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Dischāscha

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Dischāscha ·دشاشة
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Dischascha (auch Deschascha, Deshasheh, Dechachah, arabisch: ‏دشاشة‎, Dischāscha) ist ein Dorf im ägyptischen Gouvernement Beni Suef, im Kreis Sumusṭā (arabisch: ‏مركز سمسطا‎, Markaz Sumusṭā), etwa 26 Kilometer südwestlich von Beni Suef gelegen. Etwa fünf Kilometer westlich des Dorfes befindet sich in der Wüste der Alte-Reichs-Friedhof von Dischāscha, der hauptsächlich Ägyptologen interessieren dürfte, aber nicht touristisch erschlossen ist.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Dorf 1 Dischāscha (28° 58′ 59″ N 30° 51′ 2″ O) mit seinen 11.844 Einwohnern befindet sich auf der linken Seite des Josephskanals, etwa 26 Kilometer Luftlinie südwestlich von Beni Suef und sieben Kilometer westlich von Ṣafṭ Rāschīn gelegen. Es erstreckt sich von Westen nach Osten über etwa 1000 Meter.

Berühmtheit erlangte das Dorf wegen der fünf Kilometer westlich gelegenen Nekropole aus dem späten Alten Reich, die sich bereits in der Wüste befindet. Auf einem isoliertem Felsen befinden sich zwei Felsengräber, zwei gemauerte Mastabas und etwa 160 weitere kleine Anlagen. Die größeren Anlagen ließen sich Gaufürsten des 20. oberägyptischen Gaus aus der 5. bzw. 6. Dynastie zuordnen. Nur die beiden großen Felsengräber verfügen über eine Dekoration. Neben gängigen Szenen in Gräbern des Alten Reichs befinden sich im Grab des Inti Kampfhandlungen zwischen Ägyptern und Asiaten, also Syrern.

Weitere undekorierte Gräber ließen sich nur über ihre Grabbeigaben identifizieren, so die Gräber des Nencheftka(j) und Meri, die allesamt als Gaufürsten oder Gauverwalter tätig waren. Die bekannte bemalte Kalksteinstatue des Nencheftka(j) befindet sich heute im British Museum in London, Inv.-Nr. BM 1239.[1]

Neben den genannten Gräbern befinden sich auf dem Friedhof vielfältig gestaltete Schachtgräber ohne bzw. mit Mastabas oder Felsenkapellen. Sie lassen sich nicht so einfach datieren. Sie müssen nicht unbedingt aus der 5. oder 6. Dynastie stammen.

Erste Grabungen wurden 1897 vom britischen Ägyptologen William Matthew Flinders Petrie (1853–1942) durchgeführt. Ein Teil der Gräber wurde in zwei Grabungskampagnen 1991/1992 und 1992/1993 unter Naguib Kanawati und Ann McFarlane vom Australian Centre for Egyptology erneut untersucht. Während dieser Kampagnen wurden die Gräber restauriert und die Fassaden mit zusätzlichem Mauerwerk gesichert.

Anreise[Bearbeiten]

Lageplan von Dischāscha

Eine Anreise ist nur mit einem PKW oder Taxi möglich. Die einfachste Anreise kann über den Giza Luxor Highway von Kairo oder Beni Suef aus erfolgen. Man wählt dann die 1 Ausfahrt nach Sumusṭā nach Südosten. Nach dreieinhalb Kilometern gelangt man zu einem ausgeschilderten 2 Abzweig nach Norden auf eine Piste zum altägyptischen Friedhof von Dischāscha.

Das Dorf lässt sich mit einem PKW oder Taxi „über die Dörfer“ über Bibā (2 28° 55′ 42″ N 30° 59′ 5″ O, arabisch: ‏ببا‎), Ṣafṭ Rāschīn (3 28° 58′ 17″ N 30° 54′ 57″ O, ‏صفط راشين‎), Benī Muʾmina (4 28° 59′ 6″ N 30° 54′ 10″ O, ‏بني مؤمنة‎) und Daschṭūṭ (5 28° 58′ 56″ N 30° 52′ 25″ O, ‏دشطوط‎) erreichen. Im Südosten des Dorfs Dischāscha gibt es eine Brücke über den Josephskanal. Das Dorf muss man dann im Osten umrunden und zweimal nach links bei 3 29° 0′ 40″ N 30° 51′ 12″ O und 4 29° 1′ 4″ N 30° 50′ 32″ O abzweigen. Zwei weitere Pistenabzweige bei 5 29° 0′ 11″ N 30° 49′ 40″ O und 6 28° 59′ 57″ N 30° 49′ 29″ O führen dann zu den Gräbern.

Der Weg zu den Gräbern muss zu Fuß teilweise über Treppen zurückgelegt werden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Friedhof ist noch nicht für Touristen geöffnet. Für eine Besichtigung der Gräber benötigt man die Genehmigung der ägyptischen Antikenbehörde. Eine Besichtigung wäre dann in Begleitung des hiesigen Inspektors möglich. Ansonsten bleibt nur die Möglichkeit, die kleineren Grabanlagen von außen zu betrachten. Für die dekorierten Gräber, so man die Möglichkeit erhalten hat, sollte eine Taschenlampe mitgeführt werden. Der Friedhof ist jedoch bereits für die Besichtigung durch Touristen vorbereitet.[2] Seit 2019 gibt es einen offiziellen Eintrittspreis: LE 30, für Studenten LE 30 (Stand 11/2019).

Die Gräber befindet sich auf bzw. an 1 isolierten Felsen (29° 0′ 17″ N 30° 49′ 16″ O). Die größeren Anlagen befinden sich etwa 25 Meter über dem Wüstenboden.

Das südliche 2 Grab des Inti (29° 0′ 9″ N 30° 49′ 10″ O) ist das bedeutendste Grab dieses Friedhof. Es besitzt noch Farbreste, und mit seinen Kampfdarstellungen stellt es eine Besonderheit dar. Vielleicht ist es auch das schönere Grab. Inti war Gauverwalter, Vorsteher der königlichen Monumente und Leiter der Residenz. In seinem Grab sind seine Ehefrau und Königsbekannte Meret-Min, seine Söhne Iun-Nefer und Nefer-her-Re sowie seine Töchter Wetzet-Kau(s) und Hetep-her(es) benannt. Die Zeit der Errichtung des Grabs ist umstritten. Die Zeitangaben liegen im Zeitraum von der Mitte der 5. bis zur Mitte der 6. Dynastie.

Kampfdarstellungen und Eroberung einer Festung im Grab des Inti nach eine Zeichnung von William Matthew Flinders Petrie

Das Grab besaß einst eine leicht geböschte Fassade aus gemauerten Kalksteinblöcken im Osten. Durch die Böschung nimmt es etwa die Form einer Mastaba, eines Bankgrabs, an. Ein kurzer Gang führt zu einer quer liegenden Pfeilerhalle, deren drei Pfeiler aufgemauert sind. An der Rückseite der Halle befinden sich außen je eine undekorierte Kammer, die sicher die Funktion eines Serdabs ausgefüllt haben, d.h., hier standen wohl die Ka-Statuen des Grabherrn. In der Mitte der Rückwand befindet sich die Kultnische mit einem abschüssigen Zugang zur Grabkammer. Der Zugang zur Grabkammer war einst vermauert, stuckiert und bemalt. An den Pfeilern der Querhalle befinden sich Darstellungen des Grabherrn. An den Wänden und in der Kultnische befinden sich bekannte Grabdarstellungen wie z.B. die des Grabherr mit seiner Ehefrau und seiner kleinen Tochter vor Opfern sowie die der Opferliste, von Opferträgern, von Männern, die Tiere heranbringen, des Einfangens von Geflügel mit einem Netz, der Papyrusernte, von Musikern, Tänzern, Schlächtern und dem Grabherrn beim Fischfang mit dem Netz und auf einem Boot samt Besatzung. Die rechte Eingangswand ist aber die wichtigste im ganzen Grab: Hier wurden die Erstürmung einer syrischen Festung und links daneben zahlreichen Schlachtenszenen zwischen Ägyptern und Syrern dargestellt.

Das nördlicher gelegene 3 Grab des Iteti (29° 0′ 25″ N 30° 49′ 21″ O), genannt Schedu, stammt aus der späten 6. Dynastie. Im Grab des Gaufürsten sind seine Ehefrau Henti, seine Schwester Meret-ites, seine Mutter Meret-ites, seine Söhne Neni, genannt Dedef-hetep, und Cha-en-Sobek sowie seine Tochter Meri genannt. Vielleicht besaß er noch eine weitere Tochter. An der Grabfassade finden sich weitere Bekannte.

Das Grab besaß einst einen Hof, der zu einer Fassade im Osten mit zwei Pfeilern führte. Die Fassade wird heute mit einem Vorbau geschützt. Die Grabfassade stellt zu dieser Zeit eine Besonderheit dar. Dieses Architekturdetail ist sonst erst im Mittleren Reich zu finden. An der Fassadenrückwand sind u.a. der Grabherr beim Harpunieren von Fisch, Opferträger und eine Totenprozession zu sehen.

Ein Gang mit aufsteigenden Treppenstufen führt zur quer liegenden Pfeilerhalle mit drei Pfeilern und zwei Halbpfeilern. In der Mitte der Rückwand befindet sich die Kultnische. Unterhalb der Kultnische führt ein Schacht zum eigentlichen Grab. Links neben der Kultnische befindet sich eine undekorierte Kammer, die wieder als Serdab genutzt wurde.

Die Szenen der Pfeilerhalle sind wiederum aus dem Szenenkanon der Alten-Reichs-Gräber bekannt. Der Grabherr fisch zusammen mit seiner Familie in den Marschen und überwacht Weingüter und die Weinherstellung. Zu weiteren Szenen gehören die Opferliste, Opfer und Opferträger, das Heranbringen von Geflügel, Ziegen und Vieh, Schlächter, Ernteszenen und Getreidespeicher, das Erfassen von Vieh durch Schreiber sowie Tischler und Lederarbeiter.

Einkaufen[Bearbeiten]

Küche[Bearbeiten]

Restaurants gibt es in Beni Suef.

Unterkunft[Bearbeiten]

Unterkünfte finden sich in Beni Suef

Literatur[Bearbeiten]

  • Petrie, W[illiam] M[atthew] Flinders: Deshasheh 1897. London : Egypt Exploration Fund, 1898, (Memoir of the Egypt Exploration Fund ; 15).
  • Brunner, Hellmut: Die Anlagen der ägyptischen Felsgräber bis zum Mittleren Reich. Glückstadt-Hamburg ; New York : Augustin, 1936, (Ägyptologische Forschungen ; 3), S. 37–40.
  • Kanawati, N[aguib] ; McFarlane, A[nn]: Deshasha : the tombs of Inti, Shedu and others. Sydney : Australian Centre for Egyptology, 1993, (Reports / Australian Centre for Egyptology ; 5), ISBN 978-1-86408-064-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Painted limestone statue of Nenkheftka, Beschreibung des British Museums.
  2. Nevine El-Aref: Beni Sweif tombs to open, Mitteilung der Al-Ahram Weekly vom 13. Oktober 2016.
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