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Unesco-Welterbestätten in Europa
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Nationalpark Jasmund

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Der Nationalpark Jasmund mit den berühmten Kreidefelsen der Stubbenkammer ist seit 1990 ein kleiner Nationalpark im Nordosten der Insel Rügen. Faszinierend leuchtend weiße Kreideklippen entlang der Ostseeküste wechseln mit dichtem Buschwerk und Bäumen ab. Die fast senkrechten Kreidefelsen sind bis zu 118 m hoch. Der für die Stubnitz typische Buchenurwald reicht vielerorts direkt bis an die Abbruchkante der aktiven Steilküste.

Der Nationalpark Jasmund
Die imposante Kreideküste und der weite Buchwald im Hochland - das sind die beiden Markenzeichen des Nationalpark Jasmund.

Hintergrund[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kreidefelsen wurden bereits 1926 als Schutzgebiet ausgewiesen, um den Abbau der Kreide in Zukunft zu unterbinden. In den letzten Tagen der DDR wurde der Küstenabschnitt am 12. September 1990 zum Nationalpark ausgerufen und nach dem Anschluss fortgeführt.

Landschaft[Bearbeiten]

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Teile des Nationalparks werden von der UNESCO als so wichtig eingestuft, dass sie im Juni 2011 dem Weltnaturerbe "Buchenurwälder in den Karpaten und alte Buchenwälder in Deutschland" zugeordnet wurden. Zu dem Erbe gehören 14 weitere Gebiete in Deutschland, der Slowakei und der Ukraine. Aber auch außerhalb des Welterbegebiets hat der Park viel zu bieten.

Flora[Bearbeiten]

Die besondere geologische und klimatische Bedingung der Region ermöglicht das Auftreten unterschiedlicher und seltener Pflanzen- und Tierarten. Das Waldgebiet Stubnitz ist dabei von enormer Bedeutung, weil die vielen wasserreichen Mulden und Senken die Artenvielfalt im Nationalpark begünstigen. Diese Überbleibsel aus der Eiszeit zeichnen ein unverkennbares Bild Jasmunds. Die Kesselmoore und Senken kommen dem Wachstum von Schwarzerlen zugute. An trockenen Stellen blühen Wildäpfel und -birnen, Eiben und Elsbeeren.

Besondere Pflanzenarten:

  • Wildbirne: Die Wildbirne genießt in der Heilkunst ein hohes Ansehen. So wird dem Birnensaft eine entgiftende Wirkung nachgesagt. Außerdem kann aus den Kernen Speiseöl und aus den Blüten Nierentee gewonnen werden.
  • Eibe: Die immergrünen Bäume kommen hauptsächlich in der gemäßigten Klimazone der Nordhalbkugel vor und ihnen muss mit äußerster Vorsicht entgegengetreten werden, da viele Eibenarten höchst giftig sind.
  • Schwarzerle: Die Erle, die zur Gattung der Birkengewächse gehört, ist ein mittelgroßer Laubbaum und kommt, außer in Nordskandinavien und Island, in ganz Europa vor. Heilende Wirkung besitzt die Schwarzerle bei Angina und Hautkrankheiten.
  • Elsbeere: Die Laubbaumart der Elsbeere, die zur Familie der Rosengewächse zu zählen ist, ist unter anderem auch als Eis-Vogelbeere, Atlasbaum und Wilder Sperberbaum bekannt. Ihre Früchte können gekocht oder überreif verzehrt werden.
  • Gelber Frauenschuh: Diese Orchideenart steht in allen Ländern unter strengstem Naturschutz. Sie ist die einzige Frauenschuhart, die in Deutschlands Natur vorkommt, weshalb sie besonders schutzbedürftig ist.
  • Salzmiere: Auch als Strandportulak bekannt, ist das Nelkengewächs als Strandpflanze äußerst widerstandsfähig. Erkennbar ist sie an der gelblich-grünen Farbe. Die im Fruchtknoten zu findenden Samen enthalten viel Vitamin A und C und können gekocht oder roh zubereitet werden.

Fauna[Bearbeiten]

Der Nationalpark Jasmund weist eine äußerst vielfältige Fauna auf. In besonders großer Anzahl sind Seeadler, Mehlschwalben, Eisvögel und Wanderfalken zu bestaunen. Was in der Luft schon atemberaubend schön zu beobachten ist, setzt sich in den Feuchtgebieten fort. So sind neben Molchen und Erdkröten auch verschiedene Echsenarten im dort beheimatet. Neben den ca. 1.000 Käferarten kann der Nationalpark Jasmund auf den cremefarbenen Nachtfalter verweisen, der deutschlandweit nur auf Rügen aufzufinden ist. Außerdem lebt im Nationalpark der Alpenstrudelwurm, dessen eigentliche Heimat die Berge sind.

Besondere Tiere im Nationalpark:

  • Wanderfalke: Der Wanderfalke gehört zu den größten Greifvögeln aus der Familie der Falken. Ein durchaus häufig vorkommender Vogel, da er nahezu überall in der Welt beheimatet ist. Trotz der Häufigkeit seines Auftretens ist der Anblick eines so großen Greifvogels eine Besonderheit. Ebenso wie der Seeadler unterlag der Wanderfalke im 19. Jahrhundert einer intensiven Verfolgung. Eine Ausrottung hatte das jedoch nicht zur Folge. Weltweit wird die Population mittlerweile auf ca. 100.000 Tiere geschätzt.
  • Rotbauchunke: Die Rotbauchunke, auch Feuerkröte genannt, stammt aus der Familie der Bombinatoridae. Hauptnahrungsquelle stellen Algen und Bakterien dar. Die Population der Rotbauchunke ist in Deutschland derart gering, so dass sie als stark gefährdet gilt.
  • Damhirsch: Der Damhirsch ist ein mittelgroßer Hirsch und kommt in weiten Teilen Europas, Asiens und Nordafrikas vor. Die Herdengröße beträgt bis zu 80 Tiere. Damhirsche bevorzugen lichte Wälder, in denen sie den besten Zugang zu Laub und Gras haben.
  • Waldeidechse: Die Waldeidechse weist eine Maximallänge von 18 cm auf und hat eine braun, braun-graue Färbung. Durch ihre sehr hohe Population zählt sie zu den nicht gefährdeten Reptilienarten.
  • Eisvogel: In Mitteleuropa kommt diese Art der Eisvögel als Einzige vor. Erkennungsmerkmal ist der orangene Bauch, der blaue Kopf, Schnabel und Flügel. Ein besonderes Erkennungsmerkmal ist der ca. 4 cm lange Schnabel, der dadurch auffällt, weil die maximale Körperlänge lediglich 18 cm beträgt.
  • Mehlschwalbe: Mit einer Populationsgröße von ca. 20 bis 48 Millionen, ist die Mehlschwalbe alles andere als eine gefährdete Spezies. Die Mehlschwalbe kommt in den verschiedensten Regionen Europas und Asiens vor.
  • Schlingnatter: Die graue, graubraune bis bräunlich-rote Schlingnatter stellt mit ihrer Länge von 60 bis 75 cm, eine kleine und unscheinbare Schlangenart dar. Aufgrund ihrer geringen Population steht die Schlingnatter in vielen Ländern unter Naturschutz.
  • Seeadler: Mit einer Flügelspannweite von 193 bis 244 cm und einer Körperlänge von 74 bis 92 cm, zählt der Seeadler, aus der Familie der mitteleuropäischen Habichtarten, zu einem äußerst großen Greifvogel. Die Hauptnahrungsquelle stellen Wasservögel und Fische dar. Obwohl der Seeadler Anfang des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa ausgerottet war, konnte er sich später wieder in der heimischen Region einfinden und gilt seit 2005 als nicht mehr gefährdet.
  • Nachtfalter: Der cremefarbene Nachtfalter zählt zu den Großschmetterlingen. Erkennungsmerkmal ist die düstere Färbung, die tagsüber eine nahezu perfekte Tarnung bietet.

Klima[Bearbeiten]

Anreise[Bearbeiten]

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Mit dem Zug bis Sassnitz. Am Bahnhof hat man Anschluss zur Buslinie 20, die direkt zum Königsstuhl führt.


Die Anreise zum Königsstuhl und zum Nationalparkzentrum ist nur zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit Bussen möglich. Mit dem PKW muss man auf einem kostenpflichtigen Parkplatz in Hagen, Nipmerow oder Ranzow parken und dann zu Fuß laufen.

Standard für die Anreise zum Königsstuhl ist die Anfahrt zum gebührenpflichtigen Großparkplatz Hagen bei 54° 33′ 45″ N 13° 37′ 27″ O. Von hier kann man die 3 km zum Königsstuhl mit dem Pendelbus zurücklegen. Alternativ bietet sich eine schöne Wanderung durch den herrlichen Buchenwald zum Königstuhl des Jasmund an. Hier kommt man unterwegs auch noch am verwunschenen Herthasee vorbei.

Am Parkplatz findet man ferner eine umfangreiche touristische Infrastruktur vor, wie öffentliche Toiletten, Imbissbuden und Gastronomie sowie Verkaufsstände für Andenken.

Gebühren[Bearbeiten]

Das Gebiet ist bis auf die Felsklippe des Königsstuhl frei zugänglich. Die Aussichtsplattform auf der berühmtem Kreideklippe "Königsstuhl" kostet allerdings Eintritt (gekoppelt mit dem Besuch des Nationalparkzentrums). Wer sich für das Nationalparkzentrum Königsstuhl überhaupt nicht interessiert, kann alternativ auch die gegenüberliegende Victoriasicht besuchen. Diese ist frei zugänglich und gewährt einen sogar noch spektakuläreren Tiefblick als vom Königsstuhl.

Mobilität[Bearbeiten]

Generell dürfen im Park nur markierte und nicht gesperrte Wege genutzt werden. Der Klippenweg ist für Fahrräder gesperrt. Das gilt auch für einige weitere Wanderwege. Der Klippenrandweg kann gut auf OpenStreetMap eingesehen werden. Mit der Exportfunktion unter openstreetmap.org kann man sich das passende Kartenstück zum Ausdruck in Groß auf DIN A4 herunterladen.

Pflanzen dürfen natürlich ebenfalls nicht gepflückt werden. Auch Steine (Kreide) dürfen im Park nicht mitgenommen werden. Kreide erhält man als Reisemitbringsel übrigens im Andenkenladen im Nationalparkzentrum.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Große Stubbenkammer mit Nationalparkzentrum Königsstuhl[Bearbeiten]

Blick von der Victoriasicht hinüber zum Königsstuhl. Das Bild lässt sich knipsen, wenn man auf der Kanzel in die Hocke geht und seitlich durch das Gitter fotografiert.
Erhaben: Der Königsstuhl vom Strand aus gesehen.

Das großzügige Informationszentrum liegt direkt an der berühmten Felsklippe. Im Eintritt ist auch der Zugang zur Aussichtsplattform auf dem Felsen enthalten. Wer sich für das Infozentrum überhaupt nicht interessiert, kann alternativ auch die gegenüberliegende Victoriasicht besuchen. Diese ist frei zugänglich und gewährt einen sogar noch spektakuläreren Tiefblick als vom Königsstuhl. Es lohnt sich aber das Zentrum zu besuchen, denn die umfangreiche Ausstellung wird sehr ansprechend präsentiert. Wer die gesamte Erlebnisausstellung bis ins letzte Detail ergründen möchte, der sollte einschließlich Multivisionskino schon alleine dafür 1½ bis 2½ Stunden einplanen.

In einem kleinen Kinosaal mit 3 Projektionen wird der Nationalpark Jasmund in Bild und Ton vorgestellt. Die ansprechenden Vorführungen finden alle viertel Stunde statt. Nach dieser "Vorspeise" steht der Besuch der eigentlichen, 2000 m² großen Ausstellung auf dem Programm. Zur Hauptattraktion geht es durch ein Tor, dass sich alle 8 Minuten für 20 Personen öffnet. Im abgedunkelten Vorraum fragt einem freundliches Personal nach seinem Führungswunsch. Es sind Audioführer mit Kopfhörer in drei verschiedenen Führungsvarianten erhältlich. Man muss sich für eine Variante entscheiden. An den Infopunkten im Museum aktiviert sich das System automatisch und man erhält die passenden Informationen zum jeweiligen Ausstellungsthema.

Die drei Führungsvarianten sind jeweils mit passender Musik unterlegt:

  • "Schönheit": Die 'romantische' Variante ist mit viel gefühlvoller und stimmungsvoller Musik unterlegt, die einem auf dem romantischen Spaziergang durch den Nationalpark begleitet. Zusammen mit den Lichtprojektionen der Ausstellung ist man schnell in den Bann des Nationalparks gezogen. Bei der romantischen Führung kommen aber auch die sachlichen Informationen nicht zu kurz.
  • "Neugier": Bei dieser 'wissenschaftlichen' Führung sind die sachlichen Erklärungen etwas umfangreicher. So werden zum Beispiel die lateinischen Namen der Tier- und Pflanzenwelt in den Vorträgen erwähnt.
  • "Abenteuer": Abenteuerliche Führungsversion als Entdecker.
  • Kinderführung: Zusätzlich gibt es für Kinder eine vierte, separate Führungsvariante per Audioführer.

Nach der Einweisung in die Audioführer und einem Gerätetest geht es auf Zeitreise. In einer "Zeitmaschine" wird die Sanduhr gestellt und ab geht es in die Vergangenheit Der Insel Rügens. Technisch gesehen handelt es sich dabei übrigens um einen geräumigen Fahrstuhl, der die Gruppe zum Ausstellungsbeginn ist die Tiefe bringt. Hier beginnt die Zeitreise durch die Themenräume der Ausstellung. Als Erstes wird die erdgeschichtlichen Entstehung der Insel Rügens behandelt. Weitere Themen sind zum Beispiel die Urzeit sowie die Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks. In vielen Filmen und Animationen taucht man tief in den Nationalpark ein und erlebt dabei die Natur des Jasmunds aus völlig neuen Blickwinkeln. Natürlich hält die Erlebnisausstellung auch viele interaktive Attraktionen und Stationen zum Mitmachen bereit.

  • Öffnungszeiten: Ostern bis 31. Oktober: täglich 9-19 Uhr; 1. November bis Ostern: täglich 10-17 Uhr; letzter Einlass Multivisionskino: 20 Minuten vor Schließung; Letzter Einlass Erlebnisausstellung: 1 Stunde vor Schließung. Aufgrund des teilweise großen Besucherandrangs kann es in der Hochsaison zu Wartezeiten kommen. Diese werden aktuell hier gelistet. (Stand 03-2012).
  • Eintritt in 2012: Erwachsene: 7,50 €; Kinder 6-14 Jahre: 3,50 €; Kinder bis 5 Jahre: frei, Familienkarte (2 Erwachsene. + Kinder bis 14 Jahre: 15 €.
Die umweltfreundliche Anreise wird belohnt: Wer eine DB-Fernverkehrsfahrkarte, ein Bernsteinticket, ein Schleswig-Holstein-, Ostsee-, oder Mecklenburg-Vorpommern-Ticket an der Kasse vorlegen kann erhält ermäßigten Eintritt. Das selbe gilt auch für Kurkarteninhaber von Sassnitz. Im Sommer 2010 betrug die Ermäßigung für Erwachsene auf den Eintrittspreis einen Euro. Sonst gibt es keine weiteren Rabatte. Für die klimaschonende, inselweite Busanreise mit den Bussen der RPNV gibt es ein günstiges Kombiticket, das sowohl als Eintrittskarte, als auch inselweite Tageskarte am Besuchstag gültig ist (Einzelkarte 15 €, Familienkarte (2 Erw. mit Kindern bis 14 J.): 30 €).
  • Freigelände: Hier findet man unter anderen einen Spielplatz und natürlich den Weg zur Aussichtsplattform auf dem Königsstuhl. Von der weit vorgeschobenen Felsklippe hat man einen attraktiven Blick auf die Kreideküste des Jasmunds und hinüber zur Victoriasicht.
  • Bistro: Im Angebot sind hier Speisen aus biologischem Landbau.

Kleine Stubbenkammer mit Victoriasicht[Bearbeiten]

An der Victoriasicht
Spektakulär ist der Tiefblick von der Victoriasicht.

Der frei zugängliche Aussichtspunkt ist gegenüber des Königsstuhl an der Kleinen Stubbenkammer zu finden. Hier bietet auf etwa 110 m Höhe ein Aussichtssteg einen sehr spektakulären Tiefblick zur Ostsee. Man fühlt sich hier bedeutend näher am Fels, als auf dem breitem Königsstuhl. Der schmale Steg ist allerdings nur etwas für Schwindelfreie. Die Victoriasicht ist frei zugänglich und liegt etwa 500 m westlich des Königsstuhls.

Die Aussicht ist nach der Kronprinzessin Victoria benannt. Victoria, die Schwiegertochter des Preußenkönigs Wilehlm I., war zusammen mit Wilehlm I. 1865 vor Ort.

Zwischen beiden Felsklippen befindet sich der viel gegangene, aber trotzdem lohnenswerte Treppenabstieg zum Strand. Von unten hat man noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Kreidefelsen. Hier wirken die Felsen noch viel mächtiger.

Lage Victoriasicht: 54° 34′ 15″ N 13° 39′ 56″ O

Herthasee[Bearbeiten]

Der sogenannte Herthasee (Borg- oder Schwarzer See) liegt zwischen dem Großparkplatz Hagen und dem Nationalparkzentrum Königsstuhl. Wer vom Parkplatz die 3 km einfach durch den Buchenwald läuft kommt am verwunschenen, mitten im Wald gelegenen See vorbei. Das Gewässer misst 170 x 140 im Oval und ist 11 m tief. Ganz in der Nähe vom See befindet sich übrigens ein Opferstein.

Kreidemuseum Gummanz[Bearbeiten]

Das Museum liegt zwar nicht direkt im Nationalpark, aber ein Besuch bietet sich auf jeden Fall für Interessierte an, da hier speziell zum Thema Kreide informiert wird (Geologie, Fossilien und Nutzung der Kreide). Museumsseite

Aktivitäten[Bearbeiten]

Wandern entlang der Steilküste[Bearbeiten]

Entlang der Kreidefelsen
Ausblick an der Ernst-Moritz-Arndt-Sicht. Einfach niederlassen und genießen!

Von Sassnitz aus kann man eine schöne Wanderung auf dem Hochuferweg entlang der Steilküste zum Königsstuhl unternehmen. Die Streckenlänge beträgt ab Sassnitz Bahnhof etwa 9-10 km bei einer Gehzeit von etwa 2 - 3 Stunden je nach Aussichtspausen. Mit dem Bus der Linie 20 ist vom Königsstuhl die Rückfahrt nach Sassnitz zum Bahnhof möglich (Fahrpläne der Linie 20 auf der Seite der RPNV). Den Einstiegspunkt in den Weg entlang der Steilküste findet man in Sassnitz am Ende der "Weddingstraße". Unterwegs kommt man auch an den Wissower Klinken vorbei. Die berühmten Klippen stürzten 2005 allerdings zu großen Teilen in die Ostsee. Die Klippen waren übrigens nicht die Vorlage für Caspar David Friedrichs berühmtes Bild "Kreidefelsen auf Rügen", das er 1818 malte. Die Wissower Klinken, wie sie bis 2005 bestanden, gab es 1818 nämlich noch nicht. Sie entstanden erst später durch Erosion.

Auf dem weiteren Weg kommt man trotzdem noch an einigen schönen Aussichtspunkten vorbei, wie z.B. an der Ernst-Moritz-Arndt-Sicht die nach dem ersten Drittel der Wegstrecke bei 54° 32′ 20″ N 13° 40′ 39″ O zu finden ist. Hier steht eine "Hockerbank" ohne Lehne. Ein schönes Fleckchen ist auch die folgende Auguste-Viktoria-Sicht nördlich des Kieler Baches bei 54° 33′ 12″ N 13° 40′ 33″ O (ebenfalls mit Hockerbank). Besonders sehenswert ist die Victoria-Sicht, die etwa einen halben Kilometer vor dem Königsstuhl liegt und einen spektakulären Tiefblick Richtung Ostsee gestattet. Der kleine Aussichtssteg bei 54° 34′ 15″ N 13° 39′ 56″ O ist allerdings nur etwas für weitgehend Schwindelfreie (evtl. kurze Wartezeit am Steg, da dieser nur wenige Personen fasst).

Natürlich ist der Klippenweg schon stärker begangen, aber im Vergleich zu den Touristenmassen direkt am Königsstuhl ist es hier doch noch relativ ruhig. Alleine ist man in der Hochsaison natürlich selten. Wer Einsamkeit sucht, sollte die Hochsaison meiden und die Wanderung z. B. im Herbst im Angriff nehmen. Dann ist auch der Buchenwald schön bunt.

Streckeninformationen[Bearbeiten]

Tipp: Morgentour vom Königsstuhl nach Sassnitz mit Sonne auf den Klippen
Wer an einem klaren, sonnig zu versprechenden Tag früh aufsteht, kann die Klippen strahlend eingetaucht in die Morgensonne erleben. Allerdings muss man schon früher raus, da die Klippen Richtung Nordosten ausgerichtet sind. Also einen frühen Bus zur Stubbenkammer nehmen (in 2012 konnte man mit dem ersten Bus aus Sassnitz um kurz vor 9 Uhr anreisen). Wer so früh vor Ort ist, hat mehr als genügend Zeit für ein erfülltes Tagesprogramm: Besuch des Nationalparkzentrum, Wanderung entlang des Hochufer nach Sassnitz und gemütlicher Tourenausklang im Hafen. Ein besonders Erlebnis ist natürlich der Sonnenaufgang an der Stubbenkammer bzw. Victoriasicht. Dafür muss man im Sommer aber schon extrem früh aus dem Bett und auf andere Verkehrsmittel, als den Bus, zurückgreifen.
Luftbild des Wanderziels:links die kleine Stubbenkammer mit der Victoriasicht, rechts die große Stubbenkammer mit dem bekannteren Königsstuhl.
  • Schuhwerk - "Badelatschen" (auch "Flipflops" genannt) sind für die holprige Strecke sicher die falschen Schuhe. Das gilt auch für sonstige wackelige Schuhe mit hohen Absätzen. Am besten sind bequeme, wasserdichte Schuhe mit gutem Halt, wie Trekking-Halbschuhe und sonstige wasserdichte Sportschuhe mit rutschfester Profilsohle. Auch leichte, knöchelhohe Bergwanderschuhe sind insbesondere bei kälterer Witterung Ideal. Achtung: Bei oder nach längerem Regen ist der Weg stellenweise etwas matschig. Sofern der letzte Regen schon ein paar Tage her ist und auch der Wandertag mit hoher Wahrscheinlichkeit trocken wird, kann man auch Trekkingsandalen mit festem Halt und gutem Profil auf den Sohlen nutzen.
  • Gehzeit & Kondition: Ab Bahnhof Sassnitz läuft man etwa 3 bis 4 Stunden je nach Ess-, Aussichts- und Fotopausen. Wer ganz stramm ohne große Pausen unterwegs ist, kann die etwa 10 km lange Strecke sicher auch in guten zwei Stunden schaffen. Allerdings bleibt dann wenig Zeit die einmalige Landschaft zu genießen. Macht man noch den Abstecher zum Hafen, sollte man noch mal etwa 30 Minuten Gehzeit hinzurechnen. Achtung: Auch wenn die Strecke einfach "nur" 10 km lang ist, so benötigt man trotzdem etwas Kondition, da der Weg sehr hügelig ist.
  • Sicherheit, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit: Wer nicht schwindelfrei ist, hält sich einfach von den Klippen fern. Damit ist das Problem für nicht schwindelfreie weitgehend erledigt. In 08-2010 war der Weg allerdings an einer Stelle abgebrochen. Diese Stelle konnte man aber problemlos durch neue Tramplelpfade im Wald umgehen. Klippenabbrüche kommen natürlich immer wieder vor. Bei Sturm muss man im Wald und an der Steilküste natürlich ebenfalls vorsichtig sein. Das gilt besonders für die Strandwanderung. Daher vorher unbedingt die aktuellen Warnhinweise der Nationalparkverwaltung beachten.
  • Höhenmeter - Obwohl die Wanderung meist nur 50 bis 100 m über dem Meeresspiegel verläuft, kommen trotzdem ein paar Höhenmeter zusammen, da die Strecke recht hügelig ist. Einige Bacheinschnitte werden mit Hilfe von hölzernen Treppenanlagen bezwungen. Grobe Schätzung: 150-200 hm (ohne Strandabstieg in Bereich des Königsstuhls). Wer die Strecke mal mit GPS abgewandert ist, darf hier gerne ausführliche Daten hinsichtlich der Höhenmeter hinterlegen. Am Königsstuhl kann man als Abstecher zusätzlich noch über 110 Höhenmeter zum Strand absteigen.
  • Rollstuhl- und Kinderwageneignung: ist nicht gegeben, da der Weg zahlreiche Treppen und holprige Passagen enthält.
  • Fahrradeignung: Der Hochuferweg ist für das Fahrradfahren gesperrt. Auch das Mitführen eines Fahrrades (schieben bzw. Tragen) ist laut Beschilderung am Wegeinstieg nicht gestattet. Diese Regelung macht auch Sinn, da es auf den teilweise recht engen, aber längeren Treppenanlagen im Begegnungsverkehr mit Fußgängern zu eng werden würde. Zwei Fußgänger kommen aber immer komfortabel an einander vorbei.

Weiteres[Bearbeiten]

  • Ausflugsfahrten per Schiff entlang der Kreideklippen bis vor den Königsstuhl - Die Schiffe fahren von Sassnitz, Binz, Göhren und Sellin ab (Info).

Kaufen[Bearbeiten]

  • Im Nationalparkzentrum gibt es einen Andenkenladen. Hier erhält man als Reisemitbringsel übrigens auch Kreide. Diese stammt allerdings nicht aus dem Nationalpark, sondern aus dem Kreidewerk bei Sassnitz. Das Sammeln von Kreide im Nationalpark ist nicht gestattet.

Küche[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Direkt im Park gibt es nur wenige Möglichkeiten zu übernachten. Ein großes Angebot an Gästebetten findet man aber im nahen Sassnitz oder auch in Lohme.

Hotels und Herbergen[Bearbeiten]

  • Gasthaus Waldhalle, an den Wissower Klinken. In Alleinlage direkt im Buchenwald an den Steilklippen gelegen.
  • Hotel & Restaurant Baumhaus Hagen, Zentral im nördlichen Parkbereich an der Zufahrt zum Königsstuhl gelegen.

Camping[Bearbeiten]

Einen Zeltplatz direkt an der Steilküste des Nationalparks gibt es nicht. Im nahen Lohme-Nipmerow findet man aber einen Campingplatz, der passend vom Buchenwald des Nationalparks umgeben ist. Wer Lust hat, kann sein Zelt auch direkt unter dem Blätterdach des Waldes aufstellen. Platzseite.

Sicherheit[Bearbeiten]

Klippenabbrüche kommen natürlich immer wieder vor, daher immer Abstand von der Kliffkante halten. Am Strand am besten seeseitig wandern (sofern das möglich ist, da der Strand oft nicht sehr breit ist). Nach längeren Niederschlägen ist die Gefahr von Klippenabbrüchen besonders hoch. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte daher zu Zeiten "roter Gefahrenlage" unbedingt auf eine Strandwanderung unter der aktiven Steilküste bzw. eventuell auch auf die Wanderung über den zum Teil abbruchgefährdeten Klippenweg verzichten. Oben sind die gefährlichsten Stellen aber mit Verbotsschildern bzw. Hinweisschildern auf die Abbruchgefahr markiert.

Bei Sturm muss man im Wald und an der Steilküste natürlich ebenfalls vorsichtig sein. Das gilt besonders für die Strandwanderung. Daher vorher unbedingt die aktuellen Warnhinweise der Nationalparkverwaltung beachten. Hier wird ferner auch über die Gefahrenlage hinsichtlich Zecken gewarnt.

Ausflüge[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


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