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Ḥeiz

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el-Ḥeiz ·الحيز
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El-Heiz (auch el-Haiz, el-Hayz, el-Hayez, el-Héz, arabisch: ‏الحيز‎, al-Ḥaiz) ist eine Senke im Süden des Oasengürtels el-Bahrīya in der Westlichen Wüste in Ägypten. Sie befindet sich etwa 50 Kilometer südwestlich von el-Bāwīṭī und im Süden der Schwarzen Wüste. In der Senke befinden sich beeindruckende Landschaften und einige archäologische Zeugnisse.

Hintergrund[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Lageplan von el-Ḥeiz

Die Senke ist mindestens seit dem frühen und mittleren Holozän (etwa 6000–7000 v. Chr.) besiedelt. Seine Bewohner lebten als Jäger und Sammler in kleinen Gruppen auf Flächen von 20–80 Quadratmetern am Rande von aus Niederschlägen entstandenen und somit kurzlebigen Seen (Playa-Seen). Das größte Anwesen umfasste 2000 Quadratmeter. Archäologische Funde waren Mahlsteine, Pfeilspitzen, Schaber, tierische Überreste, Schalen von Straußeneiern und Steinwerkzeuge.

Von hier stammen auch die ältesten Belege für die gesamte Senke el-Bahrīya aus dem altägyptischen Alten Reich. Tschechische Archäologen unter Leitung von Miroslav Bárta legten Teile einer Siedlung im Bereich von Qārat el-Abyaḍ frei.[1]

Jüngere Zeugnisse, Bauten, Gräber und beschriftete Steinscherben (Ostraka), stammen hauptsächlich aus römischer und koptischer Zeit. Die christlichen Hinterlassenschaften in el-Ḥeiz, insbesondere im Umfeld von ʿAin Rīs, zählen zu den bedeutendsten in der Senke el-Baḥrīya. Aus arabischer Zeit liegen Berichte vom arabisch-spanischen Historiker el-Bakrī (1014–1094), der erwähnt, dass im 11. Jahrhundert Christen und Muslime in el-Ḥeiz zusammen gelebt haben, und vom koptischen Historiker Abū el-Makārim (* vor 1160; † nach 1190) in der Überlieferung durch Abū Ṣāliḥ dem Armenier vor (siehe unter ʿAin Rīs). 1950 wurde in el-Ḥeiz ein bedeutendes islamisches Dokument der Rechtsgeschichte aus mamelukischer Zeit gefunden.[2] In dem Ehevertrag vom 12. Juni 1348 (14. RabīʿI 749 AH) wurden der Braut Zuheira, Tochter des Mūsā bin Ǧaʿfar, 1301 2/3 Silberdirham als Ehegeschenk ihres zukünftigen Gatten Masʿūd zugesichert. Sofort erhielt sie aber nur 300. Die Braut hatte den Vertrag in ein altes koptisches Stofftuch aus dem 8. Jahrhundert gewickelt und versteckt, um ihren Anspruch immer wider belegen zu können.

Die Senke wurde wohl in allen Zeiten immer als zu el-Bahrīya gehörig gehalten und wurde deshalb nie separat gelistet.

Bereits früh wird el-Ḥeiz von Reisenden aufgesucht und beschrieben. Giovanni Battista Belzoni (1778–1823) besuchte die Senke 1818 und erwähnte Gebäude eines antiken Dorfes und die Kirche.[3] Frédéric Cailliaud (1787–1869) folgte ihm ein Jahr später und hinterließ die erste und lange Zeit einzige Beschreibung der antiken Stätten im Bereich der Kirche bei ʿAin Rīs.[4] 1825 weilte hier John Gardner Wilkinson (1797–1875) und gibt eine kurze Beschreibung der Kirche.[5]

1938 und 1942 erfolgten umfangreiche Untersuchungen durch Ahmed Fakhry (1905–1973). 1988 wurde im Bereich der sog. Römischen Festung eine Weinkelterei gefunden, seit 1993 gibt es durch Zahi Hawass Prospektionsarbeiten und Grabungen. Etwa seit 2000 gräbt hier auch ein tschechisches Team unter Leitung von Miroslav Bárta von der Karlsuniversität Prag, seit 2003 hauptsächlich im Gebiet von Bʾir Schawīsch, wo Siedlungsreste und Felsengräber gefunden wurden.[6]

Lage und Bevölkerung[Bearbeiten]

In der Senke el-Ḥeiz gibt es fünf Weiler, die sich um die hiesigen Quellen gruppieren. So verwundertes nicht, dass sie alle das Wort ʿAin für Quelle im Namen tragen.

Die meisten Überreste, von den Friedhöfen abgesehen, befinden sich in der Nähe der Quellen. Dies sind in der Regel Wohnbauten aus Lehmziegeln. In den Felsen wurden häufig Gräber angelegt.

Ein Teil der Bevölkerung ist libyschen Ursprungs.

Anreise[Bearbeiten]

El-Ḥeiz lässt sich leicht über die Fernverkehrsstraße von el-Bawiti nach el-Farāfra erreichen.

Mobilität[Bearbeiten]

Die Weiler lassen sich allesamt über asphaltierte Straßen erreichen. In den Dörfern gibt es auch festgefahrene Sandpisten. Die wichtigsten archäologischen Stätten befinden sich in Straßennähe, so dass man nicht unbedingt geländegängige Fahrzeuge (4×4) benötigt. Auch Motorräder eignen sich für die Fortbewegung. Gerade im Bereich der archäologischen Stätten wird man sich auf seine Füße verlassen müssen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sog. Lehmlöwen im Osten des Gebel el-Manṣaf
Sog. römische Festung
Felsengräber von Bʾir Schawīsch

Landschaften[Bearbeiten]

Auf der Fahrt nach el-Ḥeiz befinden sich auf der östlichen Straßenseite zwei beeindruckende Berge: der 1 Gebel Zuqāq (28° 9′ 35″ N 28° 43′ 56″ O) und der 2 Gebel el-Manṣaf (28° 1′ 20″ N 28° 40′ 8″ O), arabisch: ‏جبل المنصف‎, „Berg der Hälfte“. Der Gebel el-Manṣaf befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen ʿAin Rīs und ʿAin el-ʿIzza.

Östlich des Gebel el-Manṣaf befinden sich die sog. 3 Lehm- oder Schlammlöwen (28° 1′ 31″ N 28° 40′ 37″ O), engl. mud lions, die Überreste einer Seenlandschaft darstellen und heutzutage verwittert sind (eine Art von Yardangs).

Weiler und archäologische Stätten[Bearbeiten]

  • 2 ʿAin el-ʿIzza ist ein weiterer sehr schöner Weiler. Auch in seiner Nähe befinden sich antike Hinterlassenschaften wie Felsengräber. Für die Bewohner ist das Grab des Scheichs Chalīl von besonderer Bedeutung.
  • 3 ʿAin Ṭabl Āmūn ist der nördlichste Weiler in el-Ḥeiz. Auch wenn sein Name „die Trommel des Amun“ alt klingt, antike Stätten gibt es hier nicht. Der alte Weiler im Osten lohnt einen Besuch.
  • Der Weiler 4 ʿAin el-Gumʿa (28° 1′ 52″ N 28° 42′ 16″ O), arabisch: ‏عين جمعة‎, ʿAin Gummʿa, dessen Name sich von seinem Eigentümer ableitet, befindet sich östlich der Fernverkehrsstraße nach el-Farāfra auf dem Weg nach ʿAin Ṭabl Āmūn und etwa 2 Kilometer westlich vor ʿAin Ṭabl Āmūn. In ihm lebten 1980 etwa 50 Einwohner in fünf Gehöften. Auf 24 Feddān (10 Hektar) Land wuchsen etwa 1.100 Palmen, 150 Olivenbäume und 170 Aprikosenbäume. Das Wasser wurde aus vier „römischen“, d.h. alten, Quellen bezogen.[7]
  • Der Weiler 5 el-ʿAin el-Gharbīya (28° 3′ 16″ N 28° 37′ 18″ O), (arabisch: ‏العين الغربية‎, al-ʿAin al-Gharbīya, „die westliche Quelle“, befindet sich etwa 3 Kilometer nordwestlich von ʿAin el-ʿIzza. In ihm lebten 1980 etwa 185 Einwohner in 29 Gehöften. Auf 20 Feddān (8,5 Hektar) Land wuchsen etwa 550 Palmen, 80 Olivenbäume und 200 Aprikosenbäume. Das Wasser wurde aus sieben „römischen“ und drei neuen privaten Quellen bezogen.[7]
  • 6 Bʾir Schawīsch (28° 2′ 51″ N 28° 38′ 51″ O), arabisch: ‏بئر شويش‎, benannt nach einem Ahmad Schawisch, der hier 1950 einen Brunnen anlegte, ist heute unbewohnt, aber eine sicher wichtige archäologische Stätte. Grabungen wurden hier seit 2003 durch ein tschechisches Grabungsteam vorgenommen und Felsengräber und Siedlungsreste erforscht.

Küche[Bearbeiten]

Restaurants findet man in el-Bāwīṭī oder el-Farāfra.

Unterkunft[Bearbeiten]

Eine Unterkunft wählt man üblicherweise in el-Bāwīṭī oder el-Farāfra. Vor Ort gibt es nur ein Camp.

1 Garden under the Moon (Le Jardin sous la Lune). Mobil: +20 (0)122 423 6580, (0)128 813 5867, E-Mail: . Das 2004 errichtete Camp befindet sich zwischen dem Gebel el-Zuqāq und dem Gebel Manṣaf, kurz vor dem Abzweig nach ʿAin Ṭabl Āmūn, auf der westlichen Straßenseite Das Camp verfügt über acht Doppelhütten und zehn Doppelzimmer in traditionellen Häusern. Zum Camp gehören zwei Restaurants, ein Gemeinschaftsbad und ein Swimming-Pool. Man bietet auch Golfmöglichkeiten an – nicht auf dem Rasen, sondern im Sand. (28° 2′ 1″ N 28° 41′ 54″ O)

Ausflüge[Bearbeiten]

Ein Besuch der Senke el-Ḥeiz lässt sich mit dem der Schwarzen und/oder Weißen Wüste sowie mit einer Weiterfahrt in die Senke el-Farāfra verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fakhry, Ahmed: Baḥria Oasis, vol. II. Cairo : Government Press, 1950, S. 49–67, Tafeln XXXVI–XLIV (englisch).
  • Fakhry, Ahmed: The oases of Egypt. Vol. II: Bahrīyah and Farafra Oases. Cairo : The American Univ. in Cairo Pr., 1974, ISBN 978-9774247323, S. 112–124 (englisch).
  • Hassan, Fekri A.: Baharia Oasis. In: Bard, Kathryn A. (Hg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. London, New York : Routledge, 1999, ISBN 978-0-415-18589-9, S. 164.
  • Hawass, Zahi: Das Tal der Goldenen Mumien: die neueste und großartigste archäologische Entdeckung unserer Tage. Bern; München; Wien : Scherz, 2000, ISBN 978-3502153009, S. 148–167.

Einzelnachweise

  1. El-Aref, Nevine: The tale of a city (archivierte Version vom 14. August 2007 im Internet Archive archive.org), Bericht der Al-Ahram Weekly vom 9. August 2007.
  2. Grohmann, Adolf: Einige arabische Ostraka und ein Ehevertrag aus der Oase Baḥrīya, in: Studi in onore di Aristide Calderini e Roberto Paribeni ; 2: Studi di Papirologia e antichitá orientali, Milano : Casa ed. Ceschina, 1957, S. 499–509.
  3. Belzoni, Giovanni Battista: Narrative of the operations and recent discoveries within the pyramids, temples, tombs, and excavations in Egypt and Nubia; and of a journey to the coast of the Red Sea, in search of the ancient Berenice and another to the oasis of Jupiter Ammon, London: Murray, 1820, Textband, S. 427 ff.
  4. Cailliaud, Frédéric: Voyage a Méroé, au fleuve blanc, au-delà de Fâzoql dans le midi du Royaume de Sennâr, a Syouah et dans cinq autres oasis ..., Paris : Imprimerie Royale, 1823–1826, Textband I, S. 192 ff., Atlas Band II, Tafel XXXVI.
  5. Wilkinson, John Gardner: Modern Egypt and Thebes : being a description of Egypt ; including the information required for travellers in that country, Bd. 2. London : Murray, 1843, S. 361.
  6. Bárta, Miroslav: Ostrovy zapomnění : El-Héz a české výzkumy v egyptské Západní poušti. Prag : Dokořán, 2009, ISBN 978-8073632465.
  7. 7,0 7,1 Bliss, Frank: Oasenleben : die ägyptischen Oasen Bahriya und Farafra in Vergangenheit und Gegenwart, Bonn, 2006, S. 49.
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