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ʿArag

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el-ʿArag ·العرج
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El-'Arag (auch el-Areg, arabisch: ‏العرج‎, al-ʿAraǧ, „der Hinaufsteigende, der Hinkende“) ist eine verlassene Senke und archäologische Stätte im Bereich des Darb Sīwa etwa 120 Kilometer von der Stadt Siwa und etwa 30 Kilometer von der Senke el-Baḥrein entfernt.

Anreise[Bearbeiten]

El-ʿArag liegt etwa 1 Kilometer vom Darb Siwa in östlicher Richtung entfernt. Streckenweise besteht der Untergrund aus weichem Sand. Ohne geländegängiges Allradfahrzeug und zugehöriges fahrerisches Können ist eine Anreise kaum möglich.

Zu den Formalitäten für eine derartige Reise ziehe man die Angaben im Artikel über den Darb Sīwa heran.

Hintergrund[Bearbeiten]

Diese Oase ist wohl die eindrucksvollste am Darb Siwa. In der sandigen Wüste ragen an verschiedenen Stellen Kalksteinzeugenberge auf. Die Ausdehnung der Oase beträgt in Nord-Süd-Richtung etwa 15, ist Ost-West-Richtung etwa sieben Kilometer. In der Vergangenheit gab es hier mehrere Quellen, die heute aber versiegt sind. Nur wenige Palmen weisen noch auf diese Quellen hin. Die größte Quelle war ʿAin kabīr, in Siwisch Titafurt.

Der Name nimmt el-ʿArag nimmt wohl auf einen Kamelzug Bezug.

Wie el-Baḥrein war diese Oase mindestens seit griechisch-römischer Zeit bis in christliche Zeit besiedelt. Der Friedhof aus dieser Zeit kann heute noch besichtigt werden. Die Toten wurden meist mumifiziert und auf einem Bett mit gedrechselten Beinen bestattet. Die Felsgräber wurden in der Regel für mehrere Bestattungen genutzt.

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Senke und ihr Gräberfeld von europäischen Reisenden besucht worden. Zu den frühesten Reisenden zählen Frédéric Cailliaud (1787–1869) und Jean Raymond Pacho (1794–1829), die die Oase 1819[1] bzw. 1826[2] besuchten, ohne jedoch eine Beschreibung der antiken Stätten zu geben. 1874 besuchte Gerhard Rohlfs (1831–1896) und beschrieb ein Grab. Neben den Gräbern berichtet Rohlfs noch vom Fundament eines Rundtempels mit zwanzig Fuß Durchmesser, der aber von niemand nach ihm vorgefunden wurde. 1896 besuchte der britische Offizier Wilfred Edgar Jennings-Bramly (1871–1960) die Oasen entlang des Darb Siwa; seine Untersuchungen wurden aber erst 41 Jahre später von Anthony de Cosson veröffentlicht. Anfang Januar 1900 besuchte Georg Steindorff (1861–1951) el-Arag und Sitra und veröffentlichte Fotos und beschrieb zwei Gräber. Im August 1938 wurden die hiesigen Gräber von Ahmed Fakhry (1905–1973) untersucht und ein Jahr später veröffentlicht. 1983 nahm Klaus Peter Kuhlmann erneute Untersuchungen in den Oasen am Darb Siwa vor.

Immer mal wieder versuchen Einheimische ihr Glück, hier irgendwelche Schätze zu finden. So berichtet Ahmed Fakhry, dass man 1965 Grabräuber in Alexandria gefasst habe. Die vorgefunden zwei Mumien und weitere Objekte sind heute im Museum von Alexandria zu sehen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Hauptsehenswürdigkeit ist der Friedhof (Nekropole), der sich etwa zwei Kilometer westlich der Quelle ʿAin kabīr befindet. Die Gräber wurden in zwei isolierten Felsrücken angelegt, das von ihnen eingefasste Tal öffnet sich nach Osten hin.

Die meisten Gräber sind einfache rechteckige Nischen, die sich etwa in Kopfhöhe befinden. Und nur wenige Gräber besitzen einen Grabschmuck. Diese befinden sich fast ausschließlich im südlichen Felsen. Teilweise waren die Gräber mit Türen verschlossen, ein Grab wurde vermauert. Ahmed Fakhry zählte 42 Gräber, ging aber davon aus, dass noch weitere vom Sand verweht waren. Klaus P. Kuhlmann gibt 86 Gräber an.

Gräber am südlichen Felsrücken
Gräber am südlichen Felsrücken
Grab aus pharaonischen Zeiten
Die berühmteste Darstellung ist schon von außen sichtbar…
Ein Mann erschlägt ein Rind, das an einer Palme angebunden ist.
Detail des pharaonischen Grabes.

Die Gräber werden von Ahmed Fakhry in die Zweit zwischen dem ersten vor- und dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert datiert. In christlichen Zeiten wurden die Gräber als Unterkünfte von Einsiedlern benutzt. Aus dieser Zeit gibt es einige Inschriften in roter Farbe, sie besitzen aber keinen religiösen Bezug.

Zwei Gräber ragen aufgrund ihrer Darstellung heraus. Da ist zum einen ein Grab mit zwei kindlich-naiven Darstellungen in roter Farbe auf der linken Wand, deren vordere Darstellung bereits von außen sichtbar ist. Die vordere Darstellung zeigt einen Mann, der zum tödlichen Schlag mit einer Axt gegen ein Rind ausholt, das an einer Palme festgebunden ist. Die Axt wurde von Rohlfs als christliches Kreuz missdeutet. Weiter hinten befindet die Darstellung eines Mannes mit einem Tier, wohl auch eine Kuh, und einer libyschen Inschrift. Die Darstellungen stammen wohl aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert.

Im zweiten Grab finden sich auf der rechten Seite zwei hintereinander liegende Räume. Im vorderen Raum befindet sich die Darstellung von Osiris und Anubis. Die Tür zwischen den beiden Kammern ist mit heiligen Schlangen bekrönt, der rechte Pfosten zeigt die Reste einer Göttin. Im hinteren Raum sieht man Nut zwischen zwei Rindern. Das Grab stammt wohl aus griechischer Zeit.

Von Kuhlmann wurden weitere Gräber mit Szenen gefunden. In dem mit Verbundsteinen vermauerten Grab finden sich verschiedene Götterdarstellungen wie eine Göttin mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe und Osiris in Begleitung von Thot und einer löwenköpfigen Göttin. Im Sand fand er ein kleines Grab mit der Darstellung von Wachhunden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rohlfs, Gerhard: Drei Monate in der Libyschen Wüste. Cassel: Fischer, 1875, S. 194 f., Abb. 14 (S. 195). Nachdruck Köln : Heinrich-Barth-Institut, 1996, ISBN 978-3-927688-10-0.
  • Steindorff, Georg: Durch die Libysche Wüste zur Amonsoase. Bielefeld [u.a.]: Velhagen & Klasing, 1904, (Land und Leute : Monographien zur Erdkunde ; 19), S. 135–137, Abb. 91 [S. 122], 92 [S. 123].
  • Cosson, Anthony de: Notes on the Baḥrēn, Nuwemisah, and el-Aʿreg Oases in the Libyan Dessert. In: Journal of Egyptian Archaeology (JEA), ISSN 0075-4234, Bd. 23 (1937), S. 227 f., Tafel XXIV (gesamter Artikel S. 226–229).
  • Fakhry, Ahmed: The tombs of El-Aʿreg Oasis in the Libyan Desert. In: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte (ASAE), ISSN 1687-1510, Bd. 39 (1939), S. 609–619, drei Tafeln.
  • Fakhry, Ahmed: Siwa Oasis. Cairo: The American Univ. in Cairo Pr., 1973, (The oases of Egypt ; 1), ISBN 978-977-424-123-9 (Nachdruck), S. 138–142 (in Englisch).
  • Kuhlmann, Klaus P[eter]: Das Ammoneion : Archäologie, Geschichte und Kultpraxis des Orakels von Siwa. Mainz: von Zabern, 1988, (Archäologische Veröffentlichungen ; 75), ISBN 978-3-8053-0819-9, S. 88–90, Tafeln 43.c,d, 44 f., 46.a–c, 47.a–c.

Einzelnachweise

  1. Cailliaud, Frédéric: Voyage a Méroé, au flouve blanc, au-delà de Fâzoql dans le midi du Royaume de Sennâr, a Syouah et dans cinq autres oasis… Tome I. Paris: Imprimerie Royale, 1823, S. 134–139.
  2. Pacho, Jean Raimond: Relation d’un voyage dans la Marmarique, la Cyrénaique, et les Oasis d’Audjehlah et de Maradêh. Paris: Didot, 1827.
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