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Dalāṣ

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Dalāṣ ·دلاص
Neiloupolis
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Dalas, arabisch: ‏دلاص‎, Dalāṣ, ist ein Dorf in Mittelägypten im Gouvernement Beni Suef. Im Norden der Großen Moschee befinden sich die Überreste eines Minaretts aus fatimidischer Zeit, das das älteste Minarett im Gouvernement darstellt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lageplan von Dalāṣ

Lage[Bearbeiten]

Das Dorf befindet sich 13 Kilometer nordnordöstlich von Beni Suef auf der westlichen Nilseite westlich des Ibrāhīmīya-Kanals. 2006 lebten hier etwa 14.200 Personen.

Geschichte[Bearbeiten]

Auch wenn man im heutigen Dorfbild keine Hinweise auf eine frühe Besiedelung findet, so ist der Ort doch wohl seit der ptolemäischen Zeit (332–30 v. Chr.) besiedelt, auch wenn er keineswegs zu den bedeutenden Städten Mittelägyptens zählte. Als Ortsnamen sind die altägyptische, aber nicht gesicherte Bezeichnung TꜢ-ỉꜢ.t-rḏ,[1] die gesicherten griechische Namen Neiloupolis / Tilothis (Νείλου πόλις / Τιλωθις), der koptische Name Tilodj (Ⲧⲓⲗⲟϫ, Ⲇⲏⲗⲁϫ) und eine Variante des heutigen arabischen Namens, ‏دلوج‎, Dalūǧ, überliefert. Der Ort wurde nach einem Heiligtum für einen Nilgott Hapi benannt.

Belege gibt es aus römisch-byzantinischer Zeit. Der Ort war mindestens seit 250 n. Chr. Bischofssitz. Der Theologe und Geschichtsschreiber Eusebius von Caesarea (260/64–339/340) berichtete in seiner Kirchengeschichte, dass der betagte Chairēmōn/Charenion, Bischof von Neiloupolis, um 250 aus Sicherheitsgründen zusammen mit seiner Ehefrau während der Christenverfolgung unter Kaiser Decius (Regierungszeit 249 bis 251) in das Arabische Gebirge flüchten musste, aus dem er nicht mehr zurückkam.[2] Auch lebten hier bereits in früher Zeit Einsiedler und Mönche, unter ihnen auch zeitweilig Antonius der Große (mutmaßlich 251–356). Aus der Vita des Pachomios des Großen (292/298–346) erfährt man, dass sich nach dessen Tod Mönche aus seinem Kloster in Tabennisi in der Nähe des heutigen Nagʿ Ḥammādī hier nach Antonius dem Großen erkundigten.[3]

Der ägyptische Geschichtsschreiber Johannes von Nikiou berichtete in seiner Chronik, dass der arabische Feldherr ʿAmr ibn el-ʿĀs (um 580‒664) nach der Eroberung des Faiyūm Schiffe aus Dalāṣ angefordert hatte.[4] Aus arabischer Zeit, aus der Mitte des 9. Jahrhunderts, gibt es nur noch einen unsicheren Beleg zu einem Bischof namens Severus.[5] Allerdings wurde Dalāṣ immer noch in den Listen der Bischofssitze genannt.

Das seit 1996 als Monument eingestufte Minarett wurde in die fatimidische Zeit (969–1171) datiert. Möglicherweise ist es zeitgleich mit denen in Luxor, Esna und Assuan, die während des Feldzugs von Badr el-Gamālī (gest. 1094) um 1076 zur Sicherung der Südgrenze Ägyptens angelegt wurden.

Der koptische Schriftsteller Abū el-Makārim (* vor 1160; † nach 1190) berichtete Nachfolgendes über die Ortschaft:

„Dalāṣ wurde von Dalāṣ gegründet, für einen Mann, der sich selbst vom Umgang mit der Welt absonderte; und es [das Dorf] umfasste dreihundert Schmiede, die die Stücke von Dalāṣ schmiedeten. [Hier ist] die Kirche des hl. Kolluthus, des [silberlosen] Arztes,[6] der auch ein Priester war und im Feuer lebendig verbrannt wurde.“[7]

Émile Amélineau führte in seiner Géographie aus, dass 1885 in diesem Dorf 1.665 Einwohner, zuzüglich 872 Beduinen, lebten und es eine Schule gab.[8]

Anreise[Bearbeiten]

Große Moschee in Dalāṣ
Fatimidisches Minarett in Dalāṣ

Das Dorf Dalāṣ erreicht man von Beni Suef über Nāṣir und 1 ez-Zeitūn (29° 10′ 43″ N 31° 9′ 17″ O), ‏الزيتون‎, in nordnordöslicher Richtung. Man kann ez-Zeitūn im Westen umfahren und zweigt bei 1 29° 10′ 50″ N 31° 9′ 5″ O nach Westen in Richtung Dalāṣ ab.

Da die Straßen in Dalāṣ sehr eng sind, empfiehlt es sich, mit einer Motorrikscha („Tuqtuq“) anzureisen. Taxis bzw. Tuqtuqs findet man in Beni Suef und Nāṣir. Ab Nāṣir kostet es etwa LE 20 (Stand 2018).

Mobilität[Bearbeiten]

Aufgrund der Enge der Straßen läuft man am besten zu Fuß oder fährt mit einer Motorrikscha durch das Dorf.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • 1 Große Moschee (الجامع الكبير, al-Ǧāmiʿ al-Kabīr). Die moderne Moschee befindet sich im Zentrum des Dorfs. (29° 11′ 12″ N 31° 8′ 1″ O)
  • 2 Fatimidisches Minarett (المئذنة الفاطمية, al-Miʾdhana al-fāṭimīya). Unmittelbar nordöstlich der Großen Moschee befindet sich das einst verbaute, 1996 als Monument eingestufte und 2000 restaurierte fatimidische Minarett. Es ist das älteste Minarett im Gouvernement Beni Suef. Es war wohl einst Teil einer Moschee. Der Lehmziegelbau, der etwa einen Meter unterhalb des heutigen Straßenniveaus beginnt, ist heute noch 14 Meter hoch und misst an seiner Basis 6,5 Meter. Über dem quadratischen Unterbau folgt der achteckige Turmteil. Vier der Seitenflächen sind mit Ornamenten verziert. Zur Verstärkung des Mauerwerks wurden aller 15 bis 17 Ziegellagen, etwa aller 1,2 Meter, Holzbalken eingefügt. Auf der Südostseite befindet sich eine 2,1 Meter hohe Tür. Es gibt keine zeitgenössischen Berichte über die Errichtung des Minaretts. (29° 11′ 13″ N 31° 8′ 1″ O)
  • 3 Gutshaus des Bürgermeisters (دوار العمدة, Dawwār al-ʿUmda). Östlich des Dorfzentrums befindet sich das Haus des einstigen Bürgermeisters, das um 1885 bis 1890 errichtet wurde. Die Fassade besitzt eine vorstehende hölzerne Säulenhalle mit einem überdachten Balkon darüber. Seitliche Treppen führen zur Säulenhalle. In ähnlicher Weise sind die seitlichen Gebäudeteile als Säulenhalle mit Loggia gestaltet. Die Brüstung der Balkone ist fast mannshoch, besteht aus einem durchbrochenen Holzwerk und besitzt aufklappbare, mit eimen Ziergitter versehene Fenster. Die Decken der Säulenhallen, des Balkons und der Loggien wurden dekorativ ausgemalt. Im rechten, westlichen Gebäudeteil ließ der Bürgermeister im Kellerbereich vier Gefängniszellen anlegen. (29° 11′ 11″ N 31° 8′ 10″ O)
  • 4 Moschee am Gutshaus des Bürgermeisters. Linkerhand, östlich des Gutshauses stellte der Bürgermeister ein Grundstück für den Bau einer Moschee zur Verfügung, die ebenfalls um 1885 errichtet wurde. Die Moschee wurde später durch einen quadratischen Neubau ersetzt. Die Decke des Innenraums wird durch vier Pfeiler gestützt, in deren Mitte sich ein quadratischer Lichtdom mit pyramidenförmig zulaufenden Dach und einem Kronleuchter befindet. Der Mihrab, die Gebetsnische, wurde farbig ausgemalt. Rechts daneben befindet ein hölzerner Minbar, die Kanzel. (29° 11′ 11″ N 31° 8′ 11″ O)

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Restaurants findet man in Beni Suef.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte findet man in Beni Suef.

Ausflüge[Bearbeiten]

Die Besichtigung des Dorfs lässt sich mit dem Besuch von Nāṣir und/oder Beni Suef verbinden. In der Nähe befinden sich auch die Dörfer Qiman el-ʿArūs und Abū Ṣīr el-Malaq.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kees, Hermann: Nilupolis. In: Wissowa, Georg (Hg.): Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft ; Reihe [1]: A - Q ; Bd. 17,1: Nereiden - Numantia. Stuttgart [u.a.] : Metzler, 1936, Sp. 590.
  • Gomaà, Farouk ; Müller-Wollermann, Renate ; Schenkel, Wolfgang: Mittelägypten zwischen Samalūṭ und dem Gabal Abū Ṣīr : Beiträge zur historischen Topographie der pharaonischen Zeit. Wiesbaden : Reichert, 1991, (Tübinger Atlas des Vorderen Orients : TAVO / Beihefte / B ; 69), ISBN 978-3-88226-467-8, S. 96.
  • Timm, Stefan: Dalāṣ. In: Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit ; Bd. 2: D – F. Wiesbaden : Reichert, 1984, (Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients : Reihe B, Geisteswissenschaften ; 41,2), ISBN 978-3-88226-209-4, S. 498–502.
  • Stewart, Randall: Dalaṣ. In: Atiya, Aziz Suryal (Hg.): The Coptic Encyclopedia ; Bd. 3: Cros - Ethi. New York : Macmillan, 1991, ISBN 978-0-02-897026-4, S. 685 f.

Einzelnachweise

  1. Yoyotte, Jean: [Karte]. In: Revue d’Égyptologie (RdE), ISSN 0035-1849, Bd. 12 (1961), S. 97. Yoyotte hat keinen Beleg für Gleichsetzung gegeben.Tilothis - Neilopolis (El-Dallas), Trismegistos-Datenbank.
  2. Kirchengeschichte, 6. Buch, 42. Kapitel, 3. Absatz, siehe z. B. Eusebius <Caesariensis> ; Cloß, [Karl] August [Übers.]: Kirchengeschichte. Stuttgart : Brodhag, 1839, S. 234.
  3. Lefort, L[ouis] Th[éophile] (Hg.): S. Pachomii vitae : Sahidice scripta[e]. Paris [u.a.] : Typograph. Reipublicae [u.a.], 1933–1934, (Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, 99–100), ISBN 978-90-429-0134-6, S. 174, 177.
  4. Charles, R[obert] H.: The chronicle of John, bishop of Nikiu. London : Williams & Norgate, 1916, S. 181 (Kapitel 113).
  5. Timm, Das christlich-koptische Ägypten, a.a.O., S. 500.
  6. Meinardus, Otto F.A.: Die „silberlosen“ Ärzte der Kopten. In: Kemet : das schwarze Land ; Ägypten ; eine Zeitschrift für Ägyptenfreunde, ISSN 0943-5972, Bd. 8,2 (1999), S. 48–50.
  7. [Abū al-Makārim] ; Evetts, B[asil] T[homas] A[lfred] (Hg., Übers.) ; Butler, Alfred J[oshua]: The churches and monasteries of Egypt and some neighbouring countries attributed to Abû Sâliḥ, the Armenian. Oxford : Clarendon Press, 1895, S. 254 f. Verschiedene Nachdrucke, z. B. Piscataway : Gorgias Press, 2001, ISBN 978-0-9715986-7-6. Fol. 91.a, 91.b.
  8. Amélineau, É[mile]: La géographie de l’Égypte à l’époque copte. Paris : Impr. Nationale, 1893, S. 136–138.
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