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Autonome Region Kurdistan

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Die Autonome Region Kurdistan liegt im Norden des Irak, weshalb auch die Bezeichnung Irakisch-Kurdistan üblich ist. Auf dem Territorium leben Anfang 2019 auch rund 1,8 Millionen Flüchtlinge, verteilt auf knapp 100 Lager meist mit Unterbringung in Zelten. Seit 2003 ist es zu einer gezielten Zuwendung an den Westen gekommen.

Orte[Bearbeiten]

Im Flüchtlingslager Baharka bei Erbil (2015).
  • Dahuk hatte Ende 2018 eine halbe Million Einwohner und 650.000 Flüchtlinge im Umland
  • Erbil, Verwaltungssitz
  • Sulaimaniya
  • Zaxo (Zakho)

Weitere Ziele[Bearbeiten]

In irakisch-Kurdistan
Blick auf Amediye (2009).
  • Höhlen von Chemi Rezan.
  • Die Höhlenmalereien von Gondik.
  • 1 Delal-Brücke (الجسر العباسي). Kurdisch Pira Delal, antike Brücke römischen Ursprungs bei Zaxo.

Alqosh[Bearbeiten]

1 Al-Kosh (36° 44′ 8″ N 43° 6′ 0″ O) (‏القش‎) gilt Gläubigen der drei monotheistischen Wüstenreligionen als Geburtsort des Propheten Naḥūm. Es gibt hier daher zwei katholische Kirchen, einen jüdischen Tempel und malerisch an einem Berg oberhalb des Ortes das Nonnenkloster Matti (‏دير السيد‎) zu besichtigen. Die Felswohnungen von Al-Kosh sind entlang der Berghänge, bis hin zur Spitze des Plateaus, verteilt.

Amediye[Bearbeiten]

Die kleine Stadt 2 Amediye العمادية (37° 5′ 31″ N 43° 29′ 17″ O), nur zehn Kilometer von der türkischen Grenze, ist auf dem Plateau eines Vulkankegels um eine alte Festung gebaut und übrblickt auf 1190 Meter Höhe die landschaftlich reizvolle Umgebung. Lokale Legenden haben es, daß der Orts schon 3000 Jahre v.u.Z. bestand und daß die „heiligen drei Könige“ sich von hier auf den Weg nach Bethlehem machten. Das sehenswerteste Bauwerk ist ein 14 Meter hohes Stadttor.

Im Ort selbst scheint es keine Unterkunft zu geben. An der Landstraße im Tal sind jedoch drei Motels, am einfachsten zu finden ist das an der Tankstelle.

Korek[Bearbeiten]

Etwa 110 km von Erbil auf der Nationalstraße 3 Richtung Soran (‏سوران‎) geht es in die Berge zum 3 Schiresort Korek (36° 35′ 50″ N 44° 27′ 21″ O), dessen vier Kilometer lange Seilbahn von einer schweizer Firma gebaut wurde.

Lalisch[Bearbeiten]

Das auf gut 1000 Meter gelegene, landschaftlich reizvolle Tal beherbergt die heiligste Stätte der Jesiden, das Grab von Scheich Adi und ist somit wichtiges Pilgerziel, das von hier wohnenden Mönchen betreut wird. In der Grabeshalle ist auch eine Quelle, die zur Kindstaufe genutzt wird. Im Kellergewölbe darunter ist ein Lager für von Pilgern gespendetes Öl, das der Beleuchtung der Anlage dient. Schuhe sind am Dorfrand auszuziehen. Unterkünfte gibt es keine.

Die Zufahrt erfolgt 14 km aus der Kleinstadt 4 Ain Sifni (= Shekhan) (36° 41′ 39″ N 43° 21′ 1″ O) oder von Dohuk per Taxi.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die autonome Region Kurdistan wurde nach dem 2. Golfkrieg ausgerufen, nachdem die Region schon zuvor de facto weitgehende Autonomie hatte. In vielerlei Hinsicht hat die Region nur wenig mit dem restlichen Irak gemein, allem voran in hier die Sicherheitslage deutlich besser als im restlichen Irak. Desweiteren ist die Geographie Kurdistans durch Berge und mehr Grünflächen gekennzeichnet.

Am 25. September 2017 ließ Masud Barzani, Präsident der ARK ein Unabhängigkeitsreferendum in den von der ARK regierten Gebieten durchführen. 92 % der Bevölkerung stimmten für die Unabhängigkeit. Darauf ließ der Irak seine Truppen auf die ARK losmarschieren und sie nahmen unter anderem Kirkuk und den Mosulstaudamm ein.

Sprache[Bearbeiten]

Amts- und Hauptverkehrssprache ist Kurdisch, im Norden der Dialekt Kurmanci, weiter südlich Sorani. Daneben wird auch Arabisch gesprochen. Dieses wird aber seit Schaffung der autonomen Zone nicht mehr in den Schulen unterrichtet. Nur gebildete, junge Menschen können Englisch. Sonstige Fremdsprachenkenntnisse sind sehr dünn gesät.

Beschilderungen sind, abgesehen von Autobahnschildern, fast nur in arabischer Schrift.

Anreise[Bearbeiten]

Tipp
Die Weiterreise in den arabischen Teil Iraks ist nur mit Schwierigkeiten und mit gültigem irakischen Visum möglich. Seit 15. Dezember 2017 bedroht die bagdader Regierung jedermann, der in die Region ohne (zusätzliches) irakisches Visum einreist mit einer Strafe von 500000 Dinar bzw. einem Jahr Haft.

Zur Einreise benötigt man einen gültigen Reisepaß. EU-Bürger, Schweizer und Liechtensteiner erhalten bei der Einreise eine kostenlosen Aufenthaltserlaubnis für 30 Tage eingestempelt. Anträge für längere Aufenthalte, bei persönlicher Vorsprache in Wien Vertretung der Regionalregierung Kurdistan-Irak (nur Einwohner Österreichs; nach Terminvereinbarung). Telephonische Auskünfte in Berlin werden erteilt nur Di. und Do. 10.00-13.00 ☎ +49 (0) 30 288 49516.

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Am problemlosesten aus Europa kommt man mit türkischen Gesellschaften nach Erbil.
Ein weiterer Flughafen mit Auslandsverbindungen ist in Sulaimaniyah.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Überland ist auch die Einreise mit dem PKW aus der Türkei möglich. Der einzige Grenzübergang ist bei 1 Ibrahim Khalil/Habur منفذ ابراهيم خليل الحدودي (37° 8′ 25″ N 42° 34′ 17″ O).

Den einzigen Grenzübergang aus der Türkei erreicht man per Dolmus aus dem wenig ansprechenden Ort Silopi.
Wer mit den PKW aus Kurdistan ausreist, muß, um die kilometerlange LKW-Schlange vor der Grenze zu umgehen, auf der rechtesten Gegenspur der hier dreispurigen Autobahn, ein gutes Stück als Geisterfahrer zurücklegen, bis er zur Abfertigung gelangt. Die Kontrolle türkischerseits ist pingelig. Es gibt hier einen Duty-Free-Shop, der sich zumindest für Zigaretten (in die Türkei) lohnt.

„Bei Einreise in die Region Kurdistan-Irak mit einem ausländischen Kfz ist es gängige Praxis der kurdischen Behörden, den ausländischen Reisepass beim Zollamt des Grenzübergangs einzubehalten und darüber eine Bescheinigung auszuhändigen. Diese Bescheinigung berechtigt nicht zum Aufenthalt in anderen Teilen Iraks. Bei Zuwiderhandlung ist mit einer Festnahme durch die irakischen Behörden zu rechnen. Der Pass wird erst bei der Wiederausfuhr des Kfz zurückgegeben.“[1]

Iran

Die Grenzen zum Iran sind für westliche Ausländer, die nicht aus Schurkenstaaten stammen (USA, Kanada, Großbritannien) inzwischen offen.

  • Leichter zu erreichen sind Sulaimaniya bzw. Teheran (via Sanandadsch) über die Grenze bei 3 Penjwin (بنجوين IQ) und Marivan (مریوان IR) (35° 36′ 51″ N 46° 0′ 58″ O). Es gibt keinen grenzüberschreitenden Bus, man ist auf Sammeltaxis aus nächstgelegenen Ortschaften angewiesen (Sanandadsch bzw. Penjwin). Direkte Sammeltaxis Sulaimaniya zur Grenze sind teuer.

Mobilität[Bearbeiten]

An fast allen Stadtgrenzen stehen Militärposten, kontrolliert wird allerdings selten.

Treibstoffpreise (April 2019): Diesel 620, Benzin 595, Super 7-800 irDin.
Diese für die ein erdölproduzierendes Land vergleichsweise hohen Preise erklären sich aus dem Fehlen von Raffineriekapazitäten. Das örtliche Rohöl wird per LKW in die Raffinerie im türkischen Ort Batman transportiert, dann als Sprit wieder zurück.

Busverkehr, oft in Kleinbussen, gibt es nur zwischen größeren Städten. Innerstädtische Taxifahrten kosten 3-5000 irDin (Sept. 2018).

Einheimische haben keine KfZ-Versicherung.

Unterkunft[Bearbeiten]

Einfache Zimmer gibt es für 20-25.000 irDin. Man findet sie meist in Nähe der Märkte. Mittelklassehotels kosten 2018 € 30-50, oft wird 10% “service” aufgeschlagen.

Selektives Unterkunftsverzeichnis der Touristeninfo, landesweit nach Kategorien und Orten sortierbar.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Einkaufen[Bearbeiten]

Landeswährung ist der irakische Dinar. US-Dollar sind auch gerne gesehen. Es gibt (kaum umlaufende) Münzen zu 25, 50 und 100 irDinar. 2013 wurde eine neue Serie Banknoten ausgegeben (Bilder), die der Serie 2003 bleiben gültig. Die 50-Dinar-Banknote wurde 2015 aus dem Verkehr gezogen. Der seitdem größte Schein hat einen Wert von 50000.

Wechselkurs: € 1 = 1370 irDin, US$ 1 = 1250 irDin. (19. Mai 2019; Tageskurse der Zentralbank).

Geldautomaten gibt es vor allen an Flughäfen und im Zentrum der großen Städte. Kreditkartenakzeptanz im Alltag ist gering. Wechselstuben erkennt man an den Glasvitrinen, in denen sich bündelweise Bargeld befindet.

Seit 2012 herrscht weitgehende Preisstabilität, verbunden mit dem Anstieg des irDin seit Anfang 2018 hat sich die Region als Reiseziel verteuert. Die Preise im Lande haben mitteleuropäisches Niveau, obwohl es keine nennenswerte Industrie gibt. Der augenfällige Wohlstand erklärt sich dadurch, daß 55% der Truppen, die bei der Operation der „Koalition der Willigen“ eingesetzt wurden um Söldner handelte, die einen Tagessold von US$ 500-1500 netto erhielten. Viele dieser Kämpfer waren naturgemäß kurdischstämmige, die der Regierung Saddam Husseins schon zuvor kritisch gegenübergestanden hatten.

Wochenende ist der Freitag. Straßenhändler oder Bazaris, die aufdringlich sind gibt es nicht. Kleinere Lebensmittelläden in Städten sind vielfach bis 23.00 Uhr geöffnet.

Ein wesentlicher Teil der gewaltigen Investitionen seit 2003 ist in den Bau überdimensionierter Einkaufszentren geflossen. Klassische Bazare gibt es nur in den großen Städten. In den weitverbreiteten Supermärkten, kann man z.B. im Regal für Milchprodukte den gesamten Wahnsinn des „freien Welthandels“ entdecken: Käse aus fast jedem EU-Land oder Australien, Kondens- oder Sojamilch aus Südostasien, nur lokale Produkte sucht man vergebens.

Küche[Bearbeiten]

Kurdische Küche. An kleineren Mahlzeiten gibt es vor allem Shawarma (Döner), Kebab in Form von Hackfleisch oder Hühnchen am Spieß sowie Falafel. Als Beilagen Fladenbrot oder Reis, dazu Salat. Kulinarische Spitzenleistungen findet man eher in Privathäusern.

Jesiden und Christen ist der Alkoholgenuß aus religiösen Gründen nicht verboten, Bier auch in vielen Läden vorrätig (wird aber im Ramadan generell nicht verkauft). Angeboten wird vor allem das türkische Efes und Almaza aus dem Libanon. Es gibt auch Importware deutscher Großbrauereien, in Restaurants dann zu unverhältnismäßig hohen Preisen (8-10000 irDin). Sonstige Alkoholika sind meist ebenfalls aus türkischer Produktion.

Feiertage[Bearbeiten]

1. Januar: Neujahr; 6. Januar: Tag der Armee; 5. März: Tag des Aufstand (von Ranya); 11. März: Befreiung von Erbil; 14. März: Geburtstag von Mustafa Barzani; 9. April: Befreiung Bagdads (Sturz Saddam Husseins); 1. Mai; 14. Juli: Tag der Republik.
Dazu die allgemeinen islamischen Feste: 1. (05. Mai 2019) und 30. Ramadan (04. Juni 2019), Mohammeds Geburtstag 10. November 2019, Ashura 10. September 2019 sowie das kurdische Frühlingsfest Newroz (3 Tage ab 20./21. März).

Sicherheit[Bearbeiten]

Im Alltag braucht man keine Angst vor Verbrechen zu haben, etwas anders gilt in Bezug auf Sicherheitskräfte.
Zitat Auswärtiges Amt: „Vor Reisen nach Irak mit Ausnahme der Region Kurdistan-Irak wird gewarnt. … Auch das deutsche Generalkonsulat in Erbil kann nur eingeschränkt konsularische Hilfe leisten. Termine werden ebenfalls nur nach Vereinbarung wahrgenommen.“[1] Man sollte Reisen nach irakisch-Kurdistan gut vorbereiten und vermeiden, der Trennungslinie zum übrigen Irak zu nahe zu kommen oder sie gar zu überschreiten, wenn man kein entsprechendes Visum hat. Dies gilt insbesondere für die Region Kirkuk. Hier kommt hinzu, daß die meisten aus Syrien abgezogene US-Kampftruppen hierher verlegt wurden, um im Frühjahr 2019 den dortigen Flughafen, der für Angriffe gegen den Iran genutzt werden kann, massiv auszubauen.[2]

Die Peschmerga-Regierung gestattet auf ihrem Territorium der Türkei ohne Vorwarnung gegen die Freiheitskämpfer der kurdischen Arbeiterpartei (Partiya Karkerên Kurdistanê) militärisch vorzugehen. Dies betrifft vor allem die gebirgige Grenzregion in der häufige türkische Luftangriffe seit November 2018 immer wieder zur Toten unter der Zivilbevölkerung führen. Die türkische Armee hat im Rahmen der Operation Tigris Shield auch an mehreren Orten dauerhafte Militärposten. Von diesen sollte man sich tunlichst fernhalten, da hier durchaus ohne Anruf scharf geschossen wird.

Frauen begeben sich Nachts normalerweise nicht auf die Straße. Nur Verheiratete tragen üblicherweise Kopftuch. Shorts sind auch bei Männern nicht gerne gesehen. Wie überall im Orient ist es sinnvoll für formelle Anlässe oder Vorsprachen auf Behörden ein gebügeltes Hemd mit Krawatte anzulegen.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm für Mossul (das seit Ende 2017 wieder von der irakischen Zentralverwaltung kontrolliert wird).

Am erträglichsten sind die Temperaturen im Mai. Erbil kann im Sommer bis über 50 °C heiß werden. Niederschläge gibt es von Mai bis September nicht. In den Bergregionen bleibt der Schnee im Winter liegen.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

D-W005 Warnung vor radioaktiven Stoffen oder ionisierenden Strahlen ty.svg Abgereichertes Uran
Während der Irakkriegs wurden von der US-Armee tausende Granaten verschoßen, die abgereichertes Uran enthielten, das beim Aufprall der Granate verdampft und als Feinstaub in die Umgebung gelangt ist, was in den betroffenen Gebieten zu erhöhten Krebsraten und Mißbildungen an Neugeborenen führt. In irakisch-Kurdistan wurde diese Munition im Bereich zwischen Mossul und dem Tigrisstausee sowie um Arbat eingesetzt. Schutzmaßnahmen vor dem Einatmen von Staub sind hier sinnvoll.

Rauchverbote gibt es 2018 noch keine.

Die Haushaltsstromversorgung ist auf 2 Ampere beschränkt (d.h. 460 Watt). Durch privat betriebene Dieselgeneratoren wird das Defizit ausgeglichen.

Konsulate gibt es in Erbil. Die Schweiz und Österreich unterhalten keine Vertretung im Irak, zuständig sind die Dienststellen im jordanischen Amman.

Telekommunikation[Bearbeiten]

Der wichtigste Internet- und Mobilfunkanbieter ist Newroz Telecom (Kundendienst ☎ 06699). Ein weiterer Anbieter ist Tishk Net (Kundendienst ☎ 053-5710; Netzabdeckung).

Literatur[Bearbeiten]

Spezielle Reiseführer scheinen bis 2019 nicht erschienen zu sein. Das einzige halbwegs neue Werk ist wohl:

  • Hann Geoff; Dabrowska, Karen; Iraq: The ancient sites & Iraqi Kurdistan; 2015 (Bradt); ISBN 9781841624884
  • Açıkyıldız, Birgül; Yezidis: the history of a community, culture and religion; London 2010 (Tauris); ISBN 9781848852747
  • Huch, Tobias; Kurdistan: wie ein unterdrücktes Volk den Mittleren Osten stabilisiert; München 2019 (riva); ISBN 978-3-95971-947-6
  • Rafaat, Aram; Kurdistan in Iraq: the evolution of a quasi-state; London 2018 (Routledge); ISBN 978-1-351-18883-8, [Geschichte 1961-2017]

Weblinks[Bearbeiten]

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