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Thannenkirch

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Thannenkirch
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Thannenkirch ist ein von Wiesen und Wäldern umgebenes kleines Dorf im französischen Elsass und Mitglied des Verbandes der Pays de Ribeauvillé et Riquewihr.

Das Dorf liegt an der D 42 und D 481 zwischen Bergheim im Süden Lièpvre im nördlichen Bas-Rhin.

Hintergrund[Bearbeiten]

Wappen

Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt am Fuße der Taennchel-Bergkette mit der höchsten Erhebung Le Ramelstein (988 m) und wurde 1997 als Station verte ("Grüner Ferienort") klassifiziert. Die Lage des Ortes bietet eine hervorragende Aussicht auf die Oberrheinebene und die Höhenzüge des Schwarzwaldes.

Einiges zur Geschichte[Bearbeiten]

Die Legende berichtet, dass sich im 10. Jahrhundert ein Eremit in der Nähe einer Quelle und unter einer riesigen Tanne niedergelassen und eine Kapelle gebaut habe, die er der Hl. Anna weihte. Zug um Zug ließen sich hier Waldarbeiter und Köhler aus Lothringen nieder. Die bischöflichen Archive von Basel weisen hier eine Kapelle auf mit dem Namen Templum Sanctae Annae supra Berkem ("Sankt-Anna-Kapelle oberhalb von Bergheim"). Im 12. bis 13. Jahrhundert gehörte der Ort zur Gutsherrschaft von Rathsamshausen, einem elsässischen Adelsgeschlecht, das auf einer inzwischen niedergegangenen Burg bei Sélestat residierte. Seit dieser Zeit trug der Ort unterschiedliche Namen: Thankilch bis 1280, D'Annakerich, dann von 1320 bis 1626 Tannenkilch, Dannenkilch, Dannekilch, Annakilch, Sankt-Annakirch und schließlich, seit dem Dreißigjährigen Krieg, Thannenkirch. Im Jahre 1470 fiel der Ort als Lehen an das Haus Ribeaupierre in Ribeauvillé, im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) verließen fast alle Einwohner den Ort, der danach durch den Zuzug Fremder wieder bevölkert wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts waren die wichtigsten Einkünfte der Bewohner die Erlöse aus Holz- und Kohlewirtschaft sowie Tierzucht. Mit Aufkommen der Industrialisierung und dem Aufschwung der Textilwirtschaft im nur 10 km entfernten Lièpvre kam auch Thannenkirch mit der handwerklichen Textilverarbeitung zu bescheidenem Wohlstand. 1924 erhielt der Ort den Status als Luftkurtort für Lungenkranke, ähnlich wie, aber später als Aubure. Während des Zweiten Weltkriegs benannten die Nazis den Ort um, indem sie das h hinter dem T wegließen, was für einige Verwirrung bei der postalischen Zustellung führte, weil es einen gleichnamigen Ort auch in Baden gab. Seit 1958 heißt er wieder wie heute: Thannenkirch.

Das Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: (Quelle: Wappenbuch der Gemeinden in Haut-Rhin von 1981)

parti : au premier d'argent au sapin de sinople, futé et arraché de sable, au second de gueules au portail d'église d'or, ouvert et ajouré du champ, sur une terrasse de sinople.
Prosaübersetzung (nicht exakt heraldisch): "Zunächst auf Silber eine grüne Tanne, mit schwarzem und herausgerissenem Stamm, dann auf Rot eine goldene Kirche, offen und vom Feld durchbrochen, auf grünem Grund."
Das Wappen stellt die beiden namensgebenden Objekte dar, Tanne und Kirche.

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Die nächsten Verkehrsflughäfen sind der Flughafen Straßburg Website dieser Einrichtung Flughafen Straßburg in der Enzyklopädie Wikipedia Flughafen Straßburg im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsFlughafen Straßburg (Q1165367) in der Datenbank Wikidata (IATA: SXB), 55 km und der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg Website dieser Einrichtung EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg in der Enzyklopädie Wikipedia EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsEuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg (Q156971) in der Datenbank Wikidata (IATA: BSL, MLH, EAP) , 81 km.

Der Flugplatz Colmar-Houssen (16 km entfernt) erlaubt das Landen kleiner Privatflugzeuge.

Mit dem Auto[Bearbeiten]

Die Anreise mit dem Auto erfolgt

  • von Norden und Süden über die A35 Autoroute Alsacienne, N 83, Symbol: AS 18 Ostheim, dann über die D 1 bis und D 6 in die Ortsmitte.
  • von Westen aus dem Landesinneren (Sainte-Croix-aux-Mines) über die N 59 bis Lièpvre und D 481 zur Departementsgrenze, dann auf der jetzt heißenden D 42 und die D 1bis über Saint-Hippolyte, von dort direkt in den Ort.
  • von Osten: Der nächste Rheinübergang nach Deutschland ist bei Marckolsheim (24 km)

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Einen Bahnhof hat der Ort nicht. Der nächstliegende Bahnhof mit TGV-Halt ist in Sélestat.

Mit dem Bus[Bearbeiten]

Ein Bus der Linie 109 verbindet den Ort alle 4 Stunden mit Colmar. Eine Busverbindung nach Sélestat gibt es nicht, man fährt mit der gleichen Buslinie nach Colmar und dann mit dem Zug nach Selestat.

Mobilität[Bearbeiten]

Karte von Thannenkirch

Der Ort ist nicht wie viele andere der Region von Weinbergen umgeben, sondern von Wiesen und Wäldern. Die Hauptstraße Rue Sainte-Anne zieht sich in einigen Windungen durch den Ort, wobei sie auch Steigungen und Gefälle hat.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bilder aus Thannenkirch
Blick auf Thannenkirch von Süden

Bei einer Besichtigung des Ortes sollte man auf die vielen Zunftzeichen, Erbauungsjahre und Initialen des Hausbesitzers achten, die meist am Türsturz des Hauseingangs oder im Zenit von Torbögen zu sehen sind, auf die im Folgenden nicht im einzelnen eingegangen wird. Es bedeuten:

  • Ein Hammer, mit zwei Zwingen gekreuzt: der Küfer (Böttcher)
  • Der Kaufmann zeigt eine "4" stellvertretend für die 4 Segel eines Waren transportierenden Schiffes
  • Der Winzer hat ein Rebmesser (Cerpette) als Zunftzeichen
  • Ein Stern ist das Zeichen des vereidigten "Weinschmeckers", eines Vermittlers zwischen Winzern und Weinhändlern oder Konsumenten (Weinkommissionär).
  • Der Hufschmied zeigt ein Hufeisen, das einen Hammer umgibt, der wiederum von einer Zange gekreuzt wird
  • Der Zimmermann hat Nägel und eine Säge im Zunftzeichen
  • Ein Hobel steht für den Tischler
  • Eine Swastika sieht wie ein Hakenkreuz aus, seine Bedeutung ist aber umstritten

Auf der D 42 von Bergheim kommend, gibt es kurz vor Ortsbeginn eine scharfe Rechtskurve, in deren Scheitel nach links ein Weg abbiegt, der zu einem Parkplatz nach 100 m führt, wo man eine Ortsbesichtigung beginnen kann. Hier ist auch die erste Sehenswürdigkeit gleich gegenüber auf dem Feld.

  • 1 Croix des rogations - Das Bittstellerkreuz stammt aus dem Jahre 1814, als in den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt Bittprozessionen durch den Ort gingen, die den göttlichen Segen für Feld und Flur erbaten.

Der nächste Punkt ist einer der neun Brunnen des Ortes, die ihn mit kristallklarem Wasser versorgten. Einige Brunnen sind von einem lokalen Holzschnitzer verziert. Zum Osterfest werden die Brunnen österlich geschmückt.

  • 2 Fontaine - Dieser Brunnen besteht aus einem Sandsteinblock des Thaennchen-Massivs.
  • 3 École - Hier war die erste Schule des Ortes, deren erster Lehrer in Unterlagen des Jahres 1629 erwähnt ist, Christoph de Remiremont.
  • 4 Église Sainte-Cathérine - Sankt Katharina-Kirche: Für die Kirche der damaligen 800-Seelen-Gemeinde wurde der Grundstein am 3. Mai 1769 gelegt. Im Jahre 1898 erfolgte mit Glockenturm, Sakristei und Kirchenschiff eine Erweiterung für die zu eng gewordene Kirche. Ähnlich wie die Église Saint-Jacques-le-Majeur in Hunawihr hat die Turmuhr nur einen Stundenzeiger.
Der Chor der Kirche birgt einige Kunstschätze, wie z.B. eine Statue der Hl. Anna; eine Hochzeitsbank von 1955, die anlässlich der Hochzeit von André Bosshardt geschaffen wurde, der Künstler einiger dieser Kunstwerke; Reliefbilder, die das leere Grab Christi zeigen sowie die Episode der Ehernen Schlange des Moses u.a.; ehemalige Kommunionsbänke, die mit biblischen Szenen geschmückt sind
Auch das Kirchenschiff hat einiges zu bieten: ein holzgeschnitzter Kreuzgang des gleichen Künstlers; zwei hölzerne Reliefbilder aus dem 18. Jahrhundert, die den Hl. Wendelin als Tierschützer, die Sainte-Odile (Schutzpatronin des Elsass) und den Hl. Augustin darstellen.
Die Orgel, zumindest der Prospekt, von 1836 stammt aus der Werkstatt des Claude-Ignace Callinet.
  • 5 Mairie - Das 1996 umgebaute Rathaus gleich gegenüber der Kirche stammt aus dem Jahre 1824. Bemerkenswert sind die beiden Säulen im Eingangsportal, Darstellungen der Erwerbstätigkeiten der Thannenkircher. Im Inneren ist ein Steinkreuz museal aufgestellt, das einst auf dem Galgenberg gestanden hat.
  • 6 Fontaine - Die Quelle sprudelt unterhalb der Hausmauer an die Oberfläche. Wie ein Eckpfeiler steht die Statue der Hl. Anna und der Hl. Jungfrau an der Hausecke und ist mit Tannenzapfen und Kirschen verziert.
  • 7 Sanatorium - Sanatorium: Das Gebäude wurde 1924 gebaut, um Lungenkranke und Tuberkulöse aufzunehmen (Siehe auch: Aubure).
  • 8 Croix - Dieses Kreuz steht dort, wo einst die Verbrecher an den Galgen kamen. Das jetzige Kreuz ist aus dem Jahre 1945. Das vorher hier stehende Kreuz wurde 1944 von Panzern überrollt und steht jetzt im Rathaus.
  • 9 Festplatz - Am Festplatz ist ein Brunnen zu sehen, der mit einem Blumenstrauß-Mädchen geschmückt ist.
  • Am Ortsausgang links von der Route du Haut-Koenigsbourg steht eine 100-jährige Eiche, in die im Jahre 1952 eine Schnitzerei eingearbeitet wurde, die die Gottesmutter mit ihrem Kind zeigt. Diese Arbeit wird Oratoire Notre-Dame-des-Bois genannt. Da die Eiche lebendes Holz ist, muss die Arbeit regelmäßig erneuert werden, zuletzt 2002 (Stand 2015). Gleich daneben steht ein Brunnen aus Thaennchel-Sandstein.
  • An der Rue du Thaennchel findet man den Thaennchelbrunnen zwischen dem Chemin du Brunnmatten und dem Chemin du Schillig, der bis in die 1970er Jahre als Viehtränke und Waschstelle diente
  • 10 Holzfällerbrunnen - Der Holzfällerbrunnen aus dem Jahre 1906 mit einer Skulptur, die an die Arbeit der Waldarbeiter erinnert.

Aktivitäten[Bearbeiten]

  • Der Ort eignet hervorragend sich als Startpunkt für Ausflüge nach Straßburg, Sélestat, Haut-Koenigsbourg (nur wenige km entfernt) und in die anderen Orte des Gemeindeverbunds.
  • Etwas außerhalb der Ortslage kann man auf dem Grasberg spazieren, wo man auch den deutschen Soldatenfriedhof vorfindet. Wenn man mit dem Auto hierher möchte: In Bergheim gibt es eine Abzweigung von der Straße nach Rorschwihr, der Grasbergweg führt zu einem Parkplatz, von dem man noch etwa 150 m zum Friedhof zu Fuß gehen muss.

Einkaufen[Bearbeiten]

Eine Einkaufsmöglichkeit für Güter des täglichen Bedarfs gibt es nicht oder kaum, alles bekommt man in den größeren benachbarten Orten, hauptsächlich im nahe gelegenen Sélestat.

Küche[Bearbeiten]

In einem typischen elsässischen Weinort wie diesem gibt es viele Winstubs, die neben Wein auch kleine, regionale Speisen anbieten. Restaurants findet man in den Nachbargemeinden.
Hier zwei Restaurants, die auch auf der Website der Tourist Information angeboten werden:

Siehe auch: Elsässer Küche bei Koch-Wiki

Unterkunft[Bearbeiten]

Arbeiten[Bearbeiten]

Sicherheit[Bearbeiten]

Gesundheit[Bearbeiten]

Notrufnummern[Bearbeiten]

Siehe Notrufnummern in Frankreich

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Tourist Information

Der Ort hat keine eigene Poststelle.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Ort ist ein idealer Ausgangspunkt in die anderen sehr schönen Dörfer des Gemeindeverbands, in die Vogesen, zur nahe gelegenen Burgruine Haut-Koenigsbourg und nach Colmar.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten]

  • Broschüre der Tourist-Information (auch in deutsch)

Weblinks[Bearbeiten]

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