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Mughra

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El-Mughra ·المغرة
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El-Mughra (auch (el-)Moghra, (el-)Moghara, (el-)Maghara, arabisch: ‏المغرة‎, al-Mughra, „die rötliche/rotbraune [Oase]“ ist eine unbewohnte Senke im Norden der Westlichen Wüste nordöstlich der Qaṭṭāra-Senke. Die Senke liegt an einer altbekannten Route, die vom Niltal oder von Abū Mīnā nach Siwa führt, und diente als Wasserquelle für die Durchreisenden.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Senke el-Mughra befindet sich im Norden der Westlichen Wüste, etwa 65 Kilometer von der Küste des Mittelmeeres, etwa 70 Kilometer von el-ʿAlamein und etwa 30 Kilometer von den nordöstlichen Ausläufern der Qaṭṭāra-Senke entfernt. Sie liegt etwa 34 Meter unter dem Meeresspiegel. Über el-Mughra verläuft von Alters her eine Route, manchmal Masrab el-Muḥaṣḥaṣ (arabisch: ‏مسرب المحصحص‎) genannt, die Memphis und el-Gīza im Niltal über das Wādī en-Naṭrūn im Bereich des Makariusklosters über el-Mughra und Qārat Umm eṣ-Ṣugheir mit Siwa verbindet. Ein Abzweig bei el-Mughra führt über den Abū-Duweis-Pass (arabisch: ‏نقب أبو دويس‎, Nabq Abū Duwais) nach el-ʿAlamein bzw. Abū Mīnā. Bis zum Wādī en-Naṭrūn sind es 135 Kilometer, bis nach Siwa 350 Kilometer. Die Route verläuft am Fuß der Steilhänge des Sandsteinmassivs im Norden der Senken el-Mughra und el-Qaṭṭāra, weil sich hier auch die notwendigen Quellen befanden. Gelegentlich wird vorgeschlagen, dass die Rückreise Alexanders des Großen von Siwa über diese Route verlaufen haben könnte.

Im Gegensatz zu Qārat Umm eṣ-Ṣugheir war und ist el-Mughra unbewohnt. Die Senke besteht im Wesentlichen aus dem Salzsee und sich anschließender Sumpfvegetation. Das Wasser stammt hauptsächlich aus dem Nubischen Sandstein-Grundwasserleiter und aus dem Grundwasser des Nildeltas.

Die Route zwischen dem Niltal und Siwa ist in der Neuzeit seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts in Nutzung. Der Vizekönig Muḥammad ʿAlī Pascha entsandte 1820 entlang dieser Route Truppen, um Siwa zu erobern.[1] In den 1840er-Jahren wurden in el-Mughra fünf Brunnen angelegt.[2] 1898 nutzten der britische Afrikaforscher Wilfred Edgar Jennings-Bramly (1871–1960)[3] sowie der britische Geograf Arthur Silva White (1859–1932)[4] getrennt diese Route für ihre Rück- bzw. Hinreise nach Siwa. White hatte für seine Reise eine Karawane mit sieben Männern und sechs Kamelen zusammengestellt. Bei seinem Aufenthalt in el-Mughra traf er auf Aūlād-ʿAlī-Beduinen, die hier in ihrem Winterlager weilten, und erlebte einen Sandsturm und Mückenangriffe. Zu seinen Funden entlang der Route gehörten versteinerte Baumfossilien. Auch der Baedeker-Ägypten-Führer von 1928 nannte noch diese Route für die Anreise nach Siwa.[5]

Ansonsten wurde die Route auch von Drogenschmugglern benutzt. So berichtete der Deutsche André von Dumreicher (1865–1953)[6], der mit einer Nichte von Sir Eldon Gorst (1861–1911) verheiratet und bis 1910 Leiter und Major des ägyptischen Küstenwach-Kamelkorps war, dass er bei einer Patrouille am 26. Juli 1907 hier in el-Mughra Schmuggler aus dem Stamm der Beni Amar auf dem Weg von Griechenland nach Ägypten aufgegriffen hatte. In die Hände der Patrouille fielen sieben Männer, 17 Kamele, 1338 Kilogramm Haschisch, acht Gewehre und 590 Patronen.[7] Während des 1. Weltkriegs war die Senke von britischen Soldaten belagert, die von ihrem „Escarpment Post“ die vorbeiziehenden Karawanenzüge beobachteten.[2]

Mittlerweile reist kaum noch jemand hier vorbei. Die allermeisten Touristen reisen über Marsā Maṭrūḥ nach Siwa.

Auch unter den Biologen ist el-Mughra ein Begriff: An den Steilwänden auf einer Länge von etwa einhundert Kilometern westlich von el-Mughra ließen und lassen sich zahlreiche Fossilien aus dem Miozän vor etwa 18 Millionen Jahren und dem anschließenden Pliozän finden. Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen hierzu stammen vom deutschen Geologen Max Blanckenhorn (1861–1947), der ab 1897 als Teilnehmer am Geological Survey zur Erkundung der ägyptischen Wüstengebiete die nördlichen Wüstengebiete kartographierte und Wirbellose wie Muscheln und Schnecken sowie versteinertes Holz aus dem Miozän und Pliozän in el-Mughra auffand und beschrieb.[8] Die Sensation gelang aber dem französischen Geologen und Paläontologen René Fourtau (1867–1920), der 1918 Fossilien von sieben Säugetierarten beschrieb, darunter einen Unterkiefer des Primaten, des Meerkatzenverwandten, Prohylobates tandyi.[9][10] Im selben Band, in dem Fourtau seine Fossilien beschrieb, befindet sich auch ein Aufsatz von R. Priem über Fischfossilien aus el-Mughra. Zu den bisher bekannten Tierfossilien aus dem Miozän gehören Knochenfische und Knorpelfische,[11] zu letzteren gehören Haie, Urraubtiere[12], Rüsseltiere[13] und Vögel[14].

Eine Auswahl dieser Fossilien wird im Ägyptischen Geologischen Museum in Alt-Kairo, das sich etwa einen Kilometer südlich der Festung Babylon direkt an der Corniche befindet, gezeigt.

Es gab in den letzten Jahren auch Planungen, in der Senke östlich des Salzsees Landwirtschaft zu betreiben, da hier ausreichend Grundwasser vorhanden ist. Bisher ist es bei den Planungen geblieben.[15]

Anreise[Bearbeiten]

Für die Anreise, egal woher, braucht man geländegängige Allradfahrzeuge und ortskundige einheimische Fahrer. Die Anreise kann von Siwa, dem Wādī en-Naṭrūn oder von el-ʿAlamein erfolgen.

Die einfachste Anreise ist von el-ʿAlamein möglich. Im Bereich der Stadt biegt man von der Küstenstraße Alexandria–Marsa-Matruh bei 1 30° 50′ 8″ N 28° 57′ 34″ O auf die Petrol Road (arabisch: ‏طريق البترول‎, Ṭarīq al-Bitrūl). Man bleibt auf dieser Straße oder Piste, die nach Südwesten führt, für die nächsten 95 Kilometer. Vor Erreichen der Siedlung 1 Rizāq (30° 40′ 56″ N 28° 50′ 28″ O) knickt die Piste nach Süden ab. Im Bereich des 1 Abū-Duweis-Passes (30° 24′ 40″ N 28° 33′ 12″ O), arabisch: ‏نقب أبو دويس‎, Naqb Abū Duweis, gelangt man vom Hochplateau in die Senke. Südlich der Ausläufer der Qaṭṭāra-Senke verlässt man die Straße nach Osten. Nach weiteren 40 Kilometern erreicht man die Senke 2 el-Mughra (30° 15′ 12″ N 28° 55′ 57″ O). Unterwegs befindet sich eine 1 Polizeikontrollstelle (30° 16′ 58″ N 28° 45′ 14″ O).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hauptsehenswürdigkeit der Senke el-Mughra ist der von Norden nach Süden etwa dreieinhalb Kilometer lange und vier Quadratkilometer große 3 Salzsee (30° 15′ 12″ N 28° 55′ 57″ O). Auf den angrenzenden Salzwiesen und Sandflächen gibt es eine reichhaltige Flora. Hierzu gehören Schilfrohr (Phragmites australis), verschiedene Sträucher wie Salz-Alant (Limbarda crithmoides), Nitraria retusa (Familie der Nitrariaceae), Arthrocnemum macrostachyum aus dem Tribus Salicornieae, Zygophyllum album (aus der Familie der Jochblattgewächse), Alhagi graecorum (aus der Gattung der Alhagi, Hülsenfrüchtler), das Gras Sporobolus spicatus, Tamarisken und Palmen.

Im Westen und Süden des Sees dehnen sie Sandflächen aus. Etwa sieben Kilometer südlich des Sees erheben sich zwei große Sanddünen.

Küche und Unterkunft[Bearbeiten]

Verpflegung einschließlich ausreichender Getränke müssen mitgeführt werden. Für eine Übernachtung benötigt man Zelte.

Ausflüge[Bearbeiten]

Die Besichtigung der Senke el-Mughra kann mit der Besichtigung der Senke Qārat Umm eṣ-Ṣugheir verbunden werden.

Einzelnachweise

  1. Belgrave, C[harles] Dalrymple: Siwa : the oasis of Jupiter Ammon. London: John Lane, 1923, S. 102.
  2. 2,0 2,1 Vivian, Cassandra: The Western Desert of Egypt : an explorer’s handbook. Cairo: The American University in Cairo Press, 2008, ISBN 978-977-416-090-5, S. 281 f (in Englisch).
  3. Jennings-Bramly, Wilfred: A Journey from Farafra to Siwa, 1898. In: The Geographical Journal (GJ), ISSN 0016-7398, Bd. 19,1 (1902), S. 73–75, insbesondere S. 75.
  4. White, Arthur Silva: From Sphinx to Oracle : trough the Libyan desert to the oasis of Jupiter Ammon. London: Hurst and Blackett, 1899, S. 37–50.
  5. Baedeker, Karl: Ägypten und der Sûdan : Handbuch für Reisende. Leipzig: Baedeker, 1928 (8. Auflage), S. 393.
  6. Lackany, Radamès: Quelques célèbres allemands en Égypte. Alexandria, 1971.
  7. Dumreicher, André von: Fahrten, Pfadfinder und Beduinen in den Wüsten Ägyptens. München: Drei-Masken-Verl., 1931.
  8. Blanckenhorn, Max: Neues zur Geologie und Paläontologie Aegyptens. In: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft (ZDGG), ISSN 0012-0189, Bd. 53 (1901), S. 52–132, 307–502. Die beiden ersten Teile erschienen 1900.
  9. Fourtau, René: Contribution à l'Étude des Vertébrés Miocènes de l'Égypte. Le Caire: Survey Dept., Min. Finance Govt. Press, 1918. Auf den Seiten 8–15 befindet sich der Aufsatz „Poissons fossiles du Miocene d’Egypte (Burdingalien de Moghara, Desert lybique)“ von R. Priem.
  10. Simon, Elwyn L.: Miocene Monkey (Prohylobates) from Northern Egypt. In: Nature, ISSN 0028-0836, Bd. 223 (1969), S. 687–689, doi:10.1038/223687a0.
  11. Z. B. Cook, Todd D. u.a.: A Miocene selachian fauna from Moghra, Egypt. In: Historical Biology: An International Journal of Paleobiology, ISSN 0891-2963, Bd. 22,1–3 (2010), S. 78–87, doi:10.1080/08912960903249329.
  12. Z. B. Rasmussen, D.T. u.a.: New specimens of the giant creodont megistotherium (hyaenodontidae) from Moghara, Egypt. In: Journal of Mammalogy (JOM), ISSN 0022-2372, Bd. 70,2 (1989), S. 442–447.
  13. Z. B. Sanders, W.J. ; Miller, E.R.: New proboscideans from the early Miocene of Wadi Moghara, Egypt. In: Journal of Vertebrate Paleontology, ISSN 0272-4634, Bd. 22,2 (2002), S. 388–404.
  14. Z. B. Smith, N. Adam: Avian fossils from the Early Miocene Moghra Formation of Egypt. In: Ostrich: Journal of African Ornithology, ISSN 0030-6525, Bd. 84,3 (2013), S. 181–189.
  15. خطة الحكومة لتنمية الساحل الشمالى الغربى (Der Plan der Regierung für die Entwicklung der Nordwestküste), Nachricht vom 29. Januar 2013 auf ArabFinance.com.
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