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Zeitūn

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ez-Zeitūn ·الزيتون
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Die Brunnengemarkung (arabisch: ḥaṭīyat) ez-Zeitun (arabisch: ‏الزيتون‎, az-Zaitūn, „die Oliven“) oder ez-Zeituna (arabisch: ‏الزيتونة‎, az-Zaitūna, „die Olive“) ist ein seit 1975 unbewohntes Dorf im Südosten der Stadt Siwa am Ostufer des Salzsees Birkat ez-Zeitūn, etwa 5 Kilometer südöstlich von Abū Schurūf, das sich auf einem Felsplateau befindet.

Hintergrund[Bearbeiten]

Bei dem Dorf handelt es sich um eine Gründung der Sanūsī-Bruderschaft im 19. Jahrhundert. Um 1890 wurden hier 100 Bewohner gezählt.[1] Georg Steindorff berichtete 1900, dass der Ort 60 Einwohner hatte, die meist aus dem Sudan stammten und als Arbeiter bzw. Sklaven der Sanūsī-Bruderschaft dienten. Auch 40 Jahre später wohnten hier 60 Personen.

Bis zur Ansiedlung von Schiheibāt-Nomaden in ʿAin Ṣāfī war dies der östlichste bewohnte Ort in der Senke Siwa. Das Dorf verfügte über bedeutende Gärten im Norden, die bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges im Besitz der Sanūsī-Bruderschaft waren und die von den hier wohnenden Sudanesen bewirtschaftet wurden.

Wie Ahmed Fakhry (1905–1973) berichtete, wurden bei Luftangriffen der italienischen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg mehrere Häuser zerstört. Die Einwohner suchten im antiken Steingebäude Schutz vor den Angriffen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Dorf vorerst unter Verwaltung des Landwirtschafts-Ministeriums, das das Dorf dann an den reichen Siwaner ʿAlī Ḥaida verkaufte. Seine anfänglichen Bemühungen zur Bewässerung wurden durch die Landreform von 1952 zunichte gemacht.

Das antike Steingebäude weist aus, dass der Ort bereits in griechischer Zeit besiedelt war. Zudem befanden sich in der Nähe des Dorfes antike Friedhöfe, die Parallelen zum Friedhof von Abū el-ʿAuwāf aufwiesen. In antiker Zeit war die Siedlung somit die letzte Station auf dem Weg in die Senke el-Baḥrīya. Weitere antike Gebäude im Umfeld des modernen Dorfes stehen noch bis zu drei Metern an. Im Norden der Siedlung befanden sich größere Bauten mit Steinsetzung im Untergeschoss.

Gerhard Rohlfs (1831–1896) kam mit seiner Expedition Ende Februar 1874 hier vorbei. Man riet ihm aber davon ab, die Stadt zu besuchen, da die Expeditionsmitglieder eventuell von den Sklaven der Sanūsī-Bruderschaft belästigt werden könnten. Georg Steindorff (1861–1951) kam am 4. Januar 1900 nach ez-Zeitūn und stellte fest, dass die Angst vor den Einwohnern grundlos sei. 1938 wurden die antiken Stätten von Ahmed Fakhry untersucht. Im März 2009 waren die antiken Hinterlassenschaften wieder Gegenstand neuer Untersuchungen von Michael Heinzelmann mit seinem Grabungsteam von der Universität Köln.

Anreise[Bearbeiten]

Für die Anreise kann man die Asphaltstraße von Siwa über den Zeitūn-See nach ʿAin Ṣāfī benutzen. Das Dorf muss man zu Fuß ergründen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Mihrab der der Moschee von ez-Zeitūn
Außenmauer des antiken Steingebäudes von ez-Zeitūn
Im Inneren der Moschee von ez-Zeitūn
Im Inneren des Steingebäudes von ez-Zeitūn

Die älteste Sehenswürdigkeit ist zweifelsohne des 1 Steingebäude (29° 9′ 6″ N 25° 47′ 20″ O), das vom modernen Dorf regelrecht umzingelt ist. Die antike Siedlung war aber deutlich größer als das moderne Dorf. Sie erstreckte sich etwa über 600 Meter von Norden nach Süden und nahm eine Fläche von etwa 20 Hektar ein.

Das acht 8,8 Meter lange, 4,2 Meter breite und 3,2 Meter hohe, aus Kalksteinquadern errichtete Gebäude ist außen leicht geböscht und wird nach oben mit einer Hohlkehle abgeschlossen. Es besitzt zwei gleich große, hintereinander liegende Räume mit falschem Gewölbe, die man vom Eingang an der östlichen Schmalseite erreicht. Die Tür zum hinteren Raum wurde mit einer Hohlkehle und der Darstellung einer geflügelten Sonnenscheibe geschmückt. Im Tempel wurden einige dekorierte Steine gefunden, die möglicherweise von anderen Tempeln stammten. Außer dem genannten Bauschmuck gibt es keine weiteren Dekorationen.

Fakhry vermutete in dem Gebäude einen Tempel. Heinzelmann glaubt dagegen, dass es sich hierbei um einen Grabbau handelt, wobei der hintere Raum als Grabkammer diente. Parallelen zu diesem Bau gäbe es z. B. in Tūna el-Gebel. Funde, die eine der genannten Hypothesen unterstützen könnten, gibt es bisher nicht.

Natürlich ist das Dorf heute selbst zur Sehenswürdigkeit geworden. Zu den interessierenden Einrichtungen gehören die 2 alte Moschee (29° 9′ 6″ N 25° 47′ 20″ O) südlich des Tempels, eine 3 Ölpresse (29° 9′ 6″ N 25° 47′ 27″ O) und ein großräumiger Platz im Norden des Dorfes.

Küche[Bearbeiten]

Restaurants gibt es in der nahe gelegenen Stadt Siwa. Eine kleine Raststätte gibt es auch in Abū Schurūf am Quellsee.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte gibt es in der nahe gelegenen Stadt Siwa.

Ausflüge[Bearbeiten]

Den Besuch der archäologischen Stätte lässt sich mit dem von ʿAin Qureischat, Abū Schurūf, ʿAin Ṣāfī und Abū el-ʿAuwāf verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bliss, Frank: Siwa – die Oase des Sonnengottes : Leben in einer ägyptischen Oase vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Bonn : Politischer Arbeitskreis Schulen (PAS), 1998, (Beiträge zur Kulturkunde ; 18), ISBN 978-3-921876-21-3 (Pb), ISBN 978-3-921876-22-0 (Leinen), S. 35.
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