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Doppeltempel von Kom Ombo

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Doppeltempel von Kom Ombo
Doppeltempel von Kom Ombo
معبد كوم أمبو
GouvernementAssuan
Höhe
95 m
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Lage
Lagekarte von Ägypten
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Doppeltempel von Kom Ombo

Der Doppeltempel von Kom Ombo, arabisch: ‏معبد كوم أمبو‎, Maʿbad Kūm Umbū, ist eine altägyptische Tempelanlage am östlichen Nilufer in Oberägypten, der den beiden getrennt voneinander verehrten Gottheiten Sobek (Suchos) und Haroëris geweiht war. Der Tempel befindet sich etwa 3,5 Kilometer südwestlich des Zentrums der Stadt Kom Ombo. Die Tempelanlage wurde in ptolemäischer Zeit errichtet, zu kleinen Teilen auch in römischer Zeit erweitert. Die Reliefs und Dekorationselemente des Doppeltempels zählen zu den bedeutendsten Werken ptolemäischer Baukunst.

Hintergrund[Bearbeiten]

Bau- und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Doppeltempel von Kom Ombo entstand in der ptolemäischen Epoche Ägyptens 304 bis 31 v. Chr. Kom Ombo, das damalige Omboi (auch Ombos), war zu dieser Zeit neben Elephantine Verwaltungszentrum des ersten oberägyptischen Gaues Ta-seti.

Tempelruine 1845/49 …
… und in den 1870er Jahren

Vermutlich wurde der Tempel unter Ptolemaios VI. Philometor begonnen und auf den Resten wesentlich kleinerer Vorgängerbauten aus der 12. Dynastie im Mittleren Reich sowie aus der 18. und 19. Dynastie des Neuen Reiches erbaut. Die Umfassungsmauer umgab den Tempel auf einer Breite von 51 und einer Länge von 96 Metern. An der Dekoration arbeitete man bis ins 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. weiter, stellte sie jedoch nie gänzlich fertig. So sind in den Kapellen im hinteren Bereich des Tempels noch teilweise nur vorgearbeitete Reliefs zu erkennen. Andere Teile des Tempels, so der westliche Teil des Eingangspylon mit angrenzender Umfassungsmauer und des daran angeschlossenen Mammisi („Geburtshaus“), wurden erst in jüngster Zeit durch ein Hochwasser zerstört.

Die Ruinen des Tempels von Kom Ombo waren lange Zeit bis über die Hälfte durch Sand verschüttet. Sie wurden erst 1893 unter dem französischen Archäologen Jacques de Morgan freigelegt und restauriert. Nordwestlich vor dem Tempel stand bis ins 19. Jahrhundert das große Mammisi des Ptolemaios VIII. Euergetes II.

In der jüngeren Geschichte Ägyptens entwickelte sich der Standort der Tempelanlage zu einem Anziehungspunkt für den Tourismus. Die Besichtigung des Tempels von Kom Ombo ist fester Bestandteil der Nilkreuzfahrten zwischen dem 150 Kilometer nördlich gelegenen Luxor und dem 40 Kilometer südlich gelegenen Assuan.

Verehrte Götter[Bearbeiten]

Der Doppeltempel von Kom Ombo ist der einzige Tempel Ägyptens, in dem in weitgehend getrennten Tempelteilen zwei verschiedene Götter verehrt wurden: Die vom doppelten Haupteingang aus gesehen rechte, südöstliche Hälfte war dem krokodilgestaltigen Sobek, dem krokodilköpfigen Wasser-, Fruchtbarkeits- und Schöpfergott, geweiht. Im linken, nordwestlichen Halbtempel galt die Verehrung dem falkenköpfigen Haroëris, dem Licht- und Himmelsgott, aber auch Kriegsgott. Der falkenköpfige Haroëris war eine Erscheinungsform des Gottes Horus, entsprechend auch „Horus, der Große“ oder „Horus, der Alte“ genannt.

Der Gott Haroëris bildete in Kom Ombo mit der Göttin Ta-senet-nofret und der Kindgottheit Pa-neb-taui eine eigene Gotterdreiheit, eine Triade, ebenso der Gott Sobek mit der Göttin Hathor und dem Kindgott Chons.

Anreise[Bearbeiten]

Auto und Bus[Bearbeiten]

Die Anreise kann mit dem Zug, dem Bus oder PKW aus Assuan erfolgen. Da sich der Tempel westlich außerhalb der Stadt befindet, benötigt man ein Taxi, um zum Tempel zu gelangen.

Für die An- und Abreise nach Assuan oder Luxor benötigt man in der Zeit von 06:00 bis 18:00 Uhr keinen Konvoi mehr. In der Nacht ist man auf einen kostenpflichtigen Privatkonvoi angewiesen.

Mit dem Schiff[Bearbeiten]

Sehr beliebt sind Nilkreuzfahrten. Die Anlegestelle der auf dem Nil verkehrenden Kreuzfahrtschiffe liegt direkt neben dem Doppeltempel, etwa 70 Meter westlich der Tempelanlage.

Mobilität[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die archäologische Stätte ist für Besucher täglich von 9–17 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt LE 80 und für Studenten LE 40 (Stand 10/2017), das Krokodilmuseum eingeschlossen.

Tor Ptolemaios’ XII.[Bearbeiten]

Hof vor dem Haupteingang zum Doppeltempel
Kapitelle im Pronaos
Nördliches Sanktuar für Haroëris
Der römische Kaiser [Marc Aurel] opfert an Haroeris, dazwischen ein Schrank mit medizinischen Instrumenten

Damals wie heute betrat man den Tempel durch einen Pylon in der Südwestecke, von dem nur noch der östliche Turm erhalten ist.

Der Doppeltempel[Bearbeiten]

Auf der südwestlichen Seite des den Vorhof begrenzenden Pylons ist der römische Kaiser Domitian dargestellt, der gemeinsam mit anderen Göttern der Triade Sobek, Hathor und Chons huldigt, begleitet von einem 52 Zeilen umfassenden Text in Hieroglyphenschrift.

Hinter den zwei zentralen Eingängen in der Umfassungsmauer, einem Doppelportal zum Tempelbereich, befand sich ein Hof mit sechzehn ihn flankierenden Säulen. Von diesen Säulen sind nur noch deren untere Teile mit ihrer Basis erhalten. Sie sind reich mit Reliefs und Hieroglyphen verziert, in denen sich Spuren der Original-Bemalung erhalten haben. Auf den Säulen wurde Kaiser Tiberius abgebildet, bezeichnet in den nebenstehenden, in den Stein geschlagenen Schriften, wie er den Göttern Gaben darbringt. In der Mitte des Hofes sind noch Reste des Altars vorhanden, auf den während der Götterprozessionen die heilige Barke abgestellt wurde.

An der Nordostseite des Hofes schließt sich die mit Basreliefs, flachen erhabenen Reliefs, dekorierte Außenmauer des Tempelgebäudes an, in die fünf Säulen integriert sind, von denen nur noch die drei mittleren die volle Höhe von 12 Metern bis zum Architrav aufweisen. Sie bildeten mit den dahinter befindlichen zwei weiteren Säulenreihen zu je fünf gleich hohen Säulen die Stützen für das Dach des Pronaos, der Tempelvorhalle. Seitlich der Türöffnungen zum Pronaos geben die dortigen Reliefs Reinigungszeremonien wider. Die glockenförmigen Kompositkapitelle der Säulen sind in Form von Lotosblüten, Papyrus oder Palmen ausgebildet. Die Säulenschäfte wie auch die Reliefs der Halle zeigen Texte und Ehrerbietungsszenen ptolemäischer Pharaonen, unter ihnen Kleopatra VI., gegenüber den Göttern. An der Decke der Halle finden sich astronomische Szenen und Geier, abwechselnd mit einem durch die Krone Oberägyptens dargestellten Geierkopf und einem mit der Krone Unterägyptens versehenen Schlangenkopf als Symbole für die jeweiligen Göttinnen Nechbet und Wadjet.

Der weitere Weg ins Innere zur zweiten Säulenhalle, auch „Saal der Opfergaben“, führt wie schon der Zugang vom Hof durch zwei auf das Doppelheiligtum hinweisende parallele Zugänge. Die zehn in zwei Reihen angeordneten Säulen der zweiten Halle sind fast um die Hälfte niedriger als die des Pronaos. Dieser kleinere Säulensaal zeigt ähnliche Szenen in seinen Wandreliefs wie die davor befindliche Halle, nur mit der Darstellung weiterer Pharaonen, so Ptolemaios VIII. Euergetes II. mit seiner Frau Kleopatra III. Euergetis und Ptolemaios XII. Neos Dionysos. Diesem Raum folgen drei quer angelegte Vorsäle, erbaut durch den dort in den Reliefs erscheinenden Pharao Ptolemaios VI. Philometor, dahinter die zwei Sanktuarien der Götter Haroëris und Sobek mit schwarzen Granitsockeln. Von den durch eine Trennwand abgeteilten Heiligtümern der beiden Gottheiten ist lediglich ein Dekorationsfragment und eine Widmungsinschrift über der linken Tür erhalten.

Das Innere des Tempels umgeben zwei Korridore, einer ausgehend vom Hof mit den sechzehn Säulen entlang der Innenseite der Umfassungsmauer, der zweite daran anschließend zum Zentrum des Tempels mit Zugang vom Pronaos. Auf der Nordostseite hinter den Heiligtümern, deren geschlossene Rückwand heute nicht mehr existiert, schließen sich sieben Räume unbekannter Bestimmung an. Vom mittleren führt eine Treppe nach oben auf eine Terrasse. Die Räume sind sämtlich mit Reliefs mit Götter- und Pharaonendarstellungen verziert, die zum Teil jedoch unvollendet geblieben sind. Als Besonderheit zeigt ein Relief des inneren Korridors an der Innenseite der zweiten Tempelmauer einige chirurgische Instrumente wie Lanzetten, Scheren, Operationszangen und andere.

Nebengebäude und -anlagen[Bearbeiten]

Das Mammisi[Bearbeiten]

Reste des Geburtshauses

Vor der Westecke des Vorhofes zum Tempel stand bis ins 19. Jahrhundert das Mammisi, ein Geburtshaus, bevor es der Nil bei einem Hochwasser bis auf wenige Überreste zusammen mit dem westlichen Teil der Umfassungsmauer wegschwemmte. Das Mammisi war durch Pharao Ptolemäus VIII. Euergetes II. errichtet worden. Erhalten ist ein Relief mit dem Pharao und zwei Gottheiten, die sich auf einer Barke inmitten von Papyrussümpfen befinden. Nordöstlich der Reste des Mammisi sind heute neben dem Tempelhof zwei Reliefsteine mit den beiden Hauptgöttern des Tempels Sobek und Haroëris zur Ansicht aufgestellt.

Die Hathor-Kapelle[Bearbeiten]

Hathor-Kapelle

An der rechten Seite des Tempelhofes, der südlichen Ecke des Tempels, steht eine kleine Kapelle. Das unvollendete, aber gut erhaltene Bauwerk wurde unter Kaiser Domitian zu Ehren der Göttin Hathor errichtet. Die griechische Kultur des östlichen Mittelmeerraumes stellte Hathor der griechischen Göttin Aphrodite gleich. In der Kapelle waren Krokodilmumien und -sarkophage aufgebahrt, die aus einer nahen Nekropole stammen und jetzt in einem neu erbautem kleinen Museum zu besichtigen sind. Sie sind Überreste des Kultes um den krokodilköpfigen Sobek.

Das Nilometer[Bearbeiten]

Nilometer

Etwa 25 Meter nordwestlich der Mitte des Tempelkomplexes befindet sich ein Nilometer zur Bestimmung des Wasserstandes. Dabei handelt es sich in Kom Ombo um einen begehbaren runden Brunnenschacht aus Großstein-Mauerwerk, in dem anhand von Markierungen die Pegelhöhe des Nil abgelesen werden konnte. Die Ergebnisse der Ablesungen hatten im alten Ägypten direkten Einfluss auf die Festsetzungen der Höhe der Steuern, die von der Bevölkerung zu entrichten waren. Dies hing mit dem Wasserbedarf zur Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen zusammen. Je mehr Wasser durch einen höheren Flutpegel des Flusses zu Verfügung stand, umso besser fielen die Ernteerträge aus, so dass auch höhere Abgaben erhoben werden konnten.

Sobek-Kapelle[Bearbeiten]

Am äußersten Ostende finden sich die Überreste einer kleinen Sobek-Kapelle.

Krokodilmuseum[Bearbeiten]

Krokodilmuseum

In unmittelbarer Nähe zum Doppeltempel wurde ein Krokodilmuseum errichtet. Zum einen werden mumifizierte Krokodile und Eier präsentiert. Andererseits sind verschiedene Statuen und Reliefs ausgestellt, die den Krokodilsgott Sobek zeigen.

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Unterkunft[Bearbeiten]

Im Umkreis des Tempels oder in der Stadt Kom Ombo gibt es keine Unterkünfte. Touristen besuchen Kom Ombo üblicherweise von Luxor oder Assuan aus.

Ausflüge[Bearbeiten]

Man kann die Besichtigung des Doppeltempels von Kom Ombo mit dem der Stadt Kom Ombo, der archäologischen Stätte von Gebel es-Silsila oder mit der Stadt Edfu mit dem dortigen Horus-Tempel verbinden.

Literatur[Bearbeiten]

Nachschlagewerke[Bearbeiten]

  • Gutbub, Adolphe: Kom Ombo. In: Helck, Wolfgang ; Westendorf, Wolfhart (Hg.): Lexikon der Ägyptologie ; Bd. 3: Horhekenu - Megeb. Wiesbaden : Harrassowitz, 1980, ISBN 978-3-447-02100-5, Sp. 675–683.
  • Bonnet, Hans: Ombos. In: Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Berlin : de Gruyter, 1952, 32000, ISBN 978-3-11-016884-6, S. 542.
  • Arnold, Dieter: Die Tempel Ägyptens. Augsburg : Bechtermünz, 1996, ISBN 978-3-86047-215-6, S. 96–98.
  • Bianchi, Robert S.: Kom Ombo. In: Bard, Kathryn A. (Hg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. London, New York : Routledge, 1999, ISBN 978-0-415-18589-9, S. 418–421.

Publikationen zum Tempel[Bearbeiten]

  • Morgan, Jacques de: Kom Ombos. Wien, 1895–1909, (Catalogue des monuments et inscriptions de l’Egypte antique ; 2–3). Zwei Bände.
  • Gutbub, Adolphe: Textes fondamentaux de la théologie de Kom Ombo. Le Caire : Inst. français d’archéologie orientale, 1973, (Bibliothèque d’étude ; 47).
  • Gutbub, Adolphe: Kôm Ombo ; 1: Les inscriptions du naos : (sanctuaires, salle de l'ennéade, salle des offrandes, couloir mystérieux). Le Caire [u.a.] : Inst. français d’archéologie orientale, 1995, ISBN 978-2-7247-0161-6.
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