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Benī Ḥasan

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Gräberberg von Beni Hasan
Benī Ḥasan ·بني حسن
GouvernementMinyā
Einwohner
18.218 (2006)
Höhe
49 m
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Lage
Lagekarte von Ägypten
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Benī Ḥasan

Beni Hasan (arabisch: ‏بني حسن‎, Benī Ḥasan) ist der Name zweier benachbarter Ortschaften, der bewohnte Ort Benī Ḥasan esch-schurūq (der östliche) und der heute unbewohnte Ort Benī Ḥasan al-qadīm (der alte), in Mittelägypten. Sie befinden sich etwa 25 km südlich von el-Minyā auf der östlichen Niluferseite. In der Nähe von Benī Ḥasan al-qadīm befindet sich die berühmteste Gaufürstennekropole des Mittleren Reiches – neben denen in Deir el-Barschā, Meir, Theben, el-Maʿalla und Assuan –, während sich in der Nähe von Benī Ḥasan asch-schurūq der Speos Artemidos befindet.

Hintergrund[Bearbeiten]

Benī Ḥasan ist ein moderner Name, der sich von einem arabischen Stamm ableitet. Im Dorf Benī Ḥasan esch-schurūq, arabisch: ‏بني حسن الشروق‎, lebten 2006 18.218 Einwohner.[1]

Die Nekropole wurde mit Ausnahme des Neuen Reiches während der gesamten Zeit Altägyptens, hauptsächlich jedoch in der 12. Dynastie (Mittleres Reich) genutzt. Es ist die Nekropole des 16. oberägyptischen Gaus (Gazellengau).

Die Nekropole besteht aus 39 Felsgräbern von Gaufürsten der 11. und 12. Dynastie, hiervon sind zwölf dekoriert. In der Ebene vor den Felsgräbern befinden sich ca. 900 Schachtgräber für Beamte und Bedienstete der vorgenannten Gaufürsten. Letztere sind von John Garstang am Beginn des 20. Jahrhunderts ausgegraben worden und enthielten zahlreiche dekorierte Särge, Dienerfiguren aus Holz und andere typischen Grabbeigaben des Mittleren Reiches. Die Funde befinden sich heute in diversen Museen der ganzen Welt.

Die Felsgräber haben rechteckigen Grundriss, die Räume können durch Säulen und Architrave unterteilt sein. Die Fassade kann eine Säulenvorhalle einnehmen. Die dekorierten Gräber besitzen Wandmalerei auf Stuck, der Sockel ist zumeist unbearbeitet. Zu den beliebten Szenen zählen: Ringkampfszenen, die Jagd auf Wüstentiere (zum Teil mit Fabelwesen), Handwerksszenen (z.B. Spinnen und Weben), der Handel einschließlich von Fremdvölkerdarstellungen, die Belagerung von Festungen und zahlreiche Landwirtschafts- (u.a. Ernten) und zoologische Darstellungen. Interessanterweise nehmen die Darstellungen kaum Bezug zur Tätigkeit des Grabherrn. Die Ringergruppen sind einmalig in dieser Nekropole, es gibt zwar gelegentlich Darstellungen zweier Ringer, aber niemals ganzer Gruppen. Und ebenfalls selten sind Darstellungen von Festungseroberungen (nur noch im Grab des Inti in Deschascha und im Grab des Kaiemheset in Saqqāra, die aber für Touristen nicht zugänglich sind).

In christlicher Zeit wurden die Gräber als Einsiedeleien oder Kirchen genutzt, wie man an den Graffiti erkennt. Das nicht zugängliche Grab 23 des Netjernacht wurde wohl als Schule benutzt, an einer seiner Wände wurde das koptische Alphabet niedergeschrieben.

Anreise[Bearbeiten]

Auf der Straße[Bearbeiten]

Die Anreise erfolgt üblicherweise im Taxi oder dem Reisebus. Je nachdem, ob man noch weitere Ziele erreichen möchte oder mit mehreren Personen reist, beträgt der Preis für das Taxi ca. LE 100 – 150. Man erreicht die archäologische Stätte über eine gut ausgebaute Asphaltstraße auf dem Ostufer. Die Nilüberfahrt sollte man über die Nilbrücke von el-Minyā vornehmen. Es ist möglich, dass Sie sich einem Konvoi anschließen müssen.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Anfang der 1990er Jahre konnte man auch eine Überfahrt per Schiff von Mallawī aus vornehmen, die durchaus ihren Reiz hatte. Die moderne Straße und der Rückgang der Touristenzahlen nach den Anschlägen in den 1990er Jahren lassen vermuten, dass es diese Anreisemöglichkeit nicht mehr gibt.

Mobilität[Bearbeiten]

Die Nekropole lässt sich nur zu Fuß ergründen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick ins Fruchtland und zum Nil
Fassaden verschiedener Gräber
Grab des Khnumhotep II.
Grab des Khnumhotep II., Türsturz am Grabeingang

Pharaonische Denkmäler[Bearbeiten]

Die Gaufürstengräber sind in der Zeit von 9–17 Uhr zugänglich. Der Eintrittspreis beträgt LE 60, für Studenten LE 30 (Stand 10/2017). Für Touristen sind die vier berühmtesten Gräber zugänglich. Die Gräber werden von den Wächtern für Sie aufgeschlossen, die sich über ein kleines Trinkgeld freuen. Fotografieren ist verboten.

Grab des Amenemhat, BH 2[Bearbeiten]

Grab des Amenemhat, genannt Ameni, Gaufürst unter Sesostris I. (12. Dynastie), Grab BH 2. Über eine Säulenvorhalle erreicht man den dekorierten dreischiffigen Hauptraum. In Uhrzeigerrichtung findet man folgende Darstellungen. Auf der nördlichen Eingangswand werden Handwerker, Leinenherstellung und Landwirtschaftsszenen gezeigt. Die Nordseite wird von einer Jagd auf Wüstentiere und der Grabprozession eingenommen, die Ostwand stellt Ringergruppen, die Erstürmung einer Festung und die Abydosfahrt vor, während auf der Südwand der Grabherr mit Familie vor dem Opfertisch, Schlachtern und Opferträgern dargestellt sind. Die südliche Eingangswand enthält die Scheintür und verschiedene landwirtschaftliche Szenen. In der Mitte der Ostseite befindet sich eine Nische für die Statue des Grabherrn.

Grab des Khnumhotep II., BH 3[Bearbeiten]

Grab des Khnumhotep II., Aufseher der östlichen Wüste und Fürst von Menat-Khufu, 12. Dynastie, Grab BH 3. Über eine Säulenvorhalle erreicht man den dekorierten dreischiffigen Hauptraum. Das Grab ähnelt in seiner Gestaltung dem vorangegangenen. In Uhrzeigerrichtung findet man folgende Darstellungen. Auf der nördlichen Eingangswand findet man landwirtschaftliche und Fischfangszenen und die Abydosfahrt. Auf der Nordwand sieht man den Grabherrn bei der Jagd, Viehzuchtszenen und die berühmte Asiaten- bzw. Semitenkarawane von Beni Hasan. Auf der Ostseite wird der Grabherr bei der Vogeljagd bzw. dem Fischfang dargestellt. Die Südwand ist wieder dem Grabherrn mit Ehefrau am Opfertisch gewidmet, davor sind Schlachter und Opferträger zu sehen. Gegenstand der südlichen Eingangswand sind u.a. Handwerksszenen (Zimmerer, Färber, Spinner, Bootsbauer, Töpfer, Weber, Bäcker, Tischler und Bildhauer), die Abydosfahrt, der Grabherr vor Hausangestellten und Akrobatinnen. In der Mitte der Ostseite befindet sich eine Nische für die Statue des Grabherrn. Auf dem Sockel befindet sich eine große, 222-spaltige Inschrift, die u.a. den Grabherrn und seine Aufgaben, seine Biografie, seine Amtseinführung, seine Eltern und Familie, seine Taten und seine königlichen Ehren benennt.

Grab des Baket III., BH 15[Bearbeiten]

Grab des Baket III., Gaufürst, Ende 11./ Anfang 12. Dynastie, Grab BH 15. Der Eingang führt zur Grabhalle mit zwei weggebrochenen Säulen. Auf der nördlichen Eingangswand sind Männer bei der Papyrusernte und Mann zu sehen, der ein Krokodil harpuniert. Die Nordwand zeigt den Grabherrn vor verschiedenen Szenen wie der Wüstenjagd (man achte auf Fabeltiere wie das Seth-Tier, den geflügelten Greif mit Vogelkopf, den Schlangenhalspanther und das Einhorn), Handwerkern, Steuereintreibung, Landwirte und Fischer. Im Wasser tummeln sich Fische und ein Nilpferd. Die Ostwand ist Ringerdarstellungen und der Eroberung einer Festung gewidmet. Auf der Südwand sieht man den Grabherrn, wie er verschiedene Tätigkeiten überwacht: Statuenprozession, Viehzucht und Bestrafung von Schuldnern, Viehzählung, Hirten, Töpfer, Metallarbeiter, Feldarbeiter und Fischer. Auf der südlichen Eingangswand die Abydosfahrt, Opferträger und Flachsernte dargestellt.

Grab des Khety, BH 17[Bearbeiten]

Grab des Khety, Gaufürst im Gazellengau, 11. Dynastie, Grab BH 17. Der Grabraum besaß sechs Lotosbündel-Säulen in zwei Querreihen. Zur den Darstellungen zählen: auf der nördlichen Eingangswand sieht man den Grabherrn beim Harpunieren von Fischen und verschiedenen Landwirtschafts- und Jagdszenen. Auf der Nordwand sind die Wüstenjagd, Handwerker, Handwerkerinnen und Akrobatinnen, die Statuenprozession des Grabherrn und Männer beim Fisch- und Vogelfang zu sehen. Auf der Ostwand sind wieder Ringergruppen und die Erstürmung einer Festung zu sehen. Auf der Südwand betrachtet der Grabherr verschiedene Handlungen: eine Statuenprozession, Hirten, Schlachter, Feldarbeiter und Kornspeicher. Auf der südlichen Eingangswand sind die Scheintür, Viehzuchtszenen und Opferträger zu sehen.

Christliche Stätten[Bearbeiten]

Einige Kilometer südlich von Benī Ḥasan befindet sich der 23 m tiefe Brunnen Bir es-Sahāba (arabisch: ‏بئر السحابة‎, Biʾr as-Saḥāba, „Brunnen der Wolke“). Es führt aber keine Straße hierhin. Man berichtet, dass Jesus, als er Wasser aus dem Nil holen wollte, eine Wolke erschien, um ihn vor der Sonne zu schützen, und dieser Brunnen erschien. Kranke und werdende Mütter suchen den Brunnen auf, um Heilung oder Linderung von seinem Wasser zu erhalten.

Küche[Bearbeiten]

Am Fuße der Nekropole wurde jüngst ein kleines Rasthaus eröffnet.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkunftsmöglichkeiten bestehen in el-Minyā.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Tourist-Information[Bearbeiten]

Die Tourist-Information in Benī Ḥasan ist unter Tel.: (086) 241 0963 erreichbar.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Besuch von Benī Ḥasan lässt sich mit dem Besuch des Klosters Deir Aba Hōr in Sawāda und den archäologischen Stätten von Zāwiyat el-Maiyitīn und Isṭabl ʿAntar verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Newberry, Percy Edward ; Griffith, Francis Llewellyn u.a.: Beni Hasan. London : Egypt Exploration Fund, 1893–1900 (vier Bände).
  • Shedid, Abdel Ghaffar: Die Felsgräber von Beni Hassan in Mittelägypten. Mainz : von Zabern, 1994, (Zaberns Bildbände zur Archäologie ; 16), ISBN 978-3-8053-1532-6.
  • Kanawati, Naguib ; Evans, Linda ; Mourad, A[nna]-L[atifa] u.a.: Beni Hassan ; Bd. 1: The Tomb of Khnumhotep II. Oxford : Aris & Phillips, 2014, ISBN 978-0-85668-846-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen nach dem ägyptischen Zensus von 2006, Central Agency for Public Mobilization and Statistics, eingesehen am 7. November 2014.
Empfehlenswerter ReiseführerDieser Artikel wird von der Gemeinschaft als besonders gelungen betrachtet und wurde daher am 7. Februar 2009 zum Empfehlenswerten Reiseführer gewählt.
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