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Neubritannien

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Neubritannien
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Neubritannien (englisch: New Britain, vormals: Neupommern) ist in Papua-Neuguinea (PNG) die größte Insel des Bismarck-Archipels, welche halbmondförmig etwa 520 Kilometer lang, aber weniger als dreißig Kilometer breit ist. Nördlich der Insel ist die Bismarcksee, südlich davon ist die Salomonensee. Die größte Stadt war Rabaul, bis sie 1937 und wieder 1994 durch einen Vulkanausbruch fast vollständig zerstört wurde. Hauptort ist heute Kokopo, vormals Herbertshöhe, etwa dreißig Kilometer weiter östlich an der Bucht.

Hintergrund[Bearbeiten]

Auf der Insel wurden Spuren der Lapita-Kultur (1500-1300 v.u.Z.) gefunden. Sie ist auch ein Zentrum von Kannibalismus-Schauergeschichten des 19. Jahrhunderts. Zugegebenermaßen wurde bis zum ersten Weltkrieg der eine oder andere Missionar totgeschlagen, wohl oft nicht ohne Grund.

Wie ganz Neuguinea ist die Insel ethnologisch und linguistisch sehr divers. Bekannt sind etwa vierzig Sprachen. Die wichtigste und größte Bevölkerungsgruppe Neubritanniens sind die Tolai, die mit etwa 120.000 Seelen die Hälfte der Bevölkerung bilden. Zugewandert aus Neuirland, leben sie fast ausschließlich auf der Gazelle-Halbinsel, dem nordöstlichen Teil der Insel, die ihren Namen nach dem preußischen Schiff SMS Gazelle, die hier 1875 landete, hat. Gerade diese Region ist vulkanisch aktiv. Die Baining, Erbfeinde der Tolai und bekannt für ihre Feuertänze, leben im dortigen Hochland. Daneben siedeln in Neubritannien die Kilenge (an der Küste), die Sulka (südlich der Gazelle-Halbinsel) und die Lakalai zwischen Küste und Gebirge.

Die früher wichtigen plantagenmäßig angebauten “cash crops” Kopra und Kakao wurden besonders im Westen durch umweltzerstörenden Ölpalmenbau und Holzeinschlag ersetzt.

Wie ganz Neuguinea kam die Insel 1919 als Völkerbundmandat unter australische Verwaltung. Es gab vor dem Krieg einen Goldrausch. Nach dem japanischen Präventivschlag im Dezember 1941 wurde Rabaul besetzt und war 1943-44 hart umkämpft. Die amerikanische Invasion begann mit der Schlacht um Arawe als Teil der Operation Cartwheel, die die wichtige japanische Basis in Rabaul letztendlich isolierte. Gerade im Umland sind noch Reste aus dem Krieg zu sehen.

Orte[Bearbeiten]

Neubritannien westlich Kimbe. Die hervorstehende Landzunge ist die Willaumez Peninsula mit Lake Dakataua.
Topographie und Straßen des Ostens und der Gazelle-Halbinsel.

Administrativ ist die Insel in eine östliche und westliche Provinz geteilt. Sie sind respektive 16.000 km² und 21.000 km² groß mit 250.000 bzw. 200.000 Einwohnern. Von den sechzehn Vulkanen der Westprovinz gelten fünf als aktiv.

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Flugzeug[Bearbeiten]

Kokopo/Rabaul
1 Tokua Airport (IATA: RAB). Tokua Airport in der Enzyklopädie WikipediaTokua Airport (Q7278511) in der Datenbank Wikidata. Dies ist einer der beiden Flughäfen PNGs wo visa on arrival ausgestellt werden. Regelmäßige Inlandsflüge mit Air Niuguini (☎ 983 9821) PNG Air nach Lae, Port Moresby und Buka sowie Kimbe. Charterflüge gibt es nach Lihir Island und Kavieng.

Tickets gibt es im Reisebüro über der 1 City Pharmacy in Kokopo. PMVs (Nr. 9) fahren vom Markt in Kokopo auf die Flüge abgestimmt (2 Kina).

Kimbe
2 Hoskins Airport (IATA: HKN) (37 Straßenkilometer von Kimbe). Hoskins Airport in der Enzyklopädie WikipediaHoskins Airport (Q3207123) in der Datenbank Wikidata. 2015 ausgebaut. Regelmäßige Inlandsflüge mit Air Niuguini PNG Air nach Lae, Port Moresby und Buka sowie Rabaul.

Hubschraubercharter Niugini Helicopters (☎ +675 983 5163).

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Chebu Shipping verbindet wöchentlich Rabaul ↔ Buka (auf Bougainville; 400 K), Kimbe und Lae. Mitfahrgelegenheiten auf Frachtern müssen in den Häfen erfragt werden.

Die Gazellebucht wird gelegentlich von Kreuzfahrtschiffen angelaufen.

Offene Boote nach Neuirland sind 2-3 Stunden unterwegs und fahren bis zum frühen Nachmittag ab Kokopo (am Strand hinterm Postamt) für 80 Kina. Nicht in jedem Boot gibt es Schwimmwesten.

Segelyachten[Bearbeiten]

Formalitäten für aus dem Ausland kommende müssen in Kimbe oder Rabaul erledigt werden.

3 Rabaul Yacht Club, Simpson Harbour. Tel.: +675 982 1299. Anmeldung auf VHF 16 für Quarantäne. Der Zoll ist in Kokopo, wo sich ankern wegen der zahlreichen “banana boats” nicht empfiehlt - „Gelegenheit macht Diebe“. (Gezeigte Koordinaten sind Einfahrt zur Bucht.).

Auch anlegen kann man beim Rapopo Plantation Resort, das ggf. Tauchkurse und -touren organisiert (☎ +675 79474892).

4 KBSA, Kimbe.

Anlegen bzw. ankern kann man auch beim luxuriösen 1 Walindi Resort, das mit dem hauseigenen Boot MV FeBrina mehrtägige Taucherundfahrten organisiert. Nebenan ist das Mahonia Na Dari-Informationszentrum für Naturschutz (Tel.: +675 7370 5699), dessen wenige Zimmer bevorzugt an durchreisende Wissenschaftler oder Schulklassen vermietet werden.

Kokopo und Rabaul[Bearbeiten]

1 Kokopo war noch 1980 ein Dorf mit zweieinhalbtausend Einwohnern. Nach dem verheerenden Ausbruch des Vulkans Tavurvur am 19. September 1994 flohen die meisten Einwohner Rabauls hierher und blieben auf Dauer. Auch alle Behörden sind nun hier. Die Einwohnerschaft verzehnfachte sich. 2 Vunapope und 3 Takubar sind heute Ortsteile. In Rabaul lebten 2009 weniger als 7000 Menschen, statt früher 22000.

Mobilität[Bearbeiten]

Autovermietungen sind am Flughafen, Allrad ist unerläßlich. Straßen und PMVs gibt es nur um die beiden Städte, die auf dem Land nicht miteinander verbunden sind.

PMVs von/nach Kokobo (Markt); Nr. 1 Rabaul (je nach Route 2-4 Kina), Nr. 2 Warangoi (3 Kina), Nr. 3 Vunadidir und Toma (3-5 Kina), Nr. 9 Tokau-Flughafen.
Sonntags fahren nur wenige PMVs.

Zwischen Nord- und Südküste gibt es (schlechte) Stichstraßen:

  • Kimbe ↔ 4 Gasmata
  • Kimbe ↔ Hoskins (Flughafen) ↔ 5 Uvol6 Bairaman
  • 7 Nutanavua8 Waku9 Kandrian
  • 10 Sag Sag11 Gloucester, um Mt. Talawe (1824 m).

Zwischen anderen Ortschaften an der Südküste ist man auf Boote angewiesen. Ein Straßenbauprojekt, um 12 Pomio besser anzubinden begann Ende 2017.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Neubritannien
Rabaul vom Vulkan aus gesehen (2012).
Rabaul

1 Japanese Peace Park

2 New Guinea Club. Ehemaliger Kolonialherren-Club (gegr. 1919), heute mit Ausstellung rostender Kriegsmaschinerie. Der Wächter erklärt den Weg zum Bunker des japanischen Admirals Yamamoto. Preis: 5 Kina.
Kokopo
3 Kokopo War Museum (beim Golfplatz). Rostendes Kriegsgerät im Hof. Mit Touristeninfo. Geöffnet: Mo.-Fr. 8.00-16.00.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Halb- und Ganztagstouren im Raum Rabaul/Kokopo organisieren die besseren Hotels. Sie kosten in Abhängigkeit der Gruppengröße 250-400 Kina (2017).

Neben „Kriegstourismus,“ wie zu den Tunnels der U-Bootstation, vor allem Tauchsport z.B. an der Wracks im Hafen von Rabaul (George's Wreck und Manko Maru) und den Korallenküsten der Gazelle-Halbinsel. Die geeigneten Jahreszeiten hierfür sind Mitte August bis Neujahr und Mitte Februar bis Ende Mai. Gerade in der Bucht von Kimbe findet sich ein ungeheurer Reichtum an Korallenarten. Die wirklich schönen Tauchplätze sind jedoch 30-40 Minuten per Boot entfernt.

1 Liamo Reef Resort und San Remo Golf Club, Kimbe.

Das Warwagira-Maskenfestival zeigt solche eine Woche lang Ende Juli in Kokopo. Aufgeführt werden nach Sonnenuntergang Tänze der örtlichen Stämme.

Einkaufen[Bearbeiten]

Geldautomaten sind in bewachten Bereichen der Banken nur tagsüber bis 19.00 Uhr zugänglich.

Kokopo Market, William St. Neben Fisch und Gemüse viel Betel und Zubehör sowie aus Tabakblättern in Heimarbeit gerollte Zigarren. Geöffnet: Mo.-Sa.
1 Kimbe Market. Geöffnet: Mo.-Sa. 7.00-17.00.

Nachtleben[Bearbeiten]

1 Vavagil Club, Kokopo, beim Golfplatz. Geöffnet: 8.00-2.00, So. Ruhetag.

Unterkunft[Bearbeiten]

Rabaul
2 Rabaul Hotel (3*), Mango Ave. Tel.: +675 982 1999. 40 Zimmer mit A/C. Pool und dem einzigen besseren Restaurant des Ortes. Vermittelt Führer für Touren auf die Vulkane und zum Tauchen. Flughafentransfer 85 Kina. Geöffnet: Rezeption: 24 h. Preis: gehoben.
Kokopo
  • 3 Vavagil Guest House
  • 4 Gazelle International Hotel. Tel.: +675 982 5600. Hafen- und Fischereitouren, Tauchgänge mit dem Rabaul Dive Adventures. Nebenan sind der Ralum Country Club (Restaurant 9.00-14.00, 17.00-21.00 Uhr) und ein Golfplatz. In der Nähe sind die Queen Emma Steps wo Emma Kolbe ihr Hotel hatte. Preis: NS (bis März): Deluxe 545 Kina, Premium 618 K.
  • Kokopo Beach Bungalow Resort, 1 Kurur Place, Kokopo 631. Bungalows für 3-8 Pers. Preis: Luxus, teueres Essen.
Kokopo-Takubar
  • 5 Kokopo Backpackers Inn
  • 6 Chauka Lodge. Kleiner Pool.
  • 7 Lilibe Beach Lodge (Am Strand). Zimmer mit Ventilator, Gemeinschaftsduschen. Autovermietung nebenan.
North Coast Road
  • 8 Kabaira Beach Hideaway (PMV Nr 5 ab Rabaul-Markt, 32 km. Flughafentransfer 100 Kina p.P.). Tel.: +675 7191 1107. Preis: Guesthouse 250 Kina (Gemeinschaftsbad), Bungalow (4-5 Pers.) ab 300 Kina p.P.

In den Hügeln dahinter wurde 1946 ein Chinesen-Friedhof angelegt. Als die Australier vor den anrückenden Japaner die Bevölkerung evakuierten hielt man Chinesen nicht dieses Schutzes für wert. Etliche von ihnen kamen daher als Arbeiter für die Japaner oder durch die massiven US-Bombardements um.

  • 9 Tokunar Resort
Kimbe
  • Walindi Plantation Resort
  • 10 Manaia Guesthouse, Section: 61 Allotment: 16 Works & Supply Dr. Tel.: +675 7204 4700.
  • 11 Kimbe Bay Hotel, New Britain Hwy. 3*, Bugalows.
  • Liamo Reef Resort - Kimbe International Hotel, Section 20, Lot 5,. Tel.: +675 7391 1918.
  • 12 Hotel Genesis, New Britain Hwy (etwas außerhalb, Ri. Flughafen). Tel.: +675 983 4011.

Sicherheit[Bearbeiten]

Gangster, sogenannte “raskools” gibt es, aber weniger als in den großen Städten von PNG. Raubüberfälle und Diebstähle sind trotzdem häufig.

Gesundheit[Bearbeiten]

Schlangen verstecken sich gerne unter den Abfallhaufen von Kokosnußhüllen. Häufig sind auch Hundertfüssler (Scolopendra sp.) deren im ersten Beinpaar sitzendes Gift bei Berührung tagelang äußerst schmerzhaft ist. Zu Giftschlangen in PNG und Behandlung (engl.)

Als „sicher“ von Tsunamis, die als Folge der häufigen Erdbeben zu erwarten sind, gilt zehn Meter über Meereshöhe, was sinnvollerweise bei Wahl der Unterkunft beachtet werden sollte.

2 Vunapope Hospital (Kokopo)

3 Kimbe Hospital (im Civic Centre, direkt an der Hauptstraße).

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm Rabaul (Insel Neubritannien, 8 m ü. NN).

Ganzjährig tropisch-feucht, Tagestemperaturen ø 31-2 °C. Tropische Wirbelstürme können November bis März auftreten. Die Niederschlagsmenge liegt um die 2000 mm, erreicht aber in der Pomio- und Jacquinotbucht mit den umgebenden Bergen fast 6500 mm.

Praktische Hinweise[Bearbeiten]

Mobilfunk in der Region Rabaul ist seit 2014 auf 4G/LTE ausgebaut.

Ausflüge[Bearbeiten]

Der Zutritt zu vielen der Reste japanischer Aktivitäten im Krieg (Tunnels, Wracks) kostet 5 Kina kastom-Eintritt für die traditionellen Landbesitzer.

Matupit[Bearbeiten]

Als 13 “Matupit Island” bezeichnet, tatsächlich eine Halbinsel, die von den Ascheregen 1994 wegen herrschender Windverhältnisse nicht betroffen war. Es gibt einen Homestay.

Gern besucht werden die heißen Quellen, in denen die Einheimischen die aus den Bruthügeln geraubten Eier der zahlreichen Großfußhühner (Megapodiidae) kochen. Hier beginnt auch ein steiler Pfad den Tavuvur hinauf, falls man einen Führer nimmt kostet das 50 Kina.

Duke of York Islands[Bearbeiten]

4 Duke of York Island erreicht man per “banana boat” ab Kokopo. Hier finden sich angenehme Sandstrände zum Baden.

Auf der nahe gelegenen Insel Kabakon lebte der frühe Aussteiger und „Kokovorist“ August Engelhardt.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch allgemeine Reiseführer zu Papua-Neuguinea. Aufgrund der kolonialen Vergangenheit haben die meisten deutschen Völkerkundemuseen entsprechende Ausstellungen und Informationen.

  • Heermann, Ingrid; Form - Farbe - Phantasie: Südseekunst aus Neubritannien; Stuttgart 2001; [Ausstellungskatalog: Linden-Museum Stuttgart, 23. Mai - 28. Oktober 2001]; ISBN 3897901595
  • Hübner, Herbert; Musik im Bismarck-Archipel: Musikethnologische Studien zur Kulturkreislehre u. Rassenforschung; Berlin 1938 (Hahnefeld) [mit Noten]
  • Jebens, Holger; After the cult: perceptions of other and self in West New Britain (Papua New Guinea); New York 2010 (Berghan); ISBN 9780857457981; [Cargo-Kulte; deutsch u.d.T.: Kago und kastom: zum Verhältnis von kultureller Fremd- und Selbstwahrnehmung in West New Britain (Papua-Neuguinea)]
  • Mayr, Ernst; Diamond, Jared M.; Birds of northern Melanesia: speciation, ecology & biogeography; Oxford 2001 (Oxford University Press); ISBN 0195141709
  • Powell, Wilfred; Schröter, F. M.; Unter den Kannibalen von Neu-Britannien: drei Wanderjahre durch ein wildes Land; Leipzig 1884 (Hirt)
  • Rossi, Milène C.; Blut, Prunk, Ritual: Keulen und ihre Funktion in den Gesellschaften Ozeaniens; Wien 2015 (IVA-ICRA); ISBN 9783900265311
  • UN Habitat; Papua New Guinea: Kokopo City profile, 2010
Landkarten
  • Sapper, Karl; Moisel, Max; Wegeprofile aus dem Bismarck-Archipel; Berlin 1910 (Mittler), 1:100000, 20 Profile auf 1 Bl.; Blattgr. 79 x 94 cm
  • Kartenblätter der US Army 1960er, 1:500': SB 55-3 Vitu Islands, SB 55-4 Kikori, SB 56-1 Kimbe Bay, SB 56-2 St. Georges Channel (Rabaul)

Weblinks[Bearbeiten]

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