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Manfalūṭ

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Manfalūṭ ·منفلوط
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Manfalut (arabisch: ‏منفلوط‎, Manfalūṭ) ist eine mittelägyptische Stadt im Gouvernement Asyūṭ auf der westlichen Seite des Nils. In ihr lebten 2006 etwa 83.000 Einwohner. Die Hauptsehenswürdigkeit ist die älteste Moschee der Stadt, die el-Kāschif-Moschee.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lage und Bedeutung[Bearbeiten]

Die Stadt Manfalūṭ befindet sich etwa 350 Kilometer südlich von Kairo und 27 Kilometer nordwestlich von der Gouvernementshauptstadt Asyūṭ entfernt auf der westlichen Seite des Nils. Die Entfernung zum Nil beträgt etwa zwei Kilometer. Die Stadt befindet sich unmittelbar am Ostufer des Ibrāhīmīya-Kanals, der zur Vergrößerung der nutzbaren Landwirtschaftsfläche 1873 angelegt wurde. Die Landwirtschaft ist auch der Haupterwerbszweig der Stadt. Im Umkreis der Stadt werden vorwiegend Zuckerrohr, Gemüse und Obst, wie Granatäpfel, angebaut. In der Stadt gibt es Zuckerfabriken und auch eine Dattelweinfabrik, die den Bedarf der koptischen Gemeinde deckt.

Mit der Landwirtschaft gelang der Stadt ein Aufschwung. Um 1893 wohnten hier schon 13.232 Einwohner – hauptsächlich koptische Christen –,[1] heute bereits 82.585 (2006).[2]

Die Stadt ist Sitz eines koptisch-orthodoxen Bischofs. Aus der Stadt stammte auch der 1923 geborene und 2012 verstorbene Schenuda III., der 117. Papst und Patriarch von Alexandrien.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der koptische Name Ⲙⲁⲛⲃⲁⲗⲟⲧ, Manbalot, wurde erstmals in einem koptischen Manuskript, das sich heute in der Bibliothèque nationale de France befindet, erwähnt.[3] Das Wort bedeutet „Zufluchtsort der Wildesel“. Das Leder, das aus der Haut dieser Esel gewonnen wurde, wurde z. B. zu Taschen verarbeitet oder von den Mönchen als Bettzeug verwendet.[1] Aus dem Koptischen ist der moderne Name Manfalūṭ entstanden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge der Stadt liegen im Dunkeln. Der koptische Name aus römischer Zeit und die Überlieferung von Leo Africanus (1490–1550) lassen die Existenz der Stadt mindestens ab der griechisch-römischen Zeit als sicher erscheinen. Leider gibt es von zeitgenössischen griechischen und römischen Autoren keine Überlieferungen. Leo Africanus berichtete über die Stadt:

„Manf Loth, eine sehr große und alte Stadt, ist von den Aegyptern erbauet und von den Römern zerstöret worden. Unter den Mohammedanern hat man den Anfang mit ihrer Wiederherstellung gemacht – sie ist aber wie Nichts in Vergleichung mit den ersten Zeiten. Man sieht noch jetzt gewisse dicke und hohe Säulen und bedeckte Gänge mit Inschriften in ägyptischer Sprache. Neben dem Nile sind große Ruinen eines großen Gebäudes, welches ein Tempel gewesen zu seyn scheint. Die Einwohner finden daselbst zuweilen Gold, Silber und Bleymünzen, die auf einer Seite ägyptische Buchstaben und auf der andern Köpfe alter Könige haben. Der Boden ist fruchtbar, aber es ist sehr heiß da, und die Crocodille thun großen Schaden, und darum, glaubt man, sey die Stadt von den Römern verlassen worden. Die heutigen Einwohner sind doch ziemlich reich, denn sie treiben in Nigritien (dies ist die subsaharische Region Westafrikas) Handel.“[4]

Die von Leo Africanus beschriebenen Überreste gibt es heute nicht mehr. Es gibt aber im nur neun Kilometer westlich gelegenen Kōm Dāra aber Siedlungsspuren, die bis in die vorgeschichtliche Zeit zurückreichen.[5]

Es ist denkbar, dass die Stadt in nachrömischer Zeit verlassen wurde. Im 13. Jahrhundert ist sie aber wieder besiedelt, wie der arabische Geograf Abū el-Fidāʾ (1273–1331) zu berichten wusste:

Manfalut ist eine kleine Stadt in dem mittlern Theile von Saïd (Oberägypten), auf der Ostseite des Nils, an dem Ufer des Flusses, ungefähr eine Tagereise unterhalb der Stadt Ossiut (Siut). Sie hat eine große Moschee.“[6]

Vom Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhunderts stammt auch ein Bericht des arabischen Historikers el-Maqrīzī (1364–1442). In seinem Hauptwerk al-Chiṭaṭ beschrieb er das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen als so brüderlich, dass sie ihre Gebete in derselben Kirche des Klosters von Benu Kelb verrichteten. Zu dieser Zeit lebte in diesem Kloster, das wohl dem Erzengel Gabriel geweiht war, kein Mönch mehr.[7]

Zur Zeit der Mamluken-Sultane (etwa 13. bis 16. Jahrhundert) war Manfalūṭ auch die Hauptstadt einer Provinz.[1]

Die Stadt wurde auch vom englischen Reisenden Richard Pococke (1704–1765) erwähnt, der feststellte, dass sie bereits eine Meile vom Nil entfernt war.

„Manfalouth liegt eine Meile von dem Flusse, und hält eine Meile im Umkreise. Es ist ziemlich gut gebaut. Ein Caschif residiret daselbst, welcher die Provinz regiert. Auch ein Bischofsitz, und gegen 200 Christen befinden sich an diesem Orte. Allein ihre Kirche ist in einiger Entfernung zu Narach[8], wo das Volk glaubet, daß Jesus mit seinen Eltern sich daselbst bis nach dem Tode des Herodes aufgehalten habe.“[9][10]

Anreise[Bearbeiten]

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Stadtplan von Manfalūṭ

Manfalūṭ liegt an der Bahnlinie von Kairo nach Assuan und ist mit Regionalzügen aus Asyūṭ erreichbar. Der 1 Bahnhof Manfalūṭ (27° 18′ 25″ N 30° 57′ 58″ O) befindet sich an der Ostseite des Ibrāhīmīya-Kanals, etwa auf halber Höhe zwischen den beiden Kanalbrücken.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Im Bereich des Jugendzentrums (arabisch: ‏مركز شباب‎, Markaz Schabāb) befinden sich die Bus- bzw. Texihaltestellen. Zum einen westlich des Zentrums, direkt an der Straße (2 27° 18′ 46″ N 30° 57′ 57″ O), zum anderen befinden sich die Taxihaltestellen südlich des Zentrums (3 27° 18′ 42″ N 30° 58′ 0″ O).

Auf der Straße[Bearbeiten]

Manfalūṭ liegt an der Fernverkehrsstraße 02, die auf dem Westufer des Ibrāhīmīya-Kanals angelegt wurde. Die Stadt ist über zwei Brücken erreichbar.

Südwestlich der Stadt befindet sich das Dorf Banī ʿAdī, in dem die Wüstenpiste Darb eṭ-Ṭawīl in die Senke ed-Dāchla beginnt.

Mobilität[Bearbeiten]

Die Stadt kann zu Fuß oder mit einem Auto bzw. Taxi ergründet werden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

El-Kāschif-Moschee[Bearbeiten]

Die Hauptsehenswürdigkeit ist die 1 el-Kāschif-Moschee (27° 18′ 46″ N 30° 58′ 18″ O), arabisch: ‏مسجد الكاشف الكبير‎, Masǧid al-Kāschif al-Kabīr, „Große el-Kāschif-Moschee“), die sich im Osten der Stadt im Bereich der Qeiṣārīya, des Basarviertels, befindet. Prinz ʿAlī el-Kāschif Gamāl ed-Dīn (arabisch: ‏الأمير علي الكاشف جمال الدين‎, al-Amīr ʿAlī al-Kāschif Ǧamāl ad-Dīn) ließ die Moschee 1772 (1176 AH) errichten. Sie ist die älteste Moschee der Stadt.

Die etwa quadratische Moschee mit einer Seitenlänge von etwa 20 Metern besitzt ein Minarett an der Westspitze. Das Minarett besteht aus drei Schaftteilen und zwei Umgängen. Der untere Teil, der fast die Hälfte des Minaretts einnimmt, ist achteckig und wird mit dem ersten Umgang abgeschlossen. Auf dem runden Segment folgt der dritte, sechseckige Teil mit dem zweiten Umgang und der Spitze. Alle sechs Seiten des obersten Teils verfügen über einen Durchgang zum Umgang.

Straßenansicht der el-Kāschif-Moschee
Minarett der el-Kāschif-Moschee
Mihrab in der el-Kāschif-Moschee
Im Inneren der el-Kāschif-Moschee
Decke der el-Kāschif-Moschee
Wandschrank in der el-Kāschif-Moschee

Der Haupteingang der Moschee befindet sich an seiner Nordseite. Die Toreinfassung ist mit einem Ziegelsteinmuster dekoriert. Das Tor selbst besteht aus zwei Eisen beschlagenen Flügeln. Die Moschee wird vollständig vom Gebetsraum ausgefüllt, dessen grün und blau bemalte Holzdecke von vier Säulen getragen wird. In der Mitte der Holzdecke befindet sich ein quadratischer Lichtdom, der Schuchscheicha. Die Wände und die Säulen in verschiedenen Grüntönen bemalt bemalt. Der Sockel der Wände ist dunkelgrün abgesetzt. An der Rückwand befindet sich eine hölzerne Empore.

Die Gebetsnische (Mihrab) wird von zwei Säulen eingefasst und enthält neben einer ornamentalen Bemalungauch eine Sure in roter Farbe. Im Bereich der Halbkugel befindet sich wiederum eine Dekoration mit schwarzen und roten Ziegeln. Oberhalb dieser Ziegeldekoration befindet sich eine Marmortafel mit einer fünfzeiligen Inschrift. Diese Inschrift enthält neben dem islamischen Glaubensbekenntnis auch den Hinweis auf den Erbauer und das Jahr der Errichtung der Moschee. Rechts neben der Gebetsnische befindet sich die hölzerne Kanzel (Minbar).

Kirchen[Bearbeiten]

  • 2 Kirche der hl. Jungfrau (كنيسة السيدة العذراء مريم, Kanīsat as-Saiyida al-ʿAḏrāʾ Maryam, Kirche der Herrin, der Jungfrau Maria). (27° 18′ 42″ N 30° 58′ 28″ O)
  • 3 Kirche des hl. Georg (كنيسة الشهيد العظيم مارجرجس, Kanīsat asch-Schahīd al-ʿaẓīm Mār Girgis, Kirche des großen Märtyrers, des hl.Georg). (27° 18′ 27″ N 30° 57′ 58″ O)
  • 4 Kloster der hl. Jungfrau und des hl. Theodor von Schuṭb (دير والدة الإله العذراء مريم والأمير تادرس الشطبي, Dair Wālida al-ilāh al-ʿaḏrāʾ Maryam wa al-Amīr Tādrus asch-Schuṭbī, Kloster der Mutter Gottes, der Jungfrau Maria und des Prinzen Theodor von Schuṭb). Das Kloster befindet sich im Norden der Stadt, westlich des Ibrāhīmīya-Kanals. (27° 19′ 0″ N 30° 57′ 11″ O)

Aktivitäten[Bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten]

Einkaufen[Bearbeiten]

Einkaufen ist z. B. im Marktviertel der Stadt, der Qeiṣārīya, möglich.

Küche[Bearbeiten]

Im Bereich der Stadt und des Marktes gibt es nur Imbissstände und Cafés. Restaurants findet man in Asyūṭ.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte werden üblicherweise in Asyūṭ gewählt.

Ausflüge[Bearbeiten]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Amélineau, É[mile]: La géographie de l’Égypte à l’époque copte. Paris : Impr. Nationale, 1893, S. 237 f.
  2. Egypt: Governorates & Major Cities, eingesehen am 10. März 2013.
  3. Koptisches Manuskript Nr. 43, Bibliothèque nationale de France, Mss. cop. de la Bibl. nat. no 43, fol. 51.
  4. Leo <Africanus> ; Lorsbach, Georg Wilhelm [Übers.]: Johann Leo’s des Africaners Beschreibung von Africa ; Erster Band : welcher die Uebersetzung des Textes enthält. Herborn : Buchhandlung der hohen Schule, 1805, (Bibliothek der vorzüglichsten Reisebeschreibungen aus den frühern Zeiten ; 1), S. 548.
  5. Weill, Raymond: Dara : campagnes de 1946-1948. Le Caire : Impr. Gouvern., 1958.
  6. Bertuch, Friedrich Justin (Hg.): Allgemeine geographische Ephemeriden ; Band 35. Weimar : Verl. d. Industrie-Comptoirs, 1811, S. 333 f. Siehe auch: Abulfeda, Ismael Ebn Ali ; Reinaud, [Joseph Toussaint, Übers.]: Geographie d’Abulféda Traduite de l’Arabe en Francais et accompagnée de notes et d’éclaircissements ; tome II. Paris : L’Imprimerie Nationale, 1848, S. 156.
  7. al-Maqrīzī, Mss. Arab. 682, fol. 567. Siehe auch Leo Africanus ; Pory, John [Übers.] ; Brown, Robert (Hg.): The history and description of Africa and of the notable things therein contained ; vol. 3. London : Hakluyt Soc., 1896, (Works issued by the Hakluyt Society ; 94), S. 899; 923 f., Endnote 101.
  8. Möglicherweise ist damit Deir el-Muḥarraq gemeint.
  9. Pococke, Richard ; Windheim, Christian Ernst von [Übers.]: D. Richard Pococke’s Beschreibung des Morgenlandes und einiger andern Länder ; Theil 1: Von Egypten. Erlangen : Walther, 1771 (2. Auflage), S. 112 f. Der letzte Teilsatz ist fehlerhaft übersetzt worden. Im Original heißt es: “… where the common people have a notion that the holy family stay’d till the death of Herod.”
  10. Pococke, Richard: A Description of the east and some other countries ; Volume the First: Observations on Egypt. London : W. Bowyer, 1743, S. 75.
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