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Nachitschewan

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Nakhichevan05.jpg
Autonome Republik Nachitschewan
StaatAserbaidschan
Einwohner
439.800 (2015)
Höhe
880 m
Tourist-Info Webwww.tourism.az
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Lage
Lagekarte von Aserbaidschan
Reddot.svg
Nachitschewan

Nachitschewan (Naxçıvan[1]) ist der Verwaltungssitz der zu Aserbaidschan gehörigen gleichnamigen, autonomen Exklave. Die wenigen anderen Ortschaften des 5500 km² großen Gebietes sind bedeutungslos. Diese grenzt im Westen und Süden an den Iran, in Norden und Osten an Armenien. In äußersten Nordwesten gibt es einen Landkorridor zur Türkei.

Nach Osten, zu Armenien ist das Gebiet durch schroffe Berge begrenzt, die Westgrenze verläuft entlang des Flusses Aras, der in der Nähe der Stadt Nachitschewan einen See bildet.

Orte[Bearbeiten]

Der Berg Inan Dag im Winter.

Babak ist ein südlicher Vorort Nachitschewans.

Ganz im Süden liegt der Grenzort zum Iran, 1 Culfa/Dscholfā (sprich „Dschulfa“).

Orudbad, im Südosten.

Hintergrund[Bearbeiten]

Nachitschwewan gehörte ursprünglich zum armenischen Großkönigreich, wurde aber zu Zeiten der glorreichen Sowjetunion wegen ihrer Azeri-Bevölkerungsmehrheit der Sowjetrepublik Aserbaidschan zugeschlagen. Das Gebiet war 1990-94 als Folge des armenisch-azerischen Krieges fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, bis die Grenzbrücken in die Türkei und Iran fertiggestellt waren. Die Provinz, eine autonome Republik, erhält massiv Fördermittel von der Zentralregierung, finanziert aus deren Öleinnahmen. Die Angaben zur Einwohnerzahl gehen weit auseinander von 372000 bis 680000. Klar ist in jedem Fall, daß es sich seit der Vertreibung der Armenier um 99% ethnische Azeris handelt. Damit geht auch eine muslimisch-konservative Weltsicht einher, die wenn sie auch nicht so streng ist wie im Iran oder Ostanatolien, besonders für weibliche Reisende, gewisse Einschränkungen bringt. Es gibt in ganz Azerbaijan Alkohol ohne Einschränkung, eine Belästigung durch Gebetsrufe findet nicht statt.

Die Nord-Süd-Hauptachse ist benannt, wie könnte es in Aserbaidschan anders sein: „Heydər Əliyev Prospekt.

Sprache[Bearbeiten]

Die Einwohner sprechen überwiegend Aserisches Türkisch. Darüber hinaus verstehen auch viele Bewohner Russisch.

Anreise[Bearbeiten]

Es gelten die Einreisebestimmungen Aserbaidschans. Die Grenze zu Armenien ist gesperrt.

Beachte den Zeitzonenunterschied zur Türkei UTC +3 (keine Sommerzeit), Iran UTC +3:30 (Sommerzeit März-Sept.), gegenüber Aserbaidschan UTC +4 (keine Sommerzeit).

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug ist die Einreise über eine Verbindung nach Baku mit AZAL möglich. Im Sommer gibt es auch eine Verbindung nach Ganja. Allerdings sind diese Flüge oft Wochen im voraus ausgebucht. Da sie nur innerhalb Aserbaidschans, und nicht online, gebucht werden können, ist die Einschaltung eines aserbaidschanischen Reisebüros praktisch unerlässlich.

1 Nakhchivan International Airport (NAJ) (Nur 3 km vor der Stadt). Es gibt auch Flüge aus Istanbul-Atatürk und Moskau-Wnukowo (UTair).

In der Türkei wird Kars-Harakani 2018 nur von Turkish Airlines ab Istanbul und AnadoluJet ab Ankara angeflogen.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

2 Bahnhof (Dəmiryol stansiyası). Von Nachitschewan-Stadt gibt es seit Dezember 2016 Passagierverkehr ins iranische Mashhad. Der Fahrpreis für die zwei Mal wöchentlich (2018 Do. und So., Abf. 7.00) verkehrenden Züge entspricht 40 schweizer Franken, umgerechnet zum Tageskurs.

Der nächste größere türkische Bahnhof ist erst in Kars.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Es gelten die azebaidschanischen Vorschriften.

Über die Landgrenze zum Iran bei Culfa/Dscholfā (38°56'42,5" N, 45°37'57,4" O; Ǧolfā, جلفا ) reisen nur wenige europäische Touristen ein.

Die Exklave verfügt im Nordwesten bei Aras Köprüsü über einen nur tagsüber geöffneten Grenzübergang mit der Türkei. Die Abfertigung der jeweiligen Zollverwaltungen, pingelig und für Einheimische auch korrupt, findet einige hundert Meter von der Grenzbrücke (39°39'19,7" N, 44°48'12,4" O) statt.
Busse ins türkische Iğdır fahren die 180 km in rund 2½ Stunden.

3 Shabuz-Busbahnhof (Avtovağzalı). Im Nordwesten der Stadt.

Mobilität[Bearbeiten]

Außer einem sehr eingeschränkten Busangebot ist man auf angemietete Taxis angewiesen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Mausoleum des Dichters Huseyn Javid.
„Noahs Grab.“

Wie alle Städte der Region blickt Nachitschewan auf eine lange Siedlungsgeschichte zurück, wurde aber etliche Male durch Kriege und Erbeben verwüstet, so daß nur wenige alte Baudenkmäler erhalten sind. Dabei handelt es sich vor allem um islamische Kultstätten.

Im Rahmen der Sanierungen der letzten Jahre wurden etliche alte Gebäude neuer Nutzung zugeführt. Die Badeanstalt wurde zum Teehaus, im mittelaterlichen Eishaus (buzkhana) befindet sich nun ein Restaurant.

1 Zitadelle (Naxçıvan Qala Tarix Memarlıq Abidəsi). Die Anlage aus ddem 18. Jahrhundert wurde so renoviert, daß es wie ein Neubau wirkt.

2 Bayraq Muzeyi (Im Park, der von der Ausfallstraße (M7) nach Norden eingefaßt ist. Ndl. der Busstation). Ein sternförmiges Gebäude mit Ausstellung aus deren Mitte ein großer Fahnenmast ragt. Fünfzig Meter weiter, ebenfalls im Park, ist das Hüseyn Cavidin-Museum. Typ ist Gruppenbezeichnung

Im zentralen Stadtpark sind:

  • 3 Momina-Khatun-Turm und -Mausoleum. Ein 26 m hoher Turm,reichverziert aus dem Jahre 1186. Daneben ist das „Grab Noahs“ aus „dem siebten Jahrtausend vor Christus“ – tatsächlich ein Bau von 2013. Geöffnet: Di.-So.: 9.00-20.00, Turm 9.00-13.00, 14.00-18.00. Typ ist Gruppenbezeichnung
  • 4 Teppichmuseum (Xalça Müzeyi). Tel.: +994 77 545 06 37.
  • 5 Juma-Moschee (Cümə Məscidi), Nizami Gəncəvi, E002. Am nördlichen Ende des Parks, ein Klinkerbau.
Museen

6 Geschichtliches Museum (Naxçıvan Dövlət Tarix Muzeyi), 90 İstiqlal. Tel.: +994 36 545 01 30. Geöffnet: Tgl. 9.00-18.00.

7 Wohnhaus des Bahruz Kangarlinin (Bəhruz Kəngərlinin Ev-Muzeyi). Geöffnet: Mo.-Sa. 9.00-18.00.

Jeweils nur etwa hundert Meter voneinander entfernt, nördlich des Böyük bağsind:

  • 8 Literaturmuseum, 19 Nizami Gəncəvi.
  • 9 Staatliches Teppichmuseum (Naxçıvan Dövlət Xalça Muzeyi).
  • Haydar Alivev-Museum.

Küche[Bearbeiten]

Die Region ist bei vielen Lebensmitteln autark, die Lokalregierung verbietet den Anbau genmanipulierter Saaten. Als speziell gelten die um Ordabad angebauten Zitronen. Ebenfalls berühmt ist ein dort hergestelltes Omelette mit Honig, das fettfrei zubereitet wird.

Unterkunft[Bearbeiten]

Zahlreiche billige Absteigen haben geschlossen, seit die aserbaidschanische Regierung durch hohe Visumsgebühren die früher zahlreichen iranischen Sauftouristen verschreckt hat.

Gehoben[Bearbeiten]

Tabriz (5*), 17 Heydər Əliyev Pr. Tel.: +994 36 544 77 01. Innerstädtischer, kaunm zu übersehender Klotz. Das „erste Haus am Platze.“

1 Grand Hotel.

Avtovagzal Hotel, wie der Name sagt am Busbahnhof.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Internet ist auch in den abgelegnsten Dörfern verfügbar, WLAN in Unterkünften Standard.

Post

Zentral sind:

  • 1 Postamt 3, 8 Heydər Əliyev Pr.
  • 2 Postamt 5, 8 Nizami Gəncəvi. Am Nordende des Stadtparks, ggü. der Juma-Moschee.
Konsulat

Iran (İran İslam Respublikasının Konsolluğu), İstiqlal. Tel.: +994 36 545 03 43, E-Mail: .

Sicherheit[Bearbeiten]

Bei der Annäherung an die Grenzen ist Vorsicht geboten. Besonders an der Grenze zu Armenien gibt es öfter Schusswechsel.
Leider hat Nachitschewan ein ziemliches Problem mit der Korruption. Viele Reisende berichten, dass sie unter fadenscheinigen Vorwänden zur Zahlung von hohen "Strafen" herangezogen wurden. Hier hilft im Zweifelsfall ein aserbaidschanischer Begleiter.
Im eigene Interesse vermeide man jegliche Diskussionen über den aserbaidschanisch-armenischen Konflikt oder Berichte über frühere oder geplante Reisen nach Armenien. Beim Besuch von nicht offiziell als Sehenswürdigkeit deklarierten, alten bzw. zerstören armenischen Kirchen und Friedhöfen ist Vorsicht angebracht.

Ausflüge[Bearbeiten]

Ansichten von Ordubad.
Grabmal des Naimi (Alinchachay khanegah) beim Dorf Khanagah im Bezirk Cholfa, auf der gegenüberliegenden Seite des Tals von der Bergfestung Alinja.

10 Duzdağ-Höhle (Salzbergwerk), Duzdag Saxtasi Yolu (12-4 km von Naxçıvan). Tel.: +994 36 544 49 01, E-Mail: . Ein ehemaliges Salzbergwerk, auf 1173 m, wurde zum Kurort umgewandelt in dem Asthma behandelt wird. Das luxuriöse Duzdağ-Hotel (5* aber nur „Landeskategorie;“ erb. 2015) ist etwa zwei Kilometer vom Schacht. Die Kurgäste schlafen in Räumen, die mit salzhaltiger Luft versorgt werden. Auch gibt es unterirdische Stollen zur Therapie. Die Sportanlagen und die Stollen sind auch für Tagesbesucher zugänglich.

Ashabu Kaf („Siebenschläferhöhle“) (12 km von Naxçıvan). Die Legende der Sieben Schläfer von Ephesus hat man in Sure 18 des Korans uminterpretiert. Die Fußwege/Treppen zur nach Mekka gerichteten Höhle sind gut ausgebaut. In einem Pavillon ist ein schwarzer Meteorit ausgestellt. Auf dem Weg von der Höhle hat man einen Blick auf den 2145 m hohen Kegel des Inan Dag. Dessen „Delle“ in der Spitze soll von Noahs Arche verursacht worden sein, als diese gegen Ende der Sintflut Richtung Ararat trieb.

2 Ordubad (Im südlichsten Winkel der Exklave. Es fahren Busse). Ein ruhiges Kaff mit drei Moscheen.

11 Shabuz Nationalpark (Erreichbar auf der serpentinenreichen Straße R49.). In den Bergen zur armenischen Grenze. Die für Ausländer bis vor wenigen Jahren nötige Anmeldung auf der Polizeistation in Şahbuz ist nicht mehr nötig. Gerne besucht wird der Batabatsee, in dessen Nähe Gräber zu sehen sind die aus der Zeit des albanischen Reichs stammen sollen. Nicht weit entfernt kann man billigst in einer namelosen mehmanxana übernachten. Noch näher an der Grenze ist der See Zor Bulagi.

12 Bergfestung Alinja (Əlincə qalası) (Über dem Doppeldorf Əlincə/Xanəgah (Khanagah). Der Aufstieg zur Anlage selbst geht über 1600 Stufen und dauert gut 45 Min). Eine über drei Ebenen verteilte Festungsruine des armenischen Königreichs, die sich, nicht nur bei der Belagerung 914 als uneinnehmbar erwies. Dies lag auch an der durch in den Fels geschlagenen Zisternen gesicherte Wasserversorgung. Erst im dritten Versuch fiel 1401 die Anlage im Mongolensturm. Eine umfassende Sanierung fand in den letzten Jahren statt. Geöffnet: Mo.-Fr. 9.00-18.00.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bahşaliyev, Veli; Marro, Catherine; Archaeology of Nakhichevan; Istanbul 2009 (Ege Yayınları); ISBN 9789758072262
  • Selmer, Urs; Aserbaidschanische Republik Nachitschewan: Wirtschaft, Staat, Soziales, Städte; München 2013 (Nusser); ISBN 9783861203179

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch die Links zu Aserbaidschan.

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  1. Häufig zu finde Umschriftvarianten sind: Nakhichevan, Naxcivan, Naxçivan, Nachidsheuan, Nakhijevan, Nakhchawan, Nakhitchevan, Nakhjavan oder Nakhdjevan.