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Bergheim (Haut-Rhin)

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Bergheim
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Wappen von Bergheim
Luftaufnahme, Sicht aus NO, im HG links liegt Ribeauvillé
Stadtplan in der Nähe des Obertors:
1. Alte Linde
2. Obertor (Porte Haute)
3. Marktplatz
4. Markt der Rebstöcke
5. Rathaus
6. Info-Tafel
7. Alte Synagoge
8. Kirche
9. Hexenhaus
10. Stadtbibliothek
11. Postamt
12. Dt. Soldatenfriedhof

Bergheim ist eine französische Gemeinde im Département Haut-Rhin, im Elsass an der Elsässischen Weinstraße (Route des vins d'Alsace). Sie ist Mitglied des Gemeindeverbandes Pays de Ribeauvillé et Riquewihr. Ribeauvillé (deutsch Rappoltsweiler, elsässisch Rappschwihr) liegt benachbart in den Vorbergen der Vogesen am Eingang des Strengbachtals.

Bergheim ist eine Ville fleurie, eine "blumengeschmückte Stadt" und trägt im Concours des villes et villages fleuris ("Wettbewerb der blumengeschmückten Städte und Ortschaften") 4 von 4 Rosen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Einiges zur Geschichte[Bearbeiten]

Bergheim war schon zur Römerzeit besiedelt, was durch ein im Jahre 1848 freigelegtes großes Mosaik aus der Römerzeit belegt ist, das heute im Musée d’Unterlinden in Colmarausgestellt ist; im Jahre 2006 folgte dann ein weiteres. Während der fränkischen Herrschaft (465) hieß der Ort Berchem. Nach der Zugehörigkeit zum Herzogtum Elsass ging die Domäne Bergheim in den Besitz der Abtei von Moyenmoutier in Lothringen. Sodann kam sie durch Tausch in den Besitz des Erzbistums von Toul und wurde Eigentum der Herzöge von Lothringen. Im Mittelalter war Bergheim freie Stadt der Herrschaft Rappoltsweiler (Haus Ribeaupierre). Heinrich II. von Ribeaupierre ließ im Jahre 1312 die Stadtbefestigung des jetzt Bercheim heißenden Ortes bauen. Im Jahr 1313 erhielt die Stadt das Recht, Geld zu prägen und Zölle zu erheben. Die Ribeaupierres verkauften den Ort an das Haus Habsburg. Zwei neue Namen tauchten in den Jahren 1510 und 1576 für die Stadt auf: Berckheim und Berken. Im 17. Jahrhundert fiel er an König Louis XIV. und im 18. Jahrhundert wieder bis zur Französischen Revolution zu den Ribeaupierres.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: (Quelle: hier)

D'argent à deux tour carrées pavillonnées de gueules maçonnées de sable et enfermées dans une enceinte ronde de murailles crénelées aussi de gueules, maçonnée et ouverte de deux portes de sable, un mont de trois coupeaux de sinople posé entre les tours, celui du milieu sommé d'un écusson d'azur à trois fleurs de lys d'or

Anreise[Bearbeiten]

Mit der Bahn[Bearbeiten]

Der nächste Bahnhof „Ribeauvillé“ im Industriegebiet auf dem Weg nach Guémar ist inzwischen außer Betrieb. Die nächstliegenden Bahnhöfe mit TGV-Halt sind in Sélestat und Colmar.

Auf der Straße[Bearbeiten]

Die Anreise mit dem Auto erfolgt

  • von Norden und Süden über die A35 Autoroute Alsacienne, N 83, Symbol: AS 19 oder 20 Bergheim-Ribeauvillé, dann den Wegweisern folgend direkt zum Ort.
  • von Westen aus dem Landesinneren (Sainte-Marie-aux-Mines) über die D 416 bis Ribeauvillé und dann den Schildern folgend nach Bergheim.
  • von Osten: Der nächste Rheinübergang nach Deutschland ist bei Marckolsheim (20 km)

Mobilität[Bearbeiten]

Karte von Bergheim (Haut-Rhin)

Die Grand'Rue, die von Ost nach West durch den Ort führt, hat auf etwa 500 m nur eine Steigung von 10 m, was für Fußgänger bequem zu bewerkstelligen ist.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bilder aus Bergheim
Lack'mi: Der Lack'mi stellt eine Person dar, die wegen Schulden oder nicht verjährter, entschuldbarer Verbrechen verfolgt und in Bergheim Unterschlupf fand. Durch ihre Gestik macht sie sich über ihre Verfolger lustig; ihr Name ist ausdrucksvoll. Dieses Halbrelief wurde 1997 von einem Bergheimer gestiftet, nachdem das Original von 1534 im Jahre 1852 verschwand und bis nicht wieder aufgetaucht ist.
Bilder der Kirche
Kirchenportal

Der Ort ist einer der Orte der Region, der glücklicherweise in den Weltkriegen kaum durch Kriegseinwirkungen beschädigt wurde. So findet man in der Hauptstraße Grand'Rue, die das rechtwinklig angelegte Dorf von Ost nach West in der Mitte durchschneidet, und in ihren Nebenstraßen und -gässchen eine Vielzahl schöner und bemerkenswerter Fachwerkhäuser und andere Sehenswürdigkeiten. Hier können nicht alle aufgezählt werden, daher nur eine Auswahl. Ein Besuch des Ortes bei einem Elsass-Aufenthalt ist dringend empfehlenswert.

Türme, Obertor und Stadtmauer[Bearbeiten]

Der Ort verfügt über eine doppelte Befestigungsmauer, zwischen denen ein Graben verlief, der heute mit Gärten aufgefüllt ist. Im Norden verläuft ein äußerer Graben, vom Bergenbach durchflossen. An der NO-Seite erkennt man noch eine Grabenböschungsmauer. Durch vier Tore aus allen vier Himmelsrichtungen konnte man die Stadt betreten. Allerdings ist nur noch die Porte Haute erhalten, die übrigen drei Tore wurden im 19. Jahrhundert abgerissen, um den Zugang für größere Wagen zu ermöglichen. Die Stadtbefestigung verfügt heute noch über acht halbrunde und einen quadratischen Wachtturm.

Die Hauptbedrohung des Ortes war von Norden zu erwarten, weshalb hier neun Flankierungstürme errichten waren. Die Flankierungstürme springen als Wehrtürme feldseitig aus der Wehrmauer hervor. Von der Wehrplattform und den noch gut erhaltenen Schießscharten des Turmes aus ließ sich der dazwischen liegende Mauerabschnitt seitlich mittels Fernwaffen bestreichen. Die Türme haben einen halbrunden oder quadratischen Grundriss.

Türme, Obertor und Stadtmauer
Blick aus der Grand'Rue auf das Obertor
  • 1 Tour carrée - Der quadratische Turm ist einer der ältesten Türme der Stadt.
  • 2 Tour de la Sorcière (Hexenturm) - Sschöne Steilfeuer-Schießscharte. Hier ist auch gut die rückwärtige Grabenböschungsmauer zu erkennen.
  • 3 Tour au Pan de Bois (Fachwerkturm) - Zeigt ein überkragendes Stockwerk. Als ab dem 17. Jahrhundert die Wände der Türme den neuen Schusswaffen nicht mehr widerstehen konnten, wurden die Türme zu Wohnzwecken umgebaut.
  • 4 Tour de la Poudrière (Pulverturm) - Mit lombardischem Fries, einem Vorbau und verschiedene Schießscharten für Bogenschützen und für 2 Kanonen sowie drei schnabelförmige Traufröhren.
  • 5 Tour Fahrer - Der "Fahrer-Turm" stammt aus dem 14./15. Jahrhundert.
  • 6 Tour Wotling - Der "Wotling-Turm" bildet die Flankierung der inneren Befestigungsmauer.
  • 7 Tour Deiss - Der "Deiss-Turm" ist von einem heute noch bewohnten Haus überbaut.
  • 8 Porte Haute - Das Obertor ist das letzte, noch erhaltene der ehemals vier Stadttore. Das gotische Tor besitzt ein Rundbogenportal und ein Dach mit lackierten Ziegeln in burgundischem Muster. Während die landseitige Fassade eher wenig einladend wirkt, ist das Fachwerk der stadtseitigen Fassade als hübsch zu bezeichnen.

Häuser, Straßen, Plätze[Bearbeiten]

  • 9 - Die angeblich schon vor 1300 gepflanzte Linde soll der älteste Baum des Elsass sein. Unter der auch heute noch blühenden Linde fanden ab 1300 Volksfeste statt. Ihre schweren Äste müssen heute durch Stützen getragen werden. Die Linde steht am Rande des Stadtgartens, an der SO-Seite des Kreisverkehrs vor dem Obertor.
  • 10 44 Grand'Rue - An der Hauswand des Hauses 44 Grand'Rue kann man über eine prächtige Sonnenuhr aus dem Jahre 1711 staunen, die 1959 und 1977 renoviert wurde. Als eine der schönsten Sonnenuhren im Elsass zeigt sie - natürlich nur bei Sonnenschein - die Stunden, den Wechsel der Jahreszeiten, das jeweilige Tierkreiszeichen, das Datum und Auf- und Untergangszeiten der Sonne an. (Bild 15 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
Man geht nun rechts in die rue de la Monnaie ("Münzenstraße"), deren Namen daran erinnert, dass Bergheim einst das Münzrecht besaß. Erzherzog Leopold von Österreich bestätigte im Jahre 1375 (siehe auch: Böse Fastnacht) in einer Charta den Bergheimern, dass sie für immer das Recht besäßen, einen Münzmeister einzusetzen, der Münzen prägen und Pfennige ausgeben durfte.
Wenige Meter weiter trifft man auf die Place du marché aux échalas, den "Markt der Weinstöcke", wo diese ehedem gehandelt wurden.
Am Ende des Platzes bei der Einmündung in die Rue des Vignerons ("Winzerstraße") steht ein hübscher Brunnen.
  • 11 55 rue des Vignerons - Das Haus Nr. 55 der Winzerstraße steht gleich gegenüber dem erwähnten Brunnen und hat in seiner grünen Fassade zwei Tore aus dem 16. Jahrhundert, ein großes Rundbogentor für Pferde- oder Ochsenkarren. Es trägt das Zunftzeichen des Bauern (ein Pflug) und das Wappen Bergheims. Das zweite Tor, eher nur für den Personendurchlass gedacht, ist im Renaissancestil mit Korbbogen mit gemeißelten Verzierungen, Fratzen und pflanzlichen Motiven. Das Haus war ursprünglich ein Zehnthof von Ungarn, bevor es ein Bauernhof wurde. (Bild 9 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
Nun geht man nach links in der Winzerstraße weiter bis zur nach links abzweigenden Rue de la Croix ("Kreuzstraße") und geht in ihr bis zur Place du Docteur Pierre Walter ("Dr.-Pierre-Walter-Platz").
  • 12 Mairie - Das Gebäude zur Rechten wurde im Jahre 1767 während des Ancien Régime unter Ludwig XV. als Ratsstube errichtet. Nach der Französischen Revolution wurde es in das heutige Rathaus umgebaut. Die barocke Sandsteinfassade trägt ein Bild der griechischen Göttin der Gerechtigkeit, Ordnung und Philosophie, Themis, und erinnert an die Gerichtsbarkeit des früheren Stadtrats. (Bild 5 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
Links sieht man einen schön geschmückten Brunnen mit dem Wappen von Bergheim, er ist aus dem Jahre 1721. (Bild 8 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
Gegenüber erkennt man am Haus Nr. 8 die Hauptfassade aus dem 18. Jahrhundert mit einheitlichen Fensterumrahmungen mit barocken Motiven. (Bilder 8 und 14 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
Rechts daneben steht das Haus Nr. 6 mit einem gezackten Giebel, typisch für die rheinländische Baukunst des 15. und 16. Jahrhunderts. Es hat Fenster mit Sandsteinumrahmungen und Fensterstürze mit eingemeißelten umgedrehten Jakobsmuscheln. (Bild 22 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
  • 13 11 place du Docteur Pierre Walter - Das Haus Nr. 11 zur Linken wurde bereits 1423 erwähnt. Es war ehemals das Ratsgebäude der Winzergilde. Das heutige Gebäude stammt aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. (Bild 21 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
Links neben dem Rathaus beginnt die Rue des Juifs ("Judenstraße") mit der Synagoge.
  • 14 Synagogue - Sie wurde von 1860 bis 1863 im neoromanischen Stil an der Stelle dreier früherer Synagogen errichtet. Sie zeugt von der ehemals großen jüdischen Gemeinde des Dorfes, in dem z.B. im Jahre 1784 68 Familien jüdischen Glaubens lebten und im Jahre 1838 513 Personen, etwa 15 % der Bevölkerung. Heute leben nur noch 2 jüdische Familien in Bergheim. Mangels genügender Kirchgänger wurde die Synagoge 1992 profaniert und dient seitdem für kulturelle Veranstaltungen. Sie ist die einzige elsässische Synagoge, die noch da steht wo ihre Vorgängerinnen im 14. Jahrhundert gebaut worden waren. (Bild 24 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
Zurück zur Place du Docteur Pierre Walter. Am jenseitigen Ende des Platzes mündet von rechts die Rue du Haut-Koenigsbourg ein.
  • 15 Maison du Sabotier - Dieses Haus an der Ecke nennen die Bergheimer "Haus des Holzschuhmachers". Es ist aus dem Jahre 1617 und trägt das Zunftzeichen eines Waffenschmieds (gekreuzte Schwerter). Im ersten Stock ist eine schöne hölzerne Galerie. Auf dem Bild 12 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim" im Schatten liegend.
Zum Besuch der Kirche geht es zurück in die Grand'Rue.
  • 16 8 Grand'Rue - Das komplett gemauerte Haus Nr. 8 in der Grand'Rue hat schon vielen Verwendungszwecken gedient: Hier waren eine Tuchfärberei, eine Spinnerei und eine Werkstatt für fabrikmäßig hergestellte Produkte untergebracht. Heute ist es ein Wohnhaus. (Bild 23 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
Auf der anderen Straßenseite, an der Einmündung der Rue du Maire Witzig ("Bürgermeister-Witzig-Straße"), steht ein sehr schöner Fachwerkbau (Bild 20 in der rechten Galerie "Bilder aus Bergheim")
  • 17 Église Notre-Dame de l'Assomption - An der Stelle der heutigen "Maria-Himmelfahrtskirche" muss schon um 700 eine der Gottesmutter geweihte Kirche gestanden haben, wie aus den Archiven hervorgeht. Sie wurde bis auf den "Grünen Turm" (Tour verte), dem Glockenturm, im Jahre 1287 zerstört. Der Turm diente fortan bis Anfang des 19. Jahrhunderts, als auch er abgerissen wurde, als Wachtturm, Beinhaus und Kapelle. Die heutige Kirche wurde 1347 eingeweiht. Aus dieser Bauperiode sind noch der gewölbte Chor, die Sakristei mit Kreuzspitzbogengewölbe, das dreiteilige Schiff, der Glockenturm und ein aus Stein gemeißeltes Portal erhalten. Eine weitere Sakristei im Süden und eine Kapelle wurden im 19. Jahrhundert hinzugefügt. Im Inneren der Kirche sind noch schöne Wandmalereien aus dem Mittelalter, Fresken aus dem 14. Jahrhundert, mehrfarbige Holzstatuen aus 1480, ein Gemälde aus dem Jahr 1616 und die im Jahre 2006 restaurierte Orgel erhalten. Auch außen ist die Kirche außergewöhnlich in ihrer Ausstattung: der westliche Giebel weist die einzige elsässische Darstellung der Anbetung der Hl. Drei Könige auf. Dieses Halbrelief ist aus Sandstein und stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Nord- und Südwände zeigen die Kreuzabnahme Christi.
In der Nähe der Kirche, in der 5 place de l'Église, befindet sich das ehemalige Beinhaus, das 1549-1550 gebaut wurde und von 1767 bis 1970 als Jungenschule diente. Heute beherbergt das Haus mit einer schönen Renaissance-Fassade das "Hexenhaus" (Maison des Sorcières).

Küche[Bearbeiten]

Die Küche in den Restaurants ist wie üblich regional-elsässisch. Die Website der Touristinformation listet einige Restaurants zur Auswahl auf. Darüber hinaus gibt es etliche Winstubs (Weinstuben), in denen nicht nur Wein kredenzt wird, sondern auch typische kleine Elsässer Gerichte.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Was über die Küche geschrieben ist, gilt auch für die Unterkünfte.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Ort ist, wenn man bei der Fülle von sehenswerten Objekten dann noch Zeit und Muße hat, ein idealer Ausgangspunkt für die anderen wirklich sehenswerten Ortschaften der Verbandsgemeinde, aber auch für Touren in die Vogesen, nach Colmar, Straßburg etc.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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