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Gīza (Stadtteil)

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Stadtteil el-Gīza ·حي الجيزة
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El-Gīza oder el-Gise (Dudenschreibung: Gise(h), arabisch: ‏حي الجيزة‎, Haiy al-Ǧīza) oder südliches el-Gīza (‏جنوب الجيزة‎, Ǧanūb al-Ǧiza) ist der älteste Stadtteil in der gleichnamigen Stadt und ihr ursprüngliches Entstehungsgebiet.

Hintergrund[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Stadtteilplan von el-Gīza

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge der Siedlung el-Gīza liegen im Dunkeln, und aus vorarabischer Zeit gibt es keine Schriftzeugnisse. Der koptische Schriftsteller Abū el-Makārim (Ende des 12. Jahrhunderts) berichtete, dass der Feldherr ʿAmr ibn al-ʿĀṣ im Jahr 22 AH (643 AD) die Festung el-Gīza für Angehörige des (jemenitischen) Stammes der Hamdān errichten ließ.[1] Der Koptologe und Ägyptologe Émile Amélineau (1850–1915) und Stefan Timm setzten el-Gīza mit dem koptischen Namen Ⲧⲡⲉⲣⲥⲏⲥ, Tpersēs, gleich, was auf eine vorarabische Besiedelung in römischer und ab 619 AD persischer Zeit hindeuten würde.[2][3] Dem widersprach der ägyptische Gelehrte Muḥammad Ramzī (1871–1945) in seinem geografischen Wörterbuch: el-Gīza ist eine islamische Stadtgründung aus dem Jahr 21 AH (642 AD). Tpersēs/Tebersis sei der alte Name des südlicher gelegenen Dorfs Tarsā, ‏ترسا‎.[4]

Ramzī führt weiter aus, dass el-Gīza auf dem Nilwestufer gegenüber von el-Fusṭāṭ liegt und im Arabischen „das Tal“ bedeutet, was sich auf das Niltal bezieht.

Abū el-Makārim berichtete zudem ausführlich über die Kirchen und Klöster der Provinz el-Gīza, die es bereits vorher im Umfeld der Siedlung el-Gīza gab. Darunter befand sich u. a. eine Kirche des Evangelisten Markus, die sich möglicherweise in der Festung von el-Gīza befand. Eine derartige Kirche ist auch im Kirchenverzeichnis des arabischen Historikers el-Maqrīzī (1364–1442) zu finden.[1] Bischöfe sind seit dem 11. Jahrhundert bekannt. Zur Diözese von Wasīm und el-Gīza gehörte 1102 auch die Nilinsel el-Gazīra.[3]

Der Reisende und Geograf Leo Africanus (1490–1550) wusste im 16. Jahrhundert über den Viehhandel, die hiesigen Palastanlagen der Mamlukensultane und die Pyramiden Folgendes zu berichten:

„Geza [Dschiza] ist eine Stadt am Nile, der Altstadt gegenüber, und durch die Insel von ihr getrennt: sie ist wohl bewohnt und cultivirt. Hier sind schöne Palläste, welche die vornehmen Mamluken, um sich hier, entfernt von großen Lärmen zu Kahira, zu vergnügen, erbauet haben. Hier gibts viele Handwerker und Kaufleute, besonders solche, die mit Viehe, das die Araber von den Bergen in Barke herzuführen, handeln. Diese mögen nicht in Barken über den Fluß fahren, und verkaufen es an hiesige Viehhändler, die es dann wieder den Kahirinischen Metzgern, die eben deswegen hierher kommen, überlassen. Am Flusse liegt die Moschee, und andre schöne und anmuthige Gebäude. Gärten und Dattelbaumpflanzungen umringen die Stadt. Manche Professionisten kommen ihrer Geschäfte wegen nach dieser Stadt, und gehen gegen die Nacht wieder nach Hause. Diejenigen, welche nach den Pyramiden, (es sind dieses Gräber der alten ägyptischen Könige, an einem Orte, der vor Zeiten Memphis hieß), reisen, gehen gerades Weges durch diese Stadt. Von da bis zu den Pyramiden ist alles Sandwüste, auch sind da viele durch das Steigen des Nils entstandene Pfützen; doch läßt sich der Weg mit der Hülfe eines guten, des Landes kundigen Führers ohne Ungemächlichkeit zurücklegen.“[5]

Im 17. Jahrhundert überlieferte der Orientreisende Jean Coppin (1615–1690) eine Legende, nach der im kleinen Dorf el-Gīza der Prophet Jeremia begraben sei.[6]

Anfang der 1870er-Jahre ließ der Khedive, der Vizekönig, Ismail Pascha (Regierungszeit 1867 bis 1879) hier eine Palastanlage, den sog. Giza-Palast, im Bereich des heutigen Zoos anlegen. Zur Anlage gehörten ein Haremspalast und ein Haremsgarten, der vom französischen Landschaftsarchitekten Jean-Pierre Barillet-Deschamps (1824–1873) gestaltet – von den einstigen Bediensteten als Lustgarten charakterisiert wurde. Viele der Pflanzen und Bäume im heutigen Zoo und im nördlicher gelegenen Botanischer Garten el-Urmān hat Ismail noch selbst aus Indien, Afrika und Südamerika heranschaffen lassen. Ende der 1870er-Jahre ging der Palast in Staatshand über, um Ismails Schulden begleichen zu können. Der Haremspalast wurde von 1889 bis 1902 als naturgeschichtliches Museum benutzt, in dem auch altägyptische Altertümer bis zur Eröffnung des Ägyptischen Museums gezeigt wurden. Der Palast selbst ist heute verschwunden. Aus dem Haremsgarten entstand 1891 unter Ismails Sohn Muḥammad Tawfīq Pascha (Regierungszeit 1879 bis 1892) der Zoo von el-Gīza.

Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war el-Gīza eine eher kleine Stadt. Émile Amélineau führte aus, dass es hier vor 1893 11.410 Einwohner, eine Schule, ein Postamt und eine Nilstation gab.[2] Im Baedeker-Reiseführer von 1928 wurden 18.714 Einwohner genannt.[7] 2006 lebten im Stadtteil el-Gīza etwa 278.000, in der ganzen Stadt schon über 3 Millionen Einwohner.

Orientierung[Bearbeiten]

Anreise[Bearbeiten]

Mit dem Bus[Bearbeiten]

In el-Munīb, nördlich der Metro-Endhaltestelle 1 El Mounib, südlich des Stadtviertels el-Gīza, befindet sich die 2 Bus-Endstation für Busse nach Oberägypten und in die Senke el-Baḥrīya. 450 Meter weiter südlich befindet sich die 3 Haltestelle der Mikrobusse.

Mit der Bahn[Bearbeiten]

El-Gīza besitzt den 4 Bahnhof el-Gīza an der Linie KairoAssuan.

Das Wohngebiet el-Gīza ist über die Metro-Linie 2 nach El Mounib erreichbar. Im Westen des Wohnviertels befinden sich von Norden nach Süden die Metrostationen 5 Cairo University, 6 Faisal, 7 Giza Railway, 8 Um El Masriyeen (Giza Suburban) und 9 Sakkeyat Mekki.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Denkmäler[Bearbeiten]

Im Nordosten des Gīzaer Zoos wurde die 1928 geschaffene Statue 1 Wiedergeburt Ägyptens Statue der Wiedergeburt Ägyptens im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsStatue der Wiedergeburt Ägyptens (Q6753132) in der Datenbank Wikidata, arabisch: ‏نهضة مصر‎, Nahḍat Miṣr, englisch: Renascence of Egypt, des ägyptischen Bildhauers Mahmoud Mokhtar (1891–1934) aufgestellt. Sie zeigt eine typische ägyptische Bäuerin neben einer Sphinx. Diese Statue wurde zum Inbegriff der modernen ägyptischen Bildhauerkunst.

2 Ahmed Shawqi Museum (متحف أحمد شوقي), 6 Ahmed Shawqi St (an der Ecke zur Corniche al-Nil, Giza). Tel.: (02) 3572 9479. Ahmed Shawqi Museum in der Enzyklopädie Wikipedia Ahmed Shawqi Museum im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsAhmed Shawqi Museum (Q372088) in der Datenbank Wikidata. Das Wohnhaus Ahmed Shawqis dient heute als Museum, das an sein Leben als gefeierter Poet und geachteten Nationalisten erinnert. Auf zwei Etagen können seine Bibliothek, sein Lesezimmer, die Empfangshalle und die Schlafzimmer besichtigt werden. Das Museum wird auch für Sonderausstellungen genutzt. Geöffnet: täglich außer montags von 10:00 bis 18:00 Uhr. (30° 1′ 17″ N 31° 13′ 3″ O)
Statue der Wiedergeburt Ägyptens
Ahmed Shawqi Museum
Skulptur vor dem Ahmed Shawqi Museum
Denkmal für Ahmed Shawqi
1 Pharaonic Village (القرية الفرعونية), 3 Al-Bahr Al-A'zam St, Corniche al-Nil, Giza. Tel.: (02) 3571 8676. Pharaonic Village in der Enzyklopädie Wikipedia Pharaonic Village im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsPharaonic Village (Q12191277) in der Datenbank Wikidata. Im Verlauf einer Bootsfahrt kann der Besucher das tägliche Leben im antiken Ägypten, so wie es hier von Schauspielern dargestellt wird, nacherleben. Im Dorf sind Nachbauten eines Tempels, die Wohnhäuser eines Beamten und eines Bauern und eine Nachbildung des Grabes von Tutanchamun zu sehen. Angeschlossen sind zwei Museen, das eine ist dem Leben der ägyptischen Staatspräsident Gamal Abdel-Nasser and Anwar as-Sadat gewidmet, das andere stellt über 1200 handgemalte Papyri aus. Geöffnet: täglichvon 09:00 bis 21:00 Uhr. (29° 59′ 50″ N 31° 12′ 55″ O)

Parks[Bearbeiten]

3 Giza Zoo (حديقة حيوان الجيزة, Ḥadīqat Hayawān al-Gīza), Nahdet Misr St. Giza Zoo in der Enzyklopädie Wikipedia Giza Zoo im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsGiza Zoo (Q2509245) in der Datenbank Wikidata. Der Zoo, anfänglich 21 Hektar, heute 32 Hektar groß, wurde am 1. März 1891 eröffnet. Er wurde im Haramsgarten des Palasts von Ismail Pascha angelegt, und die ersten Tiere stammen aus seiner Privatmenagerie. Von 1891 bis 1901 wurde der Zoo von A. R. Birdwood betreut, und später vom Major Stanley Smyth Flower (1871–1946), anfangs für Tiere zuständig, als erster Direktor bis 1924 geleitet. Geöffnet: Täglich im Sommer 9–17 Uhr, im Winter 9–15 Uhr. Preis: Eintrittspreis LE 20, Videokamera LE 30. (30° 1′ 27″ N 31° 12′ 51″ O)
Hängebrücke von Gustave Eiffel
Pavillon mit Sitzgelegenheiten
Grotten im Zoo
Einstiger Weg des Haramsgartens
Spießbock
Säbelantilope

Der Zoo stellt eine ausgedehnte Parkanlage mit fünf Grotten, Wasserfällen, zoologischem Museum, Fachbibliothek und mit verschiedenen Cafés und einem Restaurant auf der Tee-Insel dar. Einige der Fußwege stammen noch aus der Zeit, als der Garten zum Haremspalast gehörte. Eine eiserne Hängebrücke des französischen Ingenieurs Gustave Eiffel (1832–1923) verbindet zwei künstliche Hügel.

Zu sehen sind Tiere des ägyptischen und sudanesischen Niltals, etwa 400 Spezies, darunter Löwen, Leoparden, Tiger, Kamele, Giraffen, Elefanten, Flusspferde, Gazellen, Weißnacken-Moorantilopen (Kobus megaceros), Affen und Vögel wie Flamingos, Schuhschnabel (Balaeniceps rex) und Halsbandsittiche (Psittacula krameri).

Einen starken Besucherandrang gibt es an Feier- und Freitagen.

4 Botanischer Garten el-Urmān (حديقة الأورمان النباتية, Ḥadīqat al-Urmān an-Nabātīya, Orman Botanic Garden). Botanischer Garten el-Urmān in der Enzyklopädie Wikipedia Botanischer Garten el-Urmān im Medienverzeichnis Wikimedia CommonsBotanischer Garten el-Urmān (Q4991033) in der Datenbank Wikidata. Der 1873 angelegte Park ist unmittelbar nördlich des Zoos gelegen. Der Eingang befindet sich im Norden. Eintritt kostenlos. Geöffnet: Täglich von 9 bis 16 Uhr. (30° 1′ 46″ N 31° 12′ 48″ O)
Botanischer Garten el-Urmān
Botanischer Garten el-Urmān
Botanischer Garten el-Urmān

Aktivitäten[Bearbeiten]

Kinos[Bearbeiten]

Galerien[Bearbeiten]

  • Ahmed Shawqi Museum (Centre of Criticism and Creativity), 6 Ahmed Shawqi St, Giza. Tel.: +20 (0)2 3570 7960. Geöffnet: Täglich von 10:00 bis 14:00 Uhr und von 17:00 bis 21:00 Uhr.

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Im Bereich des Zoos, des Four Seasons Hotels, der First Mall und des Nile Towers gibt es mehrere Restaurants.

Restaurants[Bearbeiten]

  • La Maison Blanche, 35 Giza St., First Mall, Giza. Tel.: +20 (0)2 3570 0205. Französische Küche.
  • Season’s Restaurant, Four Seasons Hotel, Giza. Tel.: +20 (0)2 3573 1212. Französische Küche.

Cafés[Bearbeiten]

  • La Gourmandise, First Mall, Giza (gegenüber Zoo). Tel.: +20 (0)2 3569 2557. Café und Brauerei.
  • The Tea Lounge, 35 El Giza St., Giza (im Four Seasons Hotel). Tel.: +20 (0)2 3573 1212. Charmante Tee-Lounge und Cocktail-Bar.

Nachtleben[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Günstig[Bearbeiten]

  • Moon Light Hotel, 465 El Ahram St., Giza (am äußersten Ostende der El Ahram St.). Tel.: +20 (0)2 3569 4941, (0)2 3569 4942, (0)2 3569 4943, Fax: +20 (0)2 3569 4941. 1-Stern-Hotel mit 86 Zweibettzimmern.

Mittel[Bearbeiten]

Gehoben[Bearbeiten]

4-Sterne-Hotels[Bearbeiten]

5-Sterne-Hotels[Bearbeiten]

Lernen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Raafat, Samir W.: Cairo, the glory years : who built what, when, why and for whom... Alexandria : Harpocrates Publishing, 2003, 22005, ISBN 978-977-5845-08-5, S. 233–273.
  • Timm, Stefan: al-Gīza. In: Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit ; Bd. 2: D – F. Wiesbaden : Reichert, 1984, (Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients : Reihe B, Geisteswissenschaften ; 41,2), ISBN 978-3-88226-209-4, S. 1055–1060.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 [Abū al-Makārim] ; Evetts, B[asil] T[homas] A[lfred] (Hg., Übers.) ; Butler, Alfred J[oshua]: The churches and monasteries of Egypt and some neighbouring countries attributed to Abû Sâliḥ, the Armenian. Oxford : Clarendon Press, 1895, S. S. 173–180, Fol. 59.a–61.a, S. 341 (Nr. 26 in der Kirchenliste des el-Maqrīzī). Verschiedene Nachdrucke, z. B. Piscataway : Gorgias Press, 2001, ISBN 978-0-9715986-7-6.
  2. 2,0 2,1 Amélineau, É[mile]: La géographie de l’Égypte à l’époque copte. Paris : Impr. Nationale, 1893, S. 190 f.
  3. 3,0 3,1 Siehe Timm, Stefan, a.a.O., S. 1055 f.
  4. Ramzī, Muḥammad: al-Qāmūs al-ǧuġrāfī li-’l-bilād al-miṣrīya min ʿahd qudamāʾ al-miṣrīyīn ilā sanat 1945 ; Bd. 2, Heft 3: Mudīrīyāt al-Ǧīza wa-Banī Suwaif wa-’l-Faiyūm wa-’l-Minyā. Kairo : Maṭbaʿat Dār al-Kutub al-Miṣrīya, 1960, S. 4 f. (Nummern oben).
  5. Leo <Africanus> ; Lorsbach, Georg Wilhelm [Übers.]: Johann Leo’s des Africaners Beschreibung von Africa ; Erster Band : welcher die Uebersetzung des Textes enthält. Herborn : Buchhandlung der hohen Schule, 1805, (Bibliothek der vorzüglichsten Reisebeschreibungen aus den frühern Zeiten ; 1), S. 545.
  6. Coppin, Jean ; Sauneron, Serge (Hg.): Voyage en Égypte de Jean Coppin : 1638 - 1639, 1643 - 1646. Le Caire : Institut français d’archéologie orientale du Caire, 1971, S. 209.
  7. Baedeker, Karl: Ägypten und der Sûdan : Handbuch für Reisende. Leipzig : Baedeker, 1928 (8. Auflage), S. 82.
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