gibt hier etwa 50 Moscheen, zwei Kirchen, 24 Bürgerhäuser und ein Bad. Viele Moscheen existieren schon seit Alters her oder befinden sich an der Stelle früherer Moscheen.

Die meisten Bürgerhäuser wurden aber seit dem 20. Jahrhundert nicht mehr genutzt, weil sich der Lebensstil der Bevölkerung änderte, und verfielen. Deshalb kaufte die ägyptische Altertümerverwaltung 1951 22 Häuser auf. Sie werden seit 1978 restauriert, allerdings dauern die Restaurationsarbeiten heute noch an, weil zum Teil die Fehler der früheren Restaurationen beseitigt werden müssen.

Die meisten Häuser sind heute im Inneren leer, so dass sie nur von außen besichtigt werden können.

Ein günstiger Ausgangspunkt für die Besichtigung ist der Hauptplatz der Stadt, der 1 Midan el-Hurriya, arabisch: ‏ميدان الحرية‎, Mīdān al-Ḥurrīya, „Freiheitsplatz“. Auf ihm steht ein Denkmal, das an die Militärgeschichte Anfang des 19. Jahrhunderts und den Fund des Steins von Rosetta erinnern soll.

ʿArab-Killī-Haus[Bearbeiten]

2 ʿArab-Killī-Haus (منزل عرب كلي, Manzil ʿArab Killī, Rosetta National Museum), Schāriʿ el-Geisch, شارع الجيش. Das größte Wohnhaus der Stadt stammt aus dem 18. Jahrhundert und gehörte dem hiesigen Gouverneur. Man erreicht es, wenn man der Straße im Nordwesten des Hauptplatzes folgt. Das dreistöckige Haus beherbergt heute das Rosetta National Museum, das nach mehrjährigen Bauarbeiten am 30. Juli 2009 durch den damaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak eingeweiht wurde. Geöffnet: Täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Preis: Eintritt beträgt LE 25 (Stand 9/2010). (31° 24′ 18″ N 30° 25′ 20″ O)

Die Fenster der zweiten Etage verfügen über Eisengitter, alle anderen sind mit Maschrabīyen, hölzernen Ziergittern, versehen.

Das Museum beherbergt etwa 200 hiesige Fundstücke und 600 Fundstücke aus Kairo aus dem Islamischen, Koptischen und Gayer-Anderson-Museum. Darunter befinden sich Münzen, Keramik, Geschirr, Waffen, Teppiche, Möbel und Kleidung. Ein Teil der Räume wird als Ausstellungsräume eingesetzt, während die restlichen Räume ihre ursprüngliche Nutzung wie Empfangshalle, Schlafzimmer, Küche und Bad in osmanischer Zeit widerspiegeln.

Im Erdgeschoss führt ein Korridor zu einem ersten Ausstellungsraum. Im Korridor werden Uniformen, Kämme und Gefäße aus böhmischen Glas gezeigt. Ein Raum zur rechten Seite des Korridors präsentiert Fotografien und Urkunden. Zu den Urkunden zählen eine zur Evakuierung britischer Truppen und eine Heiratsurkunde eines dritten Kommandeurs der französischen Armee mit Zubeida el-Bauwab (arabisch: ‏زبيدة البواب‎). Am Ende des Korridors befindet sich ein Ausstellungsraum mit dem Schwerpunkt zum Rosetta-Stein. An diesem in der Festung von Burg Raschīd gefundenen dreisprachigen Stein in Altägyptisch, Demotisch und Altgriechisch konnten vom französischen Ägyptologen Jean-François Champollion (1790–1832) die grundlegenden Regeln des Altägyptischen entziffert werden. In diesem Raum befinden sich eine Replik des Rosetta-Steins – das Original wird im British Museum in London ausgestellt –, eine Büste Champollions, ein Modell der Qait-Bey-Festung in Burg Raschīd, mehrere Schwerter und schwarze Keramikgefäße.

Im ʿArab-Killī-Haus ist das Rosetta National Museum untergebracht
Raum zum Rosetta-Stein im Erdgeschoss des ʿArab-Killī-Hauses
Ausstellungszimmer im ʿArab-Killī-Haus
Haramlik, der Frauenbereich, im ʿArab-Killī-Haus
Empfangszimmer im Obergeschoss des ʿArab-Killī-Hauses

Das folgende erste Geschoss diente einst als Salamlik, als Bereich für die Männer. Ein Mittelgang mit Fenster zum Hof führt zu je drei Zimmern auf der linken und auf der rechten Seite, die als Ausstellungsräume genutzt werden. Der Mittelgang und die Zimmer besitzen flache Holzdecken. An den Seiten des Mittelgangs befinden sich Kerzenständer und Hocker, an seinen Wänden historische Fotografien. Im vordersten Zimmer auf der linken Seite werden Gefäße, meist aus Keramik, Holzlöffel und eine Bronzebox, die alle aus dem 17. Jahrhundert stammen, sowie historische Fotografien gezeigt. An den Wänden des mittleren Zimmers hängen Teppiche. In diesem Zimmer befindet sich zudem eine Büste des osmanischen Statthalters Muḥammed ʿAlī (Regierungszeit 1805–1848). Der hinterste Raum ist für osmanische Waffen und Rüstungen bestimmt. Im vordersten Zimmer auf der rechten Seite werden Keramikgefäße sowie Gold-, Silber- und Kupfermünzen aus dem 17. Jahrhundert gezeigt. Im folgenden Zwischenzimmer befindet sich eine Koran-Handschrift aus der Hand des Hasan Halmi, Student von Muhammad Moaus Zada, aus dem Jahr 1294 AH (1877). Im hintersten Raum befinden sich eine Büste von ʿAlī Bek el-Salānkalī (arabisch: ‏علي بك السلانكلي‎), dem Heerführer der Bevölkerung von Raschīd in der Schlacht von 1807 gegen ein britisches Heer unter General Alexander Mackenzie Fraser, Gewehre, Pistolen und zwei Schlachtengemälde, die die Verteidigung Raschīds in der genannten Schlacht zeigen.

Auch im Obergeschoss gelangt man über einen Mittelgang zu den seitlichen Zimmern. Der Mittelgang besitzt eine Holzdecke mit einem Lichtdom. An seinen Wänden hängen Beispiele für Fayencekacheln. Am Ende des Gangs führt eine Treppe zu einem niedrigen Podest mit Sitzkissen und zwei Fenstern mit Maschrabiyen, den den Blick auf den Hof freigeben. Im Bereich der Treppe befindet sich ein Kronleuchter. Auf der linken Seite des Mittelgangs gelangt man zur Küche und dem Schlafzimmer, auf der rechten Seite zu einem Büro, dem Empfangszimmer und zu einer Seilwinde.

Südlich des Hauses befindet sich der Museumsgarten. Hier gibt es zukünftig ein Buchgeschäft, ein Café und Vortrags- und Verwaltungsräume. Zudem ist gegenüber des Museums der Antikendienst untergebracht.

Kirche des hl. Markus[Bearbeiten]

Etwa 100 Meter westlich des ʿArab-Killī-Hauses befindet sich die 3 Kirche des hl. Markus (31° 24′ 18″ N 30° 25′ 15″ O), arabisch: ‏كنيسة مار مرقس‎, Kanīsat Mār Marqus die nach dem Begründer der koptischen Kirche benannt ist. Die heutige koptisch-orthodoxe Kirche wurde wohl noch etwa bis in die 1970er-Jahre von der griechisch-othodoxen Gemeinde genutzt. Die Kirche befindet sich im Südwesten eines großen Hofs.

Die vierschiffige Kirche wurde aus unverputztem Ziegelmauerwerk errichtet. Möglicherweise wurde das nördliche Schiff erst später angefügt. Die Kuppeln ruhen zumeist auf gemauerten Pfeilern und zwei Säulen aus Rosengranit. In den Kuppeln befinden sich Lichtöffnungen, die teilweise mit farbigem Glas ausgefüllt wurden. Im Westen des Kirchenraums erhebt sich eine Empore.

Nordseite der Kirche des hl. Markus
Kuppel in der Kirche des hl. Markus
Im Inneren der Kirche des hl. Markus
Mittlerer Heikal in der Kirche für den hl. Markus

An der Ostseite befinden sich vier Altarräume, und zwar von links für die hl. Jungfrau und den hl. Abā Nūb, für den Erzengel Michael, für den hl. Markus, sowie den hl. Georg. Der Altarraum für die hl. Jungfrau und den hl. Abā Nūb wird nur durch einen Vorhang vom Gemeinderaum abgeschirmt. Der hl. Abā Nūb lebte zur Zeit des Kaisers Diokletian. Seit seinem 12. Lebensjahr war er überzeugter Christ und starb in demselben Jahr als Märtyrer unter dem damaligen alexandrinischen Gouverneur Armianus im Rahmen der diokletianischen Christenverfolgung. Die Altäre für den hl. Michael und den hl. Georg besitzen nur eine hölzerne Schirmwand. Die Schirmwand des Altars für den hl. Markus trägt hingegen die Bildnisse der zwölf Apostel, die Darstellung des letzten Abendmahls und das Kreuz Christi.

Zur Kirche des hl. Markus gehört auch ein Krankenhaus.

Gebäude der Altstadt[Bearbeiten]

Die meisten Bürgenhäuser der Altstadt sind heute leer. Drei der Wohnhäuser und das Bad kann man in der Zeit von 9 bis 16 Uhr besichtigen. Das dafür nötige, LE 20 teure Ticket, erhält man im el-Amasyali-Haus. 2010 war es nur möglich, die Abu-Schahin-Mühle und des Bad ʿAzzuz von innen zu besichtigen.

Auf der Höhe des Museumsgartens kann man nach Westen laufen und erreicht dort nach etwa 60 Meter die von Nord nach Süd verlaufende Schāriʿ el-Maḥallī (arabisch: ‏شارع المحلّي‎). Hier befindet sich auf der Westseite die 4 el-Mahalli-Moschee (31° 24′ 15″ N 30° 25′ 16″ O), arabisch: ‏مسجد المحلّي‎, Masǧid al-Maḥallī, die zweitgrößte Moschee der Altstadt. In der Moschee befindet sich auch das Grab des Heiligen Sīdī el-Maḥallī, das aber nur von Männern besucht werden darf. El-Maḥallī war Rechtsgelehrter und Händler für Fisch und Rosen, aber auch als selbstbewusster Bürger der Stadt bekannt für seinen Widerstand gegen den Gouverneur. Von ihm wird berichtet, dass er einst vom Gouverneur gefragt wurde, welcher Rechtsschule er angehöre, worauf er antwortete: „Zu den Hanaschi“ (arabisch: ‏الحنشي‎), also von den Schlangen abstammend, sicher auf die Rechtsschule der Hanafiten anspielend. Kaum ausgesprochen wurde der Gouverneur von einer Schlange gebissen und fiel tot um.[2]

Wenn man der Straße an der el-Mahalli-Moschee nach Süden folgen würde, so würde die Straße in die Schāriʿ Zaghlūl (arabisch: ‏شارع زغلول‎) einmünden, auf deren Ostseite sich die größte Moschee der Altstadt, die Zaghlūl-Moschee befindet. Üblicherweise biegt man unmittelbar im Süden der el-Mahalli-Moschee in eine Seitenstraße nach Westen, an deren südwestlichem Ende sich das aus dem Jahre 1754 (1168 AH) stammende 5 ʿAsfur-Haus, arabisch: ‏منزل عصفور‎, Manzil ʿAṣfūr, befindet.

Nun befindet man sich in der von Nord nach Süd verlaufenden Schāriʿ esch-Scheich Qandīl (arabisch: ‏سارع الشيخ قنديل‎), der man etwa 100 Meter nach Süden folgt. Im Süden eines kleinen Platzes trifft man auf das 6 el-Amasyali-Haus (31° 24′ 13″ N 30° 25′ 10″ O), auch Amasili-Haus, arabisch: ‏منزل الامصيلي‎, Manzil al-Amaṣyalī, des ʿUthmān Aghā el-Amaṣyalī, arabisch: ‏عثمان أغا الامصيلي‎, aus dem Jahr 1808 (1223 AH). Hier erhält man die Eintrittskarten. Besondere architektonische Details sind der dekorierte Türsturz über den Hauseingang und eine aus koptischer Zeit stammende Säule, die die Nordwestecke des Hauses schmückt.

Haus des al-Amasyali
Im Inneren der Abu-Schahin-Mühle
Haus des el-Mazuni
Türsturz am Eingang des Hauses des al-Amasyali
Pferdemühle der Abu-Schahin-Mühle
Wandschrank im Haus des el-Mazuni

Das östliche Nachbargebäude ist die Mühle des Abu Schahin (arabisch: ‏طاحونة أبو شاهين‎, Ṭāḥūna Abū Schāhīn), die im 19. Jahrhundert von ʿUthmān Aghā aṭ-Ṭōpǧī (‏عثمان أغا الطوبجي‎) errichtet wurde und mit dem el-Amasili-Haus eine architektonische Einheit bildet. Die beiden Mühlsteine wurde von Pferden angetrieben, deren Ställe sich im hinteren Teil der Mühle befanden.

Nach der Besichtigung kehrt man zur Schāriʿ esch-Scheich Qandīl zurück. Im Süden gibt es weitere Häuser auf der westlichen Straßenseite, das Thābit- (arabisch: ‏منزل ثابت‎, Manzil Thābit) und das aus dem 18. Jahrhundert stammende el-Qanādīlī-Haus (arabisch: ‏منزل القناديلي‎, Manzil al-Qanādīlī).

Nach etwa 40 Meter erreicht man eine weitere Kreuzung, man läuft nun nach Osten und erblickt das el-Māzūnī-Haus auf Südseite der Straße. Das Haus des el-Mazuni (auch Haus des el-Meizuni arabisch: ‏منزل المازوني‎, Manzil al-Māzūnī) wurde 1740 (1153 AH) durch ʿAbd al-Raḥmān al-Bauwāb al-Māzūnī errichtet. Im vorderen Raum der ersten Etage befindet sich an der Zimmerrückwand ein großer, begehbarer Schrank. In der zweiten Etage befinden sich die Küche mit einer Kochstelle mit Abzug und das Schlafzimmer. In der dritten Etage befinden sich das Bad und das Sommerzimmer.

Ramaḍān-Haus in Raschīd

Nach der Besichtigung kehrt man wieder zur Schāriʿ esch-Scheich Qandīl zurück. Etwa 30 Meter weiter südlich folgt man der nächsten Seitenstraße nach Osten. An der Nordseite der Straße findet man das el-Toqatli-Haus (arabisch: ‏منزل التوقاتلي‎, Manzil et-Tūqātlī), weiter östlich auf der Südseite das Farahat-Haus (arabisch: ‏منزل فرحات‎, Manzil Faraḥāt) und noch weiter östlich und ebenfalls auf der südlichen Straßenseite die Dimiqsis-Moschee. Unmittelbar westlich der Moschee befindet sich das el-Baqrawali-Haus (arabisch: ‏منزل البقراولي‎, Manzil al-Baqrāwalī).

Die 1704 (1116 AH) von Ṣāliḥ Aghā Dimiqsīs (Dumaqsīs) errichtete osmanische 7 Dimiqsis-Moschee, arabisch: ‏مسجد دمقسيس المعلق‎, Masǧid Dimiqsīs al-Muʿallaq, „die schwebende Dimiqsīs-Moschee“, ist zweigeschossig. Im unteren Geschoss befinden sich Speicher und Ställe und im Obergeschoss die eigentliche Moschee. Auf der Nordseite besitzt die Moschee eine gedeckte Holzveranda und auf seiner Ostseite ein achteckiges Minarett. Das Holzdach der Moschee ruht auf Marmorsäulen im Gebetsraum.

Begibt man sich nun in die südliche Querstraße (Schāriʿ Azzuz Sama), so findet man weitere Häuser, die allesamt aus dem 18. Jahrhundert stammen, am Ende der Straße, die zum Bahnhof der Service-Taxis führt. Dies sind auf der Südseite der Straße das el-Gamal-Haus (arabisch: ‏منزل الجمل‎, Manzil al-Ǧamal) und das Ramadan-Haus (arabisch: ‏منزل رمضان‎, Manzil Ramaḍān). Auf der anderen Straßenseite befindet sich das Abuhum-Haus (arabisch: ‏منزل أبوهم‎, Manzil Abūhum). Wenige Meter weiter westlich gibt es noch auf der Südseite das Kūhīya-Haus (arabisch: ‏منزل كوهية‎, Manzil Kūhīya).

Nun läuft man wieder zurück nach Osten bis zur Schāriʿ Zaghlūl (arabisch: ‏شارع زغلول‎). Nach etwa 300 Meter befindet sich auf deren Ostseite die größte Moschee der Altstadt, die 8 Sidi-Zaghlul-Moschee, arabisch: ‏مسجد سيدي زغلول‎, Masǧid Sīdī Zaghlūl. Die heutzutage teilweise zerstörte Moschee wurde 1577 (985 AH) errichtet. Sie erinnert an Zaghlūl, einem Mamluken unter dem Prinzen Hārūn. Sie vereinigt zwei ältere Moscheen und beeindruckt durch die Gebetsnische, den Miḥrāb, die Kanzel, den Minbar, und den 300 wiederverwendeten Säulen. Der größte Teil der Moschee, der Arkadenumgang um den Moscheehof, liegt in Ruinen. 1807 wurde auf der Moschee die ägyptische Flagge als Zeichen des Beginns der Rosetta-Schlacht gegen die englischen Truppen gehisst.

Unmittelbar nordöstlich der Zaghlul-Moschee befindet sich das 9 Bad Azzuz (31° 23′ 58″ N 30° 25′ 21″ O), arabisch: ‏حمام عزوز‎, Ḥammām ʿAzzūz, das im 19. Jahrhundert errichtet wurde. Der Hauptraum besteht aus einer runden Kuppelhalle. Im Bad kann man noch die Baderäume, Reste der Öfen zum Erhitzen des Badewassers und ein Wasserrad betrachten. Wer mag, kann das Dach des Bades erklimmen. Neben dem Bad steht das Haus des Eigentümers des Bades.

Dimiqsis-Moschee
Zaghlul-Moschee
Im Inneren des Bads ʿAzzuz
Im Inneren der Dimiqsis-Moschee
Im Inneren der Zaghlul-Moschee
Eingang zum Bad ʿAzzuz

Denkmäler südlich des Stadtzentrums[Bearbeiten]

Im Süden der Stadt erhebt sich unmittelbar an der Corniche die 10 el-ʿAbbāsī-Moschee (31° 23′ 43″ N 30° 25′ 21″ O), arabisch: ‏جامع العباسي‎, Ǧāmiʿ al-ʿAbbāsī, die 1809 (1224 AH) von Muḥammad Bey eṭ-Ṭuppūzāda im Stile der innerstädtischen Bürgerhäuser errichtet wurde. Prägend ist auch hier das Ziegelmauerwerk, auch wenn die hier verwendeten Ziegel kleiner sind. Zur Verstärkung des Mauerwerks wurden aller zehn Ziegellagen eine Doppellage Holzbalken mit dazwischenliegender Ziegellage eingefügt. Im Eingangsbereich und über den Fenstern werden mit den Ziegeln Ornamente gebildet. Über dem Eingang findet sich als Inschrift der zweite Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses „Mohammed ist der Gesandte Gottes“ (‏محمد رسول الله‎).

Die Moschee, genauer das Mausoleum des es-Saiyid Muḥammad el-ʿAbbāsī, des Namensgebers der Moschee, wird von einer großen Kuppel bekrönt, hinter der sich das achteckige Minarett befindet. Der Oberteil des Minaretts ist säulenförmig und wird von einer Galerie umgeben.

Ostfassade der el-ʿAbbāsī-Moschee
Inschrift über dem Eingang der el-ʿAbbāsī-Moschee
Im Inneren der el-ʿAbbāsī-Moschee

Wenn man die Moschee betritt, gelangt man sofort in den Gebetsraum. Rechts unmittelbar hinter dem Eingang befindet sich der Zugang zum Mausoleum. Zwei Arkadenreihen, deren Bögen auf Marmorsäulen unterschiedlicher Gestalt ruhen, unterteilen den Gebetsraum in drei Querschiffe. Die Arkadenbögen, die mit sechseckigen Sternen durchbrochen sind, tragen eine undekorierte hölzerne Flachdecke, in der sich am Eingang ein Lichtdom befindet. Zusätzlich gelangt Licht auch über die hohen Fenster ins Innere der Moschee. An der Südwand befindet sich die ornamental dekorierte Gebetsnische, der Miḥrāb, und rechts daneben die Kanzel, der Minbar. Auf der gegenüber liegenden Seite erhebt sich eine hölzerne Empore.

Bummel[Bearbeiten]

Wer noch Zeit hat, kann entlang der Corniche (Uferstraße) am westlichen Ufer des Niilarms verweilen. Am Ufer sind zahlreiche Fischerboote vertäut. An der Westseite befinden sich moderne Wohnbauten und gelegentlich eine Moschee.

Fischerboote an der Niluferstraße
Häuser an der Niluferstraße
Kanone an der Niluferstraße

An der Corniche wurde auch eine 11 Kanone (31° 23′ 52″ N 30° 25′ 22″ O) aus dem 19. Jahrhundert aufgestellt, deren Mündung heute ins Landesinnere weist.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Mitte November findet in Raschīd ein Fest statt, ein so genanntes Mulid. Es ist das letzte seiner Art einer Reihe gleichartiger Feste, die ihren Ausgangspunkt in Tanta haben.

Einkaufen[Bearbeiten]

Fischmarkt in Raschīd

Der Basar im Süden der Altstadt öffnet am späten Vormittag, wird aber schon am Nachmittag geschlossen. Es werden Obst, Gemüse und fangfrischer Fisch feilgeboten. In der Straße vom Busbahnhof zum Nil befindet sich der Fischmarkt (arabisch: ‏سوق السمك‎, Sūq as-Samak).

Küche[Bearbeiten]

Restaurants gibt es im Rasheed International Hotel.

Daneben gibt es im Basar Fūl, Falafel (Tamiya) und Hühnchen sowie an der Corniche gebratenen Fisch.

Unterkunft[Bearbeiten]

Günstig[Bearbeiten]

  • 1 El Nile Hotel (فندق النيل, Funduq an-Nīl), El Bahr St., Rasheed. Tel.: +20 (0)45 292 2382. Das Hotel befindet sich an der Corniche etwa 300 Meter südlich des Platzes Mīdān el-Ḥurrīya. Die Zimmer mit Bad und Ventilator kosten LE 30 pro Person (Stand 8/2007). Ein Frühstück gibt es nicht. (31° 24′ 10″ N 30° 25′ 24″ O)

Mittel[Bearbeiten]

  • 2 Rasheed International Hotel (فندق رشيد الدولي, Funduq Raschīd ad-Daulī), Schariʿ al-ʿAkārī. Tel.: +20 (0)45 293 4399, (0)45 293 4499, Fax: +20 (0)45 293 4399, E-Mail: . Das 2005 eröffnete 3-Sterne-Hotel liegt im Stadtzentrum südlich des Museumsgartens (arabisch: ‏الحديقة المتحفية‎, al-Ḥadīqa al-Matḥafīya). Seine Zimmer verfügen über Klimaanlage, Fernseher, Telefon, Kühlschrank, Bad und Balkon. Die Preise für ÜF betragen LE 90 in Einbett-, LE 123 im Zweibett- und LE 157 im Dreibettzimmer (Stand 8/2007). Das Hotel verfügt über zwei Restaurants für Frühstück, Mittag- und Abendessen, das gehobenere ist das Royal Restaurant. Kreditkarten werden nicht akzeptiert. (31° 24′ 15″ N 30° 25′ 21″ O)

Unterkunftsmöglichkeiten gibt zudem es im nahe gelegenen Alexandria.

Respekt[Bearbeiten]

Besucherinnen sollten auf angemessene Kleidung achten.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

  • Antikendienst für koptische und islamische Denkmäler (am Rand des Museumsgartens, gegenüber dem Nationalmuseum Raschid). Tel.: +20 (0)45 292 0246. Der Antikendienst für pharaonische Denkmäler befindet sich in Damanhūr.

Ausflüge[Bearbeiten]

Mündung des westlichen Nilarms ins Mittelmeer
Nilfischer in der Nähe der Festung Qait Bey
  • Etwa 2 Kilometer südlich vom Stadtzentrum, aber bereits außerhalb der Stadt befindet sich am linken Flussufer die 14 Moschee des Abū Mandūr (31° 23′ 2″ N 30° 25′ 18″ O), arabisch: ‏مسجد أبو مندور‎, Masǧid Abū Mandūr, aus dem 18. Jahrhundert. In der Moschee befindet sich aus das Grab des gleichnamigen Ortsheiligen.
  • Der Besuch von Raschīd lässt sich mit dem Besuch von Abū Qīr verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

Für zwei der hiesigen Moscheen, der Dimiqsīs-Moschee und der el-ʿAbbāsī-Moschee, gibt es in der Literatur Kurzbeschreibungen:

  • Egyptian Kingdom, Ministry of Waqfs: The Mosques of Egypt, Bd. 2. Giza (Orman) : The Survey of Egypt, 1949; Nachdruck: London : Hazar, 1992, ISBN 978-1-874371-01-4, S. 128 f., Tafeln 197–199 (in Englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

  • Jenny Jobbins: A merchant’s paradise (archivierte Version vom 10. Mai 2003 im Internet Archive archive.org), englischer Artikel der Al-Ahram Weekly vom 28. Juni 2001.
  • Nevine El-Aref: The rose of the Nile (archivierte Version vom 27. November 2005 im Internet Archive archive.org), englischer Artikel der Al-Ahram Weekly vom 24. November 2005.

Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahlen nach dem ägyptischen Zensus von 2006, Central Agency for Public Mobilization and Statistics, eingesehen am 01. September 2014.
  2. Schlösser, Julia: Heiligenverehrung in der nordägyptischen Provinzstadt Rashid : erste Ergebnisse einer empirischen Forschung. Mainz : Universität Mainz, 2005, (Arbeitspapiere / Institut für Ethnologie und Afrikastudien ; 52), S. 7 f.
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