Nouadhibou
Nouadhibou | |
Provinz | Mauretanien |
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Einwohnerzahl | 118.000 (2013) |
Höhe | 0 m |
Nouadhibou |
Nouadhibou (نواذيبو) ist eine Stadt an der Küste im nördlichen Mauretanien nahe zur Grenze der marrokanisch verwalteten Westsahara.
Hintergrund
[Bearbeiten]Als Port-Étienne war Nouadhibou zur Kolonialzeit ein verschlafenes Nest. Der Ausbau zum Industriehafen begann in den 1960ern, seit der Eisenabbau in der Region Zouérat begann und hier die per Bahn angelieferten Erze verschifft werden. Zur Sanierung des Fischereihafens hat Japan 2013 8,5 Millionen Dollar Entwicklungshilfe gezahlt. Die EU plant seit 2014 den Schiffsfriedhof säubern zu lassen.
Touristisch interessant ist die Ortschaft nur als Transitpunkt, weil es sich effektiv um den Grenzort zur marokkanisch verwalteten Westsahara handelt.
Die Stadt liegt auf der etwa vierzig Kilometer langen Landzunge Ras Nouadhibou, die zu Kolonialzeiten geteilt wurde zum Atlantik hin spanisch (heute POLISARIO-Gebiet), zum Festland hin französisch (heute Mauretanien). Im Norden liegt der einwohnerstärkste Stadtteil, Numerowat, der in sechs Robinets (franz. Wasserstelle) geteilt ist. Im Süden ended die Stadt in der Spitze Cap Blanc, spanisch Cabo Blanco. Hier gibt es eine kleine Kolonie der fast ausgestorbenen Mittelmeer-Mönchsrobben. Die 1924 gegründete spanische Siedlung 1 La Agüera (الڭويرة) an der Atlantikküste wurde aufgegeben.
Etwas sieben Kilometer südlich des eigentlichen Nouadhibou ist der Ortsteil 2 Cansado, eine für die Arbeiter der Minengesellschaft in den 1960ern geschaffenen Retortenstadt, noch einmal drei Kilometer weiter der 1 Port Minéralier zur Verladung der Eisenerze und Endpunkt der Bahnstrecke.
Anreise
[Bearbeiten]Bei Überlandfahrten in Mauretanien wird man an Polizeiposten immer wieder nach einem Fiche gefragt. Dabei handelt es sich im wesentlichen um eine schriftliche Aufstellung persönlicher und Passdaten und dazu das „woher und wohin.“ Diese können vor Ort geschrieben werden, man nimmt den Polizisten jedoch eine Möglichkeit zur Schmiergeldforderung, wenn man auf die Rückseite einer Passkopie die entsprechenden Angaben schon aufgedruckt hat.
Grenzübergang Guerguerat
[Bearbeiten]Einfacher ist es, den Bus bis zur Grenze zu bezahlen (210 Dh). Dort bieten sich Fahrer für die Weiterfahrt nach Nouadhibou (10 € oder 100 Dh) oder Nouakchott an, die einem im besten Fall auch noch bei den Grenzformalitäten helfen. (Stand: Nov 2023)
Der südlichste marokkanisch verwaltete Ort der Westsahara ist 3 Guerguerat (ڭرڭورات مغربية). Die grenzpolizeiliche Abfertigung ist für Europäer auf dieser Seite normalerweise problemlos, wenn auch teilweise langwierig wenn viel Andrang herrscht. Die Bauten auf marokkanischer Seite wurden 2016/17 saniert.
Zwischen beiden Ländern ist ein Stück vermintes Niemandsland, auch wenn Marokko nach Gefechten 2020 auch hier für Sicherheit sorgt. Die früher zahlreichen Autowracks und wohl auch die meisten Minen (es gibt 2022 noch Warnschilder) hat man geräumt.
Am mauretanischen Grenzposten ist nach einer ersten Passkontrolle das Visum erhältlich. Es ist inzwischen (2023; € 55) biometrisch und wird gewöhnlich nur zur einmaligen Einreise erteilt.
Selbstfahrer brauchen für ihr Auto vom Zoll ein gebührenpflichtiges passe avant, dann von der Polizei ein cachet d'entrée. Außerdem ist in einem anderen Bau eine Versicherung abzuschließen. Geld wechseln kann man im Büro nebenan. „Helfer“ und „Vermittler“ sind aufdringlich und zahlreich, aber nicht nötig.
Etwas Geld zu tauschen ist unter Umständen sinnvoll, weil Geldautomaten in Mauretanien nicht weit verbreitet und nicht immer einsatzbereit sind.
Die Grenze ist täglich (auch Sonntag) von 9.00-18.00 geöffnet, wobei auch ausgedehnte „Mittagspausen“ (von ± 12.00-15.00) nicht ausgeschlossen sind (keine Mittagspause Stand 2023).
Aus Nouadhibou sollte man spätestens um 8.00 im Taxi in Richtung Grenze sitzen (2021: 300-500 OUM zur Grenze). Die erwähnten Minibusse sind sinnvoller, da man sich den Extrafahrer durchs Niemandsland spart. Reine Fahrzeit bis Dakhla ist acht Stunden, es gibt auch Fahrgelegenheiten für die ganze Strecke. Der Taxistand ist nahe dem nördlichen Ortsausgang nicht weit vom Bureau de la Fédération des Transports (etwa 20°57'51,5" N 17°01'54,8" W; 300 m vom ersten Kreisverkehr von Norden gesehen).
Mit dem Flugzeug
[Bearbeiten]Mit der Bahn
[Bearbeiten]Die Eisenerzzüge, mit 150-250 Waggons, dienen primär der Frachtbeförderung. Passagiere werden eher als Nachgedanke mitgenommen. In der einfachen Variante sitzt man (umsonst) auf dem Dreck in den Waggons (unbedingt Sonnen-, Mund- oder Geschichtsschutz). Es gibt pro Tag auch einen Waggon mit Sitzplätzen vom Typ „Klasse 3 minus“ (normalerweise am Zugende). Um hier mitzufahren empfiehlt sich ein Kartenkauf am Vortag, alleine schon um die ungefähre Abfahrtszeit herauszufinden (meist 15 Uhr). Der Preis für die ganze Strecke war 2023 300 OUM. Es gibt an fast jedem Zug auch flache Güterwagen auf denen Autos mitbefördert werden. Der Fahrer schläft im Auto. Die Strecke verläuft durch weitgehend unbesiedeltes Gebiet. In jedem Fall ist ausreichend Essen und Trinkwasser mitzunehmen, Entgleisungen in der Wüste sind nicht selten.
Die Trasse führt parallel an der Südgrenze der Westsahara entlang, 460 km bis nach Choum, einem staubigen Nest, dessen einzige Existenzberechtigung der Bergbau hier ist. Kurz dahinter biegt die Strecke an der Ecke des westsaharischen Gebiets scharf nach Norden, bis F’dérik (km 629) und Zouérat (km 652), „fahrplanmäßig“ insgesamt 12-19 Stunden. Von der Küste werden die genannten Ortschaften per Zug auch mit Wasser versorgt.
Mit dem Bus
[Bearbeiten]Aus Nouakchott verkehren Kleinbusse/Taxen (letzteres heißt is zu 6 Mann im Mercedes 190) in etwa 6 bis 8 Stunden (2023: 700 OUM). Abgefahren wird gerne früh morgens, die späteste Abfahrt ist etwa 14 bis 15 Uhr.
Seit Frühjahr 2018 gibt es auch Busse von Ad-Dakhla nach Süden bis zur mauritanischen Grenze und umgekehrt.
Es gibt vier oder fünf 4 reguläre Busfirmen, die meist um 7-8 Uhr in die Hauptstadt fahren. Andere kommen von dort und treten dann am Nachmittag (meist 16-17.00 Uhr; selten auch Mittags) die Rückfahrt an, man erreicht Nouakchott dann 22-23 Uhr. Abgefahren wird bei den jeweiligen Büros, die meisten sind über etwa 200 m verteilt beieinander an der N2. Nur die erwähnte Moussavir ist weiter nördlich, deren Kleinbusse (Preis 700 neue OUM; 2022) scheinen etwas neuer und alle klimatisiert zu sein.
SONEF ist nigerische, internationale Langstreckenbusgesellschaft, die täglich u.a. auch nach Bamako und Niamey fährt. In Mauretanien hat sie Ableger in der Hauptstadt (Tel. +222 42464320) und Nouadhibou, dort an der N2.
Auf der Straße
[Bearbeiten]Die unter „Mit dem Fahrrad“ gegebene Wegbeschreibung entlang der Küstenstraße durch die Westsahara ist auch für Autofahrer nützlich.
Nach Süden in die Hauptstadt Nouakchott geht es auf der geteerten N2.
Mit dem Fahrrad
[Bearbeiten]Den Weg von Marokko bis nach St. Louis im Senegal beschreibt die Seite Radtour Westsahara.
Mobilität
[Bearbeiten]Per pedes oder Taxi, das sind meist sehr verbeulte Mercedes 190, deren Preis ausgehandelt werden muss. 2022 sind für Stadtfahrten 100 OUM pro Fahrzeug angemessen. In einem Linientaxi (maximale Besetzung 6 Passagiere) zahlt man innerorts 20 Ouguiya (Stand 2023). Um nach Cansado zu kommen, gibt es eine Kreuzung im Süden der Stadt, wo Taxis abfahren. Preis wiederum 20 Ouguiya (2023).
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten]- 5 Baie de Plaisance (نواذيبو). Malerisch sind die zahlreichen traditionellen, offenen Fischerboote aus Holz im Hafen. Die Polizei passt auf, dass man keine Fotos macht, das scheint verboten zu sein. Ein mehrstündiger Aufenthalt bei der Polizei und das willkürliche Löschen von Fotos vom Gerät kann die Folge sein.
- 6 Schiffsfriedhof. Als sehenswert gilt der Schiffsfriedhof. Hier wird weniger abgewrackt, als dass aufgegbene Kähne umweltverschmutzend vor sich hinrosten dürfen.
Aktivitäten
[Bearbeiten]Weiterfahren.
Einkaufen
[Bearbeiten]Im Zentrum, am nördlichen Ende der halbkreisförmigen Cansado-Bucht, liegt das Geschäftsviertel (einfach Ville), an dessen gerader Hauptstraße Blvd Médian und dem östlich davon parallel laufendem Blvd Maritim, Banken, Wechselstuben, Polizei und Verkaufsgeschäfte liegen.
Die „Altstadt“ Keran hat einen Gebrauchtwarenmarkt. Es gibt drei Supermärkte, Bon Marché und 1 28 Novembre sind an der Hauptstraße keine fünfzig Meter auseinander. Für lokale Produkte wird man in kleineren épiceries günstiger fahren. Im Ortsteil Cansado gibt es nur nur einen Kramerladen.
Kamelmilch kann man von den Hirten am Ortseingang kaufen. Ziegen gibt es überall im Ortsbereich.
Küche
[Bearbeiten]Frischen Fisch gibt es in vielen Restaurants.
Nachtleben
[Bearbeiten]Keines. Die Straßenbeleuchtung ist ebenfalls dürftig.
Überraschen darf es nicht, dass in einem Ort wie hier, mit viel Durchgangsverkehr der geschlechtliche kommerziell ausgeübt wird was in Mauretannien verboten ist. Entsprechende Etablissments sind in der Regel in Wohnungen und heißen örtlich bafana bafana.
Unterkunft
[Bearbeiten]Preise geten immer fürs ganze Zimmer, meist sind 3-4 Betten darin, Rabatt für Einzelreisende gibt es nicht. Die einfacheren Unterkünfte scheinen sämtlich nicht sehr sauber. In Nähe der Kleinbusstationen gibt es gar keine.
Günstig
[Bearbeiten]Mittel
[Bearbeiten]- Weitere Mittelklassehäuser im Umfeld.
Gehoben
[Bearbeiten]Cansado
[Bearbeiten]8 Oasian
9 Somarsert Hotel/Apartments
Praktische Hinweise
[Bearbeiten]Banken mit Geldautomaten sind eher im Süden der Stadt zu finden und auch nicht besonders häufig. Wer kein Geld an der Grenze getauscht hat und im Norden der Stadt ankommt, muss unter Umständen einige Kilometer laufen, bis er an mauretanisches Bargeld kommt.
- Wer zur Weiterreise ein Visum benötigt wende sich an das 1 Konsulat Marokkos (القنصلية المغربية), Av. Maritime. Tel.: +222 45 74 50 84. Geöffnet: Mo.-Do. 9.00-16.00, Fr. bis 12.30.
Ausflüge
[Bearbeiten]Zur Südspitze der Halbinsel
[Bearbeiten]- Acht Kilometer südlich vom Stadtzentrum liegt der Stadtteil Cansado (spanisch „müde“). Etwas nördlich von Cansado zweigt eine fünf Kilometer lange Straße an die Westküste zu den Ruinen von La Gouira ab, einem ehemaligen spanischen Handelsort, der allerdings aus Sicherheitsgründen (Minen, von potentiell feindseligen POLISARIO-Kämpfern kontrolliert) nicht besucht werden kann.
Die Südspitze der Halbinsel, dem Cap Blanc, wurde als Nationalpark deklariert, dort sind außer mauretanischen Soldaten und einem 1 Leuchtturm noch einige der hochbedrohten Mittelmeer-Mönchsrobben anzutreffen. Das Meer beherbergt mehrere Schildkrötenarten und Delfine. Man kann auch ein 2 Wrack sehen.
Nationalpark Banc d'Arguin
[Bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten]- Streiff-Fénart, Jocelyne; Poutignat, Philippe; Nouadhibou « ville de transit » ? Le rapport d’une ville à ses étrangers dans le contexte des politiques de contrôle des frontières de l’Europe; Revue Européenne des Migrations Internationales, Vol. 24 (2008), Nr. 2