Canyon de Chelly National Monument
| Canyon de Chelly National Monument | |
| Fläche: 339,3 km² |
Das Canyon de Chelly National Monument ist ein 339,3 km² großes Schutzgebiet innerhalb der Navajo Nation Reservation im nordöstlichen US-Bundesstaat Arizona.
| Canyon de Chelly National Monument | |
| Bundesstaat | Arizona |
|---|---|
| Einwohnerzahl | |
| Höhe | |
Canyon de Chelly National Monument | |
Hintergrund
[Bearbeiten]Der Name Canyon de Chelly ist abgeleitet vom Navajo-Wort „Tséyi'“ für „tief im Fels, Canyon“, die Amerikaner sprechen ihn nach IPA: [dəˈʃeɪ] aus. Er setzt sich aus dem 29 km in nordöstlicher Richtung verlaufenden 1 Canyon del Muerto , dem mittleren 43 km langen 2 Canyon de Chelly und dem 3 Black Rock Canyon (26 km) sowie dem nach Südosten abzweigenden 16 km langen 4 Monument Canyon zusammen.
Anders als das Monument Valley wird das 5 Canyon de Chelly National Monument vom National Park Service verwaltet – der auch für die Nationalparks zuständig ist – mit der Navajo Nation als Ko-Manager. Die Parkverwaltung des National Park Service übernimmt Pflege der Parkstraßen und die archäologische Erschließung.
Geschichte
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Die Canyons sind durch Wasser-Erosion entstanden. Das Colorado Plateau hatte sich vor 60 Millionen Jahren angehoben. Dabei wurde der De-Chelly-Sandstein aus versteinerten Dünen gebildet, die der Wind vor 250 Millionen Jahren hier angehäuft hatte. Die Auswertung von Funden ergab, dass in dieser Gegend einzelne Siedler zwischen 331 und 835 auftauchten. Eine systematische Besiedlung fand zwischen 1150 und 1275 durch indigene Anasazi statt. Sie hinterließen unter anderem Petroglyphen und verließen vermutlich wegen einer anhaltenden Dürre das Land. Nach 1600 wurden die indigenen Navajo hier sesshaft. Es dauerte noch 200 Jahre, bis die ersten Europäer hierhin gelangten.
Im Dezember 1804 erreichte Oberstleutnant Antonio Narbona mit 300 Soldaten den Canyon, wo er zwei Navajo tötete und zwei weitere gefangen nahm.[1] Er kehrte am 17. Januar 1805 in den heute genannten Canyon del Muerto zurück, wo seine Truppen eine ehemalige gefangen genommene Navajo-Sklavin entdeckten, die sich mit einem Messer zur Wehr setzte und getötet wurde. Daraufhin ließ Narbona 148 Navajos töten, überwiegend Frauen und Kinder, die sich unter einem Felsvorsprung oberhalb des Tals verschanzt hatten. Die heutige Höhle heißt deshalb Massacre Cave. Um 1820 wurde im Canyon der berühmte Navajo-Häuptling Barboncito geboren. Am 9. September 1849 kam es zu einem Friedensabkommen mit den Navajos unter Barboncito im Canyon de Chelly.[2]
Viel größeres Leid unter den Navajo als durch Antonio Narbona richtete Oberst Christopher Houston „Kit“ Carson 1864 an. Er erreichte am 7. Januar 1864 die Gegend um Chinle und ließ zuerst die Pueblos und Felder abbrennen und dann 6000 Navajo und ihren Häuptling Barboncito nach Bosque Redondo (New Mexico) deportieren.[3]
Im Jahre 1847 suchte Major Robert Walker die Gegend auf der Suche nach Proviant für seine Truppen auf, 1858 durchquerte Oberstleutnant Dixon Miles den Canyon von Süd nach Nord.[4] Nachdem die US-Politik gegenüber Indigenen freundlicher geworden war, durften die deportierten Navajo 1867 zurückkehren, im Januar 1868 wurde hier ein Reservat eingerichtet.
Ab 1882 begannen erste archäologische Forschungen, erst 1923 wurden die längst bekannten Höhlen näher untersucht. Im Bewusstsein der historischen Bedeutung traf sich das Navajo Nation Council am 8. Juli 1930 in Fort Wingate und machte zur Bedingung, dass der Landbesitz bei den Navajos verbleiben müsse. Am 1. April 1931 konnte daraufhin das Canyon de Chelly National Monument gegründet werden.
Klima, Flora und Fauna
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Das Klima im Canyon de Chelly ist gemäßigt-kontinental mit warmen Sommern und kühlen Wintern. Die Temperaturen können im Sommer bis zu 38 °C erreichen, während sie im Winter auf bis zu -2 °C fallen können. Ab Juni steigen tagsüber die Maximaltemperaturen auf 30 °C, im Juli klettert das Thermometer auf 38 °C tagsüber und mindestens 13 °C nachts. Der meiste Regen fällt im Juli/August.
Im Gebiet gibt es 49 Säugetierarten wie Schwarzbären, Berglöwen, Füchse, Kojoten oder Waschbären. Außerdem wurden 14 Reptilien-, 147 Vogel- und 34 Fischarten registriert. Über 520 Pflanzenarten wurden dokumentiert, darunter 13 Kakteenarten. Die charakteristische Vegetation des Plateaus besteht aus Zweinadel-Pinyon, Utah-Wacholder, Gambels-Eiche, Beifuß und niedrigem Buschgrasland. Im Canyon wachsen Cottonwoodbäume (Pappeln), russische Olivenbäume und Tamarisken, die im Mai blühen. Die Navajos bauen Mais an.
Der Canyon de Chelly ist das Flusstal des Chinle Washs. Die 100 bis 300 m hohen Ufer bestehen aus rotem oder braunem Sandstein. Im Winter und Frühjahr führt der Chinle Wash Wasser, im Sommer ist er trocken. Der Talboden liegt etwa 1.660 m hoch. Die beiden Ufer, die North und South Rim sind befahrbar. Man kann die schönsten Aussichtspunkte mit dem Auto erreichen.
Reisevorbereitung
[Bearbeiten]Der Park wird kein eigenständiges Reiseziel sein, sondern Teil einer Rundreise durch den Südwesten der USA. Trotz seiner Abgelegenheit wird der Park touristisch relativ stark frequentiert (333000 Besucher im Jahr 2023). Das liegt auch daran, dass der Park relativ klein ist und sich die Touristen auf wenige Sehenswürdigkeiten verteilen. Die Hauptreisezeit liegt zwischen Mai und September.
Anreise
[Bearbeiten]Von Flagstaff aus sind es über den Interstate
und die Indian Route 15 insgesamt 272 km nach 1 Chinle . Der Ort hat 4500 Einwohner und liegt nur 3 km vom Besucherzentrum entfernt. Von Moab aus nimmt man die U. S. Route
Süd und erreicht Chinle nach 317 km. Hier kann man volltanken und die Vorräte an Speisen und Getränken auffüllen, um den Park zu besuchen.
Von Kleinflugzeugen kann der 1 Chinle Municipal Airport angeflogen werden.
Streckenverlauf
[Bearbeiten]Bei dem einzigen Visitor Center teilt sich die Parkstraße in den North Rim Drive (Navajo Route 64) und den South Rim Drive auf.
Übersicht
[Bearbeiten]North Rim Drive und South Rim Drive sind nicht unmittelbar miteinander verbunden, so dass sie getrennt befahren werden müssen.
- North Rim Drive
| geografischer Ort | Entfernung in km |
|---|---|
| Canyon de Chelly National Monument Visitor Center | 0 |
| Ledge Ruin | 7 |
| Massacre Cave | 11 |
| Tsaile | 21 |
| Gesamtstrecke | 39 |
Die Rückfahrt muss auf dem North Rim Drive angetreten werden, deshalb beträgt die Gesamtstrecke 78 km. Es kann aber auch von jeder der Sehenswürdigkeiten zum Besucherzentrum zurückgekehrt werden.
- South Rim Drive
| geografischer Ort | Entfernung in km |
|---|---|
| Canyon de Chelly National Monument Visitor Center | 0 |
| Tsegi Overlook | 4 |
| White House ruins | 5 |
| Spider Rock Overlook | 17 |
| Sawmill | 41 |
| Gesamtstrecke | 67 |
Die Rückfahrt muss auf dem South Rim Drive angetreten werden, deshalb beträgt die Gesamtstrecke 134 km.
In der Fachliteratur wird der North Rim Drive meist mit einer Länge von 29 km (Hinweg) und der South Rim Drive mit 26 km (Hinweg) angegeben. Die hier verwendete Streckenlänge reicht vom Besucherzentrum bis zu den Orten Tsaile bzw. Sawmill. Es kann aber auch von jeder der Sehenswürdigkeiten zum Besucherzentrum zurückgekehrt werden.
Einzelheiten
[Bearbeiten]Ausgangspunkt ist das 1 Canyon de Chelly National Monument Visitor Center , das ganzjährig von 08:00 bis 17:00 Uhr geöffnet ist. Nach dem Besucherzentrum teilt sich die Straße in den North Rim Drive (mit 4 Aussichtspunkten) und South Rim Drive (7 Aussichtspunkte) auf, die beide asphaltiert sind.
- North Rim Drive
- 1 Ledge Ruin Overlook Aussichtspunkt auf die.
- 3 Antelope House Ruin der Name stammt von den Antilopen, die 1830 von dem hier lebenden Navajo-Künstler Dibe Yazhi („Lamm“) auf eine nahe liegende Sandsteinwand gemalt wurden. Das historische Dorf aus dem 12. Jhdt. hat einen ungewöhnlichen runden Platz. Vom Antelope House Overlook kann man die Cliff Dwellings gut sehen.
- 6 Standing Rock 1861 m hoher Fels.
- 7 Rabbit Water ein Wasser-Reservoir.
- 4 Navajo Fortress hier versteckten sich 1885 über 300 Navajos vor den Truppen von Kit Carson. 1755 m hoch.
- 5 Cave Dwelling zeigt, wie die Bauarbeiten für Felswohnungen erfolgten.
- 7 Mummy Cave Ruins der größte Komplex mit über 70 Zimmern war 1882 Fundort von zwei Mumien in Urnen. Das Dorf war von 331 bis 1275 nach Christus besiedelt. Die beiden Höhlen waren durch ein dreigeschossiges Gebäude verbunden. Der Putz ist gut erhalten und lässt erahnen, dass die Gebäude einmal bunt bemalt waren.
- 8 Yucca Cave Ruin eine Höhle mit einer befestigten Struktur aus Steinplatten und kleineren Steinen, die mit Schlamm verbunden sind, sowie eine weitere Höhle mit einem großen Kornspeicher.
- 9 Massacre Cave als 1805 Soldaten von einer Indigenen mit einem Messer bedroht wurden, befahl ihr Anführer Antonio Narbona ein Massaker im Canyon del Muerto („Todescanyon“). Alle Navajo wurden getötet. Der Massacre Outlook am North Rim Drive erinnert an diese Geschichte.
- 2 Tsaile 2177 m hoch gelegenes Pueblo mit 1400 indigenen Einwohnern. Hier endet der North Rim Drive, eine Rückkehr nach Chinle ist ratsam.
- South Rim Drive
- 10 Tunnel Overlook ein mit Felsbrocken gefüllter Nebencanyon.
- 8 Antelope Point 1825 m hoher Fels.
- 11 Tsegi Overlook sehr schöne Aussicht über das grüne Tal mit den roten Sandsteinwänden, 1781 m hoch.
- 9 Dog Rock 1819 m hoher Fels.
- 13 White House Ruins um das Jahr 1066 erbautes Cliff Dwelling. Seinen Namen hat die Siedlung von der weiß verputzten langen Wand im oberen Teil. Die Siedlung liegt sowohl etwas erhöht über dem Talboden als auch unter einem Felsvorsprung 15 m höher in der Felswand. Am Parkplatz beginnt ein Wanderweg hinunter zum White House. Er ist 4 km lang und überwindet 200 Höhenmeter. Die Ruinen bestehen aus einer unteren Anlage mit etwa 60 Zimmern und einer oberen mit 20 Zimmern. Man sollte sich mindestens 2 Stunden Zeit nehmen und ausreichend viel Wasser mitführen. Unten gibt es zwar Toiletten, aber kein Trinkwasser. 1789 m hoch gelegen. Die Ruine darf nicht betreten werden.
- 14 Sliding House Overlook Felswohnungen ein einer steilen Felswand, 1963 m hoch gelegen.
- 15 Face Rock Overlook gute Aussicht auf Felsen und Schlucht, 2076 m hoch.
- 10 Spider Rock zwei 242 bzw. 229 Meter hohe Felsnadeln (höher als der Kölner Dom) sind das Wahrzeichen des Parks; 1787 m hoch gelegen. Sie haben eine große mythologische Bedeutung für die Navajos. Vom Plateau aus kann er betrachtet werden durch den.
- 16 Spider Rock Overlook Aussichtspunkt vom 2085 Meter hohen Plateau auf den Spider Rock.
- 11 Bat Rock 1986 m hoher Fels.
- 3 Sawmill 1628 m hoch gelegenes Pueblo mit 564 indigenen Einwohnern. Hier endet der South Rim Drive, eine Rückkehr nach Chinle ist ratsam.
Der North Rim Drive erfordert bei 4 besuchten Overlooks 2 Stunden Besuchszeit, der South Rim Drive benötigt für 7 Overlooks mindestens 3 Stunden.
Gebühren
[Bearbeiten]Es gibt keine Parkgebühren. Im Besucherzentrum werden gebührenpflichtige Backcountry-Permits und für den parkeigenen Campingplatz Cottonwood Campground erteilt. Ein Navajo-Führer kostet mindestens US-$ 75 für eine Wanderung.
Bilder
[Bearbeiten]- Einfahrtsschild für den Canyon de Chelly
- Die Ruinen des Antelope House
- Die Mummy Cave Ruins
- Der Aussichtspunkt Tunnel Overlook
- Der Junction Overlook
- Die Cliff dwellings der White House Ruin
- Ausblick Sliding House
- Der berühmte Spider Rock
Unterkunft
[Bearbeiten]In Chinle und Umgebung gibt es nur drei Unterkünfte:
- 1 Best Western de Chelly (60 Zimmer),
- 2 Holiday Inn Canyon de Chelly (108 Zimmer) und
- 3 Thunderbird Lodge (36 Zimmer).
Leicht zu erreichende Campgrounds sind
Im Canyon ist Camping möglich. Das Visitors Center gibt Auskunft.
Aktivitäten
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Wanderungen auf felsigem Untergrund zu den Sehenswürdigkeiten. Der populärste ist der 1 White House Trail , der als einziger ohne Navajo-Führer benutzt werden darf. Er wird möglicherweise künftig gebührenpflichtig. Pferdereiten ist im Park am South Rim Drive bei 2 Justin Horse Rental möglich.
Jeeptouren in den Canyon: In der Thunderbird Lodge oder im Visitors Center gibt es Auskunft. Eine 3-stündige Tour kostet US-$ 150 für 2-3 Personen. Lastwagentouren: können in der Thunderbird Lodge gebucht werden. Man sitzt auf der Ladefläche des trucks. Sie kosten für eine halbtägige Tour US-$ 41,00 für Erwachsene und US-$ 32,00 für Kinder unter 12 Jahren.
Einkaufen
[Bearbeiten]- Bücher, Landkarten usw. gibt es im Visitors Center. Andere Souvenirs kann man in den Läden kaufen.
Küche
[Bearbeiten]- Holiday Inn Restaurant. Holiday Inn Restaurant soll das beste in Chinle sein. Ein Rumpsteak mit Salat und Spare Ribs mit Bohnen und Kartoffeln kosteten im Mai 2008 zusammen US-$ 59,00. Die Essensqualität ist in Ordnung. Da Chinle zum Navajoland gehört, gibt es keinen Alkohol, aber alkoholfreies Bier und Erfrischungsgetränke.
Sicherheit
[Bearbeiten]Der Park liegt innerhalb der Navajo Nation Reservation, er wird durch indigene Park-Ranger und außerhalb des Parks durch überwiegend indigene, zuweilen übereifrige Polizei des Navajo Police Department überwacht. Die Sicherheit vor Kriminalität ist deshalb sehr hoch. Es gibt ein striktes Alkoholverbot, das den Verkauf, Besitz oder Konsum von Alkohol in jeder Form untersagt. Die Polizei überwacht das Verbot auch hinsichtlich von Drogen jeder Art. Ferner sind Tabak in Form von Zigaretten oder Zigarren – außer bei indigenen Zeremonien und in geschlossenen Räumen – verboten. Navajos dürfen nur mit ihrem ausdrücklichen Einverständnis fotografiert oder gefilmt werden.
Das aride Klima führt schnell zur Dehydrierung, so dass für ausreichenden Getränkevorrat gesorgt werden muss.
Literatur
[Bearbeiten]- Volker Feser, USA – Südwesten: Reiseführer, Michael Müller Verlag, 2019; ISBN 978-3956548383.
Weblinks
[Bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Campbell Grant, Canyon de Chelly, University of Arizona, 1978, S. 84
- ↑ Francis Paul Prucha, American Indian Treaties, University of California Press, 1994, S. 482
- ↑ Megan Kate Nelson, The Three-Cornered War, Charles Scribner’s Sons, 2020, S. 191 ff.
- ↑ Christine A. Rudecoff, An Archaeological Survey in the Shiprock and Chinle Areas, Navajo Nation/Navajo Nation Cultural Resource Management Program, 1980, S. 178


