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Banhā

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Banhā ·بنها
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Banha (auch Binhā, Benha, arabisch: ‏بنها‎, Banhā) ist eine ägyptische Stadt im Nildelta und zugleich Verwaltungssitz des Gouvernements el-Qalyūbīya. Die Hauptwirtschaftszweige der Stadt, in der 2006 etwa 157.000 Einwohner lebten,[1] sind die Landwirtschaft und Elektronikindustrie. Vom Eisenbahnknoten abgesehen, ist die Stadt touristisch eher unauffällig.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lage und Bedeutung[Bearbeiten]

Banhā befindet sich etwa 48 Kilometer nördlich von Kairo am Ostufer des Damiettearms des Nils. Auf der Westseite befinden sich ihre Schwesterortschaften, die Stadt Kafr el-Gazār, arabisch: ‏كفر الجزار‎, Kafr al-Ǧazār, und südlicher das Dorf Baṭā, arabisch: ‏بطا‎. In etwa anderthalb Kilometern Entfernung in östlicher Richtung durchfließt auch noch der Taufīqī-Bewässerungskanal (arabisch: ‏الرياح التوفيقي‎, ar-Raiyāḥ at-Taufīqī) die Stadt. Dieser Kanal zweigt vom Nil unmittelbar vor dem Delta-Stauwerk bei el-Qanāṭir el-Cheirīya ab.

Bis nach Ṭanṭā in nordnordwestlicher Richtung sind es etwa 40 Kilometer, bis nach Alexandria 175 Kilometer.

Banhā ist ein bedeutender Eisenbahnknoten und Zentrum der pharmazeutischen und Elektronikindustrie sowie der Landwirtschaft. Es werden Weizen, Baumwolle, Obst wie Wein, Apfelsinen, Mandarinen und Feigen und Parfümrosen angebaut sowie Geflügel gezüchtet. Die Rosenblüten werden in der Stadt zu Rosenöl verarbeitet.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Umfeld der heutigen Stadt Banhā gab es etwa zwischen dem ausgehenden Alten Reich und der griechisch-römischen Zeit die Siedlung Kemwer, Km-wr, griechisch: Athribis, heute Tell/Kōm Atrīb, die zugleich auch Hauptstadt des 10. unterägyptischen Gaus war. Der Name Kemwer ist seit der 4./5. Dynastie und der Kult des häufig krokodilgestaltig dargestellten Gotts der Rechtsprechung, Chentechtai, seit der 12. Dynastie belegt. Die ältesten Bauten wie der Tempel des Chentechtai stammen aus der 26. Dynastie.[2]

Banhā, im Koptischen Ⲡⲁⲛⲁϩⲟ, Panaho oder Bamaho, vielleicht das pharaonische Per Neha, wurde wenige Kilometer südwestlich von Athribis angelegt. Die Anfänge der Siedlung liegen im Dunkeln. Die wenigen Zeugnisse aus vorarabischer Zeit, darunter zwei christliche Grabstelen, auf denen Panaho genannt wird, können nicht als sichere Belege angesehen werden. Banhā wird seit dem arabischen Historiker und Geografen el-Yaʿqūbī (gest. 897) von verschiedenen Autoren genannt. El-Yaʿqūbī führte auch aus, dass in diesem Dorf ein berühmter Honig hergestellt wurde.[3]

Kopie des Briefs des Propheten Muḥammad an el-Muqauqis. Die Echtheit des 1852 in Oberägypten gefundenen und heute im Topkapi-Palastmuseum, Istanbul, aufbewahrten Originals wird aber angezweifelt.

Von diesem Honig leitet sich auch die Beinamen Banhā el-ʿAsal, arabisch: ‏بنها العسل‎, „Banhā des Honigs“, oder Minyat el-ʿAsal ab. Hierauf nimmt auch eine überlieferte Begebenheit Bezug, die so wichtig ist, dass sie auch in die Encyclopaedia of Islam Eingang gefunden hat: Kein geringerer als der Prophet Muḥammad ließ Briefe über Gesandte an einflussreiche Persönlichkeiten in der arabischen Welt schicken, um sie zum Islam zu bekehren, so auch an den Herrscher von Ägypten, el-Muqauqis, arabisch: ‏المقوقس‎. Es ist unbekannt, in welcher Position sich el-Muqauqis befunden hat. Es gibt Vermutungen, er sei koptischer Patriarch oder sassanidischer Gouverneur in Ägypten gewesen. Muqauqis lehnte jedoch ab und sandte als diplomatische Antwort dem Propheten Geschenke, darunter Honig aus Banhā und die koptische Christin Māriya el-Qibṭīya aus Anṣinā.

Banhā wurde auch vom muslimischen Kartografen und Geografen el-Idrīsī (um 1100 bis 1166) erwähnt. Er berichtete, dass es in Minyat el-ʿAsal viele Bäume gibt und viele Früchte produziert werden.[4]

Aus dem Mittelalter gibt es außer Namensnennungen von Banhā kaum weitere Berichte. Banhā wurde im 14. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Überführung der Gebeine des hl. Menas nach Kairo/Alt-Kairo genannt.[5]

In der Geschichte spielt die Stadt kaum eine Rolle. 1850 ließ der Statthalter für Ägypten und Sudan, ʿAbbās Ḥilmī I., hier einen Palast für sich errichten, um in Abgeschiedenheit zu leben. Fünf Jahre später wurde er in diesem Palast umgebracht. Und selbst um 1886 lebten hier nur 8.254 Einwohner.[6]

Die Bahnlinien einschließlich des großen Bahnhofs und die Landwirtschaft bescherten der Stadt jedoch einen bedeutenden Aufschwung. Seit 1913 ist sie Hauptstadt des Gouvernements el-Qalyūbīya. 1928 lebten in der Stadt bereits 18.607 Einwohner.[7]

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es einen bedeutenden Bevölkerungszuwachs. 1986 wurden 115.701 Einwohner gezählt,[8] 2006, zwanzig Jahre später, bereits 163.008. Die Stadt wuchs hauptsächlich nach Osten und Norden, so dass sich heute das altägyptische Athribis innerhalb der Stadt befindet. Seit 1976 ist Banhā Universitätsstadt.

Banhā ist Sitz der Diözese von Banhā und Quweisnā der koptisch-orthodoxen Kirche. Hierzu gehören auch die Kirchen in Qalyūb und in Schibīn el-Qanāṭir.

Orientierung[Bearbeiten]

Westlich der Bahnlinie verläuft die Saad Zaghloul St. nach Nordwesten bis zur Corniche, der Niluferstraße. Die 1 Brücke dient aber nur dem Bahnverkehr. Ungefähr 550 Meter weiter nördlich durchquert die (el-Schahīd) Farid Nada St. die Stadt von Osten nach Westen und führt über eine 2 Nilbrücke in die Stadt Kafr el-Gazār. In der Farid Nada St. befinden sich zahlreiche Geschäfte, Restaurants und öffentliche Gebäude.

Anreise[Bearbeiten]

Stadtplan von Banha

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Die Stadt ist ein Eisenbahnknotenpunkt für die im Nildelta gelegenen Linien. Von hier aus führen Linien nach Kairo als auch nach Alexandria im westlichen Nildelta und Dumyāṭ im östlichen. Der 1 Bahnhof Banhā befindet sich im Stadtzentrum westlich der Gleisanlagen.

Schnellzüge von Kairo nach Alexandria fahren tagsüber etwa stündlich bis zweistündlich. Die Fahrzeit nach Kairo beträgt etwa eine halbe Stunde, Alexandria etwa zweieinhalb Stunden. Nach Dumyāṭ gibt es fünf Zugpaare. Die Fahrzeit beträgt etwa dreieinhalb Stunden.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Die Stadt erreicht man über die Autobahn 1, der Route agricole oder Cairo-Alexandria Agricultural Road. Sie zweigt im Norden von Kairo von der Ringautobahn ab, umgeht die Stadt im Osten und im Norden, quert den Nilarm und führt weiter nach Ṭanṭā. Von der 2 Anschlussstelle der Autobahn im Osten der Stadt führt die Fernverkehrsstraße 42 südlich der Bahnlinie ins Stadtzentrum.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Im Bereich der 3 Kanalbrücken gibt es mehrere Bushaltestellen.

Mobilität[Bearbeiten]

Abgesehen von der 4 Autobahnbrücke im Norden der Stadt gibt es nur eine Brücke über den Damiette-Nilarm. Man erreicht sie über die Farid Nada St. und sie verbindet Banhā mit Kafr el-Gazār (arabisch: ‏كوبري كفر الجزار‎, Kūbrī Kafr al-Ǧazār). 400 Meter südlich befindet sich die nur für die Bahn nutzbare Eisenbahnbrücke, arabisch: ‏كوبري سكة حديد‎, Kūbrī Sikka Ḥadīd.

Über den Bewässerungskanal führen mehrere Brücken etwa in etwa einem Kilometer Abstand. Die wichtigsten befinden sich südlich des Bahnhofs.

Etwa 300 Meter nördlich des Bahnhofs befindet sich eine 5 Unterführung Unterführung unter den Gleisanlagen, die zu den Stadtteilen im Osten führt. Eine weitere 6 Unterführung befindet sich an der Corniche vor der Eisenbahnbrücke und ermöglicht den Zugang zu den Stadtteilen im Norden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Athribis[Bearbeiten]

Nāṣir-Moschee bei Nacht
Eine Straße in Banhā
  • Der Siedlungshügel von 3 Athribis, Tell Atrīb, befand sich ursprünglich außerhalb der heutigen Stadt. Durch das Wachstum der Stadt befindet sich die archäologische Stätte nun im Norden der Norden von Banhā. Das Gebiet der antiken Hauptstadt des 10. unterägyptischen Gaus wurde aber bis heute noch nicht systematisch ausgegraben. Im Westen des Areals befinden sich die Überreste des altägyptischen Tempels des Chentechtai.

Moscheen[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

  • 6 Kirche der hl. Jungfrau Maria (كنيسة القديسة مريم العذراء, Kanīsat al-Qiddīsa Maryam al-ʿAdhrāʾ). Kirche des koptisch-katholischen Bischofssitz von Banhā und Quweisinā (‏قويسنا‎). (30° 27′ 41″ N 31° 10′ 51″ O)
  • 7 Kirche des hl. Johannis des geliebten (كنيسة مار يوحنا الحبيب, Kanīsat Mār Yuḥannā al-Ḥabīb). Koptisch-katholische Kirche. (30° 28′ 11″ N 31° 10′ 52″ O)
  • 8 Kirche des hl. Nikolaus (كنيسة القديس نيقولاوس, Kanīsat al-Qiddīs Niqūlāus). Die einstige griechisch-orthodoxe Kirche wird heute von den koptisch-orthodoxen Christen genutzt. (30° 27′ 49″ N 31° 10′ 43″ O)

Profanbauten[Bearbeiten]

  • Palast des Chediven Abbas Hilmi. Der Palast des osmanischen Statthalters in Ägypten und Sudan, ʿAbbās Ḥilmī I., wurde 1850 fertiggestellt. Er wohnte hier in selbst gewählter Abgeschiedenheit. Lange konnte er sich aber nicht an seinem Palast erfreuen. ʿAbbās Ḥilmī wurde hier am 16. Juli 1854 von zwei seiner Diener erwürgt.
  • Bahnhofsgebäude in Banhā.
  • Börse in Banhā.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Corniche in der Nacht
  • Alte Brücke (‏الكوبري القديم‎, al-Kūbrī al-qadīm).
  • Corniche, die Niluferstraße, mit den alten Villen und ihren Gärten.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Das 2 Stadion von Banhā fasst 10.000 Zuschauer.

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

  • El Canal Fish, Ferk El Amn St. (neben el-Sahaba-Moschee). Tel.: +20 (0)13 321 4701. Fischrestaurant.

Unterkunft[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es keine Hotelunterkünfte. Man muss auf Hotels in Kairo oder Ṭanṭā zurückgreifen.

Lernen[Bearbeiten]

Universität Banhā

Die 1 Banha University wurde 1976 als Zweigstelle der Universität Zaqāzīq gegründet. Seit 2005 ist sie eigenständig. Etwa 60.000 Studenten studieren in 16 Fakultäten, darunter an der Fakultät für Erziehungs-, Ingenieur-, Natur-, Wirtschafts-, Geistes- und Landwirtschaftswissenschaften sowie für Informatik, Jura, Medizin und Veterinärmedizin. Sie werden von etwa 2.000 Lehrkräften und Professoren unterrichtet. Das Hauptgebäude befindet sich an der Nordseite der Farid Nada St. Die einzelnen Fakultäten sind über das Stadtgebiet verstreut.

Gesundheit[Bearbeiten]

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Polizei[Bearbeiten]

Die 4 Hauptdienststelle der Polizei befindet sich etwa 900 Meter nordnordwestlich vom Bahnhof unweit der Corniche, hinter einem Regierungsgebäude. Man erreicht sie über die Rufnummer 122.

Passstelle[Bearbeiten]

Die 5 Passstelle befindet sich im Gebäude des Sicherheitsdiensts, Tel. (0)13 324 2953. Sie ist sonntags bis donnerstags zwischen 9 und 14 Uhr geöffnet.

Banken[Bearbeiten]

Tankstellen[Bearbeiten]

Unmittelbar nördlich des Bewässerungskanals, östlich der Bahngleise gibt es eine 7 Tankstelle.

Postamt[Bearbeiten]

Ausflüge[Bearbeiten]

Ausflüge können in die nahe gelegenen Städte Kairo, Ṭanṭā und ez-Zaqāzīq unternommen werden. Über die Bahnverbindungen nach Alexandria und Dumyāṭ lassen sich weite Teile des Nildeltas erreichen. Weitere Reiseziele sind im Artikel zum Gouvernement el-Qalyūbīya gelistet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wiet, G[aston]: Banhā. In: Gibb, Hamilton Alexander Rosskeen (Hg.): The Encyclopaedia of Islam : Second Edition ; Bd. 1: A - B. Leiden : Brill, 1960, ISBN 978-90-04-08114-7, S. 1015.
  • Timm, Stefan: Banhā. In: Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit ; Bd. 1: A - C. Wiesbaden : Reichert, 1984, (Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients : Reihe B, Geisteswissenschaften ; 41,1), ISBN 978-3-88226-208-7, S. 330–332.

Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahlen nach dem ägyptischen Zensus von 2006, Central Agency for Public Mobilization and Statistics, eingesehen am 24. Januar 2014.
  2. Vernus, Pascal: Athribis. In: Helck, Wolfgang ; Otto, Eberhard (Hg.): Lexikon der Ägyptologie ; Bd. 1: A - Ernte. Wiesbaden : Harrassowitz, 1975, ISBN 978-3-447-01670-4, Sp. 519–524.
  3. Yaʿqūbī, Aḥmad ibn Isḥāq al- ; Wiet, Gaston [Übers.]: Les pays. Le Caire : Inst. français d’archéologie orientale, 1937, (Publications de l’Institut Français d'Archéologie Orientale / Textes et traductions d’auteurs orientaux ; 1), S. 193.
  4. Idrīsī, Muḥammad Ibn-Muḥammad al- ; Dozy, R. ; Goeje, M. J. de [Hg. und Übers.]: Description de l’Afrique et de l’Espagne. Leiden : Brill, 1866, S. 152 (arabische Abschrift), S. 182 (Übersetzung).
  5. Khater, Antoine: La translation des reliques de saint Ménas à son église du Caire. In: Bulletin de la Société d’archéologie copte (BSAC), Bd. 16 (1961–1962), S. 161–181.
  6. Amélineau, É[mile]: La géographie de l’Égypte à l’époque copte. Paris : Impr. Nationale, 1893, S. 298.
  7. Baedeker, Karl: Ägypten und der Sûdan : Handbuch für Reisende. Leipzig : Baedeker, 1928 (8. Auflage), S. 32.
  8. Citypopulation.de, eingesehen am 24. Januar 2015.
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