Erioll world 2.svg
Brauchbarer Artikel

Prag/Prager Kleinseite

Aus Wikivoyage
< PragWelt > Eurasien > Europa > Mitteleuropa > Tschechien > Böhmen > Prag > Prager Kleinseite
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Prager Kleinseite (Malá Strana) ist ein Stadtteil von Prag auf der westlichen Seite der Moldau, gegenüber der Altstadt (Staré Město), mit der sie über die Karlsbrücke (Karlův most) verbunden ist. Im Norden wird sie überragt vom Hradschin, im Süden bildet der 327 m hohe Petřin die Grenze zum Stadtteil Smíchov.

Blick vom Petřín über die Prager Kleinseite

Hintergrund[Bearbeiten]

Karte von Prager Kleinseite

Das Gebiet westlich der Moldau wurde im 9. Jh. besiedelt. König Ottokar II. Przemysl erhob es 1257 zur zweiten Prager Stadt (nach der Altstadt). Seit dem 14. Jh. wurde die Stadt Minor civitas Pragensis (Kleinere Prager Stadt) genannt, davon leitet sich die Bezeichnung Mala Strana (Kleinseite) ab. Im Mittelalter war die Kleinseite von deutschen Handwerkern und Kaufleuten bewohnt. In den Hussitenkriegen wurde die Stadt zerstört, in der Folgezeit kam es mehrmals zu Brandkatastrophen. Ab dem 16. Jh. entstanden hier prachtvolle Renaissance-Paläste des Adels. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielt die Kleinseite mit prunkvollen Kirchen und Residenzen des Adels ihr barockes Aussehen. 1784 wurde die Kleinseite mit Altstadt, Neustadt und Hradschin vereint. Nach Ende des Ersten Weltkriegs zogen Behörden und Botschaften in die Paläste ein.

Anreise[Bearbeiten]

Karlsbrücke, Kleinseitner Brückentürme

Metro: Linie A 1 Typ ist Gruppenbezeichnung Malostranská

Tram: 2 Typ ist Gruppenbezeichnung Malostranská (5, 12, 18, 20, 22), 3 Typ ist Gruppenbezeichnung Malostranské náměstí (12, 20, 22), 4 Typ ist Gruppenbezeichnung Hellichova (12, 20, 22), 5 Typ ist Gruppenbezeichnung Újezd (6, 9, 12, 20, 22)

zu Fuß: Die Karlsbrücke ist als reine Fußgängerbrücke oft stark bevölkert. Auch die nördlich gelegene Manes-Brücke (Mánesův most) eignet sich zum Besuch der Kleinseite.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kleinseitner Ring[Bearbeiten]

St. Nikolaus
St.-Nikolaus-Kirche

Der Malostranské náměstí (Kleinseitner Ring) war seit der Gründung der Stadt im Jahr 1257 der politische und wirtschaftliche Mittelpunkt der Kleinseite. Hier stand die romanische Wenzelsrotunde. 1283 wurde die gotische St. Niklas-Kirche erbaut. Gemeinsam mit einigen Bürgerhäusern teilt sie den Platz in den Unteren Ring und den Oberen Ring. Auch nach der Vergrößerung der Nikolauskirche durch die Jesuiten blieb die Zweiteilung erhalten.

  • 1 Typ ist Gruppenbezeichnung St.-Nikolaus-Kirche (Kostel sv. Mikuláše) − prachtvolle Barockkirche von (1703 – 1754) mit 70 m hoher Kuppel und Glockenturm (1756). Innen: 1500 m² großes Deckenfresko Apotheose des hl. Nikolaus.
  • 2 Kleinseitner Rathaus, Malostranské náměstí (Kleinseitner Ring) 25 (Straßenbahn 12, 20, 22 Haltestelle Malostranské náměstí). Das Gebäude im Stil der Spätrenaissance wurde in den Jahren 1617 bis 1619 nach Plänen von Giovanni Filippi errichtet. Es entstand durch Umbau eines gotischen Gebäudes und wurde Mitte des 17. Jh. barockisiert. Im Erdgeschoss befinden sich Laubengänge. Das Portal mit dem Stadtwappen blieb erhalten.
  • 3 Palais Smirickych, · Malostranské náměstí (Kleinseitner Ring) 18, (Straßenbahn 12, 20, 22 Haltestelle Malostranské náměstí). Das Palais im Stil der Spätrenaissance wurde im 16. Jh. erbaut, nachdem ein großer Brand im Jahr 1541 große Teile der Kleinseite zerstört hatte. Der Bau hat einen quadratischen Grundriss und hatte ursprünglich einen mit Arkaden versehenen Innenhof. Der Palast wurde im 17. Jh. barockisiert und um ein Stockwerk erhöht.

Karlsbrücke und Kleinseitner Türme[Bearbeiten]

Auf dem westlichen Brückenkopf stehen zwei Türme, die mit einem Torbogen verbunden sind. Der kleinere stammt wohl noch aus dem 12. Jahrhundert und gehörte ursprünglich zur Judithbrücke, diese wurde 1342 durch ein Hochwasser zerstört. Der höhere Turm wurde 1464 erbaut. Beide Türme wurden um 1590 ihr im Stil der Renaissance umgestaltet. Der höhere Turm kann bestiegen werden, Zugang ist durch die Tourist-Information im Erdgeschoss.

Die ersten Brückenpfeiler auf der Westseite stehen auf dem Ufer und auf der Insel Kampa, sie ist durch den Teufelsbach Čertovka von der Kleinseite getrennt ist.

  • 4 Haus zu den drei Straußen, U luzického seminare (Metro A Station Malostranska, Straßenbahn 12, 20, 22 Haltestelle Malostranské náměstí).
  • 5 Palais Liechtenstein, U Sovovych mlynu 4 (Metro A Station Malostranska, Straßenbahn 12, 20, 22 Haltestelle Malostranské náměstí). Das Palais am Ufer der Moldau wurde 1684 bis 1696 wahrscheinlich nach Plänen des Architekten Giovanni Battista Alliprandi errichtet. Es hat einen sechseckigen Grundriss mit einem Innenhof und zwei Türmen. Das Gebäude wurde im 19. Jh. im klassizistischen Stil und im Stil der Neorenaissance umgebaut. Vom Barockbau ist nur das Säulenportal erhalten.
  • Museum Kampa
  • 6 Großpriormühle, Velkoprevoské námesti (Straßenbahn 12, 20, 22 Haltestelle Malostranské náměstí). Die Mühle wurde erstmals um das Jahr 1400 urkundlich erwähnt. Sie ist die letzte Mühle mit Mühlrad am Teufelsbach, einem Nebenarm der Moldau.

Weitere Paläste und Gärten[Bearbeiten]

  • 7 Palais Vrtba, · Karmelitská 25 (Straßenbahn 12, 20, 22 Haltestelle Malostranské náměstí). Das Palais ist ein palastähnliches Bürgerhaus im Stil der Renaissance und entstand Ende des 16./Anfang des 17. Jh. rund um einen großen Hof. Um 1720 wurde an der Stelle des früheren Weingartens ein Terrassengarten mit Skulpturen von M.Braun angelegt.
Palais Waldstein
  • 8 Palais Waldstein (Valdštejnský palác), Valdstejnse námesti 4 (Metro A Station Malostranska, Straßenbahn 12, 20, 22 Haltestelle Malostranské náměstí). Der Palast wurde 1623 bis 1630 im Auftrag des kaiserlichen Generalissimus Albrecht Eusebius von Waldstein (Wallenstein) von dem italienischen Architekten Andrea Spezza errichtet. Diese Anlage wurde an Stelle von mehr als 20 Häusern, einer Ziegelei und drei Gärten errichtet und ist der erste profane Monumentalbau Prags. Die 60 Meter lange Fassade ist auf den Platz gerichtet. Dahinter nimmt der Rittersaal zwei Stockwerke ein. Die Innenausstattung ist das Werk des italienischen Malers Baccio Bianco und stammt aus der Zeit um 1630. Das gewaltige Deckenfresko stellt Albrecht von Waldstein als Kriegsgott Mars auf dem Kampfwagen dar. Die barocken, intarsiengeschmückten Türen stammen aus dem Palais Czernin. Heute wird der Saal für Festakte des Kulturministeriums und für andere Festakte verwendet. Im westlichen Gartenflügel befindet sich die Sala terrena. Sie wurde 1624 bis 1627 von Giovanni Pierroni nach dem Vorbild des Portikus der Kirche von Livorno errichtet. Im Garten vor der Sala terrena sind Bronzeabgüsse von Statuen von Adriaen de Vries mit Figuren aus der antiken Mythologie aufgestellt. Die Originale wurden 1648 von den Schweden als Kriegsbeute mitgenommen und befinden sich heute im Garten von Schloß Drottningholm.
  • 9 Palais Lobkowitz (Lobkovický palác) − heute Deutsche Botschaft

Kirchen[Bearbeiten]

Prager Jesulein
  • 10 St. Maria unter der Kette (Kostel Panny Marie pod řetežem), Lazenska ulice (Metro A Station Malostranská, Straßenbahn 12, 20, 22 Haltestelle Malostranská). Die ursprüngliche romanische Kirche gehörte zu einem Malteserkloster und wurde um 1182 vollendet. Mitte des 13. Jh. wurde die romanische Apsis durch einen frühgotischen Chor ersetzt. Mitte des 14. Jh. Begann man mit dem Bau einer hochgotischen Kirche. Es wurde aber nur die Fassade mit zwei massiven Türme und eine Vorhalle, an der der Bauhütte der Parler beteiligt war, fertiggestellt. Die Türme wurden 1519 auf die heutige Höhe abgetragen. Infolge der Hussitenkriege wurde der gotische Bau nicht vollendet. Die romanische Halle war aber bereits abgetragen, so dass sich heute zwischen Fassade und Chor ein Innenhof befindet. An der Vorhalle ist ein Portal im Renaissance-Stil aus dem 16. Jh. zu sehen. Der Chor der Kirche wurde in der Mitte des 17. Jh. nach Plänen von Carlo Lugano barockisiert.
  • 11 Kirche des Hlg. Johannes des Täufers Na prádle an der Bleiche (Kostel sv. Jana Křtítele na Prádle), Ricní ulice (Straßenbahn 6, 9, 12, 20, 22 Haltestelle Újezd). Das Gebäude geht auf das 12. Jh. zurück und zählt zu den ältesten Kirchen der Kleinseite. Das Längsschiff stammt aus dem 13. Jh. und wurde Mitte des 17. Jh. durch einen Chor im Renaissance-Stil ergänzt. Die Kirche wurde Mitte des 18. Jh. barockisiert und 1774 aufgelöst. Seit 1935 wird das Gebäude wieder als Kirche genutzt.
  • 12 Kirche Maria de Victoria, Karmelitská ulice, (Straßenbahn 12, 20, 22 Haltestelle Hellichova oder Malostranské náměstí). Die Kirche wurde 1611/12 nach Plänen von Giovanni Filippi nach dem Vorbild der Kirche Santa Trinitá die Monti in Rom als Dreifaltigkeitskirche der Lutheraner errichtet. Sie gilt als das erste Bauwerk Prags, das im Barockstil errichtet wurde. 1624 bis 1784 diente sie als Klosterkirche der Barfüßerkarmeliter. Die Westfassade der Kirche wurde 1636 bis 1640 im Auftrag des kaiserlichen Generals Balthasar de Madaras erbaut. Bei diesem Umbau wurde die Ausrichtung der Kirche verändert und der Altarraum an die Westseite verlegt. Die Türme wurden jedoch nicht nach dem Vorbild der Kirche Santa Trinitá die Monti in Rom erbaut. Der heutige Glockentrum stammt aus dem Jahr 1669. Aus dieser Zeit stammt auch die Innenausstattung der Kirche. Bemerkenswert sind drei Altarbilder von Peter Brandl und der Hochaltar mit einem Altarbild der Hlg. Theresia von Johann Georg Dietrich (Mitte 18. Jh.). Die Kirche ist wegen der Wachsfigur des Prager Jesulein berühmt. Diese spanische Arbeit wurde in der 2. Hälfte 16. Jh. von Maria Magdalena Manriquez de Lara, der Gemahlin von Vratislav z Pernstejna nach Prag gebracht und 1628 von ihrer Tochter Polyxenia von Lobkowitz der Karmeliterkirche geschenkt. Während der Gegenreformation wurde die Figur zu einem Wallfahrtsbild. Bis heute genießt sie als Bambino di Praga große Verehrung in Südeuropa und Lateinamerika. Im 18.Jh. erhielt die Statue eine Silbervitrine und einen Marmoraltar. Neben der Kirche befindet sich das Kloster, die heutigen Gebäude wurden im 19.Jh. im spätklassizistischen Stil errichtet.

Museen[Bearbeiten]

Pissende Männer im Hof des Kafka-Museums
  • 13 Kafka-Museum, Cihelná 2b, 118 00 Prag 1-Kleinseite. Tel.: +420 257 535 507. Im Hof des Museums steht eine Bronze-Skulptur des Künstlers David Černý, sie stellt zwei pissende Männer dar. Geöffnet: täglich 10.00 – 18.00 Uhr. Preis: Eintritt 180 CZK.

Petřín[Bearbeiten]

Laurentius-Kirche und Kreuzweg-Kapelle vom Aussichtsturm Petřín

Der 318 m hohe Petřín liegt südlich der Kleinseite. Den deutschen Namen Laurenziberg verdankt er der Kirche St. Laurentius (Kostel sv. Vavřince na Petříně), es ist eine Kathedrale der altkatholischen Kirche. Der Petřín ist ein beliebtes Naherholungsgebiet mit einer einmalig schönen Aussicht über Prag und den Hradschin.

  • 14 Aussichtsturm Petřín (Petrinska rozhledna). Der 60 m hohe Turm wurde aus Anlass der Prager Jubiläumsausstellung 1891 erbaut, er soll ein Modell des Pariser Eiffelturms darstellen. Insgesamt sind es 299 Stufen, die zur Aussichtsplattform führen. Aufstieg und Abstieg sind auf voneinander getrennten Treppen. Geöffnet: im Sommer tägl. 10-22 Uhr, im Winter bis 18 Uhr. Preis: Zutritt Erwachsene 105 CZK.
  • Spiegelkabinett. Es stammt ebenfalls aus dem Jahr 1891. Bei Einheimischen recht beliebt. Geöffnet: wie der Aussichtsturm. Preis: Eintritt Erwachsene 75 CZK. Typ ist Gruppenbezeichnung
  • Štefánik-Observatorium (Štefánikova hvězdárna). Es wurde 1928 gegründet und ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Geöffnet: Sommermonate: Di – Fr 14.00 – 19.00 Uhr + 21.00 – 23.00 Uhr, Sa + So 10.00 – 19.00 Uhr + 21.00 – 23.00 Uhr, Mo geschlossen. Wintermonate: Di – Fr 18.00 – 20.00 Uhr, Sa + So 11.00 – 20.00 Uhr. Preis: Eintritt 55 CZK.
  • Hunger-Mauer (Hladová zeď). Die Mauer wurde 1360-1362 errichtet, ihre Bedeutung und die Herkunft ihres Namens sind nicht eindeutig. Typ ist Gruppenbezeichnung
Aussichtsturm Petřín
  • Rosengarten. Eine Parkanlage beim Aussichtsturm.

Das Gipfelplateau des Petřín erreicht man

  • mit der Standseilbahn: von der Tram-Haltestelle Újezd führt eine 511 m lange Standseilbahnstrecke zur Bergstation. Es gelten die Fahrscheine der Prager Verkehrsbetriebe. Die Standseilbahn fährt nicht im März und im Oktober (Revisionen).
  • zu Fuß: von der Tram-Haltestelle Újezd geht ein Fußweg hinauf zum Gipfel, zunächst durch Streuobstwieden, weiter oben durch Wald. Es gibt auch Fußwege vom Kloster Strahov.

Verschiedenes[Bearbeiten]

John-Lennon-Mauer (April 2016)
  • 15 John-Lennon-Mauer (Lennonova zeď), Velkopřevorského náměstí (nahe St. Maria unter der Kette). Die Wand wurde seit den 1980er-Jahren immer wieder mit Graffitis, insbesondere Bildern von John Lennon, Ausschnitten aus Beatles-Liedtexten und Botschaften von Liebe und Frieden verziert. Was zunächst noch als Vandalismus angesehen wurde, hat sich inzwischen zu einer bekannten Sehenswürdigkeit entwickelt, die auch vom Eigentümer der Wand, dem Malteserorden, mit Wohlwollen betrachtet wird. Die Wand wird ständig umgestaltet, sodass man nicht erwarten darf, ein bestimmtes Bild beim nächsten Besuch wiederzufinden. Ironischerweise wurde 2014 sogar eine Gruppe von Kunststudenten, die die gesamte Wand rein weiß überstrich und nur den Schriftzug „Wall is Over“ zurückließ, wegen Vandalismus angezeigt. Die Anzeige wurde zurückgezogen, nachdem sich herausstellte, dass dies ein Kunstprojekt war. Inzwischen ist die Wand aber wieder mit Graffitis übersäht. Typ ist Gruppenbezeichnung

Aktivitäten[Bearbeiten]

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Nachtleben[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Brauchbarer ArtikelDies ist ein brauchbarer Artikel. Es gibt noch einige Stellen, an denen Informationen fehlen. Wenn du etwas zu ergänzen hast, sei mutig und ergänze sie.
Erioll world 2.svg