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Griechische Mythologie

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Athen ist nach der Göttin Athene benannt, der Gründer von Korinth war Sisyphos, im Orakel zu Delphi wurde Apollo verehrt, der Äskulap-Stab ist immer von einer Schlange umwunden, Hermes war der Götterbote und Gott der Diebe, alle vier Jahre sind die Olympischen Spiele. Diese Anleihe an die griechische Mythologie und Geschichte könnte noch weiter gesponnen werden. Griechenland ist mehr als Gyros, Tsatsiki und Ouzo, und einem Besucher schadet sicher nicht, wenn er die wichtigsten Gottheiten aus der Antike dem Namen nach kennt. Dafür ist diese Seite gemacht, für tiefer gehende und genauere Kenntnisse gibt es Lexika.

Der Olympische Zeus mit Nike, die Statue war eines der antiken Weltwunder. Gemälde im Museum von Olympia

Am Anfang war das Chaos[Bearbeiten]

oder: Die Erschaffung der Götter durch die Menschen. Gleich vorweg: die griechischen Gotter waren mächtig, aber nicht allmächtig. Aber sie waren unsterblich. Und sie hatten in vielen Dingen Ähnlichkeit mit den Menschen, vor allem, was ihre allzu menschlich anmutenden Schwächen anging. Allen voran Zeus, der mehr als 100 Nachkommen hatte, aber die wenigsten waren von einer standesgemäßen Ehefrau.

Griechenland ist groß und bergig. In der Vergangenheit war es sehr unwegsam. Die Griechen verehrten ihre Götter. Ihre Siedlungen lagen zum Teil recht weit auseinander, und die Vorstellungen über ihre Götter ebenso. Diese Mythen wurden weiter erzählt. Schriftliche Dokumente gab es ja noch nicht. Ein gewisser Hesiod versuchte dann mal, Ordnung in das Chaos zu bringen, indem er in epischer Breite die Theogonie, die Entstehung der Götter aufschrieb. Logischerweise beginnt er am Anfang, und der war Chaos.

Woher Chaos kam, verriet Hesiod nicht. Aber er versuchte, Struktur in das Durcheinander zu bringen. Es entstanden die Gottheiten der ersten Generation, logischerweise nur aus Chaos: Die erste davon war Gaia, oder Gea, die Erde. Sie galt als Muttergottheit, weil von ihr alles Lebendige kam, und sie war gleichzeitig Todesgottheit, weil sie am Ende alles wieder in sich aufnahm. Das waren nur zwei Aspekte derselben Gottheit, aber es gab viele davon. Die Geschwister von Gaia waren Tartaros, der böse Teil der abgrundtiefen Unterwelt, Eros, der Gott der Liebe, ferner Erebos und Nyx, sie verkörperten die Dunkelheit und die Nacht.

Pallas Athene, vor der Akademie der Wissenschaften in Athen

Von Gaia stammten auch der Himmel Uranos, das Meer Pontos und die Gebirge Ourea mit den Bergnymphen, Echo war eine von ihnen. Auch Nyx war nicht untätig, ihr entstammten unter anderem der Schlaf Hypnos, der Tod Thanatos, das Alter Geras, der Streit Eris und die Rache Nemesis. Nun wird es unübersichtlich, denn nun konnten sich diese Götter untereinander verbinden und neue Wesen schaffen. Und das taten sie zur Genüge. Aus der Verbindung zwischen Erebos und Nyx entstanden die Luft Aither, der Tag Hemera und Charon, der Fährmann zur Unterwelt. Nur einer aus der ersten Göttergeneration hielt sich erstaunlicherweise zurück: Eros war der einzige, von dem keine Nachkommen bekannt sind.

Apollon, Statue vor der Akademie der Wissenschaften in Athen

Gaia jedoch war schwer beschäftigt. Sie begann ein inzestiöses Verhältnis mit ihrem Sohn Uranos, aus dem gleich ein ganzes Dutzend Titanen hervorgingen, 6 davon waren männlich, die anderen 6 weiblich. Die bekanntesten von ihnen sind wohl Okeanos und Kronos. Auch mit ihrem Sohn Pontos hatte Gaia eine Beziehung, eines der daraus entstandenen Kinder war der Meresgott Nereus. Uranos und Gaia hatten noch einige weitere gemeinsamen Kinder, es waren die drei einäugigen Kyklopen und die drei Hekatocheiren, schreckliche Wesen mit hundert Armen und 50 Köpfen. Kein Wunder, dass Vater Uranos mit diesem Teil der Kinderschar alles andere als glücklich war. Er verbannte sie allesamt bei Onkel Tartaros an einem finsteren Ort, nur Kronos, der jüngste der Titanen, war gerade nicht anwesend. Aber Gaia liebte ihre Kinder, und so schwor sie Rache. Kronos war bereit, ihr zu helfen.

Als Uranos mal wieder seine Mutter besuchte, sprang ihr der Sohn zur Seite und entfernte mit einem scharfen Schnitt des Vaters Männlichkeit. Das unerwartete Opfer befruchtete ein letztes Mal Mutter Erde. Aus den Blutstropfen erwuchsen neben einer Reihe von Nymphen die Giganten und insbesondere die schrecklichen Erinnyen. Ein Teil des Opfers gelangte ins Meer. Es schäumte auf, und daraus entstand Aphrodite.

Nun hatte Kronos die Macht inne. Er befreite seine Titanenbrüder und heiratete seine Titanenschwester Rhea. Seine Eltern hatten ihm jedoch prophezeit, dass eines seiner Kinder ihn entmachten würde. Sobald Rhea ihm ein Kind geboren hatte, verschlang er es deshalb sofort. Nur bei dem letzten, dem kleinen Zeus, hatte er nicht aufgepasst. Anstelle des Kindes verspeiste er einen in Windeln gewickelten Stein. Zeus wurde auf Kreta von der Nymphe Amaltheia großgezogen, und dank der fürsorglichen Pflege mit reichlich Ziegenmilch wuchs er rasch heran. Er ging zu Kronos, besiegte ihn im Kampf und befreite seine unsterblichen Geschwister aus dessen Bauch. In alphabetischer Folge waren dies Demeter, Hades, Hera, Hestia und Poseidon. Wie damals üblich, teilten die Männer unter sich die Macht auf. Poseidon bekam das Meer, Hades die Unterwelt, und Zeus durfte sich als Chef auf dem Olymp häuslich niederlassen. Aber zuvor musste er noch den Kampf gegen Kronos und die Titanen gewinnen. Dies gelang nur, weil er die Kyklopen befreite, die ihm zum Dank Blitz und Donner schenkten.

Zeus hatte geheiratet. Seine Frau hieß Metis. Auch ihm wurde prophezeit, dass ihn einmal ein Sohn entmachten würde. Kurzerhand verspeiste er seine schwangere Ehefrau. Danach bekam er Kopfschmerzen, und Hephaistos zerschlug ihm auf sein Geheiß den Schädel, als Unsterblicher konnte er das riskieren. Aus seinem Kopf entsprang dann Töchterchen Athene in voller Rüstung, ein Mädchen, also blieb er der Chef.

Die Titanen waren besiegt und in den Tiefen des Tartarus gefangen. Aber Gaia war gekränkt. Sie gebar das Ungeheuer Typhon, das zusammen mit den Giganten in Richtung Olymp stürmte. Schließlich blieb Zeus nichts anderes übrig, als seinen mit Alkmene gezeugten Sohn Herakles zu Hilfe zu holen, da er über die Macht verfügte, die Giganten zu töten.

Endlich war es den Göttern möglich, in Ruhe auf dem Olymp zu sitzen, sich von Nektar und Ambrosia zu ernähren und friedlich miteinander zu leben, aber für Zeus war das auf Dauer zu langweilig, er ging lieber zu den Menschen und vergrößerte die Schar seiner Nachkommen.

Das göttliche Dutzend[Bearbeiten]

oder:Die 12 Götter am Firmensitz Olymp. Eigentlich gibt es dort mehr als 12 Götter. Gezählt werden aber nur die, die in der Hierarchie bedeutend sind, und das sehen nicht alle griechischen Schriftsteller gleich. Deshalb hier nur eine der bekanntesten Auflistungen.

Name des Gottes Römischer
Name
Beziehungen, Eigenschaften
Besonderheiten
Zeus Jupiter Sohn von Kronos und Rhea, wichtigster Gott in der griechischen Mythologie. Gatte der Metis und später der Hera. Er war verantwortlich für Blitz, Donner und Hagel. Ihm wurde Sinn für Gerechtigkeit nachgesagt. Er wird dargestellt mit einem Blitzbündel oder mit einem Adlerszepter.
Hera Juno Tochter von Kronos und Rhea, Schwester des Zeus. Sie wurde auch seine Gattin, nachdem sich Zeus ihr als Kuckuck genähert hatte. War eifersüchtig auf die Affären des Zeus. Familien-Göttin, Helferin in Nöten. Attribute: Kuckuck, Granatapfel, Pfau, Kopfbinde
Athene Minerva

Geboren aus der Stirn des Zeus, nachdem dieser ihre Mutter Metis, die Göttin der Vernunft, verschlungen hatte. Sie war Göttin der Städte, der Weisheit, der Strategie und des Kampfes, Schützerin der Dichter und Philosophen. Als Kind tötete sie versehentlich ihre Spielkameradin Pallas und trug daher auch deren Namen, weitere Beinamen sind Athene Parthenon, die jungfräuliche Göttin und Athene Promachos, die Kämpferin. Sie gewann den Wettbewerb mit Poseidon um die Gunst der Athener, als sie den ersten Olivenbaum schuf, daher ist die Akropolis ihr höchstes Heiligtum. Ihre Symbole sind der Ölbaum, der Helm, die Eule.

Poseidon Neptun Gott der Meere und der Pferde, verantwortlich für Erdbeben, Bruder des Zeus, war verheiratet mit Amphitrie, der Tochter des Nereus. Er war Vater des Triton. Dargestellt wird er mit Dreizack, mit Delfin oder mit Streitwagen.
Demeter Ceres Schwester und Geliebte des Zeus, Muttergottheit, Schutzgöttin des Ackerbaus, zuständig für die Jahreszeiten. Tochter Persephone stammt von Zeus. Attribute: Weizenähre, Mohn,
Apollon Apollo Gott des Lichtes, der Prophetie und der Musen, Sohn des Zeus und der Titanin Leto, Vater des Asklepios, Zwillingsbruder der Artemis. Er tötete die Schlange Python an einer Quelle bei Delphi. Dargestellt mit Pfeil und Bogen, auch mit einer Lyra.
Artemis Diana Jungfräuliche Göttin der Jagd, Tochter des Zeus und der Leto, frei, ungebunden, kinderlos, Schwester des Apollo. Symbole: Hirschkuh, Mondsichel.
Hermes Mercurius Er war der Sohn des Zeus, hervorgegangen aus einer außerehelichen Beziehung. Dennoch zählt er zu den olympischen Göttern. Zu seinen Erfindungen zählen die Tonleiter und die Leier, aber auch das Würfelspiel. Er war Götterbote, wird daher oft dargestellt mit Flügeln an den Schuhen. Auch war er Schutzgott der Reisenden und der Kaufleute, aber auch der Diebe. Eine seiner Aufgaben war, die Seelen der Verstorbenen zur Unterwelt zu führen.
Ares Mars Kriegsgott, Sohn von Zeus und Hera, Vater von Deimos und Phobos, hatte eine Affäre mit Aphrodite. Er tötete einen Sohn Poseidons, der seine Tochter vergewaltigte. Bei einer Gerichtsverhandlung wurde er freigesprochen. Der Gerichtshof wurde danach Areopag (Areshügel) genannt. Symbole: Speer, Schild, Helm, Fackel.
Aphrodite Venus Aus dem Meer geboren aus dem Blut und Samen des entmannten Uranos, Göttin der Schönheit und der Liebe, Gemahlin des Hephaistos, hatte mehrere Affären, Mutter von Äneas, Held vor Troja. Dargestellt mit Schwan, mit Taube, mit Gürtel, Spiegel, Muschel oder Apfel.
Hephaistos Vulcanus Gott der Schmiede, des Feuers, der Vulkane, guter Handwerker. Sohn von Zeus und Hera. Er wurde hinkend geboren und deshalb zunächst von der Mutter verstoßen. Als Wiedergutmachung mit Aphrodite vermählt, die ihm aber nicht treu blieb. Er schuf die Rüstungen für Herakles und Achilles. Dargestellt mit Schmiedehammer oder Zange.
Dionysos Bacchus Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Tochter des Zeus und der Semele. Er wurde aufgezogen von Nymphen, zog durch Griechenland, begleitet von den dämonischen Satyrn und dem Gott Pan. Verheiratet mit Ariadne, Tochter des kretischen Königs Minos. Attribute: Weintrauben, Weinranken, Reh- oder Pantherfell.

Das Dutzend hatte nicht immer die gleiche Besetzung. Anstelle von Dionysos war es einst Hestia, auch Hades wurde zu den zwölf olympischen Göttern gerechnet. Außerdem wohnten noch einige weniger wichtige Gottheiten auf dem Olymp.

Götter oder Menschen[Bearbeiten]

Blitze schleudernder Zeus

Niedere Götter und Halbgötter[Bearbeiten]

Außer dem olympischen Dutzend gab es noch eine ganze Reihe Götter, die als weniger wichtig erachtet wurden. Wegen ihrer großen Zahl seien daher nur einige davon aufgeführt:

  • Hestia, die jungfräuliche Göttin der Familie und des Herdfeuers, Schwester des Zeus
  • Harmonia, Göttin der Eintracht, Tochter von Ares und Aphrodite
  • Hebe, Göttin der Jugend, Tochter von Zeus und Hera
  • Hades, auch Pluton genannt, Gott der Unterwelt und seine Gemahlin Persephone
  • die Göttin der Morgenröte Eos, der Sonnengott Helios, die Mondgöttin Selene
  • der Hirtengott Pan, der wegen seiner Ziegenfüße keinen Platz im Olymp fand
  • die Siegesgöttin Nike
  • die Nereiden, 50 Töchter des Meeresgottes Nereus
  • die Musen, die Schutzgöttinnen der Künste
  • die drei Grazien, Töchter des Zeus
Sphinx, Museum in Delphi
  • Asklepios, der Gott der Heilkunst, Sohn des Apollon. Na ja, die Mutter des Asklepios war eine Sterbliche, aber er war der Sohn eines Gottes und daher unsterblich, also wurde er als Halbgott verehrt. Er war nicht der einzige dieser Art.
  • Herakles, ebenfalls ein Halbgott, gehört in diese Reihe, der Vater war - wie bei manch anderem Halbgott - ein gewisser Zeus, seine Mutter hieß Alkmene. Und diese stammte von einem mykenischen König, dieser wiederum war Sohn des Perseus. Dessen Mutter war eine gewisse Danaë, und der Vater - nun gut, ebenfalls ein gewisser Zeus. Also hatte Zeus eine Beziehung mit seiner eigenen Enkelin.

Götter, allzu menschlich[Bearbeiten]

Fabelwesen Greif, Museum Delphi

Überhaupt Zeus und seine amourösen Abenteuer. Er entflammte, sobald er eine schöne Frau unter den Sterblichen oder unter den Unsterblichen erblickte. Und er benutzte alle möglichen Tricks, um sich ihnen zu nähern. Da gibt es die etwas umstrittene Story von einer gewissen Leda. Um in ihre Nähe zu gelangen, verwandelte er sich in einen Schwan. Das Vorhaben gelang, und Leda gebar dann Eier, daraus entstand die Schöne Helena und die Zwillinge Castor und Pollux. Ein andermal fand er die phönizische Königstochter Europa so liebreizend, dass er sich in einen Stier verwandelte, um ihr nahe zu sein. Und so ging es weiter. Der Gott Hermes wurde bei einem one-night-stand mit einer der Pleiaden gezeugt, die Nymphe Kallisto wurde durch Zeus zur Mama und noch etliche mehr. Übrigens verliebte sich Zeus auch in einen gewissen Ganymed und machte ihn zum Mundschenk auf dem Olymp.

Auch der Gott Apollon war für seine Affären bekannt. Einmal stellte er der jungfräulichen Daphne nach, die deshalb von ihrem Vater in einen Loorbeerbusch verwandelt wurde. Sein bekanntester Sohn war Asklepios.

Der Meeresgott Poseidon nahm es mit seiner Ehe ebenfalls nicht so genau. Ausgerechnet mit Medusa hatte er eine Beziehung. Pallas Athene verpasste der Dame dann mit Schlangenhaaren und Schuppenpanzer ein schreckliches Outfit. Dem Helden Perseus gelang es, diese Schreckgestalt zu enthaupten. Dabei entsprang ihrem Kopf ein Pferd, sogar mit Flügeln. Pegasus hieß das stolze Ross.

Sagengestalten und Fabelwesen[Bearbeiten]

Wie man bei Pegasus sieht, konnten außergewöhnliche Tiere auch durch gewöhnliche Götter und Menschen gezeugt werden. Chimäre nennt man so etwas heute, das altgriechische Original hatte einen Löwenkopf, war teils Ziege und teils Schlange. Noch ein paar solche Kostproben:

  • ein Kentaur war halb Pferd, halb Mensch. Die meisten davon waren wild und unbeherrscht, der Kentaur Chiron bildete eine Ausnahme: er brachte Asklepios die Heilkunst bei und soll auch Achilles erzogen haben.
  • eine Sirene war halb Mensch und halb Vogel. Sirenen konnten durch ihren Gesang Männer betören, wie in der Odyssee berichtet wird.
  • der Minotauros, halb Mensch und halb Stier, lebte im Palast von Knossós und wurde von Theseus bezwungen.
  • die Sphinx war auch in Griechenland bekannt. Sie besaß den Körper eines Löwen und den Kopf einer Frau und hatte Flügel. Der Held Ödipus konnte die Stadt Theben von diesem Untier befreien.

Aufbau eines antiken griechischen Tempels[Bearbeiten]

Grundrissformen antiker griechischer Tempel

Das griechische Wort für Tempel ist Naos und bedeutet Wohnen. Dies bedeutet, dass diese Tempel als Wohnungen der Götter bzw. der für sie hergestellten Heiligtümer, Statuen, Geschenke etc. dienten, Kulthandlungen wie Opfer oder Anbetungen fanden im Freien statt. Insofern kann man auch viele kleine Gebäude innerhalb eines Tempelbezirks als Tempel bezeichnen, auch wenn man sie unter dem Namen Schatzhaus kennt.

Im Lauf der griechischen Geschichte haben sich die Tempelbauten enorm verändert. Waren es anfangs nur kleine Gebäude aus Ziegeln oder Holz, so entwickelten sie sich im Laufe der Jahrhunderte zu monumentalen, nach festen Regeln geplanten Hallen aus edlem Material. Nach der Eroberung durch die Römer übernahmen diese zwar einen Großteil der griechischen Götter, ihre Kulthandlungen waren jedoch anders, die in dieser Zeit erbauten Tempel entsprachen römischen Vorstellungen. Nach Einführung des Christentums endete dann eine knapp 1000-jährige Epoche der griechischen Tempelbaukunst.

Grundriss[Bearbeiten]

Antentempel dorischer Stil, im Fries Triglyphen und Metopen

Ein griechischer Tempel hatte prinzipiell einen Hauptraum, genannt Cella, in dem eine Statue aufgestellt war, in der sich Kultobjekte befanden. Die Seitenwände dieser Cella hießen Anten. Ein einfacher Tempeltypus ist ein Antentempel, er ist auf drei Seiten geschlossen, der Tempelraum Naos ist nach vorn geöffnet zum Vorraum Pronaos, der mit zwei Säulen gestützt ist. Wurden aus Symmetriegründen auch auf der Rückseite des Tempels Säulen angebracht, dann hieß der zugehörige Raum Opisthodom.

Eine einfache Abwandlung war, die Anten auf den Naos zu beschränken, dann musste der Pronaos auf der Frontseite mit mindestens vier Säulen gestützt werden. Diese Form nannte sich Prostylos.

Aufwändiger sind die Tempel, die mit einem Kranz von Säulen umgeben sind. Dadurch entsteht ein überdachter Umgang, genannt Pteron. Größere Tempel hatten auch mehrere Säulenkränze, manchmal waren an der Cella die Säulen auch nur durch Pilaster oder Halbsäulen angedeutet.

Für die Anzahl der Säulen gab es Regeln, die wohl auf ästhetischen Gründen beruhen. Die Anzahl der Frontsäulen war immer geradzahlig, die Zahl der Säulen an der Längsseite war dann das Doppelte dieser Zahl plus 1. Danach waren folgende Kombinationen üblich: 4 : 9, 6 : 13, 8 : 17

Anstelle der rechteckigen Form des Naos gab es auch einen Tholos genannten Rundbau mit vergleichbaren Variationen. Auch sie waren oft mit Säulen umgeben. Eine Besonderheit ist der nur aus einem überdachten Säulenrund bestehende Monopteros mit gut sichtbarer Kultfigur in der Mitte.

Aufbau[Bearbeiten]

Tempel der Concordia in Agrigent

Unterbau[Bearbeiten]

Jeder Bau fängt bei einem Fundament an. Und das musste bei den Tempeln sorgfältig gestaltet sein. Eine mehr als 10 m hohe Marmorsäule hat ihr Eigengewicht, und sie war dazu ausersehen, die Dachlast zu tragen. Daher wurde zuerst das unterirdische Fundament Stereobat mit Steinquadern geschaffen. Den Abschluss bildete die Eythynerie, eine absolut ebene Schicht. Jetzt erst begann das sichtbare mehrstufige Fundament, genannt Krepis. Die oberste Stufe hatte den Namen Stylobat', sie hatte die Säulen zu tragen oder Toichobat, da sie die Tempelwände Anten tragen musste.

Säulen[Bearbeiten]

Tympanon Zeustempel in Olympia, in der Mitte ein Kentaur

Je nach Baustil unterscheidet man die Säulen, am leichtesten an den Kapitellen, dem oberen Abschluss.

  • Dorische Säulen stehen in der Regel direkt auf dem Stylobat, sie werden nach oben hin schlanker, ihr Äußeres ist durch scharfkantige Kanelluren, rinnenförmige Aushöhlungen verziert. Das dorische Kapitell ist schlicht: Am oberen Ende ist der wulstige Säulenhals Echinus, darauf sitzt eine quadratische Platte, genannt Abakus, auf dem das Gebälk ruht.
  • Ionische Säulen stehen auf einer Basis, sie haben ebenfalls Kanneluren, die jedoch stumpfer ausgeführt sind. Der Säulenhals ist verziert mit Voluten, schneckenförmig gedrehten Ornament, darauf liegt eine kleine Abakus-Platte.
  • Korinthische Säulen stehen auf einem Sockel, der attischen Basis. Ihre Kanneluren sind ähnlich denen der ionischen Säulen, jedoch des öfteren noch verziert. Das korinthische Kapitell ist als Grundform kelchförmig, es ist verziert mit Akanthusblättern, auch der Abakus ist damit verziert.

Gebälk[Bearbeiten]

Löwenkopf als Wasserspeier, Apollon-Tempel, Museum Delphi

Der Teil oberhalb der Säulen ist der Architrav, er besteht aus waagerechten Balken, die auf den Kapitellen der Säulen aufliegen. Darüber läuft ein Fries um den gesamten Tempel, er teilt sich in die etwas vorstehenden Triglyphen, zwischen denen die Platten der Metopen angebracht waren. Meist waren die Metopen als reich verzierte Reliefs ausgebildet, darauf wurden zum Teil ganze Geschichten dargestellt. Oberhalb des Frieses folgte Gesims Geison und der Sima der Rand des Daches mit seinen Wasserspeiern, häufig als Tierköpfe ausgebildet. An den Stirnseiten des Tempels bildete das Gesims ein Giebeldreieck, das Tympanon war in der Regel reich verziert mit Reliefs oder auch vollplastischen Figuren.

Götterverehrung[Bearbeiten]

Opfer und Opfergaben[Bearbeiten]

Die griechischen Götter hatten sehr viele sehr menschliche Eigenschaften, angefangen beim Aussehen, das sie jedoch teilweise beliebig verändern konnten. Sie waren liebevoll, eifersüchtig, zornig und fürsorglich. Ihnen wurde die gesamte Bandbreite des menschklichen Verhaltens nachgesagt. Sie wurden verehrt, es wurden für sie Tempel und andere Heiligtümer gebaut, und ihnen wurde geopfert. Nicht gerade wenig, wenn man von dem dafür geläufigen Begriff Hekatombe ausgeht: 100 Rinder (in Worten: einhundert!) wurden zu Ehren der Gottheit geschlachtet. Nicht im Tempel, der war ja als Wohnung des Gottes errichtet, sondern draußen auf einem Alter oder auch auf mehreren. Auch der bedeutendste Gott konnte mit 100 Rindern nichts anfangen, also diente das Fleisch als Opfermahl für die Anwesenden. Ein Opfer war es damit in erster Linie für den Spender, oft war es die Polis, also die öffentliche Hand. Später waren es dann auch Ziegen und Schafe, und mit den hundert nahm man es auch nicht mehr so genau, ein Dutzend reichte auch, der Begriff Hekatombe aber blieb.

Anstelle von Tieropfern wurden auch andere Speisen geopfert, Wein war ebenfalls eine beliebte Opfergabe. Man konnte dem Gott aber auch Geschenke bringen: kleien Statuen, goldene oder bronzene Plaketten. Diese wanderten dann zum Tempelinventar oder in die eigens für diese Zwecke errichteten Schatzhäuser wie beim Orakel in Delphi oder bei den Sportstätten von Olympia.

Kulturelle Verehrung[Bearbeiten]

Olympia, das war eine andere Form der Verehrung, der faire sportliche Wettstreit ehrlicher Sporter. Auch wenn es darunter des öfteren schwarze Schafe gab. Nicht nur in Olympia, sondern praktisch in jeder größeren Polis wurden solche panhellenischen Spiele durchgeführt, dazu gehörten auch die Pythischen Spiele in Delphi, die Isthmischen Spiele in Korinth und die Nemeischen Spiele in Nemea. Es waren nicht nur sportliche Wettkämpfe, bei den Pythischen Spielen und der Asklepieia in Epidauros waren auch Musik- und Gesangsvorführungen dabei nach dem Motto Asklepios sucht den Superstar. Bei solchen Wettstreiten versuchte sich auch Kaiser Nero in die Siegerlisten einzutragen.

Orakel[Bearbeiten]

Ein Versuch, mit den Göttern in Kontakt zu treten, waren die Orakel. Das bekannteste ist in Delphi, aber auch in Olympia und in Dodona gab es Orakelstätten. Eine besondere Form war das Nekromanteion, das Totenorakel nahe Ephyra bei dem heutigen Ort Parga, dort versuchte man, mit seinen lieben Verstorbenen in Kontakt zu treten. Orakel gab es auch in Kleinasien in Didymos und in Klaros.

Bedeutende Kultstätten[Bearbeiten]

Bei der Fülle der Tempelanlagen sind hier nur einige wenige repräsentative bzw. gut erhaltene Heiligtümer und Tempelanlagen aufgeführt.

Ort Art des Heiligtums, verehrte Gottheit
Athen Akropolis: Parthenon-Tempel, der Athene geweiht, Athena-Nike-Tempel, Erechtheion

Olympeion, Zeus geweiht

Ägina Aphaia-Tempel, Apollon-Tempel
Agrigent Concordia-Tempel, Hera-Tempel, Herakles-Tempel, Asklepios
Delphi Orakelstätte: Heiligtum des Apollon, Tempel der Aphrodite (Tholos),
Ephesus Artemis-Tempel
Epidauros Asklepeion, antikes Heilbad und Tempelanlage
Gerasa Artemis-Tempel, Zeus-Tempel, Nymphäum
Korinth Apollotempel
Olympia Zeus-Tempel, Hera-Tempel, Nymphäum
Paestum Hera-Tempel, Poseidon-Tempel
Pergamon Zeus-Altar, Asklepieion, Hera-Tempel
Selinunt mehrere Tempel, geweiht Hera und Demeter
Syrakus Hierons Opferaltar, Heiligtum für Demeter, Kore-Heiligtum (Persephone)

Darstellung[Bearbeiten]

Bogenschütze "Paris" aus dem Aphaia-Tempel in Ägina, Ausstellung "Bunte Götter der Antike", Pergamon-Museum Berlin 2010

Traditionell hat man die Tempel und Statuen in schlichtem Weiß des edlen Marmors im Gedächtnis, und man kann sich nicht vorstellen, diese Gebäude und Figuren in schrillen bunten Farben zu sehen. Diese Farbigkeit war jedoch aus schriftlichen Überlieferungen bekannt. Reste von Farbpigmenten ermöglichen mit Hilfe moderner spektroskopischer Verfahren die ursprüngliche Farbgebung zu rekonstruieren. Die Ergebnisse dieser Forschungen werden seit 2003 gezeigt in einer Wanderausstellung Bunte Götter der Antike.

Literatur[Bearbeiten]

  • Zeus & Co, Griechische Mythologie - mal ganz anders. Otus Verlag St. Gallen, 2005, ISBN 978-3-907-200-31-5, S. 128.
  • Dimiter Inkiow: Als Zeus der Kragen platzte. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2008 (2. Aufl.. Auflage), ISBN 978-3-423-71243-9; 135. 5,95 €
  • Katerina Servi: Griechische Mythologie. Ekdotike Athenon, 2011, ISBN 960-213-375-9, S. 184. 10 €

Weblinks[Bearbeiten]

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